Monatsarchiv für Juni 2010

Kühner Plan mit Reizpunkten

26. Juni 2010

Mannomann, kann ich nur sagen. Wenn die neue Mannschaft des HSV nach der bald endenden Sommerpause ähnlich enthusiastisch und frisch und vital und engagiert in die Vorbereitung geht wie Ihr Matz-abber mit Euren tollen Sommergeschichten und mit Euren Kommentaren zu unterschiedlichen Themen, dann ist in der Saison 2010/11 ordentlich was drin. Was bringt es, den vergebenen Chancen für eine Teilnahme am internationalen Wettbewerb nachzutrauern? Nichts. Was bringt es, einen Abgang wie Jerome Boateng zu bedauern? Nichts. Also ziehe ich die einzige logische Konsequenz, die es gibt. Ich beschäftige mich mit dem Hier und Heute und mit der hoffentlich rosigen Zukunft.

Dass es auch in der Gegenwart einige Reizthemen und auch ein derartig gelagertes Klima gibt, habe ich ja gestern schon erklärt. Immer wieder rückt der kühne Vorstoß des Vorstands, Privatgelder eines leidenschaftlichen und millionenschweren HSV-Fans für Spielerverpflichtungen zu nutzen, in den Mittelpunkt der Diskussionen. Anstoß hoch drei, könnte man meinen, hat seinen Namen eigentlich verfehlt. Revolution hoch drei – so müsste der Arbeitstitel lauten, wenn ich die wirklich emotionalen und zum Teil auch sehr differenzierten Beiträge zu dem Thema betrachte.

Ja, vielleicht ist es sogar revolutionär, was da vom Vorstand geplant und vom Aufsichtsrat bestätigt wurde. Ich fasse es für diejenigen, die nicht so im Thema sind, mal vereinfacht zusammen. Bernd Hoffmann und Co. suchen stetig nach neuen Erlösquellen, um den Kader des HSV zu verbessern. Zuletzt, so muss man wohl zähneknirschend konstatieren, war es nicht mehr möglich, immer wieder neue und größere Beträge zu erwirtschaften, mit denen neue Stars oder zumindest starke Kicker internationalen Formats an die Elbe zu locken. Dann tüftelten Hoffmann und seine Mitstreiter am längst vorhandenen Projekt Anstoß hoch drei herum und passten es den neuesten Entwicklungen an. Sie fanden mit Klaus-Michael Kühne einen HSV-Liebhaber der besonderen Art, der bereit ist, mehrere Millionen Euro in den HSV zu investieren – aus seiner Privatschatulle. Gegenleistung des HSV: Sollte der Klub einen oder mehrere der Kühne-Geld-Neulinge gewinnbringend verkaufen, würde der Milliardär entsprechend einen Teil vom Kuchen abbekommen.

Nun kommen die Supporters ins Spiel, die der Angelegenheit mit einer gehörigen Portion Skepsis begegnen. Supporters-Chef Ralf Bednarek, der sich ja schon ziemlich heftige Anfeindungen gefallen lassen muss, weil er sich zu dem Projekt kritisch geäußert hat, und mehrere fördernde Mitglieder trauen dem Braten offenbar noch nicht. Warum? Weil sie ihres Erachtens zu wenig Einblicke in das Gesamtkonzept des Deals bekommen. Also haben sie eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Das mögen manches Mitglied und auch manch Verantwortlicher überzogen finden, es ist nun aber das gute Recht der Mitgliedschaft, und daher sehe ich das auch nicht so dramatisch. Für eine Portion Zusatzärger hat nun gesorgt, dass der Aufsichtsrat dem Projekt grünes Licht gegeben hat, bevor es am 13. Juli zur Mitgliederversammlung kommt. Da könne doch etwas nicht stimmen, denkt sich da mancher Supporter, sonst hätte man doch wenigstens bis danach warten können. Dass dem HSV in Sachen Hochkaräter aber ohne Kühnes Millionen – ob es nun zehn, 15 oder sogar 20 werden, habe ich bis heute nicht genau verstanden – kein einziger Volltreffer auf dem bald rumorenden Transfermarkt gelingen wird, also Eile geboten ist, wird natürlich auch nicht so richtig berücksichtigt. Der Ausgang dieses für die Medien herrlichen Sommerzoffs ist offen. Es wird bestimmt aber noch den einen oder anderen Nachschlag geben.

Da hier im Blog ja beide „Lager“, wenn ich sie jetzt einmal etwas flapsig so nennen darf, vertreten sind, möchte ich zum Wohle des HSV um Sachlichkeit bitten. Denn nur wer versucht, die Lage oder Argumentation seines schärfsten Kritikers nachzuempfinden, kann ihn vielleicht am Ende verstehen und eines Besseren belehren. Euch muss ich jawohl nicht sagen, dass sowohl Bernd Hoffmann als auch Ralf Bednarek am Wohle des HSV interessiert sind. Diesen beiden Vorsitzenden ihrer jeweiligen Riegen kann man nur raten, dass sie sich gerade in solchen Streitfällen mal intern intensiv austauschen, ruhig auch konstruktiv streiten, anstatt immer und immer wieder den Weg über die Öffentlichkeit zu suchen. Denn der endet selten mit zwei, beziehungsweise drei Gewinnern. Und wenigstens der HSV sollte am Ende doch immer als Sieger den „Platz“ verlassen, oder?

Ich habe übrigens lange mit meinem Kollegen Christian Pletz über dieses Projekt und den öffentlichen Streit diskutiert. Er war ja kürzlich in Brasilien, wo ein Vorstoß wie dieser des HSV-Vorstands alles andere als eine Sensation wäre. Dort wird bei den Vereinen ganz klar zwischen wirtschaftlichen Rechten und Transferrechten unterschieden. Es gibt Hunderte Spieler, die wirtschaftlich mehreren Privatinvestoren gehören. Beim Weiterverkauf profitieren diese Geldgeber dann gegebenenfalls – die meisten aber eher nicht. Entscheidend für den Verein ist, dass er 100-prozentiger Eigentümer des Transferrechts ist, so dass kein Investor mit entscheiden darf, wann, ob oder dass es zu einem Weiterverkauf kommt. Da muss der Verein den Hut aufhaben.

Apropos Brasilien, ich wollte ja eigentlich zum Abschluss noch kurz auf einen (wirklich nur einen!) Namen eingehen, der mal wieder mit dem HSV in Verbindung gebracht wird. Es geht um den brasilianischen Stürmer Vagner Love, der ja noch auf Leihbasis bei Flamengo Rio de Janeiro unter Vertrag steht. Sollten charakterliche Züge, stabile Verhaltensweisen und Vorbildfunktionen tatsächlich eine Rolle bei Spielerverpflichtungen spielen, dann kann ich nur hoffen, dass dieses Enfant terrible nicht in Hamburg landen wird. Sollte es mit Kühnes Millionen perfekt gemacht werden, würde ich das Projekt sofort umtaufen: von Anstoß hoch drei auf Abpfiff hoch drei…

22:23 Uhr

Eine Sommergeschichte aus NRW

26. Juni 2010

Es ist immer wieder erstaunlich, wo die HSV-Fans beheimatet sind, wie sie ihren Klub kennen und lieben gelernt haben – und ebenso erstaunlich ist, dass sich diese Rothosen-Anhänger ganz, ganz emsig an den Sommergeschichten beteiligen. Ich freue mich sehr darüber, ich finde das nicht selbstverständlich und genieße es. Ich hoffe, dass das auch allen „Matz-abbern“ so geht. Vielen Dank den Autoren – und allen viel Spaß beim Lesen.

Und ab:

Vater und Sohn gemeinsam auf HSV Tour

Beginnen möchte ich mit meiner Sommergeschichte zu erzählen, wie ich zum Fußball gekommen bin. Mein Vater, Jahrgang 1939, hätte immer gerne Fußball im Verein gespielt, durfte aber nicht. Daher stand für ihn fest, dass sein Sohn es besser haben und auf jeden Fall im Verein Fußball spielen sollte. So kam es dann, dass ich im Alter von sieben Jahren (Jahrgang 1963) im April 1971 Mitglied bei Altona 93 wurde. Ich begann in der zweiten E-Jugend als linker Verteidiger.

Zur Saison 1974/75 wechselte ich dann zur Groß Flottbeker Spielvereinigung, wo ich dann später bis zur A-Jugend recht ansehnliche Spiele, wie ich meine, als Linksaußen ablieferte. Ich kann mich noch gut an die hervorragend besetzten Pfingstturniere beim SV Munster in der Lüneburger Heide und an internationale Turniere in Dänemark und Norwegen (wo wir 1980 den sog. Scandia Cup gewannen) erinnern. Das waren damals schon tolle Erfahrungen für uns Jugendliche. Und natürlich erinnere ich mich an ein Spiel gegen die zweite B-Jugend des HSV, das wir in Ochsenzoll 2:1 gewannen.

Wie bin ich nun HSV-Fan geworden? Es begann alles mit dem Uwe-Seeler-Abschiedsspiel am 1. Mai 1972, als mein Vater mich das erste Mal mit ins Volksparkstadion nahm. Der HSV u.a. mit Özcan, Schulz, Nogly, Zaczyk, Ripp, Hönig, Björnmose, Volkert und natürlich Uwe Seeler spielte gegen eine Weltauswahl. Da waren die Weltstars von damals zu bewundern: u. a. Pelé, Johan Cruijff, Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Gerd Müller, Karl-Heinz Schnellinger, Eusebio, Bobby Charlton, Bobby Moore, Dennis Law, George Best, Gordon Banks, Paul van Himst, Giacinto Facchetti, Sandro Mazzola, Gianni Rivera und Ferenc Bene. Ich erinnere mich noch genau, dass mein Vater mir eine HSV-Fahne kaufen wollte, aber ich habe mich dann für einen Wimpel vom Abschiedsspiel entschieden, den es heute noch gibt.

Es folgten weitere Spiele im Volkspark, vornehmlich auf der Südtribüne in Begleitung meines Vaters oder sogar meiner Mutter, die ich zum Achtelfinale im Europacup der Pokalsieger 1976 gegen Heart of Midlothian Edinburgh (4:2 für den HSV) für 15 DM eingeladen habe, damit ich ins Stadion durfte, denn alleine ließen sie mich noch nicht gehen. Später ging ich dann regelmäßig mit meinen Kumpels in die Westkurve Block E oder F. Was haben wir nicht für tolle Spiele gesehen, die Eintrittskarten habe ich heute noch, z.B. ein 5:0 gegen die Bayern (Saison 76/77) , das Europapokal-Halbfinale 1977 gegen Atletico Madrid (3:0 für den HSV), das 5:1 gegen Real Madrid im Halbfinale des Europapokals der Landesmeister (Saison 1979/80), ein 4:1 gegen die Bayern (Saison 81/82) und auch das Endspiel um den UEFA-Cup gegen IFK Göteborg (Saison 81/82), das der HSV leider 0:3 verlor.

Schlimme Erinnerungen habe ich an den 9. Juni 1979, als der HSV Meister wurde und die Fans aus der Westkurve den Innenraum stürmten und es bei diesem Stadionunglück viele Schwerverletzte gab.

Dann zog ich nach dem Abitur und der Bundeswehrzeit 1984 zur Berufsausbildung nach München, aber keine Angst, ich bin nicht Bayern-Fan geworden. Ich verfolgte den HSV in den darauf folgenden Jahren eher distanziert aber weiterhin interessiert aus der Ferne und sah auch das ein oder andere Spiel des HSV im Olympiastadion. Ich finde, Bayern-Fan kann jeder sein, denn es ist einfach, für eine Mannschaft zu halten, die fast immer alles gewinnt. Zum richtigen „Fan-Sein“ gehört aber auch, Höhen und Tiefen, Siege und Niederlagen seines Vereins mit zu durchleben. Und wer eben fast nur Siege kennt, der kennt auch dieses Gefühl der Enttäuschung nicht, das eben auch zum Fußball dazu gehört. Es sind ja gerade die Emotionen, positive wie negative, die diesen Sport so besonders machen.

Seit 1996 wohne ich nun in NRW zwischen Aachen und Mönchengladbach, da hat man natürlich ganz viele Auswärtsspiele unseres HSV in gut erreichbarer Entfernung. Die nie ganz verloren gegangen Leidenschaft zum HSV wurde nun sozusagen neu entflammt. Mein Sohn (1993 geboren) spielt selbst auch Fußball und gemeinsam besuchen wir seit einigen Jahren Auswärtsspiele und jedes Jahr werden es mehr. Dieses Jahr waren wir u.a. auch in Eindhoven und in Anderlecht (beides sehr nervenaufreibende Spiele mit positivem Ausgang), für uns ja quasi fast vor der Haustür gelegen.

Eine richtige Achterbahn der Gefühle war natürlich auch das letzte Auswärtsspiel der Saison 2008/09 in Frankfurt mit dem Last-Minute-Tor von Trochowski zum 3:2. Wir versuchen immer, Karten im Stehblock zu bekommen, um die richtige Stadionatmosphäre zu spüren und den HSV entsprechend lautstark anzufeuern. Es ist immer wieder toll mit anzusehen, wie viele HSV-Fans die Mannschaft auswärts unterstützen. Mir macht es riesigen Spaß, mit meinem Sohn gemeinsam auf HSV-Tour unterwegs zu sein und mit unserem Verein mitzufiebern. Besonders freut mich natürlich auch, dass auch mein Sohn die Raute im Herzen trägt. Ist ja nicht immer ganz einfach, wenn die Schulkameraden um einen herum alle für Borussia Mönchengladbach, 1. FC Köln, Bayer Leverkusen oder für S04 und BVB halten.

Da mein Vater noch in Hamburg wohnt, besuchen wir natürlich auch immer wieder mal ein Heimspiel im Volkspark. Einfach ein Genuss! Alleine schon „Hamburg, meine Perle“ mit Lotto ist den Besuch wert.

Wie gut, dass es das Internet gibt! In unserer Zeitung ist ja über den HSV kaum mal was zu lesen, also lesen wir täglich Hamburger Abendblatt online und natürlich Matz ab von Beginn an, auch wenn wir uns an den Diskussionen bisher nicht beteiligt haben. Dieser Blog ist einfach klasse und wir möchten nicht mehr darauf verzichten. Da saugen wir dann alle Informationen rund um den HSV auf. Und wir hören bei den Spielen, die wir nicht besuchen, die Reportagen von NDR 90,3 mit Lars Pegelow.

Natürlich hofften auch wir in den letzten Jahren auf einen Titel. Die Gesamtentwicklung des HSV ist sehr positiv, die letzte Saison war nach dem furiosen Start in der Bundesliga mit Platz 7 letztlich enttäuschend. Aber inzwischen sind wir schon wieder optimistisch gestimmt und freuen uns auf eine hoffentlich erfolgreiche Saison 2010/11 unseres HSV.

Es grüßen Thomas und Thorsten Mäker aus Hückelhoven, NRW

13.50 Uhr

Holt Rijkaard Mathijsen?

25. Juni 2010

WM-Zeit ist Spekulationszeit. Das ist nicht neu. Und lässt sich wahrscheinlich auch nicht ändern. Nun ist zum Glück wenigstens ein Thema endgültig geklärt. Michael Ballack wird in der kommenden Saison nicht für den HSV spielen. Das ist einerseits bedauerlich, weil so ein gestandener Spieler wie die Nummer 13 dem HSV natürlich gut zu Gesicht gestanden hätte. Es ist aber andererseits auch eine Wohltat, dass Bayer Leverkusen die intensiven Hamburger Bemühungen noch einmal getoppt hat. Auch finanziell, wie ich mir sagen ließ. Denn so kann sich der HSV womöglich doch einzig und allein dem Ziel widmen, die nach wie vor stark besetzte Mannschaft punktuell, sinnvoll und zugleich mit Perspektive zu verstärken.

Und ich kann Euch eines versprechen, weil es mir heute von verschiedenen Seiten gezwitschert wurde (nicht getwittert!): Beim HSV wird in dieser Sommerpause noch einiges passieren. Meine Informanten und auch ich rechnen aber nicht damit, dass vorm Ende der WM wirklich viel und Entscheidendes passieren wird. Bis dahin wird noch der eine oder andere Name gehandelt, das war ja auch heute wieder der Fall, und mit Sicherheit ist an einigen auch etwas dran, aber endgültige Verhandlungen und Abschlüsse – vor allem mit WM-Aktiven, die nicht aus Frankreich oder Italien kommen – können ja eh erst nach dem Turnier oder zumindest nach dem Ausscheiden der jeweiligen Nationen erfolgen.

Nach dem heutigen Tag gehe ich übrigens fest davon aus, dass wir alle in der kommenden Spielzeit einen neuen Abwehrboss sehen werden. Dazu haben nicht nur die Gerüchte und Berichte um und über Joris Mathijsen beigetragen, die ja von einigen guten Detektiven unter Euch mit einigen Zusatzinfos unterfüttert wurden, sondern auch entsprechende Bestätigungen aus der Türkei. Ich habe dort mit einem Freund telefoniert (nicht Thomas Doll), der sich bestens im Fußballgeschäft auskennt und mir schon den einen oder anderen Transfer weit vor der offiziellen Bekanntgabe gemeldet hat. Heute war er überrascht, als ich ihn anrief: „Willst du mich fragen, gegen wen wir im Achtelfinale spielen?“, sagte er, dabei hatte ich überhaupt keine Ambitionen dieser gemeinen Art. Als ich ihm dann von den Geschichten rund um den HSV erzählte, dass Galatasaray Istanbul an Joris Mathijsen dran sein könnte, plapperte er plötzlich los wie ein Wasserfall. Er bat um zwei Stunden Zeit und sagte anschließend zu mir: „Unglaublich – Gala ist wirklich an Mathijsen dran.“ Seine Informationen besagen, dass der Kontakt kurz vorm Ende der abgelaufenen Spielzeit bereits intensiv gewesen sein soll. Berichte über eine offizielle Offerte der Türken an den HSV konnte er aber nicht bestätigen, und auch beim HSV habe ich diesbezüglich keine Zustimmung erhalten. Trotzdem haben mir mehrere Insider, auch beim HSV, gesagt, dass Mathijsen bereit sein soll, nach der WM zu wechseln. Und wenn Frank Rijkaard, Trainer bei Galatasaray, ruft – dann würde ein Transfer schon Sinn machen, oder?

Irgendwie passen die Indizien doch alle zusammen. Ich dachte ja anfangs, dass der HSV einen zweiten Manndecker für die Position neben Joris Mathijsen suchen würde. Und war bei einigen gehandelten Namen überrascht, weil das doch eher erste Leute, also Abwehrchefs waren. Nun erklärt sich das von selbst. Ich wage daher mal folgende Prognose (ich weiß, ich lehne mich damit ziemlich weit aus dem Fenster): Bis zum 20. Juli wird der HSV Mathijsen verkaufen. Und in Hamburg wird mal wieder eine neue Abwehr-Ära beginnen müssen. Wenn ich freie Wahl in der Bundesliga hätte, wem ich den Posten in der Innenverteidigung geben sollte, würde ich mich für Mats Hummels entscheiden. Nicht wegen des Vornamens, sondern weil ich seine Entwicklung sehr gut finde und er für mich der Abwehrspieler der Zukunft ist.

Apropos Zukunft. An diesem Wochenende wird es bei den Verantwortlichen des Vorstandes und auch bei einigen Aufsichtsräten bestimmt wieder ein kopfschüttelndes Raunen geben. Grund dafür sind neue Kommentare aus Reihen der Supporters zum geplanten Investitionsprogramm des Milliardärs Kühne, die ja bekanntlich bei einigen Führungskräften für dauerhaftes Unverständnis sorgen. Die Lage ist wirklich angespannt. Die einen verstehen die „Nörgler“ nicht, dass sie das „Geschenk“ eines leidenschaftlichen Fans und potentiellen Gönners kaputtreden wollen. Die anderen verstehen die alten „Ja-Sager“ nicht, dass sie ohne große Nachfrage den millionenschweren Einstieg eines potenten Investors akzeptieren wollen und nicht vor dem Deal alle Einflusschancen und Konsequenzen eines solchen Geldflusses hinterfragen. Na, das werden noch spannende Wochen. Vorstand und Aufsichtsrat täten ebenso wie die Supporters-Führung gut daran, das Thema zeitnah in einer internen Zusammenkunft ein- für allemal aufzuarbeiten, sonst werden unnötige Kräfte vergeudet und Nebenkriegsschauplätze eröffnet, auf die wahrscheinlich die meisten von Euch liebend gern verzichten würden. Ich muss ehrlich gestehen: Ich auch.

So, da ich nicht zu allen Namen, die derzeit durch die Foren und auch durch Eure Kommentare rauschen, Stellung Beziehung kann und will, belasse ich es bei einer Information, die ich von einem der bestinformierten HSVer bekommen habe. Demnach ist derzeit noch gar nichts dingfest mit möglichen Neuen und auch nicht mit möglichen Abgängen. Das heißt für uns: Abwarten und Achtelfinals gucken.

22:50 Uhr

Zwei weitere Sommergeschichten

25. Juni 2010

Und weiter geht es. An diesem Freitag folgen zwei Sommergeschichten unterschiedlichster Art. Ich bedanke mich bei Christina (ja, eine Dame hat geschrieben!) und bei Uns-Fredi – und wünsche allen Matz-abbern viel Spaß beim Lesen. Und ab:

Vom Geißbock zur Raute

(In Erinnerung an meinen Bruder Dieter)

Jede freie Minute wurde auf der Straße gebolzt. Die Leidenschaft hatte mich schon vor der Schulzeit gepackt, und in unserer Kleinstadt an der holländischen Grenze fanden sich immer Spielkameraden für einen Kick auf der Straße oder auf der Wiese. Wir brachten es sogar in früher Selbstorganisation fertig, Straßenmeisterschaften auszuspielen. Der kleinstädtische Wohlstand hatte uns zu Beginn der 60er-Jahre bereits Lederbälle beschert, die sich bei Regen allerdings in Bleikugeln verwandelten.

Und mein Herz gehörte dem 1. FC Köln. Auslöser dafür war der grandiose und tapfere FC-Verteidiger Wolfgang Weber. Wie kam es dazu? Bei einem meiner ersten Fußballerlebnisse am heimischen Fernseher (schwarz-weiß natürlich mit Flimmerbild) spielte jener Verteidiger eine Heldenrolle. In einem dramatischen Europapokalspiel Köln gegen Liverpool in der Saison 64/65 spielte Weber mit gebrochenem Wadenbein bis zum Ende der Partie. Geholfen hat es nicht, denn der FC verlor das Spiel.

Die bittere Niederlage kostete mich einige Tränen (45 Jahre später hatte ich erneut ein tränenreiches Erlebnis mit dem FC Köln, dazu später), aber für mich war ein Held geboren. Wolfgang Weber war ab sofort ein echtes Vorbild für mich. Jemand, der sich durchbeißt, der trotz Schmerzen seine Mannschaft nicht im Stich lässt und weiter für den Sieg kämpft – das beeindruckte den kleinen Fredi ganz enorm!

Mein nächster Held sollte dann ein Torhüter werden. Ich selbst hatte inzwischen eine Torwartkarriere in der D-Jugend gestartet und fand bei der WM 1966 in Hans Tilkowski ein nächstes Vorbild. Bodenständig, nicht spektakulär und dennoch zuverlässig, so sah ich Till. Und wieder flossen bittere Tränen vor dem alten schwarz-weiß Fernseher. Wir alle wissen: er war nicht drin. Und Wolfgang Weber spielte beim Wembleytor auch wieder eine Rolle. Meine beiden Helden im Unglück vereint. Tragische Helden hatte ich mir da ausgesucht. So konnte es nicht weitergehen!

Es sollte besser werden – und endlich kam der HSV ins Spiel. Es dürfte 1969 gewesen sein. Mein großer Bruder, inzwischen in Hamburg nah der alten Heimat bei Schwerin wohnhaft, nahm mich mit ins Volksparkstadion. Zusammen mit seinem Arbeitskollegen von der DEA am Mittelweg verfolgten wir von der Westkurve aus das Spiel gegen Hannover. Ich erinnere mich noch genau, wie ich beim Abpfiff vom super Spiel schwärmte. Ich erinnere mich auch noch an das Grinsen der Beiden und die Bemerkung des Arbeitskollegen meines Bruders: „Er ist ja zum ersten Mal hier“.

Egal für mich. Ich hatte Uwe Seeler und Willi Schulz gesehen. Es muss zwar ein Grottenkick gewesen sein, aber ich war dabei und der 1. FC Köln von nun an nur noch eine frühe Jugendsünde.
Meine neue HSV-Liebe wurde schon bald, nämlich im September 1970, auf eine harte Probe gestellt. Mein erstes Auswärtsspiel nahte in Form der legendären Begegnung in Oberhausen. Mein Bruder holte mich an der holländischen Grenze ab und los ging es ins damals noch verqualmte Ruhrgebiet. 1:8! Ich glaube, mein Bruder kaufte mir die kleine HSV-Fahne (die ich immer noch habe) schon vor dem Spiel.
Endlich 18 und auf nach Hamburg! Jahrelang holte mich mein Bruder vor fast jedem Spiel am Lokstedter Weg EckeTarpenbekstraße ab, und nach dem Spiel ging es häufig in die Kegelhofstraße zu mir zur Sportschau. Vizemeisterschaft, Europokalspiele, Meisterschaft, Kaltz, Keegan und so weiter, und so weiter . . .

Tolle HSV-Jahre! Es war leicht, ein HSV-Fan zu sein und machte meistens riesig Spaß. Der verging mir in den 90er-Jahren allzu oft. Inzwischen wieder an der holländischen Grenze wohnhaft, standen eher Auswärtsspiele, zum Beispiel in Dortmund auf dem Programm. Noch heute gefallen mir diese Partien vor, während und nach dem Spiel außerordentlich, egal ob im Volkspark oder im Westfalenstadion. Vielleicht fünfmal im Jahr schaffe ich es in diesen Jahren wieder zu Heimspielen.

Manchmal treffe ich dann den Sohn meines Bruders, der wiederum mit seinem kleinen Sohn (im HSV-Trikot) kommt. Der freut sich dann auch noch mal über ein mieses Spiel, so wie ich damals 1969 als Zwölfjähriger in der Westkurve gegen 96. Mensch, wie die Zeit vergeht!

Ach ja, mein tränenreiches Wiedersehen mit den Geißböcken: Mai 2009, vorletztes Heimspiel, vorher die Partien gegen Werder und dann 0:1. Ich war extra angereist, um den Trostpreis (Europa-Liga-Quali) feiern zu können – und dann so etwas! Wenn das alles nicht zum Weinen war!

Herzliche Grüße – Uns Fredi

Geschichte Nummer zwei folgt sofort:

Hallo Herr Matz,

Sie möchten eine Sommergeschichte von Damen und „Jünglingen“? Hier kommt eine:

Vor zwei Jahren besuchte ich mit meinem Sohn, damals sieben Jahre alt, das Saisonvorbereitungsfest des HSV. Wir schauten uns das Spiel an und im Anschluss sollte eine Autogrammstunde einiger Profis folgen. Mein Sohn, glühender HSV-Fan und noch größerer Frank Rost Fan freute sich besonders auf sein Autogramm von Frank Rost. Wir mussten dann leider feststellen, dass sich eine Menschentraube gebildet hatte, die alle Autogramme wollten.

Meinem Sohn zu Liebe schlossen wir uns an und warteten geduldig. In der Zwischenzeit fing es an zu regnen. Mein Sohn lies sich jedoch nicht beirren und so warteten wir eineinhalb Stunden, bis wir endlich vor der Tür angelangt waren. Wir konnten Frank Rost und andere Spieler schon sehen. Die Aufregung bei meinen Sohn stieg an. Nur noch fünf Leute vor uns. Das bedeutete, mit der nächsten Gruppe würden wir eingelassen werde. Plötzlich näherte sich von drinnen ein Ordner der Tür, zückte einen Schlüssen und schloss ab.

Drinnen sahen wir wie die Spieler aufstanden. Auf dem Gesicht meines Sohnes machte sich Entsetzen breit. Wir bekamen die Auskunft, die Autogrammstunde sei beendet. Pech gehabt! Zu dem Zeitpunkt war es 17.30 Uhr. Es hätte vielleicht noch eine halbe Stunde bis Stunde gedauert alle Autogrammwünsche zu erfüllen, aber das war scheinbar zu viel verlangt.

So gingen wir klitschnass und schwer enttäuscht nach Hause. HSV-Fan ist mein Sohn immer noch, das hat er mit in die Wiege gelegt bekommen, aber die Spieler, die damals aufgestanden sind, die sind bei ihm unten durch!

Ich habe auch noch schöne Sommergeschichten mit dem HSV, aber davon ein anderes mal.

Viele Grüße,
Christina

Anmerkung von mir: Liebe Christina, vielleicht kann ich etwas für Ihren Sohn tun, wenn ja, dann sollten Sie sich noch einmal bei kir melden. Der HSV, so meine Erfahrungen, ist ganz sicher bereit, in irgendeiner Form Wiedergutmachung zu leisten.

Und noch einmal in ganz eigener Sache: Was mich geritten hatte, gestern über den heutigen 25. AUGUST zu schreiben, weiß ich nicht, es muss wohl an Dänemark – Japan gelegen haben, dass ich nicht ganz bei der Sache war. Wenn nicht, so hoffe ich, dass ich die nächsten Jahre bis zur Rente noch “unfallfrei” überstehen werde. Auf jeden Fall bedanke ich mich hiermit bei allen, die mir bei Sortieren der Monate auf die Sprünge geholfen haben.

Übrigens: Heute ist natürlich der 25. Juni, genau vor 50 Jahren gewannen Meinke, Schnoor, Seeers, Dörfel und Co die Deutsche Meisterschaft. Sollte am Abend vielleicht noch das eine oder ander Prost erfolgen.

14.08 Uhr

Zeit für Jansen und Aogo

24. Juni 2010

Sonst heißt es im Fußball ja immer: Torwart und Linksaußen . . . Bei dieser Weltmeisterschaft aber muss man wohl sagen: Torwart und Schiedsrichter. Was hat sich wohl der dänische Keeper Sörensen bei dem 1:0 der Japaner gedacht? Wollte er hechtend Schmetterlinge fangen? Unfassbar schlecht. Auch beim 0:2 sah er nicht unbedingt gut aus. Und dann dieser Unparteiische aus Südafrika bei diesem Spiel: Mein lieber Mann, der ist aber auf Zack. Der muss im Alltag entweder General sein, oder Verkehrspolizist in der Hauptverkehrsstraße von Johannesburg. Dass die Spieler nicht noch vor ihm stramm stehen und dazu salutieren müssen, ist ein Wunder. Wie der gute Mann den Japanern ins Ohr gepfiffen hat, damit die endlich ihren Gesprächskreis, den sie Sekunden vor dem Anpfiff einberufen hatten, beenden, das hatte schon was. Habe ich auf jeden Fall noch nie gesehen. Aber man lernt ja nie aus, auch bei dieser WM nicht.

So, zuerst jetzt aber zum HSV. Allmählich nimmt es Formen an. Mit Tasci wird ernsthaft gesprochen, obwohl der Stuttgarter ja auch gelegentlich in diesen Tagen mit der WM zu tun hat, aber wozu gibt es Berater? Und ein Handy tut dann noch das Nötige. Ich glaube ja, dass es mit Serdar Tasci was werden könnte. Und dann dazu der Algerier Madjid Boughera, für den sich HSV-Boss Bernd Hoffmann ja höchst persönlich eingesetzt hat – das wäre doch schon mal ein Anfang. Der 27-jährige Nationalspieler ist Innenverteidiger, klingt für mich ein wenig nach „Boulahrouz“, und wenn er dann auch so einschlagen würde wie einst „Boula“, dann wären doch alle zufrieden, oder? Der Abwehrmann hat jedenfalls signalisieren lassen, dass es mit ihm in Richtung Hamburg losgehen könnte – der HSV ist jetzt am Zug. Klingt irgendwie gut.

Wenn auch nicht nach deutsch, hungrig, Talent, charakterstark, wenn ich ehrlich bin. Aber: Über den Charakter von Boughera, der noch für die Glasgow Rangers spielt, weiß ich ehrlich überhaupt nichts, Vielleicht hat er ja sogar einen absolut starken Charakter, dann würde er zumindest einen Punkt aus dem HSV-Anforderungsprofil erfüllen. Wie es heißt, das nur ganz nebenbei, sollen auch Sevilla und Liverpool an ihm dran sein. Abwarten. Mehr können wir alle nicht tun.

So: Zwei Kleinigkeiten noch zum HSV. Vor etwa einem Jahr hat Bernd Hoffmann allen kommenden Hamburger Meistern in der Oberliga in Aussicht gestellt, zu Saisonbeginn ein Freundschaftsspiel bei den Amateuren auszutragen. Ein Mann, ein Wort. Es ist Bewegung in diese Idee gekommen, beim SC Victoria freut man sich auf den HSV (und die Eintrittsgelder), das Spiel könnte Ende August oder Anfang September stattfinden. Zeit genug ist ja – leider.

Und dann ist morgen Freitag der 25. Juni (sorry, ich werde wohl alt. Oder zuviel Fußball nebenbei. Danke für Eure August-Korrektur!). Was sagt Euch dieses Datum? Richtig, vor 50 Jahren wurde der HSV in Frankfurt mit einem 3:2-Sieg über den 1. FC Köln Deutscher Meister. Anlässlich dieses Datums erscheint am Freitag eine Seite über diese wunderbare Mannschaft – und es werden zehn handsignierte Fotos von diesem Team verlost. Zehn im Abendblatt. Und dazu noch einmal 20 bei Matz ab. Das ist doch auch was, oder? Wer also Interesse daran hat, sollte sich hier im Blog melden, wenn diejenige oder derjenige dann ausgelost wird, danach werde ich mich bei den Gewinnern melden und nach der jeweiligen Adresse fragen, um das Foto (DIN A 4) per Post abschicken zu können. Okay? Noch etwas: Unterschrieben haben natürlich nur die heute noch lebenden HSV-Spieler, ich habe diese Unterschriften vor einigen Tagen selbst eingesammelt, als die Spieler zu Besuch beim Abendblatt waren.

So, noch einmal zurück zur WM. Und zur deutschen Mannschaft. Da wimmelte es ja im Spiel gegen Ghana plötzlich nur so vor HSV-Spielern. Alle Achtung. Nun aber erwarte ich eigentlich, dass zumindest auch Marcell Jansen mal von Beginn an zum Zuge kommen wird. Und eigentlich müsste nun auch Dennis Aogo kommen. Das HSV-Duo auf links, Jansen müsste nach vorne rücken, um dem pomadigen Herrn Podolski, der meilenweit von Bestform entfernt ist, mal kurz vorzumachen, was dynamischer Fußball ist. Aber indem ich das schreibe kapituliere ich auch schon, denn dass „Jogi“ Löw seinen erklärten „Liebling“ fallen lässt, halte ich doch für ausgeschlossen. Obwohl es klug wäre. Und irgendwas sollte nach diesem Ghana-Spiel schon mit der deutschen Formation passieren.

Was bis Sonntag zum England-Spiel mit Jerome Boateng (Wadenverhärtung) wird, vermag ich aus der Ferne nicht zu diagnostizieren, aber sollte er rechtzeitig fit werde, müsste er eigentlich für den pomadigen und unheimlich schwachen Per Mertesacker zum Einsatz kommen. Der Bremer Innenverteidiger nervt mich schon vom ersten WM-Spiel an, denn er macht immer einen auf lässig. Allein wenn er sich den Ball auf „Beckenbauer-Art“ mit der Sohle elegant nach vorne streichelt, bringt mich das auf die Palme, Der gute Mann sollte das spielen, was er kann: Eisern am Mann, kopfballstark (auch gelegentlich mal wieder im gegnerischen Strafraum!?) und stets mit kühlem Kopf. Aber auch in diesem Falle vermute ich, dass Löw keine Traute hat, um dem Bremer mal zu zeigen, dass es auch für ihn Grenzen gibt.

So, ganz zum Schluss möchte ich Euch noch sagen, wie traurig ich über den Tod von Trainer und TV-Kommentator Jörg Berger bin. Ein feiner Mensch, mit dem ich während der EM 2008 viel zu tun hatte, und den ich auch danach noch bei einigen Länderspielen traf. Wir haben immer ein wenig (oder auch länger) miteinander gesprochen, von seinem Krebsleiden war ihm nichts mehr anzusehen und anzumerken – und nun das. Wie tückisch ist diese Krankheit? Ruhe in Frieden, Jörg.

21.52 Uhr

Die nächste Sommergeschichte

24. Juni 2010

Liebe „Matz-abber“, heute kann ich mit einer ganz besonderen Sommergeschichte aufwarten. Sie schrieb uns Alex Carstensson aus Salzwedel. Diese kleine Stadt ist mir, das möchte ich dem lieben Alex schnell einmal sagen, nicht unbekannt. Eine angeheiratete Cousine lebte dort mit ihren Eltern, es war ein großes Erlebnis, damals zum ersten Mal bei Bergen (Dumme) über die Grenze gefahren zu sein. Es würde zu weit führen – und wäre auch eine kleine Sommergeschichte -, wenn ich das in allen Einzelheiten aufschreiben würde, aber nur so kurz: Bei der Einreise baute sich hinter mir ein langer Stau auf, weil der erste Grenzer, der mit mir sprach, schnell auf Fußball zu sprechen kam. Und dann haben wir gelabert, gelabert und gelabert. Die ganze DDR-Oberliga haben wir durchgekaut. An der zweiten Grenzstation, 200 Meter weiter, war es dann aber nicht mehr ganz so nett, dann begannen nämlich die Schikanen. Aber das würde, wie gesagt, zu weit führen.
Vielen Dank an Alex für diese tolle Geschichte, und ich wünsche Euch nun viel Spaß beim Lesen:

Untersuchungshaft statt Volksparkstadion

Ich bin 67er Baujahr und wuchs in der ostdeutschen Provinzstadt Salzwedel (Altmark), direkt an der ehemaligen deutsch-deutschen Grenze auf. Es müssen Mitschüler gewesen sein, die Ende der 70er mein Interesse für Fußball weckten. Aus Lokalpatriotismus wählte ich den 1. FC Magdeburg als meinen ostdeutschen Favoriten. Zum HSV kam ich durch die erfolgreiche Indoktrination seitens unserer aus Hamburg stammenden und uns mehrmals im Jahr besuchenden ‚West’-Verwandten.

Meine Leidenschaft für die Bundesliga und den HSV konnte ich überwiegend nur mittels eines kleinen Radios befriedigen (heilige ARD-Konferenz). Mein Vater duldete keine Sportsendungen auf dem heimischen TV; zumindest durfte ich hin und wieder in den elterlichen Stuben von Freunden die Sportschau mit ansehen.

Meine erste bewusst verfolgte HSV-Saison war die von 79/80, die ja mit den jüngsten Spielzeiten gemein hatte, dass man kurz vor der Zielgeraden alles aus der Hand schenkte. Ich war erschüttert, als man am vorletzten Spieltag Tabellenführung und Meistertitel an die Bayern verlor. Tage danach vergoss ich sogar das erste (und ich glaube auch das einzige) Mal Tränen nach der Niederlage gegen Nottingham Forrest im Landesmeister-Pokalfinale, welches ich unter meiner Bettdecke am Mittelwellen-Empfänger verfolgte.

Diese leidenschaftliche ‚Fernbeziehung’ zum HSV sehe ich als Beweis des Phänomens, dass Dinge noch attraktiver und wichtiger für einen werden, wenn sie unerreichbar sind oder scheinen.

Über diesen sportlichen Kontext hinaus, traf dies für mich auch in einem größeren Zusammenhang zu. Als 14-jähriger reifte der Plan in mir, die DDR und somit auch Familie und Freunde zu verlassen. Heute will ich nicht mehr behaupten, dass dies in erster Linie politisch motiviert war.

Die Gründe, ausbrechen zu wollen, mögen eine Mischung gewesen sein aus provinzieller Eintönigkeit, dem Gefühl des Fehlens individueller Entfaltungsmöglichkeiten, einer großen Portion pubertären Rebellionsdranges und einer Prise Abenteurertum.

Nicht weniger diffus waren die Reize dessen, was ich zu finden glaubte, im vermeintlich güldenen Westen, in dessen Meer aus Blue Jeans, toller Musik, schnellen Autos und Wrigley’s Kaugummis, der HSV der Leuchtturm war, der mir bei meiner bevorstehenden „Reise“ die Richtung weisen sollte.
In den Sommerferien 1981, am Morgen des 5. Augustes ging es los, per Zug Richtung Tschechei, wo der Grenzübertritt stattfinden sollte. Schon am Abend saß ich dann leider in einer erzgebirgischen Verhörzelle…

Die Naivität der Fluchtplanung und -ausführung lässt sich auch an der einkalkulierten Zeit von gerade mal vier Tagen nachvollziehen. Ich wollte unbedingt pünktlich zum Saisonauftakt am Samstag, den 8. August in Hamburg eintreffen, um das erste Mal im Leben ein Spiel meines geliebten HSV live anzuschauen. Statt im Volksparkstadion saß ich dann eineinhalb Wochen in Chemnitz (damals noch Karl-Marx-Stadt) in U-Haft . . . Nicht nur wegen der objektiven Umstände eine Leidenszeit; denn vergeblich versuchte ich, das Spielergebnis in Erfahrung zu bringen. Durch das vergitterte Fenster bestand über die Mauer hinweg Sichtkontakt zur gegenüberliegenden Straßenseite. Mein flehentlich geflüstertes „Haaaallo! Wie ist Hamburg gegen Braunschweig ausgegangen?“ blieb von den wenigen Passanten unverstanden und unbeantwortet, jedoch nicht dem Anstaltspersonal verborgen. Ich bekam nun eine Zelle mit Hofblick.

Eine schlimmere Strafe stand mir aber noch bevor: Mein ganzer Stolz war eine übergroße, ausgeblichene Jeansjacke, die ich von einem West-Cousin geerbt hatte. Um angemessen zum Stadionbesuch zu erscheinen, hatte ich Tage zuvor mit einer alten Singer-Nähmaschine vollflächig die HSV-Lettern auf die Rückenpartie auf- bzw. eingenäht. Nun ‚durfte’ ich tagelang im Vorzimmer des Anstaltsleiters sitzen und mit einer Nagelschere die vielen Tausend Stiche wieder auftrennen. Jeder Schnitt war eine kleine Kastration!

Ende August wurde ich dann in meine Heimatstadt überstellt und erst einmal wieder freigelassen. Endlich hörte ich vom 4:2 Auftaktsieg gegen die Niedersachsen – ein kleiner Trost in schicksalsreichen Wochen. Allerdings: Mein damals empfundenes persönliches Pech wurde vom HSV durch die Eroberung der Meisterschale dann doch noch gesühnt! Und die folgenden Jahre sollten ja ähnlich erfolgreich werden.

Wegen meines noch jungen Alters blieb mir eine Gefängnisstrafe erspart. Aber das System wusste sich durch andere Repressalien nachhaltig zu rächen . . .

Bis heute blieb der HSV (m)ein Leuchtturm, auch wenn dieser leider zu oft und zu lang, schwach oder gar nicht leuchtete.

Seit 1986, in Ostberlin lebend, kann ich Stadionbesuche eher selten einrichten, schaue mir aber jedes HSV-Spiel in hiesigen Sportsbars an – meist in der Hamburg-Hochburg „Avalance“.

Zuletzt noch ein Dank an Dieter für die Realisierung des Blogs und an die Matz-ab-Gemeinde. Seit dem Bestehen lese ich täglich mindestens eine Stunde eure Beiträge, die oft sehr informativ, nicht selten auch sehr lustig und in jedem Fall identitätsstiftend sind.

Schwarz-weiß-blaue Grüße
Alex Carstensson

14.16 Uhr

Jetzt wird Tasci gehandelt

23. Juni 2010

Kein Michael Ballack? Kein Ibrahim Afellay? Kein sonstwer? Doch! Das neueste Gerücht um den HSV: Serdar Tasci vom VfB Stuttgart steht nun auf dem Wunschzettel von Trainer Armin Veh. Der 23-jährige Nationalspieler hat zwar noch einen Vertrag bis 2014 mit den Schwaben, aber er hatte in diesem Jahr bereits einige Male signalisiert, dass er sich vorstellen könne, demnächst für einen anderen Verein zu spielen. Und da Afellay den HSV immer noch hinhält, und der Fall Ballack wahrscheinlich keinen guten Ausgang für den HSV nehmen wird, wäre Tasci schon eine gute Nummer. Allerdings: Der Mann wird im Moment auf zehn Millionen Euro taxiert. Ob das so okay wäre?

Abwarten. Bei Ballack ist inzwischen wohl das Ende der finanziellen Fahnenstange für den HSV gekommen. Angeblich soll die Crew um Bernd Hoffmann bereit gewesen sein, zwölf Millionen für den Nati-Kapitän zu bezahlen, aber inzwischen soll sich dieses gesamte Paket nun schon auf 19 Millionen belaufen. Ich finde es da absolut okay, dass der HSV aus diesem Geschachere ausgestiegen ist – wenn es denn tatsächlich so ist, wie es das Gerücht besagt. Ballack ist ja ablösefrei, und dann für einen 33-Jährigen so viel Geld – das muss nicht sein.

Ich hatte kürzlich mit Lotto King Karl, der nicht nur ein Kult-Sänger, sondern sehr wohl auch ein großer und exzellenter Fußball-Experte ist (das solltet Ihr wissen!), über Michael Ballack unterhalten. Was spricht für den Chelsea-Profi, was gegen ihn? Lotto meinte, dass Ballack seine Spielweise total umgestellt hat, seit er auf der Insel spielt. Bei Chelsea hat Frank Lampard den offensiveren Part im Mittelfeld inne, Ballack räumt mehr in der Defensive ab und hat sein Spiel auf körperbetont und gelegentlich auch rustikal umgestellt. Früher glänzte er in der Offensive, ging in der Spitze auch dorthin, wo es wehtut, aber die letzten Spiele in der Nationalmannschaft hat er den Ball nur noch nach links oder nach recht verteilt. Zudem hatte Felix Magath einst über Ballack gesagt: „Der weltbeste Kopfballspieler aus dem Mittelfeld.“ Auch davon war zuletzt nicht mehr viel zu sehen. Deswegen bin ich gespannt, wie er sich dann demnächst wieder in der Bundesliga präsentieren wird.

Gespannt bin ich auch, wie e mit Rafinha und Schalke 04 weitergehen wird. Der Brasilianer erschien heute – fast erwartungsgemäß – nicht zum ersten Training seines Klubs. Ein Anzeichen dafür. Dass er doch zum HSV kommen könnte? Mit Felix Magath sprach ich vor dem Training, also vor dem Schwänzen Rafinhas. Ich wollte den aktuellen Stand wissen. Magath: „Es gibt keinen neuen Stand. Ich habe nichts vom HSV gehört, und ich habe nichts von Rafinha oder seinem Berater gehört.“ Heute gegen Mitternacht werde ich noch einmal mit dem Schalke-Trainer sprechen (weil er ja Abendblatt-Kolumnist ist), vielleicht gibt es dann ja etwas Neues.

Neu ist für den HSV, dass ein seiner Spieler (noch) jetzt auch WM-Spieler ist: Jerome Boateng. Ich habe auf die Begrüßung mit seinem Bruder Kevin Prince geachtet, das war so, als würden sich zwei Fremde die Hände schütteln. Was, so habe ich mich gefragt, wird der Vater von den beiden Knaben wohl gedacht haben? Ob es da mal ein klärendes Gespräch nach der WM geben wird? Ich als Papa würde es so schnell wie möglich anstrengen.

Kurz noch einmal zum Deutschland-Kick gegen Ghana. Ist ja alles schön und gut, wenn vor einem Schiedsrichter wie Carlos Simon gewarnt werden muss. Bis zur 44. Minute spielten dann auch alle 22 Akteure wie steril. Und als dann Thomas Müller einmal – ganz harmlos – grätschte: gleich Gelb! Die sollten doch besser Hallen-Halma spielen lassen, diese Herren der Fifa. Aber gut, wir haben im Moment andere Sorgen ich frage mich, wer soll das deutsche Tor schießen? Und wenn wir es schießen sollten, wird es dann reichen? Und wie lange wird es dann noch in dieser WM reichen? Nun gut, vielleicht wird es ja noch.

Übrigens: Weil heute so oft danach gefragt wurde. Die Internet-Adresse für die Matz-ab-Sommergschichten lautet:

Matz-ab@abendblatt.de

21.32 Uhr

Tante Käthes Sommergeschichte

23. Juni 2010

Die Tante hatte natürlich noch gefehlt. Die Tante Käthe natürlich. Heute wird die Reihe der Sommergeschichten fortgesetzt, und einer der fleißigsten “Matz-abber” hat seine Story rund um den HSV und die Raute für uns aufgeschrieben. Vielen Dank, Tante Käthe, es ist toll, dass Du uns damit verwöhnst. Ich wünsche nun allen viel Spaß beim Lesen:

“Geliebter Manni”

Wie bin ich zum HSV-Verrückten geworden? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht! Es fing an 1974 an, bei und mit der WM natürlich. Ich war mit meinen Eltern am Flughafen, das haben wir früher öfters gemacht, raus auf die Terrasse und Flugzeuge gucken. Vor dem Eingang zum Flughafen hielt ein Bus. Es war der Bus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, und genau aus diesem Bus stiegen Kaiser Franz und sein Gefolge.

Mein Vater drückte mir noch schnell einen Zettel mit Kugelschreiber in die Hand und schubste mich gen Lichtgestalt. Dieser nahm von dem kleinen Buttje aber keinerlei Notiz – und so blieb ich ohne ein einziges Autogramm dort im Eingang stehen.

Das war bitter.

Es gibt Fotos von mir aus den 70-er Jahren, auf dem ich mit einem hellblauen Shirt mit den drei großen Buchstaben zu sehen bin, meine Haare wehten im Wind, den Ball hatte ich am linken Fuß. Ich war schon immer ein absoluter Fan von “Manni” Kaltz und seinen Bananenflanken, wie er die Stutzen trug, so lässig auf die Knöchel gerutscht. Als er dann später einen Vollbart trug, fand ich es aber doch sehr befremdlich.

Mein Vater schenkte mir dann später ein echtes Autogramm. Auf einer hellblauen Broschüre von der Airline PanAm hatte Günter Netzer, der neben meinem Vater im Flieger nach Berlin gesessen hatte, unterschrieben. Wer aber war Günter Netzer? Was sollte ich damit?

Mein Bolzplatz war in einer kleinen Wohnsiedlung in Hamburg-Farmsen. Der Platz hatte keine Tore und war eine Mischung aus Wildgras und Bauschutt. Zum Geburtstag bekam ich von meiner Mom gelb-schwarze Stutzen geschenkt. Und meine Oma hatte mir noch ein Paar in schwarz (?) selbst gestrickt, wobei anzumerken war, dass Omi in Rostock wohnte und nicht wusste, wie groß ich schon war.
Das sah „toll“ aus, hellblaues Shirt, rote kurze Hose und gelb-schwarze Stutzen. Das war mir aber so ziemlich egal, denn ich war ja klein Manni. Bis ich eines Tages – ohne Fremdeinwirkung – im Strafraum ausrutschte und sich ein drei Zentimeter großer roter Stein unter meine Haut des rechten Knies schob. Ich war verdutzt, denn es blutete gar nicht. Gehen ging auch nicht. Also „operierten“ wir den Stein mit Stöckern direkt ambulant auf dem Platz aus dem Knie.

Da ging die Sauerei erst richtig los, denn es blutete wie Sau. Ich humpelte nach Hause und meine Mom musste einmal mehr mit mir auf dem Gepäckträger ihres Fahrrades zum Hausarzt nach Rahlstedt fahren. Mir war das egal. Ich bekam eine Spritze gegen Tetanus und ein schönes Pflaster.

Meine Mutter ermunterte mich daraufhin , es doch einmal in einem richtigen Verein zu versuchen. Also erkundigte ich mich. Es gab zwei Vereine, die für mich in Frage kamen. Der SC Condor und der Farmsener Turn-Verein. Warum ich zum SC Condor ging weiß ich auch nicht mehr. Das Training fand auf Grand unter Flutlicht statt. Die Rasenplätze durften nur für Spiele der Liga-Mannschaft betreten werden. Es war bitter. Was war ich enttäuscht. Und ich war meinem Idol Manni Kaltz ferner denn je.

Es kam wie es kommen musste, zum Trainingsabschluss wurden Elfmeter geübt. Ich habe so dermaßen versagt, dass meine Fußballkarriere hier ein jähes Ende nahm. Ich hasste Fußball, ich hasste alle.

Daraufhin ging ich total frustriert nach Hause und verstecke mich im Kinderzimmer. Einige Zeit später wurde mit der Combay-Dance-Band feierlich die Eissporthalle in Farmsen eröffnet. HSV-Eishockey, wow! Schnelles Spiel (John Barnett), Kampf (Ossi) und hübsche Trikots mit ‚ner Nixe vom Asmussen Rum, das hatte es mir nun angetan. Ich wollte ab sofort HSV-Eishockeyspieler werden, da ich ja zum Elferschießen nicht geeignet war
Mein Problem war nur: Ich konnte gar nicht Schlittschuhlaufen. Und um beim großen HSV zu spielen, musste man zumindest das können. Ich ging also zu jedem HSV-Training, um zu lernen. Und ich sammelte dabei fleißig die Pucks auf, die über die Bande geflogen waren. So bekam ich eines Tages zum Dank einen alten Eishockeschläger von John Barnett geschenkt, einfach so (ich hätt’s aber auch umsonst gemacht!).

Jede freie Minute daddelte ich ab sofort mit dem Eishockeyschläger auf der Straße mit einem Tennisball herum. Bis die Kelle des Schlägers vom harten Straßenbelag auf nur noch einen Zentimeter abgefeilt war. Das Problem war, das die Saison mittlerweile zu Ende war und ich somit auch keinen Schläger mehr erhalten konnte. Welch ein Drama!

Über einen Freund kam ich zu Hansi Dreher, der neben dem aktiven Spiel für den HSV auch noch eine Werksvertretung für Schläger und Eishockeyausrüstung hatte. Ein Schläger kostete damals unheimlich viel Geld, ich bekam einen ganz neuen für 15 Mark (danke Hansi ). Dabei fragte er mich, wieso ich nicht im Verein spielen möchte. Ich sagte ihm ,dass ich gar nicht Schlittschuhlaufen könnte und mir nicht sicher bin, ob ich das kann.

Es lotste mich zum SC Condor, genau in den Verein, in dem ich die Elfmeter verschossen hatte – diesmal allerdings in die neue Abteilung Eishockey. Es dauerte ungefähr eine Saison, bis ich endlich die Fähigkeiten hatte, zu spielen. Nebenbei musste ich das Abendblatt austragen, um mir die Ausrüstung, natürlich bei Hansi, kaufen zu können. Wir haben dann viele Spiele gegen den HSV, Altona, Harsefeld, Adendorf, Timmendorf etc. gewonnen, und es hatte mir viel Spaß gemacht. Hamburger Meister, Norddeutscher Meister und mit einer Nordauswahl Deutscher Vizemeister standen zu Protokoll.

Nachdem ich regelmäßig in Bundesleistungszentum nach Füssen gereist bin, um auch im Sommer zu trainieren (1.EHC Hamburg), ging der Verein aber pleite und ich landete nach einigen Jahren endlich bei meinem HSV! Später sogar in der damaligen Zweiten Liga – ich durfte die Raute voller Stolz tragen, wenn auch nur für zwei Jahre . . . Und ich durfte immer mit der HSV-Altliga (die Fußballer!) trainieren, einer wahrhaft tollen Truppe um Klaus „Micky“ Neisner, Dieter Kottysch, Jürgen Roland und einigen ehemaligen Eishockeyspielern, denen ich früher immer zugejubelt hatte, einfach toll!

Es kam der Tag des Barkassenunglücks 1984 im Hamburger Hafen. Es gab ein Benefizspiel zugunsten der Hinterbliebenen und ich sollte meine Ausrüstung einem Prominenten zur Verfügung stellen. Es hieß entweder für Jan Fedder, oder auch für Felix Magath! Klar bekommen die meine Klamotten. Ich wurde flugs zum Schiedsrichter umfunktioniert und los ging es. Jan Fedder in Torwartklamotten hielt sich am Tor fest, aber wo war Felix Magath?

Alle sahen irgendwie gleich alt aus in den „MC Donalds”-Trikots. Meine Ausrüstung trug ein gewisser „Manni“ Kaltz. Unfassbar, ich war überglücklich. Ob er denn alles heil lassen würde? Nach dem Spiel gingen wir ins Blockhouse am Wandsbek Markt. Für uns wurde ein Raum abgetrennt und ich durfte am Tisch direkt neben meinem Idolen Manfred Kaltz, Felix Magath und Uli Stein sitzen. Wir aßen und tranken, ich als 16-Jähriger trank nur das Gift Cola. Und landete spät in der Nacht im Zwick in Pöseldorf – bei Wolle.

Das vergesse ich niemals!

Drei Jahre später saß ich ( neben Eiche?) im Berliner Olympiastation und sah das freche Tor von „Manni“ Kaltz gegen die Stuttgarter Kickers: Freistoß in die Torwartecke, cool! Der lauwarme Abend auf dem Kuhdamm, die Rückfahrt nach Hamburg im „Konvoi“ über die Transitstrecke mit wehendem HSV Schaal und wildem
Gehupe. Allerdings nur bis zum Grenzübergang. Dort ließen uns die Spaßverderber erst einmal zwei Stunden abkühlen. Aber egal.

Einen echten Auftritt sollte ich aber dennoch im Volksparkstation erhalten. Ich durfte beim Spiel gegen den VfB Stuttgart in der Halbzeitpause in voller Eishockeyausrüstung (danke Paul Karner) eine Runde auf Triskates (Vorgänger der Inliner) über die rote Tartanbahn stolpern. Die Westkurve bedankte sich auf ihre Art mit einer Bierdusche bei mir.

Fazit: Seit ich denken kann, seit gestern also, bin ich ein echter HSVer, der mit allen Fans feiert, der aber auch mit leidet. Und mit Euch leide ich am Liebsten, Ihr Matz-abber – ich hoffe die Geschichte gefällt Euch.

Ach ja, und ich nenne mich Tante Käthe, weil ich ein Fan von Rudi Völler war und bin.

Eure Tante Käthe

13.32 Uhr

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