Tagesarchiv für den 28. Juni 2010

Unfall! Guerrero verpasste den Flieger

28. Juni 2010

Viel Pech für Paolo Guerrero. Da will er schon mal fliegen, und dann verunglückt er auf dem Weg zum Flughafen in Peru. Das gibt es doch gar nicht! Und: Dadurch kann man dann auch schon mal seinen Flieger verpassen – und damit auch das erste Training. Zum Glück ist Paolo heil geblieben, also unverletzt, so dass er dann am Dienstag einsteigen kann. Dann erfährt er auch, wie hoch die Geldstrafe ist, die hier in Hamburg auf ihn wartet – natürlich. Um die wird er trotz des „Unfalls“ nicht herum kommen, denn Trainer Armin Veh ist ja ein ausgeschlafener Mensch, der im Fußball schon viel erlebt hat. „Ich glaube nicht alles, was mir erzählt wird“, sagt der HSV-Coach augenzwinkernd und plaudert schnell mal aus dem Nähkästchen: „Es gab schon Brasilianer, die haben mir etwas von Schneeverwehungen in der Heimat erzählt, die den Abflug verhinderten.“ Obwohl: Veh sagt auch, dass Guerrero doch ein eher „vorbildlicher Schwänzer“ ist, denn der Trainer hat auch schon ganz andere Dinge erlebt: „Da sind Profis zum Trainingsauftakt schon mal drei, vier Tage oder länger verschwunden gewesen, ohne sich zu melden.“ Ruf doch mal an – das hat Paolo Guerrero dann doch immerhin getan. Und alles wird gut . . .

Es fehlten ja aber nicht nur Guerrero zum Auftakt, es fehlten die Nationalspieler – und die Neulinge. Dennoch waren 23 Spieler dabei. Wie das geht? Es waren die besten Nachwuchsspieler zum Aufgalopp gebeten worden. Mit von der Partie: Heung Min Son. Der Stürmer aus der A-Jugend wurde schon vor Wochen hier bei „Matz ab“ erwähnt – und zwar von Thomas von Heesen. Der ehemalige HSV-Kapitän kannte den Koreaner und empfahl damals: „Dieser Son ist ein so großes Talent, den würde ich sofort nach oben hoch ziehen.“ Das würde ich nach diesem ersten Tag auch unterstreichen. Und auch Armin Veh äußerte sich – bei aller Vorsicht – positiv: „Ich habe ihn heute das erste Mal gesehen, es ist natürlich ein bisschen früh, ich zu beurteilen, aber wenn ich so die Bewegungen von ihm sehe, dann sage ich: das hat mir gefallen.“

Aber natürlich ist Son (noch) nicht der „Kracher“, auf den hier viel warten. Doch Veh gibt sich gelassen und sagt lächelnd: „Sie wissen ja nicht, was ich weiß. Es passiert in den nächsten Wochen noch einiges. Ich bin da ganz gelassen.“ Das klingt für mich total gut und überzeugend. Bis zum Beginn es zweiten Trainingslagers am 21. Juli im österreichischen Längenfeld sollen die Neulinge schon an Bord sein – mit den Nationalspielern aber ist das so eine Sache. Alle sollen nach ihrem jeweiligen Ende bei der WM noch drei Wochen Urlaub haben. Kommt aber zum Beispiel die deutsche Mannschaft ins Finale, dann wird der Urlaub bis Längenfeld noch nicht beendet sein.

Beim Training ging es für mein Empfinden schon recht lebhaft zu. Ze Roberto war (mit kurzen Haaren) dabei, Marcus Berg war (mit kurzen Haaren) dabei, Mickael Tavares ist von seinem Nürnberger Gastspiel zurück, Romeo Castelen ist endlich wieder mit von der Partie – und Tunay Torun ist nach seinem Kreuzbandriss noch nicht wieder im Mannschaftstraining. Gefehlt hat auch Heimkehrer Änis Ben-Hatira, der zurzeit noch ein Probetraining in Mainz absolviert. Mit Ben-Haira und Tavares plant Veh aber eher nicht mehr.

Das erste Tor der neuen Saison schoss übrigens Heung Min Son. Die erste Grätsche setzte David Jarolim an, den ersten Beifall erhielt Sören Bertram, der über den linken Flügel energisch nach vorne stieß und den Ball mustergültig auf den „Schlappen“ von Ruud van Nistelrooy legte – Tor. Da applaudierte nicht nur das gesamte Trainer-Team, sondern auch viele Kollegen und einige Fans. Apropos van Nistelrooy: Ihm galten die größten Bewunderungen der Trainingskiebitze, als er sich einmal den Ball auf engstem Raum mit der rechten Sohle so gekonnt unter dem Körper vor den linken Fuß rollen ließ, dass es wie Kunst aussah – und es war Kunst! Zauberhaft. Durch diesen Trick stand der Niederländer dann plötzlich frei vor der Kiste . . .
Vor diesem Spiel, das sei schnell noch erwähnt, wurden Pässe im Direktspiel geübt. Es war ein relativ verhaltener Auftakt, aber es sah trotz allem schon nach Fußball aus. Und: So wie ich das erkennen konnte, hat von diesen Spielern keiner etwas an Urlaubsspeck mitgebracht.

Am Dienstag und am Mittwoch wird das aber genauer und intern getestet, dann erfolgt das Programm in der Arena – Trainingskiebitze sehen von diesen Tests eher nichts.

Zur „Rasselbande“, die sich am Montag im Volkspark bewegt und vorgestellt hat, befand Armin Veh: „Es waren jetzt auch die Spieler dabei, die schon in der Vergangenheit dabei waren, die den ganz großen Sprung aber anscheinend nicht geschafft haben – ich kann sie ja noch gar nicht alle beurteilen. So macht es für mich aber ja keinen Sinn, wenn sie noch ein drittes Jahr dabei bleiben. Ich will die Spieler sehen, die am talentiertesten sind, die mir auch am talentiertesten empfohlen worden sind. Und die nehme ich am Donnerstag nun mit nach Sylt, und die nehme ich auch mit nach Längenfeld.“ Veh wird sich die jungen Nachwuchsspieler also einige Wochen ansehen, und dann wird er entscheiden, wer weiter bei den Profis trainieren wird – und wer zurück zur zweiten Mannschaft muss.

Gerade weil ein Stürmer wie Thomas Müller, 20 Jahre jung, gerade in Südafrika für Furore sorgt, sind junge Spieler in aller Munde. Wie schön wäre es da, wenn auch der HSV mal einen wie Müller in seinen Reihen hätte. Veh: „Aus Aktionismus nun junge Spieler nach oben holen, und die schaffen es dann nicht, weil sie es nicht können, das macht keinen Sinn. Das ist etwas, was von den handelnden Personen auf den Weg gebracht werden muss – auch wenn die vielleicht später nichts mehr davon haben.“ Weil es eine vorzeitige Trennung gibt, geben kann. Aber der Grundstein sollte dann doch irgendwann einmal gelegt werden – beim HSV.

Sollte ein Talent wie Son wider Erwarten schon jetzt den ganz großen Sprung schon schaffen können, hätte der HSV noch einen Stürmer zuviel an Bord. Dabei möchte sich Armin Veh ohnehin schon von Stürmer Nummer fünf trennen. Das ist entweder Eric-Maxim Choupo-Moting, oder es ist Marcus Berg. Einer soll noch ausgeliehen werden. Veh: „Die jungen Leute müssen Spielpraxis bekommen, Choupo-Moting hat der Abstecher nach Nürnberg ja auch ganz gut getan. Aber es ist noch nichts entschieden.“ Der Schwede Berg sagte heute auf jeden Fall kämpferisch: „Ich will mich hier beim HSV durchbeißen.“ Gute Einstellung.

So, nun schnell noch einmal kurz einen Blick zurück (nicht im Zorn, sondern in Freude!): Das Wembley-Tor der Engländer gegen Deutschland. Dazu erhielt ich eben eine interessante Erklärung eines ehemaligen Hamburger Amateurtrainers, die ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Hallo, lieber Dieter,
habe gerade Deinen Matz-ab-Blog gelesen. Hat sich schon mal jemand gefragt, warum der Schiedsrichter für die Engländer k e i n Tor gegeben hat? Du hast im Blog das Thema Ball angeschnitten. Guck dir mal die Flugbahn an: Der Ball geht an die Latte, fällt von dort in einer Art Elipse deutlich hinter der Linie runter, kommt unterhalb der Latte wieder hoch und fällt dann senkrecht vor bzw. auf die Linie.
Hast du so eine Flugbahn schon einmal gesehen? Hätte der Ball beim „Rückflug” die gleiche Linie gehabt wie beim „Hinflug”, wäre der Ball vor der Latte im Netz hängen geblieben. Nimm mal an, Schiedsrichter und Linienrichter haben nur gesehen, wie der Ball unter die Latte zurück springt und von dort vor bzw. auf die Linie, dann hätte man niemals geglaubt, dass dieser Ball vorher hinter der Linie war. Oder? Natürlich ist aber alles Theorie.

PS: Die versprochene Verlosung der signierten 20 Meisterfotos von 1960 hat folgende Gewinner-Liste ergeben:

Werner Reissner, HSVLuenen, Hannes Hoh, Jasmin J.-Sievers, Lars Weber, Klaus Vogelsang, Guido Voß, Wolfgang Wegner, Mini Me, Flyboy Kiel, Raute im Herzen, Andreas, Sieverdinger Raute, Nordbert, ErnstH, Neu-Ossi, Markus Taschendorf, Westerwald, Randnotiz und Peter Bodensee. Schickt bitte Eure Adressen an das Matz-ab-Gewinnspiel, dann erhaltet Ihr das Foto per Post. Gelost wurde wie folgt: Alle namen wurden aufgeschrieben und ausgeschnitten, in die Lauft geworfen – und es kamen alle in die „nächste Runde“, die lesbar waren. Weiß war draußen. Das lief so lange, bis 20 Gewinner feststanden.
Allen Gewinnern herzliche Glückwünsche. Und an die, die leer ausgegangen sind: Es wird ja im Laufe der Saison noch die eine oder andere Verlosung mehr stattfinden, vielleicht habt Ihr dann mehr Glück.

17.59 Uhr

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