Tagesarchiv für den 3. Juni 2010

Jakobs: “Wir können jeden besiegen”

3. Juni 2010

Im Westen nichts Neues. Genauer: Im Westen der Stadt, beim HSV. Keine neuen Spieler, keine Verkäufe, keine neuen Trainer. Nein, das stimmt nicht ganz. Der zweite Assistent von Armin Veh ist gefunden worden, es ist nicht „Ede“ Geyer, es ist auch kein Mann aus dem Osten, es ist Reiner Geyer aus dem Ländle. Der ehemalige Jugend-Nationalspieler absolvierte einst 55 Erst- und 80 Zweitliga-Spiele für den 1. FC Nürnberg, für den 1. FC Saarbrücken und für Schweinfurt 05. Geyer war Trainer in Vestenbergsgreuth, beim SSV Reutlingen, den Würzburger Kickers, und jeweils bei den zweiten Mannschaften der Spielvereinigung Greuther Fürth und dem VfB Stuttgart. Geyer ist 46 Jahre alt. Jetzt fehlt dem HSV nur noch ein Torwart-Trainer. Und der wird nicht wieder Claus Reitmaier heißen, das ist schon sicher. Die besten Karten soll Richard Golz haben, aber es ist eben noch nicht zu 90 oder 99 Prozent sicher.

Heute Abend steht für Deutschland das letzte WM-Testspiel auf dem Programm, es geht gegen Bosnien-Herzegowina. Der Gegner spielt vorne mit Ibisevic und Dzeko, die DFB-Auswahl wird also noch einmal kräftig gefordert. Ich rechne fest damit, dass Piotr Trochowski am Abend von Beginn an spielen wird. Ob er dann bei der WM zum absoluten Stamm gehören wird, bleibt abzuwarten.

Ich rechne ohnehin nicht damit, dass von den vier HSV-Spielern jeder seine Einsätze erhalten wird. Für mich wird Jerome Boateng in der Startelf stehen, und Marcell Jansen, Dennis Aogo und Trochowski werden versuchen müssen, sich über die Bank in das Team zu kämpfen.

Warum sollte das nicht gelingen? Es sieht zwar jetzt noch nicht danach aus, als sollte das klappen können, aber während eines Turniers ist alles möglich. Und wenn ich daran denke, so fällt mir spontan immer die WM 1986 in Mexiko ein. Drei HSV-Spieler waren von Teamchef Franz Beckenbauer nominiert worden: Uli Stein, Ditmar Jakobs und Felix Magath. Dazu ein „halber HSVer“ mit Wolfgang Rolff, der damals für Leverkusen spielte.

Paradebeispiel wie es geht, vom Ersatzspieler zum Stammspieler zu avancieren, ist Ditmar „Jako“ Jakobs. Der HSV-Stopper hatte keine überragende Saison gespielt, er galt in der Abwehr als klarer Ersatzmann, den eigentlich so richtig niemand auf dem Zettel hatte. „Jako“ erinnert sich an eine wundersame WM, an seine Sternstunden in der Nationalmannschaft: „Ich flog damals nur als Mitglied des Festausschusses mit nach Mexiko, eine Chance, dass ich spielen könnte, rechnete ich mir nie aus. Ich wollte der Mannschaft den Rücken frei halten, ich wollte die Stammspieler in allen Belangen unterstützen, damit wir als Team ein hervorragendes Turnier spielen können.“

Aber es kam anders. Jakobs: „Ich habe die anderen Spieler, die vor mir waren, einfach kaputt getreten. Er lacht selbst über seinen Scherz. Wohl wissend, dass es andere für ihn erledigt hatten. Torwart Harald „Toni“ Schumacher verletzte Matthias Herget, und Klaus Augenthaler zog sich eine Zerrung zu. Das erste Spiel hatte ein 1:1 gegen Uruguay ergeben, und dann kam „Jako“.

Aber wie! Willensstark, aggressiv, absolut heiß, stets zum Kampf bereit, zu 100 Prozent motiviert. Er „donnerte“ im zweiten Gruppenspiel alles was schottisch war zur Seite, Deutschland gewann 2:1 – und hatte in Jakobs den Gewinner des Spiels. Die Stutzen so eben über die Knöchel (das ging damals noch), immer eisenhart am Mann, so „bearbeitete“ der HSV-Kapitän die Gegenspieler. Ditmar Jakobs war die Entdeckung von Beckenbauer, und der Hamburger blieb bis zum Finale (2:3 gegen Argentinien) im Team. Fazit von Jakobs: „Ich habe ein ganz gutes Turnier gespielt.“ Was stark untertrieben ist: Ditmar Jakobs gehörte zu den besten deutschen Spielern und war eine große Stütze im DFB-Team.

Über die heutige Nationalmannschaft und die vier HSV-Spieler macht er sich natürlich auch so seine Gedanken. Er prophezeit: „Jerome Boateng wird vom ersten Spiel an dabei sein.“ Aber dann? „Marcell Jansen hat sicher eine gute Chance, von der Bank zu kommen und sich in Südafrika von seiner besten Seite zu zeigen, auch wenn er zuletzt verletzungsbedingt aussetzen musste. Vielleicht aber schlägt ja auch die Stunde von Dennis Aogo, von dem ich auch viel halte.“ Und Trochowski? Jakobs: „Wenn er auf der richtigen Position zum Einsatz kommen würde, dann traue ich ihm zu, dass er in der Mannschaft bleibt.“ Was aber ist die richtige Position? Jakobs: „Piotr muss zentral hinter den Spitzen spielen, das wäre ideal für ihn, denn er hat Qualitäten, die sonst kaum einer hat.“ Warum aber hat „Troche“ diese Qualitäten nicht immer beim HSV gezeigt? Jakobs: „Weil er da immer auf der falschen Position zum Einsatz gekommen ist.“

Was hält Ditmar Jokobs überhaupt von der Auswahl, die Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw getroffen hat? Der frühere Stopper sagt: „Ich hätte Verteidiger Andreas Beck im Kader behalten, dafür hätte ich einen Stürmer zuhause gelassen, denn im Angriff sind wir quantitativ zu viele. Mit einem Abwehrspieler mehr an Bord wäre mir wohler – aber okay, es ist eben so.“ Dann ergänzte Jakobs: „Die Mannschaft erscheint mir auch sehr jung. Wir hatten damals erfahrene Kräfte wie Rudi Völler, Hans-Peter Briegel, Harald Schumacher, Klaus Augenthaler, Karlheinz Förster und zum Beispiel Karl-Heinz Rummenigge dabei, und Erfahrung macht in einem solchen WM-Turnier sehr viel aus.“ Und was traut er der deutschen Mannschaft trotz ihrer Jugend zu? Jakobs: „Die Gruppenphase werden wir zu 100 Prozent überstehen. Und danach entscheidet die Tagesform. Für mich steht fest: Diese deutsche Mannschaft kann jeden Gegner besiegen, aber es wird immer darauf ankommen, ob jeder Spieler auch stets 100 Prozent abrufen kann.“

Kurz noch einmal zu HSV gefragt: „Sind Sie enttäuscht über den Saisonverlauf?“ Ditmar Jakobs: „Was heißt enttäuscht? Die Mannschaft hat zu wenig aus ihren Fähigkeiten gemacht. In der Hinrunde hat sie eindrucksvoll gespielt, in der Rückrunde konnte dann keiner mehr die Form abrufen, die er noch im Herbst gezeigt hatte.“ Und was erwarten Sie von der neuen Saison? Jakobs: „Dass der Zusammenhalt in der Mannschaft wieder besser wird.“ Das ist auch ein Hinweis darauf, dass es Grüppchenbildung beim HSV gegeben hat, oder? Jakobs: „Grüppchenbildung ist doch total uninteressant. Wir hatten damals auch zu unserer erfolgreichen HSV-Zeit Grüppchen in der Mannschaft, sogar in der Nationalmannschaft gab es Grüppchenbildung. Wichtig ist doch nur, dass jeder Spieler begreift, dass es auf dem Platz nur gemeinsam geht. Jeder muss seine Fähigkeiten zu 100 Prozent in den Dienst des Teams stellen, nur dann, wenn jeder seine Stärken ausspielt und einbringt, kann es Erfolge geben. Es darf keiner für sich spielen wollen um allein zu glänzen, es geht nur gemeinsam. Und nach dem Spiel darf es dann von mir aus auch wieder Grüppchenbildung geben.“

Ja, so kenne wir ihn alle, den Vorbild-Profi Ditmar Jakobs, immer geradeaus, immer mit dem Herzen bei der Sache.

Wie komme ich nun auf „Eiche Nogly“? Der „echte“ war wohl aus ähnlichem Holz geschnitzt wie „Jako“. Und auch der „Matz-abber“ gibt immer alles. So wie jetzt: „Eiche“ hat ein WM-Tippspiel für uns eingerichtet. Kostenlos. Er hat mich um Preise „angebettelt“, und ich habe ihn erhört. Es wird für die ersten drei Plätze Preise geben, ganz sicher ein Trikot (nicht vom HSV, die bleiben dem Gewinnspiel vorbehalten), vielleicht auch drei. Und der Sieger darf sich dann seines aussuchen.

Ja, das Sommerloch. Von „Benno Hafas“ heute heraufbeschworen. Bislang sind wir nicht in dasselbige gefallen, aber demnächst – noch vor Beginn der WM – wird es die eine oder andere „Sommergeschichte“ aus Eurem Kreise geben. Bei der Gelegenheit: Wer noch etwas auf Lager hat, möge sich einen Ruck geben und seine Geschichte bitte an die Adresse des Gewinnspiels schicken – mit dem Hinweis: Sommergeschichte. Danke.

Und überhaupt? Sommerloch: Da trifft Jacek Dembinski, unser „Matz-ab“-Jacek, doch bei einer Party den netten Schiedsrichter Michael Kempter . . . Wenn das nichts ist. Vielleicht pfeift der junge Mann (nicht Jacek) ja zum Saisonbeginn gleich in Hamburg, wer weiß? In der Hoffnung, dass Jacek ihn in dieser Hinsicht schon mal ein wenig „bearbeitet“ hat, schließe ich den heutigen Beitrag.

17.42 Uhr