Tagesarchiv für den 4. Juli 2010

Die Spätausgabe

4. Juli 2010

Die Spätausgabe – oder Veh: “Wir spielen den besten Fußball”

Wie war es? Ein Kollege fragte HSV-Trainer Armin Veh nach dem Vormittagstraining über die Erkenntnis des Kurz-Trainingslagers aus. Und Veh erwies sich wieder einmal als absoluter Realist. Andere Trainer hätten ganz wichtig und voller Überzeugung wie folgt geantwortet: „Die Jungs haben super gearbeitet, die Einstellung stimmt, sie geben alle 100 Prozent, ich bin begeistert, so kommen wir bestens in Fahrt, wir stehen vor einer großen Saison.“ So oder so ähnlich hätte es sich wohl angehört. Weil sich auch kaum ein Trainer mal zu schade für solche Phrasen ist. Armin Veh aber lächelte smart (das ist einen Stärke von ihm) und sagte nur: „Es ist doch immer das Gleiche, was man nach einem Trainingslager sagt, oder? Haben Sie schon einmal einen Trainer gehört, der sagt; Es war alles schlecht?“

Diesmal war gar nichts schlecht. Wetter gut, Hotel gut, Essen gut, Trainingsplatz gut, Einstellung der Spieler gut, Trainingspensum ebenfalls gut. Auf den Einwand von der Medien-Seite, dass der HSV in diesen Sylter Tagen ja hart gearbeitet habe, sagte Veh nur: „Ja?“ Hörte sich für mich so an: „Das war nicht hart, das war ganz normal.“ Wenn ich das richtig einordne, dann ist der HSV auf dem richtigen Weg. Sylt war deswegen im Programm, damit der Coach seine neue Mannschaft und die Mannschaft das neue Trainer-Team kennen lernt. Das ist, laut Veh, bestens gelungen: „Wichtig war, dass man mal ein paar Tage zusammen war. Der Zweck dieser Reise ist erfüllt.“ Und? Gab es von seiner Seite eine innerliche Korrektur anzubringen? Hat er einen oder mehrere Spieler aus der Ferne anders eingeschätzt, als er ihn nun auf der Insel kennen gelernt hat? Veh überlegt einige Sekunden und sagt: „Gute Frage.“ Dann überlegt er noch einmal einige Sekunden und sagt: „Ja.“ Er hat also innerlich Korrekturen vorgenommen. Wer es ist, oder wer eventuell die Spieler sind, die er anders eingeschätzt hat, das ließ der Trainer offen. Natürlich. Der Trainer verriet nur noch eines: „Die Korrektur, die ich vornehmen musste, war positiv.“

Wo wir gerade bei positiv sind. Es waren ja einige Jung-Talente mit. Sie alle konnten sich alle zeigen, und das taten sie auch ausgiebig. Zwei von ihnen ragten dabei ein wenig (oder ein wenig mehr) heraus: Muhamed Besic und Heung Min Son. Veh: „Beide haben mir von ihren Bewegungen gut gefallen.“ Besic (nach ihm fragte e.v.a.) kam vor einem Jahr von Tennis Borussia Berlin, er kommt jetzt von der HSV-A-Jugend nach „oben“ und spielt Innenverteidiger. Er ist körperlich ein kompakter Mann, allerdings keine „Kante“, denn er hat kein Gardemaß.

Und zu Son habe ich bereits einiges gesagt, der Koreaner unterstrich auch in diesen vier Tagen sein großes Talent – da könnte durchaus ein HSV-Hoffnungsträger heranwachsen, zumal Son auch körperlich schon weiter zu sein scheint, als andere. Ohne dass ich damit sagen will, dass ihm einige Stunden, Tage oder Monate in der „Mucki-Bude“ nicht noch sehr, sehr gut tun würden. Aber die Veranlagung des Stürmers ist wirklich für jeden unübersehbar.

In Sachen Besic ließ sich Veh noch schnell zu einem Scherz hinreißen (auch das kann er – sehr gut sogar!): „Besic ist jetzt in der Innenverteidigung erst einmal gesetzt . . .“ Natürlich. Weil es außer David Rozehnal keinen anderen Innenverteidiger gibt, der zurzeit da wäre.

Die harte Phase ist übrigens noch nicht beendet. Armin Veh: „Wir werden in den nächsten Tagen schon noch mehr im physischen Bereich arbeiten, also ohne Ball. Wir haben ja eine lange Vorbereitungszeit, siebeneinhalb Wochen. Die werden wir nutzen, um uns intensiv auf die Saison vorzubereiten.“ Die meiste Zeit davon ohne „Fünf“, denn Eljero Elia, Joris Mathijsen, Dennis Aogo, Marcell Jansen und Piotr Trochowski sind im Moment noch in Südafrika unabkömmlich. Und wenn sie dann abkömmlich wären, dann haben sie noch drei Wochen Urlaub. Deswegen geht Armin Veh auch davon aus, dass er diese Spieler erst am 1. August kennen lernen wird. „Besser wäre es, wenn alle dabei wären, aber wenn es eben so ist, dann komme ich damit auch klar. Lamentieren bringt ja nichts“, sagt er wieder realistisch. Zunächst sind freie Tage für die Profis nicht vorgesehen, jedenfalls bis zum Spiel gegen Juventus Turin am 18. Juli in Lübeck.

Ein anderes Thema: Neuerwerbungen. Ihr erinnert Euch sicher. An seinem ersten (Trainings-)Tag in Hamburg hatte Armin Veh voller Zuversicht und Optimismus von den Neuerwerbungen, die da noch kommen sollen, gesprochen. Ist er noch immer dieser Meinung, oder muss er schon Abstriche machen? Der Coach: „Nein, alles ist gut.“ Dann ergänzte er: „Noch bin ich es.“ Eine kleine Einschränkung? Hoffentlich nicht.

Schnell noch einen WM-Abstecher mit Armin Veh: „Es war ein Klasse-Spiel von uns gegen Argentinien. Ich habe auch schon gesagt, dass das Serbien-Spiel trotz der Niederlage gut war, auch das gegen England – wir spielen den besten Fußball bei dieser Weltmeisterschaft. Es passt wunderbar, da hat sich eine großartige Mannschaft gefunden. Es funktioniert, das hat sich eine richtige Truppe gefunden, bei der wirklich alles passt – die Jungs spielen tollen Fußball. Und das freut mich natürlich. Dass man nicht mit irgendeinem Rumpel-Ding weitergekommen sind, sondern mit hervorragendem Fußball.“ Und nun? Wie geht es weiter? Veh: „Spanien wird schwer, wird sehr, sehr schwer. Besser wäre Paraguay für uns gewesen. Spanien war von Beginn an ein Endspiel-Partner für mich.“

Auf die vielen, vielen Pressestimmen zum überragenden 9:0-Sieg des HSV in Leck verzichte ich nun schweren Herzens, denn so gute und ideenreiche hätte ich ohnehin nicht „einholen“ können – wie die von Euch. Herrlich, ich habe hier ganz allein laut los gelacht, Ihr seid schon super drauf – die meisten jedenfalls, in wahrer WM-Form! Es bringt auch mir wirklich sehr viel Spaß, hier bei „Matz ab“ mit zu lesen. Bravo!

Und, bei der Gelegenheit: Vielen Dank für Eure „Teppich-Rollen-Komplimente“. Um es klar zu sagen: Ich habe mich dabei nicht verletzt, weiß aber immer noch nicht, wie ich auf den Boden „gerollt“ bin. Obwohl, und das ist die absolute Wahrheit, ich während des Spiels keinen Tropfen Alkohol zu mir genommen habe – und auch natürlich vorher nichts! Zu „björnmose“ muss ich kurz noch sagen: Es gibt keinen Video- oder Foto-Beweis von dieser „Teppich-Nummer“. Heute zur Mittagszeit lief mir im Mannschafts-Hotel A-Rosa noch einmal der frühere Düsseldorfer Bundesliga-Trainer Dieter Tippenhauer (mit seiner Frau) über den Weg, er verabschiedete sich von mir und sagte dabei: „Diese Rolle war sensationell, wie du das gemacht hast, wird mir ein Rätsel bleiben, aber es war schön anzusehen, ich werde sie in Erinnerung behalten . . .“ Wer also ganz genau wissen will, wie es war: Tippenhauer fragen.

22.56 Uhr

So, nun ist Gute-Nacht-Zeit angesagt. Ob ich allerdings schlafen kann, sei noch dahingestellt, denn: Hier in Hamburg ist es ja noch viel wärmer, als zuletzt auf Sylt. Hier weht ja kein Lüftchen, hier ist es „bruttig“ – kriminell und unheimlich. Na gut, aber man muss es ja wohl versuchen . . .

Also, allen „Matz-abbern“ eine gute und wunderschöne und geruhsame Nacht. Und: Morgen ist Drobny-Tag.

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