Monatsarchiv für Juli 2010

HSV 1:2 – die Müdigkeit siegte

31. Juli 2010

Der Cup kann nicht mehr verteidigt werden. Der ohne sieben Stammspieler angetretene HSV verlor im “Liga-total-Cup” gegen die ebenfalls ersatzgeschwächten Schalker mit 1:2. Das Fazit von HSV-Coach Trainer Armin Veh: „Es war ein guter Test vor Bundesliga-Kulisse für uns. In der ersten Halbzeit war Schalke besser, aber Ruud van Nistelrooy machte aus einer Chance ein Tor. Das zeigt die Klasse von Ruud, das Tor macht nicht jeder. Nach vorne haben wir wenig gemacht, das hat mir nicht so gut gefallen. In der zweiten Halbzeit haben wir kombiniert, haben besser nach vorne gespielt, hatten Chancen, aber dafür haben wir dann hinten nicht gut gespielt. Das jedoch ist nicht verwunderlich, denn es fehlen ja die Spieler für hinten links. Robert Tesche hat ja noch nie im Leben hinten links gespielt. Insgesamt sieht man und sah man, dass wir noch in der Vorbereitung stecken.“

In 20 Jahren wird sich Heung Min Son bestimmt an diesen 31. Juli 2010 in Gelsenkirchen erinnern. „Man“, wird er sich sagen, „man war ich damals auf Schalke schlecht. Ich habe kein Bein vor das andere setzen können, was ich auch anstellte, es ging daneben. Ich war übernervös, alles lief an mir vorbei, wirklich alles. Und dennoch war dieses Spiel so wichtig für mich. Es war mein erstes vor einer so großen Kulisse. Der Trainer hatte mir das Vertrauen geschenkt, die Mitspieler gaben mir jegliche Unterstützung – nur ich konnte es nicht raffen. Aber danach ging es dann richtig los. Über 300 Bundesliga-Spiele, fast 150 Tore . . .“ Auf Schalke spielte Son nur 30 Minuten, dann wechselte ihn Trainer Armin Veh aus.

Zur Pause gab es in der Veltins-Arena Beifall, wenn auch verhalten. Die Zuschauer waren ja auch schon mit wenig zufrieden. Endlich wieder ein Hauch von Bundesliga, wenn es diesmal auch noch nicht um Punkte ging, wenn auch nur zweimal 30 Minuten gespielt wurden. Hauptsache Fußball. Obwohl es streckenweise so überhaupt nicht nach Spitzen-Fußball aussah. Für den HSV nutzte Ruud van Nistelrooy einen anfängerhaften Rückpass von Heimkehrer Christoph Metzelder zum frühen 1:0 (5.), danach wurde der Vorsprung „verwaltet“. Bis auf diese Szene hatte der HSV in der Offensive nichts mehr zu bieten – null. Der Ball wurde hin und her geschoben, selten einmal nach vorne gespielt, obwohl van Nistelrooy mehr als einmal andeutete, in die Gasse laufen zu wollen. Und Son, der übrigens auf der Spielerliste als „San“ angekündigt worden war, ebenfalls. Es war aber vieles Stückwerk, von Harmonie in den einzelnen Mannschaftsteilen keine Spur. Die harte Vorbreitung war jedem Hamburger mehr als deutlich anzumerken.

Aber: Jedes Spiel hilft. Das hatte Veh vorher gesagt. Und das trifft nicht nur auf Son zu, sondern auch auf jeden anderen HSV-Profi. Zähne zusammenbeißen und durch. So weit es geht jedenfalls. Bei Mladen Petric (Knie) und Paolo Guerrero, der muskuläre Probleme im Oberschenkel hat, ging es nicht. Obwohl, so sagte es mir Medien-Chef Jörn Wolf, es handelte sich dabei um eine reine Vorsichtsmaßnahme. Wenn ein Bundesliga-Spiel angestanden hätte, dann hätten beide wohl spielen können.

In der ersten Halbzeit war es einzig Torwart Frank Rost zu verdanken, dass die Null hinten stand. Der Keeper unterstrich seine sehr gute Verfassung, die er schon im Trainingslager in Längenfeld gezeigt hat. Ansonsten siegten Müdigkeit und Plattheit über den Willen.

Dennis Diekmeier hatte hinten rechts arge Probleme, konnte nach vorne keinerlei Akzente setzen – da muss noch viel, viel mehr kommen. Innen zeigte sich Guy Demel ungewohnt nervös, er hätte viel von seiner Routine leben können, aber er tat es nicht. Die Frage, die ich mir stelle: wieso nicht? Ist ihm innen die Verantwortung zu groß? Der Ex-Schalker Heiko Westermann, vor dem Anpfiff von Trainer Felix Magath mit einem großen Blumenstrauß verabschiedet, spielte solide, aber noch lange nicht in Bestform. Hinten links durfte erneut Ze Roberto sein Können zeigen, und das machte er gelegentlich richtig gut. Selbst die Defensiv-Aufgaben verrichtete er zufrieden stellend. Mehr als nur ein Notnagel? Wohl kaum, wenn erst Marcell Jansen und Dennis Aogo wieder mit von der Partie sind. Aber dennoch ein gelungenes Experiment.

Vor der Viererkette ackerten David Jarolim und Tomas Rincon. „Jaro“, der ehemalige Kapitän (diesmal trug wieder Ze Roberto die Binde), gehörte für mich schon in Halbzeit eins zu den besten Hamburgern, auch wenn ihm längst nicht alles gelang. Nach dem Spiel war er für mich dann der Beste. Weil er viel lief, weil er etliche Bälle erobert, weil er viele Löcher gestopft hatte. Bei Rincon wechselten Licht und Schatten in munterer Reihenfolge, er fiel aber für mich sicher nicht ab.

Die Dreierkette hinter der Spitze spielte mit Son, Gojko Kacar und Jonathan Pitroipa. Über Son ist bereits alles geschrieben worden. Einen Formanstieg gab es bei Kacar zu konstatieren, der Serbe war diesmal drin im Spiel, ging aggressiv zur Sache, half in vielen Szenen seinen Nebenleuten – das war okay. Pitroipa hatte etliche gute Szenen im Dribbling, die gute Verfassung, die ihm Armin Veh in Längenfeld attestierte, war ihm deutlich anzusehen. Zumal darf nicht übersehen werden, dass er leicht angeschlagen ins Spiel ging, denn in Österreich hatte er sich nach einem Tritt von Demel eine Knöchelverletzung zugezogen. Pitroipa aber wird, wenn er 100 Prozent abrufen kann, sicher ein gefährliche „Waffe“ des HSV.

In der Spitze hing Ruud van Nistelrooy, der sich zwar ständig anbot, der die Kugel auch oft (vergeblich) forderte, oft in der Luft, er bekam kaum Zuspiele – den besten Pass erhielt er noch von einem Schalker (Metzelder).

In der zweiten Halbzeit kamen Collin Benjamin (für Diekmeier), Robert Tesche (für Rincon) und Romeo Castelen (für Son). Der HSV wurde offensiver, ging mehr Risiko, hatte ein, zwei Chancen – aber Schalke schoss die Tore. Als Tesche und Benjamin nicht gerade glücklich standen, schoss Edu den Ausgleich (42.). Und beim 2:1-Siegtor der Schalker, vom gerade eingewechselten Jones erzielt, sah Rost bei diesem Schuss aus 25 Metern denkbar unglücklich aus – aber er schimpfte auf seine Vorderleute. Wohl deshalb, weil die dem Schuss tatenlos zugesehen hatten. Dennoch: haltbar. Kommentar Veh: „Frank war dennoch sehr präsent, dieser Fehler ärgert ihn mehr als mich.“ Aber der Fehler ersparte dem immerhin HSV ein Elfmeterschießen. Und am Sonntag darf die Mannschaft auch eher die Heimfahrt antreten.

Die letzten Wechsel des HSV: In der 47. Minute kam Eric-Maxim Choupo-Moting (für Pitroipa), und in der 50. Minute kam David Rozehnal für Westermann. Von allen eingewechselten Spielern hatten Benjamin und Choupo-Moting noch die besten Szenen.

18.44 Uhr

Das Veh-Resümee

30. Juli 2010

Das zweite Trainingslager der Saison ist beendet, der HSV läuft jetzt auf der Zielgeraden. Auf Sylt und in Längenfeld wurde wirklich hart gearbeitet, härter als in den vergangenen Jahren, so hatte ich das Gefühl, und auch die Spieler bestätigen es. So gesehen müsste der HSV eigentlich vor einer erfolgreichen Saison stehen: Neue Mannschaft, neuer Trainer, keine Verletzten – und dazu schon voll im Saft. Armin Veh stand nach dem Abstecher nach Österreich Rede und Antwort.

Zunächst einmal bezog er zum Thema Urs Siegenthaler Stellung: „Ich habe mit seiner Absage überhaupt nicht mehr gerechnet, das, was nun passiert ist, ist auch nicht nachvollziehbar für mich. Das ist doch für niemanden logisch, was da passiert ist – das Thema gibt es seit Februar. Und nun das. Für unseren Nachwuchsbereich wäre Siegenthaler in den nächsten Jahren unheimlich wertvoll gewesen.“ Grundsätzlich befindet der Chef-Coach: „Es wäre unheimlich wichtig für den HSV, einige Spieler aus dem Nachwuchs in die Bundesliga zu bringen, und Siegenthaler wäre prädestiniert dafür gewesen, neue Strukturen innerhalb des Vereins zu schaffen.“

Zum Fußball. Der HSV tritt morgen in Gelsenkirchen beim „Liga-total-Cup“ gegen Schalke 04 an. Für mich ein wenig unglücklich, denn Ihr alle wisst, dass Schalke auch zum ersten Bundesliga-Spiel des HSV in dieser Saison nach Hamburg kommen wird. Gut vorstellbar, dass bneide Trainer ein wenig pokern, um ja nicht schon alle Karten auf den Tisch zu legen. Beim HSV ist der Ex-Schalker Heiko Westermann leicht angeschlagen, so dass Veh sagt: „Ich weiß noch nicht, ob er spielen wird.“ Es soll jedes Risiko vermieden werden, Westermann fehlen (nach seinem Kahnbeinbruch) an der linken Wade noch einige Zentimeter an der normalen Muskulatur.

Für Veh steht natürlich der Ernstfall in der Liga an erster Stelle. Er will möglichst eine Punktlandung hinlegen, denn er sagt: „Wir sind noch nicht so weit, aber es wäre auch nicht richtig, wenn wir jetzt schon so weit wären. Aber diese Spiele in Gelsenkirchen werden uns natürlich weiter bringen, jedes Spiel hilft.“

Wobei es nicht nur Spiele sind, sondern auch das harte Training. Veh hat sein Programm in Längenfeld so durchziehen können, wie geplant – bis auf die Standards. Die wurden noch nicht geübt, weil die gesamte Mannschaft noch nicht beieinander ist. Armin Veh: „Aber das werden wir sicher noch bis zum Start trainieren.“

Am Montag kommen Marcell Jansen, Joris Mathijsen, Dennis Aogo, Piotr TRochwoski und Elejro Elia aus dem Urlaub. Sind diese WM-Fahrer dann auch automatisch gesetzt? Veh: „Mathijsen ist für mich gesetzt, aber dann muss man auch um seinen Platz kämpfen. Dass ich sage, dass jeder gesetzt ist, der nun zurückkommt, so ist es nicht. Das kann ja gar nicht der Fall sein, da müssen wir auch erst einmal die Werte überprüfen, in welcher Verfassung sie zurückkommen.“

Die Laktat-Werte der Spieler, die nun ständig trainieren konnten, wurden in der bisherigen Vorbereitung permanent kontrolliert (Blut), sie sind in Ordnung. „Wir haben konzentriert gearbeitet. Und wenn wir nun die Wochen bis zum Bundesliga-Start noch ohne Verletzungen überstehen sollten, dann hilft diese harte Vorbereitung jedem Spieler bis zum Ende der Hinrunde“, sagt Armin Veh.

Ein Lob hatte der Trainer für die „Alten“ parat: „Wie unsere älteren Spieler trainiert haben, mit welcher Lust, mit welchem Spaß, mit welcher Akribie, das war schon schön zu sehen, das machen nicht alle älteren Spieler so.“ Was ganz besonders auf Ruud van Nistelrooy zutrifft. Veh über den Niederländer: „Wenn er diese Vorbereitung so zu Ende bringt, dann traue ich ihm eine große Bundesliga-Saison zu. Die großen Spieler, die über so lange Zeit erfolgreich sind, die haben alle einen guten Charakter, und deswegen können sie beißen, deswegen trainieren sie so hart. Wenn man diese Charaktereigenschaften hat, kann man sich auch über Jahrzehnte auf einem solch hohen Level halten. Wie Ruud jetzt trainiert, wie er 100 Prozent gibt, das zeigt seine Klasse. Was übrigens auch auf Ze Roberto zutrifft.“

Ein „Oldie“ steht beim HSV auch im Tor. Wenn er denn tatsächlich auch dort steht: Frank Rost. Die bisherige Nummer eins hat mit Jaroslav Drobny eine ganz harte Konkurrenz an seine Seite bekommen, wer wird am Ende die Nummer eins sein? Für mich spielt in diesem Duell auch Wolfgang Hesl, der dritte Keeper im Bunde, eine nicht unwesentliche Rolle, denn: Im Training reden die drei Torhüter kaum einmal miteinander. Sie arbeiten konzentriert, aber sie schweigen. Und wenn es doch einmal ein Gespräch gibt, dann sind es Rost und Hesl, die miteinander reden. Drobny ist der große Schweiger – notgedrungen? Weil sich die anderen beiden Kollegen schon länger kennen? Spielt Drobny die Rolle des fünften Rads am Wagen? Veh: „Dass die drei Torhüter nicht miteinander sprechen, das stimmt nicht. Sie haben auch ihre Späßchen, zum Beispiel dann, wenn sie Fußballtennis spielen.“

Die neuen (und alte?) Nummer eins wird dann im Heimspiel gegen Schalke 04 zwischen den Pfosten stehen. Nicht schon im Pokalspiel, eine Woche vor dem Bundesliga-Start, sondern erst am 21. August. Doch Armin Veh sagt auch: „Ob dieser Torwart dann auch immer auf dem Rasen stehen wird, das lasse ich aber noch offen.“ Morgen, am 31. Juli, wird Frank Rost gegen Schalke spielen, Jaroslav Drobny dann am Sonntag – im Finale oder im Spiel um Platz drei.

Und noch eine Personalie sorgt beim HSV derzeit für Stimmung unter dem Dach: David Jarolim, der Ex-Kapitän. Ihn, so hatte es nach außen den Anschein, hatte Armin Veh zunächst nicht auf dem Zettel, doch das scheint der Schnee von gestern zu sein. Veh lobt den Tschechen: „Über Jaro habe ich mich als gegnerischer Trainer oft furchtbar aufgeregt, aber er ist ein richtiger Profi.“ Was nicht nur Veh in der bisherigen Vorbereitung sehen konnte – Alle haben es wahrgenommen. Jarolim hängt sich rein, gibt alles, marschiert voran – und hat seine Spielweise auch schon umgestellt, er trennt sich nun schon viel schneller vom Ball. Veh: „Das kann ich verraten, Jarolim ist ein richtiger Profi. Aber, auch das muss ich sagen: Er hat Konkurrenz. Es ist nicht so, dass er gesetzt ist bei mir, aber er gefällt mir, so wie er jetzt arbeitet, richtig, richtig gut. Wenn er sich nun noch schneller vom Ball trennt . . . Und das kann er, er macht es ja auch schon. Nein, das muss ich sagen, Jarolim überrascht mich schon – was für Qualitäten er hat.“

Die kommenden Tage bis zum Start werden für Armin Veh noch hart. Er muss die noch fehlenden fünf WM-Teilnehmer so schnell wie möglich an die Mannschaft heran führen, und er muss den Kader noch verkleinern. Drei oder vier Spieler werden noch gehen müssen. Auch für den erfahrenen HSV-Trainer keine einfach Aufgabe: „Das ist nicht schön, das macht man nicht gerne. Ich habe aber in meiner Laufbahn gelernt, dass es die Spieler schätzen, wenn man ehrlich zu ihnen ist. Besser so, als wenn man sie im Unklaren lässt. Es ist nicht schön, aber dafür bin ich leitender Angestellter des Klubs – und ich mache das nach meinem Kopf.“

Wen es erwischt, der wird ab sofort von der Bundesliga-Mannschaft getrennt. Der wird dann bei der Zweiten mittrainieren. Veh: „Alles andere bringt ja nichts, für beide Seiten nicht.“ Er hat für sich schon die Entscheidungen getroffen, aber er wird es erst in der nächsten Woche verkünden. Gut möglich, dass es neben Mickael Tavares auch Eric-Maxim Choupo-Moting treffen wird, es ist sogar nicht ausgeschlossen, dass es Innenverteidiger David Rozehnal treffen wird, dass auch der Tscheche gesagt bekommt: „David, du darfst dir einen neuen Verein suchen.“ Wenn ich wieder einmal auf meinen Bauch höre, dann sagt der mir, dass das jähe Ende von Rozehnal beim HSV eher wahrscheinlich ist.

Übrigens: Der von Urs Siegenthaler geplante Psychologe hat seine Arbeit beim HSV schon aufgenommen. Aber nicht bei den Profis, sondern im HSV-Ochsenzoll. Er soll sich erst einmal im Hintergrund einarbeiten. Armin Veh dazu: „Er wird bei uns nicht offiziell eine Platz finden. Wenn es ein Spieler wünscht, dass er mit ihm arbeitet, dann habe ich gar nichts dagegen, dann ist es sicher auch wertvoll. Aber das ist dann auch etwas ganz Intimes. Dass der Psychologe aber nun beim Training ist und so weiter, das möchte ich nicht. Das wäre dann wieder einer mehr beim Team, und ich finde, wir sind so, wie wir im Moment besetzt sind, auch bestens aufgestellt. Mehr möchte ich einfach nicht. Manchmal kann weniger auch mehr sein.“ Bei der Gelegenheit: Ob Sportchef Bastian Reinhardt künftig auf der Bank Platz nehmen wird, ist noch nicht besprochen. Wir aber noch. Veh scherzt: „Alle Spieler, die Manager werden, können kein Spiel lesen . . .“ Und: „ich unterhalte mich während des Spiels lieber mit meinen Assistenten. Aber es ist mir egal, ob Bastian Reinhardt dort unten oder oben sitzt.“

Wie hält es Armin Veh eigentlich mit öffentlichen Aussagen der Spieler, die sich gegen die Mannschafts-Harmonie richten? Duldet er sie schweigend? Er zieht er Konsequenzen? „Ich bin keiner, der auch nur ansatzweise toleriert, dass man in der Öffentlichkeit keinen Respekt vor den Kollegen zeigt. Viele verlangen für sich Respekt, wissen aber gar nicht, was dieses Wort eigentlich bedeutet. Dass man Rücksicht auf andere nimmt, das bedeutet Respekt. Wenn ich sehe, dass dagegen verstoßen wird, greife ich durch, egal wie der Spieler auch immer heißt.“

Unklar ist ebenfalls die Frage des neuen Kapitäns. Veh hat sich festgelegt: „Ein Torwart wir nicht Kapitän, er ist mir zu weit weg.“ Zudem steht fest: Der Kapitän sollte möglichst Stammspieler sein, also möglichst in jedem Spiel gesetzt sein. So wie wahrscheinlich Joris Mathijsen und Heiko Westermann. Nur als Beispiel. Der Kreis wird also schon ein wenig enger gezogen. Wer bleibt da noch übrig?

Veh wird es wissen. Jetzt schon. Bei der Gelegenheit: Herr Veh, wie fühlen Sie sich eigentlich beim HSV? Der Trainer sagt spontan: „Ich habe mich hier sehr schnell zu Hause gefühlt, was nicht so einfach ist. Für mich ist das aber ein gutes Zeichen.“

Und nun die letzte Frage: „Sie sind 20 Jahre Trainer, Herr Veh, Sie haben schwierige und weniger schwierige Mannschaften kennen gelernt – was für ein Team ist der HSV für Sie?“ Der Trainer antwortet: „Ich habe schon viel erlebt in meiner Laufbahn, aber ich hatte mit meinen Spielern eigentlich nie größere Probleme gehabt. Natürlich habe ich den einen oder anderen Spieler mal suspendiert – so zack. Aber ich habe eigentlich kein Beispiel. Natürlich kommt gelegentlich mal etwas Blödes heraus, das ist ja normal, aber Gravierendes? Das kenne ich nicht.“ Armin Veh sagt über den HSV: „Die Spieler, die jetzt hier sind, die sind okay. Das kann ich sagen. Die anderen, die noch fehlen, kann ich nicht beurteilen, ist ja klar.“ Grundsätzlich ist es aber so, sagt Veh: „Etwaige Vorfälle muss man mit Konsequenzen oder mit Nähe regeln. Oder Ende der Veranstaltung. Weil: Der Hampelmann bin ich nicht. Und der Kasper schon gar nicht. Da bin ich leider schon zu alt dafür, dass ich mir auf der Nase herumtanzen lasse.“

Das klingt alles ganz logisch. Und nach klaren Vorstellungen, Werten, nach Disziplin. Ich habe jetzt, nach diesen ersten Wochen mit Armin Veh, keinerlei Grund, an seinen Worten zu zweifeln. Veh, das habe ich hier von Anfang an geschrieben, ist für mich ein Realist wie er im Buche steht. Er weiß, wie der Hase zu laufen hat – ich bin mir absolut sicher, dass er dazwischenfahren wird, wenn etwas nicht so läuft, wie er es will. Er sagt über sich, kein Hampelmann und auch kein Kasper zu sein, ich sage: Armin Veh ist auch keine Luftblase. Der Mann weiß, was er will, er wird auf seine Werte pochen. Und er wird sich von uns, von Euch, von allen an seinen nun abgegebenen Vorgaben messen lassen müssen.

PS: An alle, die meinen dass ich zu viel schreibe (Trainerglück hat es angestoßen): Wenn es in Hamburg wieder ganz “normal” läuft, wird es pro Tag einen Bericht geben. Im Trainingslager ging es mal so, aber das wird nicht die Regel bleiben. Allerdings: Einige Sommergeschichten werden auch noch kommen . . .
Gute Nacht – oder guten Tag.

22.39 Uhr

Gewinner und Verlierer

30. Juli 2010

Der HSV ist wieder gut und heil in Deutschland gelandet. Am Vormittag wurde noch in Längenfeld trainiert, um 16 Uhr erfolgte dann von Innsbruck der Start in Richtung Heimat. Die Mannschaft wohnt an der Veltins-Arena in Gelsenkirchen, in der am Sonnabend und Sonntag um den „Liga-total-Cup“ gespielt wird. Neben dem HSV sind Bayern München, Schalke und der 1. FC Köln am Start. Der HSV spielt um 16.45 Uhr gegen die Truppe von Felix Magath, live auf SAT.1 zu sehen.

Wie wird der HSV aus den Startlöchern kommen? Nach einem Trainingslager werden von den Journalisten immer wieder mal Gewinner und Verlierer der bisherigen Vorbereitung gekürt. Auch ich werde mich jetzt einmal daran versuchen, sage aber schon gleich: Es gibt mehr Gewinner als Verlierer. Meine persönliche Liste sieht wie folgt aus:

Die Gewinner:

David Jarolim: Ihr werdet es nicht glauben, viele werden fluchen – aber heut gegen Mitternacht werdet Ihr alle lesen, warum der ehemalige HSV-Kapitän bei mir an erster Stelle steht. Meine Wahl wird aus berufenem Munde genährt.

Manfred Düring: Der Leistungsdiagnostiker hat weite Teile und viele Phasen der Vorbereitung gestaltet, und er hat seine (Trainings-)Arbeit einfach überragend verrichtet. Wenn die Mannschaft am 21. August auf den Punkt fit sein sollte, dann ist es auch sein Verdienst. Kompliment.

Ruud van Nistelrooy: Der Niederländer hat hervorragend trainiert, hing sich voll rein, hatte trotz der Quälerei stets gute und beste Laune – und er war in Österreich der Liebling der Massen. Dass sich ein Weltstar so volksnah gibt, ist ungewöhnlich und eigentlich unfassbar. Selbst im größten Dauerregen blieb van Nistelrooy seiner unheimlich netten Linie treu – er ist ganz einfach ein Vorbild-Profi. Und ich erwarte von ihm eine ganz große Saison, weil die Grundlage dafür geschaffen wurde.

Heung Min Son: Um den Koreaner wurde in diesen Tagen viel Wirbel gemacht, ich sage jetzt: Wenn er das halten kann, was er in diesen Wochen verspricht, dann werden wir alle noch viel, viel Freude an ihm haben. Ich habe mich kürzlich ganz, ganz weit aus dem Fenster gelehnt, weil ich im Gespräch mit Armin Veh sagte: „Son erinnert mich an den 17-jährigen Cruyff.“ Ich weiß, ich weiß, sehr, sehr hoch gegriffen, ich werde eines Tages meine Worte „fressen“ müssen – aber ich stehe dazu. Mal abwarten, was wirklich wird.

Frank Rost: Tolle Leistungen im Training, er wirkt gefasst, hat seine Rolle (mit dem Konkurrenten Droby) offensichtlich angenommen, er schmollt nicht – und er wirkt absolut topfit und souverän. Bleibt das so, würde davon in erster Linie er – und der HSV profitieren.

Armin Veh: Ruhig, gelassen, mit Auge. Kein Schaumschläger, sondern mit beiden Beinen auf dem Boden – seine Ansagen sind klar und unmissverständlich. Beim HSV sitzt nun ein ganz anderes Kaliber auf der Bank.

Joris Mathijsen: Hat in dieser Saison noch nicht einmal mit dem Team trainiert, ist aber auf jeden Fall gesetzt. Welcher andere HSV-Spieler kann das schon von sich sagen?

Markus Günther: Der Reha-Trainer war in dieser Vorbereitung auch enorm gefragt, ich habe ihn oft bei seinem Programm beobachtet: klasse. Er macht sich Jahr für Jahr bei jedem HSV-Coach unentbehrlich, so läuft es auch in dieser Saison. Der „große Schweiger“ des HSV, der kaum einmal den Mund aufmacht, lässt seine gute Arbeit für sich sprechen. Das ist beste Eigenwerbung.

Ze Roberto: Fit wie ein Turnschuh. Und nicht verletzt. Tut viel, weil er daran anknüpfen möchte, was er im vergangenen Jahr zum Saisonstart gezeigt hat, damals war er Weltklasse.
Paolo Guerrero: Spielfreudig in neuer Rolle hinter der Spitze. Er blüht auf, hat Lust und Ideen, er kann richtig gut kicken. Und wenn er das auch über volle 90 Minuten zeigen kann, dann ist er aus dieser HSV-Mannschaft nicht mehr wegzudenken.

Heiko Westermann: Kam, sah und spielte. Hat, wenn er unverletzt bleibt (oder ganz fit wird), seinen Stammplatz sicher. Weil er abwehren und aufbauen kann, zudem torgefährlich ist.

Romeo Castelen: Ihm drücken sie alle die Daumen, er macht schon wieder viel Spaß – und auch ich hoffe, dass er noch einmal so richtig Gas geben kann – und wird. Die Ansätze dazu waren in diesen Tagen schon wieder vorhanden, vielleicht wird der gute Kerl ja noch ein „Neuzugang“, den keiner auf dem Zettel hatte.

Jonathan Pitroipa: Leider verletzt (Knöchel), aber er ist in Schwung, er hat Mut, er hat auch die nötige Frische für sein Spiel. Sollte er nun auch noch im Abschluss sicherer werden, dann könnte er (endlich, so wie einst bei seiner Verpflichtung geplant) in der Liga für Furore sorgen. Auch wenn es ihm einige HSV-Fans immer noch nicht so richtig zutrauen – sie werden sich (wohl) dran gewöhnen müssen.

Die Verlierer:

David Rozehnal: Dem Tschechen klebt das Pech nach wie vor an den Stiefeln, er kommt von seiner Serie der unglücklichen Szenen einfach nicht los. Das ist tragisch für ihn – und für den HSV. Ich glaube, dass eine sofortige Trennung das Beste wäre, auch für ihn, denn wohl fühlen kann er sich in Hamburg eigentlich nicht mehr.

Wolfgang Hesl: Ihm wurde im Frühjahr viel versprochen, als er einen neuen Zwei-Jahres-Vertrag beim HSV unterzeichnete. Nun kommt alles anders, er hat gleich zwei starke Konkurrenten vor der Nase und driftet ab zur Nummer drei, was er eigentlich, weil er sich in der vergangenen Saison deutlich verbessert hatte, nicht verdient hat.

Mladen Petric: Der HSV spielt nur noch mit einer Spitze, der Kroate muss als Linksfuß nun über rechts kommen – und ist nicht besonders glücklich darüber. Ob es doch noch klappt? Ich habe meine Zweifel. Auf jeden Fall ist Petric hinter van Nistelrooy nur die Nummer zwei als Spitze, und das wird ihm nicht sonderlich schmecken.

Mickael Taveres: Trainer Armin Veh plante gleich ohne ihn, Tavares trainiert mit, aber ohne zu glänzen – er wird sich einen neuen Verein suchen müssen, in Hamburg hat er null Zukunft.

Jaroslav Drobny: Er ist ein anerkannt guter, sogar sehr guter Torwart in der Bundesliga, aber noch hat Frank Rost (für mich) die Nase vorn. Drobny wird Geduld aufbringen müssen – ob er die hat? Ich habe ganz, ganz leichte Zweifel, würde mich aber freuen, wenn ich mich da irre.

Sören Bertram: Unter Labbadia noch ein ganz großes Talent, nun aber nicht mehr in Längenfeld dabei, weil Veh „mal andere Jünglinge sehen wollte“. Das klingt nicht danach, als könne er seinem Ruf als „eines der größten HSV-Talente“ noch gerecht werden. Es geht für ihn wohl nur über die Zweite (die Veh beobachten lassen will, oder selbst beobachten will).

Tunay Torun: Veh will nur vier Stürmer. Das sind van Nistelrooy, Petric, Guerrero und Son. Für den verletzten Torun (Kreuzbandriss) bleibt wohl kein Platz mehr übrig – es sei denn, Veh gewährt dem jungen Stürmer eine gewissen Zeit, sich wieder an das Team heran zu kämpfen.

Eric-Maxim Choupo-Moting: Er wird wohl durchfallen, sagt mir mein Bauch. Vom Trainer und seinen Assistenten gibt es noch keine Erklärung, aber das, was der WM-Teilnehmer Kameruns bislang zeigte, war nicht dazu geeignet, auf seine Karte zu setzen. Das ist der Kollege Son doch aus einem anderen Holz geschnitzt.

Änis Ben-Hatira: War einst ein großes, für mich sogar riesiges Talent, aber er ist stehen geblieben. Leider. Trainiert zurzeit in England (West Ham), aber ob er da sein Glück findet? Ich habe meine Zweifel, obwohl ich einst sein größter Fan war – er konnte doch so viel, hat sich aber zu oft verzettelt.

Urs Siegenthaler: Die größte Enttäuschung für mich, denn ich hatte voll auf ihn gesetzt, er sollte dem HSV eine Talentschmiede verpassen, die in einzigartig Deutschland gewesen wäre. Ich habe ihn einst (mehrfach) bei der Nationalmannschaft gesehen, gehört und kennen gelernt, er ist ein absoluter Experte und Fachmann, wenn er über den Fußball spricht, hängen alle an seinen Lippen – er ist nicht umsonst im DFB-Team von Joachim Löw. Aber dann diese völlig unmögliche Absage, die geht gar nicht, ein Novum. Deswegen ist Siegenthaler schon jetzt für mich die HSV-Luftblase des Jahres 2010.

20.07 Uhr

Siegenthaler ohne Ende – und der große Ze

29. Juli 2010

Die Wellen schlagen hoch. Selbst in den österreichischen Bergen. Noch sind wir in Längenfeld, aber Urs Siegenthaler und seine Absage sorgen auch hier für tolle Stimmung. Die Wipfel vibrieren. Überall Fassungslosigkeit, Kopfschütteln, Enttäuschung, Ratlosigkeit. Wie konnte das geschehen? Es ist Wahnsinn, aber dieser Wahnsinn ist Realität.

Alle rätseln sie über ein Wort: warum? Und keiner hat eine Erklärung, denn die wird es wohl nie geben. Viele Vermutungen ziehen hier eine Runde nach der anderen. Hat Siegenthaler am Ende . . ? Nicht wenige nicken bei dieser Antwort. Es ist doch auch so: Vor dieser WM gab es nicht wenige Experten in Deutschland, die nach dieser WM das Ende für Bundestrainer Joachim Löw als fast beschlossen angesehen haben. Urs Siegenthaler, der beim DFB auf Honorar-Basis arbeitet, hatte seine Zukunft schon gesichert. So oder so. Er konnte beim DFB bleiben, wenn Löw bleiben sollte. Er hatte beim HSV eine Festanstellung, falls Löw gekippt werden sollte. Alles allerbest.

Und dann, vier Tage vor Dienstantritt in Hamburg, dieser Aufstand? Zufall? Ich kann, nein, ich will das nicht glauben. Darf ich Euch einmal schreiben, was Nationalmannschafts-Manager Oliver Bierhoff, immerhin ein ehemaliger HSV-Profi, am 16. Februar wörtlich gesagt hat: „Ich freue mich für Urs Siegenthaler, dass er diese unglaublich spannende Aufgabe beim HSV übernehmen wird und gratuliere dem HSV zu dieser Entscheidung. Urs Siegenthaler hat mit seiner analytischen Arbeit wesentlich zum Erfolg der Nationalmannschaft beigetragen. Wir freuen uns, dass er uns zu 50 Prozent weiterhin zur Verfügung stehen wird.“

Ich muss dazu sagen, dass ich exakt 50 Prozent nicht lesen konnte, weil die Kopie dort eine Fehler hat. Aber egal, ob es 50, 60 oder 40 sind, Bierhoff hat diese HSV-Zusammenarbeit abgenickt – an jenem 16. Februar 2010.

Mehr möchte ich zu diesem Thema gar nicht sagen – im Moment jedenfalls nicht. Die Ereignisse hatten sich heute gegen 19 Uhr überschlagen, ich war gerade dabei, einen Bericht über Ze Roberto zu fertigen. Den lasse ich nun so einfließen, wie er vor 19 Uhr noch gedacht war:

Ze Roberto ist ein ganz streng gläubiger Mensch. Das weiß fast jeder HSV-Fan. Fußballer aber sind fast alle auch – mehr oder weniger – mit dem Aberglauben im Bunde. Auch der Brasilianer. Als er in Längenfeld zum Abschluss des Trainingslagers über die neue Saison sprach, wünschte er sich Erfolg für die Mannschaft. Und für sich: „Dass ich so gut spiele wie im vergangenen Jahr – ich mir nur keine schwere Verletzung mehr einfange.“ Bei diesen Worten klopfte er dreimal auf den Holztisch, an dem er saß. Hoffen wir mit ihm, denn einen gesunden und absolut fitten Ze Roberto kann der HSV sicher sehr gut gebrauchen, auch wenn dieser geniale Fußballer inzwischen schon 36 Jahre alt ist. Der Mann trägt Trikot-Größe S, an dem ist kein Gramm Fett zu sehen: Waschbrettbauch.

Dafür tut er etwas. Etwas? Sehr viel sogar. Er sagt: „Ich habe noch nie in meiner Karriere eine so lange, harte Vorbereitung mitgemacht, das sind schon sechs Wochen. Und noch immer keine Ende.“ Ze Roberto klagt aber nicht, er weiß, wofür er sich quält: „Wir haben Ziele. Genau dieses harte Training brauchen wir dafür. Und ich brauche es auch, ich bin kein junger Spieler mehr. Aber ich fühle mich besser denn je.“

Dazu passt, dass er den Spaß um Fußball wieder neu entdeckt hat. Ihm wurde in der vergangenen Saison ein nicht gerade gutes Verhältnis zu Trainer Bruno Labbadia nachgesagt, und der „große Ze“ leugnet es auch gar nicht. „Meine Motivation ist wieder groß. Wir haben jetzt wieder Lust am Fußball, diese Lust ist in der vergangenen Saison etwas zu kurz gekommen“, sagt er. Und ergänzt: „Wir spielen ein neues 4:2:3:1-System, das finde ich sehr gut. Und wir haben jetzt einen Trainer mit großer Erfahrung. Das ist sehr wichtig bei so einer jungen Mannschaft, wie wir sie haben.“

Ze blickt der neuen Saison uneingeschränkt optimistisch entgegen: „Wir haben durch die Neuzugänge mehr Qualität, davon bin ich überzeugt. Die Möglichkeit ist groß, dieses Jahr einen Titel zu gewinnen, und das ist mein großes Ziel.“

Eventuell gelingt auf Schalke am Sonnabend und Sonntag schon ein kleiner Achtungserfolg. Beim „Liga-total-Cup 2010“, der für den HSV morgen (16.45 Uhr, Sat1 überträgt live) mit dem Spiel gegen Magaths Schalke 04 beginnt. 60 000 Zuschauer werden in der Veltins-Arena erwartet, im zweiten Halbfinale stehen sich der FC Bayern und der 1. FC Köln gegenüber.

Schalke könnte übrigens mit Neuzugang Raul von Real Madrid antreten. Mit ihm hat Ze Roberto einst in Spanien in einem Team gespielt. „Raul ist ein großer Gegner. Er macht die Liga attraktiver und die Konkurrenz um den Bundesliga-Torschützenkönig größer.“ Die Wolfsburger Edin Dzeko und Grafite hat Ze Roberto auch auf dem Zettel, wenn es um die Krone geht, und seinen persönlichen Topfavoriten: HSV-Stürmer Ruud van Nistelrooy: „Ich glaube und hoffe, dass Ruud es schaffen wird.“ Dann scherzt Ze Roberto zum Abschluss noch ein wenig: „Oder ich werde es.“

Der HSV und sein Anhang hätte sicher nichts dagegen einzuwenden.

So, es ist nun kurz vor Mitternacht, um 5 Uhr wird aufgestanden, dann zum Flughafen München gefahren – und ab nach Düsseldorf. Ihr werdet an diesem Freitag etwas länger warten müssen, denn es geht erst weiter ins Hotel nach Gelsenkirchen. Dort wird geschrieben – also bitte etwas Geduld. Es wird, so viel kann ich schon verraten, das Resümee von Armin Veh nach diesem Trainingslager in Längenfeld geben. Es kann aber, noch einmal, spät werden.

23.43 Uhr

Eilmeldung: Siegenthaler kommt nicht

29. Juli 2010

Jetzt ist es perfekt, die Sitzung bzwischen DFB und DFL musste gar nicht erst stattfinden: Urs Siegenthaler wird nicht zum HSV wechseln. In Kürze werden sowohl der HSV als auch der DFB-Chefscout eine Erklärung abgeben.

19.04 Uhr

“Benno Hafas”: Längenfeld 2010

29. Juli 2010

Welch eine Fleißarbeit! Eben noch auf Ballhöhe in Längenfeld, nun schon wieder in der Heimat und unter den Autoren. Bravo, “Benno Hafas”! Du hast „Matz ab“ stets fleißig mit den neuesten Fotos versorgt, und nun versorgst Du uns auch noch (und zwar sofort) mit Deinen Eindrücken vom Trainingslager in Österreich. Super-Service! Danke, danke, danke.
Eines muss ich schnell noch erklären: Wenn Benno über Benno schreibt, dann meint er sich. Er hat diesen Bericht also aus der Sicht eines neutralen Beobachters geschrieben. Es verwirrte mich beim ersten Mal, aber dann stieg ich durch. Und so ganz nebenbei frage ich mich, ob diese Erklärung auch richtig ist . . .

Kurz noch einen kleinen Abstecher zu Hermann Rieger. Ich soll Euch alle ganz, ganz herzlich grüßen von ihm, er dankt Euch für die Anteilnahme. Er war so gerührt, als wir darüber sprachen, er bekam eine Gänsehaut und zeigte sie mir. Und sagte dabei: „Es ist überwältigend und einfach nur schön zu wissen, dass man mit seinen Sorgen und mit seiner Trauer nicht allein steht. Vielen, vielen Dank dafür – die HSV-Fans sind einmalig, einmalig sage ich Dir.“

Ich habe ihm versprochen, dass ich ihm den Beitrag des „Trappers“ ausdrucken werde, damit er ihn immer bei sich tragen kann.

So, nun aber los mit „Benno Hafas“ und seinem

Längenfeld 2010

Aufwachen, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit. Sch…Halswirbelsäule, mal wieder. Mein Orthopäde hat ab sechs Uhr Sprechstunde. Na, wieder verreisen? HSV-Trainingslager Längenfeld. Reisestress? Nö. Kriegen wir hin. Ein kurzer Ruck, Spritzen, Kurzwelle. Reisefertig. Entgegen der Presse und allen Unkenrufen fährt die Eisenbahn mich pünktlich nach München, weiter nach Ötztal und der Bus bringt mich nach Längenfeld. Gegen 19 Uhr einchecken im Hotel. Wat nu? Anruf bei Dieter Matz. „Wo treffen sich die Matz-abber”? In der Country Bar. Liegt direkt neben meinem Hotel. Nach Dialekt und Gesang einige HSVer, doch kein Matz-abber. Anruf bei Benno. „Wo seid ihr?” Im Bierzelt! Und wo? In Längenfeld. Für solche Gespräche zahlt man noch Roaming-Gebühren. Ich finde das Zelt. Eintritt fünf Euro – wegen der Musik. Da ist schon der Tisch. Jacek, alnipe, Benno, Zappata und HSV Jonny. Noch einige Matz abber, die aber nur lesen. Die Preise halten sich in Grenzen und die Musik ist laut. Dann tauchen die Journalisten auf. Vorneweg der lange Scholle, Bild, Welt, NDR und der Blogfather, der sich sogleich an unseren Tisch begibt und seine Jünger begrüßt.

Unruh. Eine Meute HSVer singt gegen die Kapelle: Ole HSV, ole, ole. Ole Super Hamburg, ole, ole. Das halbe Zelt singt mit. Anführer des Chors zwei Typen im T-Shirt mit Aufschrift „Sekt für die Nutten, Champagner für uns” sowie „Lieber eine Schwester im Puff, als einen Bruder beim FC Bayern.“

Zweiter Tag, zehn Uhr Training. Kalt, Regen. Die freundliche Dame an der Rezeption erklärt mir den Weg zum Trainingsgelände, den sie wohl nie gelaufen ist. Ein Umweg, eine kleine Wanderung, die Abkürzung erfahre ich beim Rückweg. Vor dem Stadion der Bus mit allen Fanartikeln. Alnipe kauft für 35 Euro ein Auswärtstrikot von Ruud van. Nistelrooy, letzte Saison. Erstaunlich, wer sich alles in Längenfeld aufhält. HSV-Fans aus der ganzen Republik. Die Spieler kommen zu Fuß aus ihrem Hotel und werden von den Fans bestürmt. Autogramme, Fotos bitte erst nach dem Training, doch alles sehr freundlich. Auch Hermann Rieger sieht man von Fans umlagert.. Oliver Scheel lässt sich blicken. Die Journalisten und der Pressechef Jörn Wolf mit Regenschirmen des Aqua Dom.

Das Training ist kurzweilig, zuletzt ein Spielchen und man sieht die Neuen, Nr. 4 Heiko Westermann und Nr. 44 Goiko Kacar, in Aktion. Nach dem Spiel der Run auf die Spieler. Es ist schon interessant, so dicht an den Spielern, die ihren Fans alle Autogramm- und Fotowünsche erfüllen. Sehr professionell.

Mike Lorenz organisiert die Fahrt nach Reutte. Vor dem Spiel der einheimische Spielmannszug, Raketen vom gegenüberliegenden Berg, sowie Bengalos. Eine Reihe vor uns geben sich Einheimische die Kante. Einer provoziert Benno, indem er seine Hand vor die Kamera hält. Als dieser nicht reagiert wendet er sich seinem Vordermann zu. Der fackelt nicht lange und schon ist die schönste Klopperei im Gange und es mischen gleich mehrere Personen mit. Benno flucht, er hat das falsche Objektiv auf der Kamera und kann nicht fotografieren. Fünf Order stürzen sich ins Getümmel und schnell ist Ruhe eingekehrt, nur der Störenfried hat Sichtprobleme während der ersten Halbzeit, weil seine Brille in dem Getümmel verschwunden ist. Wir sollen noch mit den Honoritonen der Stadt Reutte die Plätze tauschen, doch die Herren sind gastfreundlich und fühlen sich im HSV-Block pudelwohl.

In der Halbzeit die Frage von Bernd „Fummel“ Wehmeyer: „Waren Hamburger an der Schlägerei beteiligt?” Jaaa, aber nur als Zuschauer. Zwei Tore von Ruud, dabei ein ganz abgebrühtes. Weltklasse, dazu eine Absatzvorlage auf Paolo. Die Reutter Abwehr bestand aus zehn Feldspielern plus Torwart.

In der zweiten Halbzeit wechselte Armin Veh komplett, zwei Tore von min Sohn Son, eins mit der Hacke und das dritte? Da flitze auch schon der Nackte über das Spielfeld. Endlich eine Abwechslung bei dem müden Kick. Die Jagd dauerte, doch der nackte Hase wurde bald unter stürmischen Beifall der Zuschauer vom Platz gebracht.

Nach Mitternacht wieder in Längenfeld. Nur Landstraßen, es regnete, Tunnel über Tunnel. Markus Scholz wollte wohl eine Lizenz für die Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft erwerben und der arme Dieter, der gleich nach Spielschluss seinen Blog fertig hatte, versuchte diesen ins Netz zu stellen. Immer wieder Netzabbrüche, so dass der Blog gleich vier Mal hochgeladen wurde. .Die dummen Kommentare einiger Matz abber haben mich schon sehr geärgert. Keine Ahnung von dem Fleiß, den D. Matz für uns aufbringt.

Sonntag Auslaufen. Nichts los am Trainingsgelände. Auf dem Tennisplatz semiprofessionell Lars Paegelow (NDR) gegen Kai Fette (Bild). Der arme Kai bekam keinen Stich und Lars zu mir: „Der könnte doch mal einen zurückspielen.” Meine Antwort bekam Kai Fette mit. Er poltert: „Ich verliere hier, und du machst hinter dem Zaun noch blöde Kommentare.” Ich trollte mich und erblickte unsere Torhüter mit Ronny Teuber beim Beachvolleyball. Benno hatte sich schon auf das Feld geschlichen und fotografierte. Rost/Hesl gegen Drobny/Teuber. 3:0 Sätze für Rost/Hesl, wobei „Fäustel“ keinen Ball verloren gab. Als ein Ball knapp ins Aus ging und er keine Reaktion zeigte sein Kommentar: „20 Jahre Torwart, da weißt Du wo Dein Tor steht.“ Ronny Teuber lag platt und fertig auf dem Rasen, doch das Training ging weiter. Fußballtennis mit der Volleyballpille, die kaum aufsprang. Auch hier Rost/Hesl die Sieger.

Zum Schluss wollte „Fäustel“ noch Eintritt kassieren, doch auf Bennos Zuruf wohl für Hartz 4 Nienstedten (Hamburger Millionärswohnviertel), drehte er grinsend ab . . .

17 Uhr, wieder Training. In der Zwischenzeit machten wir eine Bergwanderung auf die Brandalm. Ein wunderbarer Blick aufs Ötztal und das HSV-Hotel. In der Ferne der HSV-Bus mit der Raute deutlich zu erkennen. Benno sang halblaut „Orange trägt die Müllabfuhr”, bis sich die Familie am Nachbartisch als Holländer zu erkennen gaben. Dann ging es natürlich um die WM und die holländische Nationalmannschaft. Als wir bei 1974 landeten, gingen den freundlichen Tischnachbarn die Argumente aus.

Montag. „Basti“ Reinhardt ist da. Wie immer nett und freundlich zu allen. Beim Nachmittagstraining mischte er mit. Drei Mannschaften, immer sieben gegen sieben auf kleinem Feld. Da war Kurzpass und Schnelligkeit gefordert. Guy säbelte Piet um, der verletzt ausscheiden musste und ins Hotel gefahren werden musste. Inzwischen war auch Eiche Nogly mit Familie eingetroffen.

Dann ab 19.30 Uhr der Fan-Abend mir der Mannschaft, über 250 Fans in großer Erwartung. Es gab Essen und Trinken für nothing, und gegen 21 Uhr unter Applaus die Spieler und Trainer. Alnipe schnappte sich das tschechische Duo Jaro & Jaro. Dann wurde erst einmal geflachst, wer den Namen Jaro beanspruchen darf. David war glatt im Vorteil. Ich fragte Jaroslav Drobny, ob er wüsste, dass er einen berühmten Namen trägt. Klar wusste er. Jaroslav Drobny, CSSR-Tenniscrack, 1954 Gewinner Wimbledon. Eiche versuchte Armin Veh von einem System mit zwei Stürmern zu überzeugen, doch Armin Veh bestand darauf, dass er der Cheftrainer sei.

Perfekte Unterhaltung mit Piet und Tomas Rincon auf Deutsch. Zwei- bis dreimal die Woche Deutschunterricht. Alnipe“ zu Piet: „Du kannst es doch ganz prima.“ Tomas Rincon war als Fotomodell bei jungen blonden Frauen gefragt. Auf meinen Zuruf „Tomas, die werden immer hübscher“, grinste er nur.

Für ein Gespräch mit Ruud hatte ich mich extra auf Wikipedia vorbereitet. Das war auch gut so, dass ich nicht nur allgemeine Fragen stellen konnte. Er erzählte von seiner Zeit bei ManU und Alex Ferguson, später von Real Madrid. Auch die spanische Nati war ein Thema – mit Puyol und Iniesta, die er ja persönlich kennt. „Schade, Ruud, dass der Schwiegervater von van Bommel dich nicht mit nach Südafrika genommen hat.” Ja, er wäre gerne mitgefahren, seine letzte Chance eine WM zu spielen. Das hättest Du auch noch gebracht. Autogramm, Händeschütteln. Ein ganz feiner Kerl.

Bennos Small Talk mit Basti bekam ich auch mit. Basti heute Nachmittag spielte ein neuer Innenverteidiger, sofort verkaufen. Du meinst wohl kaufen. Nee verkaufen. Basti: „Für den gibst nichts mehr, nicht einmal einen alten Käfer.”

Mit Michael Oenning sprach ich über den Nachwuchs beim HSV und die Haltwertzeit von Trainern. Geduld und Ruhe erwartet er von uns. Mein Einwand wegen der Presse, Er: „Wenn nur Dieter Matz schreiben würde, wäre die Fußballwelt in Ordnung.“ Ein dickes Lob für den Blogfather. Gratulation. Als Benno und ich zu unserem Hotel gingen, waren immer noch Mladen Petric und Frank Rost bei den Fans. Ein gelungener Abend.

Im nächsten Jahr soll das Trainingslager im Zillertal sein. Egal, Längenfeld oder Zillertal, Hauptsache HSV.

Beim Morgentraining am Dienstag stürmte ein etwa 5-jähriges Mädchen mit einem Schokoladenkeks auf Mladen Petric zu, umarmte ihn und bot den Keks an, den er lächelnd mit den Worten „Danke, ich habe schon gefrühstückt” ablehnte. Die schönen Seiten eines Trainingslagers. Mir liefen auf den Weg zum Platz Jaro & Jaro über den Weg. Auf mein freundliches tschechisches „Dobré den” nur ein mürrisches Moin. Na, ja ich bin auch ein Morgenmuffel.

Nachmittags grillen bei Jonny. Jörg1967 war mit Sohn Timmi, einem Bayern-Fan, am Vortag gekommen Leckere Thüringer Würstchen hatte Jörg mitgebracht, und Jonnys Frau hatte Tomaten mit Morzarella sowie Weintrauben und Käse vorbereitet. Timmi war inzwischen vom FCB-Fan zum HSV-Fan konvertiert und trug ganz stolz ein Van-Nistelrooy-Trikot mit persönlicher Widmung. Auch Matze war gekommen und plauderte aus dem Nähkästchen.

Für das Spiel in Schwaz bei Innsbruck hatte Mike Lorenz wieder zwei Busse organisiert. Bei der Ankunft hinter uns der Mannschaftsbus. Keine Fahrt ins Stadion, an einer ganz profanen Haltestelle mussten die Spieler raus.
Vor ihnen lief uns ein mutiger Typ mit Werder-Shirt über den Weg. %&$§”&%$!(/%%§

Auf den Eintrittskarten standen die sportlichen Erfolge des HSV, u. a. Euro-League-Halbfinale 2010. Da wollte uns jemand fürchterlich ärgern.
Eiche hatte Plätze freigehalten und zur Unterhaltung sang „Antonia aus Tirol” ihre neuesten Hits. Kurzer Rock, lange Stiefel, vielleicht stellt Dieter Matz sein Video hier rein. Ihrer Aufforderung, Hände in die Höhe und mit den Armen wedeln, kamen wir brüllend nach. Und dann sang sie mit Tornero und Tränen lügen nicht ihre neuesten Hits, die uns sehr bekannt vorkamen.

Als sie dann noch den Anstoß ausführte war der Bock fett. Vor dem Spiel hatte Eiche versprochen, ganz ruhig zu bleiben, doch nach den ersten verunglückten Spielzügen wurde er schon unruhig, und nach dem kapitalen Bock von Rozehnal sprang er wie Rumpelstilzchen auf und fluchte. Von dem seriösen Geschäftsmann aus Hamburg war nichts mehr zu erkennen. Links von Eiche saß der nervenstarke Jonny, der sehr verwundert schaute, rechts daneben Benno. Der meinte, solche Ausbrüche gibt es doch nur in 5B.

Das Spiel na ja, die Busfahrt war schon besser. Benno forderte vehement den Rauswurf von Veh und Oenning . . . Ohne jede Zustimmung allerdings. Der hatte wohl ein Bier zuviel.

Mittwoch um 6 Uhr wachte ich auf. Blauer, wolkenloser Himmel. Der Urlaub in Längenfeld ist zu Ende.

Danke an alle Matz aber die kennen lernen durfte. Und die Frage an alnipe: „Wieso hast Du eigentlich sechs oder gar sieben verbilligte Van-Nistelrooy-Trikots gekauft?

14.50 Uhr

Es gibt nur einen “Jaro”

28. Juli 2010

„Was wird aus Jaro?“ Die am meisten gestellte Frage dieser Tage in Längenfeld. Viele HSV-Fans sorgen sich um die sportliche Zukunft des (ehemaligen) HSV-Kapitäns. Es gab sicher den einen oder anderen Tag, an dem David Jarolim selbst ein wenig gezweifelt hat, aber spätestens in Österreich gibt sich der 31-jährige Tscheche selbst die Antwort: Er kämpft, er beißt, er fightet. Wie immer. „Jaro“ ist ein Vorbild-Profi, er ergibt sich nicht in sein Schicksal. Das sieht man in den Spielen, das sehen die Kiebitze in jedem Training. Er ist einfach schon super drauf, für ihn könnte die Saison schon morgen beginnen: „Ich fühle mich gut, das ist richtig, wir können seit langen Jahren wieder einmal eine richtig gute Vorbereitung absolvieren, mit Kraft, mit Ausdauer, mit allem – das tut uns allen gut, davon werden wir lange profitieren.“

Im Test gegen München 60 spielte er im linken Mittelfeld. Eher eine ungewohnte Position. Dennoch gehörte er zu den Stützen des HSV, über den „Jaro“ sagt: „Wir haben sehr gut angefangen, wir haben das gezeigt, was wir zeigen wollten, aber man hat auch gesehen, dass die Münchner etwas frischer waren. Was bei uns nicht gut war, das war ganz offensichtlich, wir haben doch einige gute Chancen der Löwen zugelassen, das darf nicht passieren. Insgesamt bin ich aber zufrieden.“

Der HSV-Kader ist groß, soll noch verkleinert werden. Ist er aber auch gut genug, um eine erfolgreiche Saison spielen zu können? Jarolim: „Wir haben nur den Pokal und die Bundesliga, da braucht man eigentlich nicht einen so großen Kader wie jetzt, da wird noch erst entschieden, wer gehen muss – aber im Moment sind wir sicher noch zu viele.“ Dann ergänzt der Mittelfeldspieler noch: „Wir sind kein Verein, der viele Spieler ersetzen kann, wir sind nicht Bayern München. Das ist klar. Von daher ist es immer wieder gut, wenn man Konkurrenz hat, das treibt jeden nach vorne. Auch mich natürlich. Ich gehe in meine achte HSV-Saison, ich bin Konkurrenz gewöhnt.“ Über sich fügt er noch an: „Unabhängig von Konkurrenz, ich arbeite sowieso, für mich selber, für die Mannschaft – man muss immer wieder eine Motivation haben.“

Jarolims HSV-Motto: „Wer gut arbeitet – und man muss immer und überall gut arbeiten -, der spielt auch. Das hat sich in der Vergangenheit immer gezeigt, das wird auch in dieser Spielzeit genauso sein, da mache ich mir keine Gedanken. Man muss das gelassen sehen, man muss gut arbeiten – und dann haben wir einen Trainer, der entscheiden wird.“

Über Armin Veh sagt David Jarolim: „Es läuft ganz gut mit ihm, er sieht alles ganz gelassen, er beobachtet sehr viel, er macht sich viele Gedanken, macht sich ein Bild von jedem Spieler – bis jetzt läuft es ganz gut.“

So soll es bleiben. Die Hoffnung auf bessere Zeiten, auf erfolgreiche Zeiten treiben alle an. Trainer, Mannschaft, Vorstand, Fans. Viele Anhänger, die hier in Längenfeld waren, gaben zu, dass sie vor Monaten noch eher pessimistisch waren, nun aber, wo sie sich selbst ein Bild von dem machen konnten, was und wie es im Trainingslager so ablief, sind sie durchaus optimistisch gestimmt. Obwohl, ich höre die Skeptiker schon bis nach Österreich, ich durchaus zugebe, dass die Hoffnung eigentlich vor jeder Saison eine große Rolle gespielt hat. Und dann gab es doch wieder nur Enttäuschungen . . .

David Jarolim hat mit dem HSV noch nichts Großes gewonnen. Obwohl es manchmal so schien, als könne es gelingen. Er sagt über die verpassten Gelegenheiten: „Oft waren wir nah dran, jetzt zweimal hintereinander – das kostet alles Kraft. Aber es ist immer ein Ziel, daran denke ich in der Vorbereitung, daran arbeite ich. Bevor ich den HSV verlasse werde, möchte ich einen Titel gewinnen, das ist mein großes Ziel.“ Über den HSV befindet er: „Der Klub ist mein zweites Zuhause. Das erste ist in Prag, das ist klar, aber wenn man sieben Jahre in Hamburg gelebt hat, da gab es viele schöne Zeiten und viel Freude. Sicher gab es auch einige Enttäuschungen, aber so ist Fußball, das ist das Leben, das gehört dazu.“

Die vergangene Saison wir sicherlich eine der größten Enttäuschungen, die David Jarolim an der Elbe mitgemacht hat. Er hatte lange Urlaub und hat viel über diese Zeit nachgedacht. Sein Fazit: „Ich habe mein Resümee gezogen, ich habe das abgehakt. Das Gute ist, dass es immer wieder von vorne beginnt, es sind neue Leute da, die Mischung ist okay – das Schlechte muss man vergessen, wir müssen uns wieder besser reinkämpfen.“ Er hat dabei ein sehr gutes Gefühl, das gibt er zu. Der Grund: „Die Neuen sind gut, es passt auch vom Charakter her bestens – das ist auch immer wichtig.“

Er sagt es in einem leisen und eher reservierten Tonfall, aber mit einem Male wird er lebhaft, lauter und lacht. Nämlich bei der Frage, ob es nun zwei „Jaros“ beim HSV gibt, ihn und Jaroslav Drobny? „Es gibt nur einen Jaro, es gibt keinen Jaro II, es muss einen anderen Spitznamen für ihn geben. Er ist ein guter Kerl, ein guter Junge, er ist gut für die Mannschaft“, sagt David Jarolim. Mit „er“ ist Drobny gemeint. „Jaro“ nennt ihn Drobo“ und sagt: „Einige sagen es schon, einige noch nicht.“ Er arbeitet auch daran.

Sein zweiter Landsmann beim HSV, David Rozehnal, entwickelt sich seit geraumer Zeit schon zu einem Sorgenkind. Macht sich auch „Jaro“ Sorgen um den Abwehrspieler? „Ich möchte das gar nicht kommentieren, das gehört sich in meinen Augen nicht. Und was heißt Sorgen? Das ist Fußball. Wir reden darüber, natürlich, wir sprechen dieselbe Sprache, aber es ist ganz schwer. Er muss sich da in erster Linie allein rauskämpfen. Vielleicht ist es eher eine mentale Sache, als eine Sache der Beine.“

Eine ganz interessante Frage, neben vielen anderen, spielt sich beim HSV ja auch zwischen den Pfosten ab. Wer wird die Nummer eins? Frank Rost oder Jaroslav Drobny? Jarolim sagt: „Oh, das ist ganz schwer zu sagen. Für mich ist es auch ganz schwer, mich dazu zu äußern, denn ich mag den Frank, und Drobo ist mein Kumpel. Es ist schwer, es ist schwierig, ich möchte mich dazu gar nicht äußern – wenn das okay ist.“ Es ist. Weil dafür eigentlich alle Verständnis aufbringen müssten.

Eine ebenso schwierige Frage ist die, ob David Jarolim Kapitän des HSV bleiben sollte? Er sagt: „Man muss das gelassen sehen. Es ist ein neuer Trainer, er muss sich ein Bild machen, er entscheidet – und er hat mit Sicherheit recht, wenn er sich entschieden hat.“ Wäre „Jaro“ traurig, ohne die Binde? Er sagt: „Das Leben ist dann ja nicht vorbei. Man muss abwarten, es ist ja nicht so, dass es das Entscheidende im Fußball ist.“ Und: „Unabhängig davon, egal wer die Binde hat, wichtig ist, dass jeder ein Ziel hat, dass wir das Optimale herausholen aus dem DFB-Pokal und der Meisterschaft. Ob ich nun die Binde habe, oder nicht, das wird nichts an meinen Leistungen ändern.“ Zum Schluss sagt er: „Ich habe es zwei Jahre gemacht, das war gut. Und man hat gesagt, dass ich schon den Arm dafür habe.“ Für die Binde. Abwarten.

Die Entscheidung liegt, wie „Jaro“ schon sagte, beim Trainer. Der hat sich wohl im Inneren schon entschieden, will diese Entscheidung aber erst verkünden, wenn die Mannschaft komplett beieinander ist – am kommenden Montag.

Erst einmal hat Armin Veh noch andere Baustellen. Zum Beispiel ist eine davon dieses unsägliche Länderspiel am 11. August in Dänemark. Mit vielen HSV-Profis? Und mit keinen vom FC Bayern, Schalke 04, Werder Bremen? Jetzt wurde nämlich vorgeschlagen, dass jene Klubs, die international spielen werden, keine Spieler abstellen sollten. Dazu Veh ein wenig (sehr) aufgebracht: „Das ist eine Frechheit, wenn es so wäre. Was soll das? Das kann ich gar nicht nachvollziehen, das finde ich unmöglich. Ich muss meine Spieler integrieren, das hat doch nichts mit international spielen zu tun. Das macht doch keinen Sinn. Dann sollte man das Länderspiel am besten absagen.“

Ein ganz anderes Thema, dafür aber wesentlich erfreulicher für den HSV, ist mit dem Namen Heung Min Son verbunden. Auch im Spiel gegen München 60, in dem der Koreaner in der zweiten Halbzeit kam, hatte er wieder viele gute und sehr gute Szenen. Das sah auch Veh so, obwohl er auch befand: „Da muss man immer vorsichtig sein. Jetzt habe ich ihn die ganze Zeit schon immer gelobt – und ich höre auch jetzt nicht auf zu loben. Wie er einfach viele, viele Dinge richtig gemacht hat. Und weil, wenn man ihm etwas sagt, er auch gleich versucht, es umzusetzen – auch wenn es ihm nicht immer gleich gelingt.“ Armin Veh prophezeit dem jungen Mann eine große Zukunft: „Er hat die Mentalität, sich auf Dauer durchzusetzen, ich bin überzeugt davon, dass er sich auf Dauer durchsetzen wird.“ Das klingt gut.

Nicht ganz so war die kurze Vorstellung von Eric-Maxim Choupo-Moting. Ein Tribünen-Nachbar von mir sagte etwas sarkastisch: “Choupo spielt so, als wolle er die Trennung vom HSV . . .” Das kann ich mir zwar nicht vorstellen, aber insgesamt glaube ich schon, dass da noch viel, viel mehr kommen muss. Und das ziemlich schnell.

Ein kurzer Trost noch an alle diejenigen, die mit dem 1:1 gegen München 60 nicht zufrieden waren. Armin Veh rückte das Spiel in Schwaz ins rechte Bild: „Ich habe vorher gesagt, dass mich Ergebnisse in den Testspielen nicht interessieren. Diese Spiele bringen trotzdem viel, sie bringen uns Kraft, sie bringen uns weiter, auch wenn man müde ist. Wenn man diese Phase übersteht, wenn man sie auch ohne Verletzte übersteht, dann ist es gut für die Mannschaft.“

Übrigens: Zur System-Änderung befand der Coach noch: „Wir haben gegen 1860 mit der Raute gespielt, aber das soll nicht unser Hauptsystem werden. Nur müssen wir flexibel sein, falls uns mal einige Spieler ausfallen sollten. Wenn alle Spieler an Bord sind, dann haben wir eine Mannschaft, die in dem 4:2:3:1-System besser zurechtkommt.“

So, zur guten Nacht noch ein Satz in eigener Sache. Wie “HK Hans” eben schrieb, hat er keinen Bock mehr auf diesen Blog. Ich kann das sehr gut verstehen, es ist nachvollziehbar, denn immer mehr “Hirnis” schreiben hier die wirklich allerletzten Texte. Ein Beispiel: Ich kenne einen Spieler, der in Hamburgs höchster Liga gekickt hat. Der war auf dem Platz ruhig, unscheinbar, eher der Typ Mitläufer. Hier, bei “Matz ab”, hat er sich einen Verteidiger-Namen gegeben und beißt meistens wie wild um sich. Wer versteht so etwas? Für mich ist das zu hoch, gebe ich ehrlich zu. Muss man, wenn man schon anonym schreibt, ein solches “Tier” werden? Warum das? Ich kann es nicht mehr hören und lesen, wenn ich auf diese Fragen die Antwort bekomme: “Hier sind nur Ja-Sager und Weicheier unterwegs, ich bringe hier die richtige Würze rein.” Toll, ganz, ganz toll. Das ist genau das, was die meisten Blog-Teilnehmer wollen. Genau das. Woher wisst Ihr Neunmalklugen das eigentlich, dass die Menschheit nur auf Eure Würze gewartet hat?
Mann kann doch auch Kritik äußern, ohne beleidigend, ausfallend und pöbelnd zu werden. Andere orientieren sich doch auch an den guten Sitten dieser Gesellschaft. Mir ist das ein Rätsel, wie manche Menschen so ausflippen können. Ich werde darüber bei meiner Rückkehr nochmals mit der Leitung der Internet-Redaktion sprechen, es übersteigt so langsam mein Verständnis für Außenseiter unserer Gesellschaft.
So, meine Lieben, geht es mir jedenfalls wie “HK Hans”, so habe ich auch keinen Bock mehr.
Gute Nacht.

23.40 Uhr

Was wird aus Siegenthaler?

28. Juli 2010

Es geht dem Ende entgegen. Dem Ende des Trainingslagers. An den Hotelfenstern und an den Balkonen der Pensionen von Längenfeld hängen längst nicht mehr so viele HSV-Fahnen wie noch zu Wochenbeginn. Alles hat eben ein Ende, am Freitag fliegt der HSV aus Innsbruck ab nach Düsseldorf, um von dort zum Liga-total-Cup nach Gelsenkirchen zu fahren. Und obwohl die Mannschaft heute nur mit dem Fahrrad unterwegs war, ansonsten aber frei hat, herrscht keine Ruhe im Super-Hotel Aqua Dome. Dafür hat ein Artikel der Sport Bild gesorgt, Gratulation den Kollegen. Es geht um Urs Siegenthaler. Der DFB-Chef-Scout soll, das steht schon seit einem halben Jahr fest, am Montag seinen Dienst beim HSV beginnen, doch plötzlich hat die DFL etwas dagegen. Jetzt hängt alles in der Luft – oder doch nicht. Weil es viel Lärm um nichts gibt?

HSV-Vorstands-Chef Bernd Hoffmann sagt zu diesem überraschenden Hick-hack: „Wir gehen davon aus, dass Herr Siegenthaler am Montag seine Arbeit bei uns aufnehmen wird.“ DFL-Präsident Reinhard Rauball (Dortmund) aber prangerte an: „Eine Doppelbeschäftigung von Urs Siegenthaler wäre der Liga schwer zu vermitteln.“ Darum geht es. Der Schweizer Siegenthaler will weiter für den DFB arbeiten – und für den HSV. So steht es seit Monaten fest. Jetzt, unmittelbar bevor es dazu kommen soll, gibt es den Protest. Dem sich auch Bayerns Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge anschließt: „Die Liga ist klar der Meinung, entweder arbeitet Siegenthaler für den HSV oder für den DFB.“ Und auch DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach befindet: „Es ist der Wunsch der sportlichen Leitung der Nationalmannschaft, dass es mit Urs Siegenthaler weitergeht. Das befürworten wir auch. Es wird daraus hinaus laufen, dass er sich für den DFB oder für den HSV entscheidet.“

Brisant, brisant. HSV-Trainer Armin Veh befand aber dazu nur: „Das ist nicht mein Thema. Ich habe genug mit der Mannschaft zu tun.“ Und nun? Schlimm genug, dass ein halbes Jahr verstreichen durfte, und dieser wunde Punkt niemals geklärt wurde. Die Problematik war doch schon im Januar jedem Beteiligten klar. Es sei denn, sie hatten gehofft, dass Joachim Löw nach der WM in Südafrika kein Bundestrainer mehr sein würde.

Jetzt aber schießen die Spekulationen wie wild in die Luft: Möchte Siegenthaler gar nicht mehr zum HSV? Freut er sich über die nun entfachte Diskussion, weil es nun auf eine klare Lösung hinauslaufen wird? Stört es Siegenthaler, dass es beim HSV mit Bastian Reinhardt schon einen Sportchef gibt, der zwar beruflicher Neuling ist, dem Schweizer aber in der Vereinsstruktur weisungsberechtigt ist? Pocht der HSV jetzt auf den Dienstbeginn Siegenthalers, weil es so zu einer Lösung mit dem DFB kommen könnte, die eine Ablösesumme beinhalten würde?

Fest steht, dass der HSV einen Fachmann wie Urs Siegenthaler sehr gut gebrauchen könnte. Sowohl für die Bundesliga als auch für die Nachwuchsarbeit. Letzterer Punkt ist der, bei dem es schon einige Bewegungen gegeben hatte, sowohl von der Struktur her als auch personell. Ein weltweit anerkannter Mann wie Siegenthaler könnte mit Sicherheit viel, viel bewegen in Sachen Talentschuppen.

Wer mich aber nach meinem Buchgefühl fragt, ob Urs Siegenthaler am Montag auch beim HSV tatsächlich auf der Matte steht, dem muss ich ganz klar sagen: Ich denke, dass er nicht kommen wird, ich rechne damit, dass er sich für den DFB entscheiden wird. Wobei es keine Rolle spielen soll, dass es beim HSV schon einen Sportchef namens Reinhardt gibt, damit hatte sich Siegenthaler schon seit vielen Wochen arrangiert. Ich glaube ganz einfach, dass der Schweizer weiter dem Löw-Team angehören will, und dass er diese Arbeit über die beim HSV stellen wird.

Kleine Randbemerkung: Ich weiß nicht, was in Stuttgart los ist, aber dort müsste doch auch ein Sturm der Entrüstung ausgebrochen sein, denn: Der VfB hat einen Berufsanfänger namens Fredi Bobic als Sportchef verpflichtet. Spinnen denn die? Was legitimiert einen ehemaligen Stürmer und DSF-Analysten wie Bobic, sportlicher Leiter einer Bundesliga-Mannschaft zu werden? Das geht doch mal gar nicht. In Hamburg geht es doch auch nicht. Oder doch? Das aber wirklich nur am Rande.

Ganz kurz noch zurück zum aktuellen sportlichen Geschehen. Armin Veh sprach nach dem 1:1 gegen München 1860 mit uns. Und natürlich war auch David Rozehnal ein Thema, denn der Innenverteidiger sah beim 1:1 der Löwen wieder einmal denkbar schlecht aus. Veh dazu: „Es ist ja Fakt, dass er am Gegentor beteiligt war, aber erklären kann ich mir das nicht. Er muss sich auf jeden Fall steigern, das ist klar. Ich habe ja auch nicht umsonst mal Guy Demel auf die Position der Innenverteidigung gestellt, das mache ich ja nicht aus Jux und Dollerei. Sondern weil ich auch Leistung sehen will, auch wenn es schwer fällt.“

Der HSV will sich bis zum Saisonbeginn ja noch von drei oder vier Profis trennen, nach der Rozehnal-Vorstellung von Schwaz ist es nicht unmöglich, dass auch der Tscheche noch gesagt bekommt: „David, du kannst dir einen neuen Verein suchen.“ Ist das ausgeschlossen, Herr Veh? Der Coach antwortet: „Nein, er muss mir schon Leistung anbieten. Es ist ja auch so: Wenn man nicht von Anfang an spielt, dann muss man die Leistung eben bringen, wenn man dann reinkommt. Alle, die hinten an sind, müssen mir letztlich immer Leistung anbieten. Wenn ich das Gefühl habe, dass es schwierig wird ihn rein zu bringen, dann lasse ich es lieber. Jeder muss ständig etwas anbieten, zeigen und leisten, das ist ein Spieler auch in der Bringschuld.“

Dass es eine mentale Geschichte bei Rozehnal ist, glaubt der Trainer nicht: „Wir stehen doch in der jetzigen Phase nicht unter Druck, wir trainieren doch nur seit einigen Wochen. Da gibt es doch keinen Druck in den Testspielen. Und er ist ja jetzt auch kein 18-jähriger Spieler mehr.“ Zumal Rozehnal noch vor dem Trainingslager gesagt hatte, dass alle Spieler, auch er, jetzt mit neuem Trainer und vor einer neuen Saison wieder bei Null beginnen werden. Das war auch seine Chance, aber er konnte sie bislang nicht annähernd nutzen. Dabei spielt er fast immer solide, doch mindestens einen Bock pro Spiel schießt er immer. Und damit macht er sich alles kaputt. Vehs Schlusssatz: „David Rozehnal hat sich jetzt leistungsmäßig nicht so aufgedrängt, so dass ich sagen kann: da steht er. So ist es.“

Ich wurde in diesen Tagen schon von einigen von Euch gefragt, ob David Rozehnal im Trainingslager in Längenfeld neben sich stehen würde. Ich sage ganz klar, dass ich das nicht beobachten konnte. Er hat normal trainiert, hatte gute und weniger gute Szenen. Wie immer. Was mich nur vorgestern stutzig machte: Nach Trainingsende lief Rozehnal ganz allein an allen vorbei zurück ins Hotel, der Weg beträgt 250 Meter. Alle anderen HSV-Spieler gehen mit einigen Kollegen, unterhalten sich dabei. Rozehnal aber ist schon immer ein eher schweigsamer Mensch gewesen, nur hat es hier in Österreich den Anschein, als sage er kaum noch etwas. Ist das doch eine Art Druck, den er verspürt? Wie die Teamkollegen mit ihm vielleicht doch nicht so zurechtkommen, wie es eigentlich normal wäre? Spürt Rozehnal eine gewisse Ablehnung, weil auch die Mannschaftskollegen mit seinen vielen Fehlern nicht mehr klar kommen?

Mein Mitgefühl hat David Rozehnal, denn er ist inzwischen schon eine tragische Figur beim HSV. Vor den Spielen unken viele HSV-Fans schon, wie lange es denn wohl dauert, bis der erste Fehler des Tschechen passiert. Ich kann mich nicht erinnern, wann ein HSV-Profi mal einen so schweren Stand beim eigenen Anhang hatte, wie dieser David Rozehnal. Eventuell wäre ein neuer Verein, vielleicht sogar in seiner Heimat, die beste Lösung für ihn. Es liegt nun wohl auch an Armin Veh und Bastian Reinhardt, dem Tschechen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie es mit ihm weitergehen könnte.

17.25 Uhr

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