Monatsarchiv für Juni 2010

Rost – und eine sommerliche Geschichte

30. Juni 2010

Es stimmt! Der HSV hat kein Torwart-Problem. Er holt jetzt den Herthaner Jaroslav Drobny (30). Offizielle Version des HSV, beziehungsweise von Trainer Armin Veh: „Wir wollen auf jeder Position Konkurrenz schaffen. Das aber ist natürlich nur vorgeschoben, denn der bisherige Torwart des HSV, Frank Rost, darf sich einen neuen Verein suchen. Rost hat heute seinen 37. Geburtstag – welch ein großartiges Geschenk. Nun rächt es sich, wenn man zwar ein guter und teilweise überragender Keeper ist, aber wenn man dazu auch zu oft und zu unbequem Wahrheiten über seinen Arbeitgeber verlauten lässt.

Stichwort charakterstarke Spieler.

Ich werde im Laufe des späteren Abends noch auf diese Personalie zurückkommen, bislang muss Euch das bitte erst einmal reichen.

Es folgt nun noch eine Sommergeschichte von „m@home“, es ist wieder eine ganz besondere – vielen, vielen Dank dafür.

Und los geht es:

Hallo Dieter, wenn Du schon Aufrufe startest, dass sich doch auch mal Frauen äußern sollen, dann komme ich dem doch gerne nach . . .

Mein Leben als (stolze) Außenseiterin

Mein persönlicher Grundstein wurde 1986 gelegt, als ich dank der WM erstmals bewusst mit meiner großen Leidenschaft in Berührung kam. Fußball ist toll! Doch es sollte noch fast ein Jahr dauern bis das Gebäude fertig war. Es war das Pokalfinale gegen die Stuttgarter Kickers. Meine Eltern hatten tatsächlich Karten und fuhren nach Berlin – OHNE MICH!

Ok, ich war erst zehn, aber mehr Fußballsachverstand als meine Mutter hatte ich allemal (was sich bis heute nicht geändert hat!). So blieb mir nur der heimische Fernseher; mal schauen, ob ich irgendwo meine Eltern sehen konnte. Aber ich bekam etwas ganz anderes zu sehen, etwas wirklich Großartiges: eine Lieblingsmannschaft plus Titelgewinn (IIEK – Macht mich das eigentlich zum Erfolgsfan?).

Bis ich das erste Mal ins Stadion durfte, dauerte noch eine Weile. In der halb gefüllten Betonschüssel gab es eine Niederlage gegen Lautern. Meine Eltern dachten, so das war’s jetzt mit der HSV-Phase. Wie haben sie sich getäuscht! Zwei Wochen später stand ich schon wieder in der noch schlechter gefüllten Schüssel, und diesmal gab es einen Sieg! Und da ich in der Saison noch einige weitere Ausflüge gen Volkspark unternahm, erkannten meine Eltern ihren Irrtum, und zum Geburtstag bekam ich meine erste Dauerkarte (ab da erledigte sich für einige Jahre die Frage, was ich mir zum Geburtstag wünsche.). Allerdings muss ich gestehen: Die 90-er Jahre waren hart für HSV-Fans. Man dümpelte im Mittelfeld, zu allem Überfluss stieg auch St. Pauli auf, und mit dem Aufstieg kamen die Modefans. Schnell sah ich mich in der Schule umzingelt von Braun-Weißen, musste mich dem allgemeinen Spott stellen und habe am Ende doch gesiegt.

Und das kam so: Pauli stieg wieder ab, mich zog es nach Hannover und die ehemaligen Spötterinnen besuchten mich anlässlich des Spiels 96 gegen Pauli. Das erste (und einzige) Mal in meinem Leben fand ich mich in der Feindeskurve wieder – und hatte viel Spaß! 96 führte nämlich bereits zur Pause (durch einen Hattrick von Dieter Hecking) mit 3:0. Die Braun-Weißen waren ruhig, ich aus gastfreundschaftlichen Gründen auch. Ein paar Jahre später gestand mir eine der anwesenden Freundinnen, dass das der bitterste Moment ihrer Pauli-Anhängerschaft war und ein Umdenken angestoßen hat: Wenn selbst HSV-Fans nur noch Mitleid haben und nicht mehr lästern . . .

In der Zwischenzeit habe ich besagte Freundin einige Male mit in unsere wunderschöne Arena genommen, und mittlerweile sagt sie „wir“ und ruft auch schon mal „NUR DER HSV!“
So, jetzt muss ich noch einen kleinen Exkurs loswerden:

Vor ein paar Jahren habe ich hier in Hannover ehrenamtlich in der Sportredaktion bei einem Lokalradio gearbeitet. Man treibt sich so auf den diversen Sportplätzen rum, und wen trifft man? Hermann Rieger. Den haben wir natürlich sofort eingeladen, einmal in unsere Sendung zu kommen, was er auch getan hat. Es war eine großartige Stunde (für mich zumindest): fachsimpeln über „meinen“ HSV mit der Kultfigur. Es hat irre viel Spaß gemacht. (Ist übrigens auch ein Grund, weshalb ich beim Tippspiel als „Hermann“ antrete). Und falls er das hier lesen sollte:

Lieber Hermann, ich wünsche Dir in dieser schweren Zeit ganz viel Kraft. Wir, Deine Fans, sind in Gedanken bei Dir!

Sportliche Grüße, me@home

Zum Abschluss möchte ich noch kurz eine sommerliche WM-Geschichte loswerden, die ich beobachtet habe. Und die auch sehr gut zum Stichwort charakterstarke Spieler passt:

Cristiano Ronaldo, der eine überragende WM gespielt hat (oder nicht?), ist für mich nicht nur Fußballer, er ist auch ein hervorragender Schauspieler. Was ich jetzt wiederholt beobachtet habe: Freistoß für Portugal. Ronaldo kommt, schnappt sich den Ball, legt ihn sich zurecht. Akribisch genau. Dann beginnt aber erst die eigentliche Zeremonie. Indem Ronaldo hoch kommt, blickt er für eine Sekunde auf die Anzeigentafel im Stadion. Der Blick versichert ihm: „Ich bin auf Sendung.“ „Millionenden“ auf der ganzen Welt sehen ihm nun zu, nur ihm, dem großen, den genialen, dem einzigen Ronaldo. Und er genießt es. Weil es ja noch weiter geht: Mit Siebenmeilenstiefeln tritt erden Rückweg an. Er dreht sich nicht weg vom Ball, er geht rückwärts. Damit ihn die Kameras immer von vorne im Blick haben. Nach ungefähr zwölf Metern rückwärts stoppt er abrupt. Dann spreizt er seine Beine auf etwas zwei Meter (übertrieben, es sind wahrscheinlich nur 1,5 Meter). Er hält inne. So wie einst John Wayne. High noon. Ronaldo würde sicher auch gerne aus der Hüfte schießen, aber er lässt es. Denn nun, nach zwei, drei Sekunden mit gespreizten Beinen, kommt doch der Fußballer in ihm durch. Er konzentriert sich, dann schießt er. Das hat er vor der WM einzigartig beherrscht. Während der WM hat er meistens nur Rohrkrepierer zustande gebracht. Was natürlich auch am Ball liegen könnte . . .

Nein, dieser Cristiano Ronaldo hat während dieser Tage in Südafrika enorm bei mir verloren. Und ich fand es super, wie dieser argentinische Schiedsrichter namens Baldassi nicht auf die Flugeinlagen des Portugiesen hereingefallen ist. Zudem spricht der unrühmliche Ronaldo-Abgang mit Spuck-Attacke auch Bände. Nein, dieser Weltfußballer hat bei mir jeden Kredit verspielt.

13.04 Uhr

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