12. Juni 2010
Und weiter geht es. Die Reihe der Sommergeschichten wird auch heute fortgesetzt. Erschreckt bitte nicht wenn Ihr jetzt schon mit dem Weihnachtsmann konfrontiert werdet, es ist natürlich noch nicht soweit. Unser Matz-abber Tostedt hat eine ganz besondere Geschichte erlebt, eine, von der hier vielleicht viele User träumen. Und die hat er für uns aufgeschrieben. Viel Spaß. Und vielen, vielen Dank, lieber Tostedt, für Deine Mühe.
Hallo Dieter, hallo Matz-abber,
hier schreibt der treue Leser Tostedt. Ich duze Euch einfach mal, denn ich kenne Euch nun schon ziemlich lange
. Ihr/Du mich wohl nicht, denn ich lese diesen Blog zwar sehr gerne, schreibe aber relativ selten. Ehrlich gesagt, lese ich mittlerweile fast nur noch den Blog und schaue nur noch sporadisch in die Diskussionen, weil es einfach zu aufwendig ist, sich alles durchzulesen. Da ich zwei kleine Kinder zu Hause habe und auch selbst noch sportlich aktiv bin, sowie in unserem neuen Garten noch Unmengen von Projekten vor mir habe, schaffe ich es einfach zeitlich nicht. Obwohl meine Frau bei mir zwischendurch schon eine Internetsucht vermutet hat (Das ist die Wahrheit
).
Wie ich zwischendurch erfahren durfte, kennst Du, Dieter, ja sogar Tostedt. Deiner rührenden Geschichte nach zu urteilen hast Du hoffentlich nicht nur schlecht Erinnerungen an Tostedt.
Ich schreibe Euch/Dir (wem schreibe ich denn jetzt eigentlich?), da ich eine kleine Geschichte von und mit dem HSV erlebt habe, die ich gerne zum Besten geben möchte. (Wobei ich mir unsicher bin, inwieweit ich darüber schreiben darf. Vielleicht dringt es ein wenig zu tief in den Privatbereich einiger Spieler ein. aber ich lege einfach mal los.
Es ist eine Weihnachtsgeschichte – und für mich ist es ein wahr gewordener Traum. Anders kann ich es gar nicht beschreiben. Also, zur Geschichte:
Es fing Ende November mit einem Anruf an. Meine Schwester rief mich eines Abends an und fragte ob ich Lust hätte, bei einer Weihnachtsfeier vom HSV den Weihnachtsmann zu spielen. Im ersten Moment dachte ich natürlich an DIE Weihnachtsfeier von HSV, sagte aber gleich zu mir selbst :“So ein Schwachsinn, wie kommst du auf so den Gedanken, dass mich jemand bei der HSV-Weihnachtsfeier als Weihnachtsmann haben wollte?!“ Im Laufe des Gesprächs stellte sich aber heraus, dass es sich tatsächlich um genau diese Job handelt! Ich war komplett ungläubig und fragte wie es sein kann, dass dieser Job noch nicht seit fünf Jahren vergeben ist? Aber die Begründung war gut: Der Mann ihrer Freundin (Georg) hat in seiner damaligen Studentenzeit zwecks Gelderwerbs eine Weihnachtsmannzentrale gegründet und die betreibt er noch heute nebenbei. Er wurde von Marinus Bester angerufen, ob er kurzfristig noch einen Weihnachtsmann für die Weihnachtsfeier vom HSV hat. (Marinus hatte ihn Jahre vorher für seine eigenen Kinder engagiert und sich an ihn erinnert). Tja, er hat dann natürlich zugesagt und hatte in seiner Zentrale keinen geeigneten bzw. freien Mann für dieses Event. Da kam er auf die Idee, den Mann meiner Schwester zu fragen (der rein physikalisch ausgesprochen gut in Rolle gepasst hätte
) Der hat aber gleich abgewiegelt. Er traute sich das nicht zu, auch weil er mit Fußball nicht viel am Hut hat und die Mannschaft deswegen auch nicht kennt. Auf die Nachfrage, ob er nicht jemanden wüsste, hat meine Schwester mich und meinen Bruder genannt.
Es dauerte einige Zeit, ich glaubte schon gar nicht mehr daran, aber er rief tatsächlich an. Wir unterhielten uns kurz. Zuerst ein wenig Smalltalk und dann auch schon die Infos: Es geht um den Job bei der Weihnachtsfeier. Er suche einen HSV Fan, der die Spieler kennt und auch Erfahrung mit Weihnachtsmannauftritten hat. „Habe ich“ sage ich. „Gut“ sagte er, “hast du Lust?“ Ich konnte nicht anders, so eine Chance kommt wohl nie wieder: „Ja, natürlich!!!!“ „Alles klar“ sagt er,“ dann lass uns mal einen Termin machen. Ich kommen bei dir vorbei und dann kleiden wir dich mal richtig ein“
Ein paar Tage vor der Weihnachtsfeier ist er dann vorbeigekommen und hat die Ausrüstung in mehrfacher und unterschiedlicher Ausführung dabei. Da ich ein schlanker Gesell bin, habe ich das am dicksten ausgestatte Kostüm bekommen.
Es war zwar nicht mehr lange hin und zum Glück bin ich meistens immer erst kurz vor einem solchen Auftritt nervös, aber Diesmal hat es mich aber schon Tage vorher ‚gepackt’! In der Firma habe ich mir drei Sätze von meinen Kollegen in Französisch, Tschechisch und Spanisch übersetzen lassen. Leider habe keinen holländischen Kollegen…
Diese Sätze habe ich dann gebüffelt und wirklich erst kurz vor dem Auftritt hatte ich sie einigermaßen drauf. Ich bin also an dem Tag (es war ein Sonntag) nach Hamburg gedüst (ich wohne in Tostedt, wie mein Nick schon andeutet…) und hatte schon während der Fahrt schweißnasse Hände. Ich war pünktlich vor Ort und habe auf Georg gewartet. Vor der Tür habe ich schon Jerome Boateng stehen und telefonieren sehen. Heimlich hab ich ihn beobachtet: Es schien mir, dass Fußballstars auch nur Menschen sind… Beruhigte mich aber keineswegs. Ich wurde immer nervöser. Georg kam dann endlich. Worauf habe ich mich eigentlich eingelassen? Wie kam ich auf die Idee ich wäre ein guter Weihnachtsmann? Keine Ahnung, aber weglaufen geht gar nicht, er kennt meine Schwester…. Wir begrüßen uns und kurz darauf Hat Georg auch schon Marinus Bester am Telefon. Nach einer kurzen aber kalten Wartezeit kam Marinus raus und begrüßte uns. Ein wirklich netter Vertreter seiner Zunft mit einem sehr kräftigen Händedruck! Durch den Hintereingang und damit mitten durch die Vorratskammer sind wir nach drinnen in die Umkleidekabine gekommen. Vor mir hat ein Zauberer seine Show abgeliefert. Ziemlich professionell. Ich werde immer kleiner. Warum habe ich überhaupt zugesagt???
Naja, umziehen ging schnell. Die Mütze mit den weißen Haaren hat ziemlich gekratzt, aber Georg hat sie dann in die richtige Position bekommen. Wir sprechen noch ein paar Minuten und dann kommt Marinus noch mal rein. Wir gehen aus der Umkleide raus und auf dem Gang kommen mir schon Paolo und Joris entgegen. Ich gebe beiden die Hand und bekomme freundliche Worte mit auf den Weg. (Zum Glück habe ich da schon meine weißen Handschuhe an
) Vor lauter Nervosität hatte ich vergessen Mathijsen auf mein Hühnchen anzusprechen. Das Hühnchen, das ich noch mit ihm rupfen wollte. (Nebenbei: mein zweiter Sohn heißt Joris. Auf der langen, langen Suche nach einem Namen bin ich irgendwann auf die Namen der HSV-Spieler gestoßen. Nach einigen Wochen haben wir uns dann auf Joris geeinigt (ein toller Name, er nennt sich selbst immer Jojo
, total süß!). Am Morgen der Geburt bin ich dann taumelnd vor Glück und schwankend vor Müdigkeit zu meinen Eltern und habe dort mit ihnen gefrühstückt. Ich weiß es noch als wäre es gestern gewesen: in der Zeitung habe ich dann gelesen, dass Joris Mathijsen an genau diesem Tag seinen Geburtstag feiert! Und witziger Weise heißt unser erster Sohn Mathis. Das wollte ich natürlich mit Herrn Mathijsen teilen, aber leider hat er nie eine Antwort geschrieben…)
Zurück zur Weihnachtsfeier. Ich stehe schon im Gang und einige der kleinen Kinder haben mich schon entdeckt und reißen ganz erstaunt die Augen auf. So gut habe ich als Weihnachtsmann aber wirklich noch nie ausgesehen! Nutzt aber immer noch nichts… ich bleibe total angespannt. Marinus klärt mich auf: Wenn das nächste Weihnachtslied erklingt, dann soll ich loslegen. Ich stehe in Lauerposition und warte auf das Lied. Es erklingt… ich würde am liebsten umdrehen und nach Hause fahren… Geht aber natürlich nicht. Scheiße…scheiß drauf… einfach los!
Ich gehe los:„ Ho Ho Ho!“ rufe ich. Niemand guckt mich an… Nochmal:“HoHoHo!“ Links sitzen Hoffmann und Kraus mit noch irgendjemanden. Sie gucken nur kurz auf. Weitere Stühle und Tische auf der linken Seite. Weiter vorne links erkenne ich die Tschechenabteilung: Jarolim und Rozenal. Rechts von mir eine Wand. Ich gehe weiter und rufe wieder mein „Ho Ho Ho“ habe aber das Gefühl, das mich immer noch niemand so richtig wahrnimmt. „Oh man wie peinlich“, dachte ich, „ich spiel hier den Weihnachtsmann und niemand bemerkt mich“ Die Wand auf meiner rechten Seite wird zur Ecke und ich kommen nun vollends in den Raum rein. Es erschlägt mich fast. Der Raum wirkte riesengroß und gefühlte 300 Leute guckten mich an…
„Ho Ho Ho…“.
Ich gehe einfach weiter, was bleibt mir anderes übrig. Ich sehe Frank Rost, Labbadia und Reitmaier. Fast alle lächeln mich an! Puh, es geht ein bisschen besser! Ich gehe ganz nach vorne durch, lasse alle Kinder zu mir kommen und habe natürlich das goldene Buch nicht vergessen. Dort steht auch der Gabentisch. daneben haben sich hauptsächlich Spieler mit der etwas dunkleren Hautfarbe niedergelassen. Ich entdecke Rincon. Ich lasse den Spruch:“ Feliz Navidad „fallen (Fröhliche Weihnachten auf Spanisch). Keine Reaktion… Erst zwei Sekunden später guckte Rincon leicht erschrocken hoch und bedankte sich ganz pflichtbewusst. Aus dem Augenwinkel sehe ich noch, wie er einem Kollegen gleich erzählt hat, dass der Weihnachtsmann Spanisch mit ihm gesprochen hat. Hehe, der war schon mal gut! Als erstes singen wir ein Weihnachtslied mit den Kindern. Es wird: Oh Tannenbaum. Oh man… keiner singt mit, hervorragend…Ich kratze mich kurz am Kopf… Aber dann kommt Marcell Jansen zu mir:“ Kommt Weihnachtsmann, wir machen mal Stimmung hier!“ Zusammen rocken wir den Laden
Echt ein klasse Typ der Marcell!!
Als nächstes lese ich eine Geschichte vor. Dazu wird mir ein Mikrofon an den Mund gehalten und los geht’s. Alles guckt auf mich aber ich bleibe cool und konzentriere mich auf die Geschichte. Es geht alles gut, keine Versprecher und kein Gestottere! Allerdings war die Geschichte überhaupt nicht für die kleinen Kids (˜2 – 6 Jahre) gemacht. Egal, gut vorgelesen und die netten Damen und Herren grinsen mich auch noch immer alle an. Kann ja doch nicht so schlecht gewesen sein!
Als nächstes sind die Geschenke dran. Ich stehe am Gabentisch und Marinus gibt mir die Geschenke und liest mir leise die Namen der Kinder vor. Leider konnte ich nicht erkennen, ob mich eines der Kinder vielleicht gar nicht versteht. Nach zehn Minuten bin ich mit dem Verteilen der Geschenke auch fertig. Bis auf ein Kind haben sich alle zu mir getraut. Ganz gute Quote! Während ich langsam meinen Rückzug antrete, kommen einige Kinder mit ihren Eltern und lassen sich mit mir fotografieren. Bei den meisten ist es umgekehrt. Jaja, der Weihnachtsmann ist eine Respektsperson! Dabei wurde mir nochmal meine Mütze zurechtgerückt, mit dem Hinweis, dass mir schon während der Weihnachtsgeschichte die Haare unter meiner Mütze hervor lugten… Prima, denke ich, dann weiß ich jetzt ja auch, warum ich von den Damen und Herren vorne so nett angelächelt worden bin… Naja, was solls.
Von Marinus kommt noch ein tolle Geste: er nimmt mich an die Seite und bringt mich mit Frank Rost zusammen:“ Hey Frank, lass dich mal mit dem Weihnachtsmann fotografieren“ Der Frank ist total nett. Hört sich blöde an, ist aber so. Absolut freundlich und sympathisch! Darüber hatte ich mich sehr gefreut. Auf dem Weg nach hinten bin ich dann wieder an dem Tisch von Jarolim und Rozenahl vorbeigekommen. Ich lasse ein:“ Veselé Vánoce“ fallen (ausgesprochen: wäsälä vanoootze, fröhliche Weihnachten) Danach hatte ich nur gehört, wie Jarolim Rozenahl fragte:“ Ist das Miroslav, oder was??“ hehehe das war auch gut. Gemeint war natürlich Miroslav Stepanek.
Es werden die letzten Bilder gemacht, ich werde kaum noch beachtet und dann gehe ich endgültig aus dem Raum.
Puh…
Ich war total froh es geschafft zu haben. Die Erleichterung war wirklich groß. Das T-Shirt konnte ich nachher auswringen, dafür hatte ich einen stechenden Durst.
Ich wäre gerne etwas spontaner gewesen und hätte eigentlich vorher ein paarmal Weihnachtsmann üben müssen, aber insgesamt war ich doch zufrieden mit meiner Leistung. Im Nachhinein fallen einem hunderte von Alternativen ein, die man hätte sagen oder machen können. Aber das zählt ja nicht. Es ein für mich ein aufregender Nachmittag mit vielen unvergesslichen Eindrücken vom HSV geworden. Ich war der Weihnachtsmann des HSV.
Herzliche Grüße, Euer Marcus
15.23 Uhr
Tags: Bester, Boateng, HSV, Mathijsen, Rost, Rozehnal, Stepanek