Tagesarchiv für den 11. Juli 2010

Zwei kleine Sommergeschichten

11. Juli 2010

Hallo liebe Matz-abber, es ist doch ein wenig später geworden. Nun gibt es dafür zwei Sommergeschichten pünktlich zur Halbzeitpause des WM-Finals mit Hamburger Beteiligung. So schwach wie der ZDF-Kommentator Bela Rethy sehe ich die Partie übrigens nicht. Man merkt halt, dass es ein hart umkämpftes Duell auf Augenhöhe ist. So, nun nicht lang schnacken, sondern die Sommergeschichten genießen:

1. Moin lieber Dieter und alle HSVer, ich heiße Wolf, bin 50 Jahre alt und seit 1965 HSV-Fan. In Warburg (Ostwestfalen-Lippe) bin ich geboren, mein erstes Spiel (live) habe ich in der Spielzeit 1970/71 gesehen. Seit 1977 bis 2005 habe ich hunderte Spiele meines HSV gesehen. Seit zehn Jahren sitze ich jetzt im Rolli. Weil es so anstrengend ist, schaffe ich es heute nicht mehr ins Stadion. Aber meine Geschichte: Von 1989-92 waren meine Familie und ich beruflich im Schwarzwald. Ich fuhr jedes Wochenende von Titisee nach HH und zurück.

Mit dem Auto sind das 2000 km. Der Sonntag war für meine Familie dann natürlich im Eimer, da ich so kaputt war. So schenkte mir meine Frau ein Zugticket von Freiburg nach HH und zurück, damit ich ausgeruht nach Hause käme. Hin war es ein Liegewagen, zurück ein normaler Sitzplatz. Ich komme also an diesem Freitagabend in den Liegewagen und finde dort zwei Schweizer und einen Franzosen vor. Der Schlafwagenschaffner war ein Jugoslawe. Da einer der Schweizer am nächsten Tag Geburtstag hatte, wurde also reingefeiert. Die Feier dauerte bis 5 Uhr morgens. So kam ich total verkatert um 8 Uhr in Hamburg an, schleppte mich durch den Tag bis zum Spiel. Diese gut 2 Stunden war ich dann hellwach, aber danach war ich kaputt. Dann zum Bahnhof und zurück in den Schwarzwald. Auch auf der Rückfahrt bekam ich kein Auge zu. Danach bin ich nie wieder mit dem Zug nach Hamburg gefahren.

Die zweite Geschichte kommt von “Billtal II”:

Uwe spielte bei uns auf Grand

1957 stieg Bergedorf 85 in die Oberliga Nord auf. Das Heimspiel gegen den HSV werde ich nie vergessen. 85 spielte mit Ausnahmegenehmigung auf Grand. Als Uwe Seeler im Vorfeld von der Hamburger Presse gefragt wurde, was er vom Bergedorfer Grandplatz hielte, sagte er sinngemäß: “Schietegal, habe doch früher auch auf Grand gespielt.”

Wir Buttjes und 85-Jugendspieler durften damals das Spiel sitzend unterhalb der Balustrade vor der Aschenbahn kostenlos verfolgen. Der HSV mit Uwe Seeler, Charly Dörfel, Klaus Stürmer etc. gewann 4:1. Als der HSV später auch noch die Autogrammwünsche erfüllte, war für uns Jungs die Glückseeligkeit perfekt.

Leider konnte das Billtal-Stadion nach der Saison für solche Ereignisse nicht mehr genutzt werden. Unzureichende Anfahrtswege, umliegende Villen und der anliegende Wald erlauben keinen Bau von Parkplätzen. Aber damals (1957) war das noch kein großes Problem. Die 27.000 Zuschauer haben sich eben zu Fuß in einer wahren Völkerwanderung durch Bergedorf ins Stadion bewegt.

Noch heute schaue ich gelegentlich im Billtal vorbei und rufe die Bilder von damals in Erinnerung.

Kapitäns-Test in Halstenbek

11. Juli 2010

Heute drehen wir den Spieß mal um. Heute gibt es erst einen sportlichen Lagebericht und anschließend, kurz vorm Finale dieser WM, eine weitere Sommergeschichte. Vorab soll ich Euch aber noch einen Gruß meines Kollegen Christian Pletz ausrichten, der Eure Kommentare zu seiner Trochowski-Einschätzung nach eigener Auskunft „verschlungen“ hat. Nur die verstärkt aufkommende Skepsis, dass „Troche“ über einen außergewöhnlich guten Schuss verfüge, kann er nicht nachvollziehen. „Natürlich macht Trochowski zu wenig Tore für seine hervorragende Schusstechnik, aber das liegt ja auch daran, dass die Gegner um die Gefahr wissen und ihn entsprechend blocken. Dafür schafft er dann wertvollen Platz für seine Mitspieler“, schrieb er mir. Belassen wir es vorerst dabei. Trochowski, das ist meine Meinung, wird auch in der kommenden Saison wieder ein Mann sein, der polarisiert.

Heute geht er, ebenso wie seine Hamburger DFB-Kollegen Marcell Jansen und Dennis Aogo, erst einmal in einen dreiwöchigen Urlaub. Warum so lange, wurde ich von mehreren Leuten gefragt. Ist doch klar. Die WM-Fahrer brauchen auch Erholung. Und wer jetzt denkt, die Profis würden dann wie viele von uns die Beine hochlegen als sportliche Höchstleistung mal einen Sprung ins kühle Nass wagen, den muss ich natürlich eines Besseren belehren. Ein paar Tage Nichtstun sind erlaubt, aber dann sind leichte Ausdauereinheiten, neue Grundlagenläufe und ähnliches auf dem Programm. Nach der Rückkehr werden die Werte der WM-Fahrer gemessen und entsprechende Trainingsschwerpunkte gesetzt. Das wird kein Zuckerschlecken, ist aber notwendig.

Derweil befindet sich der Rest des Kaders bereits in der Empfehlungsphase. Heute Vormittag gab es ja das erste Testspiel direkt vor der Haustür – beim Landesligaklub SV Halstenbek-Rellingen. Mein Kollege Marcus Scholz, selbst emsiger „Manager“ beim Niendorfer TSV in der Oberliga, war bannig erstaunt, wie gut der Platz in Halstenbek aussah. Bei HR sprechen sonst selbst die Verantwortlichen manchmal humorvoll von einem „Rübenacker“, aber damit hatte der gepflegte Untergrund diesmal vor etwa 2200 Zuschauern gar nichts zu tun. Der HSV-Greenkeeper, der nach einer Vorabinspektion zur Hilfe gebeten worden war, hat sich wirklich ein Sonderlob verdient. Hut ab vor so einem Rasenplatz.

Der HSV verkaufte sich recht gut. Armin Veh, der solche Vergleichsspiele in dieser Vorbereitungsphase eher als Bewegungstherapie mit Wettkampfcharakter betrachtet, bekam ein 7:0 zu sehen. Er wechselte zur Pause komplett durch und maß den Treffern und ihren Torschützen daher nicht so viel Bedeutung bei wie manch Fan. In Hälfte eins trafen van Nistelrooy (1., 19.) und Guerrero (8.), nach dem Seitenwechsel Son (79., 81., 84.) und Berg (89.). Zu dem Schweden gibt es übrigens eine kleine Neuigkeit. Ich habe jetzt mehrfach gehört und ja auch schon berichtet, dass der Angreifer verliehen werden soll. Er selbst wartet noch auf ein entsprechendes Signal des Trainers. Kommt das (was ich in den nächsten Tagen erwarte), wird er sich auch selbst um seinen Abschied bemühen. Mit dem Koreaner Son, der ja gerade einen Profivertrag unterzeichnet hat, könnte sein Nachfolger intern schon bereit stehen.

Unter den Zuschauern und Experten in Halstenbek gab es aber noch einen großen Gesprächsstoff, nein, sogar zwei: die Torhüterfrage und das Kapitänsamt. Letzteres sorgte bei HR schon für den einen oder anderen irritierten Blick auf den Rängen. Auf der Pressemitteilung und Aufstellung, dem Spielbericht, war nämlich Jarolim als Käptn vorgesehen, auf dem Platz lief aber Zé Roberto mit der Binde auf. Nanu? Erster Zoff programmiert? Veh betrachtet auch dieses Themenfeld komplett entspannt. „Wir sind in der Vorbereitung und probieren etwas aus“, sagte er. Eine Entscheidung über die Ämter, über die teaminternen Posten wird eh erst nach dem 2. August fallen, wenn die WM-Spieler alle heimgekehrt sind und der Kader hoffentlich seine endgültige Formation angenommen hat. Jarolim sei, das betonte Veh noch einmal, auf jeden Fall weiterhin ein Kapitänskandidat.

In Sachen Torhüter hat sich der Trainer auch schon festgelegt. Nein, jetzt bitte bloß keine Sensation erwarten. Er hat nur den Kampf um die Nummer eins zwischen Frank Rost und Jaroslav Drobny ausgerufen. Einer von beiden wird also im August als Nummer eins auflaufen. Wolfgang Hesl, der sich ja ebenfalls Hoffnungen gemacht hatte, zuerst auf einen fairen Zweikampf, dann auf einen Dreikampf, muss sich zunächst hinten anstellen. Er müsse erst einmal seine Konkurrenzfähigkeit unter Beweis stellen, meint Veh. Heute übernahm er nach Drobny in der Pause den Platz zwischen den Pfosten und hielt seine Hütte sauber. Rost hatte frei.

Was gibt es sonst noch? Nichts Nennenswertes. Für die kommende Woche erwarte ich mindestens eine Personalentscheidung, an der Sportchef Bastian Reinhardt momentan eifrig herumwerkeln dürfte. Namen wurden ja schon wie Schnäppchen im Schlussverkauf angepriesen. Heiko Westermann und Serdar Tasci gelten als aussichtsreiche Kandidaten, die allerdings ihren Preis haben. Ob ich einen Innenverteidiger aus der Bundesliga für acht bis zehn Millionen Euro Ablöse (!!!) holen würde, bezweifle ich stark. Aber vielleicht straft mich die Scoutingabteilung des HSV ja noch Lügen und am Ende präsentiert der Klub einen herausragenden Mann internationalen Formats für drei bis fünf Millionen. Mich würde es sehr freuen.

14:53 Uhr

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