Tagesarchiv für den 19. Juli 2010

Klappt es demnächst auch mit Kacar?

19. Juli 2010

Hey, „Matz ab“ ist ein Jubiläums-Blog. Jubel, Trubel, Heiterkeit, alle 25. Male liege ich richtig mit einer Neuverpflichtung . . . Heiko Westermann kommt von Schalke 04. Ich war mir am Sonntag kurz vor Mitternacht ganz sicher, denn da hatte ich mit Felix Magath gesprochen. Der HSV-Held von 1983 war abends nicht erreichbar gewesen, weil er einen Fan-Klub besucht hatte, aber dann plauderten wir über den Nationalspieler, der nach Hamburg wechseln wird. Die Hamburger werden den Innenverteidiger allerdings hier in den nächsten Tagen kaum zu Gesicht bekommen, Westermann wird wohl erst in Längenfeld (Österreich) beim HSV „aufschlagen“. Aber immerhin. Ich kenne Heiko Westermann, der noch einen Vertrag mit den Schalkern bis 2014 hatte, von der Nationalmannschaft, er ist ein ruhiger und sehr netter Vertreter, der genau das Gegenteil eins Lautsprechers ist. Und er ist ein zuverlässiger und disziplinierter Profi.

„Die Unterschrift unter den Vertrag fehlt zwar noch, aber Heiko hat uns gesagt, dass er zum HSV wechseln wird, ich gehe davon aus, dass das auch klappen wird. Wir sind in Sachen Innenverteidiger gut aufgestellt, der HSV eher nicht, deswegen macht es für den Spieler Sinn, wenn er wechselt“, sagte Felix Magath, der ja auch (bekanntlich) ein Herz für den HSV hat. Am Dienstag sollen sämtliche administrativen Dinge rund um den Westermann-Transfer geklärt werden, also auch die Sporttauglichkeits-Untersuchung.

Magath muss Westermann, der als erster HSV-Profi von den Kühne-Millionen profitiert, auch „laufen lassen“, weil die finanzielle Situation auf Schalke „noch immer nicht so prickelnd ist“. Bei der Gelegenheit: Diejenigen unter Euch, die sofort an Jörn Wolf gedacht haben („Er hat Dieter ganz schön verarscht“), weil der Pressesprecher des HSV ja hier im Blog eine falsche Fährte gelegt hatte (Kommentar „Eiche Nogly“ damals: „Dieter, der Jörn ist ganz, ganz hart mit dir ins Gericht gegangen“), seien beruhigt: Ich habe mit Jörn Wolf gesprochen, er sagte lächelnd und souverän: „Ich wollte nur für ein wenig Stimmung im Blog sorgen, und dazu gehört auch, dass ich mal eine Nebelkerze zünde . . .“ Angekommen.

Zur Verletzten-Geschichte des Heiko W. sei noch kurz angemerkt: Der Ex-Schalker hatte im Januar eine Knie-OP, und der zog sich kurz vor der WM in Südafrika einen Kahnbeinbruch zu. Alle Dinge sind aber verheilt. Westermann ist spielerisch stark, er hat ein Auge für die jeweilige Situation, er ist kopfballstark und auch torgefährlich.

Und wo ich gerade bei Verletzungen war: Entwarnung gibt es bei Ze Roberto, der in Lübeck vom Turiner Juve-Spieler Lanzafame so fürchterlich gefoult worden war. Ze hat keine schwerwiegende Verletzung an seinem rechten Fuß davongetragen, er kann mit ins Trainingslager fahren.

Unklar ist noch, ob Marcus Berg mit nach Österreich kommen wird – oder ob der Schwede den Trip in Richtung Niederlande antreten wird. Die Sache mit dem PSV Eindhoven (Ajax Amsterdam war eine ganz dicke Ente – Motto: Rom oder Madrid ist egal, Hauptsache Italien). Fest steht: Egal wann Berg gehen wird, er wird gehen. Das hat ihm der HSV unmissverständlich mitgeteilt. Nur wollte es Berg bislang noch nicht so richtig realisieren. Ich tippe aber mal, dass er gar nicht noch erst mit nach Österreich fliegen wird . . . Wenn er schlau ist.

Letzteres gilt auch für Hertha BSC. Der HSV ist sich, so heißt es aus HSV-Kreisen, schon seit geraumer Zeit mit Gojka Kacar einig, nur verlangen die Absteiger aus der Hauptstadt noch viel zu viel Ablöse. Da wird weiter fleißig gepokert. Bin gespannt, ob sich die Berliner nicht noch verpokern.
Aber, liebe „Matz-abber“, zu diesem Thema sei noch schnell gesagt: Was gab es nicht schon alles für Hiobsbotschaften in den vergangenen Tagen: „Der HSV bekommt keine neuen Spieler, der HSV kriegt keine neuen Spieler mehr, weil der Markt abgegrast ist, und, und, und.“ Jetzt hat er aber doch schon einige Neue. Und es sind immer noch vier Wochen hin, bis zum Bundesliga-Start gegen Schalke 04. Keine Panik also, selbst wenn es nicht gelingen sollte (wie es Armin Veh gerne gehabt hätte), dass alle Neuzugänge mit nach Längenfeld kommen – es ist noch so viel Zeit. Und wenn davon der eine oder andere Tausender (Euro) abhängt, dann sollte sich das Warten doch schon bezahlt machen. Es geht doch jetzt in dieser Pokerei darum: Wer verliert zuerst die Nerven? Die Berliner? Oder der HSV?

Übrigens hat Espanyol Barcelona das für den 8. August geplante Testspiel (in Flensburg) abgesagt, der HSV (speziell Klub-Manager Bernd Wehmeyer) ist schon auf der Suche nach einem Gegner, der auch zu seinem Wort steht – und kommen wird.

Und zum immer wieder aufkommenden Thema “Tausch von Eljero Elia gegen Diego von Juventus” habe ich meine Meinung: bloß nicht. Ich habe von dem ehemaligen Bremer Schauspieler am Sonnabend nichts Gutes gesehen, und Elia hat doch bei der WM wirklich einige nette und gute Ansätze gezeigt. Wobei ich aber dennoch glaube, dass der HSV nicht mit jenem Kader, der jetzt auf dem Papier Bestand hat, in die Saison gehen wird. Ich glaube wirklich, dass mindestens noch ein Spieler bei einem anderen Klub untergebracht wird. Mindestens einer. eher aber zwei. Auf Namen lege ich mich aber nicht mehr fest . . .

Bei der Gelegenheit: Ich habe wegen meines Ausbruchs am Wochenende ja nicht nur Lob erhalten, es gab auch (nochmals) zwischen die Ohren. So auch von meinem Sohn Andre. Danke dafür. Ich setze mich wieder gerade hin. Und ich habe versprochen: Nie wieder!“ Ernsthaft. Aber: Zu diesem Thema schrieb heute kurz vor 15 Uhr auch der „Matz-ab“-Kollege „mikkel“. Er schrieb es so interessant, dass ich es kopiert habe, denn ich weiß inzwischen ja, dass längst nicht alle die kommentierenden Beiträge lesen. Diesen halte ich aber für lesenswert, deswegen danke ich „mikkel“ und veröffentliche seine Arbeit:

„Manchmal kann ich wirklich nur mit dem Kopf schütteln. Da schreibt Dieter himself, sein Gefühl sage ihm, der HSV schneidet auf Platz zwei oder besser ab, und bei vielen anderen scheint hier auch alles andere als die Meisterschaft undenkbar. Alles ist so super, Pit entwickelt sich weiter, die Jugend drängt in die Mannschaft mit dem „Jahrhunderttalent” Son, Paolo ist auf einmal der geborene Spielmacher und Benjamin Mr. Zuverlässig.

Also bei aller Liebe. Ich will gar keine pessimistische Stimmung verbreiten, aber der wichtigste Transfer war diesen Sommer der des Trainers – und auf dieser Position wurde kein Geld in die Hand genommen, soviel steht fest.

Ich habe mir mal die Mühe gemacht und unsere Endplatzierungen der letzten Jahre samt Punktausbeute nachgeguckt und mit dem jeweiligen Meister verglichen. Im Schnitt fehlen uns in den letzten sechs Jahren 17,6 Punkte zu Platz eins, dabei waren die erfolgreichsten Spielzeiten 2005/06 und 2008/09. Egal, zu welchem Zeitpunkt wir die Punkte abschenken, wo sind wir denn bitte mal nah dran? Also wir sollten echt mal kleinere Brötchen backen und als Königsziel Platz drei anvisieren.“

Saison—Platz—Punkte—Punkte Meister—Differenz
2009/10—7.—–52———–70————–18
2008/09—5.—–61———–69—————8
2007/08—4.—–54———–76————–22
2006/07—7.—–45———–70————–25
2005/06—3.—–68———–75—————7
2004/05—8.—–51———–77————–26

Kurzer Hinweis: Ich habe eine Wette mit einem HSVer gelegt. Dieser HSVer geht von Platz zwei oder besser aus – ich habe dagegen gewettet. Ich erhalten 50 Euro, wenn der HSV platz drei oder schlechter belegt, ich zahle 100, wenn der HSV Platz zwei oder (sogar) besser belegt. Das noch einmal kurz zur Klärung. Und um das schnell noch einmal festzuhalten, bevor es in Vergessenheit gerät: Mit diesem HSVer gibt es noch eine zweite Wette. Die betrifft nur indirekt den HSV, aber der HSV könnte durchaus eine kleine Rolle dabei spielen, denn: Mein „Kontrahent“ hat gesagt: „Asamoah vom FC St. Pauli schießt in dieser Saison keine drei Tore in der Bundesliga.“ Ich habe dagegen gehalten, es geht um 50 Euro.

20.31 Uhr

Sommergeschichte aus Aichhalden

19. Juli 2010

Der Sommer ist zurück, und damit auch die Sommergeschichten bei „Matz ab“. Der Bericht heute kommt aus Aichhalden und berichtet uns über einen der größten HSV-Siege in der Vereinsgeschichte. Aufgeschrieben hat sie uns Wolfgang, vielen Dank dafür – und alle werden, so wie ich gerade, sofort wieder „drin“ sein in einem Spiel, dass unvergessen bleiben wird. Los geht es:

Moin, moin, hier mein Geschichte(n) aus dem Süden.

Es geht um „die HSV-Zeit“, solange ich HSVer bin. Nebenbei, das bin ich mit Leib und Seele spätestens seit dem 4:2 Auswärtssieg des HSV in Stuttgart 1964 (noch im alten Neckarstadion), ich war damals 13 Jahre alt, wohnte 50 km entfernt von Stuttgart und erlebte mein erstes Live-Spiel – Gott, was war ich stolz, uns Uwe & Co. in Natura erlebt zu haben.

Aber zurück zu der Ära Happel/Netzer – die tollen Jahre. Ich wohnte nach wie vor in Baden Württemberg und hatte ein paar Kumpels – deren einziges Manko: Sie waren ausnahmslos Bayern-Fans. Und eines Tages hieß es: wir fahren nach München – der HSV kommt ins Olympiastadion, Bundesliga-Spiel gegen die Bayern. Es war der 24. April 1982 – was wir nicht ahnten: wir sollten eines der tollsten Bundesligaspiele aller Zeiten erleben – ich träum’ heute noch davon. Super Wetter – wir auf der Gegengerade – mitten unter den Bayern-Fans. Der einzige weit und breit mit schwarz-weiß-blauem Herzen – ich!

Das Match ging los – war ziemlich ausgeglichen – aber die Bayern führten zur Halbzeit mit 2:1. Noch war alles drin (für uns und für mich). Bis der lange Dieter Hoeneß in der zweiten Halbzeit zu einem Kopfball-Aufsetzer (-Hoppler) ansetzte und ich bis heute nicht weiß, wieso der Uli (Stein) den ins Tor trudeln ließ. Ich wäre am liebsten unter die Sitze gekrochen – alles um mich herum (inklusive meiner besten Kameraden) sprang jubelnd auf. Ich saß da wie ein Häuflein Elend. Gut fünf Minuten später holte sich Thommy von Heesen fast am eigenen Strafraum den Ball, lief bis zum Strafraum der Bayern und verkürzte zum 2:3 (aus meiner Sicht). Plötzlich hatte ich wieder Hoffnung – auf eine Punkteteilung. Und unser „Ungeheuer“ ließ mich nicht im Stich – markierte einige Minuten später tatsächlich den Ausgleich.

Noch aber war fast eine Viertelstunde zu spielen – ich sehnte den Schlusspfiff herbei wie noch nie. Ungefähr zwei Minuten vor dem Ende hatten sich alle (auch meine lieben Begleiter) mit dem 3:3-Remis abgefunden, wir gingen Richtung Ausgang. Und plötzlich hörte ich einen lauten Pfiff – es gab noch einmal einen Freistoß für uns, halblinke Position, den wollte ich noch sehen und blieb stehen. Felix Magath nahm Maß, und als die Kugel von der Stirn unseres „Ungeheuers“ abprallte, da war mir sofort klar: Junghans, flieg wie du willst, da hast Du keine Chance, gleich klingelt’s. So war es – DING-DONG – der HSV führte dank Horst Hrubesch 4:3, wenige Sekunden später war das Match gewonnen und die Vorentscheidung in der Meisterschaft gefallen.

Was für ein Erlebnis – auch deshalb, weil es das einzige Mal war, dass alle meine lieben Kameraden stundenlang mit mir kein Wort sprachen. Und ich hatte doch so viel Mitgefühl!

Das krasse Gegenstück erlebte ich (als in Geislingen Geborener) am 1. September 1984. DFB-Pokal – der HSV in der Fünftälerstadt. Dort wusste man gar nicht, wo man die vielen Zuschauer eigentlich unterbringen sollte. Mein Bruder (eher neutral), dessen fast 17-jähriger Sohn (voll und ganz Geislinger und VfBler) und ich – direkt an der Bande – beste Plätze. Die HSV-Jungs (und Ernst Happel) „zum Greifen“ nahe. Das Match? Ein einziges Trauerspiel.

Als die Geislinger (denen ich in so vielen anderen Amateurliga-Spielen zugejubelt hatte) das 2:0 markiert hatten, hab’ ich mir geschworen: Die guckst du dir nie mehr an (hat allerdings nicht lange angehalten, diese Wut!). Das Spiel war verloren – für mich HSVer eine Schande. Viel schlimmer war: das Spiel war das letzte, das ich zusammen mit meinem Neffen erlebt habe – ein dreiviertel Jahr später verunglückte der Sohn meines Bruders und mein Patenkind mit knapp 18 Jahren tödlich. Ich sehe ihn noch immer lachend und jubelnd neben mir stehen, nachdem der Schiedsrichter in Geislingen abgepfiffen hatte.

Heute mit ein wenig Wehmut: Hummel, Hummel und HSV – forever and ever!
Herzliche Grüße, Wolfgang Kazzer

PS: Ich weiß nicht warum, aber ich summe die ganze Zeit nun schon das Liedchen vor mich hin: “Gib mir mehr davon, gib mir mehr davon, etwas mehr als vorher das vertrag ich schon . . .”

Und: Ich habe die Gewinner des WM-Tippspiel von “Eiche Nogly” nicht vergessen. Es wäre nett, wenn Ihr (drei) mir Eure Adressen zukommen lassen könntet. Unter der Internet-Adresse des HA-Gewinnspiels: matz-ab@abendblatt.de. Danke.

16.39 Uhr