Tagesarchiv für den 2. Juli 2010

Der neue Fleiß – und eine Geschichte

2. Juli 2010

Herrlich! Auf Sylt gibt es keine Eintagsfliegen. Fußballerische Eintagsfliegen jedenfalls. Oder noch genauer: HSV-Eintagsfliegen. Grund dieser und meiner Erkenntnis: Am Donnerstag wurde bereits hart trainiert, und, jetzt kommt wieder Freude bei mir auf, am Freitag ebenfalls. Super. Die Jungs werden hart ran genommen, die Vormittagseinheit dauerte zwei Stunden und 20 Minuten. Bereits um 7.30 Uhr hatte Armin Veh sein Team zum Frühlauf gebeten, zweimal 15 Minuten. Auch wenn das Tempo da (bei einigen) nicht gerade hoch gewesen sein soll – die Herren tun etwas (mehr). Und diesem Freitag geht es auch noch weiter, denn nach dem Spiel Niederlande gegen Brasilien (sorry, ich war in Gedanken schon etwas weiter) wird noch eine Stunde auf dem Fahrrad verbracht, unterbrochen von 15 Minuten Dehnübungen. Mensch, das klingt alles so gut – von mir aus könnte diese Saison jetzt chon losgehen, ich bin auf diesen HSV gespannt wie ein Flitzbogen.

So, nun mal die Euphorie ein wenig runterfahren, denn die Profis werden ja auch bestens bezahlt, dafür dürfen sie sich dann auch ein wenig quälen. Ist nur so, dass ich eine solche Intensität seit über einem Jahr nicht mehr (beim HSV) gesehen hatte. Und es weht irgendwie auch ein anderer Wind im Training. Die erste halbe Stunde gehörte Co-Trainer Michael Oenning, und der ließ bei seiner Premiere-Einheit Passspiel üben. Mit einigen netten Kommentaren, die darauf hindeuteten, dass er keine „Luscherei“ duldet. Solche Töne gab es von einem HSV-Assistenten auch seit geraumer Zeit nicht mehr zu hören. Mir gefiel das.

Nach 30 Minuten übernahm dann, wie bereits am Donnerstag, Leistungsdiagnostiker Manfred Düring das Kommando. Kompliment an den diplomierten Sportwissenschaftler, er zieht sein Programm super durch. Offenbar hat er bereits das Vertrauen von Chef-Trainer Armin Veh erhalten, denn der neue Coach lässt Düring jegliche Freiheiten – und ich bin davon restlos überzeugt, dass sowohl Veh als auch der HSV davon profitieren werden. Düring hatte ein Zirkeltraining mit 15 Stationen aufgebaut, wer als Spieler nicht gerade an einer dieser Stationen „herumturnen“ musste, der lief einmal über das gesamte Spielfeld hin und zurück. Die jeweiligen Einheiten dauerten 30 Minuten, dann gab es aktive Erholung von 15 Minuten, in denen getrunken und dann gelaufen wurde.

Zum Tagesgeschäft. Der Transfer von Jaroslav Drobny zum HSV ist so gut wie perfekt. Der bisherige Hertha-Keeper hat den Medizin-Check des HSV überstanden, am Montag soll ein Drei-Jahres-Vertrag unterzeichnet werden. Dann wäre der erste Neuzugang unter Dach und Fach. Und eventuell auch ein bisschen Ärger. Es sei denn, Frank Rost zieht die Konsequenzen und sucht sich auf die Schnelle noch einen neuen Arbeitgeber. Ich rechne ja fest damit. Auf’s Altenteil wird sich Frank Rost auf jeden Fall noch nicht setzen lassen.

Nach Drobny könnte durchaus schon in der nächsten Woche (?) ein weiterer Berliner zum HSV stoßen – Gojko Kacar. Die Verhandlungen mit dem Mittelfeldspieler sollen weit fortgeschritten sein, so dass es auch dort demnächst zu einer Unterschrift kommen könnte.

Gehandelt wird beim HSV ja auch der Schweizer Xherdan Shaqiri Das größte Talent der Schweiz (so heißt es immer wieder) spielt im Mittelfeld, dort vorzugsweise auf den Außenbahnen, mit Vorliebe dann auch links. Wie Marcell Jansen, Eljero Elia und Piotr Trochowski. Ob der HSV klug beraten ist, diese Position doppelt und dreifach zu besetzten? Oder, was ich auch schon gedacht habe: Shaqiri könnte ja auch eventuell über die rechte Seite kommen – als Linksfuß. Siehe FC Bayern und Arjen Robben. Wer hätte gedacht, dass van Gaal seinen Landsmann so eisern rechts spielen lässt? Und wer hätte dazu noch gedacht, dass das so gut funktionieren würde? Robben ist doch von rechts nicht mehr wegzudenken. Und eventuell funktioniert ein solches Modell ja auch beim HSV . . . Dann hätten sich die Hamburger eben mal etwas vom FC Bayer abgeguckt, na und?

So, es folgt noch die Sommergeschichte zum ersten Viertelfinale (hat aber weder etwas mit Brasilien noch mit den Niederländern zu tun).
Leider muss ich Euch mitteilen, dass ich den Namen des Autoren nicht mit nach Sylt genommen habe, und dass ich von hier (der Insel) auch nicht in der Lage bin, ihn zu ergründen. Vielleicht meldet sich der Schreiber dieser Sommergeschichte und verrät uns seinen Namen – wäre schön. Auf jeden Fall einmal vielen Dank für die Zeilen und für die Mühe. Es ist ein weitere Beweis für mich, dass man auch überall auf der Welt HSV-Fan sein kann – sogar im Rheinland.

Es geht los:

Hallo HSVer,

nachdem ich hier so viele tolle Geschichten lesen durfte, die mich ein um das andere Mal an meine eigenen Erfahrungen mit dem HSV erinnerten, dachte ich mir, dass mein Beitrag da sicher ganz gut rein passen würde.

Ich bin HSV-Fan aus vollem Herzen, obwohl ich in der Nähe von Köln lebe. Angefangen hat alles damit, dass mein Papa mir zum zehnten Geburtstag mein erstes HSV-Trikot geschenkt hat. Er ist selber im Norden aufgewachsen und trägt die Raute ebenfalls im Herzen. Auf jeden Fall war ich von klein an in „unseren“ HSV verliebt.

Als ich noch Steppke war, hatten wir weder Internet, auf dem ich den HSV im Radio verfolgen konnte, noch konnte ich die Spiele in den hier gängigen Radio-Sendern verfolgen, da diese doch in sehr geringem Maße vom HSV berichteten. So ergriff ich sonnabends um 15:30 die einzig mir übrig bleibende Möglichkeit und schaltete den Fernseher an. Dann saß ich 90 Minuten vor der Videotext-Tafel, voller Spannung und in freudiger Erwartung, wenn das nächste Mal ein Ergebnis pink aufleuchtete. Was es immer tat, wenn dort gerade ein Tor gefallen war.

Besonders gut erinnere ich mich da an ein Tor von Roy Präger, ich weiß aber leider nicht mehr, gegen wen er dieses schoss. Meine Mutter hielt mich damals schon für bekloppt und konnte sich nicht erklären wieso ich so etwas mache, da ich ja schließlich in Köln aufgewachsen bin. Ich kann es ihr bis heute nicht erklären, aber ich kann ihr erklären, wieso ich mich jede Woche auf das Spiel vom HSV am Wochenende, oder wie in den letzten Jahren, auch meistens donnerstags so unglaublich freue.

Mein Herz schlägt einfach Schwarz-Weiß-Blau.

Dann wurde ich älter und mein Vater nahm mich zum ersten Mal zu einem Spiel zum HSV mit. Ich bin 1992 geboren und durfte nie in den Genuss des Volkparkstadions kommen. Dafür aber die atemberaubende Atmosphäre der AOL-Arena aufsaugen. Ich war begeistert, obwohl mein HSV über ein Unentschieden gegen den 1.FC Köln nicht hinauskam. Dies lag nicht zuletzt am schwachen Schiedsrichter, der ein klares Handspiel auf der Linie eines Kölners in der Nachspielzeit nicht erkannte, nachdem Sergej Barbarez den Ball nach einer Ecke aus fünf Metern Richtung Tor beförderte.

Für mein schönstes Erlebnis mit dem HSV muss ich jetzt allerdings einige Jahre weiter springen, sonst wird die Geschichte zu lang. Es war ein Auswärtsspiel in Leverkusen, vor drei Jahren. Das erste Mal Auswärtsblock Stehplatz. Zusammen mit meinem Onkel, meinem kleinen Cousin, die beide extra aus dem Norden angereist waren, sowie meinem Papa stand ich ganz unten am Zaun und feuerte den HSV an – so gut wie ich konnte. Doch allen Bemühungen des bis zum letzten Platz gefüllten Gästeblocks zum Trotz führte Bayer bis zur 70 Minute mit 1:0. Die HSV-Fans stellten sich schon auf eine Niederlage in Leverkusen ein, doch dann schlug die Stunde von Paolo Guerrero.
Der damalige HSV-Trainer Thomas Doll brachte also sein letztes Ass ins Spiel, der kurz darauf den Gästeblock mit einem Doppelpack innerhalb von fünf Minuten in ein Tollhaus verwandeln sollte. Man konnte jetzt eine Stecknadel in der ausverkauften Bay-Arena fallen hören, nur wir, der Gästeblock, waren obenauf. „Der HSV ist wieder da“, so hallte es nach Spielende durch Leverkusen.

Besonders freudig erinnere ich mich daran, dass Paolo Guerrero nach seinem zweiten Treffer an den Zaun des Gästeblocks lief, und weitere HSV-Spieler folgten, mit denen ich dann zusammen jubeln konnte. Es war so, als wäre ich Teil der Mannschaft, denn ich stand mit meinem Cousin ganz unten am Zaun. Auch die mich von hinten an den Zaun drückenden HSV-Fans konnten meine Freude nicht dämmen.
Wir feierten noch lange nach Schlusspfiff, und als ich nach Hause kam, schaute ich mir im DSF die Bundesliga am Sonntag an. Hierbei stellte ich stolz fest, dass ich beim gemeinsamen Jubel über das 2:1 im TV zu sehen war. Ein schönes Erlebnis. Es folgten weitere Auswärtsfahrten, die ich mit immer wieder enormer Begeisterung antrat.

In diesem Sinne, nur der HSV !!

PS: Eine Anmerkung noch von mir. Ein Matz-abber schrieb gerade, dass Frank Rost kürzlich im Flieger nach Manchester saß. das stimmt. Aber das hatte keine sportlichen Gründe, das war ein rein privater Besuch. Es muss von Eurer Seite also nicht gemutmaßt werden, ob Frank Rost demnächst im Tor von ManU oder von City stehen wird. Beides wird nicht passieren.

15.21 Uhr

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