Tagesarchiv für den 25. Juli 2010

Interview mit Ruud van Nistelrooy

25. Juli 2010

Er ist in seiner sagenhaften Karriere Meister der Niederlande, Meister Englands und auch Spaniens geworden – der Titel des deutschen Fußball-Meisters fehlt ihm, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Rudgerus Johannes Martinus van Nistelrooy, der auf der Welt nur als Ruud van Nistelrooy bekannt ist, wurde am 1. Juli 34 Jahre alt, aber er ist heiß, er brennt noch, er will es noch einmal wissen. Und er will mit dem HSV noch Erfolge feiern, mindestens einen Titel gewinnen. In dem nun folgenden Interview spricht der Weltstar, der einst für den PSV Eindhoven, Manchester United und Real Madrid viele, viel Tore erzielte, unglaublich offen, ehrlich und äußerst sympathisch über sich, seine Laufbahn, seine Vereine, seine Rückschläge, seine Erfolge, seine Ziele und sein derzeitiges Befinden.

Frage: Ruud, wie ist im Moment das Befinden, wie geht es nach dem bislang harten Vorbereitungs-Training?
van Nistelrooy: Es geht eigentlich super, es gibt keine Probleme. Ich hatte Urlaub, ich habe trotzdem gut trainiert, ich habe mich erholt – und jetzt geht es mir gut. Ich trainiere und kann jeden Tag weitermachen – das ist für mich fantastisch.

Frage: Fühlen Sie sich so gut wie seit Jahren nicht mehr?
RvN: Ich habe ja seit zwei Jahren keine richtige Vorbereitung gehabt. Und ich kam im Winter zum HSV, hatte zwar eine Basis, aber ja keine vernünftige Vorbereitung. Jetzt hoffe ich auf eine ganze Vorbereitung, damit es eine gute Saison wird.

Frage: Was ist eine gute Saison für Sie?
RvN: Dass ich spiele, dass es gut wird für die Mannschaft, dass ich eine ganze Saison lang fit bleibe. Wenn ich gesund war, dann war ich normalerweise wichtig für meine Mannschaft, und ich hoffe, das ist auch hier der Fall.

Frage: Hoffen Sie darauf, Ihr alte Form zurückgewinnen, dass Sie auch Ihre alte Tor-Quote wieder erreichen können?
RvN: Ja, natürlich. Es gibt Erwartungen von außen, und es gibt meine persönlichen Erwartungen – die sind eigentlich gleich. Mein Ziel ist es in jedem Spiel, gut zu sein und meine Tore zu machen, und ich habe für diese Saison das Gefühl, dass ich auch viel mehr Stürmer spielen werde, als letzte Saison.

Frage: Ja, in der vergangenen Spielzeit mussten Sie ja ab und zu ziemlich weit zurück . . .
RvN: Ab und zu? Aber das ist natürlich eine andere Geschichte, darüber will ich jetzt nicht mehr sprechen. Bei der Taktik, die zum Beispiel der HSV und auch Holland spielen, nämlich 4:2:3:1, da bist du Stürmer. Da muss man auch keine Angst haben, dass man kein Stürmer mehr ist.

Frage: Ihre Torquote war trotz der fehlenden Vorbereitung ja doch noch enorm: Elf Einsätze, fünf Bundesliga-Tore. Das gibt die Hoffnung, dass es in dieser Saison doch noch besser laufen kann und wird, oder?
RvN: Die Erwartungen, als ich zum HSV kam, waren natürlich anders, aber ich war dennoch überrascht, dass es noch einige Tore gab. Meine Erwartungen waren sehr hoch, aber ich wusste auch, von wo ich kam. Ich war ja lange Zeit verletzt. Von daher muss ich zufrieden sein, dass ich noch so viele Einsätze geschafft habe und auch noch einige Tore.

Frage: Was haben Sie für einen Eindruck von der neuen HSV-Mannschaft, die gerade in diesen Tagen zusammengestellt wurde?
RvN: Ich denke, dass wir einen sehr kompletten Kader haben, mit viel Qualität, bislang sind alle fit – wenn wir das so halten können, dann haben wir eine sehr gute Mannschaft. Das müssen wir dann auch umsetzen, dann macht es auch Spaß und Lust, in einem solchen Team zu spielen.

Frage: Haben Sie das Gefühl, dass Sie wegen der verkorksten Saison noch etwas gerade rücken müssen?
RvN: Natürlich, das nehmen wir mit in diese Spielzeit. Die drei Monate, die ich hier war, die waren nicht so wie gedacht, das war eine große Enttäuschung. Für uns, für die Fans, für alle. Jetzt beginnen wir bei Null, wir haben eine neue Chance, den HSV dorthin zu bringen, wohin er auch gehört – nach ganz oben.

Frage: Werden Sie auch verbal mithelfen, werden Sie Ihre Kollegen einschwören auf diese Ziele und auf diese neue Saison?
RvN: Nein, das ist, so glaube ich, nicht nötig. Ich denke, das hat der Trainer einfach geklärt, das hat er schon rüber gebracht auf alle Spieler. Ich denke nicht, dass die Mannschaft noch weitere Motivation braucht, der Trainer ist ganz offen, ganz klar in seinen Ideen. Und er hat der Mannschaft Struktur gegeben, das gibt uns Ruhe auf dem Platz. Ich denke jetzt, dass alles da ist, um eine gute Saison spielen zu können.

Frage: Sie waren im Testspiel beim 6:0 in Reutte HSV-Kapitän, denken Sie darüber nach, dieses Amt auch in Zukunft zu bekleiden?
RvN: Nein, gar nicht. Das ist gar kein Thema für mich. Mal sehen, wie sich das auflöst, ich denke nicht daran.

Frage: Ihr Vertrag läuft noch ein Jahr, gibt es einen Plan, wie lange Sie noch spielen wollen?
RvN: Nein, ich werde von Jahr zu Jahr schauen, das halte ich für sinnvoll. Ich werde mich am Ende der Saison entscheiden, wie es dann weitergehen wird.

Frage: Hängt das auch vom Erfolg ab?
RVN: Nein, es geht darum, wie ich mich physisch und mental fühle. Es kann dann auch mal der Moment kommen, an dem man denkt, dass man besser aufhören sollte.

Frage: Sie spielen hier, Ze Roberto, Robben, Ribery und nun bald auch Ballack für Leverkusen und Raul für Schalke, die Weltstars kommen – ist das eine Aufwertung für die Bundesliga?
RvN: Das ist auf jeden Fall gut für die Bundesliga, das ist ansprechend, denn früher spielten solche Stars nur bei Bayern. Jetzt können auch andere Vereine diese guten und erfahrenen Spieler holen, und das ist gut, das tut ganz sicher der gesamten Liga gut.

Frage: Bestärkt Sie das, dass Sie alles richtig gemacht haben, weil Sie in die Bundesliga gekommen sind?
RvN: Ich denke schon. Es war nicht nur richtig, es ist auch eine gute und wichtige Erfahrung für mich. Hamburg ist eine gute Wahl für mich, ich hoffe nur, dass wir in der neuen Saison auch Erfolg haben werden.

Frage: War es nach der letzten Saison eine Frage für Sie, ob Sie beim HSV bleiben wollen, oder haben Sie gedanklich schon mit anderen Klubs gespielt?
RvN: Nein, es war ganz klar, dass ich bleiben werde, ich habe keine Sekunde an einen Wechsel gedacht. Eine solche Saison wie die letzte ist kein Grund für mich zu sagen, dass ich gehe. Das ist für mich kein Thema.

Frage: Gab es in diesem Sommer Anfragen andere Klubs für Sie, und hören Sie sich diese dann von Ihrem Berater an?
RVN: Er hat mir gesagt, was passiert, dass es einige Möglichkeiten gibt, aber, wie gesagt, dass war überhaupt kein Thema. Ich habe ihm deutlich gesagt, was ich will, und damit war die Sache auch erledigt. Andere Angebote waren mir einfach egal.

Frage: Als Sie kamen, haben Sie den HSV als großen Klub gewürdigt, der große Ziele hat. Als es dann so schlecht lief, haben Sie sich nicht doch einmal gefragt: „Mensch, wo bin ich den hier hinein geraten?“
RvN: Ja, natürlich. Aber ich habe es trotzdem nie bedauert, gekommen zu sein. Was mich betrifft so denke ich, dass wir das, was war, ändern müssen. Das hat zwar am Ende der Saison nicht geklappt, aber da war es eben auch nicht mehr aufzuhalten. Natürlich, als ich gekommen bin, da gab es das Spiel in Stuttgart, in dem ich zwei Tore erzielen konnte – vielleicht hat dieser Erfolg gegen den VfB die Probleme des HSV ein wenig verwischt. Denn danach wurde es schwierig, und wir haben dann die Wende nicht mehr geschafft.

Frage: Was war schwierig?
RvN: Es war viel Unruhe im Verein, man spürt diese Unruhe überall, bei vielen, auch auf der Tribüne. Diese Unruhe ist dann nicht dazu geeignet, um Erfolge zu feiern. Zwei Wochen vor Saisonende war dann auch noch der Trainer weg, so kurz vor dem Europa-League-Halbfinale – das war nicht einfach, nicht einfach für niemanden. Ich denke, dass wir aber in den letzten zwei Spielen doch noch gezeigt haben, dass wir wieder aufgestanden sind. Jetzt werden wir mit einem neuen Trainer, mit neuen Spielern und frischer Energie in die Saison gehen, und ich blicke nicht mehr in die Vergangenheit zurück.

Frage: Wie denken Sie über den neuen HSV-Trainer Armin Veh?
RvN: Er ist ruhig, er sieht alles, er ist sehr direkt in seiner Ansprache. Ich muss sagen, dass er und seine beiden Assistenten sehr gut zusammenarbeiten, das ist die englische Idee. Er erinnert mich auch ein wenig an Alex Ferguson, der sieht auch alles, der hat auch Leute, die die Arbeit auf dem Platz machen. Man sieht, dass Armin Veh Erfahrung hat, dass er schon etwas erlebt hat. Ich denke auch, dass die Art und Weise, wie er mit Spielern umgeht, sehr gut ist.

Frage: In der neuen HSV-Mannschaft wird es auf jeder Position große und gute Konkurrenz geben, wie sehen Sie die Situation im Angriff?
RvN: Es gibt den Stürmer, den Zehner, die Außen. Paolo Guerrero und Mladen Petric können alle Positionen spielen, ich denke für mich bleibt nur eine Position übrig. Es ist gut, dass es diese Möglichkeiten in unserem Kader gibt, es ist gut, dass es Konkurrenz gibt, und wenn etwas passieren sollte, also Verletzungen oder Sperren, dann braucht man auch diese Spieler. Das hat man doch letzte Saison gesehen, da war unser Kader eigentlich zu klein, denn es gab ja viele Verletzten.

Frage: Sie haben ein besonders gutes Verhältnis, so stellt es sich jedenfalls für uns dar, zu HSV-Talent Heung Min Son. Der Stürmer ist erst 18 Jahre alt, kommt gerade aus der A-Jugend – es ist schon ungewöhnlich, dass sich ein Weltstar wie Sie so fürsorglich um einen jungen Spieler kümmert – wieso machen Sie das?
RvN (lacht): So? Ist das so?

Frage: Ja, das ist tatsächlich so, ich habe das beim HSV höchst selten mal so erlebt.
RvN: Ich finde es schön, wenn solche jungen Spieler hoch kommen, daran bin ich interessiert. Ich hoffe, dass sie sich bei uns wohl fühlen, und ich denke dabei auch immer an meine Situation, als ich so alt war, so um die 18 Jahre. Ich mache das eigentlich schon immer so.

Frage: Wie war denn damals für Sie? Hat sich ein Star Ihres Teams auch so intensiv um Sie gekümmert oder bemüht?

RvN: Vielleicht mache ich es gerade darum, weil sich um mich keiner gekümmert hat. Vielleicht arbeite ich so mein Trauma auf . . . Nein, im Ernst, es ist schön. Das habe ich auch in Manchester so gemacht, ich habe mit den jungen Spielern immer schon viel gesprochen und auch viel gelacht.

Frage: Beim Trainingslager kürzlich auf Sylt mussten Sie sich bei den Laufeinheiten richtig quälen, jetzt sieht das alles schon wesentlich besser und lockerer und auch kräftiger aus. Ist das so?
RvN: Es ist jetzt wirklich besser geworden. Auf Sylt war es die erste Trainingswoche, da musste ich richtig beißen, jetzt kann ich schon viel besser laufen. Das gibt mir auch den Mut, weiter zu machen, denn ich habe eine solche Vorbereitung wie jetzt auch noch nie mitgemacht.

Frage: Wieso? Ist diese Vorbereitung so ungewöhnlich?
RvN: Es ist anders. Es ist nicht zu hart, aber es ist viel physische Arbeit, viele Läufe, viel Kraft. Aber ich denke, es ist super für mich. Physisch fängt alles an, damit steht und fällt jede Leistung, wenn es physisch stimmt, dann kann man auch weiter denken.

Frage: Aber was ist denn so anders an diesem HSV-Training?
RvN: Mit großen Mannschaften wie ManU oder Real Madrid hat man gar keine Zeit, so intensiv zu trainieren wie wir jetzt, so blöde wie das auch klingt. Da waren wir mal in Thailand, in Singapur und in Malaysia, da ist man dann jeden Tag woanders, da kommt man mit Jetlag an, was macht man dann? Kraftraum? Läufe? Teamtraining? Das geht gar nicht. Da ist man denn froh, wenn man mal 90 Minuten trainieren kann, und dann geht es auch schon weiter zum nächsten Spiel. Da hat man sich die Kraft und die Kondition dann auch in den Spielen geholt. Deswegen ist unsere jetzige Vorbereitung komplett etwas anderes für mich.

Frage: Sind Sie eigentlich schon einmal mit Ihrer Mannschaft nur auf Platz sieben eingelaufen?
RvN: Ja, das war mit Heerenveen. Und in meiner ersten Profi-Saison, als ich für den FC Den Bosch spielte, endeten wir auf Platz 18. Das war ein Highlight. Wir hatten 15 Punkte, vier Spiele gewonnen, drei Unentschieden – und ich hatte drei Tore gemacht.

Frage: War es eine Enttäuschung für Sie, nicht bei der WM in Südafrika gewesen zu sein, als Nationalspieler der Niederlande?
RvN: Natürlich war das eine Enttäuschung, denn ich wollte dabei sein. Es gab nichts anderes für mich. Ich wollte dabei sein, weil ich gedacht habe, dass wir weit kommen können. Die erste WM-Woche war dann schon ein wenig schwierig für mich, weil ich mein Ziel nicht erreicht hatte – obwohl ich vorher immer daran geglaubt hatte. Aber jetzt gab es einen schönen Urlaub für mich, ich hatte Ruhe – und das ist, so denke ich jetzt, auch ein Vorteil für mich.

Frage: In Längenfeld sind Sie der Liebling der Fans, weibliche Teenager kreischen, wenn sie Sie sehen, es ist so, als seien Sie ein Pop- oder Film-Star. Sie geben bereitwillig Autogramme und posieren für Fotos – ist das normal für Sie, machen Sie das auch gerne?
RvN: Ja und nein. Ich genieße es eigentlich nicht, aber es stört mich auch nicht, es ist okay. Genossen habe ich das ganz am Anfang, zu Beginn meiner Profi-Karriere. Da habe ich es in der Tat genossen, wenn mich jemand in der Stadt erkannt hat. Es war wunderbar, so bekannt zu sein, ein Fußball-Profi zu sein.

Frage: Und heute?
RvN: Heute ist es etwas anderes, ich habe viel mitgemacht. Aber es ist schon schön, dass die Leute so nett sind.

Frage: Wie gehen Sie in Hamburg mit Ihrer Popularität um?
RvN: Da kann ich mich am besten mit einem Fahrrad bewegen . . . Der HSV ist ein sehr offener Verein, da können die Fans fast in die Kabine kommen, der Verein gibt sich volksnah. Das ist das Schöne an Hamburg, aber so jeden Tag – das ist auch anstrengend. In England und Spanien war alles geschlossen, da sieht man niemanden. Da ist der Abstand größer, aber wenn dich dann die Fans dort gesehen haben, zum Beispiel in einem Restaurant, dann sind die echt durchgedreht, das ist eben das andere Extrem.

Frage: Zum Abschluss gefragt: Was muss das Ziel sein für den HSV in der kommenden Saison?
RvN: Wir müssen uns eigentlich hohe Ziele setzen, aber man darf dabei auch die letzte Saison nicht vergessen, was da so ablief. Hohe Ziele bedeuten für uns, dass man auch große, sehr große Schritte machen muss, und das ist immer ein Risiko. Wir müssen es einfach zeigen, wir ziehen uns die Fußballstiefel an und zeigen es einfach auf dem Platz, ohne vorher ein großes Bla-bla-bla zu machen. Es macht auch müde, wenn man immer sagt: Wir spielen um die Meisterschaft, wir wollen in die Champions League. Natürlich wollen wir alle Spiele gewinnen, aber lasst es uns erst einmal zeigen, dass wir es können. Wenn wir dann alle Spiele gewonnen haben, wenn wir es gezeigt haben, dass wir es können, dann können wir auch unsere Ziele aussprechen. Es wäre wirklich nicht schlecht, wenn wir es so machen würden.

Frage: Ist das auch eine Erkenntnis aus der letzten Saison?
RvN: Natürlich. Selbstverständlich wollen wir etwas erreichen, wir sind motiviert, wollen das Maximale schaffen, aber wir müssen es erst einmal zeigen, dass wir das auch tatsächlich aus uns herausholen können. Und das werden wir erst einmal sehen. Natürlich hoffen wir auf ganz große Erfolge – und ich glaube auch fest daran, dass wir Erfolge werden feiern können. Sonst müssten wir das, was wir jetzt tun, diese harte Vorbereitung, gar nicht erst machen – wenn wir nicht an uns und die Erfolge glauben würden.

PS: “Benno Hafas” hat wie immer recht, dieses Interview wurde von der in Längenfeld anwesenden Hamburger “Journalisten-Meute” geführt, ich habe natürlich nicht allein gefragt. Bei “Matz-ab” könnt Ihr allerdings wirklich alle gestellten Fragen lesen, dieses Interview ist ungekürzt – was sich keine Zeitung erlauben kann, weil es zuviel Platz kosten würde. Bei “Matz ab” aber geht so etwas, und das finde ich klasse.

Gute Nacht oder guten Morgen.

23.44 Uhr

Kacars großer Schritt zum HSV

25. Juli 2010

Über die charakterlichen Eigenschaften von Gojko Kacar, das gab Armin Veh zu, kann der HSV-Trainer nicht viel sagen. Aber der Coach hatte sich vor dem Transfer des Berliners nach Hamburg ganz genau über das sportliche Können des 23-jährigen Serben informiert. Veh weiß, was Kacar kann: „Er ist ein Mittelfeldspieler, der auf der Sechs gut spielen kann, der in der Raute auch auf der Acht gut spielen könnte, er ist flexibel einsetzbar. Er hat seine Stärke natürlich auch mit in der Offensive was seine Kopfballstärke anbelangt, aber er ist in der Luft auch sehr defensivstark, was auch sehr wichtig ist, weil wir in der letzten Saison viele Tore nach Standards kassiert haben – ich denke auch, dass er mit 23 Jahren auch ein strategisch denkender Spieler ist, und da erhoffe ich mir schon, dass er sich noch weiterentwickeln wird, und dass er in Konkurrenz zu den guten Spielern stehen wird.“

Die guten Spieler heißen immerhin David Jarolim, Ex-Kapitän, und Ze Roberto, ehemals brasilianischer Nationalspieler. Aber so, wie Armin Veh von dem Neuzugang schwärmt, wird es für einen der beiden arrivierten Spieler wohl sehr schwer werden, seinen Stammplatz zu behalten. Die Frage ist nur, wer derjenige ist, der weichen muss. Kopfballstark ist keiner von beiden. Wobei Armin Veh schon mal ein Lob für Jarolim parat hatte: „Er macht auch schon einen Super-Eindruck.“ Was absolut richtig ist, denn ganz offensichtlich ist „Jaro“ nicht gewillt, seinen Platz kampflos abzugeben. Der Tscheche gibt schon wieder einmal alles, ob im Training oder im Spiel, und er ist ganz offensichtlich darum bemüht, schneller abzuspielen. Er hat die Lektion, die Veh seinem neuen Team bereits verpasst hat, schon kapiert. Das wird für mich ein hochinteressanter Dreikampf.

Am Dienstag, wenn der HSV in Österreich (in Schwaz) auf München 1860 trifft, soll Gojko Kacar seinen Einstand beim HSV feiern. „Ich bin bereit. Ich habe ja auch schon ein Spiel für Hertha bestritten, es kann losgehen.“ Über seinen Wechsel nach Hamburg sagt er: „Ich bin natürlich glücklich, beim HSV zu sein, der Klub ist für mich ein großer Schritt nach vorne. Der HSV ist ein guter Verein, ich denke, dass ich hier noch besser spielen kann – ich blicke nur nach vorne.“ Kacar hat mit Serbien bei der WM gespielt, stand beim 1:0-Sieg gegen Deutschland auf dem Rasen. Ihm war klar, dass er nach dem Turnier Hertha BSC verlassen würde, denn er hatte nicht viel Lust, in Liga zwei zu spielen: „Ich denke, dass ich Erste Liga spielen kann, und da war der HSV eine gute Entscheidung.“

Er trifft ja mit Jaroslav Drobny einen ehemaligen Team-Kollegen aus Berlin wieder, und er freut sich, dass er mit Mladen Petric jugoslawisch sprechen kann. Im Mannschaftshotel Aqua Dome in Längenfeld teilt sich Gojko Kacar ein Zimmer mit Neuzugang Heiko Westermann.

Er will einen Stammplatz beim HSV, das ist klar, sonst wäre er wahrscheinlich nicht gekommen. Aber er weiß auch, dass er sich gegen Könner wie Ze Roberto oder Jarolim wird behaupten und durchsetzen müssen. Kacar, der nach zwei schweren Verletzungen nun schon seit Wochen schmerzfrei ist, sagt optimistisch: „Ich weiß, dass ich große Konkurrenz habe, aber ich glaube an mich und meine Qualitäten. Ich werde kämpfen um meine Position. Wichtig ist, dass Hamburg jedes Spiel gewinnt – und dass ich spiele.“ Über seine Qualitäten verrät er: „In der Jugend habe ich als Verteidiger angefangen, als ich dann Profi wurde, habe ich im Mittefeld gespielt, später in der serbischen U-21-Nationalmannschaft kam ich im Sturm zum Einsatz. Für mich ist aber das beste Gefühl, wenn ich auf dem Platz bin. Und der Trainer soll entscheiden, wo ich spiele – ich würde am liebsten im Mittelfeld spielen.“

Am 11. August, dann wenn Deutschland das Länderspiel in Dänemark bestreiten wird, tritt Serbien gegen Griechenland an. Mit Gojka Kacar? Er sagt: „Darüber habe ich mir keine Gedanken gemacht, ich werde erst einmal mit dem Trainer reden.“ Mit Armin Veh. Vielleicht gibt er ja die Empfehlung, dass sich der Neuling erst einmal auf den HSV konzentrieren soll. Übrigens spricht Kacar schon sehr gut Deutsch – der frühere Student (Technik-Manager) hatte einst in der Schule vier Jahre Deutsch-Unterricht. Verständigungsprobleme dürfte es also keine geben.

Für alle “Matz-abber”, die wie ich rbrndo bestürzt waren über den Unfall Uwe Seelers, sei gesagt: Ich habe am Sonntag mit Ikla Seeler gesprochen, sie sagte mir, dass es ihrem Mann den Umständen entsprechend gut geht. Er ist zu Hause, hat am ganzen Körper Blutergüsse und wurde an der Stirn genäht. “Uns Uwe” hatte Glück im Unglück, als ein rasender Autofahrer kurz vor dem Elbtunnel (aus Süden kommend) auf den Mercedes seines Managers Werner Treimetten auffuhr. Das gerammte Auto prallte gegen eine Wand, dann gegen die andere, drehte sich zweimal und blieb entgegen der Fahrtrichtung stehen. Ilka Seeler: “Zum Glück hat der Schutzengel nicht geschlafen.” Ja, welch ein Glück!

Liebe Grüße an Sie, Herr Seeler, und schnelle Besserung – das wünschen Ihnen alle “Matz-abber” (und Herr Seeler weiß, was “Matz-abber” sind).

Und ganz kurz noch zu Marcell Jansen und dem FC Liverpool. Dieses Gerücht gibt es auch in Längenfeld, der HSV will davon nichts wissen – ich auch nicht. Absolut nicht.

23.39 Uhr

Von Redens WM-Erlebnisse, Teil drei

25. Juli 2010

Teil drei der sommerlichen WM-Geschichten unseres „Blog“-Anwalts Alexander von Reden steht noch aus – hier kommt er nun. Es ist unglaublich, wie viel Arbeit in diesen Beiträgen steckt, der „Doc“ hat alles mit viel, viel Liebe geschrieben, ich habe diese Beiträge inhaliert. Großartig, Alex, einfach nur großartig. Vielen Dank dafür, und ich wünsche allen „Matz-abber“ erneut viel Spaß beim Lesen. Los geht es:

3. Teil:

Deutschland – Ghana

Holland – Japan und

Portugal – Brasilien

Diese Spiele standen bei uns noch auf dem Programm der Spiele, für die wir Karten hatten.

Nervosität vor unserem entscheidenden Gruppenspiel machte sich bereits zwei Tage vor dem Spieltag breit. Dies lag weniger an der Vermutung, dass wir zum Weiterkommen aller Voraussicht nach das Spiel unbedingt gewinnen mussten, sondern eher am Respekt vor den Temperaturen, die uns in Johannesburg erwarten würden. Während wir uns in Durban bei sommerlichen Temperaturen in der Sonne geaalt haben, wurde man abends bei der Wettervorhersage des südafrikanischen Fernsehens mit Meldungen über Schneestürmen in anderen Teilen des Landes überrascht. Nachdem ich zu diesem Zeitpunkt bereits – meinen Urlaub in Asien eingerechnet – 3,5 Wochen in absoluter Wärme verbracht hatte, wurde mir beim Anblick von Sepp Blatter im Wintermantel während eines anderen WM Vorrundenspiels, das in Johannesburg ausgetragen wurde, mulmig zumute.

Was also tun Die Devise hieß: Ab in den nächsten Fanshop, in dem dann Wollmütze mit „Germany Aufdruck“ sowie andere Fan Utensilien gekauft wurden, die zumindest danach aussahen, als könnten sie der Kälte trotzen.

Nach Landung in Johannesburg und beim Anblick der mit Holzscheite gefüllten Mülltonnen, die beim dortigen Fan Fest (riesengroß) aufgebaut waren, um den Fans einigermaßen erträgliche Temperaturen beim Public Viewing zu verschaffen war mir klar, dass unsere Maßnahmen genau die richtigen waren.

So waren die zwei Grad, die uns dann zum abendlichen Anpfiff in „Soccer City“ in Johannesburg erwarteten, nicht wirklich angenehm. Ein Temperaturunterschied von über 20 Grad im Vergleich zu Durban, das gerade einmal 40 Flugminuten von Johannesburg entfernt liegt… Wahnsinn.

Beim Spiel selber herrschte wiederum eine tolle Stimmung. Dies lag nicht zuletzt daran, dass cirka ¾ der Stadionbesucher in sympathischer Art und Weise das Team von Ghana unterstützten. Wir Deutschen waren wiederum in der Minderzahl. Umso schöner war es, dass sich nach dem Abpfiff alle Anhänger in den Armen lagen, da ja beide Mannschaften weiterkamen. Es war wirklich eine klasse Atmosphäre.

In meinem an anderer Stelle erwähnten Interview mit ESPN nach dem Spiel wurde ich dann nach unseren Chancen im folgenden Spiel gegen England befragt. Ich erwiderte nur: „If we went straight to penalties, our chances for a win would amount to 100 %.”

Nach dem Spiel ging es dann wieder direkt zurück zum Flughafen. Dort mussten wir feststellen, dass unser Flug gestrichen wurde und wir auf eine spätere Maschine, die um 4.15 Uhr morgens los fliegen sollte, umgebucht wurden. Später fanden wir dann auch heraus, warum unser ursprünglicher Flug nicht stattfand: Wir drei waren die einzigen Passagiere und da hat man wohl aus ökonomischen Gründen entschieden, den Flug ausfallen zu lassen. Na ja, Steak und Bier am Flughafen waren immerhin lecker.

Ziemlich kaputt kamen wir dann am frühen Morgen in Durban an und fielen gegen 6 Uhr morgens in die Betten. An besonders viel Schlaf war allerdings nicht zu denken, da ab crika 10 Uhr die holländischen Fans auf der Promenade einfielen und ein riesengroßen Radau veranstalteten. Das Spiel Holland – Japan, das am frühen Nachmittag angepfiffen wurde, stand bevor. Ein Meer von Oranje, das die Fanmeile und die Strandcafes und Restaurants eroberte. Nachdem die Versuche, sich mit holländischen Schlachtengesängen wieder in den Schlaf singen zu lassen, kläglich gescheitert waren, beschlossen wir, zumindest Farbe zu bekennen und uns in unseren Deutschland Trikots unter die orangene Masse zu mischen. Da wir ursprünglich keine Tickets für dieses Spiel hatten, beschlossen wir, Joris, Elia und Co. beim Public Viewing zu bewundern.

Dieser Plan sollte sich allerdings schnell ändern: Auf der Promenade sprach und ein Reiseveranstalter an, der offensichtlich sein vor der WM erworbenes Ticketkontingent nicht losgeworden war und bot uns zwei Tickets für die Hälfte des offiziellen FIFA-Verkaufspreises an. Wir schlugen sofort zu und waren damit 14 Stunden nachdem wir das Stadion in Johannesburg verlassen hatten, schon wieder mittendrin statt nur dabei.

Das Spiel selber bot wenig an Höhepunkten. Dafür weckten zwei Personen, die unmittelbar hinter mir saßen, Mordgelüste in mir: The lawyer was almost getting wild!!! Aber wenn mir über 90 Minuten ununterbrochen Vuvuzela-Getröte ins Ohr hallt (ich frage mich bis heute, wie man so eine Ausdauer haben kann), dann kommt man schon einmal auf die Idee, sich einfach umzudrehen und den Störenfried den Vuvuzela-Erstickungstod erleiden zu lassen. Mal sehen, wie meine Vorderleute reagieren werden, wenn ich beim ersten HSV-Heimspiel meine Vuvuzela auspacke. Vielleicht sollte ich ja doch vorher mein Testament schreiben.

Das letzte Spiel, das wir live sehen wollten war dann von den Spielernamen her das Größte: Portugal – Brasilien, Ronaldo – Kaka . . . Es sollte aber, wie aufgrund der Tabellenkonstellation vorherzusehen war, dann das Langweiligste werden. Dies tat der Stimmung jedoch keinen Abbruch. Natürlich habe ich an diesem Tag mein HSV-Trikot mit Ze-Roberto-Aufdruck getragen und wurde dann auch tatsächlich von einigen Brasilianern auf den großen Ze angesprochen, der in Brasilien allerdings – so meinte es „Dembinski“ in einem seiner Beiträge im Blog einmal – anscheinend keine so große Popularität genießt, was eigentlich überraschend ist.

Es gäbe noch so viel mehr zu berichten, insbesondere von den Begegnungen abseits der Stadien, zum Beispiel von unserem korpulenten farbigen Zimmermädchen, das vor Rührung in Tränen ausgebrochen ist und mich so fest an ihre breite Brust drückte, dass ich fast keine Luft mehr bekam – nur weil ich ihr am letzten Tag zehn EUR (so wie ich hörte mehr als ihr normaler Tagesverdienst) in die Hand gedrückt hatte, als Dank für ihre zuverlässige Arbeit. Oder von dem Flughafen-Manager in Port Elisabeth, der uns spontan zu ein paar Bieren einlud, um uns die Wartezeit auf unseren Rückflug zu verkürzen und der alles über Deutschland wissen wollte. Und uns stolz Einblicke in die so vielfältigen südafrikanischen Kultur und die Sprachenvielfalt gab, aber das würde den Rahmen hier nun wirklich sprengen.

Da es in diesem Blog außerdem um Fußball geht, werde ich jetzt auch nicht von meinem Erlebnissen im südafrikanischen Nachtleben berichten; und lasse ebenfalls Berichte über meinen letzten Abend aus, an dem ich gemeinsam mit drei südafrikanischen Blondinen Durban’s Bars und Clubs unsicher gemacht habe. Das könnt Ihr dann vielleicht später einmal in einer Kolumne „Meine schönsten Ferienerlebnisse“ in dem Blatt mit den vier Buchstaben nachlesen . Aber Spaß beiseite: Es war ein extrem witziger Abend.

Zusammenfassend kann ich nur sagen:

Es war eine klasse Zeit, an die ich noch sehr lange zurückdenken werde. Eine ausgelassene Stimmung in den Stadien und auf den Fanfesten und Südafrikaner, die extrem freundlich und hilfsbereit waren. Wir haben uns zu jeder Zeit sehr sicher gefühlt, da Polizei und Sicherheitsdienste ohne aufdringlich zu sein immer sehr präsent waren.

Südafrika, danke. Du warst wirklich ein toller Gastgeber.

The End .

Der aktuelle Sonntags-Artikel aus Längenfeld steht hinter diesem Beitrag.

17.49 Uhr

Veh wird den Kader verkleinern

25. Juli 2010

Die vier Yetis – frei nach “Trapper Doc Seitenberg” – sind jetzt endlich eingesperrt. Es lebt nur noch ein Yeti. So könnte das Sonntags-Fazit lauten. Ich habe, wie Ihr Euch sicher denken könnt, nicht nur mal so eben aus Spaß viermal auf die Sendentaste gedrückt, um Euch zu verwirren. Nein, so war es nicht. Es war ein wenig wie Sylt, die Nummer mit dem Mülleimer und der Bushaltestelle – wer sich noch erinnert. Auf der Rückfahrt von Reutte, das ist jene Stadt in Österreich, in der der HSV am Sonnabend 6:0 gewann, fuhr nicht ich den HA-Leihwagen, sondern der Kollege Marcus Scholz. Ich hinten auf der Rückbank, tüchtig und schnell in die Tasten hauend. Und als der Text endlich fertig war, näherten wir uns den ganz großen Bergen. Und den Tunnels. Ja, so war das. Und wie dann einen Text zu „Matz ab“ übermitteln?

Es war dunkel, es ging rauf und runter, es goss (draußen!), es gab Schlaglöcher (die gibt es auch in Österreich!) und es gab auch Baustellen (gibt es auch in Österreich), und der Kollege Scholz drückte auf das Gas, weil er Hunger hatte. Und was ist Hunger? Schlimmer als jede Text-Übermittlung nach Hamburg. Selbst wenn man gerade durch Fernpass fährt, oder wenn man sich auf Höhe (unten allerdings, ganz weit unten) der Zugspitze befindet. Ich also alles versucht, was ich machen konnte, um den Text für Euch lesbar zu machen. Vielen Dank noch an den Kollegen Matthias Linnenbrügger, der vorne rechts saß und mir half, als ich feststellte, dass ich keine Maus dabei hatte. Rechte Maus-Taste anklicken? Das war wohl nicht – ohne Maus! Also half „Linne“, sonst wäre der Text nie angekommen.

Als ich sendete, durchfuhren wir gerade einen cirka fünf Kilometer langen Tunnel. Ich hatte immer noch ein Internet-Signal, obwohl ich das im Tunnel für eine absolute Sensation hielt. Unser „Navi“ hatte sich kurzerhand abgemeldet, indem die Damel freundlich aber bestimmt mitteilte: „Kein Empfang, auf Wiedersehen. Bis nach dem Tunnel.“ Ich hatte Empfang, also haute ich rauf auf die Taste. Und es dauerte und dauerte und dauerte. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass überhaupt etwas ankommen würde. Also haute ich einige Male drauf. Der Verzweiflung nahe, wie die Kollegen bezeugen könnten, ich war übel gelaunt, weil die Umstände so bitter und schrecklich waren: Schlagloch, Kurven, Tunnel, Berge, Vettel-Manier – nichts wollte scheinbar klappen. Irgendwann schaute ich dann nach, ob etwas angekommen sei – und siehe da, es war. Ich sah aber nur oben (einmal kurz) nach, dann war ich raus aus dem Tunnel und dem Internet. Irgendwann in der Nacht (im Hotelzimmer, in dem ich immer noch allein bin!) sah ich dann die vier Yetis. Aber ich wollte auch nicht einen Yeti missen, weil ich befürchtete, dass wenn ich sie löschen würde mir Reinhold Messner aufs Dach steigen würde. Also ließ ich sie drin, rief morgens in der HA-Redaktion an, bat darum, drei von den vier Yteis zu löschen – und das geschah denn auch prompt Nicht! Der Retter kam von außerhalb, wenn auch etwas später.
Ich entschuldige mich für alle Unannehmlichkeiten, die Ihr durch die vier Yetis hattet, es soll nicht wieder vorkommen. Obwohl: Am 27. Juli (Dienstag) spielt der HSV in Schanz (das liegt hinter Innsbruck) erst um 20.15 Uhr gegen München 1860. Da könnte es eine ähnliche Konstellation geben, wie an diesem Sonnabend: Scholz fliegt wie Vettel, Matz sitzt hinten und will senden . . . Ihr kennt es ja nun, wie es zugehen kann. Lasst Euch überraschen.

Zum heutigen Sonntag: Die Feldspieler liefen heute durch die Botanik rund um das Super-Hotel Aqua Dome. Es regnete nicht, es regnet auch jetzt nicht, es ist kühler geworden, aber die Sonne scheint. Heute am späten Nachmittag wird die Mannschaft noch eine längere Fahrradtour unternehmen.

Um nicht gänzlich abzuschweifen vom Thema: Morgens hatten sich nur die Torhüter am Platz sehen lassen. Unter der Regie von TT Ronny Teuber wurde Beach-Volleyball gespielt. Beobachter am Rande waren einige „Matz-abber“, wie „Benno Hafas“ oder „alnipe“, und die berichteten von ganz großem Sport. BH befand: „Das war enorm anstrengend für die Torhüter, sie gaben alles.“ Anstrengend auch, weil ein Mann wie Frank Rost auch bei einem solchen Spiel nur eines will: gewinnen. Allein deshalb geht es auch immer absolut ernsthaft und mit vollstem Einsatz zu.

Es spielte das Duo Rost (Wolfgang Hesl gegen Teuber/Jaroslav Drobny. Rost/Hesl gewannen 3:0 nach Sätzen, obwohl Teuber befand: „Es war einige Male ganz schön eng.“ Auch das anschließende Fußball-Tennis-Match ging an Rost/Hesl, aber auch das war keine Überraschung, denn sie gewinnen immer. Auch wenn die Feldspieler teilnehmen. Ganz nebenbei: Als Frank Rost einmal einen Ball mit Auge ins Aus fliegen ließ, zollten ihm die „Matz-abber“ laute Anerkennung. Der Torwart antwortete: „20 Jahre Torhüter, da weißt du wo das Tor steht . . .“ Herrlich. Übrigens stellten alle „Matz-abber“ einheitlich fest: „Rost wirkt absolut topfit.“ Diesen Eindruck kann ich nur bestätigen.

Mit Armin Veh gab es heute auch noch ein Gespräch. Dabei wurde auch noch kurz über den Abstecher nach Reutte philosophiert. 6:0 gewonnen, aber das Fazit fiel ernüchternd aus: Das sind Spiele, die niemand braucht. Veh: „Das war ein Gegner, der nicht einmal versucht hat, ein Tor gegen uns zu schießen. Selbst in der Schlussphase gab der Trainer noch die Anweisung: Zurück!“ Mehr Beton ging nicht. Ich muss zugeben, dass ich selten einmal einen solchen Kick gesehen habe. Aber die Reutter werden zufrieden gewesen sein.

Die einzige Erkenntnis, die Armin Veh aus diesen 90 Minuten mitnehmen konnte war die: Romeo Castelen hat erstmalig wieder mitgewirkt. Veh: „Ich habe ihm dazu gratuliert. Vorher habe ich ihm gesagt: Du sagst mir, wenn du irgendwann mal wieder mitspielen willst. Und dann meldete er sich am Sonnabend und sagte: heute. Er hat das gut gemacht, ich möchte ihn auch in den nächsten Spielen gerne einsetzen.“ Castelen trainiert auch in Österreich schmerzfrei mit, und wenn er erst wieder vollstes Zutrauen zu sich hat, die Gewissheit spürt, dass er nicht gleich wieder verletzt ist, dann wird er sicher noch zeigen können, wie gut er einst war – und wie gut er vielleicht wieder werden könnte. Auch wenn ich jetzt schon wieder die vielen, vielen Skeptiker sehe, wie sie ihre Hände vor das Gesicht schlagen.
Die Hoffnung stirbt zuletzt. Auch für Castelen. Wie schön wäre es denn, wenn der HSV noch durch die „Hintertür“ noch einen weiteren Neuling für sich verbuchen könnte.

Obwohl es ja auch ohne Castelen schon reichlich HSV-Profis gibt. Armin Veh wartet ja noch auf fünf WM-Teilnehmer, die sich am 2. August wieder in Hamburg einfinden werden – und die dann auch sofort trainieren müssen. Res gibt viel zu tun, vor allen Dingen aber auch aufzuholen. Veh: „Ich weiß aber nicht, wie lange es dauern wird, bis sie ihre Qualitäten wiederhaben. Sie müssten eigentlich gleich wieder bei der Mannschaft sein, aber geht das überhaupt? Eines ist klar, Joris Mathijsen wird nicht so viel Zeit haben wie die anderen, den brauche ich natürlich dahinten. Und ich brauche auch einen Verteidiger auf links, das ist auch klar.“

Am Kader wird sich nicht mehr viel verändern. Neueinkäufe solle s laut Armin Veh eigentlich nicht mehr geben – aber wer weiß schon, ob sich nicht noch der eine oder andere der arrivierten Spieler zum Wechsel zu einem anderen Klub entschließen wird – oder durch die entsprechende Finanzspritze „entschlossen“ wird. Ansonsten sind keine weiteren Einkäufe mehr geplant. Ganz im Gegenteil. Veh will nur mit 25 Spielern, darunter die drei Torhüter, in die Saison starten. Also wird noch „aussortiert“. Drei oder vier Profis werden noch gehen müssen, so Veh. Für mich wäre es keine Überraschung, wenn Eric-Maxim Choupo-Moting gehen müsste, aber noch steht das nicht fest, noch will Armin Veh seine Beobachtungsphase nicht abbrechen.

Kurz noch zum Länderspiel am 11. August in Dänemark. Zu diesem überflüssigsten Kick in der Geschichte des Fußballs würden wohl auch die HSV-Spieler schon wieder am 9. August abkommandiert werden. Armin Veh erwartet es wohl mit Spannung, ob auch die Spieler des FC Bayern dann einberufen werden. Der HSV-Coach eisern: „Sollten die Bayern nicht nominiert werden, unsere Spieler aber ja, dann hätte er mir ein Problem.“ Mit „er“ ist Bundestrainer Joachim Löw gemeint. Denn Armin Veh sagt: „Die einen dürfen nicht, und die anderen müssen mit – wo gibt es denn so etwas? Das gibt es schon mal gar nicht. Aber ich stelle die Nationalmannschaft nicht auf. Und van Gaal auch nicht.“

Zum Abschluss noch einmal zurück zum HSV, genauer zu Heung Min Son. Der Koreaner schoss ja auch in Reutte zwei Tore, und Armin Veh befand heute einmal mehr: “Ein guter Junge. Als Trainer muss man ja aufpassen, was man sagt, aber er ist ein Junge, über den man sagen muss. Er kann mit seinen 18 Jahren schon Dinge, die viele Spieler nicht mit 30 können. Er ist schon ziemlich weit, auch außerhalb des Platzes – er ist schon sehr diszipliniert.”

Wäre es nicht super, wenn der HSV endlich einmal “einen” hätte, der schon als “Jüngling” so richtig mitmischt? So eine Art “Mini-Messi”? Ich fände es nur einfach nur HERRLICH. Und träumen wird man ja wohl mal dürfen, oder?

PS: Im Anschluss daran werde ich sofort den dritten Teil der WM-Geschichte von “Blog”-Anwalt Alexander von Reden reinstellen. Dieser Bericht fällt dann eine Stufe herunter.

17.45 Uhr