Tagesarchiv für den 26. Juli 2010

Son – oder “Moin min Sohn”

26. Juli 2010

„Weltklasse!“ Sagte „alnipe“. „Sensationell!“ Sagte „Jacek Dembinski. „Unfassbar schön!“ Sagte „Benno Hafas“. „Ein unvergesslicher Abend!“ Sagte „Jörg1967“. „Traumhaft!“ Sagte „HSV Jonny“. Und, und, und. Alle waren sie restlos begeistert. Frau N. befand: „So viele gut aussehende Männer auf einem Male habe ich noch nie gesehen – großartig!“ Das war die Gattin von „Eiche Nogly“. Ich komme erst jetzt zum Schreiben, es wird ein langer Abend. Nach mir haben das Fan-Fest noch vier Spieler verlassen (obwohl sie lange hätten gehen dürfen): Ruud van Nistelrooy, Paolo Guerrero, Mladen Petric und Frank Rost. Es war, ich möchte die Daheimgebliebenen gewiss nicht neidisch machen, ein hervorragender Abend. Stars zum Anfassen, Stars zum „Anquatschen“, Stars wie Du und ich. Unglaublich. Und „alnipe“ befand: „Alle waren klasse, wirklich alle, du konntest mit allen super reden, keiner von ihnen war arrogant – aber der Beste war David Jarolim.“

Ein Jahr werden die HSV-Fans davon zehren, sie werden nicht eine Sekunde davon verdrängen. Es war ein Erlebnis für alle. Und wirklich alle können sich schon jetzt auf die vielen, vielen tollen Fotos von „Benno Hafas“ freuen – ich freue mich ebenfalls schon jetzt.

Dabei war dieser wunderbare Tag nicht gerade erfreulich verlaufen, denn es gab einige Schrecksekunden – für alle. Guy Demel grätschte beim Nachmittags-Training Jonathan Pitroipa um, der Flügelflitzer musste das Training mit einem dicken rechten Knöchel abbrechen und ins Hotel gefahren werden. Einsatz am Dienstag gegen München 1860 ausgeschlossen, aber immerhin: Es gab keinen Bänderriss. Ze Roberto knickte kurz darauf um, er brach das Training ebenfalls ab, aber am Abend gab er leichte Entwarnung: „Es geht schon wieder besser.“ Und? Einsatz gegen 1860? „Ich denke eher ja.“ Nicht mittrainieren konnte Robert Tesche, der beim Spiel in Reutte einen Ball an den Kopf bekommen hatte. Der Mittelfeldspieler musste am Montag ins Krankenhaus, dort wurde ein Riss im Ohr festgestellt, der geklebt wurde. Am Dienstag soll Tesche aber schon wieder trainieren können. Aber dennoch: Ganz schön viel auf einmal.

Aber es gab auch erfreuliche Dinge zu sehen. So vier Treffer von van Nistelrooy, der unter den Kiebitzen nur für lautes Staunen sorgten. Mit seinen Traumtoren sorgte er für Begeisterung, jeder Treffer für sich ein „Tor des Monats“. Der Niederländer ist auf dem besten Wege, wieder der eiskalte und unfehlbare Knipser zu werden. Hoffentlich bleibt er gesund.

Bei den Spielen (es waren drei Teams beteiligt, eines pausierte stets) mischte auch ein „neuer“ alter Innenverteidiger mit: Bastian Reinhardt. Er hat noch nichts verlernt. Abends flachste ihn dann „Benno Hafas“: „Den Mann würde ich verkaufen.“ Reinhardt: „Nein, kaufen.“ „Benno“: „Nein, verkaufen!“ Reinhardt: „Nein, verkaufen kann man den nicht mehr, für den gäbe es höchstens noch einen alten Käfer . . .“ Ja, die Stimmung in Längenfeld ist nach wie vor gut, auch wenn es nachmittags (ich darf den Wettergott eben nicht zu früh loben) wieder geregnet hat.

Es lief bei diesem Training am Rande erstmals ein kleiner Junge im HSV-Trikot mit der Nummer 40 herum. Oben stand drauf: Son. Der Südkoreaner hat täglich mehr Fans, er rückt immer mehr in den Blickpunkt, denn er zeigt stets sein großes Talent. Bastian Reinhardt lobte den 18-jährigen Stürmer: „Er hat sportlich eine hohe Qualität, hat einen sehr, sehr guten Charakter, ist auch ein lustiger Knabe, er macht gerne das eine oder andere Späßchen. Und er hat unheimlich schnell Deutsch gelernt, er lernt generell schnell. Ich kann nur Gutes über ihn berichten.“

Reinhardt hat im Frühjahr zwei Spiele von Son beobachtet, in denen der Stürmer aber nur zu Kurzeinsätzen kam. Der Sportchef: „Ich habe aber von unseren Trainern gehört, dass er eine Rakete sei, und ich habe darauf vertraut – wie man sieht, völlig zu recht.“ Zwei Jahre steht der Koreaner beim HSV unter Vertrag, aber Reinhardt sagt scherzhaft: „Aber mit einer achtjährigen Option.“ Damit die Konkurrenz nicht wach wird und dem HSV dieses Juwel wegschnappt.

Heung Min Son, der von vielen HSV-Fans in Längenfeld schon „Moin min Sohn“ genannt wird, gab am Nachmittag sein erstes Interview auf Deutsch. Vor uns saß ein junger Mann, der schüchtern, nett, aber auch verlegen und gelegentlich unsicher wirkte. Natürlich war es so, denn allein in einer fremden Welt tut sich jeder schwer – und zum Glück ist Son, der auch von den Kollegen nur Son gerufen wird, mit seinen knapp 18 Jahren noch kein abgezockter Profi.

„Es macht mir Spaß, bei den HSV-Profis zu sein, doch es ist auch anstrengend.“ Dann fügt Son noch – zum allgemeinen Erstaunen – einen netten Spruch an: „Aber kann man mal machen.“ Herrlich.

Er kam vor etwas mehr als zwei Jahren nach Deutschland. Gemeinsam mit fünf anderen jungen Fußballern. Es lief im Rahmen eines Austauschabkommens mit dem Südkoreanischen Fußball-Verband, die fünf Kollegen, die mit ihm kamen, sind längst wieder in der Heimat – er aber blieb: „Ich will hier Profi-Fußballer werden. Das habe ich vor zwei Jahren schon gesagt, aber ich habe nicht gedacht, dass es so schnell gehen würde.“ Son wohnt noch im Jürgen-Werner-Internat in Ochsenzoll (Norderstedt), alle drei Monate kommt sein Vater ihn besuchen, zweimal im Jahr fliegt der junge Mann in die Heimat zu seinen Eltern. Er muss allerdings eine hohe Telefonrechnung haben, denn täglich telefoniert er mit seinen Eltern.

Sein großer Bruder spielte einst auch Fußball, aber er hat sich früh verletzt und musste die Karriere an den Nagel hängen. Son hat vor seinem Wechsel nach Hamburg für den FC Seoul gespielt. Sein fußballerisches Vorbild, so sagt er, ist Ruud van Nistelrooy. Der Niederländer spricht viel mit dem Talent, hilft ihm auf dem Platz und auch daneben. Son wird davon ganz sicher profitieren, es wird ihm helfen, sich schneller im Profi-Fußball zu behaupten. Dass der HSV den Zwei-Jahres-Vertrag mit ihm möglichst schnell verlängern will, freut ihn, er sagt auf die Frage, ob er denn gerne noch länger in Hamburg bleiben würde: „Klar.“ Demnächst will er den Führerschein in Angriff nehmen, denn bislang fährt er noch mit der Bahn zum Training. Auch so etwas gibt es noch.

Zeit für eine Freundin hat er noch nicht, bewusst nicht, er will sich ganz auf den Fußball konzentrieren. Irgendwann, so sagt er, werden sicherlich seine Eltern zu ihm nach Hamburg ziehen – aber er will es, so scheint es, im Moment aus einem bestimmten Grund noch nicht: „Wenn sie kommen würden, dann würde ich mit ihnen Koreanisch sprechen, ich will aber erst einmal richtig gut Deutsch lernen.“

Son allein zu Haus, und er bleibt es wohl vorerst. Ende des Jahres will er sich vielleicht eine eigene Wohnung in Hamburg nehmen. Und bis dahin, so hoffen die HSV-Fans sicher, wird Heung Min Son schon in der Bundesliga ein bekannter Mann sein, der durch etliche Tore auf sich aufmerksam gemacht hat. Dass er hinter solchen Könnern wie Ruud van Nistelrooy, Mladen Petric und Paolo Guerrero wird anstehen müssen, bringt ihn nicht aus der Ruhe. Der Junge ist auch Realist: „Ich bin noch jung, ich bin erst 18 Jahre alt, ich kann noch warten.“
Er ja, aber wir?

23.34 Uhr

Sommergeschichte von Andreas

26. Juli 2010

Bastian Reinhardt ist in Längenfeld eingetroffen, Oliver Scheel auch. Zwei vom Vorstand, na bitte. Pünktlich zum Fan-Fest, das heute steigen wird. Das Wetter hat sich etwas gebessert, es ist kühler geworden, aber es regnet nicht mehr. Was den Fotografen sehr gelegen kommt. Besonders unserem “Benno Hafas”, dem rasenden “Matz-ab-Reporter”. Vielen Dank, lieber “Benno”, für Deinen unermüdlichen Einsatz und für die vielen tollen Fotos, es ist einfach nur zu loben – super, super, Du erfreust mit Deinen stets gelungenen Schnappschüssen jeden User.

Zum Fußball. Erstmalig sprach Sportchef Reinhardt über die Transferperiopde, er kam zu dem Fazit: “Wir hatten viel zu tun, aber wir haben das wohl auch ssehr gut hinbekommen. Auch wenn wir noch den einen oder anderen Spieler abgeben werden, so denke ich, dass wir gut gerüstet in die Saison gehen werden. Wir haben die Jungs bekommen, die wir auch haben wollten, es hat Spaß gebracht.”

Auf die Frage, ob es das nun in Sachen Neuneinkäufe war, antwortete Reinhardt: “Es kann natürlich immer mal etwas passieren, aber wir sind sehr gut aufgestellt, und dich dneke, dass es dabei bleiben wird.” Über die beiden zuletzt Verpflichteten, Heiko Westermann und Gojka Kacar, befand “Basti” Reinhardt: “Ich kann nur Gutes über sie sagen, sie werden uns sportlich nach vorne bringen. Auch vom Charakter her passen sie bestens zu uns. Gojko ist ein ruiher Mann, Heiko ist ein Spieler mit Führungsqualitäten, und er ist genau die Personalie, die wir auf dieser Position gesucht haben.”

Als ich vom Training ging, lief mir ein arrivierter HSV-Profi über den Weg – und wir gingen bis ins Hotel Aqua Dome gemeinsam. Das darf ich eigentlich nicht, denn es wurde gesagt, dass wir die Spieler nicht ansprechen sollen. Was aber ist, wenn es umgekehrt ist? Wir sprachen also, und dieser Spieler, den ich nicht ans Messer liefern möchte, weil er sich ja auch über ein Verbot hinwegsetzte, sagte zu mir: “Wir sind besser geworden als letzte Saison, es kann losgehen, wir werden garantiert besser spielen und besser abschneiden als zuletzt.” Davon gehe ich, ganz nebenbei bemerkt, auch aus.

Reinhardt wurde mit der Frage nach dem Abschneiden 2010/11 ebenfalls konfrontiert. Besser? Ist dieser HSV besser als zuletzt? Der Sportchef: “Davon gehe ich aus. Wir haben Jerome Boateng abgegeben, mit Heiko Westermann eine gnaz erfahrenen Mann hinzu bekommen. Ich hoffe sehr, dass sich das auch in den Ergebnisse niederschlägt, ich glaube, dass wir sportlich einen Schritt nach vorne getan haben.”

Zum Thema Marcell Jansen befand Reinhardt: “Ich habe weder etwas von Liverpool noch von seinem Beratre nichts gehört, von daher beschäftige ich mich überhaupt nicht damit. Wir haben auch nicht vor, Marcell abzugeben.”

Zu dem Gerücht, dass Rafael van der Vaart eventuell zu haben sei, dass der ehemalige HSV-Kapitän eventuell nach Hamburg zurückkehren könnte, befand Reinhardt: “Wir sind mit den Planungen am Ende, ich glaube nicht, dass Raffa noch einmal ein Thema für den HSV wird.” Ist wohl realistisch, denn der HSV kann sich einen solchen “Star” doch gar nicht leisten. In Madrid wird dieser “Raffa” fürstlich und mit Millionen entlohnt. Von solchen Summen kann der HSV nur träumen, solche Gehälter wird der HSV erst dann aufbringen können, wenn er fünf Jahre in Folge Champions League gespielt hat. Na gut, vier . . .

Änis Ben-Hatira trainiert übrigens ab heute zur Probe bei West Ham United, und Mickael Tavares wurde bereits vor längerer Zeit nahegelegt, sich einen anderen Arbeitgeber zu suchen. Wer darüber hinaus noch gehen wird, gehen muss, entscheidet sich erst nach dem Trainingsglager.

So, das war es erst einmal. Gleich geht es zum Nachmittags-Training, aber bevor ich mich auf die Socken mache, gibt es shcnell noch eine Sommergeschichte. Diesmal von Andreas aus Hessen. Ein shcöner Bericht, zu dem ich ganz am Ende noch eine Anmerung machen möchte. Vielen Dank, lieber Andreas, für Deine Mühe – und allen “Matz-abbern” viel Spaß beim Lesen.

“Vergangenheitsbewältigung”

Als Fußballfan erlebt man irgendwann eine Initiation, die einen an einen bestimmten Verein bindet, eine Art „Aha-Erlebnis“. Immer wenn mich einer meiner Fußball-Freunde in der Vergangenheit fragte, wieso ich ausgerechnet HSV-Fan sei, erzählte ich bisher folgende Geschichte:

Anfang der 70er Jahre lebte ich noch in Norderstedt, genauer gesagt in Garstedt, im Hirtenstieg. Wir kickten in einer Straßenmannschaft, ich spielte meistens als Torwart. Unser Lieblingsbolzplatz war der Fußballplatz in der Nervenklinik Ochsenzoll (gibts die heute noch? Jawohl!). Um dort zu kicken, mussten wir möglichst unbeobachtet über den hohen Drahtzaun klettern, der entlang einer Straße parallel zum U-Bahnhof Ochsenzoll verlief und die Klinik umgab. Manchmal kamen auch etwas schräge Vögel dazu, die in der Anstalt einsaßen, und wollten unbedingt mitspielen. Wir haben meist etwas missmutig zugestimmt, aber was blieb uns übrig? Nur wegen ein paar „Bekloppten“ (sorry, aber so hieß das damals bei uns) auf einen Platz zu verzichten, der große Tore und manchmal sogar Netze darin hatte? Niemals. Außerdem hat uns nie einer von denen verraten – Hut ab dafür im Nachhinein! Fußballerisch waren die Jungs sicher keine Offenbarung, aber wir waren irgendwie mächtig stolz auf das ganze Drumherum, unseren Mut usw . . .

Es muss dann Anfang der 70er-Jahre gewesen sein: Im Alter von elf oder zwölf Jahren nahm mich mein Vater das erste Mal mit ins Volksparkstadion, wir saßen sogar auf der Haupttribüne, fast auf Höhe der Mittellinie! Wow, das war was! Ein echtes Fußballstadion, wie überwältigend!!! Dazu noch schönes Sommerwetter, zwei gute Teams – Fußballerherz, was brauchst du mehr. Der HSV spielte zur Saisonvorbereitung gegen die russische Nationalmannschaft. Weder das Spiel noch das Ergebnis ist mir in Erinnerung geblieben, wohl aber folgende Szene: Im Verlauf des Spiels hechtete der damalige HSV-Keeper Arkoc Özcan nach einem Ball und landete dabei ganz unglücklich mit dem Kopf am linken Pfosten. Er musste ausgewechselt werden, für ihn kam der blutjunge Rudi Kargus ins Tor!!! Das war zwar zum damaligen Zeitpunkt noch nichts wirklich Besonderes, aber im Nachhinein bei der „Geburtsstunde“ unseres langjährigen Goalies und späteren „Ab-und-zu-Nationaltorwarts“ dabei gewesen zu sein – für mich als Torwart was ganz Besonderes! Und vor allem hat dieses eine Spiel genügt, mein Herz an den HSV zu binden . . .

Meine Besuche im Volksparkstadion wurden dann leider sehr selten – bis eigentlich gar nicht mehr, weil wir nämlich kurz darauf ins Rhein-Main Gebiet umzogen. Ich fand den Ortswechsel unerträglich, hatte lange Jahre schreckliches Heimweh. Man stelle sich das mal vor, ein Norddeutscher unter lauter geschwätzigen und rudelbildungssüchtigen Hessen! Nicht zum Aushalten.

Mein Heimweh nach Hamburg ging so weit, das ich mich vor mir nicht mehr traute, meiner Anhängerschaft zum HSV nachzugehen – zu schmerzhaft war der Verlust der norddeutschen Heimat und das klare Bewusstsein, in den nächsten Jahren keine Möglichkeit zu haben, nach Hamburg ins Stadion zu fahren. So wurde ich zum stillen HSV-Fan, der seine Leidenschaft nur selten nach außen zeigte.

Das besserte sich natürlich mit den Jahren; ich erlebte die goldenen Zeiten unseres so überaus erfolgreichen „Happel-Teams“ aus der Ferne mit und freute mich still vor mich hin. Nach 1983 und dem letzten Titel rückte dann auch meine Anhängerschaft Schritt für Schritt immer mehr in den Hintergrund; ich wurde zu einem in der Ferne so vor sich hin dümpelnden HSV-Fan, der sein Hauptaugenmerk eher auf andere Dinge gerichtet hatte: Beruf (ich bin Musiker), Heim und Familie.

Das änderte sich dann schlagartig im Mai letzten Jahres, genauer gesagt nach dem totalen K.O. in den vier Spielen gegen Bremen. Hatte ich bis dahin in „sicherer Distanz“ zum HSV gelebt, zog mir dieses Desaster wie aus heiterem Himmel völlig die Füße unter dem Boden weg! Ich fühlte eine solche Trauer, Leere und vor allem Mitgefühl mit „MEINEM“ HSV (Mensch, wie lange hatte ich das nicht mehr gesagt!), dass mir sofort klar war: Jetzt musst du was tun, wenn du so fühlst, bist du genau jetzt als Fan mit deiner Leidenschaft gefragt! Also kaufte ich eine Karte fürs Heimspiel gegen Bochum, und fuhr zum Spiel nach Hamburg, um mit den Fans und der Mannschaft zu trauern, sie und uns wieder aufzubauen!

Mann, was waren das für emotionale Momente. Nach über 30 Jahren der erste Besuch im für mich neuen Stadion haute mich völlig um! Ich hatte einen tollen Platz im Block 28B, ganz nah bei den Fans, wurde dann auch gleich (endlich) HSV-Mitglied und hab mich mit allen Utensilien im Fanshop eingedeckt, die man halt so benötigt.

Und belohnt für mein spätes Outing wurde ich dann postwendend auch noch: Keine drei Wochen später saßen meine 10-jährige Tochter Jule und ich in Frankfurt beim Saison-Finale gegen die Eintracht. Als nach dem zwischenzeitlichen Ausgleich zum 2:2 schon alles verloren schien, schoss Trochowski dieses absurde Siegtor zum 3:2. Seitdem ist Jule glühender HSV- und vor allem Troche-Fan. Wir versuchen so oft es geht, zu den für uns einigermaßen erreichbaren Auswärtsspielen zu fahren, und zwei- bis dreimal pro Spielzeit geht es gemeinsam nach Hamburg ins Stadion – klasse!

Auf die Gefahr hin, das diese Sommergeschichte sehr lang zu werden droht, muss ich noch einmal auf das oben genannte Spiel zurückkommen: In der „Planung“ dieser Sommergeschichte schrieb ich Dieter an und bat ihn um genauere Details zu dem Spiel gegen Russland; hier ein Auszug aus seiner Antwort:

„Ich habe Rudi Kargus angerufen, er sagte mir, dass er NICHT gespielt hat. Er war damals noch Jugendspieler, saß aber zum ersten Mal bei den Profis (und im Volksparkstadion) auf der Bank. Arkoc Özcan ist damals aber nicht ausgewechselt worden, der Rudi weiß genau, dass er nicht zum Einsatz kam. Ich hoffe, es hilft Dir bei Deiner HSV-Vergangenheitsbewältigung.“

Die Bewertung meiner über viele Jahre gewachsenen Verklärung überlasse ich mit einem Schmunzeln Euch; vielleicht war ja einer von Euch damals auch beim Spiel und kann mir mit ein paar Details aushelfen . . .

Für mich bleibt heute eine große Leidenschaft zu einem wunderbaren Verein und das Vergnügen, in einem so einmaligen Blog wie diesem hier dabei sein zu dürfen.

NUR DER HSV!

Andreas Nowak alias Hessen-HSV

PS: Meine Anmerkung. Es ist schon kurios, aber mir ging es nach den verpatzten Werder-Spielen wie Andreas. Am Tag nach der letzten Niederlage marschierte ich zum HSV – und trat dem Klub bei. Ich wollte Flagge zeigen, ganz einfach. Wenn also Andreas eingetreten ist, und ich dann auch – so hatten diese Werder-Pleiten-Spiele doch noch etwas Gutes. Für den HSV – und für uns.

16.43 Uhr