Tagesarchiv für den 5. Juni 2010

Ein Sommermärchen, eine Sommergeschichte

5. Juni 2010

“Weltklasse.” Dieses Prädikat gab unser “Devildino” dem Abend am Freitag. Immer wieder sagte “Devil” nur das eine Wort: “Weltklasse.” Gemeint war die Überraschung, die einige “Matz-abber” ihrem Freund und “Matz-abber” “Kurpfälzer” bereitet haben. Aus der Ferne betrachtet muss ich auch sagen: “Weltklasse.” Wie Ihr das gemacht habt, das war sensationell. Weil der “Kurpfälzer” kürzlich seine Kerstin geheiratet hat, ging es zunächst auf Flitterreise nach Jamaika, am Donnerstag landete das Paar wieder in Deutschland – und am Freitag ging es mit dem Zug nach Hamburg. Dort hatten die Freunde ein besonderes Geschenk parat: Einen Abend mit Lotto King Karl. Es soll wirklich spitzenmäßig gewesen sein, aber dazu hat uns “Killroy” einen herrlichen Bericht geliefert. Vielen Dank dafür, lieber Killroy.

Und: Nach diesem Lotto-Abend folgt nun auch die erste Sommergeschichte, um die ich ja gebeten hatte. Heute ist “Benno Hafas” dran, der über seine ersten Berührungspunkte mit dem Fußball geschrieben hat. Vielen Dank dafür, lieber Benno, ich wünsche allen “Matz-abbern” viel Spaß beim Lesen. Und vielleicht fühlt sich der eine oder andere User ja doch noch einmal aufgerufen, uns auch seine Sommergeschichte zu schreiben. Auf gehts!

Jetzt aber erst einmal “Killroy” mit Lotto, Pape und den “Kurpfälzern”:

Der Abend fing mit Pleiten, Pech und Pannen an. Die Kurpfälzer sollten um 16:41 Uhr im Dammtor-Bahnhof einrollen. Das Empfangskomitee bestand aus Devil und meiner Wenigkeit. Kurz vor der geplanten Einfahrt klingelte mein Handy. Devil: „Ganz großer Mist, die beiden hängen fest.“ Kurz vor Hannover gab es einen Unfall (wir sind zunächst von einem Suizid ausgegangen, der Kurpfälzer sagte mir eben jedoch, es war ein Unfall. Ein 29-Jähriger wurde von einem Zug erfasst!) und die beiden hätten zweieinhalb Stunden Verspätung.

Unser Plan, die beiden Kurpfälzer vor dem Lotto-Konzert die Raute und den heiligen Boden unseres HSV zu zeigen, löste sich in Luft auf. Wie so oft, immer wenn man etwas straff durchorganisiert hat, geht was schief. Wir zwei waren erst einmal rat- und planlos. Sind dann durch die Stadt gewandert und im Block-House gelandet (Unterlage schaffen, in der Raute essen hatte sich ja erledigt). Devil war schon leicht genervt, sein Handy klingelte in einer Tour. Wir sind dann zum vereinbarten Treffpunkt (vor dem Hotel in der Nähe vom Bahnhof Diebsteich) gefahren und haben Gobi und Nordbert aufgelesen. Larissa wollte dort auch hinkommen, hat es aber nicht pünktlich geschafft und ist mit dem Taxi nachgekommen. Vom Diebsteich ging es dann nach Bergedorf/Kirchwerder, ab zum Lotto-Konzert (Nommi ist noch in Tiefstack zu uns gestoßen).

Zwischendurch gab es immer wieder Zwischenstände von den Kurpfälzern. Die beiden sind schlussendlich in Harburg aus dem dann eingesetzten „Ersatzzug“ gestiegen und dann mit dem Taxi zum Lotto-Konzert gefahren. Das war alles nicht so einfach. Ich hatte zwischendurch dem Taxifahrer die Straße per Handy buchstabieren müssen. Vor dem Festzelt auf dem Festplatz „Auf dem Sülzbrack“ waren wir dann zu zehnt. Die Kurpfälzer, Gobi, Nordbert, Ruhigblut, Larissa, Nommi, Devil, Ralf und meine Wenigkeit. Devil war schon ganz aufgeregt, weil er nicht wusste, ob wir das von Dieter arrangierte Treffen mit Lotto noch hinbekommen. Vom Kurpfälzer gab es dann noch ein Runde „Kurpfälzer-Bier“ (Der hatte wirklich alles mitgebracht!), und Gobi hatte für das Ehepaar noch Franzbrötchen dabei.

Es hat dann aber alles geklappt. Wir sind alle hinter die Bühne und haben mit Carsten Pape und Lotto geschnackt. Die beiden sind echt der Hit. Haben wirklich gut gelacht. Lotto: noch einmal vielen Dank.

Dann ging das Konzert auch schon los.
Das Konzert war wie immer superklasse. Lotto hat die beiden dann auch noch mal vor einem Liebeslied erwähnt. Granatenstark! Nach dem Konzert haben wir uns dann geteilt. Devil, Ruhigblut und die Kurpfälzer sind ins Hotel gefahren (die beiden hatten ja die ganze Zeit Ihre Sachen noch mit dabei. Apropos: Kurpfälzer, sag mal, wieso braucht man für eine Nacht in Hamburg zwei kleine Koffer?), der Rest ist mit mir dann ab zum Kiez. Wir waren allerdings fast gleichzeitig auf dem Kiez (den Unterschied zwischen ÖPNV und PKW merkt man dann schon). Es ging auf den Hans-Albers-Platz, erste Station war das Hans-Albers-Eck. Da sind dann noch Nordtribüne22b und HSV-Dirk zu uns gestoßen. Über die Kiez-Klause (mit Coyote Ugly Effekt) ging es dann noch in die Rutsche. Es war wirklich ein gelungener Abend. Nur nette Leute und jede Menge Spaß. So gegen 4:30 Uhr wurde der Abend dann auf dem Kiez beendet. Komisch – da ich erst um 6:15 Uhr zu Hause war (*lach*)

Habe mit den Kurpfälzern, die nun in der Bahn sitzen, schon telefoniert. Es geht den beiden gut. Sie haben sich gefühlte 98 000-mal bedankt. Die waren echt überwältigt. Ich soll auch noch mal alle schön grüßen.

So das war meine Sicht der Dinge. Das Devil zum Schluss recht fertig und platt aussah, das habe ich dann mal weggelassen (*grins*).

Leute, das war wirklich ein granatenstarker Matz-ab-Abend. Und: Dieter, ohne Deinen Blog hätten wir uns nie kennen gelernt. Danke.

Euer Killroy

So, nun folgt die Sommergeschichte von „Benno Hafas“. Noch einmal ein herzliches Dankschön, Benno, dass Du Dir die Mühe gemacht hast.

Als Zeile hat der Autor vorgesehen:

Fussi hab ich nie gespielt

Keine Buffer besessen, geschweige mal welche angehabt. Stutzen, Trikot? Keine Chance. Als eines der jüngsten von elf Kindern mitten im Krieg geboren – acht Schwestern. Die meisten Prügel in meinem Leben habe ich von der holden Weiblichkeit bekommen.
Ich habe zwar auf der Straße Fußball gespielt, doch meistens barfuß. Stiefel hatte ich fürs Winterhalbjahr, den Rest des Jahres liefen wir eben ohne alles an den Füßen herum. In der Schule war an Fußball gar nicht zu denken, obwohl unser Lehrer, Erich Kröger, mit der Klasse ein Turnier hätte veranstalten können. Ein Foto aus der 2. Klasse zeigt 45 Jungens, also vier Mannschaften – ob ich der 45. gewesen wäre, ist reine Spekulation.

Während der Sommerferien haben uns Sportlehrer beschäftigt, damit wir aus den Trümmern und von der Straße (ohne Autos) kamen. Springen, laufen, werfen und auch Fußball war angesagt. Ich trieb mich vorzugsweise im gegnerischen Strafraum herum, um Tore zu machen, doch von dem Zeitpunkt an, als mit Abseits gespielt wurde, hatte die ganze Herrlichkeit ein Ende – und bis ich es kapiert hatte, war der Sommer vorbei. Später merkte ich dann selbst, dass Fußball spielen ist nicht meine Welt ist.

In unserer Großfamilie hatte ich neben meinem Vater als einziger eine Affinität zum Fußball, und der alte Herr schleppte mich jedes Wochenende mit zu Normannia oder Borussia Harburg. Der Harburger Turnerbund war ihm zu hochnäsig – vom HSV ganz zu schweigen. Der „Alte“ kam eben aus der Arbeiterbewegung. Trotzdem wurde der HTB mein Verein, und obwohl zur Jahnhöhe in der Harburger Haake die Straßenbahn-Linie 34 fuhr, tippelten wir aus Mangel an Geld zu Fuß zum Sportplatz, oder wir fuhren per Fahrrad zur Goldenen Wiege. Der HTB spielte zeitweise in der Oberliga Nord, war eine so genannte Fahrstuhlmannschaft. Rauf und runter. Von den alten Haudegen sind mir Hansi Franke, Muffel Seyffert – Freistoßspezialist mit einem anständigen Bumms – sowie Heini Weber in Erinnerung geblieben. Heini Weber spielte Linksaußen und mein Papa sagte von ihm: „Der hat nur einen Fuß.“

Als Kinder hatten wir die Auswirkungen des zweiten Weltkrieges hautnah miterlebt, Trümmer, kriegsversehrte Männer, Einarmige, mit einem Bein an Krücken oder im Rollstuhl, das war unser Alltag. Und so dachte ich, dass Heini Weber mit einem Holzfuß spielt. Na ja, „Charly“ Dörfel hatte ja auch nur „einen Fuß“. . .

Der Sportplatz Jahnhöhe bekam einen neuen Rasen, und so musste der HTB die Saison 1953/54 auf dem Platz von Viktoria Harburg spielen. Hier wurde, wenn auch nur einmal, der große HSV mit 1:0 besiegt, der in dieser Saison nur den 13. Tabellenplatz belegte, während Hannover 96 mit einem 5:1 im Endspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern im Volksparkstadion Deutscher Meister wurde. Wie sich die Bilder gleichen.

Warum bin ich nun HSV- und nicht St.-Pauli-Fan geworden, obwohl ich doch oft Tante Anni in der Schmuckstraße auf St. Pauli besuchte? Nach einem Jahr wurde der Sportplatz Jahnhöhe mit einem Freundschaftsspiel gegen den FC St. Pauli eingeweiht, doch als ich die braunen Jerseys und Hosen sah, war ich so etwas von enttäuscht. Ich schwor mir: „Die nicht!“

Einmal nur, gegen Bremerhaven 93, war ich am Rothenbaum. Das Ergebnis weiß ich nicht mehr, doch dass die Spieler nach dem Abpfiff in ihren dreckigen Klamotten durch ein Spalier von Zuschauern über die Rothenbaumchaussee zum Duschen gingen, das ist bei mir hängen geblieben. Selbst die Straßenbahnen mussten warten.

Zeitsprung: 25. Januar 2008, Mitgliederversammlung des HSV. Ein neuer Aufsichtsrat soll gewählt werden. Als Supporter-Kandidat stellt sich-  neben anderen – auch Manfred Ertel, Journalist des Spiegels und Lebensgefährte von Krista Sager (Grünenpolitikerin und St –Pauli-Fan), vor. In seiner Rede erwähnte er, wie lange er schon HSV-Fan sei, dass er bereits als kleiner Junge in kurzen Hosen am Rothenbaum war, auch sah, wie die Spieler durch ein Spalier der Zuschauer die Rothenbaumchaussee überqueren mussten.

Da kam mir die Erleuchtung. Ich sagte mir: „Mensch Benno, in den Aufsichtsrat kannst Du auch, bei der Voraussetzung: Kleiner Junge, mit kurzen Hosen am Rothenbaum, Spalier der Zuschauer . . .“

PS: Ein Foto vom Lotto-Abend folgt noch. Und: Lasst Euch nicht vom “Chief inspector” B.O. beeindrucken, nehmt ihn mit Gelassenheit zur Kenntnis und reagiert nicht drauf. Ich wollte dem Herrn für seine rege Teilnahme an diesem Blog danken, weil er so die ohnehin schon recht guten Zahlen in die Höhe treibt, aber leider gab er “aus Versehen” die verkehrte Adresse an, mein Dankeschön kam wieder zu mir zurück. Schade.

18.25 Uhr

“Der HSV ist auf Dauer nicht aufzuhalten”

5. Juni 2010

Der Mann hat etwas zu sagen. Und wenn ich etwas zu sagen hätte, nämlich im HSV, dann würde ich ihm zu 100 Prozent das Vertrauen schenken. Das sollen nicht nur alle „Matz-abber“ wissen, das sollen auch alle mitlesenden Verantwortlichen eines jeden Bundesliga-Klubs wissen: Thomas von Heesen hat nicht nur sehr, sehr viel Ahnung vom Fußball, er hat auch ganz klare Prinzipien und Vorstellungen von dem, was im Profi-Fußball abzulaufen hat. Die meisten von Euch wissen es: Ich bin HSV-Reporter seit dem Stab-Wechsel von Ristic, damals Interimstrainer nach Zebec, auf Happel. Ich habe also geballte Trainer-Kompetenz in allen Jahren erlebt, Kompetenz und Nicht-Kompetenz – Thomas von Heesen liegt dabei unter den ersten drei. Wäre ich HSV-Boss, könnte er es sich aussuchen auf welchem Posten er anfangen wollte.
Heute folgt Teil zwei des Gesprächs, was ich mit dem ehemaligen HSV-Kapitän geführt habe.

Ihr erinnert Ech: Es ging um den Absturz des HSV in der Rückrunde. Von Heesen war nicht überrascht davon und erklärte mir: „Das neue Schlagwort im Profi-Fußball heißt ja mentale Härte. Die hat meines Erachtens gefehlt. Mentale Härte bekommt man nur, wenn man Erfolge hat. Hat man die, dann können einen auch Rückschläge nicht aus der Bahn werfen. Wichtig ist für eine jede Mannschaft, dass sie weiß, wie sie zu spielen hat, dass jeder Spieler ganz genau weiß, was er zu tun und zu lassen hat. Wenn ein Rädchen ins nächste greift, wenn alle miteinander spielen und nur ihre Stärken einbringen, dann ist das perfekt. Und damals unter Ernst Happel, da lief es perfekt für uns. Über Jahre.“ Thomas von Heesen weiter: „Happel hat in der Mannschaftsbesprechung höchstens eine Minute über den Gegner gesprochen. Er kannte unsere Stärken, darüber hat er erzählt, der Gegner war ihm absolut egal. Er wollte, dass wir unser Spiel durchziehen, mehr nicht. Und wir waren so gut drauf, dass wir das auch taten. Das war damals schon mentale Härte. So etwas kann man nicht trainieren, so etwas baut sich auf, wenn eine Mannschaft zu 100 Prozent funktioniert.“

Dann nannte von Heesen noch ein Paradebeispiel: „Der FC Bayern, der hat diese mentale Härte im Herbst bekommen. Als es bei den Münchnern lief, konnte sie kein Gegner mehr stoppen, die haben nur ihr Spiel durchgezogen – das war vorbildlich, der FC Bayern ist eine richtig gute und bestens funktionierende Truppe geworden.“ Der HSV leider nicht, bei ihm ging es 2010 immer mehr bergab, auch weil die Mannschaft keine Einheit war. Das haben ja auch zuletzt einige Eckpfeiler der Mannschaft schonungslos bestätigt. Die Führung hat gefehlt, und auch in der Hierarchie hat es offenbar ganz und gar nicht mehr gestimmt.

Weil alles viel zu lasch war? Weil nicht nur die „mentale Härte“ gefehlt hat, sondern auch die Härte und Disziplin gegenüber den Spielern? Thomas von Heesen überrascht mich mit einer gewichtigen Aussage: „Felix Magath und ich, wir sind Brüder im Geiste. Das sage ich deswegen, weil ich, wie Felix, auf Härte im Training allergrößten Wert lege. Wenn man körperlich mehr drauf hat, als alle anderen Mannschaften, dann ist man auch mental stärker. Aber um so gut zu sein, muss man eben im Training mehr tun als die anderen, ganz klar. Und dementsprechend lasse ich meine Mannschaften auch im Training ackern.“

Zu hoffen ist, dass nicht nur Magath und von Heesen so denken (und danach handeln), sondern auch Armin Veh. Was traut die ehemalige HSV-Nr. 10 dem „neuen HSV“ in der kommenden Saison zu? „Der HSV wird einen sehr gepflegten Fußball spielen, das ist die Handschrift von Armin Veh. Er wird auch größten Wert auf eine stabile Defensive legen. Wobei ich jetzt nicht als Schlaumeier gelten möchte, Veh weiß ganz allein, was er zu machen hat, was er auch machen wird. Ich weiß genau, dass er schneller und risikoreicher nach vorne spielen lassen wird, und das wird dem HSV auch gut tun“, sagt von Heesen.

Und wohin wird diese Spielweise den HSV bringen? Wieder in die Bundesliga-Spitze zurück? Von Heesen sieht die Hamburger Zukunft optimistisch: „Auf Dauer ist der HSV nicht aufzuhalten. Er hat beste Voraussetzungen, sich auf Dauer in der Bundesliga-Spitze z etablieren: Die Infrastruktur stimmt, die Hamburger Wirtschaft steht zum Klub, das Stadion ist super, die Trainingsbedingungen sind hervorragend, die Stadt ist großartig – es stimmt alles.“ Dann ergänzt er: „Wenn jetzt auch mal das Glück hinzukommt, wenn es mal keine großen Verletzungen gibt und wenn sich der HSV in die Spitze siegt, dann kann das nicht nur ein Dauerzustand werden, dann gibt es auch wieder Titelgewinne zu feiern.“ Er weiß wovon er spricht, denn er war bei den letzten vier Titelgewinnen des HSV immer mit von der Partie.

Auch zu personellen Dingen beim HSV hat Thomas von Heesen seine Meinung. „Wenn Afellay nicht kommen sollte, dann würde ich den Nürnberger Gündogan holen, das ist ein Juwel. Der wird in Deutschland noch für Furore sorgen. Und dann hat der HSV in seiner eigenen Jugend ein absolutes Super-Talent, ich meine den Südkoreaner Son. Er ist Sturmspitze, er ist zwar noch sehr jung, aber den würde ich sofort hochziehen“, sagt von Heesen. Er kennt sich sehr genau aus, nicht nur im großen Fußball, sondern auch im Nachwuchsbereich. Ich muss schnell mal eine Anmerkung machen dürfen: In der Vergangenheit, seit von Heesen Trainer ist, habe ich ihn oft telefonisch bei Spionagetouren – vorzugsweise in Ost-Europa – erreicht und gestört. Der Mann ist absolut fleißig, er verlässt sich nicht nur auf die Scouts des jeweiligen Vereins, er macht sich auch selbst ein Bild.

Welchen Trainer schätzte Thomas von Heesen in seiner Spielerkarriere am meisten? „Branko Zebec habe ich nur kurz noch miterlebt, an ihm schätzte ich sein fast schon perfektes Denken rund um die Defensive, er überließ nichts dem Zufall. Und Zebec ließ im Training auch oft die körperlichen Grenzen der Spieler überschreiten, ein solches Training wäre heute gar nicht mehr möglich“, so Thomas von Heesen. Weil dann die Spieler gleich zum anderen Verein – mit einem weicheren Trainer – laufen würden. Von Heesen schwärmt aber auch von einem anderen HSV-Coch: „Ernst Happel aber ist meine Nummer eins, ich war sechs Jahre bei ihm, er machte mich zum Kapitän, wie er über Fußball dachte, das habe ich nie wieder erlebt, der Mann hatte einfach nur Klasse und war großartig.“

Zum Schluss hat er auch ein absolut ehrliches Lob für die Hamburger Fans parat: „Ich ziehe den Hut vor den HSV-Anhängern. Wie sie zur Mannschaft stehen, welchen Beitrag sie leisten, damit ihr Verein oben steht, das ist wirklich sensationell. Ich weiß wovon ich spreche, denn ich habe auch das Gegenteil davon erlebt. Und ich erinnere mich an meine HSV-Zeit, wie schnell damals mal gepfiffen wurde. Heute zeigen die Fans sehr, sehr viel Geduld, das nenne ich einzigartig.“

Sein einziger Tiefpunkt in Deutschland war sein Engagement beim 1. FC Nürnberg. Er erinnert sich: „Es war ein Fehler, den Club am 20. Spieltag zu übernehmen, denn ich konnte keine personellen Veränderungen mehr vornehmen, ich musste mit den Spielern, die den Verein in die Abstiegszone gebracht hatten, auskommen. Ein großer Fehler von mir, denn ich musste körperlich, spielerisch und auch charakterlich mit den Spielern auskommen, die nicht ich zusammengestellt hatte. Ich habe mir danach geschworen, nie wieder einen Verein nach Beginn der Rückrunde, wenn nichts mehr machbar ist, zu übernehmen, man kann eine Menge dabei verlieren.“

So, zwei kleine Sachen noch: Im Laufe des Tages folgt noch eine kleine Sommergeschichte (um die ich ja gebeten habe – immer noch bitte), und dann gibt es noch eine erfreuliche Nachricht vom HSV: Die Kollegen der Bild berichten, dass Ze Roberto beim HSV bleiben wird. Doch. Ein Gespräch mit Trainer Armin Veh hat den Brasilianer offenbar überzeugt, seine Abwanderungspläne zu den Akten zu legen, Wenn es denn so kommen sollte und ich gehe jetzt davon aus), dann ist das schon mal ein positives Zeichen für den neuen HSV 2010.

15.04 Uhr