Tagesarchiv für den 2. August 2010

Über die Zukunft der WM-Fahrer

2. August 2010

Vollständig. Endlich sind alle HSV-Profis wieder vereint. Seit diesem Montag sind die fünf letzten WM-Teilnehmer eingetrudelt – und im Training. „Es wird schwer, in drei Wochen so richtig fit zu werden“, sagte Dennis Aogo über die noch verbleibende Zeit bis zum Bundesliga-Start. Bei ihm dürfte es vor allem eng werden, denn er ist noch leicht angeschlagen. Während der WM hat er einen Schlag ins Gesäß erhalten, dadurch wurde ein Nerv in Mitleidenschaft gezogen. In Südafrika wurde der HSV-Profi von DFB-Arzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt (und, ich weiß es, er ist sehr wohl auch Arzt des FC Bayern!) behandelt, noch vor dem ersten Training in Hamburg war Dennis Aogo noch einmal in München, um sich heilen zu lassen – aber am Mittwoch, im Saisoneröffnungsspiel gegen Chelsea, wird er nicht spielen können.

Wobei wir gleich bei einer anderen, vielleicht noch viel wichtigeren Frage wären: Was läuft da mit Juventus Turin? Es soll konkreter werden, so hieß es, aber ginge es nach Dennis Aogo, ist das alles nur halb so wild, denn er sagt: „Ich habe mich immer zum HSV bekannt, der HSV ist ein Klub, bei dem das große Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist, Hamburg ist eine tolle Stadt, hier gibt es die besten Fans und das schönste Stadion – der HSV wäre die beste Lösung für mich.“

Wie gesagt, das wurde heute am 2. August 2010 gesagt. Und um das zu untermauern: Es gibt zwischen dem HSV und Aogos Berater Gordon Stipic schon Gespräche über eine Vertragsverlängerung. Zu Juventus befand Aogo nur noch: „Es ist mehr als ein Gerücht, dass Juventus Turin Interesse hat, aber ich möchte in Hamburg bleiben.“ Was bedeutet: Wenn der HSV Aogos Gehalt erhöht, ist der Abwehrspieler auch künftig an der Elbe zu Hause.

Das trifft übrigens auch auf Joris Mathijsen zu. Der Innenverteidiger hat zwar auch von dem Gerücht erfahren, dass Galatasaray Istanbul an ihm Interesse gezeigt haben soll, aber konkret gab es da nie etwas. „Es hat mich auch nie interessiert, ich bin HSV-Profi. Ich habe davon aber auch nichts so richtig mitbekommen, denn dafür habe ich ja einen Berater . . .“ Mathijsen hat im Moment noch mit einem ganz anderen „Problem“ zu kämpfen: Die WM-Final-Niederlage gegen Spanien steckt noch in den Kleidern. Noch überwiegt die Enttäuschung, was auch verständlich ist: „Ich werde mich erst in einigen Wochen darüber freuen können, dass wir ein so erfolgreiches Turnier gespielt haben.“

Was auch auf Eljero Elia zutreffen müsste. Der Dribbelkünstler aber stellte bei seiner Rückkehr nach Hamburg erst einmal fest: „Ich war nie gegen den HSV, im Gegenteil, es soll jetzt erst so richtig losgehen für mich. Es gab jedoch in der Behandlung meiner Verletzung kleinere Fehler, das habe ich vor der WM kritisiert. Ich habe aber nie gesagt, dass ich den HSV verlassen will – ich war einfach nur sauer.“ Das klingt doch gut. Und ich habe bei Elia auch, das gebe ich gerne zu, ein sehr, sehr gutes Bauchgefühl. Er hat bei der WM in Südafrika nur Kurz-Einsätze gehabt, aber trotz allem viele erfreuliche Szenen. Er hat mehr als nur angedeutet, was er leisten könnte (wenn er nur will!), ich erwarte und erhoffe mir von ihm eine große Saison. Zumal auch er, gerade er, nun einen neuen Trainer hat, der ihn sicherlich anzupacken versteht. Armin Veh ist ein so erfahrener „Hase“ in diesem Geschäft, er wird sich ein Juwel namens Elia schon zurechtbiegen. Davon bin ich absolut überzeugt.

Ob dem Trainer das auch mit Piotr Trochowski gelingen wird? Ihr erinnert Euch, dass Veh das schnelle Spiel mit möglichst wenigen Ballkontakten bevorzugt. Das haben bislang alle Spieler super kapiert, sogar David Jarolim, der die Kugel ja „früher“ ganz gerne von einem zum anderen Strafraum schleppte, hat sich in einem Crash-Kurs schon auf die neue HSV-Spielart eingestellt. Bei „Jaro“ geht es inzwischen auch schon „batsch-batsch-batsch“. Das muss nun auch „Troche“ noch verinnerlichen, sonst könnte es eng werden (für ihn). Also: Weniger Kringel, weniger Spiel in die Breite oder nach hinten, sondern ratz-fatz nach vorne.

Piotr Trochowski hat nur noch einen Vertrag über ein Jahr mit dem HSV. Es wird Zeit, dass es demnächst Klarheit gibt. Entweder verlängern – oder noch jetzt verkaufen? Der Nationalspieler hat sich Ruhe als Grundlage seiner Strategie genommen. Er bleibt gelassen und sagt: „Ich warte die ersten Monate einmal ab, ich habe keine Eile.“ Für ihn spricht die WM-Teilnahme, er ist aktueller deutscher Nationalspieler, er wurde mit dem DFB-Team WM-Dritter – und zudem hat HSV-Sportchef Bastian Reinhardt ja schon signalisiert, dass der Klub gerne mit „Troche“ verlängern würde. Und wer ist noch dafür? Ich.
Aber das ist ja nicht neu für Euch. Das ist keine Provokation (!), jedem seine Meinung – Ihr habt Eure, ich meine. Und gut.

Letzter WM-Fahrer im Bunde ist Marcell Jansen, der ja während der Zeit in Südafrika (und auch danach) mit dem FC Liverpool in Verbindung gebracht wurde. Alles heiße Luft. Oder? Der Linksfuß sagt: „Ich bin beim HSV, ich fühle mich hier wohl, ich habe auch keine Gespräche geführt.“ Zu einem eventuellen Wechsel sagte er: „Das ginge wohl nur dann, wenn ein anderer Klub so richtig viel Geld in die Hand nehmen würde.“ Aber wer will das schon? Ich nicht. Liverpool, so hoffe ich, wohl auch nicht. Jansen sagt dann auch: Ich mache keine Politik, ich trage nichts nach außen – und ich rede erst dann, wenn es etwas zu sagen gibt.“ Und da ist auch okay so.

Insgesamt muss ich schon zugeben: Ich fühle mich jetzt, wo die WM-Fahrer alle dabei sind, noch einen Tick wohler als schon in den Wochen vorher. Meine Lust, meine Spannung und mein Optimismus auf die Bundesliga-Saison legen von Stunde zu Stunde zu, eigentlich könnte es schon morgen losgehen – aber es ist ja kein Wunschkonzert, diese Eliteliga. Und die Herren Nationalspieler müssen ja auch erst einmal wieder so richtig gut im Saft stehen, bevor sie gegen Schalke 04 um die ersten Punkte kämpfen können. Und eventuell gelingt es dem einen oder anderen Spätheimkehrer ja auch nicht, sich bis dahin so hochzufahren, dass er einen Stammplatz für sich beanspruchen darf.

Apropos fahren: Ich habe eine Mail von einem Bus-Hersteller erhalten. Und da sich sicherlich keiner von Euch einen Bus kaufen wird (außer Bob?), gehe ich auch nicht davon aus, dass es sich um den folgenden Beitrag um Schleichwerbung handelt. Die Damen und Herren suchen einen Namen und rufen zu einem Wettbewerb auf – und das gebe ich hiermit nur weiter:

Zur neuen Saison 2010/11 steigt der Münchner Nutzfahrzeug- und Motorenhersteller beim HSV ein und hat damit nach der Partnerschaft mit dem FC Bayern München eine weitere Kooperation mit einem Traditionsverein abgeschlossen. „Der HSV ist einer der erfolgreichsten, großen deutschen Fußballklubs und vertraut bereits seit vielen Jahren auf MAN-Busse. Diese gewachsene Partnerschaft haben wir nun zu einem umfassenderen Sponsorship erweitert”, sagt Frank Lutz, Finanzvorstand der MAN. Katja Kraus, HSV-Vorstandsmitglied, zur neuen Partnerschaft: „Wir freuen uns über die Unterstützung aus München. Für unsere Spieler ist der MAN-Mannschaftsbus wie ein rollendes Wohnzimmer, in dem sie sich sehr wohl fühlen.” Busse der Marken MAN und Neoplan transportieren viele Spitzen-Fußballteams in Europa und Lateinamerika in die Stadien. Allein in Deutschland fahren neun von 18 Bundesligisten Mannschaftsbusse des Münchner DAX-30-Konzerns.

So, und nun rufen MAN und HSV die Fans zur Namensgebung für den Bus auf. Auf der Homepage des HSV, www.hsv.de, haben die Fans ab sofort die Möglichkeit, ihre Namensvorschläge für den Bus per e-Mail (hsv@MANschaftsbus.de) einzusenden. Die besten Vorschläge werden auf der Vereinshomepage zur finalen Abstimmung veröffentlicht. Es gewinnt derjenige Teilnehmer, dessen Vorschlag die meisten Klicks erhalten hat. Als Gewinn wird dieser Fan bei der Taufe des HSV-Mannschaftsbusses am Ende September auf der IAA in Hannover als Taufpate anwesend sein.

20.38 Uhr

Jörgs Sommergeschichte

2. August 2010

Die Sommergeschichten werden rarer, aber der Sommer schleicht sich ja auch auf leisen Sohlen davon – wie es scheint. Heute kommt ein Beitrag von “Jörg1967″, den wir in Längenfeld kennen gelernt – und animiert haben, seine Geschichte aufzuschreiben. Was er auch prompt gemacht hat – vielen Dank, lieber Jörg, eine sehr schöne Story. Ich gebe zu, ich als “Wessi” inhaliere solche Beiträge sehr, sehr gerne, denn ich habe nie geglaubt, dass ich es noch einmal erlebe, dass die Mauer fallen würde. Ich war 1989 und 1990 ja bei Bild, da musste ich als Reporter in die DDR, zwei Monate lang berichtete ich über die DDR-Oberliga, ganz speziell über Dynamo Dresden und den Chemnitzer FC. Es war, das muss ich sagen, eine großartige Zeit, die viel zu schnell vorüber ging, aber die ich heute noch genieße. Auch deshalb, weil ich viele, viele nette Menschen treffen durfte, vor allen Dingen natürlich Fußballer. Mit einigen stehe ich noch heute in Kontakt. Ganz nebenbei: In meinem Schrank daheim liegen noch zwei Original-Trikots von der DDR-Nationalmannschaft, die mir damals Rico Steinmann (Chemnitz) und Frank Lieberam (Dresden) schenkten. So, genug geschwafelt, jetzt geht es mit “Jörg1967″ weiter. Er schrieb:

Hallo Dieter,

bevor ich mit meiner kleinen Sommergeschichte beginne, möchte ich mich nochmals für den Matz-ab-Blog bedanken.
Durch diesen bin ich ganz nah an meinem HSV dran. Die Vielfalt an Informationen (Beiträge, Fotos) hat mich veranlasst, auch das Trainingslager in Längenfeld zu besuchen. Dort habe ich echt nette HSV-Fans und viele Matz-abber aus unserem Blog kennenlernen dürfen. Bedanken möchte ich mich vor allem bei Jacek Dembinski, er hat mich immer auf dem Laufenden gehalten und hat mir und meinem Sohn Timmi es sehr leicht gemacht, uns in die HSV Fan-Familie einzugewöhnen.

Meine Sommergeschichte beginnt vor cirka 31 Jahren. Damals ich war gerade zwölf Jahre (Jörg1967), dass ist mein Baujahr, wie Ihr es Euch ja denken könnt. Ich bin in Altenburg, Thüringen, geboren und in der DDR aufgewachsen. Von klein auf gab es für mich nur Fußball. Mein Vater verfolgte mehr die Bundesliga, statt „unsere” DDR-Oberliga. Er ist Fan des 1.FC Kaiserslautern und schwärmte immer von seinem “Fritz” (Walter), das nur so nebenbei. Mein Vater kommt deswegen ins Spiel, da er immer mein wichtigster Bezugspunkt im Leben war und ist.

1980 besuchte der Cousin meines Vaters mitsamt Familie das erste Mal die DDR, und natürlich uns. Zur Familie, die übrigens aus Wolfsburg stammt, gehört auch Sohn Jens. Der war damals schon HSVer, die Grünen spielten da noch keine Rolle. Er brachte mir eine HSV-Tasse, einen HSV-Bademantel und HSV-Bettwäsche mit. Das habe ich alles noch immer! So etwas gab es im Osten nicht, dass war für mich so besonders – es bedeutete für mich: Ich bin jetzt HSV-Fan!

Da ich zu dieser Zeit um die 13 Jahre alt war, durfte ich leider nie die Europapokalspiele schauen. Zu spät. Mein Vater legte mir dann immer einen Zettel neben das Bett, worauf alle Ergebnisse der deutschen Mannschaften standen. Nur bei den HSV-Spielen standen noch die Torschützen und die Minuten, wann die Tore gefallen waren, mit drauf. Ich freute mich jedes Mal so sehr, dass ich begann Buch, zu führen. Ich notierte von allen HSV-Spielen Datum, Ergebnis, Zuschauerzahl, Torschützen und die Mannschaftsaufstellung.

Am 15. September 1982 war es dann so weit: Europapokal der Landesmeister, BFC Dynamo Berlin gegen „meinen“ HSV. IRRE! Karten gab es keine, der Mielke-Verein hat nur seine Stasimitarbeiter und eine Handvoll HSV-Fans ins Stadion gelassen. 13 000 Zuschauer, es wurde aber offiziell ein ausverkauftes Stadion gemeldet. In das Stadion passen 30 000 Fans.
Zum Glück hatte mein Vater einen Kumpel, der Ende der siebziger Jahre Stammtorhüter beim BFC war: Jürgen Bräunlich, so ist sein Name, er bekam von meinem Vater einen Anruf – ja wir hatten schon Telefon!

„Jürgen, mein Sohn will zum HSV!“ Und der Keeper und Freund meines Vaters besorgte uns tatsächlich drei Eintrittskarten. Mein Vater, Jürgen B. und ich zu „meinem“ Verein. Da gab es nur noch eine Sache: Jürgen Bräunlich sagte zu meinem Vater: „Dein Sohn darf sich nicht regen oder bei einem Tor für den HSV jubeln, dass geht nicht, das ist verboten.“ Das Spiel endete 1:1, „unser“ Tor schoss Jürgen Milewski (das Rückspiel haben wir mit 2:0, dank Jimmy Hartwig und Horst Hrubesch, gewonnen). In der Halbzeitpause, wir saßen in der Kurve unterhalb zweier Imbissbuden, drehte ich mich gerade dorthin – und staunte. Ich sah, wie Franz Beckenbauer, Günter Netzer und „unser“ Präsident Wolfgang Klein dort entlangliefen. Keiner nahm Notiz den Prominenten, nur ich. Als ich aufstehen wollte, um zu den drei Herren zu gehen, hielten mich zwei große Hände fest: Jürgen B. und mein Vater mussten es verhindern, dass ich zu meinen Idolen
gehen konnte, man durfte ja zum Klassenfeind keinen Kontakt haben. Ich weiß nicht, was da gerade in mir vorging, aber es waren Momente die ich nie vergessen werde.

Jimmy Hartwig kam wie alle Spieler ins Stadion gelaufen, nur er machte sich nicht so warm wie die anderen HSV-Spieler. Er lief eine Ehrenrunde, und zwar noch vor Spielbeginn, und er winkte allen zu. Das interessierte außer die paar HSV-Fans nur niemanden. Heute sehe ich das als reine Provokation – der Jimmy war halt schon immer einen kleinen Tick verrückter!

Dass ich seit der Wende schon viele HSV-Spiele gesehen habe, kann sich ja jeder denken. Längenfeld war jetzt noch das I-Tüpfelchen – mit „meinem“ HSV.

15.37 Uhr

In eigener Sache
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