Tagesarchiv für den 13. August 2010

Der Tag der Entscheidungen

13. August 2010

“Damit habe ich selbst nicht gerechnet.” Das sagte Heiko Westermann, als er sich als neuer HSV-Kapitän erklären sollte. Es ist schon ein wenig überraschend, dass ein “Neuling” zum Spielführer des Hamburger Traditionsklubs berufen wird. Westermann tritt in die Fußstapfen so berühmter Kapitäne wie Uwe Seeler, Horst Hrubesch und auch Nico Hoogma, um nur einige zu nennen. Auch deswegen spricht Westermann von “einer Ehre”, dass ihm nun die Binde an den Arm gegeben wurde. Ein Kapitän muss ein Vorbild sein, er muss vorne weg marschieren, ein gutes Beispiel abgeben. Ich bin zwar nicht perfekt, aber ich bringe auf jeden Fall die Einstellung auf Platz, die man erwartet”, sagt der neue Spielführer und ergänzt: “Dieses Amt ist keine Belastung für mich, ich sehe es als eine weitere große Herausforderung für mich. Ich sehe mich jetzt aber nicht im Vordergrund, wichtig ist für mich, dass wir als Mannschaft in die gleiche Richtung marschieren.”

Westermann ist nach seinem Wechsel von Schalke zum HSV ohne Probleme und ohne große Eingewöhnungszeit bestens aufgenommen worden in Hamburg. “Ich akzeptiere jeden Spieler, komme mit jedem klar, ich werde akzeptiert – das Klima bei uns stimmte von Beginn an”, sagt Heiko Westermann zufrieden.

Er will in den nächsten Stunden oder Tagen mit seinem Vorgänger David Jarolim sprechen, sich austauschen, erfahren, wo es Probleme geben könnte, wo es zuletzt auch Probleme gegeben hat. Westermann: “Ich allein kann keine Mannschaft führen, da spielen viele Faktoren eine Rolle. David Jarolim, Joris Mathijsen Mladen Petric, Ruud van Nistelrooy zum Beispiel sind alles Spieler, die die Mannschaft mit führen werden. Ich habe jetzt zwar die Kapitänsbinde, aber es ist immer noch ein Mannschaftssport, ich bin da ganz sicher nicht allein zu sehen.”

Sein Nebenmann in der Viererkette ist Joris Mathijsen, er wäre mit Sicherheit auch ein Kandidat für das Kapitäns-Amt gewesen. Ist Westermann nun automatisch auch der Chef der HSV-Abwehr? Der ehemalige Schalker zu diesem Thema: “Wichtig ist, dass beide auf sich hören. Es geht nicht darum, dass einer der Chef ist. Wenn Joris etwas sagt, dann zählt das genauso als wenn ich etwas sagen würde. Wir ergänzen uns gut, er hat mir in Sachen Erfahrung einiges voraus, ich bin bin da sehr, sehr positiv eingestellt, dass wir eine gute Saison spielen werden.”

Westermann ist im Privatleben ein eher ruhiger Mensch, aber ihm ist schon bewusst, dass er auf dem Platz durchaus einmal lauter werden muss: “Man muss auf dem Platz miteinander reden, dass ist sehr wichtig. Eines kann ich nicht: verlieren. Und das will ich auch nicht in der nächsten Zeit.” Und deswegen wird er sicher auch mal lauter werden, als es sein eigenes Naturell sonst zulassen würde.

Morgen wird Heiko Westermann 27 Jahre alt, er hat einen Fünf-Jahres-Vertrag mit dem HSV abgeschlossen – vieles spricht dafür, dass er seine Karriere in Hamburg beenden wird. Als HSV-Kapitän. Und hoffentlich als erfolgreicher HSV-Kapitän.

Wann Armin Veh den Entschluss gefasst hat, Westermann zum Spielführer zu küren, das wollte der Trainer nicht verraten. Aber er erklärte, warum er seine Entscheidung so getroffen hat, warum er Jarolim nicht als bisherigen Kapitän übernommen hat: “David Jarolim ist mit Sicherheit ein guter Kapitän. So wie ich ihn jetzt in den sieben Wochen erlebt habe, wie er mit der Mannschaft arbeitet, das ist hundertprozentig professionell. Davon bin ich unheimlich positiv überrascht, das hat mich erfreut. Und wenn ich einen Spieler jeden Tag habe, dann kann ich ihn natürlich viel besser beurteilen, als wenn ich ihn nur mal alle acht Wochen im Fernsehen sehe. Das war, das kann ich noch einmal sagen, eine richtig starke Vorbereitung von Jaro.”

Warum dann Westermann? Veh: “Ich wollte einen neuen Akzent setzen. Wir haben nicht viele neue Spieler, wir haben aber keine gute letzte Saison gespielt, und deswegen musste ich schauen, was ich ändern kann. Und jetzt kann ich sagen: Es ist etwas Neues, es ist ein neuer Reiz, es ist ein neuer Akzent gesetzt worden – und das ist nichts gegen David Jarolim. Für mich ist nur wichtig gewesen, einen neuen Akzent zu setzen.”

Es hätte dann aber doch auch Joris Mathijsen werden können, oder Ze Roberto, Marcell Jansen oder Ruud van Nistelrooy? Armin Veh aber sagt über Westermann: “Ich habe ihn geholt, er soll die Mannschaft mit führen, er war schon bei Schalke Mannschaftsführer, er hat das richtige Alter, und er hat eine Position in der Mannschaft, in der er echter Stammspieler ist. Bei ihm brauche ich nicht nachzudenken, ob er spielt oder ob ich einen anderen Spieler aufstelle – und das waren die entscheidenden Kriterien, warum ich mich für ihn entschieden habe.”

Dass ein “alter” HSV-Spieler wie Mathijsen, der schon vier Jahre in Hamburg spielt, keine Alternative zu Heiko Westermann gewesen ist, das erklärt Veh ebenfalls: “Das wäre für mich dann nichts Neues gewesen, das wäre etwas aus der letzten Saison gewesen. Ich wollte einen Spieler haben, der etwas Neues ist.”

Dagegen wird ein “Alter” weiterhin im Tor stehen: Frank Rost. Die bisherige Nummer eins hat sich im Duell mit Jaroslav Drobny behauptet. Veh: “Es haben ganz kleine Details den Ausschlag gegeben. Diese beiden Torhüter befinden sich nun über Jahre auf Augenhöhe, aber Frank ist der Platzhirsch hier. Um an ihm vorbei zu kommen, muss man dann eine Tick besser sein.” Und das war Drobny nicht. Im Trainingslager hat Rost teilweise sensationell gehalten, er präsentierte sich in Österreich in bester Verfassung – das gab schließlich den Ausschlag. Veh: “Ich musste mich für einen entscheiden, aber ich kann auch sagen, dass es eine leichte Entscheidung für mich war, denn wen auch immer ich zur Nummer eins mache, ich weiß, dass wir einen hervorragenden Torwart zwischen den Pfosten haben werden. Für mich ist Drobny aber auch nicht die Nummer zwei. Und eines ist für mich auch klar: Er wird nicht 34 Spiele lang auf der Bank sitzen, er wird auch seine Einsatzzeiten bekommen.”

Wolfgang Hesl ist ab sofort – erwartungsgemäß – nur noch die Nummer drei. Und er wird sich, obwohl er es eigentlich nicht mehr wollte, seine Spielpraxis in der Regionalliga-Mannschaft des HSV holen (müssen).

So, das war es zunächst mit den aktuellen Fragen. Abseits dieser Entscheidungen stellte Armin Veh auch noch klar, dass es keine weiteren Verpflichtungen mehr zu dieser Saison geben wird. David Rozehnal soll immer noch abgegeben werden, aber es wird, sollte der Tscheche noch einen neuen Klub finden, auch keinen neuen Innenverteidiger mehr geben. Das steht nunmehr fest.
Und Eljero Elia, das hat der Trainer dem Niederländer auch in einem Vier-Augen-Gespräch mitgeteilt, wird definitiv nicht verkauft, die “Rakete” muss beim HSV bleiben. Selbst dann, wenn es ein Traum-Angebot geben sollte. Veh: “Schluss jetzt mit den ewigen Spekulationen, jetzt ist Ende, und das ist unwiderruflich, Elia bleibt. Ich würde mein Veto einlegen, sollte es doch noch irgendwelche Angebote geben.”

Und wenn es keine weiteren Verpflichtungen mehr gibt, dann gilt das auch für alle anderen Positionen. Auch für hinten rechts. Dennis Diekmeier wird dort zwar länger ausfallen (Bänderriss), aber in den Augen von Veh wird Guy Demel trotz allem nicht konkurrenzlos sein: “Tomas Rincon hat dort gegen Chelsea gut gespielt, er ist auf jeden Fall eine Alternative.”

Zum Pokalspiel am Sonntag beim Torgelower SV Greif wird auch Marcell Jansen kein Thema sein, der Nationalspieler fällt wegen einer Mandelentzündung aus. Ebenso wie Dennis Aogo und Piotr Trochowski, der sich zurzeit noch in München zur Behandlung aufhält.

13.55 Uhr

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