Tagesarchiv für den 12. Juni 2010

Aogo weckt Interesse

12. Juni 2010

Momentan redet alles über die große, weite Fußballwelt, die sich in Südafrika versammelt hat, um die WM auszuspielen, dabei gibt es auch in unserer schönen Stadt Hamburg auch noch vermeldenswerte Geschichten. Eine davon muss ich Euch jetzt, kurz nach dem Fauxpas des englischen Torhüters gegen die USA, erzählen, auch wenn sie sich nicht um den HSV, sondern um den HFV (Hamburger Fußball-Verband) dreht. Es ist eine Geschichte zum Schmunzeln – und passt daher bestens in die Reihe der wirklich liebevoll zusammengestellten und aufgeschriebenen Sommergeschichten.

In dieser Woche stand auf dem Sportplatz im Sternschanzenpark das Finale der Hamburger Meisterschaft in der Altersklasse Alte Herren statt, bei dem sich Post SV und Germania Schnelsen gegenüberstanden. Das Duell war hochklassig, es war auf Augenhöhe, und es ging in die Verlängerung. Dann, nach einer Minute der Zusatzspielzeit, kam ein Spieler auf Schiedsrichter Gerd Müller vom SC Urania zu und bat ihn um eine Spielunterbrechung wegen eines Loches im Rasen. Müller, seit 50 Jahren an der Pfeife, schaute sich das Loch an und erschrak, als sich herausstellte, dass dort mitten auf dem Spielfeld ein unterarmtiefes Loch mit einem Kaninchenbau am Ende war – und in der tierischen Unterkunft auch noch zwei Hoppler hausten. Was tun? Der Torwart von Post machte sich quasi in Schutzkleidung (weil: Handschuhe) zum Loch auf. Ein Kaninchen raste schon vor seiner Ankunft aus dem Loch heraus und quer über den Platz in die Grünanlagen. Beim ersten beherzten Griff in den tiefen Tunnel flutschte das zweite Tierchen (wie der Ball gerade beim englischen Green-Keeper…) aus der Hand und wollte auch gerade entwischen, doch in bester Torwart-Manier hechtete der gute Mann dem Kaninchen hinterher, erwischte es und trug es anschließend vorsichtig in die Grünflächen hinter der Sportplatzumzäunung. Der Platzwart stopfte das wirklich riesige Loch mit Sand, Schiedsrichter Müller strahlte – und das Spiel wurde tatsächlich zu Ende gebracht.

Wie es endete? Enttäuschend für den mutigen Postkeeper. Der musste nämlich in der letzten Minute der Verlängerung doch einmal hinter sich greifen, weil ein Germanen-Schuss ihn überwand. Kaninchen bekommen, Titel verloren: Das alles fand übrigens bei strömendem Regen statt. Ein kurioses Erlebnis der Sonderklasse, oder? „Ich habe so etwas noch nie erlebt“, sagte Müller am Ende.

Ich habe diesen Satz heute auch ein paar Mal von mir gegeben. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, in welchem Zusammenhang. Im Fall Michael Ballack. Einige von Euch scheinen ja wirklich nach wie vor zu glauben, dass es sich bei der Personaldebatte und den dazugehörigen Diskussionen um eine Sommerloch-Ente handelt. Ich schwöre Euch: Das ist es nicht. Der HSV-Vorstand um Sportchef Bastian Reinhardt hat Gespräche mit Ballacks Berater Becker (nicht Boris!) geführt, dabei die nicht gerade bescheidenen Gehaltsvorstellungen des Mittelfeldspielers erfragt, und diskutiert seither intern die Finanzierungsmöglichkeiten. Mit Ballack selbst soll Reinhardt auch schon eine Art Zwei-Ohren-Gespräch via Handy geführt haben.

Was ich noch nie erlebt habe, ist die Zerrissenheit innerhalb der Matz-abber-Gemeinde, aber auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, was die Meinungen zu einer möglichen Ballack-Verpflichtung betrifft. Ich sage es jetzt mal so, wie ich es nach vielen Gesprächen und Diskussionen und Überlegungen betrachte: Sollte der HSV Ballack bekommen, wäre das eine Superverpflichtung. Dieser Klub, diese Mannschaft kann einen Leader wie die Nummer 13 gebrauchen. Natürlich ist Ballack nicht mehr der Jüngste, und der HSV würde ihn auch ganz bestimmt nicht für horrendes Geld weiterverkaufen können. Trotzdem überwiegen meiner Meinung nach die positiven Aspekte. Mit einer Einschränkung: Ich glaube nicht, dass man als HSV dann in die Saison mit drei Oldies und Topverdienern der Marke Ruud van Nistelrooy, Zé Roberto und Michael Ballack gehen könnte und sollte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Diskussion über den Brasilianer dann noch einmal geführt werden müsste. Andernfalls wäre der HSV vielleicht doch etwas zu alt aufgestellt.

Noch eine Personalie, die mir in den vergangenen Tagen, nein, sogar Wochen Kopfzerbrechen bereitet hat, ist die des Dennis Aogo. Der Jung-Nationalspieler, dem ich in Südafrika die Daumen drücke, dass er mehr sammelt als tolle Eindrücke von draußen, wird verstärkt mit Vereinen aus der Serie A in Verbindung gebracht. Aus gutem Grund: Nach wie vor sucht halb Fußball-Europa nach qualitativ hochwertigen, nicht zu alten, modernen und taktisch gut geschulten Außenverteidigern. Und zu denen gehört Aogo trotz seines Leistungseinbruchs in der zweiten Hälfte allemal.

Der HSV befindet sich in einer echten Luxusposition, denn er hat zwei dieser Profis in seinen Reihen: Marcell Jansen und Aogo. Da für die linke Offensivseite mit Eljero Elia und eventuelle auch Piotr Trochowski bereitstehen, kann ich mir sogar vorstellen, dass die HSV-Bosse inklusive Trainer Armin Veh angesichts der nur zwei zu absolvierenden Wettbewerbe (Bundesliga und DFB-Pokal) über eine Offerte aus der Ferne ernsthaft nachdenken würden – sofern sie angemessen ausfällt und auch offiziell auf der Geschäftsstelle eingeht. Und das ist meines Wissens bis heute nicht geschehen. Milan und Juve müssten also mal einen ersten Schritt wagen, um wirklich ernsthaft über dieses Thema schreiben und sprechen zu können.

So, mehr gibt es heute nicht von mir. Ich hoffe wie Ihr, dass die „UweSeelers“ (Vuvuzelas) keinen Einzug in die Bundesliga und schon gar nicht in die Imtech-Arena halten werden – das wäre ja nicht auszuhalten. Darum richte ich schon jetzt einen kleinen Appell an alle meine Kollegen, die Schlagzeilen in Übergröße verbreiten. Bitte verzichtet nach einem Zu-Null-Sieg gegen Australien (den ich erhoffe) auf Wortspiele wie „Vu-Vu-Vunderbar“ oder „Sieg gegen trötend langweilige Australier“, denn dann kämen irgendwelche geistreichen Marketingleute bestimmt auf die Idee, diese Dröhntüten für Deutschland herstellen zu lassen. Bitte nicht.

22.00 Uhr

Der Weihnachtsmann des HSV

12. Juni 2010

Und weiter geht es. Die Reihe der Sommergeschichten wird auch heute fortgesetzt. Erschreckt bitte nicht wenn Ihr jetzt schon mit dem Weihnachtsmann konfrontiert werdet, es ist natürlich noch nicht soweit. Unser Matz-abber Tostedt hat eine ganz besondere Geschichte erlebt, eine, von der hier vielleicht viele User träumen. Und die hat er für uns aufgeschrieben. Viel Spaß. Und vielen, vielen Dank, lieber Tostedt, für Deine Mühe.

Hallo Dieter, hallo Matz-abber,

hier schreibt der treue Leser Tostedt. Ich duze Euch einfach mal, denn ich kenne Euch nun schon ziemlich lange ;-). Ihr/Du mich wohl nicht, denn ich lese diesen Blog zwar sehr gerne, schreibe aber relativ selten. Ehrlich gesagt, lese ich mittlerweile fast nur noch den Blog und schaue nur noch sporadisch in die Diskussionen, weil es einfach zu aufwendig ist, sich alles durchzulesen. Da ich zwei kleine Kinder zu Hause habe und auch selbst noch sportlich aktiv bin, sowie in unserem neuen Garten noch Unmengen von Projekten vor mir habe, schaffe ich es einfach zeitlich nicht. Obwohl meine Frau bei mir zwischendurch schon eine Internetsucht vermutet hat (Das ist die Wahrheit ;-)).

Wie ich zwischendurch erfahren durfte, kennst Du, Dieter, ja sogar Tostedt. Deiner rührenden Geschichte nach zu urteilen hast Du hoffentlich nicht nur schlecht Erinnerungen an Tostedt.

Ich schreibe Euch/Dir (wem schreibe ich denn jetzt eigentlich?), da ich eine kleine Geschichte von und mit dem HSV erlebt habe, die ich gerne zum Besten geben möchte. (Wobei ich mir unsicher bin, inwieweit ich darüber schreiben darf. Vielleicht dringt es ein wenig zu tief in den Privatbereich einiger Spieler ein. aber ich lege einfach mal los.

Es ist eine Weihnachtsgeschichte – und für mich ist es ein wahr gewordener Traum. Anders kann ich es gar nicht beschreiben. Also, zur Geschichte:

Es fing Ende November mit einem Anruf an. Meine Schwester rief mich eines Abends an und fragte ob ich Lust hätte, bei einer Weihnachtsfeier vom HSV den Weihnachtsmann zu spielen. Im ersten Moment dachte ich natürlich an DIE Weihnachtsfeier von HSV, sagte aber gleich zu mir selbst :“So ein Schwachsinn, wie kommst du auf so den Gedanken, dass mich jemand bei der HSV-Weihnachtsfeier als Weihnachtsmann haben wollte?!“ Im Laufe des Gesprächs stellte sich aber heraus, dass es sich tatsächlich um genau diese Job handelt! Ich war komplett ungläubig und fragte wie es sein kann, dass dieser Job noch nicht seit fünf Jahren vergeben ist? Aber die Begründung war gut: Der Mann ihrer Freundin (Georg) hat in seiner damaligen Studentenzeit zwecks Gelderwerbs eine Weihnachtsmannzentrale gegründet und die betreibt er noch heute nebenbei. Er wurde von Marinus Bester angerufen, ob er kurzfristig noch einen Weihnachtsmann für die Weihnachtsfeier vom HSV hat. (Marinus hatte ihn Jahre vorher für seine eigenen Kinder engagiert und sich an ihn erinnert). Tja, er hat dann natürlich zugesagt und hatte in seiner Zentrale keinen geeigneten bzw. freien Mann für dieses Event. Da kam er auf die Idee, den Mann meiner Schwester zu fragen (der rein physikalisch ausgesprochen gut in Rolle gepasst hätte 😉 ) Der hat aber gleich abgewiegelt. Er traute sich das nicht zu, auch weil er mit Fußball nicht viel am Hut hat und die Mannschaft deswegen auch nicht kennt. Auf die Nachfrage, ob er nicht jemanden wüsste, hat meine Schwester mich und meinen Bruder genannt.

Es dauerte einige Zeit, ich glaubte schon gar nicht mehr daran, aber er rief tatsächlich an. Wir unterhielten uns kurz. Zuerst ein wenig Smalltalk und dann auch schon die Infos: Es geht um den Job bei der Weihnachtsfeier. Er suche einen HSV Fan, der die Spieler kennt und auch Erfahrung mit Weihnachtsmannauftritten hat. „Habe ich“ sage ich. „Gut“ sagte er, “hast du Lust?“  Ich konnte nicht anders, so eine Chance kommt wohl nie wieder: „Ja, natürlich!!!!“ „Alles klar“ sagt er,“ dann lass uns mal einen Termin machen. Ich kommen bei dir vorbei und dann kleiden wir dich mal richtig ein“

Ein paar Tage vor der Weihnachtsfeier ist er dann vorbeigekommen und hat die Ausrüstung in mehrfacher und unterschiedlicher Ausführung dabei. Da ich ein schlanker Gesell bin, habe ich das am dicksten ausgestatte Kostüm bekommen.

Es war zwar nicht mehr lange hin und zum Glück bin ich meistens immer erst kurz vor einem solchen Auftritt nervös, aber Diesmal hat es mich aber schon Tage vorher ‚gepackt’! In der Firma habe ich mir drei Sätze von meinen Kollegen in Französisch, Tschechisch und Spanisch übersetzen lassen. Leider habe keinen holländischen Kollegen…

Diese Sätze habe ich dann gebüffelt und wirklich erst kurz vor dem Auftritt hatte ich sie einigermaßen drauf. Ich bin also an dem Tag (es war ein Sonntag) nach Hamburg gedüst (ich wohne in Tostedt, wie mein Nick schon andeutet…) und hatte schon während der Fahrt schweißnasse Hände. Ich war pünktlich vor Ort und habe auf Georg gewartet. Vor der Tür habe ich schon Jerome Boateng stehen und telefonieren sehen. Heimlich hab ich ihn beobachtet: Es schien mir, dass Fußballstars auch nur Menschen sind… Beruhigte mich aber keineswegs. Ich wurde immer nervöser. Georg kam dann endlich. Worauf habe ich mich eigentlich eingelassen? Wie kam ich auf die Idee ich wäre ein guter Weihnachtsmann? Keine Ahnung, aber weglaufen geht gar nicht, er kennt meine Schwester…. Wir begrüßen uns und kurz darauf Hat Georg auch schon Marinus Bester am Telefon. Nach einer kurzen aber kalten Wartezeit kam Marinus raus und begrüßte uns. Ein wirklich netter Vertreter seiner Zunft mit einem sehr kräftigen Händedruck! Durch den Hintereingang und damit mitten durch die Vorratskammer sind wir nach drinnen in die Umkleidekabine gekommen. Vor mir hat ein Zauberer seine Show abgeliefert. Ziemlich professionell. Ich werde immer kleiner. Warum habe ich überhaupt zugesagt???

Naja, umziehen ging schnell. Die Mütze mit den weißen Haaren hat ziemlich gekratzt, aber Georg hat sie dann in die richtige Position bekommen. Wir sprechen noch ein paar Minuten und dann kommt Marinus noch mal rein. Wir gehen aus der Umkleide raus und auf dem Gang kommen mir schon Paolo und Joris entgegen. Ich gebe beiden die Hand und bekomme freundliche Worte mit auf den Weg. (Zum Glück habe ich da schon meine weißen Handschuhe an ;-)) Vor lauter Nervosität hatte ich vergessen Mathijsen auf mein Hühnchen anzusprechen. Das Hühnchen, das ich noch mit ihm rupfen wollte. (Nebenbei: mein zweiter Sohn heißt Joris. Auf der langen, langen Suche nach einem Namen bin ich irgendwann auf die Namen der HSV-Spieler gestoßen. Nach einigen Wochen haben wir uns dann auf Joris geeinigt (ein toller Name, er nennt sich selbst immer Jojo ;-), total süß!). Am Morgen der Geburt bin ich dann taumelnd vor Glück und schwankend vor Müdigkeit zu meinen Eltern und habe dort mit ihnen gefrühstückt. Ich weiß es noch als wäre es gestern gewesen: in der Zeitung habe ich dann gelesen, dass Joris Mathijsen an genau diesem Tag seinen Geburtstag feiert! Und witziger Weise heißt unser erster Sohn Mathis. Das wollte ich natürlich mit Herrn Mathijsen teilen, aber leider hat er nie eine Antwort geschrieben…)

Zurück zur Weihnachtsfeier. Ich stehe schon im Gang und einige der kleinen Kinder haben mich schon entdeckt und reißen ganz erstaunt die Augen auf. So gut habe ich als Weihnachtsmann aber wirklich noch nie ausgesehen! Nutzt aber immer noch nichts… ich bleibe total angespannt. Marinus klärt mich auf: Wenn das nächste Weihnachtslied erklingt, dann soll ich loslegen. Ich stehe in Lauerposition und warte auf das Lied. Es erklingt… ich würde am liebsten umdrehen und nach Hause fahren… Geht aber natürlich nicht. Scheiße…scheiß drauf… einfach los!

Ich gehe los:„ Ho Ho Ho!“ rufe ich. Niemand guckt mich an… Nochmal:“HoHoHo!“ Links sitzen Hoffmann und Kraus mit noch irgendjemanden. Sie gucken nur kurz auf. Weitere Stühle und Tische auf der linken Seite. Weiter vorne links erkenne ich die Tschechenabteilung: Jarolim und Rozenal. Rechts von mir eine Wand. Ich gehe weiter und rufe wieder mein „Ho Ho Ho“ habe aber das Gefühl, das mich immer noch niemand so richtig wahrnimmt. „Oh man wie peinlich“, dachte ich, „ich spiel hier den Weihnachtsmann und niemand bemerkt mich“ Die Wand auf meiner rechten Seite wird zur Ecke und ich kommen nun vollends in den Raum rein. Es erschlägt mich fast. Der Raum wirkte riesengroß und gefühlte 300 Leute guckten mich an…

„Ho Ho Ho…“.

Ich gehe einfach weiter, was bleibt mir anderes übrig. Ich sehe Frank Rost, Labbadia und Reitmaier. Fast alle lächeln mich an! Puh, es geht ein bisschen besser! Ich gehe ganz nach vorne durch, lasse alle Kinder zu mir kommen und habe natürlich das goldene Buch nicht vergessen. Dort steht auch der Gabentisch. daneben haben sich hauptsächlich Spieler mit der etwas dunkleren Hautfarbe niedergelassen. Ich entdecke Rincon. Ich lasse den Spruch:“ Feliz Navidad „fallen (Fröhliche Weihnachten auf Spanisch). Keine Reaktion… Erst zwei Sekunden später guckte Rincon leicht erschrocken hoch und bedankte sich ganz pflichtbewusst. Aus dem Augenwinkel sehe ich noch, wie er einem Kollegen gleich erzählt hat, dass der Weihnachtsmann Spanisch mit ihm gesprochen hat. Hehe, der war schon mal gut! Als erstes singen wir ein Weihnachtslied mit den Kindern. Es wird: Oh Tannenbaum. Oh man… keiner singt mit, hervorragend…Ich kratze mich kurz am Kopf… Aber dann kommt Marcell Jansen zu mir:“ Kommt Weihnachtsmann, wir machen mal Stimmung hier!“ Zusammen rocken wir den Laden 😉 Echt ein klasse Typ der Marcell!!

Als nächstes lese ich eine Geschichte vor. Dazu wird mir ein Mikrofon an den Mund gehalten und los geht’s. Alles guckt auf mich aber ich bleibe cool und konzentriere mich auf die Geschichte. Es geht alles gut, keine Versprecher und kein Gestottere! Allerdings war die Geschichte überhaupt nicht für die kleinen Kids (˜2 – 6 Jahre) gemacht. Egal, gut vorgelesen und die netten Damen und Herren grinsen mich auch noch immer alle an. Kann ja doch nicht so schlecht gewesen sein!

Als nächstes sind die Geschenke dran. Ich stehe am Gabentisch und Marinus gibt mir die Geschenke und liest mir leise die Namen der Kinder vor. Leider konnte ich nicht erkennen, ob mich eines der Kinder vielleicht gar nicht versteht. Nach zehn Minuten bin ich mit dem Verteilen der Geschenke auch fertig. Bis auf ein Kind haben sich alle zu mir getraut. Ganz gute Quote! Während ich langsam meinen Rückzug antrete, kommen einige Kinder mit ihren Eltern und lassen sich mit mir fotografieren. Bei den meisten ist es umgekehrt. Jaja, der Weihnachtsmann ist eine Respektsperson! Dabei wurde mir nochmal meine Mütze zurechtgerückt, mit dem Hinweis, dass mir schon während der Weihnachtsgeschichte die Haare unter meiner Mütze hervor lugten… Prima, denke ich, dann weiß ich jetzt ja auch, warum ich von den Damen und Herren vorne so nett angelächelt worden bin… Naja, was solls.

Von Marinus kommt noch ein tolle Geste: er nimmt mich an die Seite und bringt mich mit Frank Rost zusammen:“ Hey Frank, lass dich mal mit dem Weihnachtsmann fotografieren“ Der Frank ist total nett. Hört sich blöde an, ist aber so. Absolut freundlich und sympathisch! Darüber hatte ich mich sehr gefreut. Auf dem Weg nach hinten bin ich dann wieder an dem Tisch von Jarolim und Rozenahl vorbeigekommen. Ich lasse ein:“ Veselé Vánoce“ fallen (ausgesprochen: wäsälä vanoootze, fröhliche Weihnachten) Danach hatte ich nur gehört, wie Jarolim Rozenahl fragte:“ Ist das Miroslav, oder was??“ hehehe das war auch gut. Gemeint war natürlich Miroslav Stepanek.

Es werden die letzten Bilder gemacht, ich werde kaum noch beachtet und dann gehe ich endgültig aus dem Raum.

Puh…

Ich war total froh es geschafft zu haben. Die Erleichterung war wirklich groß. Das T-Shirt konnte ich nachher auswringen, dafür hatte ich einen stechenden Durst.

Ich wäre gerne etwas spontaner gewesen und hätte eigentlich vorher ein paarmal Weihnachtsmann üben müssen, aber insgesamt war ich doch zufrieden mit meiner Leistung. Im Nachhinein fallen einem hunderte von Alternativen ein, die man hätte sagen oder machen können. Aber das zählt ja nicht. Es ein für mich ein aufregender Nachmittag mit vielen unvergesslichen Eindrücken vom HSV geworden. Ich war der Weihnachtsmann des HSV.

Herzliche Grüße, Euer Marcus

15.23 Uhr

Wo soll das Geld herkommen?

12. Juni 2010

Hat die WM schon begonnen? Ein kleiner Spaß, ich habe immer noch das Gedröhne der „Uwe Seelas“ in den Ohren. Mein Kollege Christian Pletz rief mich vorhin an und sagte, er habe erstmal die ganze Terrasse nach einem Bienennest abgesucht, weil er bei offener Tür das Auftaktspiel geschaut habe. Diese Trötendinger lassen wirklich keine echte bzw. europäische Fußballstimmung aufkommen. Das ist wirklich gewöhnungsbedürftig. Ein bisschen Freude kam bei mir trotzdem auf. Vor allem während der Werbepausen, in denen Uns Uwe zweimal alle Dinge von seiner Einkaufsliste „reinmachen“ konnte. Da musste ich dann doch schmunzeln.

Was die Qualität der Auftaktpartien betrifft, bin ich noch nicht ganz schlüssig. Mexiko hat stark begonnen und dann stark nachgelassen, Südafrika gefiel mir zeitweise auch recht ordentlich – aber von Frankreich und Uruguay bin ich maßlos enttäuscht. Vor allem Frankreich strahlt in Strafraumnähe und im Sechzehnmeterraum so wenig echte Torgefahr aus: Das ist angesichts dieses Kaders doch wirklich eine Schande.

Aber wir Hamburger kennen das ja. Guter Kader, wenig Ertrag. Da müssen wir durch. Und gerade jetzt sorgt ein riesiges Thema für die Schlagzeilen der Stadt. Ja, Ihr wisst schon, was ich meine: Michael Ballack. Nach meinem Spontankommentar heute Mittag hat mein Telefon nicht mehr still gestanden. Die Anrufe und Mails waren kontrovers. Einige rieten mir, den Verantwortlichen die Augen zu öffnen und alles dafür zu tun, dass der angestrebte Transfer nicht zustande kommt, weil Ballack jawohl nicht die Zukunft des HSV sein kann. Andere baten mich, die Verantwortlichen weiter zu ermutigen, diesen großen Schritt zu gehen und die Nummer 13 wirklich an die Elbe zu lotsen. Und alle wollten natürlich Neuigkeiten erfahren, geheime Infos, Details.

Ich muss Euch alle ein wenig enttäuschen. Erstens ist mein Einfluss auf die Verantwortlichen des HSV doch sehr arg begrenzt, ich würde sogar eher von einem Nullwert sprechen, und zweitens kann ich Euch nicht sonderlich viele Neuigkeiten verkünden, nur ein paar Kleinigkeiten. Aufgrund dieser neuen Erkenntnisse muss ich allerdings festhalten, dass die Chancen des HSV auf eine Vertragsunterschrift Ballacks wohl doch eher auf 30 Prozent gesunken sind. Was? Warum? Wieso? Es gibt eine einzige, einfache und logische Antwort auf diese Fragen: das liebe gute Geld.

Viele von Euch denken ja wahrscheinlich, dass das Projekt Anstoß hoch drei für diese Art Transfer eines Superstars dienen sollte. Das ist meines Wissens nach aber nur zum Teil richtig, denn für die Investoren sollen Verpflichtungen dieser Art ja auch einen Gegenwert haben. Und da soll es nach meinen Informationen unterschiedliche Auffassungen zur Person Ballack geben. Der Wiederverkaufswert des 33-Jährigen tendiert gen Null. Das heißt, dass seine Verpflichtung für Investoren wie Kühne, Karan oder auch Otto eine reine Liebhaberei wäre. Darum sollen Großteile des namhaften Investorenpools auch eher gegen einen Spieler wie Ballack sein.

Für den Vorstand um Bernd Hoffmann bedeutet das für den Fall, dass sich die sportliche Leitung für eine Verpflichtung von Michael Ballack ausgesprochen hat – und davon gehe ich aus -, dass die Klubchefs vor einer heiklen Frage stehen. Diese lautet: Wie bekomme ich vier bis sechs Millionen Euro zusammen, die aktuell nicht in der Vereinskasse vorhanden sind, um die Gehaltsgröße Ballacks wuppen zu können? Und da es sich bei dem angestrebten Kontrakt für den deutschen Nationalspieler wohl eher um einen Zweijahresvertrag handelt, müssen insgesamt sogar eher acht Millionen aufgetrieben werden. Es sei denn, einer der aktuellen Topverdiener (z.B. van Nistelrooy, Zé Roberto) wird entgegen vorheriger Planungen doch noch veräußert.

Ihr merkt: Es gibt noch jede Menge Ungereimtheiten im Fall Ballack. Ich weiß, dass sich die Verantwortlichen ins Zeug legen werden. Ich weiß aber auch, dass der Aufsichtsrat, der bislang übrigens noch nicht zur Personalie Ballack befragt wurde, pingelig genau auf die wirtschaftliche Machbarkeit eines solchen Transfers achten würde und wird. Das Letzte, was die Kontrolleure nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen wollen, ist eine Diskussion, ob der HSV unkalkulierbare Risiken eingeht.

Ich gehe heute kein Risiko mehr ein und gebe daher kein abschließendes Urteil ab. Ob Felix Magath tatsächlich zu Red Bull Leipzig wechseln wird, konnte ich leider nicht mehr in Erfahrung bringen. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass er es in Erwägung zieht. Bei Schalke 04 war er zuletzt ziemlich frustriert, weil er den nächsten Schritt zur Verbesserung des Kaders für die Champions League mangels Geld nicht angehen kann. Und es ist ein offenes Geheimnis, dass Red Bull Boss Mateschitz schon vor einiger Zeit ein Auge auf den Erfolgstrainer geworfen hat. Lassen wir uns mal überraschen.

0:05 Uhr