Monatsarchiv für September 2010

Zittern um Ze Roberto, Jansen und Demel

30. September 2010

Um erst einmal sportlich zu beginnen: Guy Demel fehlte beim heutigen Training, denn er hat eine Magen- und Darm-Grippe. Marcell Jansen fehlte beim heutigen Training, er hat eine Stirnhöhlenentzündung. Und Ze Roberto fehlte beim heutigen Training, weil er eine kleine Muskelverhärtung hat und die medizinische Abteilung meinte, dass es besser wäre, wenn der Brasilianer einmal einen Tag mit dem Training aussetzen würde. Trainer Armin Veh aber rechnet für das Sonnabend-Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern fest mit dem „großen Ze“, ob es mit Demel und Jansen gehen wird, das ließ der Coach noch offen. Wobei Jansen schon eine Lücke hinterlassen würde, die schwer zu schließen sein dürfte. „Wenn Marcell Antibiotika schlucken müsste, dann dürfte er wohl sicher ausfallen, auch sonst könnte es knapp werden“, sagt Veh über den deutschen Nationalspieler. Der Coach zur allgemeinen Lage: Wir jammern aber trotzdem nicht, denn wir haben noch genügend Leute.“ Wobei Mladen Petric und Paolo Guerrero ohnehin schon als Ausfälle feststanden.

Vier Spiele ohne Sieg. Das ist schlimm genug. Und zudem hat der Kicker heute geschrieben, dass der HSV seit einem Jahr die zweitschlechteste Bundesliga-Mannschaft ist. Nur neun Siege seit einem Jahr. Nürnberg holte als Schlusslicht acht . . . Eine Wahnsinns-Bilanz. Die ich niemals für möglich gehalten hätte. Das ist so wie mit den gefühlten Temperaturen im Wetterbericht. Da heißt es ja auch oft: „Gemessen zwölf Grad, gefühlte sechs.“ Beim HSV hätte ich gedacht: Gefühlte zehn bis 15 Siege – aber tatsächlich gezählt sind es neun. Ein Wahnsinn. Auf einer Veranstaltung am Nachmittag, zu der ich am Ende dieses Beitrags noch komme, sprach ich mit Felix Magath darüber. Der hätte die Zahl von neun Siegen auch nicht für möglich gehalten, weil er den guten Saisonstart von vor einem Jahr noch im Gedächtnis hatte. Dann sagte er aber: „Ich halte nichts von solchen saisonübergreifenden Statistiken, man dreht es sich dann so hin, wie man es braucht.“ Stimmt ja, aber nur neun Siege? Ich kann es nicht fassen, nein, das hätte ich niemals für möglich gehalten. Kommentar Veh: „Ich bin ja erst ein paar Wochen da, zu diesem Jahr kann ich nichts sagen. Aber wenn ich ein Jahr lang diese Ergebnisse habe, dann bin ich auch nicht mehr da . . .“

Folgt am Sonnabend nun der dritte HSV-Sieg in der Ära Veh? Er sagt: „Vier Spiele ohne Sieg, das passt mir gar nicht. Wir müssen es jetzt erzwingen, das Ergebnis, den Sieg, ganz einfach, und ich bin guter Dinge, dass wir das auch können. Die Mannschaft kann es, sie hat es auch drauf.“

Hoffentlich.

Sollte Jansen tatsächlich nicht spielen können, dann stünden Eljero Elia oder Piotr Trochowski als Alternativen parat. Und für Demel, so denke ich, sollte gegen Kaiserslautern ohnehin Tomas Rincon spielen. An einen Ausfall von Ze Roberto mag ich ja gar nicht denken, aber Veh ist optimistisch.

Beim Training heute gab es nach dem Aufwärmen an drei Stellen das beliebte „Fünf-gegen-zwei-Spiel“, anschließend wurden (Direkt-)Pässe in jeder Form geübt, später über eine halbe Stunde Flanken mit Torabschluss. Eric-Maxim Choupo-Moting „versenkte“ sicher, gekonnt und manchmal spektakulär, Eljero Elia schoss hart und platziert, Robert Tesche ebenfalls – und dann tauchen zwei Namen in dieser Rangliste auf, die Euch alle verblüffen werden: David Jarolim muss Spinat gegessen haben, er schoss wie Popeye und traf mehrfach sehenswert, wie übrigens auch Jonathan Pitroipa. Der hat nach seinem Bremen-Knaller wohl Gefallen an harten Schüsse gefunden. Er drosch die Kugel einmal so wuchtig gegen die Latte, dass sich auf der anderen Seite de Trainingsanlage die Kiebitze erschraken . . . Na bitte, es geht doch! Den Hoch-und-weit-Preis des Vormittags erschoss sich Choupo-Moting, der es als einziger HSV-Profi fertig brachte, die Kugel auch über den hohen Abfangzaun zu schießen. Den Ball suchen sie morgen noch . . .

Um das noch einmal abschließend zu sagen: Die Stimmung heute im Volkspark war gut. Teilweise wurde viel gelacht und gescherzt. Aber auch einmal gezittert und gebangt. Da lag bei fünf gegen zwei plötzlich Frank Rost am Boden und krümmte sich vor Schmerzen. Er war beim Kampf um den Ball mit Choupo-Moting ganz hart zusammengeprallt, das sah wirklich böse aus, Jarolim und Joris Mathijsen gaben an die medizinische Abteilung schon das Auswechselzeichen, aber dann erhob sich der Keeper doch noch, schüttelte sich kurz und „panzerte“ wie eh und je dem Ball nach. Aus solchem Holz sind echte Kerle geschnitzt.

Zum Abschluss des Trainings gab es ein „Scheibenschießen“. Aus 16 Metern Entfernung wurde das Tor, das abwechselnd von Rost und von Jaroslav Drobny gehütet wurde, „befeuert“. Wer traf, durfte das Training beenden. Und, wer war der Erste? Elia. Der schlug vor Freude einen Purzelbaum mit anschließender Schraube und einem Köllerbacher Übersteiger. Endlich einmal eine positive Regung der „Rakete“, es hat ja lange genug gedauert. Platz zwei ging an Muhamed Besic, Platz drei an Collin Benjamin. Nicht trafen Piotr Trochowski, Heiko Westermann, Dennis Diekmeier, Lennard Sowah und Choupo-Moting. Es ging dabei nicht nur um Treffer oder eben kein Treffer, nein, es ging um Geld für die Mannschaftskasse. Diejenigen, die nicht trafen, die müssen „blechen“.

Aber: Trotz der Tatsache, dass die Stimmung „draußen“ beim HSV locker war, es bleibt die Tatsache, dass jetzt gewonnen werden muss. Und demzufolge stehen sie alle unter Druck: Die Vereinsführung, die (und der) Trainer, die Mannschaft. Wie empfindet Armin Veh die derzeitige Situation? „Sie ist unbefriedigend. Ich möchte gewinnen. Und die Möglichkeiten waren in jedem Spiel da, aber wir haben nicht gewonnen. Und damit kann man nicht glücklich und zufrieden sein.“

Deswegen gab es in dieser Woche schon einen härteren Umgangston des Trainers, und es wurde sich meiner Meinung nach noch intensiver mit den bevorstehenden 90 Minuten beschäftigt – und auch mit den zurückliegenden. Am Mittwoch gab es Video-Anschauungsunterricht. Es gab Szenen von anderen Spielen (zum Beispiel Liverpool gegen Barcelona), in denen taktische Dinge, die aufgingen, exemplarisch gezeigt wurden. Wobei auch gute Szenen des HSV (ja, die gibt es!) dabei waren. Denn es war bisher ja nicht alles schlecht. Veh: „Diese Szenen zeigen insgesamt, wie wir uns das Spiel vorstellen, wie wir es haben wollen. Und so etwas werden wir nun öfter machen.“ Bei der Gelegenheit: Morgen (Freitag) ist um 16 Uhr Training, aber in der Arena, das bedeutet: unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Mit Kaiserslautern kommt nun ein Gegner nach Hamburg, der auch eine kleine Durststrecke hinter sich hat. Veh gibt aber zu: „Wir haben natürlich mehr Druck, keine Frage. Kaiserslautern hat es einfacher, die werden sich auf die Defensive stützen, die werden ganz kompakt stehen um dann zu kontern. Und die haben mit Hoffer und Lakic ganz schnelle Angreifer.“

Übrigens: Heute war auch der „Matz-abber“ „Gravesen“ (nicht nur er, aber auch er!) beim Training. Und als wir uns über David Jarolim unterhielten, sagte er genau das, was auch ich immer sage und schreibe: „Ich kann es nicht nachvollziehen, dass immer wieder einige fordern, Jarolim aus der Mannschaft zu nehmen. Der ist so enorm wertvoll für diesen HSV, der erobert unheimlich viele Bälle, der opfert sich förmlich für das Team auf – der ist nicht zu ersetzen.“ Mein Reden. Aber „Grave“ und ich sind wohl eine Sorte aussterbender Spezies, denn für die tschechische Nationalmannschaft ist „Jaro“ auch diesmal nicht nominiert worden. Muss Tschechien eine starke Nationalmannschaft haben, wenn sie auf einen so guten (HSV-)Spieler verzichten kann . . .

„Ich wäre zur Nationalmannschaft gefahren, aber ich soll ja nicht. Das ist vielleicht auch ganz gut so und besser für mich, denn dort zehn Tage zu verbringen und eventuell nicht zu spielen, das ist nicht gut“, sagt David Jarolim und fügt an: „Es ist die Entscheidung des Trainers, aber er braucht mich wohl nicht.“ Zu seinem heute sehr starken Schusstraining befand „Jaro“: „Es ist ja nicht so, dass ich nicht schießen kann, wichtig ist, dass man den Mut hat zu schießen. Das hat man bei Jonathan Pitroipa in Bremen gesehen.“ Zugabe, Zugabe möchte man rufen . . .

Zum Thema Mentalität hat David Jarolim übrigens eine etwas andere Meinung als sein Trainer. Der ehemalige HSV-Kapitän sagt: „Nach dem Bremen-Spiel müssen wir nicht über Mentalität sprechen, denn alle haben gesehen, das wir Mentalität haben. Es fehlen Kleinigkeiten, dass wir dieses Spiel nicht gewonnen haben, aber es lag nicht an der Mentalität, jeder will doch etwas erreichen, jeder marschiert doch. Und wir haben uns doch gegen Wolfsburg und Werder nicht schlecht präsentiert. Wir haben zehn Gegentore bekommen, da müssen wir uns verbessern. Jeder muss dafür zuständig sein, die Defensive zu verbessern. Jeder. Das fängt schon bei den Stürmern an.“ Dann ergänzte Jarolim noch: „Wir spielen doch keine Katastrophe zusammen, wir spielen doch nicht ohne System. Wenn das so wäre, dann hätte ich Schmerzen, aber ich denke, dass wir auf einem ganz guten Weg sind.“ Dennoch gibt er zu: „Angenehm ist der Blick auf die Tabelle zurzeit nicht, das ist klar.“

So, und nun werde ich doch noch ein wenig länger, denn ich muss noch über eine ganz besondere Veranstaltung, die am Nachmittag im Volkspark stattfand, berichten. Es gibt vier neue Füße, zwei neue Hände und eine Gedenktafel rund um den Uwe-Seeler-Fuß auf dem „Walk of fame“. Der Hamburger Unternehmer Andreas Maske (großes Kompliment, Herr Maske!) ist dafür verantwortlich, er lud zu einer ganz besonderen Feierstunde ein – und alle, alle kamen. Es war überwältigend, und Kult-Masseur Hermann Rieger gab danach zu: „Das ging mir sehr zu Herzen, ein Traum, alle diese Leute wieder zu sehen, ein einmaliges Erlebnis, einfach nur super.“

So war es. Ihren Fußabdruck haben nun hinterlassen: Felix Magath, Horst Hrubesch, Georg Volkert und Bernd Wehmeyer. Auf seine Hände blicken kann jetzt Rudi Kargus, und für Weltmeister Jupp Posipal gibt es eine Gedenktafel. HSV-Chef Bernd Hoffmann hielt die einführende Rede, Laudator war Dr. Peter Krohn, der danach viel Lob erhielt – auch von „seinem“ Trainer Kuno Klötzer (88): „Das kann er, das hat er auch richtig gut gemacht.“ Stimmt. Was super war: Nicht nur die geehrten Spieler waren alle da, es war auch fast gesamte große HSV-Familie zugegen. Einmalig.

Dr. Krohn in seinem Resümee: „Zählt man einmal die sportlichen Erfolge der sechs Männer, die heute in den Walk of fame aufgenommen wurden, zusammen, dann ergibt sich ein imponierendes Bild von zusammen 1420 Liga-Pflichtspielen für den HSV, zusammen 112 A-Länderspielen als HSV-Spieler, eine Weltmeisterschaft, zwei Europapokalsiege, drei deutsche Meisterschaften und einen DFB-Pokalsieg – das verdient unseren großen Applaus.“ Und den gab es dann reichlich.

Wie gesagt, eine traumhafte Veranstaltung, zu der viele HSV-Größen gekommen waren: Uwe Seeler, Dr. Wolfgang Klein, Udo Bandow, Jochen Meinke, Horst Schnoor, Gerhard Krug, Erwin Piechowiak, Klaus Neisner, Manfred Kaltz, Harry Bähre, Uwe Reuter, Arkoc Özcan, Bastian Reinhardt, die Ehefrauen von Jupp Posipal, Horst Dehn und Klaus Stürmer (aus Lemgo!) und Kuno Klötzer, um nur einige zu nennen. Fotos von dieser Veranstaltung wird demnächst (so denke ich) unserer „rasender Matz-ab-Reporter“ Benno Hafas (danke, Benno!) zeigen, dann habt Ihr einen kleinen Eindruck, was dort heute im Volkspark abging.

20.09 Uhr

Rincon rein, Demel raus

29. September 2010

Das war ein langer und heißer Tag im Volkspark. Heiß deswegen, weil sich die Sonne über den ganzen Volkspark gelegt hatte – wie im Sommer. Armin Veh nutzte das gute Wetter aus, er ließ heute fast zwei Stunden trainieren. Und er setzte seine gestern begonnene „neue Härte“ wieder einige Male um. Es herrscht mittlerweile ein rauer Ton beim HSV. Es wir zwar nicht gepöbelt oder beleidigt, aber Veh sagt knallhart an, was Sache ist. Statt Zuckerbrot gibt es nun die Peitsche. Und womit? Mit recht! Es müssen jetzt alle beim HSV zulegen, denn sonst wird diese (kleine) Negativserie „munter“ fortgesetzt, ohne dass sich jemand so richtig wehrt. Veh weckt seine Leute auf, und es ist jetzt nur zu hoffen, dass auch jeder die Zeichen der Zeit erkannt hat. Und dann seine Lehren daraus zieht.

Wenn nicht alles täuscht, dann haben wir heute bereits die Mannschaft von überübermorgen gesehen. Gegen Kaiserslautern wird meiner Meinung nach, vorausgesetzt es verletzt sich keiner mehr, folgende Elf auflaufen: Frank Rost, Tomas Rincon, Heiko Westermann, Joris Mathijsen, Ze Roberto; David Jarolim, Gojko Kacar; Jonathan Pitroipa, Marcell Jansen; Eric-Maxim Choupo-Moting, Ruud van Nistelrooy. Die „Experten“ unter uns, und Ihr seid ja alle Experten, haben es sofort blitzartig erkannt: Guy Demel ist draußen. Heute spielte er in der Reserve. Gemeinsam mit Eljero Elia und dem deutschen Nationalspieler mit dem großen T im Nachnamen. Mladen Petric fehlte, er wird auch noch länger fehlen, denn er hat sich in der Wade eine Sehne gerissen, die ihn für einige Wochen außer Gefecht setzt. Nicht trainiert hat auch Paolo Guerrero, der definitiv gegen Kaiserslautern ausfallen wird. Ebenfalls nicht auf dem Trainingsrasen war Heung Min Son, der Südkoreaner, nach dem immer wieder gefragt wird, ist noch lange nicht so weit, er läuft nur (ohne Ball), es wird noch dauern, ich rechne erst im November mit seiner Rückkehr in die Mannschaft. Schon wieder leicht mit dem Ball trainierte heute schon Tunay Torun, bei ihm geht es stetig bergauf.

Das Spiel A gegen B gewann übrigens A mit 6:2. Die Tore für das Sieger-Team erzielten Choupo-Moting (3), van Nistelrooy, Kacar und Westermann. Für die Reservisten schoss Dennis Diekmeier das 1:0, später traf der zurück versetzte Kacar noch zum 2:6-Endstand. Für Kacar war im letzten Drittel Piotr Trochowski in die A-Mannschaft gerückt – Veh wollte etwas probieren (und sehen). Kurios war das Tor von van Nistelrooy, der einen Querpass des überaus agilen Pitroipa zehn Zentimeter vor der Torlinie zuerst nicht traf, aber Glück hatte, dass die Kugel gegen sein Standbein prallte – und Tor. Und Gelächter bei den Kiebitzen, denn eine solche Chance verwandelt er sonst eigentlich mit schlafwandlerischer Sicherheit.

Auffällig: Elia wehrte sich gegen einen Catchergriff von Westermann mit einem kleinen Ellenbogenschlag an den Kopf des Kapitäns. Als der sich die Wange hielt, da ging der Niederländer auf ihn zu und entschuldigte sich – beide Spieler nahmen sich in den Arm. So muss es sein. Gute Noten verdienten sich (für mich) diesmal nicht der Spieler mit dem großen im Nachnamen, sondern Choupo-Moting und Pitroipa (beide im Spiel nach vorn!) sowie Diekmeier bei den Reservisten. Der ehemalige Nürnberger hatte einige gute Szenen, vielleicht so viele wie noch bei keinem seiner Trainingseinsätze beim HSV. Das lässt hoffen. Wobei ein Kiebitz sofort anmerkte: „An Vehs Stelle würde ich Diekmeier gegen Kaiserslautern hinten rechts bringen, wenn nicht gegen Kaiserslautern, gegen wen denn sonst?“ Und er fügte noch hinzu: „Dass Rincon nun für Demel kommt, kann ja sicher wieder nur für ein Spiel sein, dann ist Demel wieder drin – und alles geht so weiter wie bisher. Aber wozu hat der HSV denn überhaupt den U-21-Nationalspieler Diekmeier gekauft?“ Gute Frage, nächste Frage. Übrigens: Im heutigen letzten Drittel spielte Jansen hinten links, Ze Roberto hinter den Spitzen.

Bei den Reservisten trainierten heute auch drei Spieler aus der Zweiten von Rodolfo Cardoso mit, der Argentinier sah dem Training (seiner Buben) ganz genau zu. Es waren dabei in der Abwehr (links) Florian Brügmann (19), im Mittelfeld der Ungar Daniel Nagy (19) und im Angriff er Routinier Rafael Kazior (27), der einen ganz schweren Stand gegen Mathijsen und Westermann hatte. Fast wäre auch ein guter alter Bekannter wieder einmal dabei gewesen: Änis Ben-Hatira. Das einst so große Talent (für mich eines der größten in den letzten zehn Jahren) hatte sich aber am Vortag beim Training leicht an der Wade verletzt. Schade, ich hätte ihn gerne einmal wieder aufdribbeln gesehen, aber das wird schon noch einmal (dann sogar mehrfach?) kommen.

Zum Thema Talente habe ich übrigens einen Leserbrief erhalten, den ich schnell einmal veröffentlichen möchte (ohne den Namen des Absenders zu nennen):

„Sehr geehrter Herr Matz, mit Freude und großem Interesse lese ich Ihre Artikel. Zu Recht berichten Sie das fehlende Augenmaß für uns Außenstehende. Mich würde Ihre Meinung – aus aktuellem, von Ihnen erneut beschrieben – zum fehlenden Nachwuchs beim HSV interessieren. Weshalb man zum Beispiel Sidney Sam nach Leverkusen verkauft hat, obwohl dieser eine hervorragende Entwicklung in Kaiserslautern erfahren hat. Was braucht man denn noch für Chancen? Um ein Haar wäre auch Choupo-Moting noch verliehen worden. Auch wenn Entscheidungen nicht rückgängig zu machen sind, so wundert es mich, dass dieses Thema keines ist. Oder habe ich da in der Vergangenheit etwas überlesen?
Gruß, RB“

Wir haben an dieser Stelle schon einige Male über den Nachwuchs des HSV diskutiert. Trotz der Tatsache, dass im Moment elf HSV-Spieler (Talente) ausgeliehen sind, habe ich immer wieder betont, dass ich unzufrieden bin mit dem, was von „unten nach oben“ kommt. Ich habe auch geschrieben, dass beim FC Bayern zum Beispiel mit Lahm, Schweinsteiger, Contento, Kroos, Ottl, Alaba und Müller einige herausragende deutsche Spieler dem eigenen Nachwuchs entstammen. Und das ich es für völlig berechtigt halte, dass der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann einst über HSV-Ochsenzoll als „Geldvernichtungsmaschine“ gesprochen hat.

Warum zum Beispiel Sam (nach Leverkusen) verkauft wurde, das weiß so recht keiner hier in Hamburg – glaube ich. Es ranken sich da einige Gerüchte aneinander. Eines besagt, dass er deswegen beim HSV in Ungnade gefallen sei, weil er sich auf sein Zimmer im HSV-Internat weiblichen Besuch mitgenommen hatte. Ein Gerücht. Dazu bezieht natürlich niemand offiziell Stellung. Aber wer sagt dann auch, warum der oder jener oder ein anderer verkauft wird? Da soll und darf sich jeder seine Meinung bilden, Fakt ist, Sam wurde verkauft. Und nun bleibt abzuwarten, ob er seinen Weg, den er in Kaiserslautern sehr erfolgreich angetreten hat, auch weiterhin mit Erfolgen krönen kann. Das wird, keine Sorge, von vielen, vielen HSV-Fans ganz genau verfolgt werden, und sie alle werden dann laut aufschreien, wenn Sam plötzlich zum Stammpersonal bei Bayer gehört.

Und zu Choupo-Moting? Heute sagt er, dass nie vorhatte, in diesem Sommer (der jetzt abgelaufen ist) den HSV zu verlassen. Nie? Er hat uns gegenüber auf jeden Fall mit einem Wechsel geliebäugelt. Indem er sagte: „Ich habe einige Angebote, auch aus der Bundesliga.“ Und: Er wollte, das stand in jeder Zeitung, nur bleiben, wenn er auch spielt. Diese Selbstvertrauen hatte er sich bei der WM in Südafrika erarbeitet und geholt, als Nationalspieler Kameruns. Ich fand seine Aussagen im Sommer höchst fragwürdig, aber ich gebe auch gerne zu, dass ich mich in ihm ein wenig getäuscht habe. Eine solche Steigerung, zuerst im Training, dann in den Spielen, habe ich ihm nicht zugetraut. Er ist stark am Ball und hat ein gutes Auge und auch ein gutes Gespür, wo er hinzulaufen hat. Wenn er jetzt noch an seinem Defensivverhalten arbeitet (siehe Bremen beim 2:3), dann kann er wirklich einmal so groß werden, wie er sich im Sommer 2010 schon sah.

Aber, ganz klar, von solchen „Choupos“ muss es mehr beim HSV geben. Viel mehr. Denn, ich schrieb es bereits (und der AR-Boss Horst Becker sprach es in dieser Woche zum wiederholten Male, diesmal bei den Kollegen der Mopo, an), das Geld wird 2011 knapp, sehr, sehr knapp. Da wird es keine Star-Einkäufe mehr geben, dann ist der Nachwuchs gefragter denn je. Zum Glück hat der HSV ja noch einen Spieler wie Heung Min Son in der Pipeline . . . Übrigens: Heute wird der bisherige Nachwuchskoordinator des HSV, Stephan Hildebrandt, in Ochsenzoll bei und mit einem Frühstück verabschiedet. Pauli Meier, der Mann, den Urs Siegenthaler beim HSV-Nachwuchs installiert hat, übernimmt nun auch offiziell. Viel Glück!Und viel Erfolg. Der Klub kann es (dringend) gebrauchen.

Anderes Thema: Was mir beim Lesen Eurer Kommentare aufgefallen ist, dass Armin Veh dafür Kritik erntet, dass er noch immer keine Stamm-Mannschaft gefunden hat, dass er immer noch experimentiert. Die so genannte „Findungsphase“ dauert einigen viel zu lange, sie müsste längst abgeschlossen sein. Wirklich? Ich denke mal daran, dass die WM-Teilnehmer des HSV noch wochenlang gefehlt haben, erst weil sie Uralub hatten, dann weil sie verletzt waren und noch immer sind. Bei aller Liebe, aber wie soll ein Trainer da eine Stamm-Mannschaft aus dem Hut zaubern? Man sollte doch die Kirche immer schön im Dorf lassen (kostet drei Euro, ich weiß), Veh macht das alles nicht aus Jux und Dollerei. Kein Mensch wäre doch erleichterter als er, wenn er bereits sein „Elf“ gefunden hätte.

Und zu diesem Punkt passt natürlich haargenau auch das Wechsel-Theater um Mladen Petric. Auch das hat sich nicht gerade förderlich bemerkbar gemacht. Dass der Kroate ausgerechnet jetzt ausfällt, als Veh mit zwei Spitzen stürmen lassen will, ist doch Ironie des Schicksals. Natürlich haben viele von Euch schon von einem Sturm-Duo van Nistelrooy/Petric geträumt, aber das muss nun erst einmal warten. Wobei ich diese beiden Angreifer jetzt auch gerne einmal gesehen hätte, denn zum Schluss gab es doch einige Anzeichen, dass sich die beiden „Stars“ ein wenig angenähert haben. Sie klatschten sich beim Training oder auch im Spiel ab, und vor dem Wolfsburg-Spiel, unmittelbar vor dem Anstoß der Partie, nahmen sich beide kurz in die Arme. Da geht doch was. Und ich sage ja schon immer: Wenn beide aufeinander zugehen würden, ich glaube ja mehr Petric auf van Nistelrooy, dann müsste man sich auch arrangieren können. Wie gesagt, Anfänge gibt es, ich bin gespannt, ob die dann, wenn Petric wieder fit ist, auch fortgesetzt werden. Wobei ich nach wie vor überzeugt davon bin, dass man mit einem „Weltstar“ wie van Nistelrooy ganz einfach gut auskommen muss. Der Mensch passt so wunderbar in die Welt. Wie sagte heute ein Kiebitz beim Verlassen des Trainingsgeländes? „Den van Nistelrooy sollten sie auch nach seiner Karriere in Hamburg halten, sie sollten in schon jetzt an den HSV binden, der wäre ein großartiges Aushängeschild für den HSV und für Hamburg.“ Besser kann man es ja nicht sagen, nein, besser geht es einfach nicht . . .

Und da die Dame und die Herren der Vereinsführung ja hier alle mitlesen (und nach den Vorschlägen und Wünschen aller handeln!!!!), wird dieser Wunsch ganz sicher nicht ungehört verhallen. Ich gehe fest davon aus: Van Nistelrooy bleibt uns noch Jahre erhalten. Schließlich, das ist Ironie (!), haben wir auch dafür gesorgt, dass der HSV in Zukunft mit zwei Spitzen spielen wird . . .

Van Nistelrooy ist und bleibt also Hamburger, Frank Rost übrigens auch. Ich gehe davon jedenfalls ganz verstärkt aus. Auch wenn es hier – leider – viele Stimmen gibt, die ihn schon jetzt aus dem HSV-Tor haben wollen. Ich verstehe das nicht. Hat Rost zuletzt einen „Haltbaren“ durchgelassen? Ich habe heute mit dem ehemaligen HSV-Torwart Horst Schnoor (76) gesprochen, er sieht jedes Heimspiel live in der Arena, und die Auswärtspartien im Fernsehen, er ist weder mit Rost verwandt noch befreundet, aber er sagt: „Dass Rost ausgewechselt werden soll, ist für mich der größte Quatsch, den ich jemals gehört habe. Die, die das fordern, haben in meinen Augen keine Ahnung vom Fußball, das muss ich mal so krass sagen.“ Schnoor, der 15 Jahre die Nummer eins des HSV war, der 625 Spiele für den HSV gemacht hat, Meister und Pokalsieger wurde, fügte hinzu: „Rost spielt konstant gut, auch in dieser Saison, an den Gegentoren wie zuletzt in Bremen, da gab es nichts zu halten. Rost ist topfit, es spricht für ihn, dass er sich gegen einen so gute Torwart wie Jaroslav Drobny durchgesetzt hat.“

Dann spricht mir Schnoor aus der Seele: „Dass bei den Fans überhaupt über den Torwart gesprochen wird, überrascht mich total, das ist ein Hammer. Wir haben doch ganz andere Sorgen und Probleme, wir müssen doch erst einmal sehen, dass wir hinten den Laden dichtmachen, dass die Defensive endlich mal wieder ordentlich steht.“
So ist es, ganz genau so ist es.

Beim Training erschien heute nicht nur der Sportchef, sondern auch der Berater von Elia. Bastian Reinhardt unterhielt sich sehr lange mit Frank Schouten, aber es gab keinen aktuellen Anlass. Dieses Treffen war schon vor Wochen verabredet worden. Reinhardt: “Wir telefonieren sonst auch sehr viel, es ging nicht um die aktuelle Situation um Elli, aber natürlich auch. Alle sind bemüht, ihm zu helfen.” Wenn sich alle so nett und rührend um den niederländischen Nationalspieler kümmern, dann muss das doch bald Früchte tragen.

So, zum Schluss noch einige Dinge von der Rubrik „unter uns“. Viel Lob möchte ich heute an „Mustang“ spenden, für seine ellenlangen und inhaltsreichen Beiträge, und zudem auch ein großes Lob an „Frankino“, der uns um 13.43 Uhr mit einer sehens- und lesenswerten Statistik überraschte. Ich war schon erstaunt, über diese HSV-Zahlen.

Und dann möchte ich noch kurz zum Thema „Sommergeschichten“ kommen. Ich habe noch zwei auf Lager, werde sie auch nicht entsorgen, sondern sie sorgfältig aufbewahren. Spätestens im Winter werden sie dann zu „Wintergeschichten“. Wer seine Sommergeschichte vermisst, der hat sie sicher noch auf Lager und kann sie mir zur Sicherheit gerne noch einmal schicken, bitte, bitte mit dem Zusatz „Sommergeschichte“. Es kann, das gebe ich zu, dass eine Sommergeschichte einmal aus Versehen entsorgt worden ist, weil sich einige Zusendungen (an das Abendblatt und damit auch an mich) nach einer gewissen Zeit automatisch löschen. Und wer sich bislang noch nicht getraut hat, seine Geschichte zu schicken, der ist hiermit auch ganz herzlich aufgerufen, es nun und jetzt zu tun.

Ganz zum Schluss komme ich auf eine Bitte zurück, die vielfach schon geäußert wurde (auch beim Training, heute zum Beispiel): Wann findet das nächste Matz-ab-Treffen statt? Ich möchte sehr gerne, dass dieses Treffen noch im Herbst stattfindet, im November schwebt mir vor. Ihr könnt mir Eure Vorstellungen schicken, ich werde mit der „Raute“-Chefin abklären, wann dieser Abend über die Bühne gehen könnte, und dann werde ich mich um die entsprechenden Gäste kümmern.

In diesem Sinne, alles Gute, eine gute Nacht und einen wunderschönen Donnerstag für Euch.

20.04 Uhr

Die zweite Spitze kommt nun doch

28. September 2010

Diese Szene sorgte schon für gehörigen Wirbel. Sekunden nach dem Schlusspfiff in Bremen stand HSV-Trainer Armin Veh auf dem Rasen und „faltete“ Mittelfeldspieler Piotr Trochowski zusammen. Jetzt, mit dem Abstand von über zwei Tagen, sprach Veh über diese ungewöhnliche Maßnahme. „Normalerweise mache ich so etwas nicht auf dem Rasen, aber es war eben so. Normal wird so etwas in der Kabine gemacht, aber das war mal eine Ausnahme.“ Dann ergänzte der Coach noch: “So bin ich nicht. Aber wir müssen uns insgesamt alle ein wenig ändern.” Dann gibt Veh zu: “Ich habe mich über diese Szene furchtbar geärgert, denn ich wollte dieses Spiel gewinnen, auf jeden Fall nicht verlieren.”

Dann sagt Veh sogar etwas Positives über den so gescholtenen Nationalspieler: “Trochowski ist ein fleißiger Spieler, er ist nicht faul. Wer das sagt, dem muss ich deutlich sagen, dass das nicht stimmt. Da wehre ich mich auch dagegen. Aber wenn jemand so einen Fehler macht, dann kann ich das nicht akzeptieren. Wie gesagt, ich mache das normalerweise nicht, aber ich nehme es mir dann eben doch mal raus.” Veh fügt noch hinzu: “Wenn man die zehn Minuten gesehen hat, die Trochowski gespielt hat, dann geht das einfach nicht. Er ist ja keine 17 Jahre mehr, das muss er einfach besser lösen. Wir sitzen dann da, und haben das Spiel verloren. Es war zwar nicht alleine er, aber er war der Anfang der Kette. Und er hätte diesen Ball klarer spielen müssen, das war das Einfachste, dann hätte es diese Kette nicht gegeben.”

Zum Schluss sagt Armin Veh dann noch ein gewichtiges Wort über Trochowski: “Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass jemand mit seinem Potenzial, und er hat dieses Potenzial, noch anders wird, ich glaube wieter an ihn.” Piotr Trochowski doch noch vom “Trainingsweltmeister” zum “Überflieger”?

Insgesamt wollte Veh mit seinem lautstarken Auftritt auch innerhalb der Mannschaft etwas bewegen, denn er sagt: „Ich möchte die Mentalität ein bisschen ändern, denn wir brauchen eine etwas andere Mentalität. Wir hatten Werder nach dem 2:2 im Prinzip doch am Boden, dass wir dann gewinnen wollen, dass wir eine Einheit in der Defensive bleiben, und dass wir unbedingt siegen wollen, dass wir diesen unbedingten Willen zeigen – das will ich sehen. Und darin müssen wir uns verbessern, ich will eine andere Mentalität sehen.“

Deshalb der „Weckruf“ a la Trochowski. Er galt vornehmlich dem Mittelfeldspieler, aber eben nicht nur, sondern auch einigen anderen Hamburger Profis. Die werden in Zukunft ihre Einstellung ein wenig überdenken müssen. Oder auf der Bank oder sogar auf der Tribüne Platz nehmen müssen.

Veh selbst hat ebenfalls einige Dinge überdacht, vor allem die vergangenen Misserfolge. Und er ist zu dem Schluss gekommen, sein Spielsystem zu ändern. Offensichtlich hält er es nun doch für besser, mit zwei Spitzen zu spielen. Um Euch einmal zu schildern, wie ich den HSV-Coach heute wahrgenommen habe: Armin Veh wirkt immer noch ruhig, gelassen, cool. Genau so, wie er am Anfang der Saison war. Er leidet in diesen Tagen und Wochen, wo es nicht so gut läuft für ihn und den HSV, keinesfalls unter Verfolgungswahn. Und er ist ganz sicher auch nicht unsicher. Dass er sich nun überlegt, doch mit einem zweiten Stürmer spielen zu wollen, das ist in meinen Augen keinerlei Anflug von Schwäche, sondern eher von Stärke.

Und der Trainer interpretiert sein Umdenken wie folgt: „Wir haben vier Spiele in Folge nicht gewonnen, da muss etwas versucht werden, nach vier Spielen mit nur zwei Punkten muss etwas versucht und geändert werden, ich will der Mannschaft doch helfen, damit sich die Erfolge wieder einstellen.“ Hut ab, Herr Veh!

Zurück noch einmal zur Mentalität, die Veh verändern oder verbessern will. Sein Resümee nach sechs Spielen: „Wir spielen ordentlich Fußball, aber das langt wohl nicht, um die Spiele zu gewinnen. Deswegen wird daran gearbeitet. Mit einer besseren Mentalität sind wir dann auch härter, um solche überlegenen Spiele letztlich auch gewinnen zu können. Es fehlt nicht viel, wir spielen ja gut, aber die paar Prozent, die noch fehlen, die können wir ändern.“ Und daran wird ab sofort gearbeitet. Das begann schon im heutigen Training. Veh streichelte die Spieler nicht (mehr), sondern legte schon einen deutlich härteren Ton an den Tag. Wenn er das Spiel unterbrach, dann wurde es schon mal recht laut. Schluss mit lustig – beim HSV.

Dass in Bremen HSV-„Sorgenkind“ Mladen Petric 90 Minuten auf der Bank blieb, das erklärt Veh mit „taktischen Gründen“: „Ich wollte Pitroipa auf rechts bringen, er sollte dort frischen Schwung sorgen, das hat er getan. Choupo-Moting hat ein ordentliches Spiel gemacht, van Nistelrooy auch – Choupo-Moting hat dann ja auch zweite Spitze gespielt. Dann macht es für mich keinen Sinn, einen dritten Stürmer zu bringen.“

Mit der Offensive ist der HSV-Coach ja auch insgesamt zufrieden, denn es werden ja immer reichlich Torchancen herausgespielt. Die Defensivarbeit aber stimmt noch nicht. Noch lange nicht, wie es den Anschein hat. Die Zuordnung ist ein wunder Punkt, die Laufwege nach hinten ebenfalls. Armin Veh befindet zu den letzten vier nicht gewonnenen Spielen seines Teams: „Gegen Nürnberg waren wir nicht gut, gegen St. Pauli waren wir nicht gut, gegen Wolfsburg und Bremen haben wir gut gespielt, waren sogar das bessere Team, hätten nie verlieren dürfen, hätten sogar gewinnen müssen. Entscheidend ist, dass wir nach hinten diese letzte Konsequenz noch haben, denn dann wird es auch belohnt, dass wir guten Fußball spielen. Es fehlt nicht viel, und wenn wir das lernen, dann werden wir auch erfolgreich spielen.“ Dann sagt Veh noch: “Diese HSV-Mannschaft hat ja Klasse. Sie ist sogar individuell stärker besetzt, als jene VfB-Mannschaft, mit der ich einst deutscher Meister geworden bin. Nur die Stuttgarter hatten eine andere Mentalität . . .”

Ich habe Ruud van Nistelrooy gefragt, wie er zu einer oder zu zwei >Spitzen steht. Und ob er dem Trainer eventuell einen kleinen Tipp gegeben hat? Das verneint “RvN”. Und dass er künftig einen Nebenmann erhält? Er sagt: „Wir suchen ja noch ein bisschen, es klappt noch nicht perfekt. Ich habe aber das Gefühl, dass wenn wir uns gefunden haben und wenn es dann klappt, wenn es dann läuft, wenn wir richtig in Schwung sind, dann können wir eine Serie starten. Dieses starke Gefühl habe ich jetzt.“ Und auf die Frage bezgen befindet er: „Für mich ist es nicht wichtig, ob wir mit einem zweiten Stürmer oder mit einem Zehner dahinter spielen, da habe ich keine Vorliebe. Wichtig ist, dass die Form des Spielers stimmt, der auf dieser Position spielt.“

Gut möglich, dass Veh auch über weitere (personelle) Veränderungen nachdenkt. Zum Beispiel gegen Kaiserslautern mit Gojko Kacar, den einige hSV-Fans nach seiner Einwechslung nicht so gut gesehen haben, zu beginnen. Der Trainer über den Serben: „Er hat für mich in Bremen ein sehr ordentliches Spiel gemacht.“

Nicht ganz so ordentlich war (erneut) die Leistung von Eljero Elia, da waren sich eigentlich alle einig, er wurde ja auch vorzeitig vom Feld geholt. Dennoch sagt Armin Veh auch über den eine schwere Formkrise durchlaufenden Niederländer: “Für mich hat er in Bremen kein so schlechtes Spiel gemacht. Wir waren in den ersten 20, 25 Minuten ja überlegen, und da hat er schon zwei, drei Situationen gehabt, in denen er sich gut durchgespielt hat.”

Insgesamt befindet Armin Veh jedoch auch über Elia: “Er ist ein junger Kerl, er ist Vize-Weltmeister geworden, er hat einiges mitgemacht, das muss man erst einmal verkraften. Und wir müssen daran arbeiten, dass wir ihn wieder so hinbekommen, wie er einst war. Das ist eine Aufgabe für uns. Aber es geht nicht immer nur mit Fremd-, sondern es muss auch eine Eigen-Motivation geben. Aber wie gesagt, wir arbeiten daran.”

Morgen, am Mittwoch, wieder von 10 Uhr an im Volkspark.

Gute Nacht an alle, viel Spaß bei der (und für die) Nachtschicht.

21.23 Uhr

Van Nistelrooy: “Ich denke positiv”

28. September 2010

Ruud van Nistelrooy ist ja ein erfahrener Mann. Er hat für Manchester United Tore geschossen, und auch für Real Madrid. Für andere Klubs zwar auch, und dann natürlich für den HSV. Was ich damit sagen will: „Van the man“ ist in meinen Augen über jeden Zweifel erhaben. Er hat es nicht nötig, sich in die Tasche zu lügen, er hat es nicht nötig, auf die Pauke zu hauen – er sagt das, was er denkt, was ihn bewegt. Und heute hat er mit uns mal wieder über den HSV, seinen HSV, gesprochen. Ich gebe zu, immer dann, wenn van Nistelrooy etwas sagt, dann hänge ich an seinen Lippen. Denn er hat immer etwas Kluges zu sagen. Denkt einmal zurück, an das Interview im Trainingslager in Längenfeld. Für mich immer noch in Highlight. Ich schicke das jetzt nicht ohne Hintergedanken voraus, denn ich möchte damit allen diejenigen, die jetzt schon, nach zwei Niederlagen in Folge, über „ihren“ HSV herfallen, den Sinn für die Realität schärfen.

„Die Ergebnisse sind natürlich nicht schön. Zwei Unentschieden nach zwei Siegen, das kann mal passieren, aber dann die beiden Niederlagen . . . Obwohl ich hatte das Gefühl, dass wir in den Spielen gegen Wolfsburg und in Bremen mindestens gleichwertig waren, oder sogar ein bisschen besser als unsere Gegner. Aber wenn du dann solche Spiele verlierst, dann ist das sehr, sehr bitter“, sagt van Nistelrooy über die kleine Negativserie.

Dennoch blickt der Niederländer nicht pessimistisch in die HSV-Zukunft. Er sagt: „Ich habe eigentlich kein schlechtes Gefühl, denn die gesamte Leistung von uns ist gut. Und das ist das Wichtigste. Anders herum wäre es nicht gut: Wir verlieren Spiele nicht deshalb, weil wir individuelle Fehler begehen, sondern weil wir keine Energie haben, wir kommen hinten nicht raus, wir erspielen uns keine Chancen – so war es am Ende der vergangenen Saison. So ist es jetzt aber nicht. Und das gibt mir den Mut, positiv zu denken.“ Vor dem Spiel gegen Werder hielt Teamkollege Ze Roberto noch die Meisterschaft für den HSV für möglich. Und wie sieht es danach aus? Van Nistelrooy: „Ich denke, wir müssen ruhig bleiben. Wir müssen nicht so viel reden, sondern es auf dem Platz zeigen. Wir haben jetzt zweimal in Folge verloren, wir sind sicher noch nicht da, wo wir sein wollen, aber wir sind, so denke ich, auf einem guten Weg. Wir müssen nicht reden, wir müssen es als Mannschaft auf dem Rasen zeigen was wir können. Von Spiel zu Spiel denken. Und zeigen. Nicht reden. Darüber reden ist anstrengend. Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Und ich hoffe, dass wir am Ende oben dabei sind.“

Auch für ihn stellt sich die Frage, warum die Mannschaft trotz der überlegen geführten Spiele viele Gegentore bekommt, und er beantwortet sich diese Frage auch selbst: „Das hat etwas mit Konzentration zu tun. Wir gehen auf den Platz und wollen das Richtige tun, und dann bist du auf dem Platz und machst nichts, du machst Fehler. Das ist auch eine Qualität, wenn du unter Druck kommst und dann genau das Richtige zu machen. Daran liegt es meiner Meinung nach.“

Ruud van Nistelrooy ist ein Führungsspieler dieser Mannschaft. Er könnte die Mannschaft aufrütteln, wecken, mitreißen – auch verbal. Aber er macht es nicht. Heute, auf dem Trainingsplatz, da hat er viel gesprochen. Da hat er sich nach dem Trainings-Ende seinen Nebenmann Eric-Maxim Choupo-Moting zur Seite genommen und mit ihm über die Laufwege im Angriff gesprochen. In aller Ruhe. Und sachlich. Und wenn Ruud van Nistelrooy so etwas macht, dann macht es vor allem Sinn. Denn ihm hören sie alle zu. Dennoch sagt er über seine Mentalität als Fußball-Profi: „Ich bin nicht der Typ, der schreit. Das bringt in meinen Augen nichts. Ich bin mehr ruhig, ich rede dann eher ruhig mit anderen Spielern, was wir verbessern müssen. Ich frage auch andere Kollegen, was wir ändern könnten – so versuche ich zu helfen.“

Grundsätzlich ist mein Empfinden ja, dass beim HSV viel mehr miteinander (auf dem Spielfeld) gesprochen werden müsste, was auch RvN so sieht. Aber er sagt auch: „Wenn da 50 000 oder 60 000 Zuschauer im Stadion sind, dann kannst du schreien soviel du willst, du wirst ohnehin nicht verstanden. Weil es niemand hört. Und dann muss die Mannschaft ganz einfach auch so funktionieren, ohne zu schreien, und das hat ja auch zu Saisonbeginn gut geklappt. Nur in einigen Momenten eben nicht, und das wird sofort und eiskalt bestraft – so geht Fußball heute.“ Dann nennt er das Beispiel Wolfsburg: „Wir bestimmen das Spiel deutlich, Wolfsburg kommt einmal über die Mittellinie und schießt sofort ein Tor. Wenn man zwei, drei Momente hat, in denen man nachlässt, dann ist das tödlich, das wird sofort bestraft. Oder Bremen. Nach 0:2 kommen wir zurück, schaffen das 2:2 und denken, dass wir noch gewinnen – und das ist sicher auch eine Frage der Mentalität in unserer Mannschaft, die noch verbessert werden kann. Sind wir in diesem Punkt besser, verlieren wir dieses Spiel auch nicht mehr.“

So, um den Artikel nicht übermäßig lang werden zu lassen, werde ich nun zum Ende kommen. Teil zwei des heutigen Tages, ein ausführliches Gespräch mit Trainer Armin Veh, folgt dann in den späteren Abendstunden – ich möchte Euch nicht überfordern. So viel sei aber immerhin verraten: Der zuletzt von Veh gescholtene Piotr Trochowski kann sich trotz allem Hoffnungen auf einen baldigen Einsatz in der HSV-Mannschaft machen. „Die Sache ist vorbei, ich bin nicht nachtragend“, sagte der Trainer. Trochowski hatte fünf Minuten vor dem Ende des Spiels bei Werder Bremen (2:3) den Ball in der eigenen Hälfte verloren und damit den Bremer Siegtreffer ermöglicht. Daraufhin hatte Veh den Mittelfeldspieler noch auf dem Rasen gerügt. „Das war eine Ausnahme, im Normalfall behält man das für die Kabine“, meinte der HSV-Coach über diese ungewöhnliche Attacke.

Wobei Ruud van Nistelrooy zu diesem Vorfall lächelnd befand: „Das war noch freundlich, was der Trainer da gemacht hat.“ RvN hatte mit Machester-Trainer Ferguson einige ähnliche Tänze erlebt, und die müssen deutlich drastischer und nachhaltiger gewesen sein.

Schnell noch einige Personalien: Von den Langzeitverletzten wird vor allem Linksverteidiger Dennis Aogo vermisst. Er wird wegen einer Schambeinentzündung erst Mitte Oktober ins Mannschaftstraining zurückkehren, hält sich zurzeit noch in Berlin auf, wo er mit einer Stoßwellen-Therapie behandelt wird. Armin Veh: „Ich hoffe, dass diese Behandlung anschlägt.“ Unterdessen gibt es seit heute einen weiteren verletzten HSV-Spieler. Mladen Petric droht für das Heimspiel am Sonnabend gegen den 1. FC Kaiserslautern auszufallen. Der kroatische Nationalspieler erhielt im Training einen Schlag auf die Wade und musste von Physiotherapeut Uwe Eplinius in die Kabine gefahren werden. Wegen einer Waden-Verletzung hatte bereits Paolo Guerrero in Bremen gefehlt, beide Offensivkräfte müssen nun um ihre Einsätze bangen. Dafür ist Dennis Diekmeier nach einem auskurierten Bänderriss im Sprunggelenk wieder fit, er könnte gegen die Pfälzer im HSV-Kader stehen.

Das Training am heutigen Dienstag dauerte 90 Minuten, nach der Aufwärmarbeit gab es ein Spiel ohne Tore (was sehr intensiv geführt wurde), danach folgte ein Spiel mit zwei Torhütern – und Aufgaben für die Feldspieler. Die Offensive griff jeweils mit einem Mann mehr an, das heißt: Vier Abwehrspieler gegen zwei Spitzen und drei Mittelfeldspieler, die restlichen Spieler beider Teams mussten dann an der Mittellinie warten. Der Stamm gewann überlegen, wobei Choupo-Moting nicht nur die meisten Tore erzielte, sondern auch sonst sehr gut und sehr auffällig spielte. Als zweite Spitze neben van Nistelrooy. Dazu aber später mehr.

17.27 Uhr

Der “alte Fritz” und die neue “Zehn”

27. September 2010

Welch ein Echo! Fix was los bei „Matz ab“. Was ein solches 2:3 in Bremen doch nicht alles bewirken kann. Keine Angst, ich werde auf keinen einzelnen Beitrag (mehr) eingehen, ich finde es klasse, dass Ihr Eure Meinung äußert – auch wenn sie oftmals konträr zu meiner ist. So lange es so fair und in den meisten Fällen auch sportlich gehalten ist, ist absolut alles in Ordnung. Bin ich der Fußball-Gott? Schieße ich im Schlaf Tore? Nein. Ich teile Euch meine Auffassung vom Fußball und vom HSV mit – und Ihr mir Eure. So soll es sein. Und so wird es auch bleiben. Dass es darunter auch einige Missverständnisse gibt, liegt in der Natur der Sache, früher hätte ich versucht, sie aufzuklären, aber auch das wird nicht mehr stattfinden, denn inzwischen habe ich den Eindruck, dass ich auch ganz bewusst mal falsch verstehen werde.

So, zum HSV. Es geht um die „Zehn“. Jawoll, um die Nummer, die einst der Spielmacher auf dem Rücken über den Rasen schleppte. Leute wie Fritz Walter, Wolfgang Overath, Günter Netzer. Wenn ich hier von der „Zehn“ schreibe, dann sind nicht Leute wie Walter, Overath oder Netzer gemeint, sondern der Mann, der hinter der einzigen HSV-Spitze spielen soll. Das waren bisher Paolo Guerrero, Piotr Trochowski, Mladen Petric und Eljero Elia. Ihr könnt mir glauben, dass ich inzwischen sehr wohl weiß, dass keiner dieser vier Herren so spielen kann, wie Walter, Overath oder Netzer. Und dennoch sprechen inzwischen alle, sogar die Leute beim HSV, von der „Zehn“. Ich werde das auch beibehalten. Obwohl ich weiß, dass es in diesem modernen Fußball keinen Spielmacher mehr gibt. Alles klar?

Wobei ich bei Elia gelandet wäre. Es enttäuscht mich schon ein wenig, wenn ich einige Kommentare sehe, die den Niederländer regelrecht zum Teufel wünschen. Er wird von einigen Usern hier fast schon vernichtet. Dabei weiß niemand hier, was in Eljero Elia zurzeit vorgeht. Er wirkt beim Training verschlossen, er wirkt bei Spielen in sich gekehrt und keineswegs in jener spaßigen und freudigen Stimmung, in der man Fußball spielen sollte. Was den jungen Mann aber bewegt, womit er sich derzeit beschäftigt, das weiß niemand. Doch genau deswegen sollten sich alle hüten, diesen jungen Menschen derart anzuprangern, wie es hier in den letzten 24 Stunden geschehen ist. Denkt an den „Fall Robert Enke“. Was wurde damals nicht alles gesagt und geschrieben, wer gelobte seinerzeit nicht alles Besserung, sprach von einem menschlicheren und faireren Umgang untereinander?

Alles schon vergessen?

Viele von Euch blicken im Moment ja etwas neidisch nach Dortmund und Mainz. Ich gebe zu, ich auch. Da spielen Fußballer mit Spaß, mit Herz, mit Leidenschaft. Und sie spielen nicht nur, sie rennen auch. 90 Minuten. Ich habe die Aussage eines Bayern-Spielers nach der 1:2-Niederlage gegen das Tuchel-Team gehört: „Wir konnten nie in Ruhe den Ball kontrollieren, 90 Minuten lang stand uns mindestens ein Mainzer auf den Füßen, um zu stören.“ Ein besseres Kompliment kann man einem Underdog wohl kaum machen. Und das ausgerechnet von einem Bayern-Profi! Der den Mainzern zudem bescheinigte, dass sie die vorgegebene taktische Marschroute meisterhaft eingehalten hätten.

Warum klappt das in Mainz, warum auch in Dortmund?

Okay, es sind erst sechs Spieltage absolviert. Kein Experte weiß heute, wie lange die Mainzer oder auch Dortmunder Fußball-Herrlichkeit noch andauern wird. Beide Vereine können noch ihren Einbruch erleben, doch auch das wäre ganz normal, weil ja jeder Klub im Laufe einer Saison mal eine Schwächeperiode durchläuft. Aber im Moment sind Mainz und Dortmund das Tagesgespräch, wenn über die Bundesliga diskutiert wird. Und, das sagen nicht wenige: Das sind zwei Klubs, die offensichtlich weit weniger Geld in der Kasse haben, als der HSV. Deswegen wird dort mit Auge statt mit Millionen eingekauft. Vor allen Dingen junge Leute.

Der HSV hat auch junge Leute. Elf von diesen jungen Burschen sind derzeit ausgeliehen. Und einige trainieren mit den Profis, einige spielen in der „Zweiten“. Aber sie spielen eben nicht in der Mannschaft von Trainer Armin Veh.

Noch nicht, möchte ich sagen. Viele haben es offenbar noch nicht geschnallt, einige haben es ignoriert, andere wiederum wollen erst gar nichts davon hören – aber es ist schon vielfach von kompetenter HSV-Seite prophezeit worden: In der nächsten Saison wird es finanziell noch einmal enger für die drei großen Hamburger Buchstaben. Ohne internationalen Wettbewerb fehlt dem Klub viel Geld, so dass kaum noch einmal große Sprünge in Sachen Neuverpflichtungen getan werden können. Schmalhans ist dann der Küchenmeister. Und das ist auch gut so.

SO, HIER MUSS ICH NUN EINMAL KURZ VOR MITTERNACHT EINGREIFEN, FÜR ALLE, DIE JETZT ODER AM DIENSTAG LESEN: ICH MEINE DEN FINANZIELLEN ENGPASS FÜR DIE NÄCHSTE SAISON – WEIL DER HSV IN DIESER (!) SAISON KEINE ZUSÄTZLICHEN EINNAHMEN DURCH DEN INTERNATIONALEN WETTBEWERB HAT. ICH MÖCHTE ALSO NICHT, WIE VON EINIGEN HIER VERMUTET, BEREITS DIESE SPIELZEIT NACH NUR SECHS SPIELTAGEN ABSCHENKEN. UM GOTTES WILLEN, NEIN, NATÜRLICH NICHT. ABER ETLICHE HSV-OBEREN HABEN ZULETZT DOCH SCHON DURCHBLICKEN LASSEN, DASS 2011 DAS GELD NOCH KNAPPER WIRD, ALS IN DIESEM JAHR. DAS, NUR DAS WAR DAMIT GEMEINT.
(Hinzugefügt am Montag um 23.55 Uhr)

Jetzt geht es weiter im Original-Text:
Natürlich werden die Betriebsblinden nach wie vor Weltstars nach Hamburg fordern. Und selbstverständlich ist nur das Beste gut genug für den HSV, selbst wenn zweistellige Millionensummen gezahlt werden müssten. Und natürlich würde jeder noch so mittelmäßige Einkauf nur milde belächelt werden, denn nicht nur in Bayern sagen sie: „Mia sind mia.“ In Hamburg klingt das ganz ähnlich: „Wir sind schließlich wir.“ Ich höre heute schon das Geschrei jener, die teure Weltstars hier haben wollen – und total enttäuscht werden, ich aber freue mich auf diese Zukunft, denn:

Dann muss der HSV auch mal mit Auge kaufen, und nicht mit Millionen. Das würde für mich heute shcon bedeuten: Junge, hungrige Leute, die sich darauf freuen, mit der Raute auf der Brust um Bundesliga-Punkte kämpfen zu dürfen. Dann ist die Scouting-Abteilung gefragt, dann sind diejenigen Beobachter dran, ihr Können unter Beweis zu stellen. Und wenn dann der HSV solchen jungen, hungrigen und engagierten Spieler in seinen Reihen hat, dann dürfen wir alle auch davon träumen, dass hier endlich einmal jener Fußball gespielt wird, der den Fans zurzeit in Mainz und Dortmund präsentiert wird.

Welch herrliche Perspektive!

Bleibt nur zu hoffen, dass der HSV auch über Leute verfügt, die Fußballsachverstand und das dementsprechende Auge besitzen. Wobei ich dabei auch den Herrn Urs Siegenthaler noch mit einschließe. Er hat schließlich seine (beiden) Leute hier stationiert, die ihre Arbeit in seinem Sinne verrichten (sollen).

Und wenn dann der HSV eine so rollende und begeisterungsfähige Mannschaft besitzen sollte, die wir hier alle schon seit vielen Jahren sehen wollen, dann kann ich dazu nur sagen: Hamburg hat es endlich verdient! Weil doch viel zu lange schon gewartet wurde. Und weil es trotz der vielen, vielen Millionen, die hier in die Hand genommen wurden, immer viele, viele Enttäuschungen gegeben hat.

Hinweisen möchte ich an dieser Stelle noch auf einen lesenswerten Beitrag, den uns (wieder einmal) der Trapper „Doc“ Seitenberg um 13:43 Uhr aus Berlin schickte. Lieber „Doc“, Du hast Dich wieder einmal selbst übertroffen, Dein Bericht, Deine Analyse ist genial, ich hoffe sehr, dass Deine Zeilen auch von kompetenter HSV-Seite gelesen und registriert werden. Du schreibst genau das, was viele HSV-Fans jetzt denken, Du schreibst es sachlich, fair, ohne jede Polemik – das ist einfach nur überragend, vielen Dank, Deine Beiträge schmücken unser „Matz ab“. Sehr sogar.

Ein ganz anderes Thema:

Nie wieder Bremen!“ So sagt es „Benno Hafas“ nach diesem zurückliegenden „Super-Sonnabend“. Ich kann das nachvollziehen. Er bekam, weil er HSV-Fan ist, einen Faustschlag an den Kopf. Das mag ein Bremer ja einem harmlosen Rentner antun, aber so langsam beschleicht mich das Gefühl, als ob es wieder schlimmer und brutaler wird, im deutschen Profi-Fußball. Oder habt Ihr eine andere Meinung dazu? Ich möchte an dieser Stelle gerne einen Brief veröffentlichen, den ich nach dem Hamburger Derby erhalten hatte. Er sollte allen Fußball-Anhängern zu denken geben. Den Absender-Namen schicke ich natürlich nicht mit, ich bitte um Verständnis:

Sehr geehrter Herr Matz,
die Vorkommnisse vor, während und nach dem Derby in Hamburg veranlassen mich, diese Zeilen an Sie zu richten.

Ich habe als „Buttje“ am Rothenbaum erstmals Seeler und Co. gesehen und habe seit dieser Zeit die Raute im Herzen und zeige sie noch heute in der Arena und bei div. Auswärtsspielen sichtbar am Körper.
Durch meine Tätigkeit bei der Polizei habe ich u. a. diverse Jahre tiefe Einblicke in die Fan-Problematik und Fankultur gewinnen können und kann die nicht nur bei den zuständigen Behörden, sondern auch
bei den Vereinen angesiedelten Projekte, die sich mit den Ursachen und Erscheinungsformen von Gewalt von Fußballfans befassen, nur positiv bewerten.

Leider sind Aggressivität und massive Gewalt zu ständigen Begleiterscheinungen bei Fußballspielen geworden. Pöbeleien, Beleidigungen, körperliche Angriffe und Wurfgeschosse jeglicher Art gegenüber den Sicherheitskräften sowie das Werfen und Abbrennen von pyrotechnischer Gegenstände gehören mittlerweile zum Alltag vor und in den Stadien und finden in der medialen Berichterstattung kaum noch Beachtung.

Dass bei den „ Fanmärschen „ wie auf der Reeperbahn aus der Anonymität heraus mittels Wurfgeschosse bewusst und gewollt Sachbeschädigungen und Körperverletzungen vorgenommen werden, ist sicher kein reines Hamburger bzw. HSV-Phänomen.

Der Vorfall bei der Einlasskontrolle am St.-Pauli-Stadion, wo man sich, ohne im Besitz einer Karte zu sein, Zugang in das Stadion verschaffte und dabei billigend Schäden an der Gesundheit unbeteiligter Personen in Kauf nahm, ist für mich eine neue Dimension der Gewalt. Nur dem besonnen Handeln der vor Ort befindlichen Polizeibeamten ist es zu verdanken, dass es zu keinen lebensgefährlichen Verletzungen kam.

Bisher habe ich dazu von den HSV-Verantwortlichen und den Vertretern des SC keine offizielle Stellungnahme vernommen. Hat man von dieser Seite sein Bedauern über die verletzten Beamten zum Ausdruck gebracht?

Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. Übrigens: Ihr Blog wird von vielen Kollegen, die sowohl HSV- als auch Pauli-Fans sind, gelesen.

Ich, Dieter Matz, würde Ihnen gerne eine Antwort auf Ihren Brief geben – wenn ich denn eine hätte. Wie oben bereits skizziert, ich glaube dass es wieder mehr Randale gibt. Ich kenne HSV-Fans, die eigentlich ganz lieb, nett und zurückhaltend sind, die ich nie als gewaltbereit einschätzen würde – die beim Fußball aber ihr zweites Gesicht zeigen. Dann wird randaliert und geprügelt. Warum? Ich weiß es nicht. Ich werde demnächst versuchen, einmal (anonym) mit einem solchen HSV-Anhänger zu sprechen, darüber, was ihn zu dieser Gewalt animiert.

Ich kann an dieser Stelle nur immer wieder darum bitten: Macht den Fußball gewaltfrei, bitte bleibt besonnen, lasst Euch nicht von den Schlägern mitreißen oder provozieren. Man ist ganz sicher kein „Weich-Ei“, wenn man diesen Randalierern aus dem Wege geht.

Ich wünsche allen Verletzten, die in Bremen zu Schaden gekommen sind, weiterhin gute und schnelle Genesung. Alles Gute für Euch.

18.13 Uhr

Gute Besserung!

26. September 2010

Jetzt regt sich alles über den Trainer auf. Herrlich. Dass der HSV 2:3 in Bremen verlor, dass er vier Spiele in Folge nun schon sieglos ist, dass er erneut drei Gegentore kassierte, dass schon jetzt alle Träume, seien sie noch so heimlich gewesen, in Sachen Meisterschaft begraben werden können – das spielt für viele HSV-Fans nur eine Nebenrolle. Dass Armin Veh aber Piotr Trochowski wie ein Kesselflicker bepöbelt hat, das schlägt nun hohe Wellen. Denn das darf ein Trainer offenbar nicht. Oder? Oder hat Veh eventuell in voller Absicht ein solches Schauspiel inszeniert, um von den fußballerischen Defiziten des HSV abzulenken? Ich gebe allen gerne zu: Natürlich sah Veh bei dieser Disziplinierung an Ort und Stelle nicht gut aus, natürlich war es der falsche Ort und der falsche Zeitpunkt, aber das wird der Trainer heute auch wissen und sich wahrscheinlich fragen: „Wieso konntest du dich dazu nur hinreißen lassen?“

Ich kann nur sagen: Auch Trainer sind eben nur Menschen, und jeder Bundesliga-Coach steht zudem unter einem ungeheuren Druck – in Hamburg offenbar jeder Coach sogar vermehrt. Trochowskis Pech war nur, dass er sich den entscheidenden Lapsus genau vor der Trainerbank erlaubt hatte. Und nach dem Schlusspfiff war es für Veh dann ein Leichtes, auf den Rasen zu gehen und den Übeltäter zusammenzufalten. Der Trainer musste sich ganz einfach Luft verschaffen. Denn er weiß spätestens jetzt: Es könnten unangenehme Hamburger Wochen auf ihn zukommen, ganz, ganz unangenehme Wochen.

Immerhin: Am Tag danach zeigte sich Piotr Trochowski einsichtig, indem er sagte: „Es war ein blöder Fehler von mir, der dann am Ende zu dieser Niederlage geführt hat. Die Kritik des Trainers war berechtigt und ist nachvollziehbar.“

Wie und was Armin Veh über diesen Vorfall rückblickend denkt, konnte an diesem Sonntag nicht geklärt werden. Kann auch am Montag vermutlich nicht geklärt werden, denn morgen haben die HSV-Profis kein Training.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass mir ein Hamburger Werder-Fan (ja, die gibt es!), der bei einem Sieg der Bremer stets seine grün-weiße Flagge hisst, heute schrieb: „Was der Herr Veh gestern gegenüber Trochowski auf dem Platz gemacht hat, das war weit unter der Gürtellinie. Bei aller Verärgerung, das darf einem Profi-Trainer nicht passieren!!“

Darf nicht, passiert aber mal. Weil wir alle doch nur Menschen sind.

Bevor ich auf Trochowski eingehe, möchte ich noch eine Situation schildern, die zu dem Vorfall Veh/Trochowski bestens passt. Werder gegen den HSV, es lief die 25. Minute. Heiko Westermann stürmte mit dem Ball in die Bremer Hälfte und leistete sich einen Fehlpass, der zum Konter und zum 1:0 der Hausherren führte. Westermann hatte sich einen vergleichbaren Fehler erlaubt, wie Trochowski in der 85. Minute. Ich habe Armin Veh nach dem 0:1 nicht tobend gesehen, ich habe ihn auch nicht schreien gehört, der HSV-Trainer lief auch nicht auf den Rasen, um seinen Kapitän zur Räson zu bringen – alles blieb ruhig. Und deswegen tut mir Piotr Trochowski schon ein wenig Leid.

So, und wer nun gleich auf mich einpöbelt, weil ich den lieben und guten „Troche“ wieder einmal in Schutz neme, der sollte erst abwarten, tief Luft holen und folgende Zeilen lesen. Das alles dann sacken lassen, bis 26 oder auch bis 37 zählen – und erst dann pöbeln. Oder auch nicht.

Nun aber zu Eurem, zu unserem „Sorgenkind“. Piotr Trochowski, immerhin schon 26 Jahre alt, steht in dieser Saison eindeutig am Scheideweg. Er muss jetzt, endlich, endlich jetzt, zeigen, dass er ein Mann ist. Ein Mann, ein ganzer Kerl, ein Mensch, der Verantwortung für sich übernimmt. Und einer, der eventuell allen Ballast von sich wirft, um noch einmal ganz von vorne anzufangen. So wie in den vergangenen Jahren, so kann es einfach nicht weitergehen mit ihm, denn dann hat er sein großes Talent verschleudert. „Troche“ könnte alles, könnte auf jeden Fall viel mehr, als er es zuletzt bei HSV-Einsätzen gezeigt hat, denn er hätte es eigentlich drauf. Aber er steht sich oft selbst im Wege. Und ich glaube auch, dass er ganz schlecht beraten wird.

An ihm scheiden sich die Geister. Ich bekomme es bei „Matz ab“ so hautnah mit, wie vielleicht kein anderer. Was hier von HSV-Fans auf einen HSV-Spieler (Trochowski eben) eingeprügelt wird, ist für mich nicht nachvollziehbar, habe ich in dieser schweren Form auch noch nie erlebt. Wenn ich dann einzelne Leute frage, warum sie einen solchen Hass (jawohl, es ist Hass!) auf einen Spieler ihres Lieblings-Klubs haben, dann höre ich immer wieder: „Trochowski schwebt in höheren Sphären. Der sagt ja in jedem Interview, dass er eigentlich bei Manchester United, Real Madrid oder für den FC Barcelona spielen müsste.“ Wie gesagt, das ist Volkes Stimme. Und das zweite Argument, was ich auch immer wieder gehört habe und immer wieder höre: „Trochowski dreht einen Kringel, noch einen Kringel, und noch einen Kringel, und noch einen Kringel, und noch einen – und dann spielt der dann Ball zurück.“

Er hätte längst seine Lehren daraus ziehen können, aber er lässt diese Kritik, so mein Empfinden, gar nicht erst an sich heran. Oder lässt sie ganz einfach nur von sich abprallen. Dabei, so denke ich, hätte ihn sein Berater (Roman Grill) längst einmal zur Seite nehmen müssen, um Klartext mit seinem Schützling zu sprechen. Das ist in meinen Augen die richtige Fürsorge, nicht immer nur den Spieler von einem Klub zum nächsten transferieren. Fürsorge ist das Stichwort, auch deshalb sollten sich Spieler einen Berater halten, damit dieser Berater seinen Spieler berät, um ihn vor Schaden zu bewahren.

Ob das in den letzten Jahren mal in dieser Form geschehen ist, das entzieht sich meinen Kenntnissen, wenn aber ja, dann ist danach nichts (in die richtige Richtung) passiert. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem sich Piotr Trochowski überdenken muss. Auch deshalb, um auf diesen verhängnisvollen Fehler die richtige Antwort geben zu können. Dazu gehört nicht, über den Dingen stehen zu wollen, sondern dazu gehört auch eine Portion Demut, gepaart mit einer gehörigen Prise Selbstkritik.

Wobei ich hoffe, dass nach diesem Fehler nicht das Unheil so über ihn hereinbricht, was einst am 14. März 1997 Richard Golz im Derby gegen den FC St. Pauli erlebte. Als der HSV-Keeper ein Tor des Erzrivalen begünstigte und fortan bei jedem zweiten HSV-Fan total unten durch war. Das wünsche ich Piotr Trochowski wirklich nicht, und ich setze da auch auf die Fairness aller HSV-Anhänger. Bei all der berechtigten Kritik bedenkt bitte: Es ist ein HSV-Spieler, den ihr niedermacht, es kein Spieler von einem Konkurrenz-Klub. Bewahrt die Contenance, ich bitte Euch darum – egal, wie sauer Ihr im Moment auch auf alle, auf jeden oder speziell auf den einen Profi seid. Bei der Gelegenheit: Wer von Euch hat nicht auch früher auf Jonathan Pitroipa geschimpft? Und heute? Die meisten von Euch jubeln ihm zu, tragen ihn nun gedanklich auf Händen. Nicht alle, das gebe ich zu, aber deutlich mehr als noch vor einem Jahr. Und dann muss klar festgehalten werden: So schnell kann es gehen, so kann es auch kommen.

Zudem hoffe ich auch auf Armin Veh, dass er trotz seines lautstarken Vortrags auch verzeihen kann, dass der Trainer den Spieler deshalb nicht fallen lässt. Die Gunst der Stunde wäre sogar wunderbar zu nutzen, denn nun könnten Gespräche geführt werden, die dazu führen könnten, dass der Knoten bei Trochowski endlich einmal platzt. Wie gesagt, es wäre nun eine Chance . . .

Wenn sie nicht genutzt wird, dann könnte das zur Folge haben, dass der HSV einiges an Geld in den Sand setzt, denn: 2011 läuft der Vertrag des Nationalspielers und WM-Teilnehmers Piotr Trochowski aus. Dann, Ihr werdet es alle wissen, darf der HSV-Profi den HSV ablösefrei verlassen. Er wird deshalb wohl kaum in der Winterpause gehen, sondern bis zum Sommer warten – und dann ist Nase wischen angesagt. Nein, nein, deswegen wäre es jetzt schon angebracht, die ein wenig verfahrene Situation zu nutzen, um wirklich alle Unklarheiten zu beseitigen.

Dabei ist natürlich auch Sportchef Bastian Reinhardt gefragt. Eigentlich ist er ein Trochowski-Befürworter. Eigentlich. Es war jedenfalls so, solange Reinhardt ein Teamkollege des kleinen Dribbelkünstlers war. Ob es jetzt noch so ist, entzieht sich meinen Kenntnissen. Auf jeden Fall aber muss sich der Sportchef natürlich auch mit dieser Situation befassen.

Obwohl es zurzeit wirklich viele Baustellen gibt. Nach nur sechs Spieltagen. Der Ärger um Mladen Petric, die Tatsache, dass immer noch kein „Zehner“ gefunden wurde, dass die WM-Teilnehmer immer noch ihrer Form hinterher laufen, dass die letzten vier Spiele sieglos endeten, dass immer mehr Skeptiker auf den Plan treten, die das 4:2:3:1-System als größtes HSV-Übel ausgemacht haben, dass ein so begnadetes Talent wie Eljero Elia einfach nicht auf die Füße kommt, dass die Mannschaft nicht immer und überall als Einheit auftritt, sondern sich als Zweckgemeinschaft von Einzelkämpfern erweist, und, und, und. Es gibt viel zu tun, aber wo soll angefangen werden?

Petric hat sich zu einem Dauerthema entwickelt. In Bremen saß er 90 Minuten auf der Bank. Dabei hätte er, wie schon gegen St. Pauli, eventuell das rettende Tor schießen können. Hätte. Das sage ich ganz deutlich. Gegen Wolfsburg spielte Mladen Petric von Beginn an, aber außer zwei Freistößen (die allerdings glänzend getreten waren) trat der Kroate nicht in Erscheinung. Warum nicht? Und: Hatte Armin Veh Angst davor, dass Petric in Bremen (nach einer Einwechslung) in der Wolfsburg-Form spielen würde? So ganz von der Hand zu weisen wäre diese Angst ja auch nicht. Aber wir soll es unter diesen Umständen nur weitergehen?

Zum Thema Petric befand Reinhardt übrigens: „Es saßen in Bremen auch noch andere Spieler 90 Minuten auf der Bank, das ist doch ganz normal. Das sind Entscheidungen, die der Trainer trifft, und er denkt sich etwas dabei. Es geschieht ja nicht, um Mladen eins auszuwischen, sondern der Trainer muss seinen Gedanken und Gefühlen während des Spiels folgen. Ganz normal. Hier geht es nicht um Mladen Petric, hier geht es um den Hamburger Sport-Verein. Einzelschicksale zählen da nicht, wir wollen mit dem Hamburger Sport-Verein erfolgreich sein, dazu gehört es, dass man Spiele gewinnt, und das haben wir nun nicht getan.“

Und zum Thema System sagte „Basti“ Reinhardt: „Ich verstehe ja, dass Journalisten gerne auf solchem System herumhacken und meinen, es wäre der heilige Gral, aber so ist es nicht. Im Prinzip müssen die Spieler ein System mit Leben füllen, und wenn ein System vernünftig umgesetzt wird, dann ist es auch egal, welches System gespielt wird.“

Aber: Wie geht es nun auf der „Zehn“ weiter? Reinhardt: „Wir müssen nun Spiele gewinnen, das ist wichtig, und mir ist es ganz egal, wer dann auf der Zehn spielt.“ Wobei Bastian Reinhardt auch noch sagte: „Wir haben jetzt keine Zeit, um auf den einen oder anderen zu warten. Wir müssen nun alle noch eine Schippe Kohlen drauflegen, noch mehr Gas geben und noch härter arbeiten, damit alle wieder in der nötigen Form sind, dass der HSV wieder seine Spiele gewinnt.“

Zurück aber noch einmal zur „Zehn“. Mir ist auch egal, wer dort spielt, aber geht man mal die Liste der Bewerber durch, dann bleibt nicht viel: Paolo Guerrero ist für mich ein Stürmer, kein Antreiber. Ich sage das deshalb, weil ich beobachtet habe, dass der Peruaner als „Spielmacher“ nur noch schön spielen will, und dabei seine großen Stärken, die Schlitzohrigkeit vor dem Tor, der oftmals kaltblütige Abschluss, total „vergessen“ hat. Guerrero will nur noch vorlegen, einsetzen, inszenieren, und so geht es nun einmal nicht. Dazu gehört Laufarbeit, Schnelligkeit, Aggressivität, Einsatz. Und das war zuletzt nicht mehr bei Guerrero zu entdecken. Ein weiterer Kandidat wäre Petric, aber auch ihn sehe ich auf keinen Fall auf der „Zehn“, er ist nun einmal ein echter Knipser – und müsste normal neben Ruud van Nistelrooy spielen (so wie in Wolfsburg Dzeko wieder Grafite gefunden hat!). Kandidat drei ist Trochowski, und der müsste viel zielstrebiger werden, zudem auch schneller spielen. Und Elia? Dieses Experiment wurde in Bremen vorzeitig (und dennoch zu spät) abgebrochen, der Niederländer ist auf dieser Position nun absolut durchgefallen.
Bliebe für mich noch Ze Roberto. Der ist inzwischen die „Allzweckwaffe“ des HSV, spielt hinten links so, als hätte er nie etwas anderes getan. Aber der Brasilianer könnte auch die „Zehn“, weil er Ideen hat, weil er Durchsetzungsvermögen hat, weil er ballsicher ist, weil er ein gutes Auge hat, weil er ehrgeizig ist und zudem noch immer sauschnell. Aber: Wenn man sich alle diese Attribute einmal vor Augen führt, dann müsste der HSV mit zehn Ze Robertos im Feld spielen . . .

Es gibt, so meine Schlussfolgerung für heute, noch viel, viel zu tun. Packt es an, Ihr HSV-Leute, jetzt ist jeder mit seinen 100 Prozent gefordert, denn sonst könnte es noch 8oder schon) am Ende des Jahres ein ganz böses Erwachen geben.

Zum Schluss noch ein tragisches und schreckliches Thema: Es gibt viele verletzte HSV-Fans (die Zahlen schwanken zwischen 23 und 29), die nach dem Spiel in Bremen lange, sehr lange auf ihren Plätzen warten mussten und dann beim Verlassen des Stadions zu Schaden gekommen sind. Ich wünsche allen schnelle Genesung, und dass Ihr Euch alle von diesem Schock erholt. Ich habe Ähnliches auch schon erlebt, zum Glück ging es damals glimpflicher und ohne körperliche Schäden ab, aber es war die Hölle und es ist die Hölle – deswegen von dieser Stelle aus gute Besserung an alle.

Bastian Reinhardt dazu: „Es ist wirklich tragisch, ich hoffe, dass alle bald wieder genesen und auf den Beinen sind. Es ist geradezu erschütternd, wenn so etwas passiert, es ist einfach nur traurig.“ Die Mannschaft hatte von diesen Vorfällen erst bei der nächtlichen Ankunft in Hamburg erfahren. „Wir waren alle erschrocken. Es ist nicht schön, wenn Fans zum Sport gehen und dann im Krankenhaus landen. Es ist erschütternd und ich hoffe, dass solche Dinge in Zukunft verhindert werden können.“

19.22 Uhr

Früh ins Verderben gestürmt

25. September 2010

Sekunden vor dem Schlusspfiff hatte Ruud van Nistelrooy die große Ausgleichschance, doch der Torjäger zögerte freistehend vier Meter vor dem Werder-Tor zu lange, ihm wurde der Ball noch abgeblockt. Es ist wie verhext, der HSV setzt seine Talfahrt weiter fort. Auf ins Niemandsland der Tabelle. 2:3 in Bremen verloren, vier Spiele in Folge nun schon sieglos, der Blick muss fortan nach unten gerichtet werden, und ich behaupte einmal: In Sachen Meisterschaft ist auch in dieser Saison der Zug wieder frühzeitig abgefahren. Obwohl die Leistung auch in Bremen nicht schlecht war, doch wer so bedenken- und sorglos munter drauf los und nur nach vorne spielt, der darf sich nicht wundern, wenn er in einem Auswärtsspiel so ausgekontert wird. An diesem 25. September war in Bremen – wieder einmal – viel mehr drin, aber der HSV stürmte in der ersten Halbzeit und dann auch in der Schlussphase ins Verderben.

Der HSV begann schwungvoll, machte Druck, spielte mit Engagement – trat wie eine Heimmannschaft auf. Bremen sollte offenbar in Grund und Boden gestürmt werden. Das sah, wie schon gegen Wolfsburg, richtig gut aus. Wenn von Werder einmal was zu sehen war, dann höchsten bei einem Konter. Und dennoch hieß es zur Pause 2:0 für die Hausherren. Es ist wie verflixt, es ist nicht mehr auszuhalten, der HSV schafft es einfach nicht, ein überlegen geführtes Spiel für sich zu entscheiden. Und er schafft es einfach nicht, bei eigener Überlegenheit auch auf die Sicherung des eigenen Tores bedacht zu sein. Und das ist nicht nur Pech, sondern auch amateurhaft.

Beim 1:0 – natürlich ein Konter. Heiko Westermann war mit nach vorne gestürmt, riskierte einen Pass in die Spitze (auf Ruud van Nistelrooy), doch Prödl fing die Kugel ab, und dann ging es ganz schnell. Pizarro legte nach links auf Marin, der wollte flanken, schoss Guy Demel an – und drin! Wahnsinn. Ein halbes Eigentor (25.). In der Mitte suchte, als der Ball noch im Netz lag, Joris Mathijsen seinen Nebenmann Westermann. Der hatte die Einladung zum Gegentor an der Mittellinie abgegeben.

Drei Minuten später bereits das 2:0. Freistoß für Werder aus halbrechter Position – aber eher in Richtung Mittellinie als am HSV-Strafraum. Hunt schießt den Ball zur Mitte, und plötzlich standen Almeida und Pizarro ganz frei auf Höhe Elfmeterpunkt. Ein katastrophales Abwehrverhalten, da stimmte die Zuordnung nicht nur nicht, sie war gar nicht vorhanden. Auch das der reine Wahnsinn. So etwas darf in der Schüler-Mannschaft passieren, aber nicht in der Bundesliga. Almeida köpfte mühelos und unhaltbar ein.

Was nützt das schönste Spiel, was nützte die beste Statistik in Sachen Ballbesitz und gewonnenen Zweikämpfen, wenn so die Tore hergeschenkt werden? Wer so fahrlässig um die Gegentreffer bettelt, der darf sich nicht wundern, wenn er am Ende der Saison nur im Mittelfeld und im Mittelmaß endet. Das Trauma setzt sich fort.

Dabei hatte Armin Veh viel riskiert, hatte genau die Umstellungen vorgenommen, die ich Euch schon am Freitag schilderte. Ze Roberto hinten links war ein absolut gelungener Schachzug, der Brasilianer hatte viele, viele gute Szenen, bewies auch sein gutes Auge für die Defensive, sorgte aber vor allem vorne für viel Musik.

Dafür tauchte sein Vordermann Marcell Jansen nicht so auf, wie vom Trainer erhofft. Jansen zeigte immer mal wieder gute Ansätze, aber er brach auch seine Vorstöße auf der linken Seite einige Male zu schnell ab. Oder er flankte zu ungenau. In der zweiten Halbzeit begann er mit einem Weitschuss besser, wurde zunächst auch etwas zielstrebiger – aber er ist noch immer nicht der Jansen, der er sein könnte. In der 80. Minute ging der Nationalspieler dann auch völlig ausgelaugt vom Platz, für ihn schickte Veh Piotr Trochowski auf den Rasen.

Im zentralen Mittelfeld durfte sich diesmal Eljero Elia versuchen. Der Niederländer begann durchaus gut, aber dieser Zustand hielt nicht lange an. Ich weiß nicht, was mit „Elli“ los ist. Schon Sekunden vor dem Anpfiff fragte ich mich das. Da wurde er von den Kameras in Großaufnahme gezeigt, und die TV-Zuschauer sahen einen in sich gekehrten jungen Mann, der weder Optimismus noch Spaß oder Freude auf der Stirn trug. Anders dagegen die nächste Einstellung: Pizarro, der Bremer Torjäger, war fröhlich, lächelte und wirkte dabei voller Tatendrang. Elia schaffte es dann später nicht, Akzente zu setzen, er wirkte auf mich teilweise wie ein Fremdkörper in dieser HSV-Mannschaft. Oft setzte er sich erst in Bewegung, wenn der Ball in seiner unmittelbaren Nähe gespielt oder vorbei gespielt wurde. Für mich ist das Experiment, Elia zentral hinter van Nistelrooy zu spielen, schon nach einem Versuch gescheitert, und zwar restlos. In der 53. Minute sah auch Armin Veh das ein, er nahm Elia runter und schickte Jonathan Pitroipa auf den Rasen. Wobei ich mich fragte, was wohl im Kopf von Eljero Elia vorgehen mag? Ich schrieb es gestern schon einmal: Links nicht, rechts nicht, und nun auch in der Mitte absolut nichts, obwohl er dort alle Möglichkeiten gehabt hätte. Wie geht es bloß weiter mit dem nach Veh größten HSV-Talent?

Zur Pause wechselte Veh. Er opferte den guten Tomas Rincon, der mir bis zur 45. Minuten sehr gut gefallen hatte. Aber: Rincon hatte in der 36. Minute die Gelbe Karte gesehen, und das ist für ihn, der gerne einmal rustikal zur Sache geht, immer ein Alarmzeichen. Und zudem halte ich den eingewechselten Gojko Kacar, der für Rincon kam, für etwas offensivstärker.

Richtig besser und offensiver aber wurde das HSV-Spiel aber erst mit der Einwechslung von Pitroipa. Da ging die Post dann ab. Aber hallo. Erst legte „Piet“ das 1:2 auf, das „Van the man“ per Hacke erzielte – sein viertes Saisontor. Und dann dieses unfassbare und so herrliche 2:2. Unglaublich, sensationell, hammermäßig. Pitroipa zog nach einem Ze-Roberto-Eckstoß mutig und wuchtig aus 15 Metern ab – Winkel, Traumtor! Ruud van Nistelrooy bekam den Mund vor lauter Staunen nicht mehr zu. Was mag den guten „Piet“ geritten haben, einen solchen Versuch zu starten? Er wurde von den Kollegen vor Freude fast erdrückt.

Gefreut hat mich bei diesem Ausgleich besonders, dass die unentwegten HSV-Fans für ihre tadellose Unterstützung auch „belohnt“ wurden. Das war erneut eine großartige Leistung, Ihr, die von der Bremer Baustelle aus zugesehen habt, Ihr habt auch nach dem 0:2 immer noch an Eure Mannschaft geglaubt, und das ist absolut klasse.

Die Stützen des HSV an diesem Abend: Neben Ze Roberto und Rincon ganz sicher auch wieder David Jarolim. Habt Ihr einmal gezählt, wie viele Bälle der Tscheche erobert hat? Keiner schafft mehr in 90 Minuten, das ist eine Top-Leistung. Ruud van Nistelrooy gefiel mir ebenfalls sehr gut, wie er die Bälle holt und hält, welches Laufpensum er zudem an den Tag (beziehungsweise Abend) legt – das ist schon super. Ihn durften die Bremer nie aus den Augen lassen. Eine anständige Leistung bot auch Eric-Maxim Choupo-Moting, der oftmals seine sehr gute Ballbehandlung gewinnbringend in den Zweikämpfen einbringen konnte. Auch wenn er nicht immer zielstrebig Fußball spielt, auch wenn es manchmal ein wenig behäbig aussieht, dieser „Choupo“ ist eine Belebung für den HSV. Das sage ich ganz bewusst, denn eine solche Rolle habe ich ihm zu dieser Phase der Saison nicht zugetraut, da bin ich ehrlich. Ich muss mich in seinem Fall ganz klar revidieren.

Aus der Innenverteidigung ragte für mich diesmal Mathijsen hervor, auch wenn es bei ihm (wie bei den Nebenleuten) nicht immer alles souverän aussah. Frank Rost für mich ohne jeden Fehler, wenn er auch bei der „Blutgrätsche“ in Halbzeit eins gegen „Fallkünstler“ Marin viel riskiert hatte.

Nach dem 2:2 fand Bremen noch einmal zurück ins Spiel. Meine Hoffnung, dass der HSV Werder mit großer Euphorie überrollen würde, verebbte total. Im Gegenteil. Fünf Minuten vor dem Schluss kam Werder voll zurück, schoss das dritte Tor. Piotr Trochowski verdribbelte den Ball an der Mittellinie, der Konter lief. Der HSV in dieser Szene total unsortiert in der Abwehr, links offen wie ein Scheunentor, Pass zur Mitte, am langen Pfosten ließ Demel Almeida aus den Augen – Tor. Ende. Aus. Vorbei. Welch ein Dilemma.

HSV-Kapitän Heiko Westermann resümierte: “In der zweiten Halbzeit haben wir Leidenschaft gezeigt, haben dann auch verdient das 2:2 geschafft. Und dann aber Harakiri gespielt. Das darf nicht passieren. Ich hatte gedacht, dass wir aus dem Wolfsburg-Spiel gelernt hätten, aber das ist leider nicht der Fall. Wenn man ein 0:2 aufholt, dann muss man auch mal mit einem 2:2 zufrieden sein.”

20.33 Uhr

Ein “neuer HSV” in Bremen

24. September 2010

Alter schützt vor Torheit nicht. Als Joris Mathijsen, Piotr Trochowski und Guy Demel auf dem Weg zum Trainingsplatz waren, wurden sie von einem Rentner-Ehepaar von der Seite angequatscht. Das gipfelte schließlich darin, das der alte Mann sagte: „Was soll’s, ihr kriegt morgen in Bremen ohnehin einen auf die Mütze . . .“ Nett, nicht wahr? Und dabei grinste der Rentner richtig schön doof. Was sollte das bloß? Waren das verirrte Bremer? Zum Glück haben die drei HSV-Spieler nicht richtig zugehört, oder es aber auch nicht verstanden, auf jeden Fall gingen sie weiter, ohne Bezug auf diesen blöden Spruch zu nehmen. Leute gibt es . . .

Für Bremen könnte das Motto gelten: Bleibt alles anders. Wenn nicht alles täuscht, dann wird der HSV an der Weser ein wenig umgekrempelt in diese so wichtige Partie gehen. Im Abschlussspiel heute gab es gleich fünf gewichtige personelle Veränderungen: Ze Roberto spielte in der Viererkette links, davor nahm Marcell Jansen den Platz ein. Auf die „Sechs“ rückte Tomas Rincon, rechts vorne rutschte Eric-Maxim Choupo-Moting rein, und zentral hinter Ruud van Nistelrooy bezog Elejro Elia Position. Der nunmehr vierte Versuch nach Guerrero, Trochowski und Petric mit einem Spieler auf der „Zehn“.

Was mich heute besonders überraschte: Jonathan Pitroipa kickte ebenso in der Reserve, wie Mladen Petric und Piotr Trochowski. Wobei „Piet“ für mich eigentlich nach seinem guten Auftritt gegen Wolfsburg für Bremen gesetzt war, aber eventuell lässt sich ja Armin Veh von anderen Gedanken tragen. Oder der Trainer möchte Pitroipa mal eine Ruhepause gönnen, weil drei Spiele in einer Woche eventuell doch zuviel sein könnten für das „dünne Hemd“. Wenn es also nach meinen Trainingsbeobachtungen geht, dann wird der HSV morgen wie folgt beginnen: Rost; Demel, Westermann, Mathijsen, Ze Roberto; Rincon, Jarolim; Choupo-Moting, Elia, Jansen; van Nistelrooy.

Das Spiel A gegen B gewann der Stamm mit 2:0, und wenn ich es richtig gesehen habe, dann erzielten David Jarolim und Ruud van Nistelrooy die Tore. Letzteres entsprang einem Elfmeter, den Dennis Diekmeier an Choupo-Moting verschuldet hatte. Was von diesem Freitags-Training noch erwähnenswert ist: Als es drei Stationen mit dem schon obligatorischen Fünf-gegen-zwei-Spiel gab, bat Armin Veh Nationalspieler Marcell Jansen zu sich. Wie auf einer Tafel erklärte der Coach seinem Schützling mit Papier und Kugelschreiber, was er in Bremen mit ihm vorhat, zeichnete ihm die Laufwege auf.

Die Umstellung macht sicher Sinn. Viele werden sich erinnern, dass Jansen im Wolfsburg-Spiel fast pausenlos von hinten nach vorne „tobte“. Was dann zur Folge hatte, dass er hinten Konzentrationsschwächen offenbarte, die vom VfL eiskalt zu drei Treffern ausgenutzt wurden. Im Zusammenspiel mit Ze Roberto könnte das nun viel, viel effektiver gestaltet werden. Beide haben ein Auge für die Offensive, beide können auch nach hinten arbeiten, deshalb bietet sich eine Art Wechselspiel schon an. Geht Jansen steil, sichert Ze Roberto ab, geht Ze Roberto steil, lässt sich Jansen fallen. Im Training hat das schon mal sehr gut geklappt, das ergänzten sich beide Spieler ganz hervorragend – und sie passte auch genau auf, wer wo steht. Jetzt muss das nur noch in Bremen klappen . . .

Trifft auch auf Elia zu. Der wollte früher nie rechts, durfte jetzt einige Male links (sein Traum-Posten), aber so richtig laufen wollte es bei ihm weder rechts noch links. Vielleicht klappt es dann ja nun in der Mitte. Wenn er sich erinnert, wie er im Dezember die Bremer geradezu schwindelig spielte, dann könnte es diesmal doch etwas werden. Auch wenn Elia im Training noch immer etwas verhalten zur Sache geht. Da ist noch nicht viel von Wirbel, von Rakete oder von Schlitzohrigkeit zu sehen, irgendwie „lahmt“ der Niederländer noch ein wenig – aber vielleicht braucht er ja auch nur mal ein Erfolgserlebnis, um dann zu explodieren.

Das könnte auch „Van the man“ mal wieder gut gebrauchen. Nach seinen Anfangserfolgen haben ihn nun alle gegnerischen Mannschaften besonders auf dem Zettel. Zwei, drei Mann krallen sich van Nistelrooy und geben sich die größte Mühe, ihm den Ball abzujagen. Mir fällt auf, dass sich „Ruud“ zuletzt wieder einige Male sehr weit hat fallen lassen, um überhaupt mal mitspielen zu dürfen. Das hat fast schon „Labbadiasche Züge“, wenn Ruud van Nistelrooy sich an der Mittellinie den Ball abholt, oder wenn er ihn gegen seine hartnäckigen Verfolger auf Höhe Mittelkreis verteidigt. Da tut er mir dann schon wieder ein wenig Leid, denn etwas mehr Unterstützung ist ihm da vorne schon zu wünschen. Obwohl es der HSV ja anscheinend erkannt hat, an was es mangelt. Zuletzt krankte es am Nachrücken. Die Spieler sprachen selbst davon. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?

Zum Thema „eine Spitze“, da habe ich mich noch einmal schlau gemacht, da hat Armin Veh übrigens kürzlich folgende Sätze gesagt: „Ab und zu, das bekommen nur einige nicht mit, spielen wir sogar mit drei Stürmern.“ Für Veh ist der Unterschied zwischen einem 4:2:3:1-System und einem 4:4:2-System marginal: „Wir müssen flexibel sein. Wenn wir mit zwei Spitzen spielen würden, dann müsste sich einer von den beiden Angreifern auch immer wieder mal fallen lassen – und dann hat man wieder ein 4:2:3:1. Im Prinzip sind sich die System fast ähnlich, und nach hinten muss man in beiden Fällen immer auch arbeiten.“ Dann ergänzte Armin Veh noch: „Der Trainer bestimmt das System. Und ich bestimme es dann immer, wenn ich neue Spieler hole.“ Warum Veh nicht auf ein 4:4:2 umsteigen will, das erklärte er auch: „Wenn es zwei Spitzen gibt, dann ist es leichter für die gegnerische Viererkette, sich diese beiden zu greifen. Kommt aber einer aus der Tiefe, dann ist es schwerer.“

Ich sehe das ähnlich. Spielt der HSV mit zwei Spitzen, kann sich keiner dabei erlauben, bei einem abgefangenen Angriff vorne zu „parken“. Im modernen Fußball muss jeder Spieler auch Defensivarbeiten übernehmen, das ist nun einmal das ungeschriebene Gesetz. Wichtig wird die Frage des Systems dann, wenn es um das Spiel nach vorne geht. Nachrücken, ich habe es eben erwähnt, ist das A und O dabei, und genau daran muss der HSV arbeiten. Es langt doch nicht, den Ball einfach nur in die Füße von van Nistelrooy zu spielen und dann zu denken: „Nun mach mal . . .“ Fußball ist wie Tennis, und Tennis ist bekanntlich ein Laufspiel. Nachrücken erfordert natürlich eine große, eine emsige Laufbereitschaft, aber Kraft und Kondition sind ja nach dieser Vorbereitung kein Thema beim HSV, alles ist vorhanden, alles soll reichlich vorhanden sein. Vorne und hinten sein, das ist die große Kunst im heutigen Fußball, dazu muss der Spieler auch mental bereit sein. Und der Trainer könnte seinen Spielern dabei mit den treffenden Sätzen leicht auf die Sprünge helfen . . .

Veh sagte heute: „Wenn wir so spielen wie gegen Wolfsburg, dann werden wir auch unsere Punkte entsprechend machen. Wenn ich die Zweikampfstatistik insgesamt so anschaue, so sind wir auch ganz vorne mit dabei, aber entscheidend sind natürlich die Punkte. Es nützt dir nichts, wenn man gut spielt und verliert, es zählen nur die Punkte, und die müssen wir holen.“ In Bremen! Genau, in Bremen wäre schon gut, wenn der HSV dort gewinnen würde.

Das würde auch ganz nach dem Geschmack von Heiko Westermann sein. Der Kapitän fasste diese Woche noch einmal kurz zusammen: „Nach dem Wolfsburg-Spiel saßen wir in der Kabine und haben nicht verstanden, warum wir dieses Spiel verloren haben. Am nächsten Tag aber haben wir uns gesagt, dass wenn wir weiter so spielen, wir auch unsere Punkte holen werden. Davon bin ich absolut überzeugt. Es gibt nicht viele Mannschaften, die uns das Wasser reichen können, wenn wir so spielen wie gegen den VfL.“ Am besten so auch an der Weser, nur mit mehr Tore für Hamburg. Westermann sagt: „Wir müssen natürlich wissen, dass wir nicht locker lassen dürfen. Wir müssen immer die beste Leistung abrufen, und wir müssen als Mannschaft auftreten.“ Das ist ein Wort. Wie gesagt: Bremen. Dort gut spielen und gewinnen, das wäre es doch. Ich hoffe, der Auftrag ist verstanden.

So, kurz noch in eigener Sache: Ich danke Euch ganz, ganz herzlich für die vielen Glückwünsche zu meinem Geburtstag. Ich bin überwältigt, wirklich, wirklich. Unglaublich, einen solchen Tag mit so vielen Anrufen und Mails (dazu so manche SMS) habe ich noch nie erlebt. Und im Radio ist mein Name in diesem Zusammenhang auch noch nicht genannt worden, vielen dank an Wolf Hoppe und auch an Carlo von Tiedemann, der noch einige nette Sätze anfügte. Danke, danke! An alle.

18.59 Uhr

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