Tagesarchiv für den 5. September 2010

Choupo-Motings Motivationsschub

5. September 2010

Oha. Jetzt wäre es fast passiert. Beinahe wäre ein ganz normaler Matz-ab-Tag als Nullrunde ausgegangen. Und das nicht etwa, weil es nichts Berichtenswertes über den HSV gegeben hätte, sondern weil es ein Missverständnis zwischen mir und meinem Kollegen Christian Pletz gab. Ihr wisst schon: Der, der mich gelegentlich auch am Rande des Trainingsplatzes vertritt, wenn ich mal nicht kann oder einen meiner „freien Tage“ außerhalb der HSV-Alltags verbringe. Heute habe ich gewartet und gewartet, dass mein Kollege mich anruft und mit seinen Recherchen beliefert, so wie es bislang immer sehr gut funktioniert hat. Ich wurde auch nicht nervös, als er sich um 18 Uhr noch nicht gemeldet hatte, denn ich habe zwischenzeitlich natürlich auf das Ergebnis seines Bezirksligapunktspiels geschaut. SV Eidelstedt 2 hat in Eilbek eine deftige 1:5-Pleite kassiert, und da Pletzi beim Aufsteiger der Abwehrchef ist, dürfte er einen mächtig dicken Hals gehabt haben, da wollte ich ihn lieber erst einmal schonen. Als er aber bis eben noch nicht angerufen hatte, habe ich mal spontan nachgehakt. Und was sagt er? „Wieso, ich dachte, Du wärest heute dran. Ich habe mich schon gewundert, dass Jansens Kernspintomographie immer noch ganz oben steht.“

Tja, selbst eingespielte Duos wie er und ich reden manchmal aneinander vorbei. Ich bitte das zu entschuldigen. Nun haben wir uns beide ein wenig schlau gemacht und dabei herausgefunden, dass der Neuigkeitenwert dieses Blogbeitrags kein sonderlich hoher wird, was in der Natur der Sache liegt, wenn kein Training und auch keine Punktspiele stattfinden. Einen Beitrag soll es aber natürlich trotzdem geben – alleine schon wegen des traditionellen Wertes.

Armin Veh wird die vergangenen Tage im Hinblick auf seine Sturmreihen positiv bewerten. Seine echten Stürmer Ruud van Nistelrooy, Mladen Petric und Eric Maxim Choupo-Moting konnten für ihre Nationalmannschaften Treffer in Qualifikationsspielen erzielen. Besonders bei Choupo, der für Kamerun in der Afrika-Cup-Qualifikation gegen Mauritius zum Einsatz kam, dürfte das einen besonderen Motivationsschub geben. Erstens weil der Altonaer Jung der einzige Torschütze neben Weltstar Samuel Eto’o (Inter Mailand) war, zweitens weil er damit Eigenwerbung für Kurzeinsätze in den kommenden Wochen macht. Und Veh hat ihn ja zuletzt schon einmal ausdrücklich gelobt. Er zeige Fortschritte im Training und er habe ihn auf dem Zettel, hatte Veh gesagt – und das ist auch einer der Gründe, warum er ihn trotz einiger zaghafter Anfragen aus Liga eins und zwei auf keinen Fall ziehen lassen wollte. Choupo-Moting hat das Signal verstanden. Er will sich eine möglichst gute Ausgangsposition verschaffen, wenn es um die „Nachfolgeregelung“ eines van Nistelrooy oder auch eines Mladen Petric (man weiß ja nie, wie lange der Burgfrieden hält) geht. Choupo-Moting hat im Heimatland seines Vaters zudem positive Eigenwerbung betreiben können, nachdem ihn viele Kameruner nach der überraschenden WM-Nominierung nur für eine Eintagsfliege hielten, die nach dem Turnier kaum wieder auftauchen würde.

Morgen ist mal wieder ein entscheidender Tag beim HSV. Ihr wisst schon, Stichwort: Jansen. Angesichts seiner sofortigen Rückkehr von der Nationalmannschaft hege ich wenige Hoffnungen, dass er am kommenden Wochenende gegen Nürnberg auflaufen wird. Allerdings habe ich Signale aus der medizinischen Abteilung und sportlichen Leitung vernommen, dass Dennis Aogo gegen den Club vielleicht doch schon für eine komplette Partie auflaufen könnte. Beim Aufbautraining, das auch an diesem Wochenende fortgesetzt wurde, soll Aogo jedenfalls immer besseren Eindruck hinterlassen haben. Und wer den jungen Mann zuletzt einmal auf dem Trainingsplatz beobachtet hat, der weiß: Er sehnt sich so sehr zurück ins Mannschafts- und Spielgetümmel, dass ihm die richtige Spannung und Einstellung auf keinen Fall fehlen werden.

Am Dienstag beim Training könnte es für Aogo eine Art Härtetest geben. Hält er den durch, wird er am Wochenende ganz bestimmt im Kader stehen. Ach ja, nachdem ich Eure Kommentare zur LV-Position gelesen habe und Alternativlösungen wie Tomas Rincon (rechts), dafür Guy Demel links oder aber auch Collin Benjamin auf der Jansen-Position fand, muss ich einmal widersprechen. Klar, auf dem Papier bestehen diese Möglichkeiten wirklich, aber wer Armin Vehs Trainingsinhalte und Spielformen-Übungen beobachtet, der weiß, dass diese Alternativen für ihn (derzeit) noch keine ernsthafte Überlegung waren oder sind. Benjamin käme da schon eher als Innenverteidiger in Frage. Und Rincon betrachtet der Coach als Ersatz für David Jarolim oder Zé Roberto, sobald eine defensiv stärkere Variante gesucht wird. Wird eine offensivere Lösung gesucht, kommt Gojko Kacar zum Zug.

So, ein kurzer Satz noch zum Tag der Legenden, der gerade mit der Nacht der Legenden ausklingt. Hamburg hat das Team Deutschland am Millerntor mit 3:2 bezwungen, und die friedliche Zusammenkunft von braun-weißen und HSV-Fans macht mir Hoffnung, dass es auch beim Derby entgegen vieler Befürchtungen friedfertig zugehen wird. Den sportlichen Schlusspunkt beim Legendenmatch setzte übrigens Sergej Barbarez – ein Vollblut-HSVer also. Wenn das keine gelungene Generalprobe für die anwesenden Rothosen im neuen St.-Pauli-Stadion ist…

22:30 Uhr