Tagesarchiv für den 3. Juli 2010

Unfassbar! Dieses 4:0 ist unfassbar!

3. Juli 2010

Es ist unfassbar! Es ist einfach nur traumhaft! Es ist sensationell! Das, liebe „Matz-abber“, ist einer der schönsten Tage, die ich je im Fußball erlebt habe. Und ich war 1996 beim EM-Sieg im Wembleystadion, ich war in Japan beim WM-Finale gegen Brasilien, habe schon viele, viele große Spiele gesehen, aber dieses Spiel gegen Argentinien? Nein, es ist unfassbar. Ich könnte die ganze Welt umarmen, ehrlich.

Und eigentlich wollte ich Euch schon seit Stunden über meine riesige Freude geschrieben haben – aber aus Sylt geht seit Stunden ein schweres Gewitter hernieder. Mit richtig heftigen Regengüssen. Irgendwann aber musste es sein – ab durch das Nass. Jetzt sitze ich hier in meinen nassen Klamotten und bin immer noch restlos geschafft. Was für ein Fußball, was für ein Spiel, was für ein Traum! 4:0 in einem WM-Viertelfinale gegen Argentinien. Nein, das geht gar nicht, es geht wirklich nicht – aber es stimmt. Verdammt, es stimmt, was für ein Tag, dieser 3. Juli 2010.

Ich hätte ja eher ein 0:4 für möglich gehalten, und dann das. Argentinien hatte mit den schönste Ball bei dieser WM bislang gespielt. Bis zu diesem 3. Juli 2010. Dann kommt diese junge deutsche Mannschaft und fegt die Truppe von Maradona vom Rasen. Wie geht das? Wie ist so etwas möglich? Ich werde es wahrscheinlich auch in Wochen nicht kapieren, aber es ist Tatsache. Eine wundervolle, eine sensationelle Tatsache.

Und wer jetzt vermutet, dass ich ein wenig angetrunken bin, dann ist das falsch. Ich war. Aber seit dem Gewitter bin ich nüchtern, weil ich in meine Pension wollte, aber keine Chance hatte – ich wäre sonst weg geschwommen. Oder wäre vom Blitz getroffen worden. Wobei: Dieses Erlebnis hatte ich bereits an diesem Nachmittag, zwischen 16 Uhr und 18 Uhr. Es ist unfassbar.

Was hat dieser Bastian Schweinsteiger gespielt? War das von dieser Welt? Er hat Messi bewacht und nebenbei das Spiel seines Lebens gemacht. „Schweini“ war die Granate, er hat sich spätestens mit diesen 90 Minuten in die Taschenbücher sämtlicher Spione der ganz, ganz großen Klubs dieser Welt gespielt. Schweinsteiger hat neue Maßstäbe gesetzt, was das Prädikat „Weltklasse“ anbelangt. Der Münchner war nicht nur der Kopf dieser DFB-Truppe, er war Chef, Motivator, Antreiber, Ideengeber, Impulsgeber – und immer anspielbar. Über elf Kilometer ist er in diesem Spiel gelaufen, unglaublich! Und nicht nur gelaufen, sondern gespielt. Elf Kilometer Weltklasse!

Aber wo soll man mit diesen Lobeshymnen aufhören? Sie waren ja alle klasse. Thomas Müller macht das 1:0. Der Mann ist 20 Jahre alt, jung. Wo war ich mit 20? Fragt Ihr Euch das auch, wenn Ihr diesen Müller seht? Bitter, dass dieser Shootingstar nun im Halbfinale fehlt. Die einzige zweifelhafte Entscheidung des überragenden Schiedsrichters aus Usbekistan. Schade, aber nicht zu ändern.

Dann Miroslav Klose. Im 100. Länderspiel zwei Tore, nun mit 14 Treffern an zweiter Stelle der ewigen WM-Torschützenliste hinter Ronaldo (15). Einmalig. Klose ackerte fantastisch, und er ließ nie entmutigen, wenn er gelegentlich allein auf weiter Flur stand. Auch dieser Klose, den niemand in Deutschland auf dem Zettel hatte (außer Jogi Löw), ist für mich die Entdeckung dieser WM.

Neuer immer wach, Lahm super, Mertesacker diesmal ohne jeden Fehler, Friedrich mit einem Tor (!) und (erneut) mit einer sensationellen Leistung, Boateng steigerte sich mit zunehmender Spielzeit und musste verletzt raus. Khedira unauffällig aber enorm effektiv (ganz sicher eine große Stütze), Özil mit einer großen Fleißnummer und mt viel Gefühl im Schuh, und Podolski diesmal als emsiger Arbeiter auch in der Rückwärtsbewegung. Es geht doch!

Deutschland hatte vier Wochen vor dieser WM keine Nationalmannschaft, aber jetzt hat Deutschland eine Mannschaft, die Weltmeister werden kann. Und wenn sie dennoch nicht Weltmeister werden sollte, so hat dieses Team, das Jogi Löw quasi über Nacht kreiert hat, auf jeden Fall alle Deutschen (schon jetzt) weltmeisterlich begeistert.

4:0 gegen Argentinien? Nein, nein, liebe „Matz-abber“, das geht gar nicht. Es ist inzwischen weit nach 23 Uhr, aber so richtig glauben kann ich es immer noch nicht.
Gesehen haben wir Hamburger Journalisten es im Mannschaftshotel des HSV. In diesem Fünfeinhalb-Sterne-Tempel A-Rosa. Und ich weiß nicht, ob ich das jemals wiederholen kann, was ich dort machte. Nach dem 3:0 von Friedrich kugelte ich mich vor Freude über den Teppich des großen Saales. Keine Angst, mit mir jubelte, tanzte, hüpfte und schrie das gesamte Personal und alle, alle Gäste. Aber dass ich über den Teppich rollte, war auch neu für mich. Der ehemalige Bundesliga-Trainer Dieter Tippenhauer (Düsseldorf), der Gast im A-Rosa ist, gab hinterher auf diese Jubel-Rolle ein Bier aus. So etwas hatte er noch nie gesehen – ich auch nicht. Musste aber raus, diese Freude pur. Musste raus!

Und eben sah ich noch auf RTL, dass Diego Maradona im März, beim 1:0-Sieg in Deutschland gegen die Löw-Elf, bei der Pressekonferenz nicht neben Thomas Müller sitzen wollte. Mardadona stand auf und wollte unter Protest den Raum verlassen. Was sollte dieser namenlose Müller neben Maradona? Das ist ja Majestätsbeleidigung. Müller ging dann, und Maradona kam wieder zurück. Unmöglich! Und heute? Das 1:0 war Thomas Müllers Antwort für einen durchdrehenden Größenwahnsinnigen.

Übrigens: Der HSV spielte nach diesem Jahrhundert-Ereignis Beach-Volleyball – und alle sind heil geblieben. Das ist doch auch eine erfreuliche Nachricht.

Schlaft gut, wenn Ihr es schon könnt – ich sitze allein in meinem Zimmer, aber ich werde mit mir noch weiter feiern. Ohne Alkohol, ohne über den Teppich zu rollen – aber voller Freude.

Gute Nacht an diesem unvergesslichen 3. Juli 2010.

23.29 Uhr

Der Sturm – und eine Geschichte

3. Juli 2010

Was für ein Sturm in Hamburg. Tut bei dieser Hitze ganz gut. Wenn dieser Sturm helfen würde. Ich bin schon erstaunt, wie viele „Matz-abber“ die wirtschaftliche Lage des HSV kennen. Ganz erstaunlich. Und was mir dabei unterstellt wird – alle Achtung. Natürlich schreibe ich nicht gerne jeden Tag darüber, dass beim HSV ein Ball von 35 Luft verloren hat, oder dass dem Spieler XY das Schuhband gerissen ist, oder dass jeder Profi, die Jung-Talente eingeschlossen, 16 Liegestütze machen musste. Aber informiere ich deshalb falsch? Ich behaupte von mir, das galt schon als Schreiberling für die Print-Ausgabe des Abendblattes, dass ich immer nur die Wahrheit schreibe. Das gilt immer noch. Auch für diesen Beitrag, Und für jeden vorherigen.

Ich möchte auf diese Problematik jetzt auch nicht mehr näher eingehen. Alle diejenigen, die mich jetzt „zum Teufel wünschen“, denen empfehle ich die Außerordentliche Mitglieder-Versammlung am 13. Juli. Und wer selbst nicht da sein kann, aber gerne informiert werden möchte (das gilt auch für die Leute, die heute schon alles wissen), was da abgelaufen ist, die sollten sich tags darauf durch die Medien informieren lassen.

Und alle diejenigen, die mir jetzt noch unterstellen, ich hätte dummes Zeug geschrieben, dürfen sich dann gerne genauso vehement bei mir entschuldigen. Und ich mache es, falls es anders kommt als ich denke, dann auch umgekehrt. Versprochen.

Eines und eins das macht zwei. Sang einst Hildegard Knef. Wer eins und eins zusammenzählen kann, der ist gut dran. Und wer davon träumt, dass der HSV im Geld schwimmt, und der Herr Kühne nur per Zufall seine Millionen im Volkspark abgeladen hat, der möge weiter träumen. Mehr möchte ich von diesem Deal aber auch nicht mehr schreiben. Weil ich doch genau wusste, dass es mir von einigen Besserwissern um die Ohren gegeben wird. Diejenigen, die nicht wissen, was sie nun glauben sollen, die bitte ich, am 13. Juli die Fragen zu stellen, die nötig sind, um Licht ins Dunkel zu bringen.

Wobei ich noch einmal sagen muss: Ich habe nichts, absolut nichts gegen diese jetzige HSV-Führung. Wird mir ja auch immer wieder unterstellt. Ist aber nicht so. Ich sage es noch einmal ganz deutlich: Der sportliche Aufschwung des HSV ist eingetreten, als Bernd Hoffmann, Katja Kraus und Dietmar Beiersdorfer das Sagen hatten.

Aber dass vielleicht trotz der allerbesten Führung hier und dort mal eine finanzielle Lücke entstehen kann, das kommt sicher vor. Das gab es vor 50 Jahren schon (beim HSV), das gab es vor 30 Jahren, vor 20 Jahren und auch vor zehn. Immer dann aber, wenn hier davon geträumt wurde, dass man als Trainer einen Wenger, Hiddink oder Mourinho holen könne, und als Spieler Ronaldo, Messi oder Rooney, habe ich es gewagt, ganz dezent darauf hin zu weisen, dass der HSV für solche Leute nicht genügend Geld in der Kasse hätte. Und das Echo? Mir flogen die Proteste und Beschimpfungen nur so um die Ohren. Wie diesmal. Ich nehme das mit Gelassnehit hin. Ganz ehrlich. Weil ich weiß, was ich weiß. Auch in diesem Falle kann ich nur jedem, der mich jetzt verteufelt, raten:

ABWARTEN.

So, nun ist aber auch Schluss mit lustig. Im Gegensatz zu Hamburg weht auf Sylt immer ein kleines Lüftchen. Das macht die Sache „Trainingslager“ noch halbwegs erträglich. Obwohl die Spieler schon tüchtig am Keuchen sind. Als Collin Benjamin heute Mittag vom Trainingsplatz kam, verdrehte er die Augen. Nicht aus Show-Gründen, sondern weil er tatsächlich am Ende war: „Ich bin völlig platt.“ Die Hitze ist unerträglich, die Sonne unaufhaltsam und penetrant. Trotz allem wurde wieder zwei Stunden „fett“ trainiert. Und, was erstaunlich ist: Nach dem Training erfüllt jeder Spieler noch geduldig Autogrammwünsche. Alle Achtung. Besonders gefragt ist natürlich Ruud van Nistelrooy, aber auch er stellt sich allen Anforderungen profihaft – und meistens noch mit einem Lächeln auf den Lippen. Der Niederländer schreibt sogar schon vor dem Training, und er stellt sich bereitwillig zum Foto. Hervorragend! Aber wie gesagt, das machen alle.

Um schnell einmal auf einen „Neuen“ im HSV-Trainer-Team zu kommen: Torwarttrainer Ronny Teuber (der ja ein Rückkehrer ist) „verwöhnt“ seinen Keeper mit jeder Menge neuer Übungen, die ich in dieser Form beim HSV noch nie gesehen habe – höchstens mal beim BTT Sepp Maier. Eine gute Sache.

Nicht ganz so gut (oder gelungen) war der Trainingsabschluss: Stürmer Paolo Guerrero fuhr, um Trainings-Utensilien einzusammeln, einen HSV-Kombi – und zwar quer über das Spielfeld. Was den Chef der “Nordsee-College-Sylt”-Anlage zu folgendem spontanen Ausruf veranlasste: „Hey, was ist das denn für ein Penner!?“

Paolo hatte es nur gut gemeint, er umging so den auf der Tartanbahn stehenden Autogrammjägern. Es konnte also keiner vor das Auto laufen. Aber: Die Lister haben natürlich Angst um ihren „heiligen“ Rasen, der ja eigentlich schlecht sein sollte (so hieß es vorher in Hamburg), der sich dann aber tatsächlich in einem hervorragenden Zustand präsentierte – und nun nicht unbedingt von einem HSV-Auto beschädigt werden sollte. Manager Jürgen Ahlert wies Paolo Guerreo auf die Falschfahrt hin, und das war es dann auch.

Ende gut, alles gut? Hoffentlich.

So, nun noch eine Sommergeschichte im Anschluss – und bevor es mit Deutschland gegen Argentinien losgeht.
Lieber Herr Rehwinkel, der Name Ihrer Familie ist in Hamburger Fußballkreisen sehr wohl bekannt – ich danke Ihnen, dass Sie uns Ihre Geschichte aufgeschrieben haben. Und nun beginnt es:

Sehr geehrte Herr Matz,
mit großer Begeisterung lese ich täglich ihre Informationen über den HSV und bin schwer begeistert, so viele Details und Informationen über den HSV zu bekommen – und eigentlich hat alles Hand und Fuß.
Gerne möchte ich zu den Sommergeschichten meinen Beitrag senden, vielleicht ist er ja druckwertig.
Als Nickname könnte ich mir gut „der Frankfurter” vorstellen. Mit diesem Namen werde ich Zukunft auch an dem Blog teilnehmen, falls er nicht vergeben ist.

Hier nun meine HSV-Geschichte, zur Information die Namen in meiner Geschichte waren: Mein Vater Heinz Rehwinkel spielte in Remscheid, seine Brüder Jürgen und Claus (Oschi) Rehwinkel bei Victoria. Jürgen Rehwinkel später auch als Betreuer (er war Heilpraktiker) und rannte immer auf Feld, wenn einer umfiel . . .

HSV-Fan seit über 50 Jahren

Für meine Sommergeschichte muss ich recht weit ausholen: Mein Kinderfotoalbum fängt mit dem Stadionfoto vom VfB-Marathon Remscheid an. Mein Vater kam in den späten vierziger Jahren aus Hamburg beruflich nach Remscheid ins Ruhrgebiet und spielte mit viel Erfolg als Torwart beim VfB-Marathon. Die Zeiten waren schlecht und die Wohnungen teuer, aber er bekam mit seiner Frau eine Wohnung in der Tribüne des Stadions, damals gab es noch so etwas.

Als ich dann geboren wurde, hatte ich dann den größten Spielplatz, den sich ein Kind nur vorstellen kann, ein ganzes Stadion. Ich war am liebsten in der Sprunggrube, eine super tolle und große Sandkiste.
Nachdem der Verein meinen Vater nicht mehr bezahlen konnte (Kündigung lautete: Sie sind ein großartiger Spieler, aber wir können uns ihr Gehalt nicht mehr leisten und müssen sie hiermit entlassen, unentgeltlich können Sie aber gerne bei uns weiter spielen…!), zog unsere Familie dann aus beruflichen Gründen zurück nach Hamburg. Da mein Vater auch schon gegen den HSV gespielt hatte, (gegen Uwes Vater), war dann doch eine Verbindung zum HSV vorhanden, obwohl seine Brüder beide bei Victoria spielten Jürgen im Tor und Oschi im Mittelfeld. Aber wenn es die Möglichkeit gab, pilgerte man aus Eppendorf zum Rothenbaum und später dann ins Volksparkstadion.

Wir Kinder immer mit dabei. Es ergab es sich dann, das alle Kinder (drei Jungs, jeder Vater hatte einen Sohn) bei Victoria in die Jugendmannschaften eintraten, da der Weg – auch bei uns nach Ochsenzoll zum HSV zu weit war. Auch war unser aller Können sicherlich nicht gut genug, um beim großen HSV zu spielen, dass wurde uns auch regelmäßig gezeigt, es gab eine Packung nach der anderen.

Unsere Wochenenden waren mit Fußball voll gefüllt, erst die Jugendspiele, dann schnell duschen und Väter und Söhne ab ins Volksparkstadion. Nach Spielschluss schnellen Schrittes ins Auto und Sportschau gucken, für unsere Mütter unverständlich. Spiel live gesehen und dann noch einmal im Fernsehen?

Sonntagvormittag dann zur Hoheluft und das Spiel von Victoria angesehen, sofern es ein Heimspiel gab. Mal sehen, was die Onkels
so drauf hatten. Nachmittags dann schnell einen Spaziergang an der Alster oder im Wald in der Umgebung, rechtzeitig für Bonanza, dann wieder daheim.

Heute kann ich unsere Mütter nur bedauern, alles drehte sich um Fußball. Schlimmer wurde es nur noch, wenn es Europapokalspiele gab, dann neben Fußballtraining auch noch mit dem Vater ins nächste Lokal und die Spiele bei der ersten Cola und im verräuchertem Nebenraum, auf dem Boden sitzend, beobachtet.
Ich denke, wir haben kein Heimspiel vom HSV in der damaligen Zeit verpasst.

Beruflich hat es mich dann 1972 nach Frankfurt verschlagen. Aber immer wenn es möglich war und die Eintracht oder gar Offenbach hatte den HSV zu Gast, war ich im Stadion.

Auch nach 50 Jahren bin ich immer noch echter HSV-Fan, ohne HSV-Bettwäsche, aber mit großer HSV Fahne, die beim Sieg dann bei uns vom Balkon flattert. Sieht übrigens viel besser aus, als die Fahne von den Nachbarn; der eine Schalke 04, der andere Bayern!

Ich hoffe der HSV fängt sich wieder und die Eintracht spielt weiter in der Ersten Liga, damit ich dann wieder „meinen“ HSV sehen kann – zur Eintracht gehe ich übrigens sonst nicht.

Nur der HSV

14.41 Uhr

Aogo, Guerrero und Jansen sind es

3. Juli 2010

Einen wunderschönen Sonnabend – der uns hoffentlich einen wunderschönen Sieg über Argentinien bringen wird. Auch auf Sylt herrscht nun Ruhe, aber die Sahara-Hitze hält sich beharrlich. Nicht nur den Spielern läuft bei diesen Temperaturen der Schweiß unaufhörlich von oben nach unten . . . Aber die Ablenkung hieß ja Fußball. Endlich wieder WM. Sorry muss ich schon wieder einmal sagen (Hitze? Alter? Oder das Wort mit D?), weil ich nachmittags die Niederländer gegen Argentinien spielen ließ. Für diejenigen, die den Fehler erkannt und auch moniert haben gibt es leider eine Enttäuschung: Es war kein Preis in Form eines Trikots oder handsignierten Fotos ausgesetzt. Aber ich hoffe, dass die Fehler doch nur der Hitze zuzuschreiben sind. Mit Schrecken denke ich immer noch an den „25. August“ . . . Statt des 25. Juni. So, Schluss mit der Laberei, es ist schon spät genug.

Was ich dennoch schnell los werden möchte, nämlich zum Spiel Brasilien gegen Niederlande (!), ist das: Vor dem 2:1-Siegtor verursachte Juan einen Eckstoß für Orange. Was für ein großer Fehler! Der Brasilianer hätte die Kugel sonst wo hin schießen können, aber er beförderte sie plump und kurz sowie schmerzlos zur Ecke. So etwas Rustikales hat noch nie ein Brasilianer gemacht. Ich dachte noch bei mir: Aus solchen Fehlern werden schnell mal Tore gemacht – und schon führte unser Nachbar mit 2:1. Unfassbar für mich, wie eine technisch so beschlagene Nationalmannschaft wie Brasilien einen solchen Fehler begehen konnte. Das aber nur am Rande.

Durch den Sieg der Niederländer (Joris Mathijsen erlitt vor dem Anpfiff eine Bänderdehnung im Knie) wird der HSV nun noch eine Woche länger auf die Folter gespannt. Wären Robben, van Bommel, van der Vaart und Co an diesem Wochenende nach Hause geflogen, hätte Mittelfeld-Kandidat Ibrahim Afellay wohl schon in der kommenden Woche beim HSV unterschrieben. Alle Anzeichen deuteten zuletzt darauf hin. Nun müssen sich alle weiter in Geduld üben. Watt’n Pech aber auch.

Dafür wurde ein anderes Geheimnis nun gelüftet. Nämlich die Frage, wie der Herr Kühne (von der Firma Kühne & Nagel) eines Tages wieder an seine Millionen Euro kommt, die er nun dem HSV gepumpt hat. Es soll ja so sein: Herr Kühne (73) gab 15 Millionen. 7,5 Millionen soll der HSV dafür benötigt haben, um die Kasse ein wenig auf Vordermann bringen zu können. Um es einmal salopp zu formulieren. Und 7,5 Millionen werden in einen neuen Spieler (oder zwei?) investiert. Damit der Herr Kühne eines noch weit, weit fernen Tages wieder an sein Geld gelangt, das er für das Projekt „Anstoß hoch 3“ gegeben hat, wurde ein kleiner Deal vertraglich abgeschlossen.

In diesem Deal spielen Paolo Guerrero, Dennis Aogo und Marcell Jansen die Hauptrollen. Sie sind es nämlich, die dem Herrn Kühne das Geld wieder in seine Tasche spülen (oder spielen) sollen. Diese drei Spieler sind praktisch die etwas anderen Bürgen für ihren Arbeitgeber. Diese drei Profis haben alle einen, wie es so schön heißt, virtuellen Marktwert von 7,5 Millionen Euro (oder auch mehr). Kühne stehen bei einem tatsächlichen Verkauf eines dieser drei Spieler 33,3 Prozent zu, also mindestens 2,5 Millionen Euro.

Ich bin gespannt, wie die Bundesliga-Konkurrenz auf dieses neue Modell reagieren wird. Und ich bin auch gespannt, wie dieses Geschäft von der vereinseigenen Opposition zur Kenntnis genommen wird. Spätestens bei der Außerordentlichen Mitglieder-Versammlung am 13. Juli wird dieses Geheimnis wohl gelüftet.

Wichtig ist bei diesem spektakulären und auch bislang für die Bundesliga ungewöhnlichen Deal aber noch zu wissen, dass die Entscheidungsgewalt weiterhin zu 100 Prozent beim HSV bleibt. Also hat der Herr Kühne null Mitspracherecht beim HSV, auch nicht bei Transferverhandlungen der Spieler Guerrero, Aogo und Jansen.

Noch kurz zu Hertha-Torwart Jaroslav Drobny. Er soll so schnell wie möglich einen Vier-Jahres-Vertrag unterschreiben. Den Medizincheck hat der Keeper in Hamburg bestanden, nun fehlt nur noch das Einverständnis des Aufsichtsrats, das aber spätestens bis zum Montagvormittag vorliegen soll. Die Räte haben (wohl) schon Zustimmung signalisiert. Und dann wird ratz-fatz unterschrieben.

Guten Morgen.

0.27 Uhr (es wird immer später!)