Tagesarchiv für den 28. Juli 2010

Es gibt nur einen “Jaro”

28. Juli 2010

„Was wird aus Jaro?“ Die am meisten gestellte Frage dieser Tage in Längenfeld. Viele HSV-Fans sorgen sich um die sportliche Zukunft des (ehemaligen) HSV-Kapitäns. Es gab sicher den einen oder anderen Tag, an dem David Jarolim selbst ein wenig gezweifelt hat, aber spätestens in Österreich gibt sich der 31-jährige Tscheche selbst die Antwort: Er kämpft, er beißt, er fightet. Wie immer. „Jaro“ ist ein Vorbild-Profi, er ergibt sich nicht in sein Schicksal. Das sieht man in den Spielen, das sehen die Kiebitze in jedem Training. Er ist einfach schon super drauf, für ihn könnte die Saison schon morgen beginnen: „Ich fühle mich gut, das ist richtig, wir können seit langen Jahren wieder einmal eine richtig gute Vorbereitung absolvieren, mit Kraft, mit Ausdauer, mit allem – das tut uns allen gut, davon werden wir lange profitieren.“

Im Test gegen München 60 spielte er im linken Mittelfeld. Eher eine ungewohnte Position. Dennoch gehörte er zu den Stützen des HSV, über den „Jaro“ sagt: „Wir haben sehr gut angefangen, wir haben das gezeigt, was wir zeigen wollten, aber man hat auch gesehen, dass die Münchner etwas frischer waren. Was bei uns nicht gut war, das war ganz offensichtlich, wir haben doch einige gute Chancen der Löwen zugelassen, das darf nicht passieren. Insgesamt bin ich aber zufrieden.“

Der HSV-Kader ist groß, soll noch verkleinert werden. Ist er aber auch gut genug, um eine erfolgreiche Saison spielen zu können? Jarolim: „Wir haben nur den Pokal und die Bundesliga, da braucht man eigentlich nicht einen so großen Kader wie jetzt, da wird noch erst entschieden, wer gehen muss – aber im Moment sind wir sicher noch zu viele.“ Dann ergänzt der Mittelfeldspieler noch: „Wir sind kein Verein, der viele Spieler ersetzen kann, wir sind nicht Bayern München. Das ist klar. Von daher ist es immer wieder gut, wenn man Konkurrenz hat, das treibt jeden nach vorne. Auch mich natürlich. Ich gehe in meine achte HSV-Saison, ich bin Konkurrenz gewöhnt.“ Über sich fügt er noch an: „Unabhängig von Konkurrenz, ich arbeite sowieso, für mich selber, für die Mannschaft – man muss immer wieder eine Motivation haben.“

Jarolims HSV-Motto: „Wer gut arbeitet – und man muss immer und überall gut arbeiten -, der spielt auch. Das hat sich in der Vergangenheit immer gezeigt, das wird auch in dieser Spielzeit genauso sein, da mache ich mir keine Gedanken. Man muss das gelassen sehen, man muss gut arbeiten – und dann haben wir einen Trainer, der entscheiden wird.“

Über Armin Veh sagt David Jarolim: „Es läuft ganz gut mit ihm, er sieht alles ganz gelassen, er beobachtet sehr viel, er macht sich viele Gedanken, macht sich ein Bild von jedem Spieler – bis jetzt läuft es ganz gut.“

So soll es bleiben. Die Hoffnung auf bessere Zeiten, auf erfolgreiche Zeiten treiben alle an. Trainer, Mannschaft, Vorstand, Fans. Viele Anhänger, die hier in Längenfeld waren, gaben zu, dass sie vor Monaten noch eher pessimistisch waren, nun aber, wo sie sich selbst ein Bild von dem machen konnten, was und wie es im Trainingslager so ablief, sind sie durchaus optimistisch gestimmt. Obwohl, ich höre die Skeptiker schon bis nach Österreich, ich durchaus zugebe, dass die Hoffnung eigentlich vor jeder Saison eine große Rolle gespielt hat. Und dann gab es doch wieder nur Enttäuschungen . . .

David Jarolim hat mit dem HSV noch nichts Großes gewonnen. Obwohl es manchmal so schien, als könne es gelingen. Er sagt über die verpassten Gelegenheiten: „Oft waren wir nah dran, jetzt zweimal hintereinander – das kostet alles Kraft. Aber es ist immer ein Ziel, daran denke ich in der Vorbereitung, daran arbeite ich. Bevor ich den HSV verlasse werde, möchte ich einen Titel gewinnen, das ist mein großes Ziel.“ Über den HSV befindet er: „Der Klub ist mein zweites Zuhause. Das erste ist in Prag, das ist klar, aber wenn man sieben Jahre in Hamburg gelebt hat, da gab es viele schöne Zeiten und viel Freude. Sicher gab es auch einige Enttäuschungen, aber so ist Fußball, das ist das Leben, das gehört dazu.“

Die vergangene Saison wir sicherlich eine der größten Enttäuschungen, die David Jarolim an der Elbe mitgemacht hat. Er hatte lange Urlaub und hat viel über diese Zeit nachgedacht. Sein Fazit: „Ich habe mein Resümee gezogen, ich habe das abgehakt. Das Gute ist, dass es immer wieder von vorne beginnt, es sind neue Leute da, die Mischung ist okay – das Schlechte muss man vergessen, wir müssen uns wieder besser reinkämpfen.“ Er hat dabei ein sehr gutes Gefühl, das gibt er zu. Der Grund: „Die Neuen sind gut, es passt auch vom Charakter her bestens – das ist auch immer wichtig.“

Er sagt es in einem leisen und eher reservierten Tonfall, aber mit einem Male wird er lebhaft, lauter und lacht. Nämlich bei der Frage, ob es nun zwei „Jaros“ beim HSV gibt, ihn und Jaroslav Drobny? „Es gibt nur einen Jaro, es gibt keinen Jaro II, es muss einen anderen Spitznamen für ihn geben. Er ist ein guter Kerl, ein guter Junge, er ist gut für die Mannschaft“, sagt David Jarolim. Mit „er“ ist Drobny gemeint. „Jaro“ nennt ihn Drobo“ und sagt: „Einige sagen es schon, einige noch nicht.“ Er arbeitet auch daran.

Sein zweiter Landsmann beim HSV, David Rozehnal, entwickelt sich seit geraumer Zeit schon zu einem Sorgenkind. Macht sich auch „Jaro“ Sorgen um den Abwehrspieler? „Ich möchte das gar nicht kommentieren, das gehört sich in meinen Augen nicht. Und was heißt Sorgen? Das ist Fußball. Wir reden darüber, natürlich, wir sprechen dieselbe Sprache, aber es ist ganz schwer. Er muss sich da in erster Linie allein rauskämpfen. Vielleicht ist es eher eine mentale Sache, als eine Sache der Beine.“

Eine ganz interessante Frage, neben vielen anderen, spielt sich beim HSV ja auch zwischen den Pfosten ab. Wer wird die Nummer eins? Frank Rost oder Jaroslav Drobny? Jarolim sagt: „Oh, das ist ganz schwer zu sagen. Für mich ist es auch ganz schwer, mich dazu zu äußern, denn ich mag den Frank, und Drobo ist mein Kumpel. Es ist schwer, es ist schwierig, ich möchte mich dazu gar nicht äußern – wenn das okay ist.“ Es ist. Weil dafür eigentlich alle Verständnis aufbringen müssten.

Eine ebenso schwierige Frage ist die, ob David Jarolim Kapitän des HSV bleiben sollte? Er sagt: „Man muss das gelassen sehen. Es ist ein neuer Trainer, er muss sich ein Bild machen, er entscheidet – und er hat mit Sicherheit recht, wenn er sich entschieden hat.“ Wäre „Jaro“ traurig, ohne die Binde? Er sagt: „Das Leben ist dann ja nicht vorbei. Man muss abwarten, es ist ja nicht so, dass es das Entscheidende im Fußball ist.“ Und: „Unabhängig davon, egal wer die Binde hat, wichtig ist, dass jeder ein Ziel hat, dass wir das Optimale herausholen aus dem DFB-Pokal und der Meisterschaft. Ob ich nun die Binde habe, oder nicht, das wird nichts an meinen Leistungen ändern.“ Zum Schluss sagt er: „Ich habe es zwei Jahre gemacht, das war gut. Und man hat gesagt, dass ich schon den Arm dafür habe.“ Für die Binde. Abwarten.

Die Entscheidung liegt, wie „Jaro“ schon sagte, beim Trainer. Der hat sich wohl im Inneren schon entschieden, will diese Entscheidung aber erst verkünden, wenn die Mannschaft komplett beieinander ist – am kommenden Montag.

Erst einmal hat Armin Veh noch andere Baustellen. Zum Beispiel ist eine davon dieses unsägliche Länderspiel am 11. August in Dänemark. Mit vielen HSV-Profis? Und mit keinen vom FC Bayern, Schalke 04, Werder Bremen? Jetzt wurde nämlich vorgeschlagen, dass jene Klubs, die international spielen werden, keine Spieler abstellen sollten. Dazu Veh ein wenig (sehr) aufgebracht: „Das ist eine Frechheit, wenn es so wäre. Was soll das? Das kann ich gar nicht nachvollziehen, das finde ich unmöglich. Ich muss meine Spieler integrieren, das hat doch nichts mit international spielen zu tun. Das macht doch keinen Sinn. Dann sollte man das Länderspiel am besten absagen.“

Ein ganz anderes Thema, dafür aber wesentlich erfreulicher für den HSV, ist mit dem Namen Heung Min Son verbunden. Auch im Spiel gegen München 60, in dem der Koreaner in der zweiten Halbzeit kam, hatte er wieder viele gute und sehr gute Szenen. Das sah auch Veh so, obwohl er auch befand: „Da muss man immer vorsichtig sein. Jetzt habe ich ihn die ganze Zeit schon immer gelobt – und ich höre auch jetzt nicht auf zu loben. Wie er einfach viele, viele Dinge richtig gemacht hat. Und weil, wenn man ihm etwas sagt, er auch gleich versucht, es umzusetzen – auch wenn es ihm nicht immer gleich gelingt.“ Armin Veh prophezeit dem jungen Mann eine große Zukunft: „Er hat die Mentalität, sich auf Dauer durchzusetzen, ich bin überzeugt davon, dass er sich auf Dauer durchsetzen wird.“ Das klingt gut.

Nicht ganz so war die kurze Vorstellung von Eric-Maxim Choupo-Moting. Ein Tribünen-Nachbar von mir sagte etwas sarkastisch: “Choupo spielt so, als wolle er die Trennung vom HSV . . .” Das kann ich mir zwar nicht vorstellen, aber insgesamt glaube ich schon, dass da noch viel, viel mehr kommen muss. Und das ziemlich schnell.

Ein kurzer Trost noch an alle diejenigen, die mit dem 1:1 gegen München 60 nicht zufrieden waren. Armin Veh rückte das Spiel in Schwaz ins rechte Bild: „Ich habe vorher gesagt, dass mich Ergebnisse in den Testspielen nicht interessieren. Diese Spiele bringen trotzdem viel, sie bringen uns Kraft, sie bringen uns weiter, auch wenn man müde ist. Wenn man diese Phase übersteht, wenn man sie auch ohne Verletzte übersteht, dann ist es gut für die Mannschaft.“

Übrigens: Zur System-Änderung befand der Coach noch: „Wir haben gegen 1860 mit der Raute gespielt, aber das soll nicht unser Hauptsystem werden. Nur müssen wir flexibel sein, falls uns mal einige Spieler ausfallen sollten. Wenn alle Spieler an Bord sind, dann haben wir eine Mannschaft, die in dem 4:2:3:1-System besser zurechtkommt.“

So, zur guten Nacht noch ein Satz in eigener Sache. Wie “HK Hans” eben schrieb, hat er keinen Bock mehr auf diesen Blog. Ich kann das sehr gut verstehen, es ist nachvollziehbar, denn immer mehr “Hirnis” schreiben hier die wirklich allerletzten Texte. Ein Beispiel: Ich kenne einen Spieler, der in Hamburgs höchster Liga gekickt hat. Der war auf dem Platz ruhig, unscheinbar, eher der Typ Mitläufer. Hier, bei “Matz ab”, hat er sich einen Verteidiger-Namen gegeben und beißt meistens wie wild um sich. Wer versteht so etwas? Für mich ist das zu hoch, gebe ich ehrlich zu. Muss man, wenn man schon anonym schreibt, ein solches “Tier” werden? Warum das? Ich kann es nicht mehr hören und lesen, wenn ich auf diese Fragen die Antwort bekomme: “Hier sind nur Ja-Sager und Weicheier unterwegs, ich bringe hier die richtige Würze rein.” Toll, ganz, ganz toll. Das ist genau das, was die meisten Blog-Teilnehmer wollen. Genau das. Woher wisst Ihr Neunmalklugen das eigentlich, dass die Menschheit nur auf Eure Würze gewartet hat?
Mann kann doch auch Kritik äußern, ohne beleidigend, ausfallend und pöbelnd zu werden. Andere orientieren sich doch auch an den guten Sitten dieser Gesellschaft. Mir ist das ein Rätsel, wie manche Menschen so ausflippen können. Ich werde darüber bei meiner Rückkehr nochmals mit der Leitung der Internet-Redaktion sprechen, es übersteigt so langsam mein Verständnis für Außenseiter unserer Gesellschaft.
So, meine Lieben, geht es mir jedenfalls wie “HK Hans”, so habe ich auch keinen Bock mehr.
Gute Nacht.

23.40 Uhr

Nächste Einträge »