Tagesarchiv für den 12. Juni 2010

Aogo weckt Interesse

12. Juni 2010

Momentan redet alles über die große, weite Fußballwelt, die sich in Südafrika versammelt hat, um die WM auszuspielen, dabei gibt es auch in unserer schönen Stadt Hamburg auch noch vermeldenswerte Geschichten. Eine davon muss ich Euch jetzt, kurz nach dem Fauxpas des englischen Torhüters gegen die USA, erzählen, auch wenn sie sich nicht um den HSV, sondern um den HFV (Hamburger Fußball-Verband) dreht. Es ist eine Geschichte zum Schmunzeln – und passt daher bestens in die Reihe der wirklich liebevoll zusammengestellten und aufgeschriebenen Sommergeschichten.

In dieser Woche stand auf dem Sportplatz im Sternschanzenpark das Finale der Hamburger Meisterschaft in der Altersklasse Alte Herren statt, bei dem sich Post SV und Germania Schnelsen gegenüberstanden. Das Duell war hochklassig, es war auf Augenhöhe, und es ging in die Verlängerung. Dann, nach einer Minute der Zusatzspielzeit, kam ein Spieler auf Schiedsrichter Gerd Müller vom SC Urania zu und bat ihn um eine Spielunterbrechung wegen eines Loches im Rasen. Müller, seit 50 Jahren an der Pfeife, schaute sich das Loch an und erschrak, als sich herausstellte, dass dort mitten auf dem Spielfeld ein unterarmtiefes Loch mit einem Kaninchenbau am Ende war – und in der tierischen Unterkunft auch noch zwei Hoppler hausten. Was tun? Der Torwart von Post machte sich quasi in Schutzkleidung (weil: Handschuhe) zum Loch auf. Ein Kaninchen raste schon vor seiner Ankunft aus dem Loch heraus und quer über den Platz in die Grünanlagen. Beim ersten beherzten Griff in den tiefen Tunnel flutschte das zweite Tierchen (wie der Ball gerade beim englischen Green-Keeper…) aus der Hand und wollte auch gerade entwischen, doch in bester Torwart-Manier hechtete der gute Mann dem Kaninchen hinterher, erwischte es und trug es anschließend vorsichtig in die Grünflächen hinter der Sportplatzumzäunung. Der Platzwart stopfte das wirklich riesige Loch mit Sand, Schiedsrichter Müller strahlte – und das Spiel wurde tatsächlich zu Ende gebracht.

Wie es endete? Enttäuschend für den mutigen Postkeeper. Der musste nämlich in der letzten Minute der Verlängerung doch einmal hinter sich greifen, weil ein Germanen-Schuss ihn überwand. Kaninchen bekommen, Titel verloren: Das alles fand übrigens bei strömendem Regen statt. Ein kurioses Erlebnis der Sonderklasse, oder? „Ich habe so etwas noch nie erlebt“, sagte Müller am Ende.

Ich habe diesen Satz heute auch ein paar Mal von mir gegeben. Ihr könnt Euch sicher vorstellen, in welchem Zusammenhang. Im Fall Michael Ballack. Einige von Euch scheinen ja wirklich nach wie vor zu glauben, dass es sich bei der Personaldebatte und den dazugehörigen Diskussionen um eine Sommerloch-Ente handelt. Ich schwöre Euch: Das ist es nicht. Der HSV-Vorstand um Sportchef Bastian Reinhardt hat Gespräche mit Ballacks Berater Becker (nicht Boris!) geführt, dabei die nicht gerade bescheidenen Gehaltsvorstellungen des Mittelfeldspielers erfragt, und diskutiert seither intern die Finanzierungsmöglichkeiten. Mit Ballack selbst soll Reinhardt auch schon eine Art Zwei-Ohren-Gespräch via Handy geführt haben.

Was ich noch nie erlebt habe, ist die Zerrissenheit innerhalb der Matz-abber-Gemeinde, aber auch in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, was die Meinungen zu einer möglichen Ballack-Verpflichtung betrifft. Ich sage es jetzt mal so, wie ich es nach vielen Gesprächen und Diskussionen und Überlegungen betrachte: Sollte der HSV Ballack bekommen, wäre das eine Superverpflichtung. Dieser Klub, diese Mannschaft kann einen Leader wie die Nummer 13 gebrauchen. Natürlich ist Ballack nicht mehr der Jüngste, und der HSV würde ihn auch ganz bestimmt nicht für horrendes Geld weiterverkaufen können. Trotzdem überwiegen meiner Meinung nach die positiven Aspekte. Mit einer Einschränkung: Ich glaube nicht, dass man als HSV dann in die Saison mit drei Oldies und Topverdienern der Marke Ruud van Nistelrooy, Zé Roberto und Michael Ballack gehen könnte und sollte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Diskussion über den Brasilianer dann noch einmal geführt werden müsste. Andernfalls wäre der HSV vielleicht doch etwas zu alt aufgestellt.

Noch eine Personalie, die mir in den vergangenen Tagen, nein, sogar Wochen Kopfzerbrechen bereitet hat, ist die des Dennis Aogo. Der Jung-Nationalspieler, dem ich in Südafrika die Daumen drücke, dass er mehr sammelt als tolle Eindrücke von draußen, wird verstärkt mit Vereinen aus der Serie A in Verbindung gebracht. Aus gutem Grund: Nach wie vor sucht halb Fußball-Europa nach qualitativ hochwertigen, nicht zu alten, modernen und taktisch gut geschulten Außenverteidigern. Und zu denen gehört Aogo trotz seines Leistungseinbruchs in der zweiten Hälfte allemal.

Der HSV befindet sich in einer echten Luxusposition, denn er hat zwei dieser Profis in seinen Reihen: Marcell Jansen und Aogo. Da für die linke Offensivseite mit Eljero Elia und eventuelle auch Piotr Trochowski bereitstehen, kann ich mir sogar vorstellen, dass die HSV-Bosse inklusive Trainer Armin Veh angesichts der nur zwei zu absolvierenden Wettbewerbe (Bundesliga und DFB-Pokal) über eine Offerte aus der Ferne ernsthaft nachdenken würden – sofern sie angemessen ausfällt und auch offiziell auf der Geschäftsstelle eingeht. Und das ist meines Wissens bis heute nicht geschehen. Milan und Juve müssten also mal einen ersten Schritt wagen, um wirklich ernsthaft über dieses Thema schreiben und sprechen zu können.

So, mehr gibt es heute nicht von mir. Ich hoffe wie Ihr, dass die „UweSeelers“ (Vuvuzelas) keinen Einzug in die Bundesliga und schon gar nicht in die Imtech-Arena halten werden – das wäre ja nicht auszuhalten. Darum richte ich schon jetzt einen kleinen Appell an alle meine Kollegen, die Schlagzeilen in Übergröße verbreiten. Bitte verzichtet nach einem Zu-Null-Sieg gegen Australien (den ich erhoffe) auf Wortspiele wie „Vu-Vu-Vunderbar“ oder „Sieg gegen trötend langweilige Australier“, denn dann kämen irgendwelche geistreichen Marketingleute bestimmt auf die Idee, diese Dröhntüten für Deutschland herstellen zu lassen. Bitte nicht.

22.00 Uhr

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