Tagesarchiv für den 22. Juni 2010

Ballack ist immer noch möglich

22. Juni 2010

Der HSV hat immer noch keinen neuen Spieler. Und: Der HSV hat in der nächsten Saison auch keine internationalen Spiele. Aber: Der HSV hat ganz offensichtlich immer noch die besten Fans. Die können nicht nur vergessen und verzeihen, die Anhänger der Rothosen sind auch treu. Bereits jetzt sind nämlich schon 30 000 Dauerkarten verkauft worden. Das, obwohl Ballack, Kacar, Messi, Ronaldo und Co noch gar keinen Vertrag in Hamburg unterzeichnet haben. Nein, nein, halt, das war ein Scherz. Wahr ist aber: Bereits jetzt haben sich damit 95 Prozent der Saisonticket-Besitzer auch für die kommende Saison ihr Abo gesichert. Bis Montag haben die Mitglieder noch Zeit, eine Dauerkarte zu ordern, dann beginnt der freie Verkauf. Um kurz noch einmal darauf zurück zu kommen, dass der HSV noch immer keine Verstärkungen präsentieren konnte: Welcher andere Bundesliga-Klub kann das schon? Okay, die Schalker haben schon einige Neulinge, Werder wohl auch, aber dann ist auch schon Schluss. Vom FC Bayern, der das Training bereits aufgenommen hat, habe ich noch nichts gehört und gelesen. Aber, und das sollte einige Heißsporne unter uns beruhigen, auch kein Wort davon, ob sich die Münchner Fans eventuell schon Sorgen um die sportliche Zukunft des Klubs machen. Und überhaupt: Bei vielen Klubs fehlen doch auch noch die WM-Teilnehmer noch einige Wochen.

Also, ich kann es nur noch einmal wiederholen: keine Hektik. Ich weiß zudem, dass in der Führungsetage des HSV noch große Gelassenheit herrscht. Motto: Keine Panik, es wird schon noch. Das Feld scheint mir bestellt, geerntet wird dann wohl Anfang August. Spätestens. Wobei sich die Sache mit Stefan Reinartz, der von Bayer Leverkusen nach Hamburg wechseln sollte, wohl schon erledigt hat. „Da gibt es keine Chance für keinen anderen Klub. Ich stehe auf den Spieler, wir wollen ihn langfristig an uns binden“, sagte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler der „Bild“. Das klingt nach endgültig.

Dagegen bleibt Schalkes Brasilianer Rafinha aber ein Thema für den HSV. Der Verteidiger wird an diesem Mittwoch zunächst beim Trainingsauftakt in Gelsenkirchen erwartet wird. Ihr habt es gelesen, was Felix Magath bei uns im „Abendblatt“ gesagt hat: „Falsch ist, dass wir Rafinha los werden wollen, richtig ist, dass wir ihn abgeben würden.“

Und da es von Eurer Seite aus auch Erkundigungen im „Fall Ballack“ gab, sei gesagt, dass nach wie vor alles möglich ist. Die Deutsche Presse-Agentur meldete heute: Gute Chancen auf eine Verpflichtung hat Ballacks früherer Klub Bayer Leverkusen. Das klingt nun noch nicht unbedingt nach einem Wechsel zum HSV, aber der Ballack-Berater schaltete sich auch ein. „Der finanzielle Aspekt spielt diesmal nur eine untergeordnete Rolle“, sagte Ballacks Manager Michael Becker, der aber auch gleich anfügt: „Dass der finanzielle Aspekt nur eine untergeordnete Rolle spielt, heißt aber nicht, dass er gar keine Rolle mehr spielt.“ Neben Leverkusen haben auch der VfL Wolfsburg und HSV Angebote für den 33-jährigen Kapitän der Nationalmannschaft abgegeben. Letztere Vereine gelten im Vergleich mit Leverkusen bei einem Ballack-Transfer als finanzkräftiger.
Nach Informationen des „Express“ beläuft sich das Angebot der Rheinländer auf zwölf Millionen Euro für zwei Jahre. Der VW-Klub Wolfsburg soll deutlich mehr geboten haben. „Unsere Zahlen kommen nicht an die vom HSV oder Wolfsburg heran, aber vielleicht sind für Michael ja andere Dinge wichtiger“, wird Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser zitiert. Auch der FC Sevilla und Tottenham Hotspur sollen ihre Fühler nach dem ehemaligen Chelsea-Profi Ballack ausgestreckt haben. „Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich nichts ausschließen, aber Deutschland ist realistisch“, sagt Michael Becker.

Kommen wir zur WM. Dass die Franzosen nach Hause fahren (oder irgendwo hin, wo sie nicht erkannt werden), ist schon ein Hammer, aber so wie die sich in Südafrika präsentiert haben, ist es nur logisch. Ich halte es ja nach wie vor für einen riesigen Fehler, dass Trainer Raymond Domenech noch dabei sein durfte, obwohl bereits seit vielen Wochen feststeht, dass er nach dem Turnier von Laurent Blanc abgelöst werden wird. Eine solche total unübliche Konstellation wird von abgezockten Profis eiskalt ausgenutzt, zumal dann, wenn diese ganze Truppe nie auch nur annähernd als eine Einheit auftrat und dazu ganz erschütternden Fußball spielte. Schade, schade ist es nur um die Iren, die durch die Hand von Henry um diese WM betrogen wurden.

Zum deutschen Spiel am Mittwoch gegen Ghana. Die Partie gegen die Black Stars um Kevin Prince Boateng muss Deutschland gewinnen. Dass mit Bastian Schweinsteiger, Mesut Özil, Sami Khedira, Philipp Lahm und Cacau gleich fünf Spieler bei einer weiteren gelben Karte gesperrt sind, macht die Sache nicht unbedingt leichter. Und auch der brasilianische Referee Carlos Simon, der das Spiel leiten wird, treibt einigen Deutschen doch die eine oder andere Sorgenfalte auf die Stirn. Der Brasilianer ist in seiner Heimat umstritten: Wegen Manipulationsverdachts wurde der Unparteiische 2009 in seinem Land für sechs Wochen gesperrt. Zudem gibt es eine DVD mit Simons Fehlentscheidungen, die der Erstliga-Klub Flamengo Rio de Janeiro 2008 an die Fifa schickte. Der Welt-Fußballverband nominierte den pfeifenden Journalisten trotz allem.

Deutschland machte auch schon so seine Erfahrungen mit Carlos Simon. Bei der WM 2006 leitete der Brasilianer das Achtelfinale gegen Schweden, das die DFB-Auswahl mit 2:0 gewann.

Bundestrainer Joachim Löw sagte zu den bisherigen Leistungen der Unparteiischen bei dieser WM: „Sie zücken sehr schnell Gelbe Karten. Da wäre wirklich etwas mehr Zurückhaltung geboten. Bei schweren Fouls werden dagegen manchmal gar keine Karten gezeigt.“ So ist es. Zum Beispiel im Spiel Brasilien gegen die Elfenbeinküste: Schiedsrichter Lannoy aus Frankreich stand etwa fünf Meter daneben, als Tiote (Elfenbeinküste) dem Brasilianer Elano ganz böse mit gestrecktem Bein gegen das Scheinbein trat, aber es gab nicht einmal einen Pfiff. Elano hatte riesiges Glück, dass sein Scheinbein nur geprellt und nicht gebrochen war.

De Kritik an den Unparteiischen nimmt zu. Auch von Experten, die einst selbst Schiedsrichter waren. Für mich ist es unverständlich, wieso die „Schwarzkittel“ eine erste Woche lang recht gut pfiffen, dann aber ihre Linie verloren. Dazu muss man wissen: Alle Schiedsrichter, die für diese WM auf der Nominierungsleiste standen, die mussten sich seit zwei Jahren (!) auf dieses Turnier vorbereiten. Seit zwei Jahren. Sie mussten trainieren und wurden dabei von am Körper haftenden Computern, die jede Bewegung festhielten, stets und ständig überwacht. Auf diese Art und Weise wurde auch der deutsche Schiedsrichter Wolfgang Stark aus Landshut „gefoltert“. Einige werden sich von Euch zudem erinnern: Stark durfte in dieser Zeit, in diesen zwei Jahren, kein Interview in Sachen WM geben, auch keine Auskünfte über sein Trainingspensum.

Ich sage es ganz ehrlich, ich sage es auch extra hart: Die spinnen, die Herren der Fifa. Die wollen immer alles hundertprozentig machen, aber die wichtigste Sache vergessen sie – oder sie übersehen sie einfach: Es kann doch nicht angehen, dass dieser spanische Schiedsrichter Undiano bei der Partie Deutschland gegen Serbien nach jedem Zweikampf eine Gelbe Karte zückt, und dass auf der anderen Seite solche üblen Tritte wie der von Tiote nicht einmal geahndet werden. Da stimmt die Verhältnismäßigkeit nicht, ihr Herren der Fifa – und genau daran sollte nicht nur gearbeitet werden, sondern daran muss gearbeitet werden. Damit uns allen nicht der Spaß an diesem Sport genommen wird.

Apropos Fifa: Ihr erinnert Euch sicher noch. Da gab es vor einigen Tagen den Streit um die vermeintliche Schleichwerbung, die einigen niederländischen Damen unterstellt worden war. Die zwei verhafteten Holländerinnen wurden nun wieder auf freie Füße gesetzt, die Klage gegen sie fallen gelassen. Sie gehörten einer Gruppe von 36 Frauen an, die den Fifa-Ordnern beim Spiel Niederlande gegen Dänemark dadurch aufgefallen waren, dass an ihren Miniröcken die Werbung der niederländischen Bavaria-Brauerei prangte. Diese Bier-Sorte aber gehört, so das Pech der blonden Damen, nicht zu den offiziellen WM-Sponsoren. Die Fifa erklärte nun, es habe eine außergerichtliche Einigung zwischen ihr und der Brauerei gegeben.

Mit dem eventuell nun eingenommenen Geld (der Brauerei) sollte die Fifa den Schiedsrichtern nun sofort ein paar Brillen spendieren, damit die 23. Männer endlich besser unterscheiden können, was bösartig und was im Eifer des Gefechts und damit unabsichtlich passiert.

Zum Schluss noch etwas in eigener Sache. HK Hans gab einmal mehr den Denkanstoß dazu, er ist der “Erfinder” der wunderschönen Sommergeschichten. Nur mal so am Rande: Früher hat es zu 95 Prozent auch nur einen Bericht pro Tag von mir gegeben, aber eben keine Sommergeschichte dazu. Wir alle sollten es genießen – ich genieße ganz besonders. Aber, zurück zu HK Hans, er fragte mich, was eigentlich mit unseren Damen und mit unseren Jünglingen sei? Keine Lust? Keinen Mut? Nie etwas mit Eurem HSV erlebt? Es wäre wirklich ganz hervorragend, wenn Ihr Matz-ab-Frauen und Ihr Matz-ab-Jünglinge Euch auch einmal aufraffen könntet, noch die eine oder andere Sommergeschichte zu schreiben. Dann wäre das wirklich eine ganz, ganz runde Sache. Also: traut Euch! Ich helfe Euch auch dabei, das ist kein Problem.

21.36 Uhr

Und wieder drei Sommergeschichten

22. Juni 2010

Die Sommergeschichten nehmen kein Ende. Und das ist auch gut so. An diesem Dienstag gibt es wieder einmal eine Dreier-Serie. Kurios dabei: Die erste Geschichte, die uns Jörg M. geschrieben hat, könnte die meine sein. Sein erstes HSV-Spiel live sah er am Rothenbaum, es war am 5. August 1959, ein sensationeller 9:1-Sieg im Halbfinale des Nordpokals über Werder Bremen. Ein unvergessliches Erlebnis, wer zum ersten Mal dabei war, der musste ganz einfach ein HSV-Fan werden. Und los geht es:

1:0 für den HSV, Torschütze Kaltz

Als geborener Eutiner und langjähriger Malenter habe ich die Last zu tragen, dass ich als Jugendlicher, nachdem sich ein Mann meine Mutter geangelt hatte, zu den Schwaben verschleppt wurde. Man hat mich dort aber nicht „bekehren“ können. Ich habe 1959, im zarten Alter von sieben Jahren, mein erstes HSV-Spiel sehen dürfen, mein Onkel hatte mich mit an den Rothenbaum geschleppt. Ich war infiziert. Wenn ich mich recht erinnere, haben wir Bremen 9:1 weggebügelt.

Die Zeit ging ins Land, tapfer hielt ich die HSV-Fahne hoch, alle meine Kumpels waren VfB-Anhänger, wir verstanden uns trotzdem gut. Zwischenzeitlich hatte ich einen Landsmann kennengelernt, genannt Husumer, unsere Mädels wurden zu HSV-Fans verurteilt, so hatten wir einen 4-köpfigen Fan-Club. In einer schicksalsträchtigen, sehr feucht-fröhlichen Nacht im Jahre 1977, der VfB Stuttgart war wieder aufgestiegen, muss ich wohl zugestimmt haben, mich den Dauerkartenkäufern für die Haupttribüne anzuschließen. Das erste Spiel gegen Bayern endete 3:3, der VfB spielte wunderbaren Fußball.

Vier Wochen später kam mein HSV, an einem Mittwoch. Wir waren durch ein Paket aus dem Rudi-Kargus-Sportshop, der damals in der Hoheluftchaussee existierte, neu ausgestattet und freuten uns auf das Spiel. Angesagt, beziehungsweise zugesagt, hatten noch einige Kumpels aus nah und fern. Mir wurde das Besorgen der Karten aufgetragen. Durchgezählt, Karten gekauft. Meine Dauerkarte hatte ich für dieses Spiel „vermietet“, logisch. Der Mittwoch kam, Treffpunkt 12 Uhr in meiner Stammkneipe, abends Richtung Stadion. Bereits 100 Meter vor dem Stadion war die Mercedesstraße in Durchlassschleusen abgesperrt. 70 000 Zuschauer! Natürlich hatten wir „verhockt“, so dass wir gerade mal eine Viertelstunde vor Spielbeginn an diesem Durchlass waren.

Also Karten verteilt, eins, zwei, drei, vier, bis 26. Jeder stürmte auf einen der Durchlässe zu. Plötzlich blieb mir das Herz stehen, wo war meine Karte? Ich hatte alle anderen durchgezählt, nur mich selbst vergessen. Jetzt stand ich da wie ein Trottel, alle anderen waren weg. Die Zeit verging wie im Flug und es war Spielbeginn und ich stand draußen. Bäche liefen mir den Körper runter vor Adrenalin und aus den Augen vor Wut über mich selbst. Wie ein Tiger im Käfig lief ich auf und ab. Nach wenigen Minuten verhaltener Jubel und ich hörte die Durchsage: 1:0 für den HSV, Torschütze Kaltz.

Wie sollte ich nur das Stadion stürmen? Ich überlegte und überlegte. Einen Ordner bestechen! Ich ging die einzelnen Durchlässe entlang, die immer noch nicht aufgelöst waren, und schaute mir jeden Ordner an. Alles ältere Herren mit sehr wichtigem Gesichtsausdruck, hoffnungslos. Nur der letzte auf der anderen Straßenseite war noch relativ jung. Den nehme ich. Ich also hin in voller Montur, ’nen norddeutschen Slang rein und meine Geschichte erzählt, weite Anfahrt und dann noch falsch gezählt: „Du kriegst 50 Mark, wenn du mich rein lässt.“ Er legt den Kopf etwas schrägt und sagt: „Dich kenn ich.“

Der Blitz schlug mir ins Hirn. „Du bist Discjockey da und da und spielst da und da Fußball.“ Mist, die ganze Story geplatzt. Plötzlich fängt er an zu grinsen und sagt: „Na, dann komm, das kriegen wir schon hin.” Insgesamt an drei Kontrollstellen mussten wir vorbei bis zum letzten Zugang zu unserem Block. Das geht klar, war jedes Mal sein Kommentar zu den Kontrolleuren.

Das angebotene Geld lehnte er aber mit Nachdruck ab. So war ich nach einer halben Stunde doch bei meinen anderen. Immer noch 1:0 für uns. Etwa eine Viertelstunde vor Schluss fiel der Ausgleich durch einen gewissen Herrn Hoeness, die Stimmung war wieder im Keller. Doch der Fußballgott war an diesem Tag auf meiner Seite, denn wenige Minuten vor Schluss trieb sich ein Herr Hitzfeld im eigenen Strafraum rum und plötzlich war die Kugel drin, zu unserem Sieg. Von diesem Tag an war Ottmar Hitzfeld einer meiner Lieblingsspieler. Den Ordner aber habe ich leider nie wieder gesehen, ich hätte ihm gerne mal einen ausgegeben. Vielleicht jedoch liest er ja bei „Matz ab“ mit und erinnert er sich auch noch an den Verrückten aus dem Jahr 1977.

Nun folgt die zweite Geschichte, die ein wenig mit dem Wort Verzweiflung umgeben ist:

Hallo Herr Matz,
ich habe Ihnen schon eine Sommergeschichte geschickt, doch leider an eine andere Adresse. Mir wurde zwar zugesichert, dass die Geschichte weiter geleitet wird, aber man weiß ja nie.
Zur Sicherheit schicke ich sie deswegen noch mal an diese Adresse.
Beste Grüße und weiter so, Zé Norberto

Ich bin kein Bremer

Mann an Mann quetschten wir uns in den viel zu kleinen Eingang eines viel zu kleinen Stadionklos in der Nordkurve. Es war so eng, dass mir zeitweise die Luft wegblieb. Die Stimmung war trotzdem bestens: Wir fieberten dem UEFA-Cup Halbfinal-Rückspiel gegen Werder entgegen. Das Hinspiel in Bremen hatte der HSV gewonnen und es waren noch zehn Minuten bis zum Anpfiff. Alles perfekt.
Aber ich musste wirklich wahnsinnig dringend pinkeln. So dringend, dass es schon richtig wehtat. Da bei internationalen Spielen kein Alkohol ausgeschenkt wird, sind die zwei Stunden vor Spielbeginn ausschließlich dem Trinken von Bier gewidmet. Die direkte Folge der Uefa-Regelung waren daher drei Bier zuhause, eins in der S-Bahn, zwei auf dem Weg ins Stadion, eins vor dem Stadion. Und dann noch eins bevor man reingeht. Sobald man drin ist: ab zur Toilette.

Dort schob ich mich also in quälender Langsamkeit weiter voran. Mittlerweile musste ich meine Knie zusammen drücken, um nicht aufgrund des Dranges ohnmächtig zu werden. Ich hatte nur einen Gedanken, kannte nur ein Ziel, wollte nur und ausschließlich Wasser lassen. Doch vorher passierte etwas völlig anderes.

Jemand nutzte eine Pause, die sich zwischen die viel beachteten Werder-Witze geschlichen hatte, um voller Inbrunst zu schreien: „Wer nicht hüpft, der ist ein Bremer! Hey! Hey!”

Was anschließend losbrach, kann man nur mit einer Stampede vergleichen. Der Moment, in dem eine Herde Wildtiere in Panik gerät und alles um sich herum dem Erdboden gleichmacht. Das ganze Klo hüpfte und schrie mit. Schrie mit und hüpfte. Hüpfte und schrie mit. Ich natürlich auch. Minutenlang. Alles andere war unwichtig. Wirklich alles.

Doch in den bierkehligen Männerchor mischten sich Misstöne. Verzweifelte, flehende Schreie. Ich versuchte mir einen Überblick zu verschaffen. Normalerweise muss man in einer Menschenmenge nur kurz hochspringen, um sich zu orientieren. Doch in einer Menschenmenge, die ebenfalls gerade kurz hochspringt, ist das schwierig.

So hüpfte und schrie ich noch eine Weile weiter, bis plötzlich einige Männer vor mir zur Seite stolperten. In der entstehenden Lücke tauchte die erlösende Rinne auf. Davor stand eine klägliche Gestalt: einer derjenigen, die sich gerade erleichterten, als der Mob zu toben begann. Nie habe ich in ein verzweifelteres Gesicht geblickt. Und ich konnte hören, was dieser arme Mann uns hysterisch zu verstehen geben wollte: „Ich kann gerade nicht hüpfen, aber ich bin kein Bremer!“

Nun die Geschichte Nummer drei.

Hallo, ich schreibe zwar so gut wie keine Kommentare, lese aber jeden Tag fleißig mit.
Habe zwar grad keine HSV-Geschichte, aber eine kleine Geschichte zu einem Live-Spiel.

Live Feeling

Von Langbein

Passend zur WM möchte ich eine kleine Geschichte erzählen.
Passiert vor zwei Jahren. Deutschland spielt eine solide EM und steht im Viertelfinale gegen Portugal. Ich stellte mich auf einen schönen Abend vorm Fernseher ein. Zwei Tage noch, dann wollten wir ins Halbfinale einziehen. Wir hatten Urlaub, kamen gerade aus Wien vom Spiel Österreich gegen Polen zurück, saßen nun mittags vorm Fernseher. Punkt 12. Und dann war es soweit. Beim Gewinnspiel des TV-Senders kamen wir durch ins Studio und gewannen zwe Karten für das Spiel – inklusive Taschengeld – leider reichte es nicht für den Jackpot, Die Frage war die: Wie alt war Christiano Ronaldo bei der EM 2004?. Das wussten wir, gewonnen und los: Flugs wurde ein Zug nach Basel gebucht – das einzige was man so kurz vorm Spiel noch bekommen konnte.

Die Fahrt war herrlich, je südlicher wir kamen, desto schwarz-rot-goldener wurde der Zug. Die Vorfreude wuchs. Nach langer Odyssee kamen wir in unserem Hotel in der Nähe von Basel an. Mit mehreren Gewinnern warteten wir lange Zeit auf RTL, die noch ein Film von den Gewinnern drehen wollten. Dadurch zog sich alles hin. Dann mussten wir gespielte Szenen nachstellen (Ankunft, Vorfreude usw.), saßen dann aber endlich im Bus. Je näher wir Basel kamen, desto aufgeregter wurden wir. Doch die Zeit verging wie im Flug. Nur noch 45 Minuten bis zum Anstoß.

Doch schon die Ankunft sollte uns entschädigen. Neben uns hielt der Bus der deutschen Spielerfrauen. Ein toller, ein atemberaubender Anblick! Wir liefen zum Stadion und trafen noch ein paar Altgediegene. Ein Interview mit Mattias Sammer war auch noch im RTL-Programm angedacht. Ein paar Fragen, jubeln für die Kamera und dann durften wir endlich ins Stadion. Kurze Randnotiz: Die ganze Show wurde von dem Schnellrestaurant mit dem Goldenen Bogen gesponsert – die hatten da vor Ort noch einen Mitarbeiter, der mindestens 50 Karten noch zehn Minuten vorm Spiel in der Hand hatte und nicht weggeben durfte. So viel zum Thema alles für die Fans.

Die Stimmung im Stadion war großartig. Wir saßen auf Top-Plätzen, so nah war ich noch nie an den Stars. Und das Deutschland gewonnen hat, machte den Abend perfekt.

Nach dem Spiel hatten wir mal wieder ein RTL-Erlebnis, durften dann in der Uefa-Club-Zone noch feiern und ließen dieses tolle Erlebnis dann ausklingen. Jetzt sehe ich diese WM voller Freude, denke aber, dass es für einen Karten-Gewinn für Südafrika wohl zu spät ist..

15.09 Uhr