Tagesarchiv für den 27. Juni 2010

Das Wembley-Tor in aller Munde

27. Juni 2010

Übrigens: Am Montag startet der HSV in die neue Saison, um 10 Uhr ist Trainingsauftakt im Volkspark.

Noch ohne Neuling, aber das wird ganz sicher noch. Und es fehlen ja auch noch die HSV-Nationalspieler. Jerome Boateng, Noch-Hamburger, konnte sich im Verlaufe des Spiels steigern, und dann kam Piotr Trochowski. Ich will Euch überhaupt nicht provozieren – aber habt Ihr einen Fehler von ihm gesehen? Er hat den Ball perfekt gehalten, er hat ihn erkämpft (!) und er hat ihn sicher und gut abgespielt. Genau deswegen hat ihn der Bundestrainer (wohl auch) mitgenommen. Als sich „Troche“ einmal die Kugel gegen den „ausgebufften“ Ashley Cole eroberte, und zwar auch mit einem energischen Körpereinsatz, da entfuhr es einem Kollegen in der Redaktion: „Eine solche Szene habe ich von ihm beim HSV nie gesehen . . .“ Alles eine Sache der Ansprache? Ich hoffe, dass Armin Veh es schafft, den Ehrgeiz des deutschen Nationalspielers durch entsprechende verbale Vorstöße und durch Einfühlungsvermögen zu wecken.

Und wenn Veh es nicht unbedingt schafft, dann wird es eben Bastian Reinhardt richten. Der neue Sportchef hat, wenn ich mich richtig erinnere, als er noch HSV-Spieler war, den Nebenmann Trochowski immer so gesehen, wie ich. So, nun bin ich auch schon wieder am Ende mit Trochowski, Ihr müsst gar nicht erst anfangen, mit mir zu granteln . . .

Zum Super-Sieg gegen England. Ich kann es immer noch nicht glauben . . . 4:1. Ich träume. Oder doch nicht?

Es ist ja genügend gesagt und gezeigt worden, mehr muss man ja gar nicht machen. Ich will nur noch einmal auf eine für mich wichtige Szene eingehen: Als der Konter zum 3:1 von Thomas Müller lief, kreuzte Bastian Schweinsteiger – großartig und mutig – den Laufweg des Engländers Johnson. Normal hätte der zu einem taktischen Foul greifen müssen, weil dort drei Deutsche gegen drei Engländer liefen, aber der Abwehrspieler ließ es – und es fiel das Tor. Und kurz darauf auch das 4:1. Mesut Özil lief Cole davon. Früher wäre der Bremer keinen Meter vorbeigekommen, dann hätte er etwas auf die Socken erhalten – aber diesmal nicht. Und das ist, das sage ich ausdrücklich, der strengen Regelauslegung der Fifa zu verdanken. Ich habe die Fifa-Herren schon mehrfach an- und ausgezählt, Ihr habt es teilweise auch schon getan – aber das muss mal gelobt werden. Es geht (in den meisten) Fällen nun fairer zu, denn sonst drohen den Übeltätern (oder den Tretern) schnell Gelbe und auch Rote Karten.

Natürlich stehen die Schiedsrichter trotz allem in der Kritik, sie haben es eben am schwersten von allen. Recht machen können sie es in den meisten Fällen auch nur einer Mannschaft (Nation). Diesmal toben die Engländer. Nach dem vermeintlichen 2:2 von Frank Lampard erhielt ich eine Spontan-SMS von Lotto King Karl: „Nach 44 Jahren die späte Rache für Wembley!“ Ganz, ganz ehrlich, so sehe ich das auch. Auch wenn es nicht unbedingt fair ist. Aber nach diesem nicht gegebenen englischen Tor bin ich in der Redaktion aufgesprungen und habe mich mit jedem abgeklatscht, der es wollte. Irgendwie war ich euphorischer, als bei jedem deutschen Tor.
Wie unfair. Oder? Ich schäme mich auch. Ehrlich. Aber das „Tor“ von 1966 saß bei mir auch noch immer recht, recht tief. Den Namen Tofik Bachramow werde ich bis an mein Lebensende bei mir behalten – auch wenn ich zwischendurch schon mal vom 25. August schreibe, der eigentlich der 25. Juni ist . . .

Übrigens: Der Test mit den Tor-Schiedsrichtern, die in den Spielen der Europa League zum Einsatz kamen, soll ja fortgesetzt werden. Ich warte nur auf die erste Schlafmütze, die am Pfosten steht und dennoch nicht erkennt, dass der Ball drin war.

Dass die Engländer toben, das ist wohl jedem klar. Hier einmal ein paar Auszüge von Ausbrüchen englischer Zeitungen:
„England fliegt nach einer der größten Fehlentscheidungen der Fußball-Geschichte raus“, schreibt die Zeitung Daily Mail in ihrer Online-Ausgabe, „Über der Szene lag der Schatten von 1966“, heißt es in der Sun.

The Sun weiter: „Die Nation betrauert die zerfleischten Löwen. Uruguays Schiedsrichter Jorge Larrionda und seine Assistenten waren beim Schuss von Lampard, der hinter der Torlinie war, blind. Über der Szene lag der Schatten von 1966. Capello sieht dem Ende seiner Karriere als Teammanager Englands entgegen.“

Daily Mail: „England fliegt nach einer der größten Fehlentscheidungen der Fußball-Geschichte raus. Deutschland zerstört die Three Lions 4:1 – mit Hilfe eines Linienrichters aus Uruguay. Millionen englischer Fans sahen ihre WM-Träume platzen, als ihre Mannschaft eine höchst umstrittene Niederlage gegen ihren alten Rivalen kassierte. Immerhin scheint die Sonne noch.“

SkySports: „Zeit zu gehen, Fabio? Das Spiel wurde nicht verloren wegen Larriondas Fehlentscheidung. Es wurde verloren wegen Englands Schwäche in der Abwehr. Die Defensive hat völlig den Überblick verloren. Jetzt stellt sich die Frage: Sollte die FA Capello rauswerfen oder ihm doch noch eine neue Chance geben?“

The Guardian: „Englands WM-Hoffnungen sind nach einer verdienten Niederlage gegen Deutschland beendet.“

Ganz andere Diskussionen wird es nach diesem Turnier geben: Der Fußball-Weltverband Fifa will nach der WM mit Trainern und Spielern über den viel kritisierten Turnier-Ball Jabulani sprechen. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur. „Wir sind nicht taub. Die Fifa ist nicht unempfänglich für Kritik am Ball. Es gibt Regeln für Größe und Gewicht. Aber der Ball muss perfekt sein“, sagte Generalsekretär Jêrome Valcke. Die Aussprache soll bei einem Workshop mit den WM-Coaches und Kapitänen stattfinden. Während des Turniers sei eine Ball-Debatte aber nicht möglich, so Valcke.

Der WM-Ball war von vielen Spielern als zu leicht kritisiert worden. Zudem wurde das Flugverhalten moniert. Auffällig oft kamen die Rügen allerdings von Profis, die von der Sportartikel-Konkurrenz des WM-Ballproduzenten Adidas gesponserte werden. Bei allen großen Turnieren der vergangenen Jahre war das Spielgerät von unzufriedenen Akteuren kritisiert worden.

Aber es geht ja nicht nur um den Ball. Auch die Schiedsrichter stehen im Blickpunkt harter Kritik. Was irgendwie ein wenig unglaublich klingt: Die Fifa gesteht nun sogar Referee-Pannen ein. Es geht um unverständliche Karten-Willkür und unerträgliches Show-Gehabe. Nach langem Schweigen hat nun die Fifa einige erschreckend schwache Auftritte ihrer WM-Referees eingestanden. „Es gab Entscheidungen, die keine guten Entscheidungen waren“, sagte Generalsekretär Valcke. Die für einen Top-Funktionär ungewöhnlich klare Wortwahl macht deutlich, dass auch in der Führungsetage des Fußball-Weltverbands die diffizile Thematik mit Sorge betrachtet wird.

Aus aller Welt hagelt es derweil Kritik an den 29 WM-Unparteiischen. Auch der neue deutsche Referee-Chef, Herbert Fandel, zeigte sich irritiert: „Die Schiedsrichter-Leistungen haben sich stabilisiert, aber es gab eine verblüffende Phase während der WM mit bemerkenswert negativen Leistungen. Das muss man eingestehen.“

„Bei einer Weltmeisterschaft sollen die besten Schiedsrichter pfeifen, die auch in den großen Ligen aktiv sind, und nicht Referees, die irgendwo am Strand pfeifen“, forderte Schweiz-Coach Ottmar Hitzfeld. Neuseelands Kapitän Ryan Nelsen wunderte sich:„Wenn das die besten Schiedsrichter sind, die die Fifa zu bieten hat, dann will ich nicht die schlechtesten sehen.“

Aber: Hat Hitzfeld denn nicht den Spanier Undiano gesehen? Der pfeift in einer der besten Ligen der Welt, obwohl er es besser damit versuchen sollte, den River-Kwai-Marsch (der Colonel-Bogey-Marsch) zu pfeifen. Habe ich diesen Menschen gefressen . . . Immer noch.

Fest steht auch: Sorge sollte die Fifa machen, dass einige haarsträubende Fehlurteile nicht von Referees aus Fußball-Entwicklungsländern getroffen worden. Auch die Top-Schiedsrichter aus Europa und Amerika waren nicht vor Pannen gefeit. Und schlimmer: Die klare Linie fehlte. Spaniens Karten-Meister Alberto Undiano verärgerte in der Partie das DFB-Team mit einem Gelb-Konzert. EM-Final-Referee Roberto Rosetti, der Belgier Frank de Bleeckere oder der Mexikaner Marco Rodriguez stehen längst für ein anderes, unangenehmes Schiri-Verhalten: Mit affektierten Gesten und übertriebenem Gehabe stellen sie sich für den Geschmack vieler Fußball-Fans zu sehr in den Mittelpunkt.

Und noch einmal ein kurzer Abstecher zur WM. Darüber wird morgen bestimmt nichts oder kaum etwas in den Zeitungen zu lesen sein, aber ich finde es ganz interessant, worüber sich die Fifa so alles ihre Gedanken macht:

Keine Strafe, aber Missbilligung durch die Fifa: Nachdem Bundestrainer Joachim Löw die Pressekonferenz vor dem Achtelfinale gegen England geschwänzt hat und bei der englischen Pressekonferenz nur Fragen einheimischer Reporter zugelassen wurden, müssen beide Teams nicht mit Sanktionen durch den Fußball-Weltverband rechnen.
„Es gibt in einem solchen Fall keine disziplinarischen Bestimmungen“, sagte FIFA-Mediendirektor Nicolas Maingot. Allerdings gebe es Richtlinien, an die sich jeder WM-Teilnehmer zu halten habe: „Das Fair Play muss auch außerhalb des Spielfeldes Anwendung finden. Wir haben zur Kenntnis genommen, was passiert ist.“.

Am Sonnabend hatte Löw seinen Torwarttrainer Andreas Köpke zur Pressekonferenz vor dem England-Spiel geschickt und damit die englischen Medienvertreter verärgert. Köpke begründete die Entscheidung mit zeitlichen Engpässen. „Wir konnten heute nicht im Stadion trainieren, sondern mussten auf einen anderen Platz ausweichen. Wenn der Bundestrainer selbst gekommen wäre, hätte das den ganzen Zeitplan durcheinander gebracht“, sagte er. Köpke betonte, dass es sich dabei nicht um einen Protest oder eine Retourkutsche gegen den Weltverband Fifa gehandelt habe. „Auch England durfte nicht im Stadion trainieren, da ja dort gestern noch ein Spiel stattfand“, meinte er. „Es herrscht also Chancengleichheit und ich kann die Entscheidung auch nachvollziehen.“

Für Ärger sorgte auch die offizielle Pressekonferenz der Engländer, bei der nur wenige Fragen auf Englisch erlaubt waren und die für die internationalen Vertreter keine zehn Minuten gedauert hat. Alle englischen Sonntagszeitungen durften anschließend in einem anderen Raum noch weitere Fragen stellen. Das erinnert mich allerdings auch stark an deutsche Umstände . . .

Zurück zum HSV. Morgen Training, zehn Uhr – ohne Neuling. Wie gesagt. Aber es gibt noch zwei neue Spiele. Auf der Rückfahrt von der Insel Sylt (1. bis 4. Juli) wird noch um 17 Uhr in Leck gespielt. Und am 18. Juli spielt der HSV in Flensburg um 17 Uhr gegen Espanyol Barcelona. Die Außerordentliche Mitgliederversammlung findet nun am 13. Juli statt.

Und noch kurz in eigener Sache: Am Montag werden die Meister-Fotos von 1960 (mit den Autogrammen der Spieler) verlost. Ich werde die Namen hier an dieser Stelle nennen, die Gewinner können mir dann Ihre Daten, wohin das Foto zu senden ist, über die Gewinnspiel-Adresse mitteilen.

So, morgen dann wieder mehr HSV, versprochen. Nach dem Auftakt-Training. Aber wenn WM ist, dann muss man eben auch mal etwas WM-lastiger werden – oder? Oder werden dürfen?

PS: Allen Einsendern von Sommergeschichten sei gesagt, dass Ihre Beiträge angekommen sind, aber ich bitte um ein wenig Geduld, es wird von unten nach oben abgearbeitet. Und irgendwie verstärkt sich bei mir dabei das Gefühl, dass wir vielleicht doch einmal ein kleines Büchlein davon machen sollten . . .

20.07 Uhr

Sommergeschichte aus Hessen

27. Juni 2010

Es ist heiß. Endlich. Obwohl es hier bei „Matz ab“ schon den ganzen „Sommer“ heiß her geht – Stichwort Sommergeschichten. Dort wird quasi mit jedem Wort die „heiße Liebe“ zwischen Fan und seinem Verein beschworen und dokumentiert. So auch heute, die Geschichte kommt aus Hessen. Vielen Dank, lieber Tim, ich habe das sehr gerne gelesen, zumal dadurch viele Erinnerungen an die eigene Zeit wach wurden. Ich wünsche Euch viel Spaß mit diesem sonntäglichen Beitrag:

Lieber Dieter,
nachdem mir die Lektüre der Sommergeschichten der anderen Leser unheimlichen Spaß gemacht hat, will ich auch mit meiner kleinen Geschichte nicht hinter den Berg halten. Ich würde sie mit „Späte Rache” überschreiben wollen.

Späte Rache

Eine wirkliche Wahl hatte ich nie. Geboren in tiefster schleswig-holsteinischer Provinz fern ab jeglicher bundesligareifer Alternativen, aufgewachsen in einer traditionell dem HSV zugeneigten Familie hatte ich in frühester Jugend die großen Erfolge des Hamburger SV miterlebt. So war für mich von vorn herein klar, dass es für mich nur einen Verein geben kann.

Natürlich gab es aber auch die Ausnahmen bei uns im Ort. Jene Verirrten, die ihr emotionale Heimat bei Vereinen fernab der Heimat suchten. Diese entwickelten aber zumeist erst spät ein Interesse am Fußball und verpassten so die Glanzzeit des HSV, oder waren von zweifelhaftem Charakter und wechselten Ihren Lieblingsverein wie andere die Unterhose. Mit Vereinsliebe hat dies aus meiner Sicht aber ebenso wenig zu tun wie regelmäßige Besuche in der Herbertstraße mit der Ehe.

Ich gebe zu, es gab diese Momente, in denen auch ich versucht war. So ergab es sich, dass mein damaliger bester Kumpel mir offenbarter sei Fan der Grün-Weißen aus Bremen, die Mitte der 80-er Jahre beständig um die Meisterschaft mitspielten und einem das Fansein sehr viel leichter machten, als es mein geliebter HSV zur damaligen Zeit tat – und eigentlich bis heute tut. Ich gestehe, ich habe es versucht. Ich glaube ich war 13 Jahre alt und der Enttäuschungen des HSV Fanseins bereits überdrüssig geworden.

Also beschloss ich von nun an auch für die Bremer zu halten, in der Erwartung, dass dies mein Leben um so vieles einfacher machen würde. Aber es ging nicht. Es stellte sich einfach kein Gefühl ein, mein Herz wollte die Raute einfach nicht mehr loslassen. So lernte ich meine Lektion; einen Lieblingsverein kann man sicht nicht aussuchen, er findet einen, er kommt über einen und lässt einen nicht mehr los.
Mit fortschreitendem Alter intensivierte sich meine Liebe zum HSV weiter. Dies war auch der Tatsache geschuldet, dass ich anfing mir neben der Schule etwas Geld dazu zu verdienen und so in der Lage war, mit einigen gleichgesinnten Freunden regelmäßig zu den Heimspielen ins Volksparkstadion zu gehen.

Von Anfang an war ich von der Atmosphäre im Stadion fasziniert. Die Kurve, der E-Block, das war eine verruchte Mischung aus derben männlichen Sprüchen und Gesängen und einem starken Zusammengehörigkeitsgefühl, das für einen pubertierenden Halbstarken wie mich wohl sehr anziehend gewesen sein muss. Ich verpasste kaum noch ein Spiel, egal ob im Sommer vor ausverkauftem Haus gegen die Bayern oder im Schneetreiben vor leeren Rängen gegen Dynamo Dresden. Ich liebte es – ich gehörte jetzt dazu.

Um dieses Dazugehörigkeitsgefühl auch optisch zu dokumentieren, wurde schon sehr bald eine preisgünstige Jeansjacke angeschafft. Mittels einer Schere wurde das Ding von den lästigen Ärmeln befreit und sodann fleißig an der Verschönerung des guten Stückes gearbeitet. Bei jedem Stadionbesuch galt fortan der erste Gang den Buden, in denen allerlei Fan-Accessoires feilgeboten wurden. Wieder zu Hause wurde dann meine Mutter eingespannt, um die Aufnäher mit den rebellischen Sprüchen fein säuberlich auf meiner Kutte zu befestigen . . . Sie muss es gehasst haben, aber was tut man nicht alles seinem Sohn zu liebe.

Zum großen Wohlgefallen meiner Eltern hielt diese modische Phase aber nur recht kurze Zeit an. Im zarten Alter von zwanzig Jahren zog es mich dann in die süddeutsche Ferne, die Stadionbesuche im Volkspark wurden weniger und die Kutte versank in den Untiefen des Kleiderschranks in meinem ehemaligen Jugendzimmer. Als nach einigen Jahren die Anfrage meiner Mutter kam, ob sie den peinlichen Stofffetzen entsorgen dürfte, stimmte ich ohne Bedenken zu.

Die Jahre gingen ins Land und neben meiner Liebe zum HSV entwickelte sich eine weitere große Liebe in meinem Leben, die ich im Jahre 2007 zu ehelichen gedachte. Der Tag der Hochzeit kam und alles war bereitet für einen denkwürdigen Tag: Im Anschluss an eine wunderbare und emotionale kirchliche Trauung schloss sich eine sehr stimmungsvolle Feier im festlichen Rahmen an, im Zuge derer es natürlich auch die Brauteltern nicht lassen konnten, einige salbungsvolle Worte beizutragen. Und natürlich können es meine Eltern nicht lassen, meine so eben Angetraute mit der Tatsache zu konfrontieren, dass sie nicht nur nicht die erste große Liebe meines Lebens sei, sondern dass ich auch meiner ersten bis zum heutigen Tage nie entsagt habe.

Mein Glück, dass meine Frau und ich uns mit dieser Ménage à Troi längst arrangiert hatten, auch wenn sie meine Liebe zum HSV als geborene Frankfurterin bis heute nicht so recht teilen mag und für die Eintracht hält. Als meine Mutter dann aber als Beweis für meine erste große Liebe ein ziemlich mitgenommen aussehendes blaues Kleidungsstück aus einer Tasche fingerte und mich aufforderte, es über meine Smokingjacke zu ziehen, wurde mir dann aber doch ziemlich mulmig. Und eins kann ich Euch sagen, von dem wohligen, latent rebellischen Gemeinschaftsgefühl, dass dieses Kleidungsstück mir einst im E-Block vermittelte hatte, war im Kreise meiner Liebsten nichts mehr zu spüren . . .

PS: Vielen Dank nochmals für den tollen Blog, der für mich als HSVer fern der Heimat eine feste tägliche Institution geworden ist. Mich interessieren übrigens vor allem die kleinen, interessanten Geschichten am Rande, die den HSV und seine Akteure so viel menschlicher abbilden, als Wahrscheinlichkeiten oder das neueste Wechselgerücht. Deswegen gerne mehr Geschichten aus dem Nähkästchen!

Viele Grüße aus Frankfurt,

Tim

Viel Spaß beim Spiel Deutschland gegen England. Drückt die Daumen!

13.01 Uhr