Tagesarchiv für den 19. Juni 2010

Gute HSV-Taktik bei Demel

19. Juni 2010

Vorhin habe ich mich echt mal gelangweilt. Das lange Zeit lahme Duell der Niederlande gegen Japan war nun wirklich kein Highlight in Sachen Spielkunst. Allenfalls – und da gebe ich Mehmet Scholl Recht -, taktisch war es möglicherweise interessant. Wie sich die Japaner trotz deutlicher fußballerischer Unterlegenheit lange im Defensivverbund behaupten konnten, wie sie sogar selbst ein paar Mal blitzschnell umgeschaltet haben. Nein, aber ehe sich das hier anhört wie Schönrednerei, lasse ich es lieber. Fußballspaß ist etwas anderes, da lasse ich mir doch eher so ein Spiel wie das der Australier gegen Ghana servieren.

Bei den Niederländern konnte auch unser aller Lieblingsfernnörgler, Eljero Elia, den sich HSV-Sportchef Bastian Reinhardt bestimmt nach der WM zu einem intensiven Vieraugengespräch schnappen wird, als Joker zu wenige entscheidende Akzente setzen. Dass die Niederlande im Achtelfinale dabei sein werden, freut mich für die Mannschaft um Joris Mathijsen aber doch. Ich bin jetzt schon gespannt, wie die Mannschaft agieren wird, sobald Arjen Robben fit ist. Ich erinnere mich noch gut an 2006. Da waren Robben und Robin van Persie echte Problemfälle – zwei Egoisten, die ein echtes Teamgefühl auf dem Platz nie aufkommen ließen. Da brodelte es dauerhaft.

Manchmal hatte ich heute übrigens den Eindruck, Mathijsen habe auch in seinem Nationalteam noch ein paar Schwächen, die seine Auftritte am Ende der Bundesligaserie ebenfalls beim HSV geprägt haben. Er wird ungewöhnlich unruhig, sobald er nach der Ballannahme nicht sofort eine klare Anspielstation sieht. Und dann spielt er eher Verlegenheitsbälle, hoch ins offensive Mittelfeld, was häufiger unnötige Ballverluste mit sich zieht.

Egal, eigentlich wollte ich meinen heutigen Beitrag doch einem ganz anderen HSVer widmen: Guy Demel. Viele von Euch werden in Erinnerung der abgelaufenen Spielzeit wahrscheinlich seufzen oder mit den Augen rollen. Nach dem Motto: nicht schon wieder der! Ich kann das nachvollziehen, denn es gibt nicht viele der Hamburger Profis, über die ich mich in der vergangenen Serie so oft und so sehr aufgeregt habe.

Dass Demel, der personifizierte Widerspruch von körperlicher Erscheinung und fußballerischer Härte, nun bei der Elfenbeinküste zur Stammelf gehört, hat ja viele überrascht. Und es gibt auch schon wieder genügend HSV-Fans, die Demel noch einen weiteren Anlauf unter einem neuen Trainer Armin Veh wünschen. Ich persönlich sehe das etwas anders. Demel hat in seiner bisherigen Zeit beim HSV mit Sicherheit einige gute bis sehr gute Partien gezeigt, allerdings vornehmlich in seiner Anfangszeit. Danach wurde es wechselhaft, dann kamen seine ständigen Klagelieder, er fühle sich nicht ausreichend gewürdigt, erste Flirtversuche mit anderen Klubs und Ligen. Und zuletzt hatte er fast über die gesamte Spielzeit kein Selbstvertrauen, null Führungsqualität und dafür immer wieder grauenhafte Stellungs- und Abspielfehler. Zudem, was für einen Rechtsverteidiger tödlich ist, neigt Demel nach Vorstößen in die Spitze und verloren gegangenen Bällen dazu, einfach mal zurück zu trotten. Das habe ich im ersten Spiel der Elfenbeinküste auch schon gesehen. Das macht dich rasend als Trainer. Und als Fan oder Berichterstatter mit Sympathie für einen Klub treibt es dir graue Haare auf den Kopf… Abschließend bin ich zur festen Überzeugung gelang, dass es das Beste für den Spieler und auch für den HSV wäre, wenn Demel sich eine neue Herausforderung sucht. Hier in der Hansestadt hat er kaum eine Zukunft.

Ich möchte an dieser Stelle aber auch einmal die HSV-Taktik im Umgang mit der Personalie Demel loben. Ich denke schon, dass der Ivorer auf der Abzugebenden-Liste ganz oben steht, aber das hat bis heute keiner der Offiziellen öffentlich bestätigt. Nicht einmal in einem Anflug von Frust nach einem der vielen schwachen Auftritte Demels. Dadurch hat sich der Preis für den Defensivallrounder relativ stabil gehalten, und der HSV hat ja nichts zu verschenken. Die WM hat sich bislang jedenfalls nicht als Preissenkung für Demel ausgewirkt. Angeblich soll es Interessenten aus Russland, England und Frankreich für den Modell-Athleten geben, der meiner Meinung nach in den letzten 18 Monaten ziemlich viel an Geschwindigkeit eingebüßt hat. Und sein Verkaufswert dürfte bei mindestens drei Millionen Euro liegen – Tendenz aufwärts. Sollte die Elfenbeinküste mit Demel in der Stammelf die Vorrunde erfolgreich überstehen, Demel dabei eine ähnlich stabile Defensivleistung wie gegen Portugal in der „Todesgruppe“ hinlegen, könnte der HSV möglicherweise sogar fünf Millionen Euro Transfererlös erzielen.

Das Geld könnte der HSV abseits aller Anstoß-hoch-drei- und Kühne-Millionen-Diskussionen sehr gut gebrauchen, um punktuelle Verstärkungen für den nach wie vor hervorragenden Kader zu bekommen. Was Neuzugänge betrifft, gibt es nichts Neues zu vermelden. Bayer Leverkusen klappert jetzt in Person von Rudi Völler ordentlich, um Werbung für sich in Sachen Michael Ballack zu machen. Ob’s was hilft? Wir werden sehen.

17:50 Uhr

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