Tagesarchiv für den 18. Juli 2010

Westermann soll perfekt sein!

18. Juli 2010

Dieser Artikel wurde um 23.22 Uhr noch einmal angefasst. Die neue Zeile des Artikels könnte nun auch lauten:

ALLES KLAR, WESTERMANN KOMMT!

Nur der nun folgende Einstieg ist neu. Weil es ganz frische Erkenntnisse gibt. Ich habe weiter recherchiert, es gibt nun folgenden Stand: Heiko Westermann wird zum HSV kommen, es sei denn, in letzter Sekunde kommt noch etwas dazwischen. Fakt ist: Der HSV ist sich mit Westermann und auch mit Schalke einig, an diesem Montag soll, an diesem Montag könnte die Unterschrift unter den Vertrag gesetzt werden. Ich weiß nicht, das gebe ich zu, ob die Sporttauglichkeits-Untersuchung schon erfolgt ist, wenn nein, so könnte sie natürlich, falls sie negativ ausfallen sollte, auch noch etwas verändern – oder verhindern. Ansonsten steht einer Vertragsunterzeichnung nichts mehr im Wege. Übrigens: Westermann hat am Sonntag volle 90 Minuten für Schalke 04 gespielt. So, nun geht es so weiter, wie am Abend bereits veröffentlicht.

0:0 in Lübeck gegen Juventus Turin, der HSV bleibt ungeschlagen. Das Spiel war trotz der fehlenden Tore gut anzusehen, aber ich gehe darauf erst später ein. Wichtiger erscheint mir eine Meldung in Sachen Neuverpflichtung: Heiko Westermann soll zum HSV wechseln. Ein ehemaliger Bundesliga-Trainer, mit dem ich befreundet bin, gab mir diesen Tipp während der 90 Minuten in Lübeck. Er sagt, dass dieser Wechsel perfekt sei. Warten wir mal ab. Der HSV wollte ja mit seinen Neuzugängen ins österreichische Trainingslager nach Längenfeld, und das beginnt an diesem Mittwoch. Bis dahin müsste Westermann dann unterschrieben haben. Und noch eine Personalie soll „rund“ sein: Marcus Berg soll, so ein Gerücht, zu Ajax Amsterdam gehen. Das aber stimmt so nicht, wie Medien-Chef Jörn Wolf behauptet: „Wer das erzählt, der hat es exklusiv.“ Wahrscheinlich wird da Eindhoven mit Amsterdam verwechselt. Aber abwarten.

Zum Fußball: Spiele gegen Juventus haben es immer in sich. Weil die Italiener immer so richtig schön zur Sache gehen. Mal offen, mal versteckter, aber meistens sehr hart, einige Male auch überhart und böse. So wie in der 50. Minute, als Lanzafame den HSV-Kapitän ganz, ganz übel umtrat. Schiedsrichter Peter Gagelmann (Bremen) stand daneben, zog aber nicht einmal die Gelbe Karte. Was ich dem Unparteiischen sogar noch nachsehen kann, denn für einen Deutschen ist es schwer, eine deutsche Mannschaft gegen tretende Italiener zu pfeifen. Ich möchte eine solche undankbare Aufgabe niemals übernehmen. Bitter ist nur, dass Ze Roberto mit einer Knöchelverletzung (rechts) ausscheiden musste, der Fuß ist geschwollen, morgen soll die genauere Untersuchung erfolgen. Ich vermute, so wie dieses Foul aussah, eine Bänderverletzung.

Ansonsten bleibt sportlich festzustellen, dass dieses Spiel schon besser war, als noch das 3:3 gegen und in Split. Der HSV spielte geordneter und disziplinierter, stand in der Defensive sicherer und ließ sich auch nicht durch italienische Konter überrumpeln.

Frank Rost im Tor bot eine fehlerlose Partie, er spielte so, wie ihn die Hamburger kennen und schätzen. Dennis Diekmeier hatte ein, zwei Szenen, die unglücklich aussahen (ein Rückpass!), ansonsten aber deutete er sein Können an. Offensiv ist der junge Mann schon eine sehr gute „Waffe“, dass er flanken kann, war einige Male zu sehen. Der noch jüngere Mohamed Besic (17, spielte nur eine Halbzeit) wirkte auf mich diesmal weniger nervös, als noch bei seiner Premiere in Split. Ich denke, dass Armin Veh mit seiner Nominierung ein sehr gutes Auge bewiesen hat, Besic wirkt auf mich auf jeden Fall besser, als alle anderen Nachwuchsspieler, die sich in der jüngsten Vergangenheit auf den defensiven Positionen versucht haben.

David Rozehnal zeigte diesmal ein solides Spiel, er hatte zwar auch in Lübeck nicht immer nur souveräne Szenen, aber insgesamt wirkte er auf mich ein wenig stabiler als zuletzt. Die Überraschung in der Defensive war die Nominierung des Linksverteidigers: Ze Roberto. Das nenne ich Mut. Veh hat ihn ganz offenbar, auf die Idee wäre wohl kaum ein anderer Hamburger gekommen. Und: Ze Roberto spielte gut, wenn er auch defensiv kaum einmal gefordert wurde. Dennoch eine gute Sache, denn im Umschalten von Abwehr auf Angriff ist er ohnehin ein Weltmeister – ich finde, dass dieser Schachzug äußerst gelungen war. Wenn ich aber auch zugeben muss, dass dieses Experiment sicher keine Zukunft hat, denn: Es gibt ja Dennis Aogo und Marcell Jansen.

Im Mittelfeld ackerte David Jarolim wie gewohnt jeden Zentimeter des Rasens ab – mir hat „Jaro“ wieder einmal sehr gut gefallen. Er holte sich viele Bälle, stopfte viele Lücken, und er trennte sich viel schneller vom Ball, als noch vor Monaten. Er hat es begriffen, was der Trainer will. Dass Jarolim einmal versuchte, einen Elfmeter zu schinden, sehe ich ihm nach, obwohl ich natürlich weiß, dass es nicht okay ist, und dass es wieder viele von Euch auf die Palme bringt. Der Versuch und mein Nachsehen.

Tomas Rincon verdarb sich sein Spiel mit einem überflüssigen Foul, das er sich bereits nach Sekunden leistete. Als er später die Gelbe Karte sah, war er um seine Stärke gebracht. Dennoch behaupte ich: Rincon zeigte einmal mehr gute Ansätze, der Junge ist erst 22 Jahre alt, der ist schon ein (kleines) Juwel.

Das trifft natürlich auch Heung Min Son zu, der Koreaner spielte von Beginn an und bewies in Dribblings sein großes Talent und seinen großen Mut. Son schreckte auch vor großen Namen nicht zurück, er ging dorthin, wo es wehtut – der Junge ist klasse, der Junge wird allen HSV-Fans noch viel, viel Freude bereiten.

Paolo Guerrero schlüpft immer mehr in die ihm zugedachte Rolle des Spielmachers. Er ist ein Super-Fußballer, er ist dribbelstark und hat Ideen, er ist clever und er hat ein gutes Auge. Was er meiner Meinung noch ein wenig mehr haben müsste: Tempo. Das fehlt mir gelegentlich, aber wenn er auch das noch hätte, dann wäre diese Rolle mit ihm perfekt besetzt. In Halbzeit zwei allerdings ließ Guerrero stetig nach, aber das lässt sich ja noch im Training regeln.

Jonathan Pitroipa war nicht so auffällig wie in Split, hatte aber dennoch einige viel versprechende Szenen, und einige (wenige) auch, die schon sehr, sehr gut aussahen. Ihm geht es zurzeit hervorragend, er spürt das Vertrauen des Trainers, und er sagt über sich: „Ich habe in den zwei Jahren, in denen ich beim HSV bin, sehr viel gelernt. Und ich bin mental stärker geworden.“ Das zeigt sich auch daran, dass er auf Deutsch spricht – was er bislang kaum einmal gemacht hat. Mir hat er auf jeden Fall verraten, dass seine einst geäußerten Wechselabsichten im Moment kein Thema mehr sind, er will beim HSV Gas geben und mithelfen, eine bessere Saison zu spielen. Besser für den Klub, besser für ihn.

Vorne war Mladen Petric (für den leicht angeschlagenen Ruud van Nistelrooy) die einzige Spitze, und auch wenn er phasenweise nicht zu sehen war, so behaupte ich: Petric hat, trotz dieser Pausen, ein gutes Spiel gemacht. Er hatte es oft mit einer Übermacht an italienischen Abwehrspielern zu tun, dafür hat er sich meiner Meinung nach recht gut (spielerisch) behauptet. Schade war nur, dass seine Freistöße so katastrophal waren. Am Sonnabend hatte er nach dem Training noch freiwillig geübt, da sahen seine Schüsse doch wesentlich besser aus. Und wir wissen ja auch alle, dass er es eigentlich gut kann. Hoffen wir, dass es wieder besser wird.

Zur Pause kam Collin Benjamin für Besic, „Collo“ spielte abgeklärt und fehlerlos, er ist eben der „Mr. Zuverlässig“ des HSV. Robert Tesche kam für Rincon, das war auch absolut okay. Und als Ze Roberto raus musste, trat Lennard Sowah in das Spiel, und auch er gefiel mir. Ließ er sich doch nicht von großen Namen schocken, sondern hielt sehr gut dagegen, stellte auch einige Male seinen Körper zwischen Ball und Gegner – das sah viel versprechend aus.

Auch der eingewechselte Marcus Berg hatte noch zwei Chancen, aber ihn hat ganz einfach das Glück verlassen. Hoffen wir für ihn, dass es in den Niederlanden zu ihm zurückkehren wird.

Fazit: Es sieht weiterhin nach Fußball aus, was der HSV seinen Fans anbietet. Und ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Veh-Truppe eine bessere Rolle in der Bundesliga spielen wird, als zuletzt. Der HSV hatte sich in der vergangenen Saison (mehr als „erlaubt“) sehr gut verstärkt, es kam leider nicht so viel dabei herum. Auch deshalb, weil es zwischen Mannschaft und Trainer nicht so recht passte. Mit der „alten“ Mannschaft, von der nur Jerome Boateng fehlt, und mit dem neuen Trainer – das könnte doch gehen. Zumal es ja noch mindestens eine weitere Neuerwerbung geben soll – außer Westermann.

21.11 Uhr

Günnis Sommergeschichte

18. Juli 2010

Der HSV gastiert heute in Lübeck, spielt dort gegen Juventus Turin. Die Zeit bis zum Anpfiff möchte ich mit einer kleinen Sommergeschichte überbrücken, sie kommt heute von Günter aus Freigericht. Viele Dank für diesen Beitrag, ich wünsche viel Spaß beim Lesen.

Die Fata Morgana

Ich heiße Günni, komme aus der Nähe von Frankfurt/M., bin 57 Jahre alt und seit etwa 1960, also seit 50 Jahren, zusammen mit meinem Kumpel Mani, glühender HSV-Fan. Warum ? Damals war Uwe Seeler der Goalgetter der Nationalmannschaft. Und in welchem Verein hat er Fußball gespielt – bei meinem HSV!

Ich wäre nie auf die Idee gekommen, Kickers-(Offenbach) oder Eintracht(Frankfurt)-Fan zu werden. Auch nicht FSV Frankfurt-Fan, obwohl mich mein Vater fast zu jedem Heim-Spiel mitgeschleift hat. Das Beste an diesen Besuchen waren die durch einen „Brezelmann″ mit riesigem Korb verkauften „Hartekuche“, lecker. Wir pilgerten auch öfter zu den Auswärtsspielen des HSV bei der Eintracht oder den Kickers. Meistens habe ich nach dem Spiel enttäuscht mein kleines HSV-Fähnchen, welches ich immer im Block der Heimmannschaft schwenkte, wieder eingerollt, weil sie entweder verloren oder nur unentschieden spielten.

Ein großer Zeitsprung.
Es war Im Januar 2000. Ich bin begeisterter Skiläufer und fuhr ins Kleinwalsertal, um dort mit einem Bekannten zusammen eine Woche Urlaub zu machen. Ich fuhr sonnabends los, mein Bekannter wollte Sonntag oder Montag nach kommen.
Gebucht hatte ich nichts, deshalb holte ich mir in Mittelberg (Österreich) im Fremdenverkehrsbüro
einen Zimmernachweis, fuhr auf den nächsten Parkplatz und blätterte den Prospekt durch, um
etwas Passendes zu finden.

Als ich zwischendurch einmal meinen Blick von der Broschüre abwandte und aus dem Fenster schaute, sah ich da plötzlich, wie eine „Fata Morgana“ den HSV-Mannschaftsbus stehen. Ich dachte bei mir: „Das kann doch nicht sein, das gibt`s doch gar nicht.″

Nebenan war das Vier-Sterne-Hotel „Rosenhof“. Ich ging hinein und fragte an der Rezeption, ob der HSV vielleicht hier ist. Man sagte mir „Der Herr Pagelsdorf macht doch hier immer eine Woche Winter-Trainingslager.“ Ich buchte, trotz des nicht einkalkulierten Budget, spontan für eine Woche ein Zimmer.

Mein Bekannter sagte aus beruflichen Gründen ab, so dass ich meinen HSV dann ganz allein für mich hatte. Ich sah die Jungs Bernd Hollerbach, Jacek Dembinski, Roy Präger, Jörg Butt, Nico Hoogma, Andreas Fischer, Karsten Bäron, Mehdi Mahdavilia, Vahid Hashemian, Rodolfo Cardoso und alle anderen jeden Tag mehrmals beim Essen. Abends saß ich dann zum Beispiel mit Hollerbach (riesiger Muskelbody), Hoogma und Bernd Wehmeyer in der Sauna, plauderte mit den Jungs, machte jede Menge Fotos – und war einfach nur der glücklichste Mensch auf Erden.

Das Skifahren war reine Nebensache geworden.

Übrigens rief ich zwischendurch meinen HSV-Kumpel Mani an und erzählte ihm diese Geschichte. Er war extrem neidisch, wollte auch zu mir kommen, konnte aber leider keinen Urlaub bekommen, da er Lehrer ist. Ich habe ihm dann einen von zwei unterschrieben Bällen geschenkt und er war happy. Genau wie ich. Eine „Fata Morgana“ war Realität geworden.

15.45 Uhr