Monatsarchiv für August 2010

Welche Rolle kann “Troche” spielen?

26. August 2010

Was für ein ungewohnter Besuch beim heutigen Training: Nach knapp einer Trainingsstunde schaute der Vereinsboss höchstpersönlich bei der Einheit vorbei. Bernd Hoffmann hatte eigentlich gehofft, dass er den Rest des Abschlussspiels anschauen könnte. Doch da hatte er die Rechnung ohne Armin Veh gemacht. Der Trainer setzte einen Tag vor dem Abflug nach Frankfurt auf ausgiebige Torabschlussübungen. Wäre er eine Viertelstunde früher gekommen, hätte er wahrscheinlich eher Befreiungsschlagübungen vermutet, denn in kürzester Zeit bugsierten Jonathan Pitroipa und Co. drei Bälle über den meterhohen Fangzaun. Aber nicht, dass jetzt jemand denkt, die Schüsse seien alle grausam gewesen. Da waren wirklich gute Abschlüsse dabei. Von allen Stürmern und auch von einigen Defensivkräften.

In Frankfurt, das deutete sich in den vergangenen Tagen ja schon mehrfach an, hat Veh nun wirklich die Qual der Wahl. Paolo Guerrero hat seine leichte Erkältung überwunden, damit muss sich Veh zwischen ihm und Mladen Petric auf der Position zentral hinter Ruud van Nistelrooy entscheiden. „Es kann sein, dass Paolo von Anfang an spielt“, sagte der Trainer heute bei der Pressekonferenz, um dann in allen Details die Vorzüge von Petric aufzuzählen. Ich glaube wirklich, dass der Coach noch unentschieden in seiner Abschlussbewertung ist, was die beiden betrifft. Hätte er die heutigen Torschussübungen zum Maßstab genommen, dürfte der Kroate Petric einen Vorsprung haben – seine Kopfbälle und Direktabnahmen aus der Luft fanden deutlich häufiger ihr Ziel als Guerreros Versuche.

„Ich werde immer entscheiden, was das Beste für den Spieltag ist“, sagt Veh, „es geht schließlich nicht um Einzelspieler, sondern immer um das große Ganze.“ Dabei, das dürfte mittlerweile den meisten Spielern und auch Beobachtern klar geworden sein, favorisiert Veh derzeit eine schnelle Außenbahnbesetzung. „Mit Elia und Pitroipa passt es, beide sind im System gut zuhause“, sagt der Trainer.

Mir stellt sich nun die Frage, welche Rolle dann Piotr Trochowski zufallen könnte. „Troche“ steht seinem Trainer ja nun erstmals im Kader zur Verfügung. „Es kann sein, dass er im Kader ist. Eine Entscheidung fällt heute oder morgen“, sagte er um 15 Uhr. Trochowski ist ja kein Flügelflitzer der Sorte Elia oder Pitroipa, also muss er sich zunächst in jedem Fall mit einer Jokerrolle zufrieden geben. Diese könnte aber wichtig werden, denn Veh möchte möglichst vielseitig agieren können – auch wenn es um Einwechslungen geht. „Man muss auch voraus denken, dass man für einen Überraschungseffekt sorgen kann“, sagt Veh. Ich lege mich jetzt mal fest: Ich erwarte Guerrero in der Anfangself, Petric wird als Joker auf der Bank sitzen, ebenso wie Trochowski.

Wie der Kroate mit so einer Situation klar käme, ist fraglich. Viele Experten glauben ja, dass Petric mit einer Reservistenrolle gar nicht klär käme und möglicherweise schlechte Stimmung verbreiten würde. Direkt darauf angesprochen, reagiert der Stürmer allerdings relativ gefasst und gelassen: „Wir haben viele gute Spieler und zu wenig Plätze auf dem Platz, das ist eine Tatsache. Natürlich habe ich mich gedanklich auch schon mal damit beschäftigt, dass ich draußen sitzen könnte, und glücklich wäre ich damit bestimmt nicht. Aber gestänkert habe ich noch nie. Man muss sich mit so einer Situation abfinden. Trotzdem werde ich weiterhin alles dafür tun, dass ich viel und möglichst von Anfang an spiele.“

Immerhin gab Petric zu, dass er „schon ein bisschen überrascht“ war, dass er am Mittwoch in der B-Mannschaft im Training auflaufen musste. „Aber trotzdem hat es mir großen Spaß gemacht“, sagte er mit einem Augenzwinkern. Zur Erinnerung: Petrics Team hatte 3:1 gewonnen und der Angreifer selbst auch getroffen. Stichwort: Eigenwerbung.

In Frankfurt, da sind sich sämtliche HSVer einig, erwartet die Mannschaft nach der Pleite der Eintracht in Hannover eine große und gefährliche Unbekannte. „Die werden keinen Hau-Ruck-Fußball spielen, sondern sind spielerisch ausgerichtet“, weiß Veh, der entsprechende Antworten fußballerischer Natur parat haben will. Das Schalke-Spiel dient da als gute Basis.

Ach ja, kurz noch zum Kühne-Thema. Armin Veh hat das Treffen der Obersten in Hamburg registriert, mag es aber nicht kommentieren. „Es hat mich vorher nicht belastet und jetzt auch nicht“, sagte er. Der Großinvestor und die HSV-Verantwortlichen hatten sich zu einer Quasi-Aussprache getroffen. Ergebnis: Kommuniziert werden soll fortan nur noch intern, nicht über Medien. Und der Kauf von Gojko Kacar fällt nicht mit in die Anstoß-hoch-drei-Projektmasse. Unterm Strich bleibt die Frage, ob der HSV dieses Projekt möglicherweise irgendwann noch einmal beleben wird. Richtig interessant wird es sowieso erst, wenn möglicherweise ein namhafter Transfer ansteht. Warten wir also ab.

Morgen gibt’s Training um 13 Uhr, danach düst die Mannschaft nach Frankfurt ab.

18:50 Uhr

Rudi – einfach nur Rudi

25. August 2010

„Rudi. Rudi. Rudi.“ Marcell Jansen hatte sich auf dem linken Flügel freigelaufen, deshalb forderte er den Ball – aber der kam nicht. „Rudi“ spielte sie Kugel statt zu Jansen auf die rechte Seite. Diese Szene hatte allerdings eines zur Folge: Wir „Kiebitze“ schauten uns an und fragte: „Rudi?“ Ja, „Rudi“, so wird van Nistelrooy von den Kollegen genannt. Klingt vielleicht ein wenig despektierlich für den Weltstar, soll und ist es aber bestimmt nicht. Es ist wohl eher nett und auch ein wenig liebevoll gemeint. Und ist gewiss auch ein Zeichen, dass „Van the man“ ein ganz normaler HSV-Profi ist. Und so ist es ja auch in der Tat.

Das Training am Vormittag begann mit 20 Minuten Koordination. Es war ein Parcours über 30 Meter aufgebaut, in dem Hütchen verteilt waren. Über die musste gelaufen werden, und zwar in jeder Form: Drehungen, rückwärts, an die Hütchen nach links und rechts greifen, sprinten. Alles ohne Ball. Dann wurde 25 Minuten lang auf drei Stationen „fünf gegen drei“ gespielt, wobei die Gruppe mit Frank Rost, Joris Mathijsen, Heiko Westermann, Muhamed Besic, Ruud van Nistelrooy, Mladen Petric und Piotr Trochowski die Kugel am besten laufen ließ. Auffällig dabei, die nach wie vor sehr gute und lockere Stimmung. Da wurde nicht nur ernsthaft der Ball behauptet, da wurde auch gescherzt und gelacht. So einmal, als Rost seinem Vordermann Westermann den Ball aus fünf Metern vor das Schienbein drosch – der Kapitän konnte mit einem solchen „Zuspiel“ natürlich nichts anfangen, der Ball flog weit an Freund und Feind vorbei ins Aus – Gelächter. Bis auf Westermann, der fluchte . . .

Es folgte ein Spiel ohne Tore, ungefähr auf einem Dreiviertel des Spielfeldes, an einem Ende warteten jeweils zwei von einem Team, um sich anspielen zu lassen. 15 Minuten ging das so, dann gab es ein Spielchen A gegen B – dann, nur für alle, die sich nun fragen, ob mit Tore oder ohne – mit. Von Rost und Drobny gehütet.
Und nun genau hinsehen: Mladen Petric spielte im B-Team, Paolo Guerrero bei A! Der Peruaner schoss auch das einzige Tor für seine Mannschaft, die ansonsten mit der Aufstellung vergleichbar war, die gegen Schalke begann. Das Tor hatte Guy Demel mit einer herrlichen Flanke (!) vorbereitet – es geht doch! Geurerro traf volley aus zwölf Metern, unhaltbar für Jaroslav Drobny.

Zuvor aber hatte Mladen Petric schon das 1:0 für B erzielt, und B siegte dann auch durch zwei Treffer von Eric-Maxim Choupo-Moting. Der Nationalstürmer Kameruns gefiel mir bei diesem Spiel sehr gut, was wohl auch damit zu tun haben könnte, dass er den HSV noch verlassen wird. Das, soviel kann ich verraten, steht schon fest, als neuer Klub wird Rapid Wien gehandelt. Obwohl HSV-Medienchef Jörn Wolf sagt: „Davon habe ich nichts gehört.“ Und: „Warum sollten wir ihn jetzt noch abgeben?“ Das ist genau die Frage, die ich mir auch stelle. Aber da Trainer Armin Veh ja bei einer Spitze bleiben wird, van Nistelrooy, Petric und Guerrero dort spielen könnte, käme Choupo-Moting erst an vierter Stelle. Wenn überhaupt, denn irgendwann wird ja auch Heung Min Son wieder da sein. Hoffentlich.

Übrigens: Während es im Spiel teilweise ganz schön rustikal zur Sache ging (Tomas Rincon gegen Guerrero und umgekehrt!), trainierten am Rande Dennis Aogo und Tunay Torun mit Reha-Coach Markus Günther – und teilweise auch schon mit Ball. Es geht aufwärts. Mit einem Eisverband um die linke Wade ging Guy Demel in die Kabine. Er hatte einen Tritt von Lennard Sowah einstecken müssen, aber Demel sagte: „Daran liegt es nicht.“ Es soll sich um eine Vorsichtsmaßnahme handeln.

Zurück zu Ruud van Nistelrooy. Wir hatten die Gelegenheit, mit dem Torjäger zu sprechen. Wie schon beim Interview in Längenfeld (Österreich) muss ich auch heute feststellen: Immer wieder ein Erlebnis, sich mit ihm zu unterhalten, weil er nichts von einem Star-Gehabe an sich hat. „Rudi“ ist eben so, es ist sein Naturell. Wie steht er zu diesem „Rudi“? Er sagt: „Ich habe das gar nicht mitbekommen, aber es ist okay.“ Ist der HSV sein erster Verein, in dem er „Rudi“ gerufen wird? Nein. RvN: „In England klang es nur anders. Englisch eben.“ Eher ein wenig nach „Rjudy“. Oder so. Der Stürmer sagt: „Rudi ist vielleicht einfach zu sagen, als Ruud.“

Zum Fußball. Ich fragte ihn, ob er nicht ein wenig überrascht sei, dass der HSV nach den Auftritten gegen Cottbus und Torgelow so gut gegen Vizemeister Schalke aus den Startlöchern kam. RvN dazu: „Da muss ich wohl ja sagen. Torgelow und Cottbus waren nicht die größten Spiele von uns, aber wenn ich denn an die ganz Vorbereitung denke, dann bin ich nicht überrascht. So wie wir jeden Tag trainiert haben, wie alle durchgehalten haben – und dann kommt das erste Heimspiel, die Spannung dazu, und dann sieht man, wie wir darauf reagieren, dass wir es gut umsetzen können, was wir wollen. Letztlich hat es mich dann doch nicht überrascht.“

Und die Atmosphäre in der Arena? Wie hat er die großartige Stimmung empfunden? Van Nistelrooy: „Neuer Start, gut gespielt, darauf hat das Publikum reagiert. Die Fans haben sich gefreut, wir haben uns auch gefreut – es war wirklich ein sehr schöner Fußballabend, es hat alles gepasst, das Spiel, die Stimmung, das schöne Stadion. Es war einfach nur zum Genießen.“

Bis auf die Gelbe Karte, die er sich in der 46. Minute, nach seinem 1:0, bei Schiedsrichter Wolfgang Stark abholen musste. Weil „Rudi“ erstmals in Hamburg nicht nur über die Bande sprang. Sondern auch noch die Treppe hinauf zu den Fans nahm. Zum ersten und gleichzeitig auch zum letzte Mal. RvN: „Die Gelbe Karte hilft nicht, es noch einmal zu machen. Aber es war trotzdem ein schöner Moment, und den wollte ich mit den Jungs, die dort hinter dem Tor standen, einfach nur teilen – es war schon schön, aber, wie gesagt, einmalig.“

Obwohl er natürlich weiterhin seine Tore schießen will – und wird. Auch am Sonnabend in Frankfurt. Gegen die Eintracht, die ihr erstes Erfolgserlebnis feiern will. Es wird nicht leicht. Aber der HSV kommt mit frischem Selbstvertrauen, dazu mit einer gewissen Euphorie. Ist RvN ein so erfahrener Mann, dass er seine jüngeren Kollegen ermahnt, auf dem Teppich zu bleiben? „Was ich mache, ist etwas anderes. Ich versuche nicht zu reden, ich versuche es mehr zu zeigen. Auch im Training. Da muss man nach einem Spiel wie gegen Schalke wieder mit dem Kopf da sein, und ich denke, dass ich auf dem Platz mit meiner Leistung ein Signal geben kann. Das zeigt mehr als Worte. Ich muss zeigen, dass ich ein Spieler bin, auf den man bauen kann“, sagt van Nistelrooy.

Er zeigt es seit Wochen, nicht nur im Schalke-Spiel. Auch in der Vorbereitung war seine Einstellung beeindruckend. Und er ist mit Lust und guter Laune bei der Sache. Ich fragte ihn nach einer Sache, die er in Längenfeld geäußert hatte. Dort sagte RvN damals: „Ob ich nach dieser Saison noch eine weitere Saison spiele, das entscheide ich danach, wie ich mich fühle.“ Und wenn er sich heute entscheiden müsste? RvN: „Dann würde ich wohl ein weiteres Jahr dranhängen, denn ich fühle mich sehr gut. Warum sollte ich dann aufhören? Hoffentlich aber fühle ich mich am Saisonende auch noch immer so gut.“

Seine Familie lebt inzwischen in Hamburg, die Kinder gehen in den Kindergarten, sie lerne im Moment täglich ein wenig mehr Deutsch. Es passt alles. Da wäre es doch ratsam, dass die Van-Nistelrooy-Kinder noch einige Jahre mehr Deutsch lernen würden – in Hamburg, oder?

Neuerdings schießt „Rudi“ nun auch Freistöße. Gegen Torgelow drosch er den Ball aus weiter Entfernung mit Schmackes ins Netz, gegen Schalke traf er die Torlatte. Ein neues Betätigungsfeld für ihn? „Der Trainer hat zu mir gesagt, dass ich ruhig mal einige Freistöße schießen soll, wenn ich möchte.“ Und er mochte. Und wird wohl auch weiter damit machen. Denn das sah ja auch sehr gut aus. „Ich habe mir den Ball nicht einfach genommen, der Trainer hatte mir das gesagt. Und ich fühle mich zurzeit auch sehr gut. Und ich denke, dass ich den Ball auch treffen kann . . .“

Kann man durchaus bestätigen. RvN sagte dann noch: „Auch wenn ich Freistöße im Spiel bislang nicht oft geschossen habe, aber im Training eigentlich regelmäßig. Da habe ich es nach dem Ende schon immer gemacht, aus weiterer Entfernung, ab 20 Metern.“

In den Testspielen war auch „Rudi“ einmal der HSV-Kapitän. Jetzt ist Neuling Heiko Westermann der Spielführer geworden. Wie beurteilt ein Mann von Welt den ehemaligen Schalker? Van Nistelrooy: „Er ist neu hier, aber ich habe das Gefühl, als wäre er schon fünf Jahre beim HSV. Ein solcher Typ ist er auch. So ist er bei uns reingekommen. Er ist total unkompliziert, ein normaler Junge, er lacht, er redet mit allen, er ist konstant in seinen Leistungen, und er ist kopfballstark, er macht ganz sicher noch einige Tore für uns, auch mit dem Kopf.“ Dann ergänzt van Nistelrooy noch: „Ein guter Typ.“ Der Kollege Babak Milani (Bild) sagte danach spontan: „Wenn ich erst jetzt den Raum betreten hätte, dann würde ich denken, da wird über Joris Mathijsen gesprochen.“ Ruud van Nistelrooy dazu: „Das stimmt. Beide sind gleiche Typen, nur dass der eine mit links und der andere mit rechts schießt . . .“

Ein neutraler Beobachter hätte allerdings auch denken können, dass van Nistelrooy über sich selbst gesprochen hat. Denn alles das, was er über Westermann (und damit auch Mathijsen) gesagt hat, trifft auch auf ihn zu. Auch er ist total unkompliziert. Er über sich: „Es kostet am wenigsten Energie, wenn ich ich selbst bleibe. Dann muss ich mich nicht verstellen, mache einfach ganz normale Dinge. Dann fühle ich mich auch wohl.“ Und der HSV profitiert davon. Hoffentlich noch recht lange.

Letzte Frage: Vermisst er eigentlich seinen Son? „Rudi“ strahlt bei seiner Antwort, als würde er über seinen Sohn sprechen: „Heute war er wieder da. Das erste Mal nach seiner Verletzung. Ich hatte schon Muhamed Besic gefragt, ob Son gar nicht mehr kommt, ob er uns nicht mehr sehen will? Was ist da los habe ich gefragt – aber heute war er wieder da. Das war gut.“ Ja, so ist der, der gute Ruud. Ein Weltstar zum Anfassen. Und einer der immer seine Leistung bringen will, weil er voller Ehrgeiz steckt.

PS: Heute gab oder gibt es noch das Treffen HSV und Kühne. Sollte ich noch etwas hören, würde ich auch berichten. Noch aber gibt es nichts. Wobei ich mir gut vorstellen könnte, dass es so bleibt, denn: Der HSV sagt, dass es einen rechtsgültigen Vertrag mit dem Investor gibt, un´d der Kontrakt wird auch eingehalten. Der HSV ist jedenfalls gewillt. Nun könnte es nur so sein, dass Kühne selbst nicht mehr will, weil es ja inzwischen zu öffentlichen Irritationen gekommen war. Aber auch von dieser Variante geht der HSV selbst nicht aus. Also müssen wir abwarten und uns überraschen lassen.

Zu meiner heutigen Verspätung: Ich hatte gestern auf dem Heimweg einen leichten Unfall, weil ich einem braunen BMW ausweichen musste, dabei küsste mein Auto einen höchst unangenehmen Kantstein. Die Spuren davon musste ich heute ebseitigen lassen, denn Reifen und Felge waren schlicht im Eimer. Der braune BMW, der direkten Kurs auf mein Auto genommen hatte (ích auf der Vorfahrtsstraße), fuhr natürlich auf und davon . . .

20.27 Uhr

Kühne und Nagel

Wie sich Armin Veh veränderte

24. August 2010

Lange Gesichter im Volkspark. An diesem Vormittag schien die Sonne, doch von Schön-Wetter-Laune war weit und breit nichts zu sehen. Denn die Profis glänzten durch Abwesenheit. Zuerst waren sie im Kraftraum, dann liefen sie durch den Wald. Auf dem Trainingsplatz ließen sie sich aber nicht mehr sehen, erst zur Nachmittags-Einheit kehrten sie auf den Rasen zurück. Das enttäuschte vor allen Dingen jene Fans, die eine weite Anfahrt auf sich genommen hatten, um ihre Lieblinge an diesem Morgen bei der täglichen Arbeit zu inspizieren. Deswegen die langen Gesichter. Nicht wenige machten den Vorschlag: „Dann sollte doch im HSV-Trainingsplan stehen, dass die Profis nicht auf den Platz gehen, dann wären wir nämlich gar nicht erst losgefahren . . .“

Um es noch einmal jedem Fan, der sauer war, zu erklären: Solche Tage hat es beim HSV in der Vergangenheit schon öfter einmal gegeben. Die jeweiligen Trainer haben sich dann erst immer am Trainingstag für den Kraftraum oder für einen Waldlauf entschieden – und ich finde, das ist auch ihr gutes Recht. Es ist dann eben nur Pech, wenn an solchen Tagen die Veranstaltung in der Halle stattfindet.

Ein Spieler fuhr am Vormittag sofort wieder nach Hause: Ze Roberto hat eine leichte Erkältung, meldete sich ab, holte sich Medikamente und legte sich schnell wieder daheim ins Bett. Zwei Spieler aber haben die „Kiebitze“ dann auch noch beim Training erleben dürfen: Dennis Aogo und Tunay Torun. Sie sind um Anschluss an die Kollegen bemüht. Torun wird nach seinem Kreuzbandriss noch eine längere Zeit ausfallen, Aogo aber ist bald wieder „voll“ da. „Es geht aufwärts, es geht mir schon wieder besser, ich bin bald wieder im Mannschaftstraining“, sagte Nationalspieler Aogo. Das klingt doch erfreulich. Demnächst hat Trainer Armin Veh noch mehr Auswahl, denn Piotr Trochowski ist wieder uneingeschränkt dabei, hat keine Schmerzen mehr mit der Achillessehne. Vielleicht kommt er ja zum Frankfurt-Spiel am Sonnabend schon wieder mit in den Kader – denn in Frankfurt war ja mal was. Ihr erinnert Euch? Der Schuss vor etwas mehr als einem Jahr in die Europa League, der 3:2-Siegtreffer quasi in letzter Sekunde. Ich weiß, ich weiß, aus Abseitsposition, aber immerhin zählte der Treffer.

Damals wurde jedenfalls gejubelt, heute auch schon wieder. Oder immer noch. Seit Sonnabend. Der 2:1-Sieg über Schalke war heute noch bei vielen Fans ein sehr geschätztes Gesprächsthema. Es war keiner dabei, der schon gesagt hat, dass der HSV nun Deutscher Meister 2011 ist, aber alle waren der Meinung: „Auf ein solches Erfolgserlebnis lässt sich aufbauen.“ Was ja auch nicht von der Hand zu weisen ist. Und oft wurde auch über folgendes Szenario diskutiert: „Man stelle sich nur vor, dass der HSV nach den Vorstellungen gegen Cottbus und in Torgelow gegen Schalke verloren hätte. Was wäre dann wohl in Hamburg los gewesen? Dann wäre doch schon von Abstieg gesprochen – und geschrieben worden.“ Was ja durchaus so gewesen wäre, oder? Weil es ja vorher doch etliche Schwarzseher gegeben hatte.

Apropos Torgelow. Ex-Kapitän (ich schreibe diesen Begriff nun zum letzten Mal, geht mir auch auf den Geist) David Jarolim befand zu diesem mäßigen Pokalauftritt des HSV: „Der Fünftligist hatte viele gute Chancen gegen uns herausgespielt, das war uns vielleicht eine Warnung, das war vielleicht auch ganz gut so. Denn auch zuvor gegen Cottbus hatte bei uns ja einiges gefehlt.“ Quintessenz aus diesen schlechten Auftritten: Die Defensive musste verbessert werden. Mit diesem Vorsatz ging das gesamte Team in das Schalke-Spiel – und siehe da, es klappte. „Jaro“ befand: „Dass wir in der Offensive stark sind, das wussten wir, aber wir mussten in der Defensive etwas tun, weil wir da zu anfällig waren – und das ist uns gegen Schalke gelungen. Alle, auch unsere Offensivspieler, haben hervorragend gearbeitet.“ Dann fügte der Tscheche einen ganz wichtigen Satz hinzu: „Wenn jeder Spieler das in jedem Spiel so erfüllt, wie jetzt gegen Schalke, dann sind wir richtig stark.“

Der Aufbruch zu wieder besseren HSV-Zeiten? Nicht wenige Fans und Experten werten den ersten Saisonsieg so. David Jarolim blickte noch einmal zurück, sagte über das erste Halbjahr 2010: „Wir sehen jetzt, dass alle Spieler, die zum Einsatz kommen, fit sind. Das waren die Spieler zu Beginn des Jahres aber nicht. Da kehrten viele Spieler zurück, die über Monaten verletzt gefehlt hatten, die konnten gar nicht fit sein, da war keiner bei 100 Prozent, sie konnten ja nichts dafür, aber wir haben sie gebraucht. Optimal aber war das nicht, und dann war es klar, dass uns in den Spielen etwas gefehlt hat.“

Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Obwohl mit den WM-Spieler Joris Mathijsen, Marcell Jansen und Eljero Elia noch immer einige HSV-Profis nicht bei 100 Prozent sind, nicht sein können. Aber sie spielen eben so lange wie sie können, und dann kommen Ersatzleute, die schon bei 100 Prozent sind.

Viele Experten und Fans waren sich bei David Jarolim übrigens sicher, dass er sein Spiel umgestellt hat. Er trennt sich nun schneller vom Ball. Oder? „Jaro“ sagt erstaunt: „Das würde ich nicht so sehen.“ Dann begründet er seine Aussage: „Das ist immer abhängig davon, ob man die Chance hat, den Ball abzuspielen. Man will den Ball gar nicht lange halten, aber wenn man keine Anspielstation findet, dann muss man ihn halten.“ Dann hat sich das jetzt geändert? Läuft sich der HSV jetzt besser frei? Jarolim: „Wenn man diese Freude am Spiel hat, dann macht man das wohl verstärkt oder besser. Wenn man die Leute hat, die sich freilaufen, dann kann man auch direkt spielen.“ Aber der HSV spielt doch mit denselben Spielern (bis auf Heiko Westermann). Es liegt wohl mehr daran, dass jeder mit viel mehr Lust und guter Laune seinem Job nachgeht.

Jarolim war gegen Schalke nicht nur durch viele Balleroberungen aufgefallen, nicht nur durch seine großartige Laufbereitschaft, sondern auch dadurch, dass er eine Reihe glänzender Pässe in die Spitze spielte. Er über sich: „Ich kenne mich bestens, es ist ja nicht so, dass ich solche Pässe nicht spielen kann. Ich bin 31 Jahre alt, es ist ja nicht so, dass ich jetzt plötzlich ganz andere Sachen mache. Schalke spielte aber gegen uns mit, spielte auch nach vorne, da gab es dann die Räume für mich.“ Auf jeden Fall aber stellte er fest: „Der Trainer hat nie mit mir darüber gesprochen, dass ich mein Spiel umstellen solle.“ Dann aber, lieber David Jarolim, war es wohl Intuition. Er sagt zu diesem Thema auch noch: „Der Trainer hat mich gesehen, wie ich spiele, dann hatte er immer noch die Entscheidung, ob er mich braucht oder ob er mich wegschicken sollte – und ich bin immer noch hier. Über alle anderen Sachen mache ich mir keine Gedanken.“

Die muss sich nun Armin Veh machen. Und er macht sie sich auch. Ich kann es immer nur wiederholen: Wie gelassen, wie ruhig und wie realistisch dieser neue HSV-Coach ist, das ist schon höchst erstaunlich. Und ebenso auch erfreulich – für mich. Unerschütterlich, dieser Mann. Äußerlich auf jeden Fall. Das ist bei einem Spiel auch ganz auffällig: Armin Veh sitzt anscheinend mit stoischer Gelassenheit am Rand, zeigt selten einmal eine Gefühlsregung. Er sagt: „Das hat etwas mit dem Alter zu tun. Das ist so. Früher war ich sehr emotional. Da hatte ich in jungen Jahren, als Spieler und als junger Trainer, einen gewissen Jähzorn, und daran musste ich arbeiten.“ Er hat die richtigen Mittel gefunden, um sich zu ändern. Und sagt: „Es macht für mich als Trainer gar keinen Sinn, da außen herumzuturnen, es bringt für mich nichts.“ Wie er die Umstellung von Brause zu stillem Wasser geschafft hat? Veh: „Ich habe mit mir selber gesprochen. Ich habe mich gefragt: Was bist du nur für ein Rindvieh? Ich weiß, dass es nicht okay war, deswegen habe ich es abgestellt. Das Alter und die Erfahrung hat mir dabei geholfen.“

Generell befindet Veh: „Dass man mit 50 anders ist als mit 29, als ich als Trainer angefangen habe, das sollte selbstverständlich sein. Als junger Trainer bin ich auf jedes Ding aufgesprungen, war mit meinen Gedanken überall. So muss man zwar auch am Anfang sein, aber man kann mit 50 nicht mehr so sein.“ Und: „Man kann nach außen ja auch nicht immer das wahre Gesicht zeigen. Unsere Trainer-Krankheit ist doch, dass wir uns immer verfolgt fühlen. Das ist permanent so. Für uns gibt es keine Gerechtigkeit. Gerechtigkeit gibt es ohnehin nicht, aber unsere eigenen Gerechtigkeit erst recht nicht. Immer wieder denkt man: Oh, der will mir etwas Böses. Da muss man gewaltig aufpassen.“ Sonst leidet man von Mal zu Mal mehr. Und geht eventuell auch daran kaputt.

Auf die Frage, ob Armin Veh mit seiner ruhigen Art eine Mannschaft besser erreichen kann, als vorher mit der lauten und emotionalen, sagt der Coach: „Im Prinzip versuche ich die Dinge so zu machen, wie ich sie für richtig halte. Ob es dann richtig ist, das ist die Frage.“ Generell befindet er zu seinem Job: „Im Erfolg bist du der Größte, bei Misserfolg bist du der Depp.“

Noch ist Veh zwar nicht der Größte, aber das kann ja noch werden. Weil er viel über Fußball weiß – und seine Erfahrungen gesammelt hat. Dazu passt noch ein ganz spezielles Thema, ein Lieblings-Thema von mir: die Ecken. Das will ich, ich weiß, ich bin schon viel zu lang, schnell noch einmal anreißen:
Armin Veh hat sich dazu entschieden, die Eckstöße von rechts von Ze Roberto mit links schlagen zu lassen, und von links von Eljero Elia mit rechts. Also immer zum Tor, nicht vom Tor weg. Veh begründet das wie folgt: „Paolo Guerrero kann den Ball am ersten Pfosten sehr gut verlängern, Ze Roberto schlägt die Bälle auch sehr gefährlich zur Mitte.“ Stimmt. Veh sagt aber auch: „Das kann aber durchaus mal variieren.“ Bei Ecken gegen den HSV fällt auf, dass am kurzen Pfosten kein Spieler steht. Veh: „Am langen Pfosten steht auf jeden Fall immer ein Spieler. Vorne kommt es darauf an, was der Torwart will. Er entscheidet, ob er einen zweiten Mann am kurzen Pfosten stehen haben will.“ Kommt der Ball dann lang, geht automatisch, so ist es abgesprochen, Mladen Petric doch noch an den kurzen Pfosten.

Kurz noch zum Nachmittags-Training, bei dem “Benno Hafas” unser Beobachter war. Es wurde das Passspiel in vier Gruppen geübt, die Einheit wurde von Co Michael Oenning geleitet. Auffällig war, wie locker alle drauf waren, es wurde gescherzt und gelacht. Mladen petric gab sogar vor dem Training Autogramme! Und Ruud van Nistelrooy, der fast zu spät gekommen wäre, raste regelrecht auf den Platz, um ja noch vor Armin Veh das Grün zu betreten: geschafft! Die fans durfte, weil die Tore zunächst verschlossen blieben, auf Anweisung des Chef-Trainers dann doch auf das Gelände. Großes Gelächter gab es, als van Nistelrooy in der Spitze angespielt wurde, den Ball mit der Hacke weiterleiten wollte – doch Frank Rost stand genau hinter dem Niederländer und pflückte ihm den Ball von der Ferse.

Bemerkenswert: Armin Veh nahm sich kurz vor Trainingsende Eljero Elia zur Seite, der Trainer legte den Arm auf die Schulter der Flügel-Rakete und sprach intensiv mit ihm. Ein weiteres Vier-Augen-Gespräch gab es auch noch zwischen dem Coach und Paolo Guererro. Da ging es eventuell schon um den “Kick” am Sonnabend: Spiel oder nicht Spiel, das ist hier die Frage.

PS: Am 31. August (kommenden Dienstag) spielt der HSV um 19 Uhr an der Hoheluft gegen den SC Victoria. Damit löst Bernd Hoffmann ein vor einem Jahr gegebenes Versprechen ein (Kompliment!). Der Oberliga-Meister kann dann schon einmal für das Pokalspiel gegen den VfL Wolfsburg testen – wie spielt (und besiegt) man einen Erstliga-Vertreter.

19.07 Uhr

Die Euphorie tut trotzdem gut

23. August 2010

Zurück zum Fußball. Der HSV hat in dieser Saison noch keinen Titel gewonnen, und er ist auch noch nicht Meister geworden. Danke für die zahlreichen Hinweise. Und dennoch war es doch so: Niemand von Euch, von uns, wusste doch, wo der HSV steht. Nach dem Pokalspiel in Torgelow erst recht nicht. Umso überraschte durfte man doch sein, dass es ein solches Spiel gegen Schalke gab. Wir haben heute noch einmal in der Redaktion gesprochen, die Magath-Truppe hätte ja auch 1:6 oder 1:7 untergehen können. Und das lag daran, dass der HSV wirklich klasse gespielt hat. Ich sprach danach mit dem ehemaligen HSV-Kapitän Jochen Meinke, der gemeinsam mit den Meisterspielern von 1960 und 1963 jetzt zwei Tage lang gefeiert wurde. Und der Stopper befand: „Es war eine Super-Leistung vom HSV, die in dieser Form wohl kaum einer vorhergesagt hat, vorhersagen konnte. Ich war überrascht, wie gut es schon lief, das macht Hoffnung auf mehr.“

Was Meinke besonders lobte? „Der Heiko Westermann hat, nach seiner misslungenen Premiere im Pokal, eine ganz starke Leistung geboten. Das Zusammenspiel mit seinem Nebenmann Joris Mathijsen klappte schon prima. Ich verstehe nicht, dass Westermann vielfach eine schwächere Leistung vorgehalten wurde, das stimmt nämlich nicht.“ Ein Extra-Lob gab es dann noch für die beiden „Staubsauger“: „Was David Jarolim und Ze Roberto geboten haben, das war Extraklasse, beide waren überragend.“

Mich freuen diese Sätze, diese Einschätzungen. Sehr sogar. Zeugen sie doch davon, dass auch die „Altmeister“ eine gewisse Euphorie durchleben – nicht nur ich. Alle sind wohl auch ein Stück weit (ein ehemaliger Trainer lässt grüßen) erleichtert, denn viele hatten vorher prophezeit: „Das wird schon ein Richtung weisendes Spiel.“ Und wenn es das tatsächlich war, dann zeigt der Pfeil schon nach oben. Auch wenn Armin Veh nach dem 2:1-Sieg ganz nüchtern festgestellt hatte: „Jedes Spiel ist wichtig.“ Recht hat er ja. Dennoch glaube ich, dass sich dieser HSV in eine gewisse Rolle „hineinspielen“ kann. Mit dem hinzu gewonnenen Selbstvertrauen und einer gehörigen Portion Euphorie.

Um noch einmal auf Meinke zurück zu kommen: Auffällig war auch für mich, wie gut die Innenverteidiger Westermann und Mathijsen schon in ihrem Zusammenwirken waren. Wirken schreibe ich deswegen, weil es ja nicht nur ums Spielen geht. Nach dem 1:0 von Ruud van Nistelrooy achtete ich darauf, als sich die Spielertraube nach dem gemeinsamen Jubel löste: Mathijsen und Westermann liefen gemeinsam zurück und besprachen schon wieder, wie sie sich der nächsten oder der zu erwartenden Schalker Angriffe gemeinsam erwehren wollen. So muss es sein. So war es aber in der vergangenen Saison kaum einmal. Hier aber sieht man nun ein Paar, das die Sache gemeinsam anpacken will, dass um Harmonie bemüht ist – auch weil einer dem anderen vertraut. Und weil beide Spieler Respekt vor dem Kollegen haben. Sie wissen, was sie voneinander zu halten haben, sie kennen die jeweilige Vergangenheit in den Nationalmannschaften.

Dazu passt schon, dass Joris Mathijsen gegen Schalke endlich wieder eine rundherum gelungene Partie zeigte, in der viele, viele Zweikämpfe gewann, in der er etliche Situationen erahnte und damit auch entschärfte. So stark spielte der Niederländer für mich zuletzt unter der Regie von Landsmann Huub Stevens. Und diese 90 Minuten vom Sonnabend werden Maßstab für alle künftigen Spiele des HSV sein, Mathijsen wird sich daran messen lassen müssen. Wenn er diese Prüfungen immer mit jener Bravour wie im Schalke-Spiel besteht, dann hat der HSV schon viel gewonnen. Denn an Stabilität hat es der HSV-Defensive in der vergangenen Saison oftmals gefehlt – sehr sogar. Deswegen wäre es umso schöner, wenn sich das Duo Westermann/Mathijsen noch mehr perfektionieren würde.

Zu einem anderen Duo: Jonathan Pitroipa und Eljero Elia werden künftig noch einige Abwehrreihen mit ihrer Schnelligkeit vor Rätsel stellen. Zwei Spieler, die in Hamburg in diesem Jahr (oder schon länger?) nicht unumstritten waren. Und ich erinnere mich noch (weil es gar nicht lange her ist!), wie sehr zwei ganz, ganz große HSV-Fans vor (!) dem Schalke-Spiel auf mich einredeten, weil sie mit der Aufstellung von „Piet“ so ganz und gar nicht einverstanden waren. Und noch während der Anfangsphase sprang einer dieser HSV-Fans wie Rumpelstilzchen voller Ärger von seinem Platz auf, weil Pitroipa mal wieder eine Sache daneben gegangen war.

„Piet“ hat das Vertrauen des Trainers, das hat ihm vielleicht in seiner HSV-Vergangenheit oftmals (oder immer) gefehlt – jetzt kann er nur noch davon profitieren, dass Armin Veh auf ihn setzt. Und ich glaube, der „Piet“ wird es mit guten bis erstklassigen Leistungen zurückzahlen. Glaube ich ernsthaft.
Und, um auf die linke Seite zu gehen, genau davon bin ich auch bei Eljero Elia schon seit der WM in Südafrika überzeugt. „Elli“ fand gegen Schalke erst allmählich ins Spiel, dann aber wurde es heftig mit ihm. Spätestens in Halbzeit zwei war er „voll“ da. Und von dieser Art Spiele werden wird künftig noch mehrere sehen, sogar noch bessere. Elia mischt die Bundesliga auf – ich glaube nach wie vor daran. Weil er ganz einfach diese Fähigkeiten hat. Und mit der richtigen Ansprache im Rücken, die er vom Trainerteam oder vom Sportchef erhalten könnte, wird es noch mal so gut laufen, denn Elia ist ja auch ein kleines Sensibelchen, das seine (täglichen) Streicheleinheiten dringend benötigt.

Und, um auch diesen Aspekt noch einmal zu durchleuchten: Mit Dennis Aogo, Piotr Trochowski, Dennis Diekmeier und Heung Min Son hat der HSV ja noch wirkliche Alternativen, die bislang noch nicht eingreifen konnten. Das sind doch nun wahrlich die herrlichsten Aussichten für den weiteren Saisonverlauf, da kann man doch in der Tat in Euphorie geraten. Auch wenn ich diesen Anfall jetzt, da werde ich mich disziplinieren, nicht weiter ausleben möchte – der HSV ist ja noch kein Meister! Ich habe es schon begriffen. Obwohl? Die Krake . . . Ach, lassen wir das.

20.30 Uhr

Eine unfassbare Aktion

23. August 2010


Die Wellen schlagen hoch. Deswegen möchte ich, bevor es hier sportlich weitergeht, noch einmal auf die Hooligans des HSV eingehen, die dafür gesorgt haben, dass es bis zum Hamburger Derby beim und gegen den FC St. Pauli in den jeweiligen Fan-Szenen sehr unruhig werden könnte. Nach wie vor fehlt mir jegliches Verständnis für diesen Gewaltausbruch, es ist ein Rückfall in alte, längst vergessen geglaubte Zeiten – und es ist absolut unfassbar für mich.
Dazu möchte ich Euch den Beitrag zeigen, den die Kollegen der Deutschen Presse-Agentur heute veröffentlicht haben. Von meiner Seite nur noch eines: Gute Besserung den verletzten St.-Pauli-Fans. Und an alle: Bitte bewahrt die Ruhe und nehmt Euch diese Schläger nicht zu Vorbildern.

Und nun der DPA-Bericht:

Der Überfall von gewalttätigen HSV-Hooligans auf Fans des FC St. Pauli schockt die Vereine, der DFB ist alarmiert – das brisante Hanseaten-Derby soll aber wie geplant im Herzen von Hamburg stattfinden. Wenn die beiden Klubs schon am vierten Spieltag der Fußball-Bundesliga aufeinandertreffen, herrscht die höchste Sicherheitsstufe rund ums Millerntor-Stadion. „Das ist schon etwas, worüber wir uns Gedanken machen. Und wo wir auch aktiv werden“, sagte der Sicherheitsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes, Helmut Spahn. „Wir werden gerade mit Blick auf das Derby am 4. Spieltag aber Gespräche mit den Verantwortlichen der Klubs führen“, kündigte Spahn an. Der Sicherheitsexperte sieht in der Attacke, sollten sich die Sachverhaltschilderungen und Motive bestätigen, eine neue Qualität, weil es sich um eine gezielte Aktion gehandelt haben könnte.

Rund 15 vermummte HSV-Hooligans hatten den St.-Pauli-Fans Sonnabendnacht nach dem Spiel des Kiezklubs beim SC Freiburg am Bahnhof Altona aufgelauert und vier von ihnen bei brutalen Attacken verletzt. Dabei handelt es sich um eine Mutter mit ihrem 16-jährigen Sohn und dessen gleichaltrigen Freund sowie einen etwa 50-jährigen Mann, wie der Verein mitteilte. Das Quartett hatte eine organisierte Reise des St.-Pauli-Fan-Ladens genutzt. Nach Polizeiangaben war von cirka 20 St.-Pauli-Anhängern die Rede, die angegriffen wurden. Die Mannschaft, die im gleichen Zug heimreiste, war bis auf Ersatztorwart Benedikt Pliquett zuvor an drei Hamburger Bahnhöfen ausgestiegen. Pliquett wurde aus einiger Entfernung Zeuge des Überfalls. An seinem Kopf sei eine Flasche vorbei geflogen, berichtete der Kiezklub.

Bei der Attacke wird eine geplante Aktion vermutet. „Wir sind total konsterniert, können das nicht begreifen“, sagte St.- Pauli-Teammanager Christian Bönig am Montag. „Das waren keine Ausschreitungen, das war ein Angriff auf Wehrlose.“

Der HSV mit dem Vorsitzenden Bernd Hoffmann und Sportchef Bastian Reinhardt hat sich beim Stadt-Rivalen entschuldigt. „Das ist ein beschämendes Verhalten und trübt die Freude über zwei Hamburger Siege in der Bundesliga am Wochenende. Wir werden die Täter bestrafen, müssen aber erst prüfen, in welchem Zusammenhang sie zum Verein stehen“, sagte HSV-Sprecher Jörn Wolf.

Laut Polizei befanden sich unter den Angreifern vier Personen, die als „Gewalttäter Sport“ geführt werden. Auch Dauerkarten-Besitzer des HSV und Mitglieder der Fan-Abteilung Supporters sollen unter den Hooligans gewesen sein. „Wir verurteilen jegliche Form von gewalttätigen Auseinandersetzungen. Hier gibt es nichts zu tolerieren“, sagte Ralf Bednarek, Abteilungsleiter des rund 60000 Mitglieder starken Supporters-Clubs. Die zwischenzeitlich in Gewahrsam genommenen Hooligans sind wieder auf freiem Fuß. „Der HSV oder die DFL sind zuständig, Stadionverbote zu verhängen“, sagte Bednarek.

Sollte sich bestätigen, dass Supporters unter den Tätern waren, wird ein Ausschluss aus der Abteilung erwogen. „Wir dürfen aber nicht überreagieren“, sagte der Abteilungsvorsitzende. Beide Vereine fordern, das in vier Wochen angesetzte Derby im Millerntor-Stadion (17. bis 19. September) am Samstagnachmittag auszutragen. Den genauen Termin legt die Deutsche Fußball Liga (DFL) erst fest. „Kritische Abendspiele am Millerntor sind gescheitert. Das haben die Partien gegen Hansa Rostock bewiesen“, sagte Bednarek.

Die Gegebenheiten im Stadtteil St. Pauli würden die Schlichtung möglicher Auseinandersetzungen im Dunkeln erschweren. Im Vorfeld werden sich beide Vereine und Fan-Abteilungen sowie Landes- und Bundespolizei mit der Sicherheit beim ersten Erstliga- Treffen beider Klubs seit April 2002 auseinandersetzen. Eine Verlegung ins größere und nach Sicherheitsaspekten besser zu kontrollierende HSV-Stadion ist nach Ansicht beider Vereine kein Thema.

16.52 Uhr

Komplimente, Komplimente!

22. August 2010

„Familientreffen“ in München. Bastian Reinhardt und ich stiegen am Vormittag aus dem Flieger und stellten fest, dass wir nichts gesehen hatten. Und er auch nicht: Wolfgang Stark. Der Schiedsrichter aus Landshut flog zurück in die Heimat, der HSV-Sportchef zum Doppelpass. Natürlich sprachen wir über das Spiel. Zwei HSV-Tore, zwei Gelbe Karten. Bitter. Weil zweimal so gejubelt wurde, wie es nicht erlaubt war. Ruud van Nistelrooy und Ze Roberto sprangen jeweils über die Bande und liefen die Treppe hinauf zu den Fans, um mit ihnen zu feiern, Das ist verboten. Neu? Stark sagte: „Nein, nein, das ist schon immer so. Die Spieler wissen das auch, dass sie das nicht dürfen.“ Ihr werdet Euch erinnern: Als van Nistelrooy sein Gelb kassierte, legte er seinen Kopf an die Brust des Unparteiischen, umarmte ihn dabei und sagte: „Ich weiß es ja, ich weiß es ja.“ Aber schön war es doch. Und es ist wirklich jammerschade, dass so etwas bestraft wird – du armer, armer Fußball!

So, zum Familientreffen gehörte aber nicht nur der gute Schiedsrichter (hat er einen Fehler gemacht? Ich konnte keinen erkennen!). Mittags, vor dem Abflug lief uns erst David Jarolim über den Weg. Der Ex-Kapitän auf dem Weg nach Prag, zu seiner hochschwangeren Frau. Was „Jaro“ zu erzählen hatte, war schon etwas pikant: „Ich weiß nicht, wer es mir gesagt hat, aber angeblich soll Paul, die Krake, den HSV als Deutschen Meister auserkoren haben.“ Wenn das stimmen sollte . . . Haut rein, Jungs, Ihr seid schon auf einem guten Weg, jetzt müsst Ihr nur noch die restlichen 33 Spiele möglichst ungeschlagen überstehen, damit „Paul“ wieder richtig liegt.

Der dritte Bekannte, den wir dann noch trafen, war Benny Lauth. Der flog mit 1860 nach Düsseldorf, die Münchner spielen morgen in Bochum um Zweitliga-Punkte. Ich habe den ehemaligen HSV-Stürmer schnell noch einmal gelobt, weil er im Testspiel vor einigen Wochen gegen den HSV (in Schwaz in Österreich – sorry und danke) eine wirklich gute Leistung gebracht hatte. Obwohl ich einschränkend auch sagte, dass damals David Rozehnal auch nicht seinen besten Tag gehabt hat. Lauth darauf mehr zu Bastian Reinhardt als zu mir: „Ja, der Rozehnal hat ohnehin wohl ein wenig Pech bei Euch . . .“ Kann man so sehen.

Bei der Gelegenheit: Ich will gar nicht mehr über den Doppelpass reden. Nur so viel: Bastian Reinhardt wurde von Moderator Jörg Wontorra und den Machern der Sendung für seinen prima Auftritt sehr gelobt. Und ich habe Udo Lattek und meinem Freund „Manni“ Breuckmann einige Autogrammkarten aus ihren Kreuzen geleiert. Wer daran Interesse hat, der möge es bitte bei seiner Antwort beim neuesten Gewinnspiel vermerken, sie werden Euch dann zugeschickt.

So, nun aber zum Schalke-Spiel. Um noch einmal ein dickes Kompliment, das gestern vielleicht ein wenig zu kurz gekommen ist, los zu werden: Ihr Fans wart fantastisch, grandios, einmalig, sensationell! Welch eine Unterstützung, welch eine Lautstärke! Traumhaft. Kommentar von Armin Veh: „Es war wunderbar. Ich habe als Gästetrainer schon immer die Atmosphäre genossen, besonders wenn wir gewonnen haben. Aber auch bei Niederlagen, denn die Stimmung hier ist wirklich überragend. Und wenn du dazu noch so viele Schalke-Fans im Stadion hast, die auch noch richtig laut sind, dann ist es als Zuschauer etwas ganz anderes als die WM in Südafrika mit der Tröterei.“ Überhaupt kein Vergleich. Ich hatte das Gefühl, dass es in der Arena diesmal noch lauter war als sonst.

Es war ja auch eine Werbung für die Bundesliga, was dort auf dem Rasen ablief. Kompliment an beide Mannschaften, besonders aber an den HSV. Die nackten Zahlen belegen die Überlegenheit des HSV. 18 Torschüsse gegen 13, sieben Ecken gegen 4, 16 Flanken gegen neun. Ballkontakte waren 50:50, in den Zweikämpfen lag der HSV mit 58 Prozent recht deutlich vorn. Schalke führte nur in der Foul-Liste mit 16:12. Die meisten Torschüsse gaben Mladen Petric und Ruud van Nistelrooy ab, jeweils sechs.Raktic brachte es nur auf drei, war damit bester Schalker. Er führte auch in der Wertung der Ballkontakte (93), bester HSV-Spieler hier Jarolim mit 87. Sieger in Sachen Zweikampfstärke, und nun genau hinsehen: Guy Demel (74 Prozent). Wenn das nicht erfreulich ist.

Ohnehin gab es ja viele erfreuliche Aspekte für den HSV in diesem Spiel. Der „Veh(l)-Start“, der von vielen (oder auch nur einigen?) prophezeit worden ist, trat nicht ein. Der HSV engagiert, konzentriert und diszipliniert auf. Auch dafür ein dickes Kompliment, denn in Torgelow und zuvor gegen Cottbus hattees noch ganz anders ausgesehen. Und: Alle Fans, die an Trainer Veh gezweifelt haben, müssten spätestens jetzt ins Grübeln kommen. Motto: “Kann es der Veh vielleicht doch besser, als ich gedacht habe?” Ich bin davon überzeugt. Der Mann ist die Ruhe selbst, er weiß genau, was er will, und die Spieler folgen ihm offensichtlich. Das war zwar auch vor einem Jahr, bei Vehs Vorgänger, der Fall, aber damals nutzte es sich schnell, viel zu schnell ab. In dieser Saison, auch da lege ich mich fest, wird das nicht passieren. Weil der HSV erstens nicht nur eine gute Mannschaft hat, sondern auch eine starke Ersatzbank – Veh hat also immer die Wahl. Und zweitens lässt sich Veh nicht auf der Nase herumtanzen. Er hat einfach Ahnung und Erfahrung, dieser Coach weiß, wie es zu laufen hat – Kompliment, Herr Veh.

Dass er es kann, das kann ich auch anhand eines Beispiels belegen: Zu welchem Thema könnte Armin Veh folgenden Beitrag gesagt habe: „Ich bin Trainer hier, und die Spieler haben da zu spielen, wo ich sie hinstelle.“ Ja, zu welchem HSV-Profi passt das? Genau. Zu Mladen Petric. Der Kroate hatte nach dem Spiel gesagt: „Ich mache gerne die Drecksarbeit, so lange es am Ende dazu führt, dass die Mannschaft Erfolg hat. Aber bald kann ich auch für den Marathon melden . . .“ Das hat er nicht im Bösen gesagt. Er hat sich so geäußert, weil er jetzt plötzlich, in einer neuen Rolle, viel mehr laufen muss, viel mehr nach hinten arbeiten muss. Petric sieht sich ansonsten ja mehr ganz vorne, dort, wo jetzt van Nistelrooy spielt. Weil Petric meint, dort am besten Tore machen zu können. Dazu Veh: „Wenn man aus der Position, auf der Mladen zum Einsatz kam, keine Tore machen kann, dann kann ich das alles nicht nachvollziehen.“

So, und damit erst einmal Ende dieses Themas. Aber, so vermute ich auch, Fortsetzung folgt.

Erfreulich an diesem Spiel und diesem Sieg waren aber auch andere Dinge. Zwei ganz große „Sorgenkinder“ trumpften riesig auf: David Jarolim und Jonathan Pitroipa. Mein Komplimet an diese beideen Spieler. Es waren vielleicht zwei Auftritte, die bei einigen HSV-Fans auch dazu führen könnten (oder sollten?), ihre absolut kritische Haltung gegenüber diesen beiden HSV-Profis noch einmal zu überdenken, gegebenenfalls sogar zu revidieren? Schön wäre es. Wobei im Falle Jarolim eigentlich die Aussagen von Armin Veh, der den ehemaligen Kapitän bei Amts-Beginn eigentlich nicht so recht auf dem Zettel gehabt hatte, ihn nun aber als Vorbild-Profi lobt und hinstellt, zu denken geben sollten. Der Trainer ist ja nun absolut unverdächtig, Partei für einen Spieler zu ergreifen, der beim eigenen Anhang nicht nur Freunde hat. Diesmal müssen aber eigentlich „Freund und Feind“ anerkennen, dass Jarolim eine erstklassige Leistung geboten hat.

Wie natürlich auch Ruud van Nistelrooy. Als er zu Saisonbeginn im (Lauf-)Trainingslager auf Sylt immer nur hinterher lief, dachte nicht nur ich bei mir: „Das wird nichts mehr. Schade.“ Und dann dieser Wandel, dieser Einsatz des Niederländers, dieser Kampfgeist, diese Aufholjagd, die Lust am Job, diese Freude am Fußball. Kompliment, Ruud van Nistelrooy, das ist wirklich Weltklasse. Und dabei ein so vorbildlicher Profi und auch noch ein netter, authentischer und volksnaher Star. Und Kompliment auch an den HSV, zu Jahresbeginn voll auf die Karte van Nistelrooy gesetzt zu haben – obwohl es schon ein großes Wagnis war. Aber, wie hatte der damalige Trainer doch immer wieder betont: „Wir bauen Ruud vor allem für die nächste Saison auf.“ Genau so ist es gekommen.

Und damit auch Mladen Petric noch seine Streicheleinheiten bekommt: Er lief tatsächlich viel (mehr als sonst), er arbeitete für die Mannschaft, dirigierte und motivierte. Für ihn absolutes Neuland, aber er sollte versuchen, sich daran zu gewöhnen. Zu seinem Trost sei dazu noch gesagt: Es ist ja nichts Verwerfliches, wenn man alles für die Mannschaft tut, ackert, rackert, kämpft und spielt. Das machen andere Kollegen ja auch schon seit Jahren (Jarolim). Wenn es dann, Petric selbst hat es ja schon erkannt, immer von Erfolg gekrönt ist, dann hat er, dann hat der Trainer und dann hat auch das Team alles richtig gemacht. Ich jedenfalls kann für mich feststellen, dass ich mit Mladen Petric in der neuen Rolle durchaus zufrieden war. Wobei ich auch festhalten möchte: Sein Ersatzmann Paolo Guerrero hatte später dann auch noch einige ganz feine Szene.

Das aber ist ja nur ein großer Vorteil für den HSV. Und wer weiß, vielleicht hat „Paul“ ja doch recht, am Ende der Saison?

20.15 Uhr

Ein sensationeller Auftakt!

21. August 2010

Großartig, dieser Auftakt. Das war super, das war geil, das war traumhaft, das war Fußball! Der HSV kommt großartig aus den Startlöchern, besiegt Vizemeister Schalke 04 mit 2:1 und darf nach dieser gelungenen Vorstellung voller Zuversicht in die nächsten Spiele gehen. Das war schon einmal sehr gut, diese 90 Minuten dürften Selbstvertrauen für die kommenden Wochen geben, darauf lässt sich aufbauen. Die Stimmung in der Arena war sensationell, und der Mann des Spiels war Ruud van Nistelrooy, der mit seinen beiden Treffern für den Erfolg und für den ersten Dreier gesorgt hatte. Das darf so weitergehen. Hey, hey, hier kommt Hamburg! Und wie!

Vor dem Anpfiff konnte ich noch mit Felix Magath unter vier Augen sprechen. Er fragte: „Und, machst du dir Sorgen um den HSV?“ Ich: „Nein, eigentlich nicht. Ich weiß ja gar nicht, wo Schalke steht und wo der HSV steht.“ Magath: „Das stimmt, das weiß ja keiner.“ Ich: „Deswegen bin ich ganz gespannt. Aber ich glaube, dass es besser für den HSV ist, heute auf Schalke zu treffen, als in acht Wochen, denn ihr wollt Euch ja noch verstärken. Und wenn Ihr Euch dann gefunden habt, dann wird es sicherlich schwerer . . .“ Magath nickte zustimmend.

Und dann ging es los! Extrem laut der HSV-Anhang bei diesem Spitzenspiel. Obwohl Armin Veh ja in der Woche nichts von einem „Spitzenspiel“ wissen wollte, denn er betonte immer wieder: „Ein Spitzenspiel muss man sich erarbeiten.“ Und das kann man sich wohl kaum vor dem ersten Spieltag . . . Obwohl der HSV in der ersten Halbzeit, prächtig und mächtig vom Anhang aus dem Norden und Nord-Westen unterstützt, sehr viel konzentrierter und disziplinierter auftrat als in den zurückliegenden Spielen (Cottbus, Torgelow). Jeder Spieler war unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw darum bemüht, immer die Ordnung zu halten. Das begann schon in der Offensive. Dort redeten Ruud van Nistelrooy und Mladen Petric, der auf der „Zehn“ zentral hinter dem Niederländers spielte, viel miteinander. Und sie motivierten sich auch gegenseitig. Dinge, die es bislang in dieser Form selten bis gar nicht gegeben hat. Und nach genau drei Minuten und 58 Sekunden kamen sich „Van the man“ und der Kroate auch auf die etwas andere Art näher: Nachdem van Nistelrooy mit seinem Schussversuch abgeblockt worden war (der Ball flog zur Ecke), klatschte er sich mit dem nachrückenden Petric ab. Na bitte, es geht doch!

Auffällig an dem „neuen HSV“: Bei Eckstößen der Schalker waren bis auf van Nistelrooy alle Spieler im eigenen Strafraum. Beim zweiten Eckball, von Rakitic zur Mitte gegeben, kam trotzdem nur Höwedes mit dem Kopf an die Kugel, aber zum Glück für den HSV köpfte der Innenverteidiger den Ball aus fünf Metern ins Seitenaus (9.)!.

Neu auch eine Variante auf dem rechten Flügel: Als Jonathan Pitroipa dort Richtung Schalke-Strafraum lief, wurde er von Guy Demel im Rücken hinterlaufen. Und der Ball kam dann auch noch einen Tick weiter nach außen. Ein Spielzug, der in der vergangenen Saison nie zu sehen war, da gab es ganz einfach kein „Hinterlaufen“.

Beide Mannschaften agierten (fast) auf Augenhöhe. Die Spielanteile waren in etwa 60:40 für den HSV verteilt. Die größte Tormöglichkeit hatte zunächst aber Schalke, als Edu frei vor Frank Rost auftauchte, noch außerhalb des Strafraums abzog, doch der HSV-Keeper hatte ganz clever den Winkel so verkürzt, dass er den Ball abwehren konnte (24.).

Dann kam der HSV. Eljero Elia flankte von links, Petric köpfte aus elf Metern – vorbei (30.). Und in der 45. Minuten schoss van Nistelrooy einen 20-Meter-Freistoß an die Latte. Den Nachschuss hätte Elia eigentlich verwandeln können (oder gar müssen), doch Neuer hielt. Halbzeit.

Und dann der Paukenschlag im zweiten Durchgang. Nach 20 Sekunden stand es 1:0. Elia setzte sich links gegen Matip durch, Flanke, und in der Mitte nahm van Nistelrooy den Ball aus sechs Metern volley – traumhaft. Alle kamen zum Jubeln. Natürlich auch Petric. Er war mittendrin und nicht nur dabei.

Der HSV hatte Chancen, der HSV drückte, der HSV war überlegen, machte „den Sack“ aber nicht zu. Das rächte sich. Farfan, von Westermann bewacht, traf zum 1:1 (80.). Aber ein Mann hatte die Abseitsstellung von gleich drei Schalkern aufgehoben, sonst wäre es gar nicht zu diesem Tor gekommen. War es Mathijsen? Egal.

Egal? Ja, weil der HSV noch einmal zurückkam. Ze Roberto auf links unwiderstehlich, flach zur Mitte, van Nistelrooy mit dem Doppelpack (83.). Da habe ich gedacht, ich bekomme einen Hörstürz . . . Sensationell.

Gar nicht sensationell aber, dass nach den Toren zuerst van Nistelrooy und später auch Ze Roberto den gelben Karton sahen. Die Schiedsrichter, hier Wolfgang Stark, sind angehalten, Gelb zu zeigen, wenn ein Spieler über die Bande springt und zu den Fans an den Zaun läuft. Ist ja alles schön und gut, aber ich glaube, dass Ze Roberto über die Bande springen musste, sonst wäre er dort dagegen gelaufen. Und wenn das so war, dann ist dieses Gelb einfach nur Unsinn. Aber die Herren der Regelkommission werden sich schon etwas dabei denken . . .

Der HSV einzeln:

Rost hielt souverän, klasse, ruhig, sinnig – wie eine Nummer eins halten muss. Hervorragend. Guy Demel zeigte sich deutlich verbessert – ist ihm Selbstvertrauen eingeredet worden? Nach hinten erledigte er seine Aufgabe solide, nach vorne wirkte er ruhiger und durchdachter – und einfach besser. Heiko Westermann hatte wieder einige Fehlpässe auf Lager, aber er steigerte sich stetig. Und hatte auch vorne gute (Kopfball-)Szenen. Was für ihn spricht: Er wird nie kopflos, alles wirkt nüchtern, solide und abgeklärt. Der Nebenmann des Kapitäns, Joris Mathijsen, bot eine ganz starke Partie. Habe ich ihm in dieser Form noch nicht zugetraut, aber der Niederländer hatte offenbar voll die Lust, eine tragende Rolle in diesem „neuen HSV“ zu spielen. Bestens gelungen. Links begann Marcell Jansen ein wenig verhalten, für mich läuft er auch nicht ganz „rund“, aber trotz der Tatsache, dass er „WM-geschädigt“ noch nicht bei 100 Prozent sein kann, fiel er nicht ab. Und, wie schon so oft geschrieben: Jede Minute bringt ihn der Bestform wieder näher. Und seine Füße trugen ihn immerhin bis zur 77. Minute. Dann ging Ze Roberto zurück, der dann eingewechselte Tomas Rincon auf die „Sechs“.

Von den beiden „Staubsaugern“ erwischte David Jarolim den besseren Start. Unglaublich, welche Bälle sich der Tscheche erlief, wie er kämpfte, rackerte, das Spiel beruhigte oder nach vorne trieb. Eine ganz, ganz große Stütze, der Ex-Kapitän. Ze Roberto begann verhalten, legte aber stetig zu – und spielte vor allen Dingen in den Zweikämpfen ganz clever seine Routine aus. Unersetzlich, der Brasilianer, weil er auch in ganz engen und kniffligen Situationen die Ruhe (am Ball) bewahrt. Der „große Ze“ war ganz sicher ein großer Held dieses Spiels.

Ja, und dann geht es nach vorne. Ich weiß, ich weiß, an Pitroipa scheiden sich die Geister. Er ist immer noch höchst umstritten, wird es wohl auch noch lange bleiben, aber: Der Mann ist für jede Abwehr eine stete Gefahr, weil er in seiner unorthodoxen Art, wie er Fußball spielt, nie auszurechnen ist. Das „Eichhörnchen“ schockt mit seinen Aktionen ja auch oft die eigenen Kollegen, und dennoch sage ich: Er ist eine Bereicherung für den HSV. Weil er auch Dinge beherrscht, die in dieser Art und Weise kein anderer kann. Deswegen rate ich: Jeder soll sich ruhig weiterhin die Haare raufen, wenn ihm Dinge misslingen, aber alle dürfen auch jubeln, wenn er etwas Positives veranstaltet.

Ähnlich verhält es sich ja auch mit Mladen Petric. Auch er hat seine „Gegner“. Weil er manchmal nicht alles zu geben scheint, weil er gelegentlich auch lustlos wirkt. Ich glaube ja, es wirkt nur so. Es ist seine Art, und mit der hat er schon so viele Tore erzielt und auch viel Positives für den HSV bewirkt. Diesmal war von Beginn an bedacht, sich keine Blöße in Sachen Defensivverhalten zu geben, darunter litt die Offensive. Aber 15 Minuten vor dem Seitenwechsel schien er die richtige Mischung gefunden zu haben. Von da an trat er selbstbewusster und entschlossener auf. Ich behaupte: Das war eine gute Vorstellung von Petric. Auch wenn sie nur bis zur 70. Minute dauerte, als er von Paolo Guerrero abgelöst wurde, Trotz allem muss ich natürlich auch sagen: Petric kann und darf sich ruhig weiter steigern.

Links durfte Elia „endlich“ auf seiner Lieblingsposition ran. Zunächst beließ er es bei einigen guten Ansätzen, aber mit der richtigen Betriebstemperatur wusste auch er sich zu steigern. Und nach diesem ersten Auftritt lege ich mich fest: Elia kommt in dieser Saison noch ganz groß in Fahrt. Und dann ist er kein Mann für Juventus, sondern für Real. Mindestens. Elia wurde in der 80. Minute von Gojko Kacar abgelöst.

Und dann ganz vorne. Da gab es erneut die Ruud-van-Nistelrooy-Show. Die Trainingseindrücke, die ich Euch geschildert hatte, die täuschten nicht: Der Mann ist in einer Super-Verfassung, und nicht nur das. Er will, er beißt, er hat vor allem Lust. Und er ist hungrig auf Tore. Das zeichnet ihn aus. Der Mann ist eine Klasse für sich, der Mann ist Weltklasse. Immer noch. Genießt ihn, HSV-Fans, genießt jede Minute und jedes Tor, einen solchen Stürmer gibt es nicht an jeder Straßenecke – und der HSV hat ihn hier, hier im Volkspark. „Ruuuuuuuuuuuuud“.

Übrigens, eine ganz kleine Randnotiz: Mein großer Kollege Rolf „Töppi“ Töpperwien vom ZDF war heute zum letzten Mal als Reporter im Volkspark. Noch sechs Bundesliga-Spiele, dann geht er in Rente. Alles Gute, „Töppi“, Du warst immer ein Klasse-Kollege, bist immer ein Mann des Volkes geblieben, Du wirst schwer zu ersetzen sein, ich behaupte, dass es dem ZDF nicht gelingen wird.

PS: Wenn es heute etwas gedauert hat, dann lag das an der Arena. Kein Mensch hatte Empfang, keiner konnte senden – erst im Presseraum ging es. Was da schief läuft, weiß ich nicht, aber man muss es ergründen.

Noch eine kleine Frage: Wer hatte 2:1 getippt?

20.40 Uhr

Petric drin, Guerrero draußen

20. August 2010

Um 16.25 Uhr wurde es interessant. Für einige wenige Zuschauer. In der fast menschenleeren Arena trainierte der HSV, und kurz vor halb Fünf verteilte Trainer Armin Veh die grünen Hemdchen für die A-Elf. Er ließ sich dabei Zeit. Gaaaanz ruhig ging er von Mann zu Mann, nichts überstürzen. Das erste Stück Textil ging an David Jarolim. Dann folgten Marcell Jansen, Jonathan Pitroipa, Ruud van Nistelrooy. Dann wurde es spannend. Die Hamburger Journalisten reckten die Hälse nach oben und fragte sich laut: „Und, wer bekommt es nun? Mladen Petric oder Paolo Guerrero?“ Veh machte es noch einige Sekunden spannend, dann ging er an Guerrero vorbei und gab Petric das dünne Hemdchen. Die Entscheidung war gefallen. Petric gibt am Sonnabend „den Guerrero“. Der Kroate wird die Position hinter van Nistelrooy einnehmen, dort hatte in den meisten Vorbereitungsspielen Guerrero seinen Platz gefunden.

Es muss eine Millimeter-Entscheidung gewesen sein. Und vielleicht wollte Armin Veh mit dieser Entscheidung auch gleich den ganz großen Ärger vermeiden. Und damit sind die Weichen für den Start gestellt, denn der HSV wird gegen Schalke mit Rost; Demel, Westermann, Mathijsen, Jansen; Jarolim, Ze Roberto; Elia, Petric, Pitroipa; van Nistelrooy spielen. Die „Generalprobe“ gelang, denn das A-Team besiegte die Reservisten mit 2:1, die Siegtore erzielten Ze Roberto und Mladen Petric, beim Gegentor leistete sich Heiko Westermann mit einem bösen Querpass im Strafraum einen kapitalen Bock. Für alle Fans von Piotr Trochowski sei gesagt: Er ist nicht dabei. Aus Gründen der mangelnden Fitness – nach den Achillessehnenbeschwerden.

Es wird weitere HSV-Spieler geben, die noch nicht bei 100 Prozent sind, aber da müssen alle durch: Die Spieler, die Mannschaft, der Trainer und die Fans. Es wird sicher die eine oder andere Sache geben, die noch nicht perfekt funktionieren wird, aber das wäre dann völlig normal. Eljero Elia, Marcell Jansen und Joris Mathijsen können noch nicht restlos fit sein, denn die Kollegen haben ja bekanntlich sehr viel mehr trainiert, haben zwei Trainingslager in den Knochen. Zudem haben die Niederländer ja immer noch die Final-Niederlage der Weltmeisterschaft im Anzug hängen. Auch wenn Mathijsen sagt: „Natürlich steckt man eine solche WM-Final-Niederlage nicht so einfach weg, wenn man so ein Finale verliert, dann tut das weh für den Rest des Lebens, aber jetzt ist sie für mich abgehakt. Wir müssen fit sein, wir müssen voll da sein, die WM ist kein Thema mehr – wir sind bereit für den Start in die Bundesliga.“ Der Innenverteidiger ergänzt noch: „Es gibt kaum etwas Schöneres für uns, als die Heimpremiere mit einem Spiel gegen Schalke zu feiern. Besser geht es nicht.“

Vorfreude, Freude, Spaß, Lust am Fußball – das sind einige Dinge, die dazu gehören, aber Joris Mathijsen sagt auch: „Wir wissen schon, dass es wichtig ist, im ersten Spiel zu punkten. Denn wenn man die ersten zwei, drei Spiele nicht gewinnt, dann wird das Selbstvertrauen ganz sicher auch nicht besser.“

Viel wird für mich beim „neuen“ HSV davon abhängen, ob es der Mannschaft gelingen wird, eine Einheit zu werden. Eine Gemeinschaft, wo jeder für den Nebenmann eintritt, in der man sich gegenseitig motiviert und mitreißt, in der alle – ich zahlen drei Euro ins Phrasenschwein – alle an einem Strang ziehen. Und in der es keinen Neid untereinander gibt, sondern nur ein harmonisches Miteinander, so dass alle mit Herz und Leidenschaft einem Ziel nachjagen: dem Sieg.

Aber, so schön wie das auch klingt: Ich habe meine Bedenken, dass der HSV es schon jetzt zu Beginn der Bundesliga-Saison schaffen wird, eine solche Einheit auf den Platz zu zaubern. Erfolge sind das beste Mittel, um eine Einheit zu festigen, damit muss an diesem Sonnabend dann eben begonnen werden. Und wenn ich mir so einen Ruud van Nistelrooy in dieser Woche beim Training angeschaut habe, dann denke ich bei mir: Der Weltstar ist bereit, der gibt nicht nur alles, der hat Spaß und Freude an seinem Job, der will. Ruud will, davon bin ich restlos überzeugt, und ich bin auch davon überzeugt: Ruud kann auch.

An ihm sollten und können sich die Kollegen aufrichten, ihn zum Vorbild nehmen. Und sollten das auch alle tun, dann gibt es sicherlich auch keine atmosphärischen Störungen mehr, die es in der vergangenen Saison gegeben hat – und zwar nicht zu knapp. Joris Mathijsen sagt aber zur heutigen HSV-Mannschaft: „Ich sehe keine Probleme innerhalb der Mannschaft – im Moment. Was in der vergangenen Saison gewesen ist, das habe ich schon vergessen. Jetzt läuft es sehr gut, alle arbeiten hervorragend für ein Ziel, das nächste Spiel zu gewinnen.“

Zuletzt aber war in die insgesamt gut verlaufene Vorbereitung ein wenig Sand ins Getriebe des HSV gekommen. 1:3 gegen Cottbus, 1:1 zur Pause gegen den Fünftliga-Klub Torgelow. Gibt das nicht auch den Spielern zu denken? Mathijsen: „Testspiel sind anders zu betrachten, da kommt man aus dem harten Vorbereitungs-Training. Und dass es dann im Pokal gegen einen Amateurklub eine Halbzeit lang nicht so gut geklappt hat, das wollten wir ganz sicher auch nicht, aber so etwas gibt es.“ Der Niederländer weiter: „Bundesliga ist eben etwas anderes, Schalke hat am Sonnabend auch einiges zu verlieren, deshalb gibt es auch ein ganz anderes Spiel.“ Mathijsen sagt dann auch noch: „Nach dem Spiel werden wir analysieren können, dann wissen wir, wo wir stehen.“

Apropos stehen: Als ich heute mit dem Auto unterwegs war, hörte ich im NDR plötzlich die Stimme von Dennis Aogo. Der verletzte Nationalspieler war zu einem längeren Interview im Sender – und was er sagte, gefiel mir. Der junge Mann hat es drauf. Vor allem: Er bekannte sich ganz klar zum HSV, obwohl seine Vertragsverlängerung noch lange nicht in trockenen Tüchern ist. „Wir haben die Absicht, mit ihm zu verlängern, aber nun soll er erst einmal seinen Platz in der Mannschaft finden“, sagt Sportchef Bastian Reinhardt. Ähnlich, fast würde ich sagen genauso, sieht es bei Piotr Trochowski aus. Es gab schon Vorgespräche, und es soll noch in diesem Jahr mit einer Verlängerung Vollzug gemeldet werden.

Übrigens sagte Reinhardt auch das, was kürzlich schon Armin Veh kundtat: Es wird keine weiteren Neuverpflichtungen mehr geben. Es sei denn, es passiert ein kleines Wunder. Vielleicht der Art, wie ich es zuletzt im Zusammenhang mit dem Investor Kühne geschrieben hatte. Ganz sicher aber ist, dass ein Rafael van der Vaart in diesen Tagen und Wochen kein Thema für den HSV ist. Was zum Beispiel, wenn es anders wäre, Joris Mathijsen wissen müsste, denn die beiden Nationalspieler telefonieren täglich. Mathijsen: „Der HSV spielt dabei aber kein Thema.“

Ich persönlich hoffe jetzt auch ganz dringlich, dass diese elenden Spekulationen bald, möglichst noch heute ihr Ende finden. Nun geht es los, jetzt liegt die Wahrheit auf dem Platz, jetzt muss Gas gegeben werden. Und ich bin auch guter, nein, sogar bester Hoffnung, dass genau das auch der HSV gegen Schalke tun wird. Bastian Reinhardt verrät dazu dann auch noch seine Wünsche zum Start: „Ich hoffe auf viele Siege, ausverkaufte Stadien, Super-Stimmung, insgesamt auf eine erfolgreiche Saison. Dazu ist ein guter Start natürlich wichtig – obwohl ich auch denke, dass es, weil einige Spieler noch nicht bei 100 Prozent sein können, auch einen leicht holprigen Auftakt geben könnte.“

Ich tippe auf einen 2:1-Sieg des HSV. Der wäre gut für die Fans, für den Verein, für die Mannschaft, und auch für Bastian Reinhardt und für mich, denn wir sitzen am Sonntag um 11 Uhr im Doppelpass von Sport 1. Oft wurde sich ja von Eurer Seite schon darüber beschwert, dass der HSV nur eine untergeordnete Rolle bei den Münchnern spielt, diesmal hat der HSV gleich zu Saisonbeginn eine der Hauptrollen der beliebten Sendung für sich reklamiert – und Ihr könnt beweisen, dass HSV-Fans durchaus vor dem Bildschirm sitzen bleiben, wenn Jörg Wontorras Doppelpass mit Udo Lattek (und diesmal auch mit dem legendären Manni Breuckmann!) auf Sendung ist.

Auf geht’s! Nur der HSV!

20.45 Uhr

Sommergeschichte aus Holstein

20. August 2010


Bis zum Training sind es noch einige Stunden, es wird heute ein späte Veranstaltung. Erst für um 16 Uhr hat Armin Veh die Mannschaft zur letzten Einheit vor dem Bundesliga-Start bestellt. Um Euch die Zeit nicht allzu lang werden zu lassen, fließt nun noch schnell eine Sommergeschichte ein. Der Autor ist “Wolfgang”, vielen Dank für diesen Beitrag – ja, die guten alten Zeiten. Da werden schöne Erinnerungen wach. Ich hoffe auch für Euch, viel Spaß beim Lesen. Es geht los:

„Vom kleinen zum großen HSV“

Als einer der Oldies des Matz-ab-Blogs (Jahrgang 1945) blicke ich auf etliche Jahrzehnte HSV-Fan-Daseins zurück. Unerklärlicherweise war ich bereits als Kind ein Fußballverrückter, denn weder mein Vater noch meine vier älteren Brüder noch sonstige Familienangehörigen hatten damit was am Hut! Nein, sie wunderten sich stets über mein „absonderliches“ Interesse! Nun, in den „schlechten“ Nachkriegsjahren gab es ja nun auch wahrlich eigentlich Wichtigeres. Hinzu kam, dass wir nicht etwa in Hamburg oder einer anderen größeren Stadt mit entsprechenden Angeboten, sondern auf dem flachen Land in Schleswig-Holstein wohnten.

So spielte sich mein ganzes Interesse (sowohl als Zuschauer wie auch als aktiver Jugendspieler) denn auch im ländlich-dörflichen Bereich mit den entsprechenden Dorfvereinen ab. Der Hamburger SV war für mich damals (auch schon wegen der Entfernung von 90 km ) nicht von Bedeutung. Großer Fan wurde ich allerdings recht schnell vom sogenannten „kleinen HSV“, nämlich dem Heider SV. Dieser Verein spielte in der schleswig-holsteinischen Fußballszene damals eine herausragende Rolle, war über Jahre Landesmeister, stellte stets die meisten Landesauswahlspieler und spielte sogar mehrfach in der damaligen Oberliga (damals die höchste deutsche Spielklasse).

Ich kann mich noch gut erinnern, wie im April 57 der „große HSV“ gegen den „kleinen“ vor der Rekordkulisse von 12000 Zuschauern mit 0:2 unterging, wobei insbesondere uns Uwe stinksauer bis unsportlich war, weil er damals gegen Willi Gerdau (wohl seit Ewigkeiten einziger Nationalspieler eines schleswig-holsteinischen Vereins, noch unter Sepp Herberger) „keine Schnitte“ gesehen hatte.

Nach Heide waren es 17 km, und ich habe damals eigentlich alle (!) Heimspiele per Fahrrad selbst bei den widrigsten Wetterbedingungen besucht, so dass ich manchmal für verrückt erklärt wurde! Aber auch Auswärtsspiele wurden manchmal aufgesucht. Zum Beispiel kann ich mich erinnern, wie ich mit meinem ebenfalls fußballverrückten Freund einmal zu Altona 93 gefahren bin . Er auf dem Moped , ich auf dem Fahrrad im Schlepptau, insgesamt 180 km, und das auch noch bei Nieselregen! Aus heutiger Sicht bekloppt! Glaube, das würde heute kein Junge mehr bringen.

Zum großen, zum richtigen HSV bin ich gekommen durch die Spiele beziehungsweise TV-Übertragungen (damals natürlich nur schwarz-weiß) im Europacup der Landesmeister gegen den FC Burnley 1961, als der HSV noch einen Hinspielrückstand von 1:3 durch einen fulminanten 4:1–Sieg aufholen konnte, sowie die folgenden Viertelfinal-Spiele gegen Barcelona, die spannender als ein Hitchcock-Krimi verliefen, leider mit unglücklichem Ausgang (0:1 im Entscheidungsspiel).

Merkwürdigerweise war ich damals nicht in erster Linie Seeler-Fan, sondern bewunderte Charly Dörfel, wohl weil er nicht so verbissen wirkte und ein wahnsinniger Techniker war.

Studien- und ausbildungsbedingt ergab sich für mich seit Mitte der 60er-Jahre für etliche Jahre eine größere räumliche Entfernung zu Hamburg – und der HSV geriet etwas aus dem Blickfeld. Seit Anfang der 70er (mit Rückkehr nach Schleswig-Holstein) hat der HSV-Virus dann allerdings wieder richtig zugeschlagen! Aus diesen letzten 35 Jahren sind bei mir besonders zwei HSV-Erlebnisse haften geblieben.

Das erste ist das UEFA-Cup–Achtelfinale bei Dynamo Dresden 1974/75, und zwar nicht wegen des hohen sportlichen Stellenwertes, sondern wegen der besonderen Begleitumstände. Gemeinsam mit einem Freund aus Meldorf fuhren wir von Itzehoe(meinem damaligen Wohnort) in aller Herrgottsfrühe nach Hamburg. Dort ging es mit einem Bus auf nach Dresden durch die damalige DDR mit den üblichen Grenzkontrollen. Es war ein grieseliger, nasskalter Tag. In Dresden wurden wir überraschend gastfreundlich (war damals bekanntlich nicht immer so!)aufgenommen und in ein Hotel zum Abendbrot geleitet. Dort gab es für jeden von uns auch ein „Fresspaket“. Bis zum Spielbeginn beziehungsweise zur Abfahrt zum Stadion hatten wir noch etwas Zeit und konnten uns (ungehindert und frei) in Dresden umsehen.

Die Elbe führte gerade mal wieder Hochwasser, so dass die ganze Uferpromenade überflutet war und nur noch die Köpfe der Verkehrsschilder hervorlugten. Dann ging es ab ins Rudolf-Harbig-Stadion. Unsere Jungs ließen unter Flutlicht nach dem 4:1-Heimpolster nichts mehr anbrennen und schaukelten ein 2:2 nach Hause, wobei allerdings Rudi Kargus zwei Elfmeter halten musste. Die beiden HSV-Tore erzielte übrigens Horst Bertl (wer kennt ihn eigentlich noch?).

Die Abfahrt vom Stadion war recht emotional. Trotz aller Behinderungsversuche suchten etliche DDR-Bürger, überwiegend Jugendliche, die Nähe zu unserem Bus und zu uns und rangelten regelrecht um HSV-Souvenirs oder auch sonstige Dinge aus dem „Westen“. Selbst einfache Kugelschreiber fanden reißenden Absatz. Der HSV hatte anscheinend auch in der DDR trotz Absperrung seine Fans! Viele winkten den HSV-Bussen hinterher. Das waren schon bewegende bis bedrückende Momente!

Die Rückfahrt war einfach grausig! Heftiges Schneetreiben setzte ein, so dass man Angst haben konnte, ob der Bus heil durchkommt. Die HSV-Fans im Bus waren natürlich high, allerdings auch leider bereits nach kurzer Zeit großenteils „sturzbesoffen“. Der Busfahrer legte zwar häufig Pinkelpausen ein, trotzdem reichten die einigen nicht aus, so dass sie teilweise in leere Flaschen oder Behälter urinierten. Das ganze Businnere stank nach einem Alkohol-Urin-Gemisch! Nach stundenlanger Nachtfahrt kamen wir schließlich in den Morgenstunden in Hamburg an und mussten dann noch mit dem Auto den restlichen Heimweg antreten – wobei es schwer fiel, die Augen auf zu halten!

Mein zweites unvergessliches HSV-Erlebnis ist der 5:1-Sieg über Real Madrid am 23.April 1980 im Europacup der Landesmeister! Ich finde eigentlich, dass im Fußballgeschehen oft zu schnell und euphorisch in Superlativen geschwelgt wird. Aber dieser Spielverlauf, diese HSV-Elf (u. a. mit Kevin Keegan, Manfred Kaltz, Horst Hrubesch, Felix Magath) und die ganze Atmosphäre im Stadion, die nicht enden wollende Gesänge des ganzen Stadions: „Wer wird deutscher Meister, Ha , Ha ,Ha Es Vau“, waren einfach grandios, einmalig, Waaaahnsinn pur! Wildfremde Menschen lagen sich freudetrunken in den Armen und die Tränen liefen (auch mir!). Niemand hatte so einen HSV nach der 0:2 Hinspielniederlage erwartet! Bei allen auch in den Folgejahren zum Teil großartigen Spielen unseres HSV muss ich gestehen, dass ich so etwas in dieser Intensität nicht wieder erlebt habe!

Zu guter Letzt: Ist natürlich logisch, dass meine Kinder (zwei Jungs, zwei Mädchen) auch total HSV-infiziert sind und wir so oft wie möglich zum HSV fahren. Selbst die Enkel (von meinem älteren Sohn) werden schon „angeleitet“! Halt, stimmt nicht ganz ! Meine älteste Tochter hat nach Köln geheiratet und ist durch ihren Mann zum FC-Fan gemacht worden! Na ja, geht ja noch, Bayern oder Werder wäre schlimmer!

Nur der HSV!
Gruß Wolfgang

12.05 Uhr

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