Tagesarchiv für den 4. August 2010

2:1 – Son trifft gegen Chelsea

4. August 2010

Meun min Sohn! Die Son-Show geht weiter. Auch gegen den FC Chelsea stand der Koreaner wieder im Mittelpunkt, obwohl er erst in der 82. Minute für Ruud van Nistelrooy eingewechselt worden war. Drei Minuten vor Ende des Spiels schnappte sich Son den Ball, umkurvte Carvalho und schob die Kugel mit links zum 2:1-Siegtor für den HSV ein. Das sind die Auftritte, die Heung Min Son in dieser Saison haben wird, und er wird sie in vielen Fällen ähnlich nutzen wie diesmal. Der Mann ist ein Juwel. Wenn ich auch festhalten muss, dass der FC Chelsea in Hamburg mit leicht angezogener Handbremse gespielt hat, denn am Sonntag geht es im englischen Supercup gegen Manchester United.

Der HSV lief vornehmlich in der ersten Halbzeit oft Gegner und Ball hinterher, aber ich weiß natürlich, dass HSV-Trainer Armin Veh seinem Team eine „Punktlandung“ zum ersten Spieltag der Bundesliga „verordnet“ hat. Und wenn es dann am 21. August gegen Schalke 04 auch einen 2:1-Sieg geben sollte, dann soll es mir absolut recht sein.

Für alle HSV-Anhänger, die sich im falschen Film (Spiel) wähnten: Es ging an diesem Mittwoch, den 4. August 2010, noch nicht gegen den FC St. Pauli, auch wenn es gelegentlich den Anschein hatte. Weil im Nordwesten immer etwas gegen den Bundesliga-Aufsteiger skandiert wurde. Es war tatsächlich schon Chelsea. Und gegen diese Weltklasse-Mannschaft entwickelte sich nur langsam und zäh ein Spiel auf Spitzen-Niveau. Das Geschehen spielte sich auf einem 40-Meter-Sektor rund um die Mittellinie ab, 20 Meter dort, 20 Meter hier. Alle Räume waren bestens zugestellt, es gab nur recht selten eine Lücke. Für beide Mannschaften. Und wenn, dann schien Chelsea die besseren Möglichkeiten zu haben.

Frank Rost im Tor zeigte sich jedoch immer auf der Höhe, er strahlte in jeder Szene Souveränität aus – und hielt wie eine Nummer eins! Das war ganz stark. Ein Prädikat, das ich an Neuzugang Dennis Diekmeier nicht gerade vergeben kann. Der ehemalige Nürnberger hätte diesmal mehrfach die Chance gehabt, auf rechts steil zu gehen, aber er brach seine Vorstöße zu 90 Prozent ab – oder er riskierte sie erst gar nicht. Zu wenig Selbstvertrauen?

Das ist bei Guy Demel in den letzten Tagen deutlich gestiegen. Von Beginn an gab es sie wieder, die „Giiiiiie“-Rufe, und er zeigte sich konzentriert und immer auf der Höhe. In dieser Verfassung habe ich zum Beispiel keinerlei Probleme, mit Demel als Nummer drei der Innenverteidiger zu leben – weil das hier im Blog ja auch zuletzt ein ganz heißes Thema war. Unabhängig davon wäre mir aber auch wohler, wenn der HSV auf dieser Position noch etwas tun würde, aber mir fehlt der Glaube daran, denn das Geld dafür ist (noch) nicht vorhanden. Es sei denn, es geht noch ein arrivierter Mann, der etwas weiter vorne angesiedelt ist.

Nebenmann von Demel war Heiko Westermann, der diesmal die Mannschaft als Kapitän auf das Feld führen durfte. Der ehemalige Schalker hatte seine stärksten Szenen im Kopfball (offensiv und defensiv), ist aber nicht bei 100 Prozent. Ob er das noch bis zum Saisonstart gegen seinen Ex-Klub schaffen wird? Ein großes Fragezeichen.

Links in der Viererkette spielte der beste Mann des HSV: Ze Roberto. Ganz starke Partie. Der Brasilianer gab sich defensiv keine Blöße und entwickelte viel nach vorne. So, als wenn es „seine“ Position wäre. Gut zu wissen, dass er das auch kann. Wie es scheint, kommt der große Ze noch einmal. Und vielleicht sogar gewaltig.

In der „Zweierkette“ vor der Defensive, die Staubsauger, trat diesmal das Duo David Jarolim/Robert Tesche auf. Beide gut. Tesche hatte starke 30 Minuten, in denen er mutig zur Sache ging, selbstbewusst auch das Spiel nach vorne suchte. Nach einer halben Stunde aber verließ ihn offenbar die Courage, da baute er etwas ab, lag im Abspiel auch einige Male daneben. Dennoch, auch wenn er zur Pause ausgewechselt, die guten Ansätze des Ex-Bielefelders waren unübersehbar. Gut zu wissen, dass ein Mann wie er „hintendran“ ist. Und „Jaro“? Wie sehr er seine Spielweise verändert hat, ist für keinen HSV-Anhänger zu übersehen. Er ist immer um schnelles Spiel bemüht, und im Rückwärtsgang holt er nach wie vor sehr viele Bälle. Dieser David Jarolim wird in dieser HSV-Mannschaft bleiben, und ich gehe auch davon aus, dass er der Kapitän des HSV bleiben wird. Sagt mir nur mein Bauchgefühl, ich habe keinerlei „Beweise“ für meine kühne Behauptung. Abwarten.

Im vorderen Mittelfeld versuchten sich Jonathan Pitroipa, Paolo Guererro und Mladen Petric. Mit durchwachsenem Erfolg. „Piet“ war zwar im Dribbling okay, weil er den Mut zu Alleingängen hatte, aber er verzettelte sich auch zu oft. War der Respekt vor dem „großen FC Chelsea“ zu groß? Zudem offenbarte Pitroipa ungewohnte Schwächen bei der Ballannahme, viel zu oft versprang ihm die Kugel, und meistens dann, wenn er den Raum für seine Sprints gehabt hätte. Zudem legte er den Engländern die Kugel mustergültig zum 1:0 vor (Missverständnis mit Westermann), als er Essien bediente, der zu Lampard passte – Tor (24.).

Guerrero spielte in der Anfangsphase, so hatte ich das Gefühl, gar nicht richtig mit. Zu lässig, zu langsam, zu oft nach hinten mit dem Ball. Nach einer halben Stunde taute er langsam auf, ohne aber jene Ideen und auch Stärken zu zeigen, die er zu Beginn seiner „neuen Karriere“ als „Zehner“ (also in den ersten Testspielen dieser Saison) gezeigt hat. Da werden vom Trainer noch einige Worte kommen müssen, um die richtige Einstellung von der ersten Minute an zeigen zu können. Guerrero ging leicht angeschlagen aus dem Spiel (67.), er wurde von allen Hamburgern auch am meisten getreten.

Über rechts durfte sich einmal mehr Petric versuchen. Mit mäßigem Erfolg. Dort draußen läuft das Spiel einfach zu oft an ihm vorbei, er hat seine Stärke zentral. Immer dann, wenn der Kroate in der Mitte auftauchte, wurde er auch gefährlich. Ein Zeichen für den Trainer? Petric hatte die größte Chance des HSV auf dem Kopf (67., nach Ze-Eckstoß), und er traf auch zum 1:1, als er in eine Rückgabe spritzte (72.). Auf dem Flügel, egal ob links oder rechts, vergeudet Petric für mich zu viel Kraft durch seine langen Läufe nach hinten und nach vorne. Ein Problem, dass Armin Veh lösen muss. Und auch wird.

Ja, und im 4:2:3:1-System bleibt nur noch eine Position: Ruud van Nistelrooy. Das war diesmal nicht sein Abend. Eine Möglichkeit wie die in der 55. Minute, als ihn Pitroipa bediente, lässt sich der Niederländer sonst eigentlich nicht nehmen, diesmal aber drosch er den Ball mit links auf zwölf Meter in den Abendhimmel – und kassierte dafür einige Pfiffe, die aber völlig unangebracht waren.

Was mich an diesem Spiel überraschte: David Rozehnal saß auf der Bank. Als sich meine Überraschung gelegt hatte, war klar: Natürlich, Joris Mathijsen fehlt noch. Da wäre es schon fahrlässig, in einem solchen Spiele einen erfahrenen Mann wie ihn nicht im Kader zu haben. Überrascht war ich auch davon, dass Lotto mit seiner „Perle“ nur aus der Konserve zu hören war. Okay, Lotto war vorher, beim Fan-Fest, zu hören, aber das ist nicht „mein Lotto“. Ich brauche ihn vor der Nordkurve, auf der ausfahrbaren Bühne. Er muss einen Termin gehabt haben . . .

Völlig aus dem Häuschen war ich dann in der 67. Minute, als nicht nur Romeo Castelen eingewechselt wurde, sondern auch Eljero Elia. Wie geht das denn? Der WM-Teilnehmer schon in einem solchen Spiel – traumhaft. Er soll viel im Urlaub getan haben, viel Beachvolleyball gespielt haben, und offensichtlich will er seinen Worten, es allen Hamburgern so richtig zeigen zu wollen, nun Taten folgen lassen. Und er zauberte in den wenigen Minuten ja auch schon in etwa wie bei der WM in den Kurzeinsätzen für die Niederlande. Von den Spielern, die im zweiten Durchgang eingewechselt wurden, hatte für mich Neuzugang Gojko Kacar die besten Szenen. Und natürlich Heung Min Son. Mit seinem Alleingang gegen Carvalho und dem Sieg-Tor. Und habt Ihr einmal drauf geachtet? Wie dieser junge Mann (18 Jahre alt) sich freuen kann, das ist einmalig. So, als wenn er es alles selbst nicht glauben kann.

Der HSV spielte mit Rost; Diekmeier (46. Benjamin), Demel (56. Rincon), Westermann, Ze Roberto; Tesche (46. Kacar), Jarolim; Petric (82. Choupo-Moting), Guerrero (67. Castelen), Pitroipa (67. Elia); Van Nistelrooy (82. Son).

20.05 Uhr

Sommergeschichte von “phonk”

4. August 2010

So, kurz vor dem Chelsea-Spiel schnell noch eine Sommergeschichte. Sie kommt heute von „phonk“, vielen Dank dafür. Es ist eine etwas andere Geschichte, wie man HSV-Fan werden kann – war für mich total neu, dass es auch so geht, aber wie man sieht, es geht.

Bis nach dem Spiel am Abend, viel Spaß nun beim Lesen:

Vom Fußball-Hasser zum HSV-Fan

Als Blog-„Neuling“ wollte ich nun gerne auch eine Sommergeschichte beisteuern, um das immer kleiner werdende Sommerloch zu füllen. Hier nun mein Weg zum HSV:

Bis zu meinem 26. Lebensjahr konnte ich mit Fußball gar nichts anfangen. Mein Vater war zwar aktiver Fußballer und hat auch viel Fußball im TV geschaut, aber mich hat es nicht die Bohne interessiert.
Dann kam der Wandel bei der WM 2006, dort fing ich an, nur die Deutschland-Spiele zu schauen, weil das im Freundeskreis so gemacht wurde, und wurde irgendwie mitgerissen. Nach der WM war das Thema Fußball aber auch wieder vorbei.

Dann kam die EM 2008, und dort wurde das Feuer wieder entfacht. Zudem kam das Wii Spiel PES auf dem Markt, wo man mit „Zeigen“ seine Mannschaft delegiert, und mir wurde viel über Taktik im Fußball klar. Auf einmal war es für mich nicht nur noch „Hin und Her bis irgendwann ein Tor fällt“, sondern ich konnte Spielzüge usw. voraussehen und nachvollziehen. Das war der Punkt an dem ein neuer Fußballfan geboren wurde.

Nun war die EM vorbei, was nun? Wieder zwei Jahre warten? Nein, es muss weitergehen, ich muss Bundesliga schauen . . . Okay. Nur für wen soll ich die Daumen drücken, welcher Verein passt zu mir?

Die erste Überlegung war natürlich es sollte ein Verein in der Nähe sein, um auch mal in Stadion zu können – und aufgrund von Lokalverbundenheit. Als Niedersachse war die Auswahl nun auf zwei Vereine eingegrenzt. Auf den Freundeskreis konnte man nicht setzen, da die alle Bayern-Fans sind. Aber die Münchner mochte ich nun wirklich nicht, da fehlte auch total der Bezug.

Als nächstes kam dann der Blick auf die Tabelle (die Saison lief bereits), und viele werden mich nun als „Erfolgsfan“ bezeichnen: der HSV war auf Rang zwei! Somit war die Entscheidung gefallen. Leider kam nun das nächste Problem: Ich habe kein Sky. Wie soll ich nun den HSV anschauen? Na ja, ich habe mich dann erst einmal mit den EL-Spielen zufrieden gegeben und aus der Bundesliga nur die Zusammenfassungen geschaut.

Und dann kam die Zeit voller Schmerzen, ich hätte damals nicht gedacht, wie sehr man Fan werden kann. Und wie dieses Hobby einen Großteil seiner (meiner) Freizeit einnimmt, wie sehr man mitfiebert und leidet. Und wie man jede Information um den HSV herum aufsaugt und diskutiert.

Ich hätte selbst nicht von mir gedacht, dass ich einmal wegen Fußball (es war das EL-Aus in Fulham) rauchend, mit feuchten Augen, niedergeschlagen auf meiner Terasse stehe und nur Leere spüre! Aber so war es nun, der „Erfolgsfan“ hat die ganze Krise mitgemacht, die Verletzungen, den Absturz aus der EL, die Trainergeschichte, den Hoffenheim-Boykott, den Flaschenwurf und etliche Niederlagen. Aber auch dies machte den HSV so interessant, und somit heißt es: Einmal HSV, immer HSV. Auch in schlechten Zeiten.
Jeden Tag wird der Blog gelesen.

Meine Frau hat mir nun Sky genehmigt, und ein komplettes Fanpaket zum Hochzeitstag geschenkt.
Die neue Saison kann kommen! Aber erst einmal geht es heute ins Stadion gegen Chelsea!

Der Neuling „phonk“

PS: Die Wellen schlugen wieder einmal sehr hoch, in den letzten 24 Stunden – es ging um das Schicksal von David Rozehnal. Diejenigen unter uns, die ihn nie „für voll nahmen“, sollten den Ball flach halten und nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen – Ihr habt doch jetzt, was Ihr haben wolltet. Eines aber sollten alle HSV-Fans bedenken: Er war und ist HSV-Spieler, er kickt noch nicht für Bayern oder für Werder, deswegen muss man einem sicher jetzt sehr unglücklichen Menschen nicht noch zusätzlich mit Hass und Häme begegnen. Denn: Rozehnal ist Profi, er ist aber trotz allem noch ein immer ein Mensch, der Gefühle hat. Darum meine Bitte: Wer ihn jetzt noch immer auf dem Zettel hat, um ihm seine Meinung zu geigen – schluckt es herunter, es muss jetzt ganz sicher nicht mehr sein.

16.05 Uhr