Tagesarchiv für den 26. August 2010

Welche Rolle kann “Troche” spielen?

26. August 2010

Was für ein ungewohnter Besuch beim heutigen Training: Nach knapp einer Trainingsstunde schaute der Vereinsboss höchstpersönlich bei der Einheit vorbei. Bernd Hoffmann hatte eigentlich gehofft, dass er den Rest des Abschlussspiels anschauen könnte. Doch da hatte er die Rechnung ohne Armin Veh gemacht. Der Trainer setzte einen Tag vor dem Abflug nach Frankfurt auf ausgiebige Torabschlussübungen. Wäre er eine Viertelstunde früher gekommen, hätte er wahrscheinlich eher Befreiungsschlagübungen vermutet, denn in kürzester Zeit bugsierten Jonathan Pitroipa und Co. drei Bälle über den meterhohen Fangzaun. Aber nicht, dass jetzt jemand denkt, die Schüsse seien alle grausam gewesen. Da waren wirklich gute Abschlüsse dabei. Von allen Stürmern und auch von einigen Defensivkräften.

In Frankfurt, das deutete sich in den vergangenen Tagen ja schon mehrfach an, hat Veh nun wirklich die Qual der Wahl. Paolo Guerrero hat seine leichte Erkältung überwunden, damit muss sich Veh zwischen ihm und Mladen Petric auf der Position zentral hinter Ruud van Nistelrooy entscheiden. „Es kann sein, dass Paolo von Anfang an spielt“, sagte der Trainer heute bei der Pressekonferenz, um dann in allen Details die Vorzüge von Petric aufzuzählen. Ich glaube wirklich, dass der Coach noch unentschieden in seiner Abschlussbewertung ist, was die beiden betrifft. Hätte er die heutigen Torschussübungen zum Maßstab genommen, dürfte der Kroate Petric einen Vorsprung haben – seine Kopfbälle und Direktabnahmen aus der Luft fanden deutlich häufiger ihr Ziel als Guerreros Versuche.

„Ich werde immer entscheiden, was das Beste für den Spieltag ist“, sagt Veh, „es geht schließlich nicht um Einzelspieler, sondern immer um das große Ganze.“ Dabei, das dürfte mittlerweile den meisten Spielern und auch Beobachtern klar geworden sein, favorisiert Veh derzeit eine schnelle Außenbahnbesetzung. „Mit Elia und Pitroipa passt es, beide sind im System gut zuhause“, sagt der Trainer.

Mir stellt sich nun die Frage, welche Rolle dann Piotr Trochowski zufallen könnte. „Troche“ steht seinem Trainer ja nun erstmals im Kader zur Verfügung. „Es kann sein, dass er im Kader ist. Eine Entscheidung fällt heute oder morgen“, sagte er um 15 Uhr. Trochowski ist ja kein Flügelflitzer der Sorte Elia oder Pitroipa, also muss er sich zunächst in jedem Fall mit einer Jokerrolle zufrieden geben. Diese könnte aber wichtig werden, denn Veh möchte möglichst vielseitig agieren können – auch wenn es um Einwechslungen geht. „Man muss auch voraus denken, dass man für einen Überraschungseffekt sorgen kann“, sagt Veh. Ich lege mich jetzt mal fest: Ich erwarte Guerrero in der Anfangself, Petric wird als Joker auf der Bank sitzen, ebenso wie Trochowski.

Wie der Kroate mit so einer Situation klar käme, ist fraglich. Viele Experten glauben ja, dass Petric mit einer Reservistenrolle gar nicht klär käme und möglicherweise schlechte Stimmung verbreiten würde. Direkt darauf angesprochen, reagiert der Stürmer allerdings relativ gefasst und gelassen: „Wir haben viele gute Spieler und zu wenig Plätze auf dem Platz, das ist eine Tatsache. Natürlich habe ich mich gedanklich auch schon mal damit beschäftigt, dass ich draußen sitzen könnte, und glücklich wäre ich damit bestimmt nicht. Aber gestänkert habe ich noch nie. Man muss sich mit so einer Situation abfinden. Trotzdem werde ich weiterhin alles dafür tun, dass ich viel und möglichst von Anfang an spiele.“

Immerhin gab Petric zu, dass er „schon ein bisschen überrascht“ war, dass er am Mittwoch in der B-Mannschaft im Training auflaufen musste. „Aber trotzdem hat es mir großen Spaß gemacht“, sagte er mit einem Augenzwinkern. Zur Erinnerung: Petrics Team hatte 3:1 gewonnen und der Angreifer selbst auch getroffen. Stichwort: Eigenwerbung.

In Frankfurt, da sind sich sämtliche HSVer einig, erwartet die Mannschaft nach der Pleite der Eintracht in Hannover eine große und gefährliche Unbekannte. „Die werden keinen Hau-Ruck-Fußball spielen, sondern sind spielerisch ausgerichtet“, weiß Veh, der entsprechende Antworten fußballerischer Natur parat haben will. Das Schalke-Spiel dient da als gute Basis.

Ach ja, kurz noch zum Kühne-Thema. Armin Veh hat das Treffen der Obersten in Hamburg registriert, mag es aber nicht kommentieren. „Es hat mich vorher nicht belastet und jetzt auch nicht“, sagte er. Der Großinvestor und die HSV-Verantwortlichen hatten sich zu einer Quasi-Aussprache getroffen. Ergebnis: Kommuniziert werden soll fortan nur noch intern, nicht über Medien. Und der Kauf von Gojko Kacar fällt nicht mit in die Anstoß-hoch-drei-Projektmasse. Unterm Strich bleibt die Frage, ob der HSV dieses Projekt möglicherweise irgendwann noch einmal beleben wird. Richtig interessant wird es sowieso erst, wenn möglicherweise ein namhafter Transfer ansteht. Warten wir also ab.

Morgen gibt’s Training um 13 Uhr, danach düst die Mannschaft nach Frankfurt ab.

18:50 Uhr