Tagesarchiv für den 24. Juni 2010

Zeit für Jansen und Aogo

24. Juni 2010

Sonst heißt es im Fußball ja immer: Torwart und Linksaußen . . . Bei dieser Weltmeisterschaft aber muss man wohl sagen: Torwart und Schiedsrichter. Was hat sich wohl der dänische Keeper Sörensen bei dem 1:0 der Japaner gedacht? Wollte er hechtend Schmetterlinge fangen? Unfassbar schlecht. Auch beim 0:2 sah er nicht unbedingt gut aus. Und dann dieser Unparteiische aus Südafrika bei diesem Spiel: Mein lieber Mann, der ist aber auf Zack. Der muss im Alltag entweder General sein, oder Verkehrspolizist in der Hauptverkehrsstraße von Johannesburg. Dass die Spieler nicht noch vor ihm stramm stehen und dazu salutieren müssen, ist ein Wunder. Wie der gute Mann den Japanern ins Ohr gepfiffen hat, damit die endlich ihren Gesprächskreis, den sie Sekunden vor dem Anpfiff einberufen hatten, beenden, das hatte schon was. Habe ich auf jeden Fall noch nie gesehen. Aber man lernt ja nie aus, auch bei dieser WM nicht.

So, zuerst jetzt aber zum HSV. Allmählich nimmt es Formen an. Mit Tasci wird ernsthaft gesprochen, obwohl der Stuttgarter ja auch gelegentlich in diesen Tagen mit der WM zu tun hat, aber wozu gibt es Berater? Und ein Handy tut dann noch das Nötige. Ich glaube ja, dass es mit Serdar Tasci was werden könnte. Und dann dazu der Algerier Madjid Boughera, für den sich HSV-Boss Bernd Hoffmann ja höchst persönlich eingesetzt hat – das wäre doch schon mal ein Anfang. Der 27-jährige Nationalspieler ist Innenverteidiger, klingt für mich ein wenig nach „Boulahrouz“, und wenn er dann auch so einschlagen würde wie einst „Boula“, dann wären doch alle zufrieden, oder? Der Abwehrmann hat jedenfalls signalisieren lassen, dass es mit ihm in Richtung Hamburg losgehen könnte – der HSV ist jetzt am Zug. Klingt irgendwie gut.

Wenn auch nicht nach deutsch, hungrig, Talent, charakterstark, wenn ich ehrlich bin. Aber: Über den Charakter von Boughera, der noch für die Glasgow Rangers spielt, weiß ich ehrlich überhaupt nichts, Vielleicht hat er ja sogar einen absolut starken Charakter, dann würde er zumindest einen Punkt aus dem HSV-Anforderungsprofil erfüllen. Wie es heißt, das nur ganz nebenbei, sollen auch Sevilla und Liverpool an ihm dran sein. Abwarten. Mehr können wir alle nicht tun.

So: Zwei Kleinigkeiten noch zum HSV. Vor etwa einem Jahr hat Bernd Hoffmann allen kommenden Hamburger Meistern in der Oberliga in Aussicht gestellt, zu Saisonbeginn ein Freundschaftsspiel bei den Amateuren auszutragen. Ein Mann, ein Wort. Es ist Bewegung in diese Idee gekommen, beim SC Victoria freut man sich auf den HSV (und die Eintrittsgelder), das Spiel könnte Ende August oder Anfang September stattfinden. Zeit genug ist ja – leider.

Und dann ist morgen Freitag der 25. Juni (sorry, ich werde wohl alt. Oder zuviel Fußball nebenbei. Danke für Eure August-Korrektur!). Was sagt Euch dieses Datum? Richtig, vor 50 Jahren wurde der HSV in Frankfurt mit einem 3:2-Sieg über den 1. FC Köln Deutscher Meister. Anlässlich dieses Datums erscheint am Freitag eine Seite über diese wunderbare Mannschaft – und es werden zehn handsignierte Fotos von diesem Team verlost. Zehn im Abendblatt. Und dazu noch einmal 20 bei Matz ab. Das ist doch auch was, oder? Wer also Interesse daran hat, sollte sich hier im Blog melden, wenn diejenige oder derjenige dann ausgelost wird, danach werde ich mich bei den Gewinnern melden und nach der jeweiligen Adresse fragen, um das Foto (DIN A 4) per Post abschicken zu können. Okay? Noch etwas: Unterschrieben haben natürlich nur die heute noch lebenden HSV-Spieler, ich habe diese Unterschriften vor einigen Tagen selbst eingesammelt, als die Spieler zu Besuch beim Abendblatt waren.

So, noch einmal zurück zur WM. Und zur deutschen Mannschaft. Da wimmelte es ja im Spiel gegen Ghana plötzlich nur so vor HSV-Spielern. Alle Achtung. Nun aber erwarte ich eigentlich, dass zumindest auch Marcell Jansen mal von Beginn an zum Zuge kommen wird. Und eigentlich müsste nun auch Dennis Aogo kommen. Das HSV-Duo auf links, Jansen müsste nach vorne rücken, um dem pomadigen Herrn Podolski, der meilenweit von Bestform entfernt ist, mal kurz vorzumachen, was dynamischer Fußball ist. Aber indem ich das schreibe kapituliere ich auch schon, denn dass „Jogi“ Löw seinen erklärten „Liebling“ fallen lässt, halte ich doch für ausgeschlossen. Obwohl es klug wäre. Und irgendwas sollte nach diesem Ghana-Spiel schon mit der deutschen Formation passieren.

Was bis Sonntag zum England-Spiel mit Jerome Boateng (Wadenverhärtung) wird, vermag ich aus der Ferne nicht zu diagnostizieren, aber sollte er rechtzeitig fit werde, müsste er eigentlich für den pomadigen und unheimlich schwachen Per Mertesacker zum Einsatz kommen. Der Bremer Innenverteidiger nervt mich schon vom ersten WM-Spiel an, denn er macht immer einen auf lässig. Allein wenn er sich den Ball auf „Beckenbauer-Art“ mit der Sohle elegant nach vorne streichelt, bringt mich das auf die Palme, Der gute Mann sollte das spielen, was er kann: Eisern am Mann, kopfballstark (auch gelegentlich mal wieder im gegnerischen Strafraum!?) und stets mit kühlem Kopf. Aber auch in diesem Falle vermute ich, dass Löw keine Traute hat, um dem Bremer mal zu zeigen, dass es auch für ihn Grenzen gibt.

So, ganz zum Schluss möchte ich Euch noch sagen, wie traurig ich über den Tod von Trainer und TV-Kommentator Jörg Berger bin. Ein feiner Mensch, mit dem ich während der EM 2008 viel zu tun hatte, und den ich auch danach noch bei einigen Länderspielen traf. Wir haben immer ein wenig (oder auch länger) miteinander gesprochen, von seinem Krebsleiden war ihm nichts mehr anzusehen und anzumerken – und nun das. Wie tückisch ist diese Krankheit? Ruhe in Frieden, Jörg.

21.52 Uhr

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