Tagesarchiv für den 1. August 2010

Van Nistelrooy wie eine Klapperschlange

1. August 2010

Ob die Veltins-Arena auf Schalke jemals ein solches Spiel erlebt hat? Da lief ein Fußballspiel ab, und die Stimmung war wie bei einer Beerdigung. Nur gelegentlich feierten die Schalke-Fans den Neu-Hamburger Heiko Westermann mit Sprechchören, ansonsten tote Hose beim Spiel um Platz drei des „Liga-total-Cups“ zwischen dem HSV und dem 1. FC Köln. Nein, doch nicht ganz: Kölner Fans „bettelten“ so lange um die Welle, bis sie dann doch noch in der 44. Minute gestartet wurde, Sechs Mal kreiste la Ola, dann war Schluss. Und am Ende hatte der HSV nach 60 Minuten völlig verdient mit 3:0 gewonnen.

Von der „gedachten“ Hamburger Mannschaft fehlten diesmal (ohne die Torwart-Frage) Joris Mathijsen, Dennis Aogo, Marcell Jansen, Gojko Kacar, Eljero Elia, Piotr Trochowski, Paolo Guerrero und Mladen Petric.

So richtig „ernsthaft“ wurde für meine Begriffe nur bis zum zweiten HSV-Tor gespielt. Im Tor bot Jaroslav Drobny eine fehlerlose Partie, Dennis Diekmeier spielte solide, aber auf seine gefährlichen Vorstöße über die rechte Seite, die ihn in Nürnberg so auszeichneten, warteten die HSV-Fans bis in die Schlussphase. Ich habe es schon mehrfach geschrieben, wiederhole mich nicht gerne, sage aber: Da muss noch eine Steigerung kommen. Guy Demel wirkte souveräner als noch am Vortag gegen Schalke, Westermann war auch noch einen Tick besser als bei der 1:2-Niederlage, obwohl ihm nicht alles hundertprozentig gelang. Ze Roberto „durfte“ erneut hinten links ran, alles was er dort machte, hatte Hand und Fuß – diesmal hatte er sogar auch etliche gute Szenen in der Offensive.

Die „Staubsauger“ vor der Abwehr waren diesmal Robert Tesche und David Jarolim – beide verdienten sich eine Fleißnote, beide spielten sie solide, ohne aber groß aufzufallen. Im Mittelfeld davor waren Romeo Castelen, Eric-Maxim Choupo-Moting und Jonathan Pitroipa. Der Niederländer Castelen kommt allmählich, obwohl ich auch sagen muss, dass er noch einige Zeit „auf die Weide“ muss, bevor er wirklich in der Bundesliga zum Einsatz kommen kann. Immerhin aber ist es erfreulich, dass er überhaupt schon wieder so weit ist, dass er auf diesem Niveau mitmischen kann. Choupo-Moting machte auf mich diesmal einen willigen Eindruck, er lief, er kämpfte, war agil und spielfreudig. Aber dieser Zustand dauerte nur 20 Minuten an, dann ließ er stetig nach. Pitroipa hielt sich diesmal zurück, er wirkte immer noch nicht fit, lief unrund (Knöchelverletzung) und wurde dazu noch böse vom Kölner Brosinski umgetreten, so dass „Piet“ zur Pause ausgetauscht werden musste. Ein solches brutales Foul müsste eigentlich mit Rot bestraft werden, aber die Schiedsrichter müssen sich wahrscheinlich auch erst „einpfeifen“.

Vorne lauerte Ruud van Nistelrooy, und er traf auch wieder zum 1:0. Für mich ist der Niederländer wie eine „Klapperschlange“. Wenn er eine Chance hat, dann beißt er eiskalt zu. Das ist klasse, von dieser Sorte Stürmer gibt es nur ganz, ganz wenige in der Bundesliga.

Allerdings gab es auch an seinem Spiel etwas zu kritisieren. In der 26. Minute schoss er einen Freistoß aus 22 Metern über das Tor. Sehr lässig, zu lässig. Aber dass ein erfahrener Mann wie er nicht protestiert, wenn die Mauer (der Kölner) Schritt für Schritt nach vorne kommt zu zuletzt nur noch sechs Meter vor der Kugel steht, das kann ich nicht begreifen. Das muss reklamiert werden, eher darf ganz einfach nicht geschossen werden, auch der nachsichtigste Schiedsrichter muss dann erkennen, dass das nur noch sechs Meter sind.

Mit der zweiten Halbzeit begann das muntere Tauschen. Kacar und Heung Min Son kamen für Ze Roberto und Pitroipa. Und Kacar war es auch, der sein erstes Tor für den HSV erzielte. Van Nistelrooy legte per Kopf in den Lauf des Serben, der zu Castelen, der zurück, Schuss aus 15 Metern, Tor – 2:0 (36.). Ein Klasse-Angriff des HSV. Sehenswert aber die Szene danach: Ruud van Nistelrooy sprintete regelrecht zu Kacar und sprang dem Torschützen in die Arme. Das war Freude pur mit dem Neuzugang, und es zeigt erneut, wie mannschaftsdienlich van Nistelrooy ist. Großartig.

In der 43. Minute gingen Westermann und van Nistelrooy, Collin Benjamin und Tomas Rincon kamen. Und der zuvor eingewechselte Son hatte zwei Szenen in Folge. Erst scheiterte er nach Choupo-Zuspiel aus 18 Metern am Torwart Varvodic, dann traf Son aus 18 Metern zum 3:0-Endstand (55.). Eine runde Sache, auch wenn es nur noch um die „goldene Ananas“ ging. Pikant am Rande: David Rozehnal und Mickael Tavares liefen sich bis zum Schlusspfiff warm, aber Henrik Dettmann und Robert Labus (kamen in der 48. für Casteeln und Demel) sowie Lennard Sowah (51. für Jarolim) wurden den routinierten Spielern vorgezogen. In der kommenden Woche wird Armin Veh übrigens das Geheimnis lüften, welche Spieler den HSV noch verlassen müssen (sollen).

18.26 Uhr