Tagesarchiv für den 5. August 2010

So’n Schiet: Sons Fußbruch

5. August 2010

Son Pech kann man eigentlich gar nicht haben. Gestern der lachende Held, heute der traurige Pechvogel. Heung Min Son ist die erste tragische Figur des HSV in dieser gerade erst angelaufenen Saison. Gestern gegen Chelsea war der Südkoreaner der Strahlemann des Abends. Sein Treffer kurz vor Schluss sorgte für Jubelstürme auf den Rängen. „Son hat Spaß und bereitet Freude“, urteilte Trainer Armin Veh. Im Nachhinein hätte er auf den Zehn-Minuten-Einsatz des Stürmers wahrscheinlich lieber verzichtet. Denn kurz nach seinem Tor geriet Son in der Chelsea-Hälfte in einen unglücklichen Zweikampf, bei dem ihm ein Londoner Profi auf den Fuß trat. Son versuchte anschließend normal weiterzulaufen, humpelte ein bisschen, beim Abpfiff Minuten später konnte er aber nicht mal mehr auftreten. Und heute Morgen folgte bei einer Computertomographie die erschütternde Gewissheit einer wirklich schweren Verletzung: Mittelfußbruch.

Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen, wie oft ich heute schon den Kopf geschüttelt habe wegen dieser Nachricht. Das kann, das darf es doch gar nicht geben. Warum muss ausgerechnet so einem positiv-frischen, jungen Hoffnungsschimmer wie Son so ein Missgeschick widerfahren? Es ist echt zum Heulen. Armin Veh wirkte noch am ehesten gefasst: „Da sieht man, wie schnell es im Fußball zugehen kann. Diese Verletzung und die dazugehörige Pause sind bitter, vor allem für den Jungen selbst.“

Das Mitleid der Kollegen und Verantwortlichen ist dem ehrgeizigen Asiaten sicher. David Jarolim sprach dem jungen Kollegen Mut zu, viele andere taten es ihm gleich. Dass Son laut Trainer Veh dennoch „extrem traurig ist, weil diese Zwangspause so weh tut“, ist wohl mehr als verständlich. Morgen schon soll sein lädierter Fuß operiert werden, so dass Son dann möglichst schnell mit der Rehabilitation beginnen kann. Experten rechnen bei einem Mittelfußbruch mit einer Zwangspause von sieben bis acht Wochen. „Wir wollen mal schauen, wie die Heilung bei ihm verläuft“, sagt Veh. Sportchef Bastian Reinhardt, der sich dem Pechvogel in einem persönlichen Gespräch widmete und ihn bestärkte, dass er nach seiner Rückkehr wieder in die jüngste Position im Profikader zurückkehren werde, nahm dem Jungspund auch mögliche Ängste einer Langzeitpause: „Er wird es in der Aufbauphase nach der OP viel leichter haben als ich. Schließlich ist er um einiges leichter und jünger!“ Reinhardt hatte ein Mittelfußbuch fast ein Jahr lang außer Gefecht gesetzt.

Unter den Fans des HSV sprach sich das Ausmaß der Verletzung Sons rasend schnell herum. Die ersten Genesungswünsche erreichten das Juwel bereits unmittelbar vorm Mannschaftsfototermin, der heute Mittag war. Ich bleibe dabei: Sollte der Heilungsprozess optimal verlaufen, hat dieser junge Mann eine tolle Perspektive beim HSV. Er verkörpert nämlich das, was man sich als Hamburger so sehr und leider oft auch vergeblich von Nachwuchshoffnungen wünscht: Mut, Ehrgeiz, Bescheidenheit, Geduld und jede Menge Unbekümmertheit, das alles natürlich gepaart mit einem gehörigen Anteil Talent und fußballerischer Qualität.

So bitter diese Nachricht auch ist, so schnell geht es in der Vorbereitung dennoch weiter. Trübsal blasen ist nicht. Und für einen Hamburger Profi hat sich die persönliche Lage aufgrund der Verletzung sogar verbessert, auch wenn er gar nichts dafür kann: Eric Maxim Choupo-Moting. Hatte Veh dem Kameruner zuletzt noch freigestellt, ob er sich für oder gegen einen Verbleib beim HSV aussprechen würde, dürfte die Abgabebereitschaft des HSV nun deutlich gesunken sein. Hinter Ruud van Nistelrooy, Mladen Petric und Paolo Guerrero, die heute übrigens mit den anderen Stammkräften zur Regeneration eine Mountainbike-Tour durch den Volkspark machten, ist „Choupo“ nun Stürmer Nummer vier. Geduld muss er trotzdem beweisen, aber der eine oder andere Kurzeinsatz dürfte dem Mann aus Altona gewiss sein.

Bei so vielen Schlechtwetter-Nachrichten bin ich froh, dass ich auch noch etwas Erfreuliches vermelden darf. Armin Veh hatte nämlich ein Telefonat mit Bundestrainer Joachim Löw. Das ist an sich noch nicht positiv, aber der Inhalt ist es schon. Genauso wie Löw den Bayern mitteilte, dass er für das Länderspiel am 11. August in Dänemark maximal zwei Profis nominieren werde (Kroos und Gomez), versprach er dies auch dem HSV-Coach. Demnach wird außer Piotr Trochowski kein weiterer Akteur mit nach Kopenhagen genommen. „Ich freue mich über diese Geste“, sagte Veh. Sie zeuge auch dafür, dass der Bundestrainer die Lage der Bundesligavereine verstehe und respektiere.

Vehs in Hamburg ist weiterhin mit einigen personellen Fragezeichen versehen. Ich rechne mittlerweile damit, dass Zé Roberto im DFB-Pokal und im ersten Ligaspiel gegen Schalke als Linksverteidiger auflaufen wird, da Dennis Aogo sich noch immer mit Problemen am Ischiasnerv herumplagt. Defensiv gibt es dann noch einiges an Verschiebepotenzial: mit Westermann und Mathijsen in der Innenverteidigung, mit Demel oder Diekmeier rechts hinten, mit Jarolim und Kacar als Sechser, vielleicht aber auch mit Tesche oder Rincon. Nur in der „Abteilung Attacke“ gibt es einige, nein, nach den Eindrücken des Chelsea-Spiels, erhebliche Bedenken. Will Veh Mladen Petric wirklich über rechts agieren lassen, wo der Kroate offensichtlich nicht ins Spiel findet, keine Tempo-Macher-Eigenschaften hat und so berechenbar ist? Sucht der Trainer krampfhaft nach einem Weg, mit Petric UND van Nistelrooy aufzulaufen? Und was ist mit Paolo Guerrero. Dessen Zehner-Rolle könnte Petric ja auch spielen. Und so zaghaft, tempo- und ideenarm wie gegen die Engländer würde er sie gewiss im Nu auch spielen können, eben nur mit besserer Chance und Lage zum Abschluss.

Veh läutet die Feinjustierung jetzt ein. Tag für Tag werden nun mehr Mosaiksteine zusammengesetzt, um die beste Mannschaft ins Rennen zu schicken. Nach meinem Empfinden wird die Frage irgendwann lauten: mit Petric ODER van Nistelrooy in der Startelf? Noch ist es aber nicht soweit. Vielleicht geben die nächsten Einheiten ja Aufschluss. Dann bin ich auch nicht mehr so schockiert von Sons Verletzung. Son Schiet muss man ja nicht noch mal haben in dieser Serie.

PS: Morgen ist ein besonderer Tag für unseren Blog. Er wird dann ein Jahr alt. Zur Einstimmung möchte ich heute um Mitternacht einen Beitrag freischalten, dem möglichst viele persönliche Kommentare von Euch mit Erlebnissen rund um dieses HSV-Portal folgen sollen. Ein bisschen nach dem Motto: Das macht den “Matz ab”-Blog so einzigartig und besuchenswert. Negative Eindrücke sind natürlich auch willkommen. Aber geht behutsam damit um, Einjährige sind meist noch sehr sensibel…nein, Spaß beiseite. Ich würde mich über eine rege Teilnahme sehr freuen und werde den Geburtstagseintrag eröffnen. Bis dann.

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