Tagesarchiv für den 16. Juni 2010

Der “Fall Ballack” spitzt sich zu

16. Juni 2010

Der größte Trumpf in der Pokerrunde mit Michael Ballack heißt Hamburg. Die Stadt. Die Alster, die Elbe, der Hafen, das Tor zur Welt – die liebenswürdigen Menschen hier. Davon bin ich fest überzeugt. Ich habe ja die Vermutung und auch die leise Hoffnung, dass der HSV den „Fall Ballack“ bewusst ein bisschen herunterspielt, um noch keine Euphorie aufkommen zu lassen. Irgendwie „sagt“ mir mein Bauch, dass da schon mehr dran ist, als wir ahnen, ohnehin als wir wissen. Und so lange der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft noch bei keinem anderen Klub zugesagt hat, so lange denke ich: Ballack wird Hamburger.

Die Sache mit der Immobilie. Es geschah im November, als Michael Ballack in Hamburg war, um sich mit der Firma Engel&Völkers über eine Wohnung (meines Wissens, und kein Haus) zu unterhalten, zu verhandeln. Einen Tag vor der Beerdigung von Nationaltorwart Robert Enke saßen Ballack und der Engel&Völkers-Mitarbeiter abends im Restaurant „Palazzo“, als dort der ehemalige HSV-Trainer Thomas Doll, Kult-Sänger Lotto King Karl und der frühere HSV-Manager Torsten Walter (in der Ära von Präsident Jürgen Hunke) einliefen. Natürlich wurde sich gegenseitig begrüßt. Und Torsten Walter ließ sich mit Michael Ballack fotografieren, fragte dabei nach dem Grund, weshalb der Chelsea-Profi in Hamburg sei. Walter erinnert sich: „Ich bin hier wegen eines Immobilien-Kaufes, Hamburg ist eine schöne Stadt.“ Und dann sagte, so Walter, sagte Ballack auch scherzhaft: „Und wer weiß es schon, vielleicht spiele ich ja in der nächsten Saison für den HSV.“

Damals konnte er sicherlich noch nicht wissen, dass Chelsea ihn ablösefrei gehen lassen wird. Aber Ballack wusste, dass der HSV schon im Sommer 2009 hinter ihm her war. So wie jetzt. Was die Sache für den HSV (und seine Fans) noch ein wenig interessanter macht: Ballack hat in der Hansestadt einige dicke Freunde wohnen, der Nationalspieler war in der Vergangenheit schon oft auf eine kurze Stippvisite an der Elbe. Deswegen wohl auch der Kauf der Immobilie.

Und, ich kann es nicht oft genug (nur für mich) wiederholen: Denkt an die Sache mit der Rückennummer 13 . . .

Was auch für einen Ballack-Wechsel zum HSV sprechen könnte: Angeblich ist der Milliardär Klaus-Michael Kühne (73) von der Spedition Kühne&Nagel bereit, dem HSV eine stattliche Summe im zweistelligen Millionen-Bereich zur Verfügung zu stellen. Meines Wissen, das soll jetzt kein Scherz und auch keine Spitze sein, soll er damit aber nicht darauf pochen, Mitspracherecht in Sachen Aufstellung zu haben, auch soll er keinerlei Führungsanspruch innerhalb des HSV stellen. Er soll dieses Geld geben, weil er ein großer HSV-Fan ist, und weil er „seinem“ HSV auf die Sprünge helfen möchte. Wenn das tatsächlich alles so sein sollte, dann rufe ich dem Herrn Kühne ein herzliches Willkommen zu. Aber mal abwarten, was sich daraus noch entwickelt.

Ein Satz in diesem Zusammenhang auch noch zu Bernd Hoffmann: Sollte die Sache mit Klaus-Michael Kühne wirklich so laufen, dann hat er einmal mehr bewiesen, dass er wirtschaftlich einer der besten Leute in der Bundesliga ist. Und bevor nun alle Hoffmann-Gegner laut aufheulen und mich zum Teufel wünschen, sage ich auch: Ich bin kein Hoffmann-Fan, ich bin aber auch kein Hoffmann-Gegner. Wenn sich der HSV-Vorstandsvorsitzende nur stets und ständig darauf beschränken würde, den HSV wirtschaftlich (und nicht sportlich!) auf die Beine zu stellen (was ihm ja bislang gut gelungen ist), dann ist Bernd Hoffmann der richtige Mann für den Klub.

Ich weiß genau, dass ich mir mit diesen Aussagen wieder einmal einen Satz roter Ohren abholen werde, aber ich stehe dazu. Wenn es Bernd Hoffmann gelingen sollte, den Herrn Kühne zu dieser riesigen Finanzspritze für den Klub zu bewegen, und wenn dazu der Herr Kühne keinerlei Ansprüche stellt, die den Verein in seiner Form in irgendeiner Weise beeinträchtigen könnte, dann muss, so denke ich (zu naiv?), jeder HSVer damit eigentlich nur einverstanden sein. Es sei denn, er hätte einen noch besseren Mann an der Spitze des Klubs zu bieten, und dieser Mann würde dann auch noch bereit sein, noch viel, viel mehr Geld in den HSV zu schießen.

So, zum Fußball: Die Schweiz besiegt erstmals Spanien, die Spanier verlieren erst zum zweiten Mal seit 2006 ein Länderspiel – und der Verlierer bot dabei noch das vielleicht beste Spiel dieser WM. Diese 95 Minuten (!) waren sehenswert, spannend und dramatisch. Und sie werden den anderen Nation als Beispiel dienen, wie der Europameister doch einmal zu schlagen ist.

Übrigens: Wenn Euch der Name Reto Ziegler aufgefallen ist, dann liegt Ihr richtig mit Euren Vermutungen, dass dieser Schweizer einst auch ein HSV-Spieler war. Er spielte vom 1. September 2005 bis zum 20. Januar 2006 für Hamburg, um dann wieder zurück nach Tottenham zu gehen. So schlecht aber kann Ziegler doch gar nicht gewesen sein, denn er spielt schon seit längerem für das Nationalteam der Schweiz. Und beim HSV hat er es damals nur auf acht kümmerliche Bundesliga-Einsätze gebracht. Rätselhaft. Trainer war zu jener Zeit Thomas Doll.
So, noch einmal nach Südafrika. Dort, und wohl nicht nur dort, ist die Balldiskussion ja gehörig im Gange. Der frühere Nationalspieler Mehmet Scholl befand heute „Irgendwie weiß ich es nicht ganz genau, aber es muss auch am Ball liegen. . .“ Er bemängelte dabei, dass zu viele Schüsse über die Tore fliegen. Was ich, tut mir Leid Herr Scholl, für geradezu lächerlich halte. Es ist gerade so, als würde die Firma Adidas zum ersten Mal einen WM-Ball herstellen. Mein Eindruck ist eher der: Der italienische Torwart Buffon (kein Adidas-Mann) hat vor der WM schon auf den Jubilani geschimpft, und plötzlich stimmten viele Experten in diese Meckerei mit ein. Ich habe diese Pille auch schon einmal in der Hand und auch am Fuß gehabt, ich hatte zuerst den Eindruck, als hätte ich da einen Strand-Ball, den man am Kiosk für fünf Euro kaufen kann, vor mir – aber er war für mich nicht anders als alle anderen seiner Vorgänger. Nur das Aussehen – aber das muss ja auch so sein, wenn es einen „neuen“ WM-Ball gibt.
Dann noch zu einer kuriosen Sache: Eine Gruppe junger und charmanter Damen aus den Niederlanden sorgt bei diesem Turnier für mehr Rummel als die gestrengen Herren der Fifa erlauben. Beim WM-Spiel ihrer Mannschaft gegen Dänemark saßen die Damen in ihren orangenen Mini-Kleidern auf der Tribüne, und an ihren Shirts prangte ein kleiner Aufnäher mit dem Namen Bavaria. Ein Bier aus den Niederlanden. Doch genau dieses Bier ist kein Fifa-Sponsor. Also Schleichwerbung im Sinne der Fifa!? Es soll Anzeige gegen die Brauerei erstattet worden sein, zudem wurden offenbart zwei dieser jungen Damen festgenommen, sie müssen sich nun vor dem Untersuchungsrichter wegen Verstoßes gegen die Fifa-Marketing-Regeln verantworten. Es gibt ja nichts, was es nicht gibt.
Und: Wer gesehen hat, wie die Europäische Fußball-Union Uefa beim Europa-League-Finale (Fulham – Atletico Madrid) unsere schöne Hamburger Arena von links auf rechts gekrempelt hatte, um ja keine fremde Werbung zu gestatten, der weiß dann auch, wie kleinlich, penetrant und energisch die Fifa bei einer WM zu Werke geht. Hoffentlich werden die Damen aus den Niederlanden nicht zu mehrjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Und in dem Zusammenhang: „Unser“ Anwalt, Alexander von Reden, hält sich ja zurzeit in Südafrika auf. Hoffentlich wagt er es nicht, das Stadion in einem T-Shirt von Puma zu betreten. Obwohl: Wenn der gute „Alex“ dann verhaftet werden sollte, dann wüsste er sich wohl schon zu verteidigen.

22.20 Uhr

Nächste Einträge »