Tagesarchiv für den 30. August 2010

Eilmeldung: Petric nach Stuttgart?

30. August 2010

Kurz vor Mitternacht, das Telefon klingelt immer noch. Privat und Handy. Die letzten Stunden werden noch interessant. Morgen um 12 Uhr ercheint die letzte Transferliste, da müssen die Namen drauf erscheinen, die noch wechseln wollen. Nach meinen Informationen wird nun doch noch der Name Mladen Petric drauf stehen, denn der Kroate steht, so wurde es mir geflüstert. wohl kurz vor einem Wechsel zum VfB Stuttgart. Petrci zu Bobic? Es würde mich nicht wundern, wenn es dann so käme.

Als Armin Veh zum HSV kam, schwärmte er am ersten Tag schon von Petric. Er sei sein Lieblingsspieler gewesen, er wollte ihn schon zum VfL Wolfsburg holen. Jetzt, so Veh damals, freue er sich, dass er ihn noch beim HSV hat.

Aber: Das Verhältnis von Trainer zu Spieler-Liebling entwickelte sich eher auseinander. Veh stellte Petric auf den rechten Flügel, weil der Trainer nur auf eine Spitze setzte: Ruud van Nistelrooy. Petric schlug rechts aber nicht ein, im Gegenteil, er machte keinen Hehl daraus, dass er dort draußen nicht spielen will. Gegen Schalke durfte er noch zentral hinter van Nistelrooy (weil Paolo Guerrero leicht erkältet war), in Frankfurt saß er 90 Minuten auf der Bank.

Das, nur das nervt einen Mladen Petric ganz enorm. Was heißt nervt, er hasst es, hasst es sogar sehr. Und deswegen könnte es jetzt, quasi fünf Minuten vor Zwölf, noch zur Trennung kommen. Stuttgart sucht, Stuttgart ist in Not, Stuttgart muss etwas tun – da kommt der vom HSV genervte Petric wie gerufen.

Bleibt die Frage, ob sich der HSV noch Ersatz holen wird. Die Situation schreit eigentlich nach Rafael van der Vaart. Aber tut sich der “kleine Engel” noch einmal Hamburg an? Was läuft da mit Bayern München? Welche Rolle spielt der Investor Kühne, der unbedingt einen Weltstar, der auch unbedingt van der Vaart haben wollte?

Beim HSV ist bis jetzt nichts durchgesickert. Morgen um 12 Uhr werden wir es wissen, wenn die letzte Transferliste erscheint. Bis um 18 Uhr (nicht bis 24 Uhr Uhr), darüber klärte mich am Abend Klub-Manager Bernd Wehmeyer auf, müssen dann sämtliche Vertragsangelegenheiten geklärt und unterschrieben sein. Es darf also noch eine Nacht geträumt werden. Von van der Vaart.

PS: Da ich heute bei der Gala des Hamburger Fußball-Verbandes war, geriet die Freigabe der “Neulinge” arg ins Hintertreffen. Dafür möchte ich mich entschuldigen. Ist inzwischen aber schon alles geschehen. Gute Nacht.

23.51 Uhr

Muntere Wechselspielchen

30. August 2010

Es ist zum Aus-der-Haut-Fahren. Heute bimmelt mein Handy ununterbrochen, es grenzt fast schon an akustische Belästigung, was ich meinem Umfeld zumute. Auch meine Erklärung, dass das so kurz vor Transferschluss normal sei, trifft es wohl nicht so richtig. Denn so schlimm wie jetzt war es noch nie zuvor. Man könnte fast meinen, dass richtig viele Matz-abber und noch mehr Berater, Experten, Beobachter und Journalisten unter akutem Wechselfieber leiden. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass derzeit jeder personelle Stein beim HSV umgedreht wird. Wer kann noch wechseln, wer wird noch wechseln, wer könnte für wen wechseln und so weiter. Indizien gibt es viele, unterschiedliche Interpretationen noch viel mehr. Und mittendrin stehe ich nun in einem Wust aus Beobachtungen, Vermutungen, Schlussfolgerungen und Behauptungen und soll für Klarheit sorgen.

Ich sage es Euch, wie es ist: Ich würde gerne Licht ins Dunkel bringen und Euch gerade heraus erzählen, um welche Spieler es tatsächlich noch Wechselszenarien gibt, aber ich kann es nicht. Ich kann nur mit ein paar Halbwahrheiten aufräumen und mit Euch in die Diskussion treten, wer tatsächlich für einen Transfer vorm morgigen Ablauf der Wechselfrist in Frage kommt.

Einer der meistgenannten Profis aus dem aktuellen HSV-Kader ist ja Mladen Petric, weil Trainer Armin Veh ihn in Frankfurt 90 Minuten auf der Bank schmoren ließ. Kaum verwunderlich, dass Petric frustriert die Reise zur kroatischen Nationalmannschaft antrat. Meine Kollegen von der Mopo fragten sogar schlagzeilenträchtig, ob Petric rausgeekelt werden soll.

Ich bin zwar nicht Armin Veh und auch nicht Bastian Reinhardt, aber Petric dürfte nach sportlichem Ermessen wirklich nur im äußersten Ernstfall, also einem unmoralischen Angebot in Millionenhöhe, zum Verkauf stehen. Warum? Ganz einfach: Weil die Wahrscheinlichkeit, dass Torgarant Ruud van Nistelrooy 34 Ligaspiele plus sieben Pokalpartien ohne Verletzungspause, Gelbsperre (wegen Jubelarien) oder Formtief durchhält, nicht gerade groß ist. Und welche fast gleichwertige Strafraumstürmervariante hat der HSV denn noch? Richtig. Niemanden außer Petric. Und Alternativen liegen auf dem Markt derzeit nicht gerade herum wie das erste Herbstlaub.

Und so, wie ich Armin Veh bislang kennen gelernt habe, wird er einen Mann wie Petric auch nicht ohne Ersatz ziehen lassen. Eric Maxim Choupo-Moting ist noch zu grün hinter den Ohren, Paolo Guerrero ist ein gänzlich anderer Typ – und in der Bundesliga haben die Nachwuchstalente nun einmal null Eingewöhnungszeit. Sie müssen funktionieren, oder sie scheitern.

Habt Ihr es gemerkt? Bis zu dieser Zeile habe ich es geschafft, den Namen Rafael van der Vaart aus diesem Beitrag herauszuhalten. Nicht, weil ich ihn nicht mag. Auch nicht, weil ich ihn nicht für HSV-tauglich hielte, sondern weil ich weiß, dass die meisten von Euch sehnsüchtig auf Neuigkeiten zum „kleinen Engel“ warten und ich Eure Spannung noch ein bisschen steigern wollte. Es gibt Informanten, die behaupten, dass der HSV wirklich ganz kurz vor einer Einigung mit dem Niederländer stehen soll. Und es gibt auch genauso viele, die mir berichtet haben, dass sich van der Vaart über die Hamburg-Wechselgerüchte nur amüsiere. Von Hamburg nach Madrid, danach könne es keine Rückkehr in die Elbmetropole geben, sagen sie. Allerdings weiß er natürlich, was er an Hamburg und dem HSV hat.

Armin Veh wäre der Letzte, der sich gegen einen Van-der-Vaart-Kauf wehren würde. Gute Fußballer, das weiß jeder Trainer, kann man nie genug haben. Allerdings weiß er auch, dass sich dieser Deal im aktuellen Zustand nicht realisieren lässt. Mindestens ein Spieler müsste den Verein verlassen, der erstens den Gehaltsrahmen entlasten würde, außerdem möglichst viel Ablöse erzielt. Und wer sind da die Kandidaten (neben Petric, wie ja eben schon ausführlich behandelt)? Meines Erachtens kämen nur drei bis vier Spieler theoretisch in Frage:

1. Piotr Trochowski, weil er als deutscher Nationalspieler gefragt ist und auf seiner Lieblingsposition zentral hinter der Spitze überflüssig wäre, wenn ein van der Vaart käme. Zumal es mit Paolo Guerrero und Petric weitere Alternativen für diesen Posten gäbe.

2. Dennis Aogo, weil viele Klubs nach guten Linksverteidigern Ausschau halten, der HSV derer sogar zwei aus der DFB-Auswahl im Kader hat. Und für den zuletzt verletzt ausgefallenen Aogo soll es ja sogar Anfragen aus Italien gegeben haben. Allerdings gilt einschränkend anzumerken, dass es keinen konkurrenzfähigen Ersatz für Marcell Jansen links hinten gibt, was sich zuletzt bei der Notvariante mit Eljero Elia schon gezeigt hat.

3. Eljero Elia, weil der Niederländer mit Turbo-Antritt nicht nur dank der WM auf sich aufmerksam gemacht hat und eine Mega-Ablöse von bis zu 20 Millionen Euro erzielen könnte. Für seine Position hat der HSV mit Jansen eine Alternative. Allerdings würde sein Verkauf meines Erachtens ganz eindeutig gegen ein Votum des Trainers erfolgen. Veh steht auf Elia und weiß, dass der Oranje-Kicker in dieser Saison noch eine ganz wichtige Rolle einnehmen wird – vor allem in den Duellen mit den ambitionierten Ligagrößen.

So, das war es erst einmal zum Wühlen im Transfermatsch. Es kann durchaus sein, dass ich schon in wenigen Stunden meine Worte fresse und wir alle überrascht werden, weil plötzlich doch noch ein Spieler wechselt, mit dem aktuell gar keiner rechnet. Vielleicht geht Jaroslav Drobny ja nach Stuttgart, die Schwaben haben akuten Bedarf. Oder Mladen Petric geht im Tausch für Grafite nach Wolfsburg. Oder oder oder…

Morgen, da bin ich mir sicher, wird es noch einmal einen solchen Spekulationssalat geben. Aber damit werden wir auch noch zu recht kommen. Hauptsache, die aktuelle Erfolgswelle nimmt nicht so schnell ab. Falls Ihr morgen noch nichts vorhabt: Denkt daran, um 19 Uhr tritt der HSV beim SC Victoria gegen den Oberliga-Abomeister zum Freundschaftsspiel an. Mal sehen, was sich bis dahin getan hat.

18:11 Uhr

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