Tagesarchiv für den 7. August 2010

Auf zur Generalprobe!

7. August 2010

Wieder ein neuer Tag, und was für einer! Summer in the city – da war die Stimmung beim Training der HSV-Profis entsprechend gut. Trainer Armin Veh simulierte schon mal eine Abschlusseinheit. Kurz, knackig, mit vielen Torabschlüssen in verschiedenen Varianten. Man merkt: Es geht mehr und mehr auf den echten Startschuss zu. Und der neue Trainer will nichts, aber auch gar nichts dem Zufall überlassen. Morgen, wenn seine Mannschaft um 17 Uhr zum Abschlusstest in Flensburg gegen Energie Cottbus antritt, wird eine Spion-Delegation in Berlin sein um sich Pokalgegner Torgelow genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich finde das ja prima. Je mehr Risikofaktoren vor der Pokalrunde ausgeschaltet werden können, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der HSV endlich mal ganz weit kommt. Ihr wisst, was ich meine: Mir geht es da nämlich wie Bernd Hoffmann, der seit seines Amtsantrittes von einer Mai-Reise nach Berlin träumt. Und bislang meist unsanft aus diesen Träumen herausgerissen wurde.

Waren viele der vergangenen Testspiele Muster ohne Wert, weil der Trainer viele Spieler auf vielen unterschiedlichen Positionen sehen wollte, gibt es nun tatsächlich mal ein Muster mit Wert. Ich gehe fest davon aus, dass gegen den Zweitligaklub aus der Lausitz ein Großteil der Stammformation beginnen wird, die auch in Torgelow die erste Pokalrunde bestreiten soll. Das heißt: Die Viererkette Demel, Westermann, Mathijsen, Jansen dürfte wohl eine längere Chance zum Einspielen bekommen, ehe es Mitte der zweiten Hälfte dann zu den bekannten Wechselspielchen kommt.

Zu Saisonbeginn werden wir alle auf zwei Hamburger WM-Teilnehmer ganz sicher verzichten müssen: Piotr Trochowski und Dennis Aogo. Trochowski kann wegen seiner Achillessehnenprobleme nach wie vor nur eingeschränkt trainieren, und das nicht einmal im Mannschaftsprogramm. Dass er seine Länderspielteilnahme für die sinnlose Partie in Dänemark abgesagt hat, war kaum überraschend. Nun hofft Veh, dass er seinen kleinen Dribbler demnächst endlich wieder im Training auf dem Platz begrüßen kann. Der neue Ligaball, das behaupten jedenfalls einige von „Troches“ Kollegen, dürfte die Schussgefahr des Nationalspielers noch weiter erhöhen. Ich freue mich schon auf die ersten Abschlussübungen – vielleicht wird es ja in der kommenden Woche etwas.
Dennis Aogo absolvierte heute schon ein paar Aufbau-Übungen mit dem Ball, ansonsten drehte er seine Runden und schaute seinen Mitspielern fast sehnsüchtig bei der Einheit zu. „Wir schauen von Tag zu Tag. Ich kann noch nicht sagen, ob und wann er voll einsteigt“, sagt Trainer Veh. Die Tendenz sieht allerdings so aus, als ob der Linksverteidiger nach seinen Problemen mit dem Ischiasnerv in der kommenden Woche wieder voll einsteigen könne. Und dann wird sich der Konkurrenzkampf auf einigen Positionen – zum Beispiel im linken Offensivbereich (Jansen/Elia/Pitroipa) – noch einmal steigern. Mal sehen, nach welchen Kriterien Veh seine Wahl tätigen wird. Wer passt zu wem? Wer passt am ehesten zum Gegner (wobei das eher für das Ligaduell gegen Schalke zählt)? Wer ist unverzichtbar?

Nach der heutigen Betrachtung der Torschussübungen muss ich festhalten, dass Paolo Guerrero trotz seines zuletzt offensichtlichen Formtiefs zur Startelf zählen müsste. So fahrig und lässig er manchmal wirkt, so kaltschnäuzig und zum Teil aufreizend gelassen ist er beim Abschluss. Jaroslav Drobny, der sich ja morgen gegen Cottbus noch einmal als Nummer eins empfehlen will, hatte keine Chance, wenn Guerrero nach zurückgelegten Flanken aus zwölf bis 18 Metern zum Schuss kam. Flach links, flach rechts: Fast immer zappelte der Ball im Netz.
Ruud van Nistelrooy ließ heute Morgen auch einen deutlichen Aufwärtstrend im Vergleich zu den vergangenen Tagen und den jüngsten Testspieleindrücken erkennen. Vielleicht lag es ja an der Anwesenheit seiner Familie. Vater, Mutter, Frau und Kinder genossen die Sonne neben der Imtech-Arena. Und „Van the man“ widmete sich seinen Sprösslingen nach der Einheit ausgiebig, während die Frauen der Familie van Nistelrooy Landsmann Joris Mathijsen nach der Geburt seines zweiten Kindes befragten und ihn strahlend beglückwünschten.
Van Nistelrooys Kleinster setzte zum Dribbling über den halben Trainingsplatz an. Sein Laufstil und seine Ballbehandlung waren trotz der problematischen Ballgröße (bis zu den Knien) schon sehenswert. Sein Opa knipste fleißig Fotos.

Ein weiterer Spielervater schaute sich die Einheit lieber aus einer verborgenen Position ein: Just Choupo-Moting. Der Vater des Stürmers, gleichzeitig sein Manager, muss mit seinem Sohn nun abwägen, was vorteilhafter ist: Beim HSV auf die Chance warten, sich durch Kurzeinsätze empfehlen und Geduld beweisen oder doch noch einmal auf einen Wechsel drängen? Trainer Veh hat seinem aktuellen Angreifer Nummer vier ja klar gemacht, dass er ihn gerne in Hamburg behalten würde, er ihm aber keine Einsatzgarantien geben kann.

Apropos Klarmachen: In der kommenden Woche dürfte auch die Entscheidung fallen, wer ab sofort mit der Kapitänsbinde aufläuft. In der bisherigen Vorbereitung waren das ja gleich mehrere Spieler. Wer morgen die Binde gegen Cottbus trägt, will Veh seiner Mannschaft und dem betroffenen Profi erst in der Mannschaftsbesprechung vor dem Spiel mitteilen. Ich setze auf Joris Mathijsen. Anschließend wird es in den Tagen vor Torgelow eine Entscheidung geben. Mathijsen, Jarolim, Westermann und Zé Roberto dürften die Favoriten sein.
Neuzugang Westermann sorgte heute übrigens für eine kleine Schrecksekunde, aber wirklich nur eine klitzekleine. 35 Minuten nach Trainingsbeginn der knapp 70-minütigen Einheit ging der Innenverteidiger mit seiner Trinkflasche plötzlich vom Feld gen Kabine. Damit hatten nicht einmal die eifrigsten Autogrammjäger gerechnet. Nur der ehemalige St.-Pauli-Profi Oliver Schweißing war mit seinen Kindern (beide mit HSV-Trikot) schnell genug und sicherte sich Autogramme. Die bange Frage lautete: Ist Westermann etwa verletzt? Droht ein weiterer Rückschlag? Doch der Ex-Schalker gab Entwarnung: Alles abgesprochen. Er sollte Stabilisationsübungen im Kraftraum machen. Die individuellen Pläne der Spieler werden konsequent eingehalten. Veh und Co. überlassen eben nichts dem Zufall.

12:45 Uhr