Tagesarchiv für den 15. Juli 2010

Veh fördert Besic und Son

15. Juli 2010

Immer noch ungeschlagen. Nach zwei Spielen! Mit dem 3:3 bei Hajduk Split konnten nicht nur die Fans gut leben, sondern auch die Verantwortlichen. Wie Trainer Armin Veh. Er resümierte nach dem Kroatien-Trip: „Im Prinzip kam dieses Spiel für uns etwas zu früh, denn für Hajduk beginnt schon in einer Woche die neue Saison, davon sind wir noch weit entfernt. Und zudem haben wir Minimum zehn Spieler nicht dabei gehabt. Sieben WM-Fahrer und drei Neuzugänge.“ Veh flüchtete sich dann in Sachen Fußball ein wenig in Galgenhumor, indem er feststellte: „Wir haben in Split ganz gut angefangen, die ersten drei Minuten waren okay.“ Nach vier Minuten hieß es dann 0:1, nach acht Minuten 0:2. Es drohte ein Desaster. Armin Veh: „Ich habe bei mir gedacht: Um Gottes Willen, du kannst dich doch nicht abschlachten lassen hier.“ Und dann ergänzte der HSV-Coach: „Hinten haben wir natürlich nicht gut ausgesehen, aber das bewerte ich auch nicht über, denn es haben einige Leute auf Positionen gespielt, auf denen sie wahrscheinlich nie wieder im Normalfall spielen werden.“

Positiv aber war das Spiel nach vorne. Veh dazu: „Da haben wir richtig gut gespielt, haben den Ball laufen lassen, haben schnell gespielt, haben uns Torchancen herausgespielt, das sah schon gut aus.“ Dazu Armin Veh: „Der eine oder andere Spieler hat mir Dinge gezeigt, die schon ganz gut waren, aber es gab natürlich auch Sachen, die mir überhaupt nicht gefallen haben – aber die werde ich jetzt nicht ansprechen, sondern nur intern.“

Dazu gehört – fast möchte ich schreiben natürlich – die Personalie David Rozehnal. Der tschechische Nationalspieler war erneut ein Schwachpunkt in der Defensive, obwohl er durch seine Erfahrung und Abgeklärtheit eine Stütze hätte sein müssen. Aber das entwickelt sich schon seit geraumer Zeit zu einem leidigen Thema. Für mich ist die Innenverteidigung die größte Baustelle des HSV. Joris Mathijsen ist gesetzt, aber wer folgt dem Vizeweltmeister? Rozehnal nicht. Besic noch nicht, der muss auch noch erst in die „Mucki“-Bude. Eine Alternative wäre Guy Demel. Er wurde auch genau wegen seiner Vielseitigkeit gehalten, denn Demel kann rechts spielen, auf der Sechs und innen. Wenn rechts Dennis Diekmeier (1. FC Nürnberg), dessen Verpflichtung heute noch perfekt gemacht werden soll (sporttaugliche Untersuchung ist erfolgt), zum Einsatz käme, wäre Guy Demel ein Kandidat für den Platz neben Mathijsen. Dazu Veh: „Immer wenn ich Demel auf der Innenverteidigung beim HSV gesehen habe, dann habe ich ihn gut gesehen.“

Noch einmal zu Rozehnal zurück. Er spielte wie immer beim HSV, und zwar enttäuschend. Irgendwie wirkt „Roze“ gehemmt, auch wie verunsichert, Was ist da nur los? Er wollte neu angreifen, wollte Biss zeigen – und dann diese eklatante Vorstellung. Zu diesem Thema der HSV-Coach: „Ich wüsste nicht, warum David Rozehnal jetzt verunsichert sein sollte? Es war doch auch nur ein Testspiel.“ Armin Veh weiter: „Er hat in Split natürlich nicht gerade überragend gespielt, aber ich bin kein Trainer, der seine Spieler in der Öffentlichkeit schlecht macht. Ich sage dazu nichts.“ Wobei es gerade passt: Nach meine Informationen ist nichts dran an einem Wechsel von William Gallas zum HSV. Das nur mal am Rande.

Angetan war Veh in Split von Nachwuchsspieler Mohamed Besic. Der 17-jährige Innenverteidiger wird, das verriet der Trainer schon einmal, künftig mit der Profi-Mannschaft trainieren. Wo das Talent denn eingesetzt wird, entscheidet sich von Fall zu Fall, Veh aber wird immer ein Auge auf ihn werfen – und ich fördern: „Der Junge kann etwas, wie er den Ball nach vorne spielt, das hat schon was, in Sachen Spielaufbau ist er schon überragend. Solche Spieler gefallen mir. Und wenn einer etwas kann, dann ist es mir auch egal, wie alt er ist. Natürlich braucht er noch seine Zeit, aber die gebe ich ihm auch.“ Ähnlich war es einst mit Veh und den Stuttgartern Serdar Tasci und Sami Khedira, die der Trainer einst entdeckte und die heute deutsche Nationalspieler sind. Wobei Tasci immer noch ein Kandidat des HSV für die Innenverteidigung ist – sogar ein sehr heißer. Nach dem, was ich aus den Antworten der Verantwortlichen entnehme, rechne ich heute eher damit, dass Tasci zum HSV wechselt – und eher kein Schalker (Höwedes oder Westermann), wie mein Bauch gestern noch vermutete . . . Das hätte dann doch Qualität: Mathijsen und Tasci, dahinter Demel, Rozehnal und Besic.

Auffällig – und zwar positiv – war in Split der dribbelstarke, schnelle und selbstbewusste Jonathan Pitroipa. Armin Veh dazu: „Wichtig ist bei ihm, dass er seine Fähigkeiten eben immer dann einsetzt, wenn es notwendig ist, nicht dass er seine Dribblings schon 60 Meter vor dem Tor beginnt. Wenn er nicht zu früh eins gegen eins spielt, dann kann er auch torgefährlich sein – und ich hoffe darauf, dass er das lernen wird. Wenn er das beherzigt, kann er ein ganz wichtiger Mann für uns werden.“

Dass Pitroipa den HSV noch verlassen wird, ist kein Thema für Armin Veh: „Das entscheidet der Verein, kein anderer. Wenn ich sage dass er bleibt, dann bleibt er, da ist mir dann egal, was Jonathan Pitroipa sagt. Nur so kann es funktionieren.“ „Piet“ wird sich nicht nur deshalb umstellen müssen. Auch fußballerisch ist er gefordert. Wie Armin Veh sagt: „Er läuft ja immer extrem viel mit dem Ball, aber das ist nicht das Spiel, das mir vorschwebt. Und er weiß das auch, er hat auch schon begriffen, was ich will, denn im Training ist er bemüht, sich schneller vom Ball zu trennen.“

Ein ganz besonders erfreuliches Thema ist der ungewohnte Name Heung Min Son. Der gerade 18 Jahre alt gewordene Stürmer wird von allen Seiten mit Lob überhäuft, er scheint in der Tat das Jahrhundert-Talent des HSV zu sein, auf das der Klub schon seit vielen Jahren vergeblich gewartet hat. Das weiß auch Veh. Die erste Konsequenz ist bereits gezogen: Son gehört ab sofort fest zum Profi-Kader, da ist also (vorläufig) nichts mit der Zweiten. Armin Veh: „Er ist unbekümmert, das hilft am Anfang. Wenn er später einmal nachdenkt über sein Spiel, dann wird es vielleicht einmal kurzzeitig weniger. Aber er ist in der Tat ein großes Talent. Er spielt den Ball ab und geht sofort in die Spitze, und zwar dorthin, wo es wehtut. Davor scheuen sich heute schon viele, er aber nicht. Er hat Fähigkeiten die überragend sind.“ Veh viel sagend: „Was mit ihm in der Zukunft passiert, das kann ich noch nicht genau sagen, aber ich kann mir durchaus vorstellen, dass er seine Einsätze bei den Profis bekommt. Warum denn nicht?“

Bitte lacht mich nicht aus, aber: Son hat mir in Split besser gefallen als Ruud van Nistelrooy. Als ich Armin Veh damit konfrontierte, sagte er lächelnd: „Son hatte den Vorteil, dass die Kroaten nachließen. Als er ins das Spiel kam.“ Auch eine Erklärung. Wobei der HSV mit Stürmer Son dann ein hausgemachtes Problem hätte, denn Veh möchte mit nur vier Angreifern in die Saison gehen: Mladen Petric, Paolo Guerrero, van Nistelrooy, dazu einer aus dem Kreis Marcus Berg, Eric-Maxim Choupo-Moting und eben Son. Wobei Son aus dieser Dreier-Gruppe der beste Spieler erscheint. Berg soll ausgeliehen werden, will das aber nicht, Choupo-Moting will auf keinen Fall mehr ausgeliehen werden (zuletzt in Nürnberg), sein Vater möchte dann einen Verkauf. Erst einmal sagt Armin Veh aber: „Choupo-Moting nimmt am 21. Juli im Trainingslager im österreichischen Längenfeld das Training auf, ich werde mir dann ein Bild von ihm machen – ich habe bislang einen guten Eindruck von ihm.“

Schnell noch zum Thema Kapitän. In Kroatien war es, zu meiner Überraschung, das muss ich gestehen, Mladen Petric und nicht David Jarolim. Dazu der Trainer lächelnd: „Es wäre doch langweilig, wenn immer derselbe Kapitän auflaufen würde.“ Dann aber ernsthaft: „Nein, es wird einen festen Kapitän geben, aber das wird erst dann von mir bekannt gegeben, wenn die Mannschaft am 2. August erstmalig vollzählig versammelt ist.“ Das läuft, so denke ich jetzt einmal quer, wohl nicht auf Jarolim hinaus . . .

Zwei kleine Personalien: Der erkältete Frank Rost trat heute im Training noch etwa kürzer, soll aber am Sonntag in Lübeck gegen Juventus Turin, wenn alles gut läuft, zwischen den Pfosten stehen. Und der in Split ausgewechselte Lennard Sowah ist wieder fit, die Wadenverletzung war „halb so wild“.

So, kurz noch zu einem ganz besonderem Thema. Es fällt mir enorm schwer, darüber zu schreiben, aber ich möchte Euch alle bitten, über das angebliche Verhältnis Trainer/Spielerfrau nichts mehr zu schreiben. Nicht, weil ich das unter den Tisch kehren möchte, sondern allein deshalb, weil an diesem schmuddeligen Gerücht nichts dran ist. Es ist schlicht unwahr, egal wer es Euch auch immer noch erzählt. Übrigens: Dieses Thema ist so alt, angeblich soll es im Dezember geschehen sein, so lange hält es sich schon – bitter für diejenigen, die erst jetzt davon erfahren . . . Und: Ich warte regelrecht auf jenen Tag, an dem sich einer der Beteiligten rechtlich gegen dieses Gerücht wehrt. Ich würde davon dann auch berichten.

Noch schnell in eigener Sache: Ich sitze im Moment in einem hoffnungslos überfüllten Zug in Richtung „Feindesland“, um einen Fan-Klub zu besuchen. In diesem natürlich auch verspäteten Zug stehen die Leute sogar in der ersten Klasse, man gönnt sich ja sonst nichts. Aber ich bitte Euch, über etwaige Fehler einmal mehr großzügig hinweg zu sehen, es sind erschwerte Umstände, unter denen dieser Bericht zustande gekommen ist. Vielen Dank für Euer Verständnis.

17.51 Uhr

Anitas Sommergeschichte

15. Juli 2010

Liebe geht durch den Magen. Sagt der Volksmund. Liebe geht aber auch mit oder durch den HSV. Diese sommerliche Geschichte von „anita78“ belegt es. Zur Nachahmung empfohlen – oder: Wie das Leben so spielt. Oder die Liebe? Nicht nur zur Raute. Lasst Euch überraschen – vielen Dank, liebe Anita, für diesen Beitrag. Ich wünsche allen „Matz-abbern“ viel Spaß beim Lesen. Los geht es:

Lieber Herr Matz,
ich hoffe, dass ist die richtige Adresse für eine Sommergeschichte. Nachdem ich neulich gelesen habe, dass es so wenig Geschichten von weiblichen HSVern gibt, habe ich beschlossen, meine aufzuschreiben. Vielleicht gefällt sie Ihnen ja, würde mich wirklich freuen.

Viele Grüße, anita78

Umweg über Köln

Als die WM 1990 vor der Tür stand, hat mich das eigentlich erst genervt. Fußball war so gar nicht mein Ding, und ich konnte beim besten Willen nicht verstehen, was daran spannend sein soll, wenn so viele Männer über einen so langen Zeitraum hinter einem Ball herjagen, und am Ende fallen doch nicht viele Tore. Na gut . . . Ich muss zu meiner Verteidigung sagen: Ich war gerade elf Jahre alt. Eher widerwillig habe ich mir ein paar Spiele angesehen, und war plötzlich begeistert: Besonders der deutsche Spieler mit der Nummer 7 hatte es mir angetan – den Namen Pierre „Litti“ Littbarksi habe ich mir gemerkt.

Zur damaligen Zeit spielte er für den 1.FC Köln, also war mein erster Lieblingsverein schnell gefunden. Obwohl ich eine echte Hamburger Deern bin, fieberte ich seitdem bei jedem Spiel mit dem FC um die Punkte mit. Im gleichen Jahr, als ich konfirmiert wurde, dann der Schock: Litti verlässt Köln und wechselt nicht einfach nur so den Verein, sondern verschwindet gleich bis ganz nach Japan! Allerdings hatten die Kölner da schon einen so festen Platz in meinem Herzen erobert, dass ich ihnen weiter die Daumen gedrückt habe. Offenbar mit Erfolg, denn Jahr um Jahr haben sie den Klassenerhalt geschafft – ausgerechnet in meinem Abi-Jahr hat es dann nicht mehr gereicht, und sie sind abgestiegen. Das war ein Schock – aber abschrecken konnte es mich nicht.

Die Jahre vergingen, es war ein stetes Kölner Auf und Ab – und dann fing ich mein Praktikum in einer Hamburger Online-Redaktion an. Nach ein paar Tagen hieß es plötzlich „Schnapp dir mal eine Kamera, fahr zum HSV-Training und mach dort Fotos für unsere Seite.“ Zuerst dachte ich, es wäre ein Witz. Zum HSV? Ich? Niemals! Natürlich bin ich trotzdem hin gefahren – eher widerwillig stand ich am Trainingsplatz und habe brav meine Bilder geschossen. Mein Bild vom HSV war zu der Zeit nicht gerade das Beste: Beim Besuch der Köln-Spiele in der Arena waren mir vor allem die pöbelnden „Fans“ vor der damaligen Ostkurve aufgefallen, die meinten, sie müssten einen Kölner Schal verbrennen. Wenn der erste bleibende Eindruck so aussieht, ist der Weg zum Fan.

Wie dem auch sei, mein Praktikum dauerte drei Monate, in denen ich viele Tage auf dem Trainingsplatz verbracht habe – ich weiß zum Beispiel noch genau, wie ich stundenlang im Schnee auf Ailton gewartet habe, der gerade verpflichtet worden war.

Es muss wirklich so etwas wie ein HSV-Virus geben, das sich unbemerkt einschleicht und sich dann überall verbreitet – denn irgendwann habe ich mich schon auf die Besuche beim Training gefreut und wenig später sogar gehofft, dass ich wieder hinfahren darf. Dann hat mein Kollege, der die Fotos bei jedem Heimspiel gemacht hat, beschlossen, sich eine Dauerkarte zu kaufen – jetzt wurde ein Ersatz-Fotograf gesucht. Das Virus hatte mich inzwischen voll erwischt, also habe ich mich angeboten und Glück gehabt. Die nächsten zwei Jahre saß ich alle zwei Wochen direkt am Spielfeldrand, war jedes Mal unglaublich aufgeregt – und musste irgendwann aufpassen, dass ich nicht zu laut juble oder schimpfe.

Zu den Spielen bin ich meistens mit meinem Kollegen zusammen gefahren, der mir danach oft noch bei den Spielberichten geholfen hat. Inzwischen sind wir zwar keine Kollegen mehr, dafür seit zweieinhalb Jahren ein Paar, wohnen zusammen – und ich habe natürlich auch eine Dauerkarte. Bei jedem Heimspiel fiebern wir auf der Südtribüne mit, jubeln über Siege, fluchen bei Niederlagen, wundern uns über die ein oder andere Entscheidung und wünschen uns sehnlich den ersten Titel.

Ich gebe zu, bei Spielen gegen den 1. FC Köln schlagen immer noch ein kleines bisschen zwei Herzen in meiner Brust. Nach so langer Zeit legt man das Fan-Sein eben doch nicht so einfach ab. Das ist wohl die einzige Partie, bei der ich mit einem Unentschieden in den meisten Fällen prima leben kann. Ansonsten bin ich inzwischen durch und durch Hamburger Deern. Und meinen Litti-Ersatz habe ich beim HSV seit dem 1. Spiel auch gefunden: Paolo Guerrero finde ich einfach große Klasse und freue mich sehr, dass der Vertrag verlängert wurde. Auf eine tolle Saison!

Viele Grüße, anita78

11.29 Uhr

In eigener Sache
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