Tagesarchiv für den 21. Juli 2010

Der Kampf um die Stammplätze

21. Juli 2010

Jetzt steht es fest: Auf den Wetterbericht in Österreich kann sich der HSV (auch) nicht verlassen. Regen war erst für den Donnerstag angesagt, aber pünktlich mit dem Trainingsbeginn um 17 Uhr goss es wie aus Eimern. Herrlich anzusehen, als Hamburger wusste man ja schon gar nicht mehr, wie sich Regen anfühlt. Und dann die Frisuren. Wie gegossene Pudel sahen einige aus, und bei Co-Trainer Michael Oenning habe ich tatsächlich gerätselt? Wer ist das? So habe ich den ehemaligen Nürnberger noch nie gesehen, die Haare lagen so „angeklatscht“ auf dem Kopf, dass ich gedacht habe: „Noch ein Neuer.“ Als nach 45 Minuten die Sonne wieder schien, war es aber doch wieder Oenning. Und über den Regen dürften die Spieler sehr froh gewesen sein, denn sie wurden, wie bereits in Hamburg im Volkspark, ganz schön hart ran genommen. „Regen ist super, viel besser als diese Wärme, die wäre nicht auszuhalten“, sagte Physiotherapeut Uwe Eplinius im Vorübergehen. So hat das Wasser von oben eben auch seine guten Seiten. Und wenn es die Spieler erfreut – dann doch ohnehin, oder?

Und wenn ich gedacht habe, dass an Stelle von Oenning ein Neuer da sei, so muss ich gestehen, dass mir die Botschaften aus der Heimat ein wenig rätselhaft vorgekommen sind. Ich meine die Posse um Heiko Westermann. Kommt er, oder kommt er nicht? Das ist hier keine Frage. Er kommt natürlich. Vielleicht schon heute kurz vor Mitternacht, sonst aber im Lauf des Vormittags. Daran besteht keinerlei Zweifel. Mal nebenbei: Auf dem Trainingsgelände in Längenfeld hörte ich folgende Geschichte: Im SC-Forum wurde geschrieben: Matz ab meldet soeben, dass Heiko Westermann zum HSV wechselt, es ist perfekt.“ Daraufhin soll ein anderer User geschrieben haben: „Mist, dann kommt Westermann ja doch nicht . . .“ Ist der Ruf erst ruiniert, schreibt es sich ganz ungeniert.

Schnell noch dazu, wer mit und wer nicht mit ist: Marcus Berg fehlt, den er wechselt für ein Jahr zum PSV Eindhoven, die Leihgebühr soll eine Million Euro betragen. Innenverteidiger Muhamed Besic fehlt ebenfalls, und zwar wegen einer Hand-Operation (Knochenabsplitterung). Dafür sind zwei WM-Fahrer neu zur Mannschaft gestoßen: Guy Demel und Eric-Maxim Choupo-Moting. Zwei (ehemalige?) Wackelkandidaten.

Zwei Spieler, die um eine bessere Saison beim HSV kämpfen werden, kämpfen müssen. Demel wirkt erholt, sagt aber von sich, dass er etwas zugenommen hat: „Ich hatte für die Zeit nach der WM kein Programm bekommen, und ich habe auch nichts getan – ich habe mich nur erholt, das brauchte ich einmal.“ Er will so schnell wie möglich sein altes Kampfgewicht wieder zurück, heute lief er nur zum Auftakt – gemeinsam mit Choupo-Moting (beide müssen langsam einsteigen) und mit dem noch leicht angeschlagenen Ze Roberto, der im Juventus-Spiel zusammengetreten worden war.

Demel stellt sich darauf ein, dass er sich mit Neuzugang Dennis Diekmeier um den rechten Platz in der Viererkette streiten wird. Obwohl Guy sagt: „Ich brauche eigentlich keine Konkurrenz, denn meine Ansprüche an mich sind so hoch, dass ich immer meine beste Leistung abrufen will.“ Über Diekmeier befindet Demel: „Ich finde es gut, dass er gekommen ist, er ist ein junger Nachwuchs-Nationalspieler, es wird sich zeigen ob ich spiele, wo ich spiele. Insgesamt aber muss ich sagen: Ich spiele beim HSV, wir wollen oben mitspielen, da ist es normal, dass man Konkurrenz hat, damit jeder Spieler alles gibt, um in die Stamm-Elf zu kommen.“

Demel kann auf drei Positionen spielen: Hinten rechts, auf der Sechs und in der Innenverteidigung. „Ich habe zwei Jahre in der Nationalmannschaft als Innenverteidiger gespielt, und auch lange beim HSV – und meine Leistungen waren nicht so schlecht, denke ich. Ich kann sehr gut auf dieser Position spielen.“ Und er sagt auch: „Ich habe zwar eine Wunsch-Position, aber ich spiele dort, wo mich der Trainer aufstellt, ich habe mit keiner Position ein Problem.“

Die vergangene Saison war die schlechteste, die Guy Demel bislang für den HSV gespielt hat. Er weiß das. Es lag auch daran, dass er nie jene Fitness erreichte, die er braucht, um seine Best-Leistung abzurufen. Aber daran denkt er nicht mehr. Er will zeigen, dass es wieder bergauf geht mit ihm, und er will es in Hamburg zeigen: „Hier fühle ich mich wohl, hier fühlt sich meine Familie wohl, und ich freue mich, dass der HSV zu mir hält. Ich werde alles geben, dass es eine gute Saison wird, für mich und für den HSV.“

Mein Tipp ist, dass sich Guy Demel, dessen Vertrag in Hamburg noch zwei Jahre läuft, zu Saisonbeginn auf der rechten Seite der Viererkette in die Stamm-Formation spielen wird. Seine Erfahrung wird dafür den Ausschlag geben. Und die Tatsache, dass er sich endlich einmal drei Wochen am Stück erholen konnte – das gab es in den zurückliegenden Jahren nie. Und es kommt natürlich hinzu, dass ihm nun mit Dennis Diekmeier ein junger Mann im Nacken sitzt, der diesen Posten ebenfalls bekleiden will. Demel ist also gezwungen, Leistungen zu bringen. Und auf mich macht er im Moment den Eindruck, dass er diesen Umstand sehr gut einzuschätzen versteht.

Einschätzen ist das Stichwort. Choupo-Moting wirkt an diesem ersten Tag seiner Rückkehr zum HSV enorm selbstbewusst. Das Jahr beim 1. FC Nürnberg hat ihm offenbar sehr gut getan, und die WM im Team von Kamerun noch viel mehr. Schließlich stürmte er neben dem großen Samuel Eto. „Jeder einzelne Gedanke an die WM ist schön“, sagt „Choupo“, der von sich sagt: „Ich habe mich beim Club auf jeden Fall entwickelt. Man spielte dort sehr unter Druck, das tat mir gut.“ Jetzt steht er wieder unter Druck, denn Trainer Armin Veh wird ihn in diesen Tagen ganz genau beobachten. Eric-Maxim sagt aber auch: „Ich möchte mich beim HSV beweisen, mich durchsetzen, dem Trainer meine Qualitäten zeigen.“ Noch einmal will er sich nicht hinten anstellen beim HSV, denn der Stürmer sagt unmissverständlich: „Ich möchte mich nie wieder hinten anstellen, weder beim HSV noch bei einem anderen Klub.“

Aber das könnte hart werden. Für ihn. Denn unter Armin Veh spielt der HSV nur mit einer Spitze, und da dürften Mladen Petric und Ruud van Nistelrooy noch erste Wahl sein – vor Choupo-Moting. Und der Deutsch-Kameruner will spielen. Wenn das nicht beim HSV geht, dann eben woanders. „Es gibt Angebote, auch aus der Bundesliga“, sagt er. Eines steht auch für ihn klipp und klar fest: Es wird kein weiteres Leihgeschäft mehr mit ihm geben: „Ich möchte beim HSV bleiben, das ist mein Wunsch, wenn es nicht als Stammspieler klappt, dann möchte ich eigentlich eher fest zu einem anderen Klub wechseln.“ Es würde Sinn machen, denn sein Vertrag läuft nur noch ein Jahr, 2011 würde er ablösefrei gehen dürfen.

Ich denke einmal, dass Eric-Maxim Choupo-Moting es schwer haben wird, als Stammspieler in diese HSV-Mannschaft zu kommen. Nicht nur wegen der Tatsache, dass es van Nistelrooy und Petric gibt. Es hat in meinen Augen auch ein Spieler namens Heung Min Son tüchtig aufgeholt, ich schätze den Koreaner sogar zurzeit als Nummer drei im HSV-Angriff ein, wenn man davon ausgeht, dass Paolo Guererro eher zentral hinter der einen Spitze spielen wird.

Es ist einiges los beim HSV, keine Frage, und noch fehlen fünf WM-Fahrer. Der Kampf um die Stammplätze aber geht mit dem heutigen Tag in Längenfeld schon in eine erste ganz heiße Phase. Und in meinen Augen wird es doch noch so manche Überraschung geben, ich könnte mir vorstellen, dass einige junge Spieler den „alten“ Hasen einige Kopfschmerzen werden bereiten können. Und Armin Veh wird, so schätze ich ihn ein, nicht abgeneigt sein, den einen oder anderen Spieler aus der Rasselbande auch ins kalte Wasser zu werfen. Im Gegenteil, manchmal habe ich das Gefühl, als warte Veh geradezu darauf, es tun zu können. Und auch das wäre eine Maßnahme, die sich nur zum Vorteil des HSV auswirken wird.

Am Donnerstag wird um 7.30 Uhr gelaufen, das Training auf dem Platz beginnt dann um 10.30 Uhr. Das sage ich vor allem jenen „Matz-abbern“, die mit in Längenfeld sind und noch nichts von diesen Trainingszeiten wussten. Und es sind viele, viele „Matz-abber“ und HSV-Fans hier – ich bin begeistert.
Gute Nacht.

21.40 Uhr (sorry, eine zu weit)

Sommerliche Gedanken von Rakos

21. Juli 2010

Der HSV ist in Österreich angekommen, genauer in Längenfeld im Ötztal. Herrliches Wetter, 32 Grad, aber so wird es nciht bleiben. Es bezieht sich schon leicht, spätestens morgen am Abend soll es regnen, und dann mindestens drei Tage lang. Hoffentlich haben die österreichischen Wetterfrösche nicht recht . . . Obwohl: Hamburger Wetter. Da lässte es sich vielleicht viel besser hart trainieren, oder?

Egal, auch aus den Bergen kommt eine Somemrgeschichte. Heute eine der etwas anderen Art, den “Rakos” schreibt, viele Dank dafür, aktuell zum Thema Afellay. Solltet Ihr lesen. Bitte:

Das Sorgenkind namens Afellay:

Hallo liebe Matz-abber und Dieter Matz,
ich möchte nun ein paar Sätze über unser verloren geglaubtes Sorgenkind Afellay loswerden:

Ich verstehe nicht, wie einige Afellay so dermaßen ins schlechte Licht werfen, obwohl sie nicht einmal wissen, was da konkret läuft. Erst hieß es, dass er unterschrieben hat, was nicht stimmte. Dann hat er sich Bedenkzeit bis nach der WM erbeten, das haben wir auch zugelassen. Klar, die WM ist nun vorbei und es gibt immer noch nichts Neues, aber glaubt mir, ich würde es nicht anders machen. Der Junge ist 24, das ist das beste Fuflballer-Alter. Dann ist er doch im Recht wenn er sagt, dass er gucken will was passiert. Wenn Real Madrid anklopfen sollte nach der WM und sagt: “Komm’ zu uns, Ibi.“ Wer würde es nicht tun? Nur ist dies (noch) nicht passiert.

Ob es passieren wird, weiß man nicht. Schalke soll nun auch Interesse haben (wie so bei jedem Spieler, den wir mittlerweile beobachten – so habe ich das Gefühl), ob es ein Gerücht ist, wird auch keiner wissen – außer Felix Magath selbst.

Oder gibt es ein Interview, in dem Felix Magath es gesagt hat, dass er Afellay möchte? Nein, ich denke nicht. Klar ist es von Nachteil, dass der HSV nicht international spielt, aber auch ein Afellay müsste wissen, dass wir einen sehr, sehr guten Ruf bei unseren Nachbarn haben. Jeder Perspektivspieler – wie zum Beispiel van der Vaart , Kompany , De Jong – hat es durch unsere Hilfe geschafft, zu den großen Klubs zu wechseln. Ich sehe es auch nicht gerne, wenn uns jemand als Sprungbrett benutzt, aber es wäre anders, würden wir non-stop Champions League spielen.

Dass Afellay abgesagt hat, war ein Gerücht, das hat auch Basti Reinhardt bestätigt. Und er muss es doch wohl ganz genau wissen, oder? Jeder Profi träumt davon, international zu Spielen und sich ganz oben zu beweisen. Auch ein Ibrahim Afellay. Ich finde, er (und jeder andere Profi auch) hat das Recht zu sagen er möchte abwarten, ob sich ein „Top“-Verein meldet. Unter Top-Vereinen verstehe ich natürlich Klubs wie Arsenal, Real Madrid, Barcelona etc. pp. Nicht jeder Spieler schläft als kleines Kind in HSV-Bettwäsche. Deswegen ist es zum jetzigen Zeitpunkt nicht angebracht, Afellay so schlecht zu machen. Erstmal sollte man sich mit der Personalie Afellay beschäftigen, ihn aufmerksam beobachten und Artikel über ihn lesen, die der Wahrheit entsprechen. Man wird sehen, ob und wie bzw. wann Afellay sich für einen Verein ent-scheidet. Ihm sein Können abzusprechen, macht in meinen Augen keinen Sinn. Er ist flexibel einsetzbar und weiß, wo das Tor steht – wenn das System so angepasst ist, dass er auch eine Chance hat, im gegnerischen Strafraum rumzuwirbeln. Klar sollte es jedem überlassen bleiben, wen er charakterlich als stark und wen als schwach bezeichnet. Nur die bösen Vorurteile sollten endlich eingestellt werden, wenn man nicht weiß, was genau da vor sich geht.
Jeder ist ungeduldig, weil er eine Entscheidung haben möchte, ja sogar ich.

Topspieler hin oder her, ein Ultimatum würde doch nichts bringen. Wenn man ihm sagen würde: „Ibrahim, entweder du unterschreibst jetzt sofort, oder du lässt es und wir schauen uns nach Alternativen um.“ Was soll das bringen? Ich denke, dass jeder Spieler sofort sagen wird: „Dann lassen wir es.“ Er wartet eben auf andere Angebote, und das ist bei seinem Können auch legitim und aus seiner Sicht auch richtig. Bis zum Trainingslager sollten alle Transfers unter Dach und Fach sein, ja, aber auch ein Afellay ist im Urlaub und würde daher nicht mit fahren. Was man nur sagen sollte ist , dass man Planungssicherheit braucht, und wenn er nicht kommen will, sollte er das bitte sagen – da nicht mehr viel Zeit zur neuen Saison ist.
Und gut ist.

Wenn er sich für uns entscheidet, wäre es wunderbar, wenn nicht, kann man ihn einerseits verstehen. Ob es die richtige Entscheidung für uns und auch für ihn ist, dürfte ebenfalls nicht diskutiert werden. Er allein entscheidet, wo er spielen möchte, und das müssen wir akzeptieren.

Das war nun mein Beitrag zum Thema Ibrahim Afellay, nun möchte ich aber noch etwas wichtige loswerden. Und zwar die Personalie Dieter Matz. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, wie man ihn in Frage stellen kann. Er tut echt sein Bestes und informiert uns über neue Dinge und macht es FREIWILLIG, das sollte man akzeptieren. Ich schätze den Herrn Matz sehr , denn ohne ihn würde das Sommerloch (und in den Spieltagen) ohnehin mehr als langweilig sein. Und wenn er sich mal wehrt, sollte es auch sein gutes Recht sein. Auch ein Herr Matz sollte sich nicht alles gefallen lassen. Deswegen: Lassen Sie sich niemals unterkriegen, Herr Matz, sind sind spitze und geben echt ihr Bestes – was man merkt!

So das war es endgültig. Vielleicht habe ich ja die Ehre und Herr Matz wertet dies als Sommergeschichte. Ich kann erhobenen Hauptes sagen: Nicht jeder 18-Jährige schreibt soviel über ein (in diesem Falle 1,5 langes) Thema. Ich möchte einfach nur, dass endlich aufgehört wird so dermaßen über Ibrahim Afellay – und auch Dieter Matz – zu lästern bzw. schlecht reden.

Liebe Grüße, Euer Rakos

PS: Kurze Bemerkung noch zu sprotlichen Seite. Am Abend folgt natürlich noch ein Bericht in Sachen HSV in Österreich. Erst einmal aber heißt es, die Koffer auspacken und umsehen, was hier so anliegt. Um 17 Uhr steht das erste Training auf dem Programm, danach werde ich in die Tasetn hauen.

16.07 Uhr