Tagesarchiv für den 17. August 2010

Sind zehn Plätze vergeben?

17. August 2010

Der Countdown läuft. Und die Stimmung steigt. Heute konnten die Spieler des HSV beim Training noch einmal Ferienkulisse genießen. Fast 400 Zuschauer hat mein Kollege Christian Pletz gezählt, darunter jede Menge Tagesausflügler. Getreu dem Motto: Diesen HSV gönnen wir uns. Und heute hatten sie einiges zu bestaunen und zu bejubeln. Vor allem die Kleinsten unter den Fans waren begeistert, wenn Ruud van Nistelrooy und Paolo Guerrero einen Angriff mit Torerfolg abschlossen. Anfangs gab es verhaltenen Applaus, später sogar einmal einen kleinen Beifallssturm – da hatte Marcell Jansen seinen Kollegen Eric Maxim Choupo-Moting mustergültig bedient. Und ein lautstarkes Raunen ging durch die Reihen, als Jonathan Pitroipa nach einem kurzen Antritt aus spitzem Winkel den rechten Pfosten traf. Hatte ein Zuschauer vorher noch gewitzelt: „Lauf Pikachu!“ (in Anlehnung an die Zeichentrickfigur der Pokemons), verstummte er im Nu. Das war einer der härtesten Schüsse, die viele Trainingskiebitze je von Pitroipa gesehen haben. Vielleicht wird es ja noch etwas mit ihm.

Eines ist jedenfalls klar: Alle, wirklich alle Anzeichen deuten darauf hin, dass Pitroipa am Sonnabend gegen Schalke 04 zum Startaufgebot des HSV zählen wird. Trainer Armin Veh, der die heutige Einheit besonders genau beobachtete, als gehe er noch die eine oder andere Besetzung im Kopf durch, ließ nach ausgiebigen Stabilisationsübungen taktische Züge in Spielform absolvieren. Auf jeder Seite des Spielfeldes agierten je fünf Angreifer gegen eine Viererkette. Dabei hatten es die wahrscheinlichen Stammkräfte Mladen Petric, Zé Roberto, David Jarolim, Pitroipa und van Nistelrooy mit der Viererkette Guy Demel, Heiko Westermann, Joris Mathijsen und Marcell Jansen zu tun. Ziel der Verteidiger war es, möglichst kompakt zu stehen, der angreifenden Überzahl clever und stabil zu begegnen. Die Angreifer sollten versuchen Lücken in der gegnerischen Kette zu schaffen, Überraschungsmomente zu kreieren und der Abseitsfalle zu entgehen.

Wer mitgezählt hat, kommt bei den Stammkräften auf neun Feldspieler. Bleibt die Frage: Wer ist der zehnte? Normalerweise dürfte es Paolo Guerrero sein, der in der anderen Neunergruppe auf der rechten Offensivposition spielte. Allerdings mischten da auch Piotr Trochowski (erstaunlich agil nach seiner Verletzungspause) und Eljero Elia mit, von denen letzter auch für den einen freien Platz in Frage kommen könnte. Viel diskutiert wurde am Spielfeldrand über Petric. Kollege Pletz schilderte es mir so: „Auf dem rechten Flügel wirkt er in etwa so glücklich wie ein 12-jähriger HSV-Fan, der von einer Tante zum Geburtstag ein Werder-T-Shirt geschenkt bekommt.“ Was aber bei Petric noch schlimmer ist: Seine Missstimmung bezüglich der Position wirkt sich auf sein gesamtes Spiel aus. Ihm fehlt der Schuss Genialität, die Freude an Torraumszenen (von denen er so natürlich auch weniger hat) und überhaupt diese Leichtigkeit, die ihn sonst immer ausgezeichnet hat. Naja, ein paar Tage sind es ja noch bis zum Start. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich Veh oder/und Michael Oenning den Kroaten vorm Wochenende noch einmal zum persönlichen Gespräch schnappen werden, denn entgangen ist ihnen die unglückliche Rolle Petrics ganz bestimmt nicht. Vielleicht erwarten sie aber auch mal eine Reaktion des Stürmers, der im schlimmsten Fall als van-Nistelrooy-Ersatz auf der Ersatzbank landen würde.

Ganz gespannt bin ich auf Eljero Elia. Heute winkte der Niederländer häufiger entnervt ab, wenn die Schiedsrichter, also die Trainer, Situationen gegen seine Mannschaft abpfiffen. In Ballbesitz war er gelegentlich zu fahrig und leichtfertig. Droht ihm beim Auftakt etwa die Ersatzbank? Nicht auszuschließen. Und wer „Eli“ kennt, der weiß, dass ihn so eine Rolle innerlich auffressen würde. Elia will hoch hinaus, wollte es eigentlich schon in der Sommerpause per Transfer zu einem europäischen Topverein. Doch er hat sich „erholt“ und hat intern versprochen, lieber auf dem Platz als außerhalb für Schlagzeilen zu sorgen. Hoffentlich hat er auch die notwendige Geduld.

Hinter den Kulissen kursieren übrigens wieder einmal (oder immer noch) Gerüchte um einen Spieler, der Euch allen ziemlich gut bekannt sein dürfte: Khalid Boulahrouz. Ich möchte die Spekulationen um den Noch-Stuttgarter gar nicht zu sehr anheizen, darum komme ich auch als erstes mit einem Kommentar, den Armin Veh zum Kollegen von der „Welt“, Matthias Linnenbrügger, gesagt hat, als dieser vor ein paar Tagen nach „Boula“ fragte. Ich kann den Wortlaut nicht mehr eins zu eins wiedergeben, aber er lautete in etwa so: „Stand jetzt holen wir niemanden mehr.“ Ich habe das so interpretiert: Wird der HSV seinen unliebsamen David Rozehnal noch los und findet einen adäquaten Innenverteidiger, der auch bezahlbar ist, könnte doch noch etwas geschehen – schließlich ist das Transferfenster noch ein paar Tage offen.

Dass Boulahrouz aus sportlichen und privaten Gründen lieber heute als morgen zurück zum HSV kommen würde, ist in der Branche und auch im Raum Stuttgart längst kein Geheimnis mehr. Da ich auf die Schnelle leider keinen Verantwortlichen des HSV mehr bekommen habe, verbleibe ich erst einmal mit meinen Informationen und Rückschlüssen.

Apropos Infos: Tomas Rincon fehlte wegen eines leichten grippalen Infekts bei der heutigen Einheit, und Dennis Aogo war wieder einmal nicht auf dem Platz. Das Quartett Gojko Kacar, Elia, Choupo-Moting und Jansen legte nach der 90-Minuten-Einheit noch eine Zehn-Minuten-Phase mit Steigerungsläufen hin – Rückstände aufholen. Und zu guter letzt berichtete mir mein Kollege, dass er zwei Jungen mit einer Meisterschalen-Nachbildung auf Autogrammjagd gesehen hätte. Na, das ist dann aber doch ein bisschen zu früh. Obwohl: Träume dürfen, nein, müssen immer erlaubt sein. Wer hat sie denn nicht…?!

18:35 Uhr