Tagesarchiv für den 6. September 2010

Doppelte Entwarnung

6. September 2010

„Auf dem ersten Bild hat man nichts gesehen. Deswegen wird es nun noch ein zweites geben.“ Das sagte HSV-Trainer Armin Veh über die Kernspintomographie, die über die Knie-Verletzung von Marcell Jansen Aufschluss geben sollte. Aber auch bei der zweiten Aufnahme gab es nichts zu sehen – alles ist anscheinend in Ordnung. Es soll sich lediglich um eine Reizung des linken Knies handeln. Heute fuhr der Nationalspieler nur leicht auf dem Fahrrad, weil Jansen noch leichte Schmerzen verspürt, morgen wird dann entschieden, ob und wie die Belastung gesteigert werden kann. Auf jeden Fall ist es so, dass noch nicht über einen Ausfall Jansens für das Nürnberg-Spiel am Sonnabend gesprochen werden kann.

Gleiches gilt auch für Dennis Aogo. Am Sonnabend musste der WM-Teilnehmer noch für das Regionalliga-Team des HSV (gegen Wilhelmshaven) passen, doch heute kam der Abwehrspieler zum Training und konnte beim Betreten der Räumlichkeiten ein gewisses Strahlen nicht verbergen: „Es ist jetzt wieder alles okay, ich habe keine Beschwerden mehr.“ Warum auch immer. Eine doppelte Entwarnung also bei den so begehrten Linksfüßen des HSV, doch Armin Veh traut dem Frieden noch nicht ganz: „Erst einmal abwarten, wie sie das Training bis zum Sonnabend überstehen werden . . .“

Aogo machte auf jeden Fall das Abschlussspiel mit (auch Torwarttrainer Ronny Teuber war als Feldspieler dabei!), es sieht ganz gut aus, aber Veh sagt: „Dennis hat ja noch gar nicht mit der Mannschaft trainieren können, deswegen ist es immer ein Risiko, einen nicht ganz fitten Spieler einzusetzen. Er braucht ganz sicher noch einige Spiele, um wieder voll da zu sein.“ Einer von den beiden Links-Verteidigern, Jansen oder Aogo, wird aber wohl spielen müssen, denn Armin Veh würde höchst ungern Ze Roberto nach hinten ziehen. Obwohl der Coach auch sagt: „Ze wäre für den Fall der Fälle immer eine Option.“ Und ansonsten? Tomas Rincon und Robert Tesche. Der Reihenfolge nach. Lennard Sowah spielt bei solchen Gedankengängen des Trainers noch keine Rolle. Obwohl der 17-Jährige ja schon auf Einsätze in der Premier League verweisen könnte. Was zwar generell richtig wäre, aber unter besonderen Vorzeichen zustande kam, denn: Bei Absteiger FC Portsmouth waren das in der vergangenen Saison keine normalen Maßstäbe. Den Engländern fehlte vor einem halben Jahr das Geld, um Auflaufprämien zahlen zu können, deswegen mussten in der Endphase der Meisterschaft einige Nachwuchskräfte ran. Darunter auch Sowah. Mit dem ehemaligen Spieler des SC Urania aber, das steht fest, müssen sie alle beim HSV noch viel Geduld aufbringen.

Das heutige Training hat verpasst hat Jonathan Pitroipa, der um 16 Uhr erst landen sollte – und demnach morgen dabei ist. Dennoch, die Spieler, die dabei waren, die tragen klangvolle Namen: Frank Rost, Jaroslav Drobny. Paolo Guerrero, Robert Tesche, Ze Roberto, Piotr Trochowski, Dennis Aogo, Tom Mickel und Guy Demel, der nur bei den Stabilisations-Übungen mit von der Partie war, dann aber laufen ging. Mit ihm lief auch Dennis Diekmeier, der am Mittwoch wieder ins Mannschaftstraining einsteigen will (soll?). Erfreulich: Heung Min Son war auch in der Arena (auf der morgen die ersten Buchstaben montiert werden sollen), der Südkoreaner fuhr Fahrrad.

„Ich freue mich auf Mittwoch, wenn die Spieler wieder da sind“, sagt Armin Veh und sagt fast ein wenig zähneknirschend: „So ist das ja keine Trainiererei. Aber es ist ja immer das Gleiche. Da kann man ja niemanden auf die Spiele einstellen. Das kann man doch gar nicht. Und wenn es dann am Sonnabend schief geht, dann fragen sich die Fans, was die die ganze Woche über machen?“

Es kann übrigens noch sein, dass David Jarolim kurzfristig fehlen wird. Der werdende Vater wird dann nach Prag fliegen, wenn die Wehen bei seiner Freundin einsetzen. Grünes Licht hat der Tscheche von Trainer Veh bereits erhalten, denn der sagt: „Wenn einer fit ist und mal einen Tag ohne Training sein kann, dann ist es David Jarolim.“

Das Training am Montag haben fast alle gut überstanden, lediglich Drobny ließ sich nach dem Ende eine Binde um das rechte Knie verpassen, dann wurde der Keeper mit dem Golf-Car in Richtung Kabine gefahren. Kurios: Die Trainer ging um 17.30 Uhr vom Platz, die Spieler aber ließen sich noch im Rasen nieder und klönten miteinander. Lediglich Guerrero und Trochowski wagten noch einige Torschüsse, bevor auch sie zur Arena gingen (vielen Dank, Benno Hafas!).

Ja, und nun wartet am Sonnabend der 1. FC Nürnberg auf den HSV. „Wir sind in Hamburg der Favorit“, sagt Armin Veh. Natürlich, aber den Franken steht schon jetzt das Wasser bis zum Hals, das Spiel könnte durchaus unangenehm werden. Zumal Veh das sagt, was im Prinzip jeder seiner Kollegen sagt: „Es gibt in der Bundesliga keine leichten Spiele mehr.“ Natürlich nicht. Aber ein HSV-Sieg würde weitere Hoffnungen auf bessere Zeiten keimen lassen. Und er würde auch einen Uralt-Rekord einstellen, denn: Drei Siege zu Saisonbeginn hat der HSV zuletzt in der Saison 1974/75 geschafft. Es gab erst einen 3:1-Erfolg in Mönchengladbach, ein 1:0 daheim gegen Kickers Offenbach und wieder einen 3:1-Sieg in Frankfurt. Bei allen drei Erfolgen dabei: Rudi Kargus, Manfred Kaltz, Peter Nogly, Horst Bertl, Caspar Memering, Kurt Eigl, Klaus „Jonny“ Winkler, Ole Björnmose, Willi Reimann, Georg Volkert und Klaus Zaczyk. Am vierten Spieltag folgte dann in Hamburg ein 1:1 gegen Hertha BSC. Und am Ende der Saison belegte der HSV Rang vier. Könnte ich nach dieser Spielzeit auch wunderbar mit leben . . .

Apropos wunderbar: Ist es nicht herrlich, dass der „alte“ Ruud van Nistelrooy „sein“ Tor bei der niederländischen Nationalmannschaft gemacht hat? Egal in welchem Pille-Palle-Spiel auch immer, er hat es gemacht, in einem Kurz-Einsatz. Und nicht nur im Nachbarland haben sich alle mit „Van the man“ gefreut, auch hier in Hamburg wurde gejubelt. Und Armin Veh gibt zu: „Ich habe mich schon gleich gefreut, als er mir von seiner Nominierung berichtete. Und nun dieses Tor, alles ist bestens. Der Mann ist ja auch fit, auf diese Länderspiel-Einsätze hat er doch hin gearbeitet. Er könnte auch 90 Minuten spielen, keine Frage. Ich habe keinerlei Bedenken, weil er zurzeit bei seiner Nationalmannschaft ist, er ist absolut fit – er wollte diese Nominierung doch, und er hat sie sich verdient, weil er alles dafür getan hat.“ Der “alte Wolf” hat eben noch immer den richtige Biss.

Am Dienstag wird beim HSV einmal trainiert, die Einheit beginnt um 10 Uhr.

18.16 Uhr

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