Tagesarchiv für den 18. Juni 2010

WM-Chancen für HSV-Profis

18. Juni 2010

Was für ein Tag. Kaum habe ich die Schiedsrichterleistungen bei dieser WM gelobt, passiert so etwas. Über den spanischen Unparteiischen beim Spiel der Deutschen gegen Serbien brauche ich mich wohl nicht auszulassen. Das hat ja nun jeder gesehen, dass dieser Schiedsrichter nie das richtige Maß gefunden hat. Ich habe mich schon nach den ersten Gelben Karten gefragt, wo das nur hinführen soll. Wenn einer in so einer verhältnismäßig fairen Partie Gelbe Kartons zieht wie am Laufband, was passiert dann erst, wenn der mal so ein wirkliches Kampfspiel mit harten Attacken und hinterhältigen Aktionen pfeift…?! Ohne Worte. Und was sich der Schiedsrichter beim eigentlichen 3:2-Siegtreffeer der USA gegen Slowenien gedacht hat, ist mir auch schleierhaft.

Trotzdem sollten wir als Sympathisanten des deutschen Teams nicht nur den Schiri für diese Pleite verantwortlich machen, denn dafür hatten wir auch in Unterzahl zu viele Ausgleichsmöglichkeiten. Vielleicht hat der DFB diesmal auch ein bisschen Lehrgeld für seine junge Mannschaft bezahlt. Denn nach Lukas Podolskis verzogenen Schussversuchen hätte ein wirklich alter, gestandener Führungsspieler dem Kölner vor dem Elfmeter vielleicht den Ball weggenommen. Ich habe sofort gedacht: Poldi, lass es sein. Lass einen schießen, dessen Füße heute besser justiert sind. Hat nichts gebracht.

Aus Hamburger Sicht könnte diese Niederlage nun neue Einsatzchancen für HSV-Profis ergeben. Was heißt „könnte“? Wenn nicht jetzt, wann dann? Ich habe Marko Marins Einwechslung zwar verstanden, rein inhaltlich, aber was der vermeintliche Bremer Fußballzauberer dann auf den Rasen gebracht hat, war fauler Zauber. Bei allen 50:50-Situationen hat er sich falsch entschieden. Und seine Hereingaben waren wirklich nur eines: kläglich. Daher bin ich mir sicher, dass gegen Ghana sowohl Piotr Trochowski ganz gute Möglichkeiten haben dürften, um auf WM-Einsatzminuten zu kommen – wenn auch nur als Joker.

Jansen könnte aber auch noch für die Position links hinten in Frage kommen, genauso wie Dennis Aogo. Der bayrische Verteidiger Holger Badstuber hat heute links hinten eindeutige Grenzen aufgezeigt bekommen. Was mich besonders besorgt: Badstuber hatte gegen den 60 Minuten lang starken Krasic erhebliche Tempoprobleme. Schleicht sich da nun etwa doch ein bisschen Müdigkeit nach der langen Saison ein? Ich kann mir gut vorstellen, dass Joachim Löw auf dieser Position für das „Endspiel“ gegen Ghana Handlungsbedarf sieht.

Einmal lachen musste ich nach diesem 0:1 trotzdem. Über einen Spruch von Joachim Löw. Der sagte über Badstubers Probleme links hinten nämlich: „Holger musste meiner Meinung nach viel zu viele Eins-zu-eins-Duelle alleine bestreiten.“ Aha.

Heute gab es ja aber nicht nur Gespräche, Diskussionen und Kommentare zur WM und dem deutschen Team, sondern auch zum HSV. Die nächste „Kuh“, in diesem Fall eher ein Kälbchen, wurde durchs Dorf getrieben. Angeblich, so hieß es, soll der HSV seine Fühler nach dem Schalker Rechtsverteidiger Rafinha ausgestreckt haben. Der Brasilianer wäre, diese Auffassung teile ich eindeutig, eine fußballerische Steigerung im Vergleich zu Guy Demel. Allerdings haben sich bei mir zugleich ein paar Fragen aufgetürmt: 1. Wie will der HSV so einen Topverdiener bezahlen? 2. Warum sollte er nach Hamburg kommen, wo er doch zuletzt immer gemosert hatte, dass ihm bei Schalke die internationalen Auftritte fehlen, um auch für die brasilianische Nationalmannschaft in Betracht zu kommen? Und 3. Wo zieht Rafinha hin, falls er wirklich nach Hamburg kommen sollte? Hoffentlich nicht in meine Nachbarschaft…

Ich habe mich also auf die Recherche begeben und habe eindeutige Antworten bekommen, aus Gelsenkirchen. Dort weiß nämlich keiner der entscheidenden Verantwortlichen etwas von einem HSV-Interesse. Und die Königsblauen müssten es wissen, zumal Rafinha noch bis 2011 einen gültigen Vertrag hat, also aus seinem Kontrakt herausgekauft werden müsste. Im Gespräch ist eine Ablöse von vier bis sechs Millionen Euro.

Ansonsten heißt es beim HSV vorm zweiten WM-Wochenende: Still ruht der See. Nicht, dass Ihr mich missversteht. Bastian Reinhardt arbeitet quasi Tag und Nacht. Er tauscht sich mit Trainer Armin Veh aus, er spricht mit Scouts und Beratern und Spielern, um den Kader für die anstehende Saison bestmöglich zusammen- und aufzustellen. Das Gute (nicht für uns Journalisten, aber für den HSV) dabei ist: Die neue sportliche Leitung redet erst über Personalien, sobald sie entschieden sind. Ich bin daher guter Dinge, dass wir demnächst mit neuen Fakten konfrontiert werden. Rafinha wird nicht dazugehören.

21:46 Uhr

Hammers Sommergeschichte

18. Juni 2010

Es ist Sand in das Getriebe gekommen. Ins Spiel der deutschen Mannschaft. Die Matz-ab-Sommergeschichten aber sind unverändert gut. Heute ist der “Hammer” dran. Ich lasse seinen Text so, wie er mich erreicht hat. Und los geht es:

Sehr geehrter Herr Matz,
ich danke Ihnen und Ihrem Team für einen abendlichen Genuss, der mir zwar schon so manchen Ärger eingebracht hat, aber trotzdem eigentlich jeden Abend wert ist, eine kleine Diskussion auszutragen. Immer, nachdem ich von der Arbeit oder von einer Reise wieder zurück bin, sind die ersten Minuten kurz dem Überblick bei Matz ab gewidmet. Es ist teilweise sehr amüsant wie emotional so manch einer seine Meinung, ob im Recht oder im Unrecht, in diesem Blog verfolgt, wobei manch einer über die Grenzen des guten Geschmacks schreitet, aber meist sind es sehr amüsant verfolgte Diskussionen, die eine sehr sachlich, die andere sehr emotional, aber immer sind es interessant zu verfolgende Diskussionen. Ich danke Ihnen für ihre Informationen, Ihr Herzblut und Ihr Engagement, dass uns allen zu Gute kommt. Ich wünsche Ihnen, dem HSV und allen eine erfolgreiche Saison 2010/2011 im Sportlichen, Beruflichen und Persönlichen.

Wie kommt man als Kind einer alleinerziehenden Mutter (Kölnerin) zum Fußball und zum HSV?

Ich fange am besten kurz nach meiner Geburt an, um eine leicht verrückte, aber kürzere Lebensgeschichte und die entstandene Liebe zum HSV zu erklären.

Ich bin in München geboren, habe dort die ersten fünf Jahre meines Lebens verbracht, inmitten von „Weißwurscht und Weischbier“. Ich esse und trinke dieses auch heute noch, knapp 20 Jahre später, immer noch gerne, aber Flens ist auch okay. Aber zurück zum Fußball. Natürlich ist man in dem Alter noch leicht manipulierbar, und so kam es, dass mein Onkel, der damals an der Säbenerstraße gearbeitet hat, mich öfters mit ins Stadion nahm und ich so natürlich auch dieses rötliche Trikot über meinen, eigentlich tiefblau-gefärbten, Körper stülpte. Dann zogen wir zwischen zwei verfeindete Städte, die auch unterschiedliches Bier brauen – es ging nach NRW. Und ich ging aufs Internat, das aber nicht so schlimm war, wie bei der einen oder anderen Sommergeschichte schon geschildert, es war ein tolles Erlebnis, es waren auch schöne zehn Jahre. In dieser Zeit begann ich dann mit sieben richtig im Verein Fußball zu spielen. Ich begann als Stürmer, aber . . . Mein Trainer sagte mir, dass ich durch meine Kompaktheit und Schnelligkeit sehr gute Chancen habe, beim älteren und besseren Jahrgang zu spielen. Blauäugig wie ich dann mit 12 oder 13 Jahren war, sagte ich zu. Naja, aber in dem Alter hat man meist anderes im Kopf als Fußball. Die erste große Liebe versaute mir den Trainingsauftakt und sorgte natürlich dafür, dass mein neuer Trainer einen super Eindruck von mir hatte. Ich wurde noch vor dem ersten Spiel aus dem Kader geworfen, der Coach sagte mir auch, dass ich nicht mehr wiederkommen solle.

Damit – oder auch dann – ging mein Talent verloren. Ich hatte auch einfach keine Lust mehr, fast jeden Tag neben der Schule zwei, drei Stunden Fußball-Training zu haben. Und so kam es dazu, dass ich mehr mit Freunden aus dem Internat unternahm. In Frankfurt, in München, in Stuttgart, sogar in Mannheim, in Berlin, in Dortmund, auch in London (Arsenal, Chelsea, Tottenham), in Madrid und Barcelona, ja und auf St.Pauli . . .

Mit 16 nahm mich meine beste Freundin dann mit nach Hamburg, sowieso meine Traumstadt, und wusste natürlich, dass ich fußball-addicted bin. Und so besorgte ihr Vater HSV-Karten für uns, es ging gegen Hertha BSC. Ich hatte zu dem Zeitpunkt einen Teil der großen Stadien in Europa besucht, dachte mir nichts Besonderes dabei – aber es kam anders. Das Ding hieß wie eine Internetanbieter . . . -Arena. Ich dachte mir schon Schlimmes, aber an diesem Tag konnte einfach nichts Geniales passieren – bis auf die Spieler des HSV. Es wurde ein unvergessliches Erlebnis. Dieses Stadion. Diese Fans. Diese Atmosphäre. UNFASSBAR.

Heute bekommt man dann noch Lottos Hamburg meine Perle dazu. Es war toll. Bis auf eine Situation. Während des Spiels ging ich kurz nach der Halbzeit (noch vor dem 2:0 durch Marcel Ketelaer; gegen die eigentlich besseren Berliner) voll bepackt bis oben hin die Treppe hoch – und übersehe dabei eine Tüte. Es passierte, was passieren musste, ich rutschte auf genau dieser Tüte aus. Bier, Cola, vier Würste mit Senf und wahlweise Ketchup landen auf meinem Trikot. Bitter. Grausam. Peinlich. Aber das, was eigentlich hätte passieren müssen, nämlich das knackende Geräusch meines auf die Treppenstufen prallenden Kopfes, das war ausgeblieben. Zum Glück. Es tat generell nichts weh. Ich realisierte im ersten Moment gar nicht, dass mir nichts passiert war – bis auf ein paar rote-gelbe Flecken. Der Grund, warum das alles so glimpflich abgegangen war: Ein etwas beleibterer Mann, der hinter mir saß, hatte das nahende Unglück schon kommen sehen, er hatte geistesgegenwärtig sein Bier zur Seite geworfen und mich noch vor dem Aufprall aufgefangen. Eine unglaubliche Aktion!

Ich bin meiner Mutter heute noch immer sehr dankbar, dass sie mich zum Fußball gebracht hat, und dass ich so viele Menschen unterschiedlicher Kulturen kennen lernen durfte. Und dass sie das alles – so lange ich das wollte – auch gefördert hat.

Dieses Spiel gegen Hertha ist ein bis heute unvergessliches Erlebnis für mich. Es brachte mich dazu, diesem Mann natürlich zu danken. Und das Bier, das bei dem Sturz über den Stufen geflossen war, wurde mittlerweile schon des Öfteren zusammen ausgegeben und getrunken. Wer weiß, was passiert wäre, wenn dieser Mann lieber sein Bier festgehalten hätte . . . Es hat sich dadurch eine Freundschaft entwickelt – und auch eine Liebe zu diesem Klub, zum HSV. Leider kann ich nur selten die Spiele live im Stadion miterleben, aber die Erinnerungen an dieses Spiel, an dieses Stadion und an diese Fans werden immer bleiben, sie werden bei Übertragungen aus dem Volkspark immer wieder aus der Gefühlswelt hervor gekramt.

Ich freue mich auf die neue Saison, auch wenn man sie differenziert betrachten muss, und wünsche allen noch eine schöne WM mit der deutschen Mannschaft als Gewinner.

Mit freundlichen Grüßen, Nicolas „Hammer“ Hammer.

15.03 Uhr

In eigener Sache
Pfeil
0  00 : 00 : 00
Tage  Std.  Min.  Sek.