Tagesarchiv für den 15. Juni 2010

Neue Brisanz – in 31 Tagen

15. Juni 2010

„Wir arbeiten Tag und Nacht.“ Das sagt HSV-Sportchef. Woran beim HSV derzeit quasi rund gearbeitet wird, liegt auf der Hand: an der Mannschaft 2010. Nur Vollzug wird nicht gemeldet. Noch nicht gemeldet, kann immer noch nicht gemeldet werden. Und wenn ich so an mein Bauchgefühl denke, dann wird das wohl auch noch eine Weile dauern. Die Herren Spieler lassen sich heute eben ein wenig mehr Zeit als früher, denn es könnte ja noch in Wochen oder auch in letzter Sekunde noch ein lukrativeres Angebot eines noch besseren Klubs ins Haus flattern. Es klingt zwar bitter, dürfte aber in der jetzigen Zeit knallharte Realität sein. Das an sich schon harte Profi-Geschäft wird immer härter.

Auch deshalb will der HSV ja einen anderen Weg, ich will nicht neuen Weg sagen, gehen. Anstoß hoch 3. So neu ist dieses Projekt ja nun doch nicht, aber es ist jetzt erstmalig mit ein wenig Leben gefüllt worden. Und das beunruhigt einige (mehr?) Mitglieder, deswegen wird es diese Außerordentliche Mitgliederversammlung geben. Innerhalb von 31 Tagen muss sie nun stattfinden, klingt ein wenig nach der Wahl des Bundespräsidenten, da muss es bekanntlich ja auch innerhalb von 31 Tagen zur Wahl des Köhler-Nachfolgers kommen.

Brisanz bieten beide Daten mehr als genug. Wenn ich hier „Matz ab“ verfolge, so sind einige Mitglieder schon auf 180, andere bewahren noch die Ruhe, wiederum andere HSVer sehen die Versammlung als demokratisch und legitim an.

Die Befürworter der AOMV haben Angst, dass der HSV verändert wird. Sie wollen Aufklärung darüber, wie dieses Projekt genau laufen soll. Offenbar haben diese Leute schon einmal locker angefragt, aber es soll nur eine abweisende Antwort gegeben haben. So in der Art: „Das hat euch nicht zu interessieren.“ Es soll so gewesen sein, ich war nicht dabei. Die HSV-Mitglieder, die nun offiziell erfahren wollen, wie und was genau geplant ist, gehen nicht, so sagen sie, von vornherein auf Konfrontationskurs. Sie behaupten: „Wir wollen dieses Projekt nicht von vornherein ablehnen, wir wollen nur wissen, wie sehr dieses Projekt den HSV verändern könnte – wenn es denn den Klub überhaupt verändern kann.“ Das soll und muss ja nun offenbart werden. Innerhalb von 31 Tagen.

Ich bin gespannt, ob sich der Herr Kühne von diesem „Einspruch“ abschrecken lässt, ob er nun von seinem Vorhaben zurücktritt, dem HSV finanziell unter die Arme zu greifen. Das Kühne-„Gegner“ habe ich vielfach schon hinter der vorgehaltenen Hand gehört: „Kühne gibt Geld für junge Spieler, denen bei ihrer Verpflichtung vom HSV gesagt wird, dass sie in zwei, drei Jahren gewinnbringend zu einem europäischen Spitzenklub transferiert werden, werden sollen.“ Die Angst dieser Mitglieder: „Wir wollen doch alle keine Spieler haben, die vom HSV wie von einem Ausbildungsverein für die Spitzen-Klubs sprechen, die sofort sagen, dass sie sowieso nur ein, zwei Jahre hier in Hamburg spielen, um dann zu einem besseren Verein zu wechseln.“ Die Gegner des Anstoß-Modells fürchten aber, dass der HSV bald nur noch Spieler verpflichtet, die nur ein oder zwei Jahre hier bleiben – dürfen.

Ist da etwas dran? Wir werden es innerhalb von 31 Tagen wissen. Und bis dahin bitte ich jeden und alle, nicht in sämtliche Extreme zu verfallen. Bleibt sachlich, keilt nicht nach links und nicht nach rechts aus, nicht nach oben und nicht nach unten. Ihr könnt jetzt nichts mehr an dieser Entscheidung ändern, die Versammlung kommt – und dann kann jeder so argumentieren, wie er es für richtig hält. Hier aber davon zu sprechen, dass dieses oder jenes HSV-Mitglied untragbar ist, hier davon zu sprechen, dass die meisten „Matz-abber“ gegen die Abteilung Supporters sind, halte ich für absolut übertrieben, überzogen und auch für falsch.

So, zum sportlichen Teil der Veranstaltung. Heute haben sich einige Herren des Aufsichtsrates mit dem Herrn Kühne getroffen, auch Bernd Hoffmann war dabei. Es sollte nur ein erstes „Beschnuppern“ sein, es sollte nicht über die finanzielle Seite des eventuellen Transfers von Michael Ballack gesprochen werden. Ob dieses Treffen letztlich tatsächlich so verlaufen ist, vermag ich nicht zu sagen – ich weiß nur von diesem Vorhaben. Nach wie vor halte ich Ballacks Verpflichtung ja für möglich, obwohl ich auch weiß, dass der HSV allein einen solchen Vertrag niemals wird „wuppen“ können, denn die Kasse gibt dieses Geld einfach nicht mehr her. Das sind die Fakten, auch wenn sie nicht jedem von Euch schmecken werden. Ballack aber ist eine noch größere Größenordnung als Ruud van Nistelrooy, und an dieser Verpflichtung hat der HSV noch genug zu knabbern.

Unabhängig davon: Wenn hier im „Matz-ab-„Blog schon davon die Sprache war, dass sich Ballack vor einigen Wochen in Hamburg nach einer Immobilie umgesehen hat, so muss ich diese Meldung nun unterstützen. Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber es ist (wohl doch) Tatsache. Es soll von diesem (Kauf-)Gespräch sogar ein Foto geben, das Ballack im „Palazzo“ zeigt. Und dann, es geht mir nicht aus dem Sinn, die fehlende Trikot-Nummer 13 von Robert Tesche . . . Ist das alles nur Zufall?

Ich muss aber auch zugeben, dass mich die „Geschichte Ballack“ ein wenig an 1980 erinnert. Damals wurde der 35-jährige Franz Beckenbauer von Cosmos New York nach Hamburg geholt. Der HSV hätte sich „den Kaiser“ nicht leisten können, natürlich nicht, denn er war schon damals notorisch klamm, aber er hatte einen solventen Sponsor: BP. Der Energie-Konzern holte Beckenbauer an die Elbe, spannte die „Lichtgestalt“ vor seinen Werbe-Karren – und das Ding war geritzt. Ich war damals schon HSV-Reporter und war, so glaube ich, bei Beckenbauers erstem BP-Termin als HSV-Spieler dabei. Der Franz kehrte (für BP und den HSV) ins Klubhaus des SV Henstedt-Rhen ein, um sich den jugendlichen Fußballern zu stellen. Ich erinnere es noch genau, denn ich habe mich damals sehr geärgert. Grund: Die blutjungen SVHR-Spieler erhielten alle ein eiskaltes Getränk ausgegeben: Cola. Ich habe mir damals gesagt, dass ein so erfahrener Mann wie Franz Beckenbauer eigentlich wissen müsste, welches „Gift“ dort an die kleinen Knaben ausgeschenkt wurde – aber es war dann ja nicht mehr zurückzudrehen. Immerhin habe ich einem BP-Mitarbeiter gesagt, dass er bitte bei den künftigen Terminen mit Jugendlichen daran denken solle.

Was ich aber mit dem Beckenbauer-Transfer sagen will: Auch damals kam die Hilfe für den HSV von außen. Und diese Verpflichtung hatte natürlich auch eine enorm große Außenwirkung, der HSV und BP waren wochenlang in aller Munde. Und BP nahm damals – natürlich – keinerlei Einfluss auf den Klub, natürlich auch keinen Einfluss auf die sportlichen Dinge rund um das Bundesliga-Team. Wenn BP nun mit dem Herrn Kühne (es ist nicht der Senf, sondern die Spedition Kühne und Nagel) gleichzusetzen wäre, dann . . . In 31 Tagen wissen wir spätestens, wohin der (HSV-)Hase laufen wird.

Diese Frage wäre übrigens auch auf den einen oder anderen WM-Teilnehmer des HSV zu stellen. Wenn ich mich an die letzten Tage erinnere, dann war es so, dass stets und ständig behauptet wurde: „Den Guy Demel werden wir nicht mehr in Hamburg sehen, der wird nach dieser WM den Verein wechseln.“ Wieso eigentlich? Heute hat Demel nach vorne so gespielt, wie beim HSV. Und nach hinten war seine Leistung solide. Das ist für mich kein Grund, ihn „kampflos“ abzugeben. Demel war doch einst, als er zum HSV kam (nicht als Stammspieler von Borussia Dortmund!), eine Stütze dieser Mannschaft. Vielleicht kann Trainer Armin Veh da ja doch noch etwas wecken, was wie nach einer neuen Kraft in Guy Demel aussieht. Ich gebe die Hoffnung noch nicht auf.

Das gilt auch für Dennis Aogo, der ja angeblich von italienischen Klubs umworben wird. Erstens ist da nichts offiziell, zweitens denke ich, dass dieser Dennis Aogo intelligent genug ist, um zu wissen, dass Italien nun alles andere als eine gute Adresse ist. Juventus Turin zum Beispiel lebt hauptsächlich noch von seinem vor vielen Jahren erworbenen guten Ruf. Die Zuschauerzahlen in Italien sind rückläufig (und mit der Bundesliga nicht vergleichbar), und nicht zuletzt hat das Beispiel Thomas Hitzlsperger (zu Lazio Rom) gezeigt, dass es nicht erstrebenswert ist, in das Land des Noch-Weltmeisters zu wechseln. Ich halte Aogo zudem für einen bodenständigen Typen, er wird genau wissen, was er an Deutschland und an Hamburg hat.

Kurz noch ein Abstecher nach Südafrika. Zu Blatters „bester WM aller Zeiten“. Was sind das nur für Gurkenspiele? Habt Ihr bei Elfenbeinküste gegen Portugal mal auf die Standards geachtet? Wie beim HSV: Von zehn Eckstößen der Portugiesen landeten neun beim ersten am Fünfmeterraum stehenden Ivorer. Es war zum Davonlaufen. Und wir meckern (auch ich!) immer über den HSV. Anscheinend ist es doch nicht so einfach, einen guten Eckstoß zur Mitte zu bringen.
Und dann noch Brasilien! Wahnsinn. Das war doch nicht Brasilien, oder? Das war doch nie und nimmer Samba-Fußball gegen Nordkorea, das war doch nur Mittelmaß – wenn überhaupt. Nein, nein, da muss noch eine gewaltige Steigerung von den ganz großen Titelfavoriten kommen, damit diese WM noch auf ein gutes Niveau gehoben werden kann.

PS: Fast vergessen. Der Herr Björn Moser sagt ja jetzt schon am zweiten Tag, ich hätte ihn “genötigt” zu sagen, dass “DJ Ötzil” wirklich “Weltklasse” war – im Spiel gegen Australien. Das entspricht nicht den Tatsachen. Ich habe den Herrn Björn Moser lediglich darauf hingewiesen, dass der Herr Magath den Herrn “DJ Ötzil” überragend fand, und ich fand ihn auch überragend, den Herrn “Ötzil”. Und der Bundestrainer war ebenfalls unserer Meinung. Und der Herr Björn Moser war eben anderer Meinung. Das darf er natürlich auch sein, aber er sollte auch andere Meinungen bitteschön gelten lassen. Und von “Weltklasse” hat keiner gesprochen. das war nur bei Roberto Blanco: “Ein bisschen Spaß muss sein . . .”

22.45 Uhr

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