Monatsarchiv für Mai 2010

Gemeinsam sind wir stark!

25. Mai 2010

Armin Veh hat sich vorgestellt, Bastian Reinhardt ebenfalls, der Vertrag mit Paolo Geurrero wurde jetzt doch noch um vier Jahre verlängert – und der Aufsichtsrat atmet tief durch. Grund dafür: Endlich ist der Sportchef installiert, jetzt muss nicht mehr gesucht werden, ab jetzt muss nur noch kontrolliert werden, und das wohl besser in aller Stille und im Verborgenen. Die Lage beim HSV scheint sich zu entspannen, nun dürfte endlich wieder Ruhe einkehren, damit es mit vereinten Kräften in der nächsten Saison wieder nur bergauf geht. Es ist an diesem Dienstag viel gesprochen worden, es ist auch einiges versprochen worden, aber ein Satz erscheint mir besonders erwähnenswert. Als ich Klub-Boss Bernd Hoffmann die Frage stellte, ob denn nun Bastian Reinhardt, der Manager-Neuling, der Vorgesetzte von Urs Siegenthaler ist, antwortete Hoffmann: „Wir sind ein Team, wir werden alles gemeinschaftlich vertreten.“ Herr Hoffmann, das klingt super. Wenn Sie das tatsächlich beherzigen in die Tat umsetzen können, dann ist dieser HSV, Ihr HSV, unser HSV, ganz sicher wieder auf einem guten Weg. Gemeinsam sind wir stark, bitte nehmen Sie diesen Leitsatz ab jetzt als oberstes Gebot dieses Klubs.

Die Pressekonferenz mit den Vorstellungen von Armin Veh und Bastian Reinhardt könnt Ihr Euch in aller Ruhe nach auf Abendblatt TV ansehen, deswegen werde ich davon keine Dialoge veröffentlichen. Veh machte auf mich genau den Eindruck, den ich schon vor diesem Tag von ihm gewonnen habe: Ruhig, sachlich, ausgeglichen, fachkundig und nett, auch wenn der Begriff „nett“ bei einigen von Euch schon wieder negativ besetzt ist, mit „nett“ ist vor allen Dingen „menschlich“ gemeint. Veh steht mit beiden Beinen auf dem Boden, er ist nicht aggressiv, er ist nicht knurrig, auch wenn er gelegentlich den Anschein erwecken könnte, er ist nicht arrogant oder überheblich, er ist kooperativ und – was ich für die nächste Trainer-Ära beim HSV für ganz wichtig halte – er leidet nicht unter Verfolgungswahn. Er erzählt frisch, fromm, fröhlich, frei über sich und über die Dinge, die ihn bewegen. Das kommt bei mir sehr, sehr gut an.

Bernd Hoffmann und seine Mitstreiter haben sich die Sache „Trainer-Findung“ nicht leicht gemacht. Ganz sicher nicht. Es wurde in den letzten Wochen mit sechs, sieben Trainern gesprochen. Darunter war sogar auch ein Mann namens Bernd Schuster, von dem Hoffmann nach drei, vier Stunden einen sehr guten Eindruck gewonnen hatte. Letztlich war aber entscheidend, dass Armin Veh von allen Kandidaten die beste Lösung für Hoffmann und Co war. Der Vorstands-Vorsitzende bekannte später, dass in diesem Fall auch „das Bauchgefühl“ mit entschieden hat. Was zudem Fakt ist – und Bernd Hoffmann hat es ausgesprochen: Der HSV hat seit Ernst Happel keinen Trainer mehr gehabt, der den Titel des Deutschen Meisters gewonnen hat – Armin Veh kann einen solchen Titel vorweisen, er weiß, wie es geht (oder gehen könnte).

Gemeinsam sind wir stark. Das stimmt mich in der Tat sehr hoffnungsvoll. Wenn Veh, Siegenthaler und Reinhardt tatsächlich, so wie es der neue HSV-Coach andeutete, auf einer Wellenlänge liegen, wenn sie tatsächlich ihre fußballerischen Vorstellungen unter einen Hut bringen können, dann muss das HSV-Vorhaben „Aufschwung“ ganz einfach erfolgreich sein. Veh hat in 20 Trainer-Jahren reichliche Erfahrungen gesammelt, und er hat in Gesprächen mit Siegenthaler erkannt, dass sein Gegenüber ebenfalls ein großer Fußball-Experte ist (zu hören bei der PK). Und: Er hat es offensichtlich nicht nur erkannt, er akzeptiert es auch. Das ist viel wichtiger. Nicht dass es den einen oder anderen Mann im HSV gibt, der dem eigentlichen Kollegen, mit dem er Hand in Hand das Beste für den HSV bewirken sollte, nichts Gutes gönnt und deswegen eher kontraproduktiv mit ihm zusammen arbeitet.

Ein Hauptaugenmerk der neuen HSV-Führung wird auch sein, frischen Wind nach Ochsenzoll zu bringen. Siegenthaler hat schon Maß genommen, ich glaube, dass ich nicht zuviel verspreche wenn ich behaupte, dass es in Zukunft rund gehen wird im Jürgen-Werner-Leistungszentrum. Denn alle Herren haben sich zum Ziel gesetzt, dass es endlich „richtig“ guten Nachwuchs für die Bundesliga geben muss. Vorbild FC Bayern, bei dem, ich erwähnte es schon, sechs „Eigengewächse“ im Halbfinale der Champions League standen. Ein Traum. Auch in der Realität. Ein Traum von Siegenthaler, Veh, Reinhardt und Hoffmann. Und ich kann nur sagen: Bitte, die Herren, packen Sie es an. Es kann doch eigentlich nichts Schöneres geben, als wenn der HSV eine Tages melden kann: Wir spielen im Champions-League-Finale gegen Real Madrid mit einer Mannschaft, in der ebenfalls sechs Spieler, die in Ochsenzoll zum ersten Mal ein Trikot mit der Raute trugen. Man, was wäre das herrlich!

Noch ein kurzer Schwenk zu „Basti“ Reinhardt. Er ist, wie auch Armin Veh, im Vorfeld dieser Vorstellung arg niedergemacht worden. Ich kann verstehen, dass einige das aus Enttäuschung darüber, dass Nico Hoogma kein Sportchef geworden ist, von sich gegeben habe. Wie gesagt, ich versteh ihre Enttäuschung, aber die Wortwahl war teilweise unterirdisch und unmenschlich, so etwas werde ich nie im Leben tolerieren und akzeptieren, ich werde es immer verurteilen. So etwas gehört sich ganz einfach nicht, man muss auch mal verlieren können.

Und einer wie „Basti“ Reinhardt hat eine solche Vernichtung schlicht und einfach auch nicht verdient. Er ist ein ganz kluger Kopf, er wird im Zusammenspiel mit Veh und Siegenthaler schnell lernen, von ihm wird der HSV ganz sicher noch profitieren. Da lege ich mich mal ganz weit aus dem Fenster, aber ich bin von Reinhardts Qualitäten restlos überzeugt – schließlich laufen wir schon einige Jährchen parallel nebeneinander her. Interessant dürfte aber in der Tat sein, wie die Mannschaftskollegen (die bisherigen) auf den neuen „Vorgesetzten“ reagieren. Ich weiß es noch genau: 1986 fuhr Felix Magath als HSV-Spieler zur WM nach Mexiko, und kam als HSV-Manager aus Mexiko zurück. Und gleich einer seiner allerersten Aufträge war mehr als heikel. Magath sollte den Vertrag von Manfred Kaltz, mit dem er befreundet war, mit dem er auch privat durch viel Dick und viel Dünn gegangen ist, verlängern. Es kam wie es kommen musste – Kaltz und Magath konnten sich nicht einigen und lagen sich in den nächsten Monaten total überquer. So kann es auch gehen.

Fünf Bemerkungen (fast) am Rande: Der ehemalige Nürnberger Chef-Coach Michael Oenning wird, das ist fast hundertprozentig, neuer Co-Trainer des HSV. Der Transfer des niederländischen Nationalspielers Ibrahim Afellay ist auch (zu 99 Prozent) als sicher zu vermelden, zudem wird der HSV noch mindestens zwei Abwehrspieler unter Vertrag nehmen. Weil Veh erkannt hat, Ihr werdet es bei der PK gehört haben, dass die Schwächen des HSV in der Defensive lagen und noch liegen. Und dann noch zu Kevin Keegan. Es hält sich ja immer noch hartnäckig das Gerücht, dass der Engländer zu Verhandlungen (mit Bernd Hoffmann) in Hamburg war. Hoffmann dementiert das aber energisch und sagt: “Ich habe vor Jahren ein einziges Mal mit Kevin Keegan gesprochen. Ansonsten habe ich keinen anderen Kontakt mit ihm gehabt.” Alles heiße Luft.

Keine heiße Luft ist allerdings der Abschied von Ricardo Moniz aus Hamburg – der steht fest. Der Niederländer wird zu Red Bull Salzburg wechseln, obwohl ihn der HSV gerne gehalten hätte. Moniz wollte aber nur als Chef-Trainer bleiben, doch als ein solcher hatte er den Verantwortlichen ein bisschen zu wenig Erfahrung. Ein Standpunkt, den man (vor allem in der jetzigen HSV-Situation) vertreten kann.

Schlusseinschätzungen von Bernd Hoffmann: „Wir waren uns sicher, dass Armin Veh in dieser Situation, in der sich Mannschaft und Verein derzeit befinden, genau zum richtigen Zeitpunkt der richtige Trainer für uns ist. Er hat damals eine ähnliche Situation, wie wir sie jetzt haben, einst in Stuttgart vorgefunden, hat mit Stuttgart und Wolfsburg langjährige Erfahrungen auf einem Niveau gesammelt, auf dem auch der HSV spielt, und er bringt neben seiner nachgewiesenen Kompetenz die Souveränität und Freude mit, die ich mir von unserem Cheftrainer gewünscht habe. Wir haben mit ihm exakt die richtige Wahl getroffen.“

Das hoffen wohl – auch in diesem Jahr wieder – alle HSVer.

18.03 Uhr

Gebt allen eine faire Chance!

25. Mai 2010

Wie schön, dass der HSV diese Nachrichten zur Nacht herausgegeben hat, sonst hätte es wohl eine Spontan-Demo gegeben. Und eventuell hätten einige sogar die Arena dem Boden gleich gemacht. Ich bin wirklich fassungslos! Es ist unmenschlich, was hier abgeht. Was sind hier für tolle HSV-Fans unterwegs!? Die halten zu ihrem Verein wie Pech und Schwefel. Einer geht sogar gleich zum FC St. Pauli rüber, andere werden ihm vielleicht folgen – abwarten. Aber wirklich tolle Fans. Was wäre wohl passiert, wenn es tatsächlich Lucien Favre geworden wäre? Oder Koller? Oder Funkel? Oder ein ganz anderer Trainer ohne jeden Namen? Dann wäre die Hälfte der HSV-Mitgliedschaft wahrscheinlich noch in dieser Nacht an die Weser gewechselt. . . Es ist unfassbar für mich, was hier los ist. Und Ihr seid HSV-Fans?

Jose Mourinho war nun leider schon von Real weggefischt worden, sonst hätte ihn der HSV ganz sicher bekommen. Und unter Mourinho hätten es ja die, die jetzt meckern und Kübel voller Häme über den Vorstand und „ihren Verein“ auskippen, ja gar nicht erst gemacht. Dem besten Verein den besten Trainer – natürlich, selbstverständlich, was kostet die Welt?

Habt Ihr, die jetzt meckern, eigentlich mal nachgedacht, wie viel Geld der HSV noch in der Tasche hat? Und was an Kohle noch in der nächsten Saison noch rein kommt? Einen Monat hätte sich der HSV einen Jose Mourinho leisten können, wenn überhaupt. Es war klar, dass es kein Wenger, kein Ferguson, kein Hiddink und kein Sonstwer werden würde. Für einen ganz Großen der Trainerzunft ist schlicht und ergreifend kein Geld da. Ich würde es am liebsten, ach, was rege ich mich auf . . . Es wurde doch auch schon an dieser Stelle oft genug betont. Oft genug: Vor Beginn der angelaufenen Saison hatte der HSV eigentlich nur 15, 16 Millionen Euro zur Verfügung, ausgegeben wurden aber über 32. Das geht einmal, aber das geht kein zweites Mal.

Ich bitte deshalb jetzt alle, erst einmal eine Nacht darüber zu schlafen. Diese beiden Entscheidungen richtig sacken lassen, und dann zu dem Schluss kommen: Okay, wir geben ihnen eine faire Chance. Denn was ist dann bloß los, wenn der HSV auf einmal nicht nur den besten Saisonstart hinlegt, sondern auch am Ende seine beste Saison? Bitte dann alle diejenigen, die Veh jetzt vernichtet haben, um Verzeihung?

Ihr habt B.L. auch eine Chance gegeben, also haltet zu Eurem Verein. Bernd Hoffmann hat das Versprechen abgegeben, den HSV wieder ganz nach oben in die europäische Spitze führen zu wollen – er trifft doch nicht aus Jux und Dollerei solche Entscheidungen, wohl wissend, dass am Ende dabei nichts heraus kommt. Für so dumm sollte ihn nun wirklich keiner halten. Und wenn es hier bei „Matz ab“ dennoch einige für gut befinden, Hoffmann und Co zu vernichten, dann fallt bitte nicht darauf rein:

GEBT IHNEN ALLEN EINE FAIRE CHANCE.

Nur darum bitte ich jeden von Euch. Sonst könnt Ihr doch den Laden vollends zumachen.

Noch ein Satz zu Basti Reihardt. Ich finde es klasse, dass der HSV den Mut hat, ihm den Job zu geben. Ich glaube Ihr wisst alle ganz genau, was für ein schlaues Kerlchen der bisherige Innenverteidiger ist. Der Basti hat nicht einmal zuviel geköpft, der ist helle, ausgeschlafen, clever und schneidig. Er wird es packen, da bin ich mir sicher. Und denkt doch bitte einmal zurück: Als Dietmar Beiersdorfer verpflichtet wurde, war er KEIN Bundesliga-Manager. Er war, wie „Devildino“ richtig bemerkte, ein Wirtschaftsfachmann, der vorher Profi-Fußballer war. Genau. Keiner hat gegen ihn protestiert, oder kaum einer. Und der Didi hat den Job gewuppt. Also, habt Vertrauen, der Basti macht das ebenfalls, ganz, ganz sicher.

Sein Vorteil: Er hat einen Fachmann wie Urs Siegenthaler an seiner Seite. Ich bin davon restlos überzeugt, dass dieses Gespann funktionieren wird.

GEBT IHNEN ALLEN EINE FAIRE CHANCE.

Und wem das schon wieder zuviel Schleim ist, dem sei gesagt: Es geschieht hier alles mit Bedacht. Hier lesen Bundesliga-Trainer (und solche die es noch werden wollen!) mit, hier lesen Bundesliga-Manager (und solche, die es noch werden wollen) mit, hier lesen ganz normale Profis und auch die Herren Nationalspieler mit, hier lesen auch sämtliche Nationaltrainer der Welt mit. Bei allen diesen Personen möchte ich mich mit diesem Geschreibsel anschleimen. Bei den meisten hatte ich ja auch schon allergrößte Erfolge.

So, ich habe fertig. Für heute. Aber ich gehe jetzt auch ins Bett. Bis Mitternacht wird hier noch freigegeben, alle anderen, die sich morgen beschweren wollen (oder auch in der Nacht) muss ich leider vertrösten: Es geht am Dienstag erst um 9 Uhr wieder los. Das schreibe ich nur für die, die sonst in der Nacht in die Luft gehen würden. Und für die, die es immer noch nicht gelernt haben: Wir mussten und müssen diese Kontrolle (den Filter) einrichten, denn sonst wird hier munter beleidigt, gepöbelt und geoutet, dass es für viele, viele Strafprozesse reichen würde. So ist es in der heutigen Zeit leider um das anonyme Internet bestellt – die Kehrseite der Medaille.
Gute Nacht.

0.02 Uhr

Veh und Reinhardt sind es

24. Mai 2010

Die größten Rätsel sind gelöst. Zum Schluss ging es doch etwas schneller als gedacht. Der HSV hat mit Armin Veh einen neuen Trainer für die Bundesliga-Mannschaft gefunden, und er wird mit Bastian Reinhardt einen Nachfolger für den zuletzt vakanten Sportchef-Posten installieren.

Um Euch meine Meinung dazu mitzuteilen: Ich bin mit beiden Person sehr einverstanden. Ich habe Veh als kompetenten und ruhigen Trainer kennen gelernt, und über Basti Reinhardt hier noch Worte zu verlieren, ist völlig überflüssig. Ich wünsche beiden Herren sehr viel Glück und viele glückliche Händchen im Sinne des HSV.
21.45

Interview mit Willi Schulz

24. Mai 2010

Morgen Kinder wird’s was geben . . . Vielleicht aber auch nur. Auf jeden Fall treffen sich die Herren des Aufsichtsrates. Und dann wird beraten, wer es wird – der neue Sportchef. Einer wird es auf keinen Fall mehr: Nico Hoogma. Ich sprach am Sonntag mit dem ehemaligen HSV-Kapitän, er sagte mir eindeutig: „Ganz sicher ist, dass ich nicht Sportchef des HSV werde.“ Der HSV hatte seine Chance, er hat sie amateurhaft verspielt, nun blocken die Niederländer. Der Präsident von Heracles Almelo hat dem HSV-Aufsichtsrat eine deutliche Absage erteilt: „Wir brauchen Nico Hoogma jetzt hier, es wird nicht mehr über eine Freigabe diskutiert.“ Und Ende.

Hoogma muss beim Tabellensechsten eine neue Mannschaft aufbauen, denn: Martin Pieckenhagen hat seine Karriere beendet, und auch der Mittelstürmer und Torjäger verlässt den Klub in Richtung Heerenveen. Hoogma: „Und wir werden auch in der kommenden Saison den kleinsten Etat aller Klubs der ersten Liga in den Niederlanden haben, da muss nicht viel mit Geld, sondern mit offenen Augen gekauft und verpflichtet werden.“

Ein tolles Motto – könnte auch wunderbar auf den HSV übertragen werden. Vielleicht übernimmt es ja der neue Sportchef. Der dürfte meines Wissens spätestens Mittwoch feststehen, eventuell sogar eher.

Über die derzeitige Lage beim HSV sprach ich unterdessen mit dem ehemaligen Stopper der Nation, Willi Schulz, der einst im Aufsichtsrat des HSV war. Hier folgt das Interview, aber für alle, die so gespannt sind wie ein Flitzbogen, gebe ich noch eine kleine Information am Rande: Guckt doch bitte noch einmal gegen Mitternacht bei “Matz ab” hinein, es könnte doch noch etwas Neues geben, denn ich bin weiter – trotz Tatort – am recherchieren. Bis dann also.

Das Interview:

Matz ab: Herr Schulz, der Aufsichtsrat steht in diesen Tagen heftig in der Kritik, sind Sie froh, dem Gremium nicht mehr anzugehören?
WILLI SCHULZ: Ich will in diesem Punkt nicht nachkarten. Grundsätzlich gibt es ein Problem, wenn man im Aufsichtsrat ist. Man muss sich darüber klar sein, dass man nur eine Stimme hat. Also muss man versuchen, sich mit den anderen Mitgliedern irgendwie arrangieren. Deswegen ist diese Aufgabe nicht leicht, denn einige, die eine andere Meinung vertreten als die Mehrheit, laufen die Gefahr, unter die Räder zu kommen.

Matz ab: Im Moment scheint der ganze Rat unter die Räder gekommen zu sein, denn noch nie war die Kritik so heftig.
SCHULZ: Der HSV ist ein ruhmreicher Verein, da werden natürlich gewisse Ansprüche gestellt. Unsere Mitgliedschaft ist nicht mit einem durchwachsenen Ergebnis zufrieden. Wenn wir Platz sieben belegen, sind die meisten natürlich unzufrieden. Der Aufsichtsrat berät den Vorstand, urteilt über den Vorstand, aber dann muss man natürlich wissen, über was man da redet. Man sollte dann schon über Fußball Bescheid wissen.

Matz ab: Das aber fehlt wohl offensichtlich den meisten Räten, oder?
SCHULZ: Wie ich eingangs schon sagte, ich möchte nicht nachkarten. Fest steht aber für mich, dass außer Sergej Barbarez und Ronald Wulff kein anderes Aufsichtsratmitglied den großen Fußball kennt. Man muss aber im heutigen Profi-Fußball wissen, was da läuft. Das geht nicht mehr zu wie im Amateurfußball, und deswegen sage ich: das Gewerbe muss man kennen.

Matz ab: Aber bei Bayern München sitzen auch viele, viele Wirtschaftsfachleute im Rat, wieso geht das dort?
SCHULZ: Der FC Bayern ist anders strukturiert, dort gibt es keinen Aufsichtsrat, dort gibt es einen Wirtschaftsrat, und dieser Wirtschaftsrat ist kleiner. Aber, und das ist wichtig: Beim FC Bayern sitzt die geballte Fußball-Kompetenz im Vorstand. Das ist der gravierende Unterschied. Da kann ich von oben bis in die Jugendabteilung gehen, bis ich da ganz unten ankomme, muss ich an acht Weltmeistern vorbei marschieren.

Matz ab: Apropos FC Bayern. Als Sie in den HSV-Aufsichtsrat gewählt wurden, wollten Sie in einigen Jahren auf Augenhöhe mit dem FC Bayern sein. Wie weit ist der HSV heute von den Münchnern entfernt?
SCHULZ: Der FC Bayern ist das Vorbild für Deutschland, eventuell für ganz Europa. Deswegen musste es unser Ziel sein, zu ihnen aufzuschließen. Bayern ist im sportlichen und wirtschaftlichen Bereich die Nummer eins, daran sollten wir uns orientieren. Und dabei müssen wir den Fußball nicht neu erfinden, die Sache ist ganz einfach. Ich würde immer sagen: Macht es wie die Bayern. Und zwar auf allen Ebenen. Wenn wir das machen, dann sind wir vorne.

Matz ab: Aber wie weit ist der HSV vom FC Bayern denn jetzt entfernt?
SCHULZ: Das ist eine Momentaufnahme. Man muss ganz fair feststellen, dass wir im Moment weiter vom Rekordmeister entfernt sind, als dass wir näher an sie herangerückt sind. Wir haben uns schon weiter entfernt, mein damals angepeiltes Ziel haben wir leider weit verfehlt.

Matz ab: Gibt es dafür Gründe?
SCHULZ: Die Gründe dafür sind vielschichtig. Ein Punkt ist zum Beispiel die Nachwuchsarbeit. Wir haben eines der besten Leistungszentren der Bundesliga, aber bei uns gibt es keinen A-Jugend-Meister, keinen B-Jugend-Meister, keinen U-19-Meister – es kommen aus unserem Nachwuchsbereich keine Spieler für unsere Bundesliga-Mannschaft heraus. Bei den Bayern sieht das so aus: Die haben ihr Zwei-Säulen-System: Es werden fünf Weltklasse-Spieler gekauft, und sechs Spieler kommen aus dem eigenen Nachwuchs. Da muss der HSV erst noch hin, aber wie gesagt, wir sind weiter entfernt denn je.

Matz ab: Sorgen Sie sich derzeit um den HSV?
SCHULZ: Im Grunde gibt es für mich keinen Grund zur Sorge. Der HSV ist vielschichtig genug, um auch diese gewiss nicht schöne Situation zu überstehen. Es wird immer mal ein Auf und Ab geben. Die Frage ist doch die: War diese Saison nur ein Ausrutscher, oder ist diese Schwäche von Dauer? Das wird die neue Spielzeit zeigen. Nur wir müssen uns auch fragen, was wollen wir eigentlich? Unser Ziel muss sein, wieder einmal Meister zu werden, und da kann es nicht sein, dass wir eine fast komplette Mannschaft, die das Zeug gehabt hätte zum Titelgewinn, dass wir die verkaufen. Ob das Olic ist, van Buyten, Boulahrouz, van der Vaart, Kompany, de Jong und, und, und. Dann muss man versuchen, diese Leute zu halten, um auch wirklich um die Meisterschaft spielen zu können. Grundsätzlich aber muss Platz sieben eine Warnung für alle sein.

Matz ab: Dennoch habe ich jetzt den Eindruck, als würden Sie der Zukunft des HSV noch ganz optimistisch entgegenblicken, oder täuscht das?
SCHULZ: Platz sieben kann eine Eintagsfliege sein, aber es könnte auch schneller bergab gehen, als jetzt noch so mancher glaubt. Vorstand und Aufsichtsrat müssen enorm wachsam sein. Oben dran zu bleiben ist eigentlich relativ leicht, denn unsere Infrastruktur ist hervorragend: Wir haben hervorragende Trainingsanlagen, wir haben ein wundervolles Stadion, es ist eines der schönsten in Deutschland, wir haben unglaublich treue und tolle Fans, und wir haben eine der schönsten Städte der Welt im Rücken – das alles wird uns auch weiterhin Punkte bescheren.

Matz ab: Als Sie im Aufsichtsrat waren, haben Sie, als der HSV in Abstiegsgefahr geraten war, öffentlich gewarnt und gefordert, den Trainer zu wechseln. Wieso durften Sie das damals, und wieso haben sich in der vergangenen Saison alle Räte aus dem sportlichen Bereich herausgehalten?
SCHULZ: Wir sind ja nie wieder in eine solche Situation gekommen, wir standen ja nie wieder auf dem 18. Platz. Platz sieben ist eine Delle, das sagt noch nichts. Aber siehe Hertha BSC: Man muss schon höllisch aufpassen. Man muss nur mal zwei, drei Spiele hintereinander verlieren, und man ist unten drin. Dann greift die Nervosität um sich, und dann kann es ganz, ganz schnell gehen, dass man auf einem Platz steht, auf dem es sehr gefährlich werden könnte. Und zu meinem Vorstoß damals: Dafür habe ich ja auch von allen Seiten reichlich um die Ohren bekommen, ich bin auch innerhalb des Aufsichtsrats scharf gemaßregelt worden. Gott sei Dank ist es gut gegangen damals, dank Huub Stevens. Aber es gibt ja auch heute immer noch Fantasten, die behaupten, dass der HSV damals niemals abgestiegen wäre – aber für diese Menschen habe ich nur ein müdes Lächeln übrig.

Matz ab: Vielfach wird im HSV eine zu enge Nähe des Aufsichtsrates zum Vorstand kritisiert. Ist das auch Ihr Empfinden?
SCHULZ: Die Möglichkeiten des Aufsichtsrates sind ja sehr begrenzt, denn alles was sich im sportlichen bereich bewegt, das gehört zum operativen Geschäft. Da muss ich den Aufsichtsrat auch mal in Schutz nehmen, da kann er nur wenig Einfluss nehmen, das ist einfach so.

Matz ab: War es ein großer Fehler, in dieser Saison keinen Sportchef installiert zu haben?
SCHULZ: Lassen Sie es mich mal so formulieren: Die Aufgaben eines Sportchefs beim HSV sind so vielschichtig, die kann ein Mensch allein eigentlich gar nicht bewältigen. Ich habe damals schon Dietmar Beiersdorfer gesagt, dass er sich dringend eine rechte Hand anschaffen sollte, weil er es allein gar nicht packen konnte. Die Schlussfolgerung daraus: Wenn es ein Sportchef schon nicht schaffen kann, dann kann es ohne Sportchef erst recht nicht gehen. Das ist die Wahrheit. Ohne Sportchef waren Bernd Hoffmann und Katja Kraus, die auf ihren Gebieten wirklich sehr gute Arbeit leisten, schlicht überfordert, denn sie haben ja noch jede Menge großer Aufgaben zu erledigen. Einen Bundesliga-Verein wie den HSV zu führen, das ist ja unheimlich schwer. So nebenbei geht da gar nichts, ohne Sportchef ist es unmöglich, unbeschadet über die Runden zu kommen.

Matz ab: Jetzt ist der FC St. Pauli aufgestiegen, droht dem HSV vom Millerntor eine Gefahr?
SCHULZ: Wir müssen aufpassen. Wenn wir die Erwartungen in der neuen Saison wieder nicht erfüllen, dann könnte es passieren, dass die Stimmung in der Stadt umschlägt, dass uns St. Pauli von der Stimmungslage her auf einmal recht wehtut.

Matz ab: Ist Urs Siegenthaler der richtige Mann für den HSV?
SCHULZ: Ich kenne seine Aufgaben nicht. Grundsätzlich meine ich aber, dass der HSV als Zweitstation neben dem DFB nicht zu schaffen ist. Mit halber Kraft geht da gar nichts, dazu ist der HSV zu komplex. Da gibt es den HSV, HSV-Ochsenzoll und den DFB. Das alles ist für einen Mann nicht zu schaffen. Es wäre schön, wenn er sich auf eine Aufgabe, also nur den HSV, konzentrieren würde. Es ist doch auch so: Jetzt ist Urs Siegenthaler acht Wochen mit der Nationalmannschaft unterwegs, anschließend geht er in den wohlverdienten Urlaub – und wenn er dann in Hamburg ist, läuft die Saison schon. Ich weiß nur: Mehreren Herren dienen geht selten gut.

Matz ab: Plädieren Sie denn auch dafür, dass dem Herren Siegenthaler noch ein Sportchef, der dem Vorstand angehört, vorgesetzt wird?
SCHULZ: Es gibt ja eine Hierarchie in diesem Verein. Und ist der Vorstandvorsitzende der erste Mann. Und wenn es dann dort den Sportchef gibt, und das muss ja so sein, dann ist dieser Sportchef auch ganz automatisch der Vorgesetzte von Siegenthaler. Letztlich muss ich aber auch sagen: Egal wie das läuft, ich will nur eines: Erfolg für den HSV. Ich will nicht Platz sieben, sondern der HSV soll oben stehen und in die Champions League kommen – nur das will ich, nur das zählt für mich.

Matz ab: Sie bekennen sich immer sehr deutlich zum HSV, obwohl Sie aus dem Ruhrpott kommen – die Frage ist Ihnen sicher schon oft gestellt worden, aber ich wage sie noch einmal: Wieso sind Sie so ein Vollblut-HSVer geworden?
SCHULZ: Ich war als junger Bursche, aufgewachsen in Wattenscheid-Günnigfeld, schon HSV-Fan. Viele um mich herum waren Schalke-Fans, und ich nicht. Wenn wir in die Schalker Glückauf-Kampfbahn gefahren sind, um zum Beispiel Spiele um die Zonen-Meisterschaft zu sehen, dann habe ich den HSV schon bewundert. Und zwar wegen einer Sache: die Stutzen. Die blauen Stutzen, die oben senkrecht schwarz-weiß abgesetzt sind, die sind einmalig in Europa. Und als ich später bei den Lehrgängen der Nationalmannschaft war, fühlte ich mich immer besonders zu den HSV-Spielern wie Uwe Seeler, Charly Dörfel, Jürgen Kurbjuhn und all den anderen hingezogen. Und als ich Angebote von einigen Klubs erhielt, habe ich mich aus Sympathie für den HSV entschieden. Der HSV war schon immer meine heimliche Liebe. Der HSV ist ein ruhmreicher, exklusiver, anerkannter und auf der ganzen Welt bekannter Fußball-Verein mit großer Tradition. Und er ist in der Bundesliga immer eine führende Adresse, ist lohnt sich immer wieder, sich für diesen Verein zu streiten.

Matz ab: Würden Sie eigentlich noch einmal ein Amt innerhalb des HSV übernehmen?
SCHULZ: Das müsste ich mir überlegen. Ich bin jetzt 71 Jahre alt, habe viele Geschäfte, um die ich mich zu kümmern habe. Aber, das sage ich auch, wenn man seinen Klub liebt, und wenn es dem Klub dann einmal nicht mehr so gut gehen würde, dann darf sich kein Mitglied verschließen, dann muss angepackt werden, wenn es erforderlich ist.

Matz ab: Zum Abschluss gefragt: Blicken Sie der sportlichen Zukunft des HSV optimistisch entgegen?
SCHULZ: Ja, ganz sicher. Wir haben zwar sehr unter dem Abgang von Dietmar Beiersdorfer gelitten, sein Fehlen in dieser Saison hat ein großes Loch gerissen, aber wenn man in der Lage ist. Einen adäquaten Ersatzmann zu finden, dann können wir gut und gerne zur alten Stabilität zurückfinden, das ist keine Frage für mich.

Matz ab: Was muss sich aber in der Mannschaft verändern?
SCHULZ: Wir müssen darüber nachdenken, wie unsere Mannschaft zusammengestellt ist. Wir haben einige Spieler, die über 30 Jahre alt sind, wie Rost, Ze Roberto, Jarolim, Mathijsen und van Nistelrooy. Und wenn diese ältesten Spieler ununterbrochen die besten und stabilsten Kräfte in diesem Team sind, dann ist das ein Alarmsignal, das ist höchst ungesund. Es muss nämlich umgekehrt sein: Die Jungen müssen marschieren, und die Alten halten den Laden zusammen, die müssen die Zügel in der Hand halten. Aber da bin ich dann wieder bei diesem leidigen Thema: Wir müssen darauf achten, die junge Spieler zu halten, das ist ganz, ganz wichtig. Ganz einfach auf einen Nenner gebracht: Wir müssen es machen wie die Bayern.

Matz ab: Ihr persönliches Schlusswort?
SCHULZ: Ich hatte mal einen sehr, sehr guten und klugen Trainer. Das war Sepp Herberger. Der hat einst zu uns Spielern immer gesagt: Jungs, spielt was ihr könnt. Ein ganz weiser Spruch. Der gilt auch für unseren Vorstand und für unseren Aufsichtsrat, der gilt für alle. Macht das, wovon ihr Ahnung habt – so heisst das auf Deutsch.

20.34 Uhr

(M)Eine Sommer-Geschichte

23. Mai 2010

Das Wichtigste gleich am Anfang: Es ist an diesem Sonntag nichts passiert beim HSV. Ich hatte Kontakt zur Klub-Spitze, es ist an diesem Tag keiner verkauft oder verpflichtet worden, es ist noch nicht die Zeit für einen neune Trainer und auch nicht für einen Sportchef – aber es ist alles bestens im Fluss. Wir müssen abwarten.

Es ist Pfingsten. Und es ist Sommerpause. Und damit sollte es eigentlich auch ein wenig ruhiger in der Medienlandschaft zugehen. Ging es aber nicht, wir kennen alle die Gründe, ich möchte das nicht noch einmal aufwärmen. Vor Beginn der Pause gab es aus Euren Kreisen die Anregung, fußballerische Sommergeschichten von Euch zu veröffentlichen, „HK Hans“ hatte es vorgeschlagen, ich war begeistert. Und bin es immer noch, auch wenn die Resonanz bislang nicht so überwältigend war. Aber das mag noch kommen.

Ich hatte mir vor Wochen auch vorgenommen, eine ganz spezielle Geschichte von mir zu veröffentlichen, und zwar die, wie ich als kleiner Knabe zum Fußball gekommen bin. In den letzten Tagen und Wochen habe ich mit mir arg, arg gekämpft, ob ich das machen sollte, denn es herrschte hier eine sehr, sehr aggressive Stimmung, und dazu passt eine solche Geschichte, die nichts mit dem HSV und dem Profi-Fußball zu tun hat, nicht so sonderlich gut. Für die miese Stimmung im Blog war auch ich verantwortlich, denn ich habe – aus Übermut – einige Herren zu doll gereizt. Meine Schuld, das sehe ich ein, kommt nicht wieder vor.

Da ich aber hoffe (und von einigen „Matz-abbern“ weiß ich es auch), dass sich einige von Euch doch Gedanken über ihre persönliche Sommergeschichte gemacht haben, mache ich nun (doch) den Anfang. Und keine Angst: Es gibt von nun an nicht nur sommerlich-seichte Geschichten – aber eben auch mal. Wobei ich ehrlichen Herzens bekennen muss, dass ich mit meiner Geschichte vom „Trapper Doc Seitenberg“ inspiriert worden bin. Er schrieb kurz vor Heiligabend 2009 eine besonders schöne Geschichte über seine Fußball-Jugend auf. Sie ging mir so nahe, dass ich sie am 24. Dezember im Kreise meiner großen Familie vorlas. Teilweise kamen mir die Tränen, gebe ich offen und auch gerne zu, denn was der „Trapper“ erlebt hatte, das erinnerte mich total an meine Jugend. Seit dieser Geschichte sind der „Doc“ und ich „Brüder in Gedanken, Brüder im Geiste.“ Danke, lieber Trapper, noch einmal für diese tolle Geschichte, Du hast sie traumhaft aufgeschrieben und damit die Messlatte für alle folgenden Beiträge sehr hoch gelegt. War es noch einmal lesen möchte: Erschienen am 24. Dezember um 12.48 Uhr unter dem Namen „Nebraska63“. Es gab schon viele, viele tolle Beiträge und Geschichten von Euch, von vielen persönlichen Treffen weiß ich, dass Euch die Heiligabend-Geschichte des „Trappers“ immer noch am besten gefällt – völlig berechtigt.

Okay, ich weiß, es ist jetzt keine Weihnachtszeit, und trotz allem beginne ich nun, meine Geschichte zu schreiben. Aber bevor ich damit anfange, möchte ich noch einen kurzen Abstecher machen: „Willkommen zurück, lieber Jonny, Du hast mir gefehlt. Und vielen anderen auch. Es wäre schön, wenn es nicht ein einmaliger Ausrutscher war, sondern wenn Du hier wieder mitmachen würdest, aber ich möchte Dich auch ganz lieb darum bitten, geduldig und immer in netter und höflicher Form zu schreiben. Bitte, bitte. Wenn Du und wenn ich, wir beiden alten Säcke, nicht mit dem netten Matz-ab-Blog beginnen, wer soll es dann machen?

 Willkommen zurück, lieber Jonny.“

Nur einige wenige „Matz-abber“ kennen mich schon aus der Jugend, aber es gibt diese Leute. Diese Jungs haben mich erlebt, als ich in Barmbek in der Habichtstraße wohnte und aufgewachsen bin. Mir ging es ähnlich wie dem „Trapper“: Eltern geschieden, meine Mutter blieb mit drei kleinen Knaben (ich war der mittlere) allein zurück. Die Familie beschloss, dass die beiden großen Jungs in ein Internat müssen. Ich war acht Jahre alt, als es nach Tostedt ging. Und es wurde die härteste Zeit meines noch jungen Lebens, denn wir wurden unglaublich hart erzogen. Ganz nebenbei wurden wir, wenn wir etwas verbrochen hatten, mit allen möglichen Sachen ge- und verprügelt (Rohrstock, Hände, sogar mit der Bohnermaschine). Das nur am Rande. Zum Wesentlichen: Ich hatte vorher nie eine Berührung mit dem Fußball gehabt, aber dann. Mein Klassenlehrer, von dem ich nur weiß, dass er aus Salzhausen kam (von dem ich aber nicht mehr den Namen weiß), ließ dreimal die Woche in der Sportstunde auf einem Acker (halb Sand, halb Rasen) neben dem Schulhof Fußball spielen. Dort lief ich zum ersten Mal hinter einem Fußball her. Und ich kann mich noch genau an eine ganz besondere Situation erinnern: Einmal verfing sich der Ball kurz vor dem „gegnerischen“ Tor in einer Trauerweide. Als er herunter plumpste, stand ich goldrichtig. Wieso und weshalb, ich weiß es bis heute nicht, aber ich beförderte die Kugel mit einem Fallrückzieher ins Tor. Und alles war heil geblieben! Ich hatte nie Uwe Seeler gesehen, es gab im Internat kein Fernsehen,  ich hatte aber dennoch einen Fallrückzieher riskiert. Und wurde danach von allen gefeiert, mein Lehrer kam staunend und klatschend auf mich zu, nahm mich in den Arm und sagte: „Wo hast du denn das gelernt? Das habe ich hier ja noch nie gesehen . . .“

Und wenn man als Fußballer ein solches Lob erhält, lebt man auf, dann „wächst“ man. Das weiß jeder. Und ich bin „gewachsen“. Fußball war ab sofort mein Ding, Fußball wurde mein alles beherrschendes Ding. Ohne Fußball ging fortan nichts mehr. Aber: Wenn Klassenspiele angesetzt waren, durfte ich nie mitspielen, ich musste ins Internat. Da kannten die Schwestern, die wie Nonnen bekleidet durch das Internat „schwebten“, keine Gnade. Eines Tages gab es ein besonderes Klassenspiel, gegen unsere Parallel-Klasse. Die Mitschüler baten mich den ganzen Vormittag über, sie beknieten mich, sie überredeten mich: Diesmal ging ich nach der Schule nicht ins Internat, sondern gleich auf den Fußballplatz des MTV Tostedt. Dort wartete ich eine Stunde bis zum Spielbeginn. Als wir cirka zehn Minuten gespielt hatten, erschien mir plötzlich ein Geist. Nein, kein Geist, es war die nackte Realität. Meine „Schwester“ aus dem Internat kam auf dem Fahrrad angeradelt, hatte einen Rohrstock in der Hand, stieg nicht erst ab, sondern fuhr über den Platz direkt auf mich zu und befahl eiskalt: „Und ab. Schnapp dir deine Sachen und dann lauf!“ Im Schweinsgalopp wurde ich vom Acker getrieben. Die Klamotten im Sprinten aufgesammelt und dann wurde ich über einige Kilometer durch das Dorf getrieben. Und im Internat gab es dann eine Abreibung erster Güte, dazu Stubenarrest und kein Abendbrot. Da waren sich die „Schwestern“ einig. Und sie blieben eisern. Eine Erfahrung fürs Leben.

Fußball aber blieb trotz allem alles für mich. Als ich elf Jahre alt war, hatte sich der Kampfgeist meiner Mutter durchgesetzt: Mein Bruder und ich durften nach Hause, wieder zurück nach Barmbek. Und dort „bearbeitete“ ich meine Mutter jeden Tag: „Mama, ich möchte, nein ich muss unbedingt  in einen Fußballverein eintreten.“ Meine Mutter sagte aber immer wieder nein. Aus Kostengründen. Den monatlichen Beitrag konnte sie nicht aufbringen, sie konnte mir auch keine Buffer kaufen,  kein Trikot und so weiter, und so weiter. Null Kohle. Und: Wenn ich geduft hätte, dann hätten ja auch meine beiden Brüder sagen können: „Wir möchten natürlich ebenfalls in einen Fußballverein.“ So hart waren die Zeiten damals, ungefähr 15 Jahre nach dem Krieg. Also blieb ich erst einmal ohne Verein.

Aber trotz allem nervte ich meine Mutter fast täglich, denn in meiner Schulklasse drängten die Mitschüler darauf, in ihre Mannschaften zu kommen. Einige wollten mich zum Wenden SV lotsen (heißt heute SV Barmbek), einer zum Post SV, einer zum SC Urania und die anderen zu BU. Dort spielten die meisten Jungs. Und irgendwie hatte ich mich, ohne es zu sagen (weil ich ja nie durfte), für die Karriere als BU-Mann entschieden. Dann kam mein zwölfter Geburtstag (1960). Daran, dass ich in einen Verein eintreten dürfte, habe ich an diesem Tag nicht gedacht. Niemals. Aber die große Überraschung war: In einem Päckchen, dass ich von meiner Mutter erhielt, fühlte ich so etwas wie Strümpfe. Ich riss das Papier auf, und hätte mich vor Frust fast auf den Fußboden gesetzt. Meine Mutter hatte mir ein Paar Fußballstutzen geschenkt. Das allein war ja eigentlich ganz toll, aber: Es waren die Stutzen vom „falschen Verein“. Vom Wenden SV. Diese Geburtstags-Stutzen waren blau-weiß geringelt. BU-Stutzen wären blau und oben gelb gewesen. Oh Mann! Was für eine Enttäuschung! Und nun? In den Stutzen verborgen lag ein Zettel: „Dieter, du darfst in einen Fußballverein eintreten.“ Was sollte ich denn jetzt machen? Doch zum SV Wenden? Nur wegen dieser blau-weiß geringelten und falschen Stutzen? Ich ließ es offen.

Tags darauf erzählte ich in der Schule von meinem Geschenk. Für die BU-Männer stand fest: „Du kommst zu uns, dann spielst du eben erst einmal mit Wenden-Stutzen.“ So wurde es gemacht. Die Fußballstiefel, die ich von meiner Mutter bekam, waren bereits jahrelang getragen und mindestens zwei Nummern zu groß, aber egal: Ich durfte rein in den Verein, ich durfte endlich mit den Jungs spielen. BU wurde mein Klub. Bis heute ist BU meine heimliche Liebe. Weil ich dort viele, viele Freunde hatte, bis heute noch habe (allerdings nicht mehr ganz so viele, das bringt die Zeit so mit sich). Um ehrlich zu sein: Geld war und blieb knapp bei uns, aber „helfende Hände“, Betreuer und Trainer und die Jugendabteilung des Klubs, spendierten mir später Stiefel, Trikots, Trainingsanzüge,  Trikots und natürlich auch die “richtigen” Stutzen. Und – als ich 16 Jahre alt war – sogar eine Reise. Ich war Kapitän der Mannschaft, sollte aber nicht mit nach Südfrankreich – weil kein Geld bei Matzens vorhanden war. Da kam die B-Jugend von BU als erste norddeutsche Mannschaft in den Genuss, im Rahmen des neu gegründeten „Deutsch-Französischen-Jugendaustausches“ nach Ste. Maxime (bei Saint Tropez) zu dürfen – und der Kapitän durfte und konnte nicht mit. Ein Jammer. Ich war total traurig. Was heißt traurig, ich war tagelang fertig und nicht zu gebrauchen. Die Mannschaft fährt nach Frankreich, und ich mach’ Nase. Schönes Teil. Einige Tage vor der Abfahrt wurde dann aber meiner Mutter mitgeteilt, dass ich doch mit durfte. Ein bis heute mir eigentlich unbekannter Spender (Lothar, Du warst es – er schreibt hier im Blog gelegentlich mit, danke!) hatte das Geld für mich bezahlt. Es waren, so glaube ich, 150 Mark, damals, 1960, viel, unheimlich viel Geld.

Mit dieser BU-Mannschaft wurden wir übrigens noch bis zum Wechsel in den Herrenbereich dreimal Meister in Hamburgs höchster Klasse (HSV. Altona 93, Concordia, St. Pauli, Victoria) und wurden auch einmal Hamburger Meister. Meine Laufbahn bei BU endete dann aber später in einem Drama. Bei BU spielte in der Regionalliga, ich spielte bei den BU-Amateuren – und flog an einem Donnerstag nach einem Revanchefoul vom (Trainings-)Platz. Ich nach Hause, tschüs und weg. Da ich nichts gehört hatte vom Verein, ob ich dennoch aufgestellt worden bin, ging ich auch am Sonntag nicht zum Spiel. Montags las ich dann im Sport-Megaphon einen Kommentar von BU-Trainer Kalle Baureis: „Dieter Matz fehlte unentschuldigt, das wird Konsequenzen für ihn haben, so lange ich Trainer bei BU bin, wird er nicht mehr für den Verein spielen.“ Das saß. Meine Mannschaft hatte 0:5 gegen Paloma verloren. Ich trat aus, lag sieben Monate auf Eis (damals wurde man noch so lange gesperrt) – und trat danach in den Wandsbeker FC ein.

Jahre später, ach was, Jahrzehnte später, erfuhr ich von einem ehemaligen Mitspieler: „Matzer, ich sollte dir damals vor dem Paloma-Spiel sagen, dass du trotz deines Rausschmisses vom Training aufgestellt worden bist – aber ich hatte es vergessen.“ In den heutigen Handy-Zeiten wäre das wohl kaum passiert, aber so ändern sich eben die Zeiten.

Übrigens: Es ist immer noch Pfingsten. Und ich hoffe, dass Ihr mir Eure Geschichte schickt. An das Internet-Postfach des „Matz-ab“-Gewinnspiels, bitte mit dem Zusatz „Sommer-Geschichte“ vermerken. Danke.

Und am späten Pfingstmontag geht es hier weiter. Nicht mit einer Sommer-Geschichte, sondern mit dem HSV. Wenn es einen neuen Trainer oder Sportchef geben sollte, dann natürlich damit, auch wenn es einen neuen Spieler geben sollte – und ansonsten gibt es eine andere Geschichte. Die, die ich auf Geheiß des Sportchefs „bunkern“ musste.

Vielen Dank für Eure Geduld. Und lasst Pfingsten noch schön ausklingen.

22.53 Uhr

Keegan ist eine Ente

22. Mai 2010

Kevin Keegan wird es nicht. Auch wenn es ein herrliches Gerücht war. Beim HSV wurde darüber auch nur herzhaft gelacht. Endlich mal wieder! Dann hätte sich Bernd Hoffmann eigentlich gleich in der „Raute“ mit Kevin Keegan treffen können, wenn schon auf dem Präsentierteller. Nein, nein, so dumm ist nun wirklich kein Klub-Chef. Ich erinnere mich an eine Verpflichtung von Udo Lattek, der von Borussia Dortmund geködert wurde. Lattek und BVB-Präsident Gerd Niebaum trafen sich auf einer Autobahnraststätte im Raum Dortmund. Warum dort? Ganz klar: Auf einer dieser Autobahnraststätten rasten bestimmt nicht so viele Dortmunder, die später daran Interesse hätten, es einer Zeitung zu melden. Der Zweck heiligt die Mittel (danke, Björnmoser), Niebaum und Lattek wurden eventuell von dem einen oder anderen Menschen auf der Raststätte erkannt, aber keiner „verpfiff“ sie.

Zurück zu Kevin Keegan: Er ist sehr eng mit Klub-Manager Bernd Wehmeyer befreundet. Insofern hätte es passen können: Keegan Trainer, Wehmeyer Sportchef. Aber es wird definitiv nicht so kommen. Was ich ein wenig bedauere, gebe ich zu, denn ich habe Keegan als netten, gradlinigen und vorbildlichen Profi kennen gelernt. Frau M. war bei seinem „Abschiedsspiel“ am 31. Mai 1980 im Volksparkstadion (4:0 gegen Schalke 04), und als der Publikumsliebling zur Pause ausgewechselt worden war und seine Ehrenrunden dreht, hatte sie Tränen in den Augen. Ihren Kevin hat sie geliebt. War ja auch ein smarter Kerl. Der es anfangs sehr schwer beim HSV hatte, denn die Mannschaft, das steckte mir weit später ein Spieler des Teams, ließ ihn erst einmal am steifen Arm verhungern. Sie spielten Keegan nicht an, sie schnitten ihn. Weil er dem Team ein wenig zu forsch auftrat, und weil es um ihn einen riesigen Rummel gegeben hatte, als er verpflichtet wurde.

Ja, und dann war Keegan ja auch ganz schön eigen. Er aß nicht mit der Mannschaft, wenn die nach dem Training geschlossen zum Mittagessen gebeten wurde. Keegan: „Ich esse dann, wenn ich Hunger habe, aber nicht dann, wenn ich essen soll.“ Da seine Autogramme sehr begehrt waren, er immer viel Zeit durch das Schreiben verlor, kletterte er sehr oft durch ein Fenster der Sportschule, sprintete über den Rasen und an den riesigen Eichen vorbei zu seinem Auto, das er – ganz clever – als einziger HSV-Spieler nicht auf dem Parkplatz der Mannschaft abgestellt hatte, sondern auf dem Parkplatz des Restaurants Lindenhof. Was ich noch von Keegan weiß: Er wohnte damals in Itzstedt, und wenn nachmittags trainingsfrei war, dann lief er noch mit seinen Hunden durch den Wald bei Kisdorf. Einfach nur vorbildlich, dieser Kevin Keegan. Und mal ehrlich: Was er als Trainer kann (oder nicht kann), das können wir doch alle gar nicht beurteilen.

Zurück zur allgemeinen HSV-Lage. An diesem Pfingstwochenende wird es wohl keine Entscheidung geben. So sehe ich das jedenfalls. Ein Gerücht besagt ja, dass es am Dienstag eine Pressekonferenz beim HSV geben könnte, aber das konnte ich nicht erhärten. Dennoch gehen ich auch davon aus, dass es in der kommenden Woche auf jeden Fall eine Entscheidung geben wird. In Sachen Sportchef? Leider kann ich Nico Hoogma nicht erreichen. Ein gutes Zeichen? Ich werte es mal so. Gut Ding will Weile haben, vielleicht möchte Nico ja erst einmal gar nichts mehr sagen, weil in den letzten Tagen ganz sicher auch einiges zuviel gesagt wurde. Von einigen Leuten. Jetzt wird wahrscheinlich mehr im Verborgenen gearbeitet – und das ist auch gut so.

Und in Sachen Trainer? Ich werde so oft in diesen Tagen gefragt, aber ich weiß nichts. Keiner weiß etwas, sonst würdet Ihr es woanders lesen können. Mein Bauchgefühl sagt mir, und ich gebe das mal so wertfrei weiter, dass ich mit Lucien Favre zu rechnen habe. Was auch immer das (für Euch) bedeutet, ich würde den Schweizer aber keineswegs ablehnen. Ich möchte – für den Fall, dass es der ehemalige Berliner Coach wird – nur mal sagen, dass er in der Saison 2008/09 mit einer namentlich guten Hertha-Mannschaft (also mit Simunic, Pantelic und Voronin), immerhin einen ausgezeichneten, fast sensationellen vierten Platz belegte – nur sechs Punkte hinter Meister Wolfsburg.

Abseits der Trainersuche und dem Fahnden nach einem neuen Sportchef gibt es auf dem Spielermarkt kaum Neuigkeiten. Im „Fall Afellay“ ist mit dem FC Sevilla ein ernsthafter Konkurrent in den Kampf eingestiegen. Aber: Das war einst auch schon bei Nigel de Jong der Fall, als der Niederländer im Januar 2006 zum HSV geholt wurde – und sich der FC Sevilla lange Zeit sicher war, dass De Jong nach Spanien wechseln würde.

Zurück zum HSV wird wohl Eric-Maxim Choupo-Moting kommen, und im Moment sieht es so aus, dass er dann auch nicht erneut verliehen wird (wie zuletzt zum 1. FC Nürnberg). Endgültig muss und wird das natürlich der neue Trainer entscheiden, aber so sieht es im Moment aus. Mickael Tavares, ebenfalls an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen, wird von den Franken nicht weiter benötigt, er würde ebenfalls nach Hamburg zurückkehren, doch der HSV möchte ihn (eigentlich) nicht mehr. Tavares darf (und soll wohl auch) sich einen neuen Klub suchen. Ebenso sieht die Situation bei Änis Ben-Haira aus, der vom MSV Duisburg zurückkehren würde. Der HSV will das einst so hoffnungsvolle Mittelfeld-Talent aber nicht mehr, so dass Ben-Hatira sich wohl auch einen neuen Arbeitgeber suchen muss. Es sei denn, der neue Coach entscheidet sich anders, derzeit aber sieht es bei Tavares und Ben-Hatira nach Trennung aus. Wobei ich gerne noch einmal anfüge: Ich hielt den guten Änis einst für einen sehr, sehr guten Spieler, der technisch stark ist, aber leider auch ein wenig zu verspielt. Er hätte es packen können – und vielleicht wird er es ja auch noch bei einem anderen Verein schaffen. Wer weiß?

16.53 Uhr

Überragende Zahlen – danke!

21. Mai 2010

Zunächst einmal die erfreuliche Nachricht: Die Internet-Abteilung des Hamburger Abendblatts hat mir gerade mitgeteilt, dass „Matz ab“ alle Rekorde bricht. Die Zahlen steigen täglich, sie sollen sensationell sein, es gibt immer mehr Leser auch von außerhalb Deutschlands. Dafür ganz, ganz herzlichen Dank. Nein, das reicht nicht: danke, danke, danke. Und ich möchte gleichzeitig allen Freunden von „Matz ab“ zurufen: Lasst Euch nicht von einer Handvoll Quertreibern, um es einmal liebevoll zu formulieren, verrückt machen. Es sind nur einige wenige Querköpfe, die „Matz ab“ kaputt machen wollen, sie schreiben teilweise unter gleich mehreren verschiedenen Namen. Ich gebe zu, dass ich deshalb schon oft ziemlich weit unten war, die Nachricht aber aus der Internet-Abteilung und auch Eure vielen, vielen netten Mails und die unglaublich gute Unterstützung haben mich jetzt wieder aufgebaut. Und allen, die es jetzt noch einmal vorgeschlagen oder gefordert haben, kann ich versprechen: Ich werde für die Registrierung eintreten, ganz klar, denn nur so bekommen wir Ruhe hier. Und ich werde nicht eher ruhen, bevor diese Registrierung erreicht worden ist – fast würde ich sagen, ich verknüpfe mein Schicksal damit.

Die weniger erfreuliche Nachricht: Mein Thema, das ich für den Freitag vorgesehen hatte, ist innerbetrieblich geplatzt. Leider. Deswegen wird hier nun auch nichts Weiterführendes erscheinen. Für die „Matz-ab“-Feinde wahrscheinlich ein gefundenes Fressen, aber da muss ich mal durch – es ist, wie gesagt, nicht meine Schuld, sondern eine innerbetriebliche Entscheidung. Ihr werdet alles sehen, wie, was und warum gelaufen ist, nur leider nicht heute und morgen. Da muss ich noch um Geduld bitten – und um Verständnis. Wobei: Wenn ich gerade bei Feinden war: Es ist Euch sicher aufgefallen, dass ein Blog-Zerstörer, der hier im August 2009 unter dem Namen „Taut“ begann, inzwischen über „Haering“, „Salvisberg“, „Hein Mück“ und, und, und inzwischen bei „Herder“ gelandet ist. Und sein „Halbbruder“ ist ein Mann namens „Weizenkleie“ der früher auch einmal ganz anders hieß. So geht es im Internet eben zu. Bitte verzeiht ihnen.

Zurück zu „Matz ab“. Beim HSV herrscht Stille – nicht etwa Ruhe. Es geht, oder es soll voran gehen. Für nächste Woche werden erste Entscheidungen verkündet, ich erwarte dann den Namen des Trainers, des Sportchefs und den Vollzug in „Sachen Afellay“. Ansonsten ist es so: Alle, wirklich alle stochern im totalen Nebel herum. Nicht nur ich. Ich würde natürlich auch gerne verkünden, dass der HSV Lionel Messi, Wayne Rooney und Cristiano Ronaldo verpflichten will (oder besser wird), und dass sich der Klub mit Arsene Wenger einig ist, aber dass passiert vielleicht in der nächsten Woche. Ein Scherz.

Wenn ich gestern noch getippt habe, dass es mit Nico Hoogma doch noch klappen könnte, so würde ich das heute nur noch mit 40:60 beziffern. Ich glaube inzwischen auch, dass wenn ein Hoogma einmal „nein“ sagt, dann bleibt es dabei. Ich hoffe aber trotz allem, dass er es sich noch einmal – im Interesse seiner vielen Fans in und um Hamburg herum – überlegen wird.

So, ich werde gleich zum Oddset-Pokalfinale zwischen Victoria und Halstenbek-Rellingen aufbrechen. Der 21-jährige Victoria-Abwehrspieler David Eybächer (kam 2007 vom TuS Osdorf an die Hoheluft – soll nicht verschwiegen werden) übrigens trainierte in dieser Woche zum wiederholten Male bei Werder Bremen zur Probe. Wenn ich mir das durch den Kopf gehen lasse, fallen mir einige Hamburger Namen ein, die es ähnlich machten. Frank Neubarth (SC Concordia), heute 47 Jahre alt, ging 1982 zu Werder und spielte dort bis 1996, wurde auch Nationalspieler. Norbert Meier (Bergedorf 85), heute 41 Jahre alt und Trainer von Fortuna Düsseldorf, ging 1980 zu Werder und brachte es dort auf 16 Länderspiele. Und Andreas Brehme (BU), der einst ein Probetraining beim HSV absolviert hat (und mit dem dabei und danach niemand auch nur eine Silbe gesprochen hatte), wurde später Nationalspieler von Bayern München und Inter Mailand, brachte es auf 86 Länderspiele und wurde Weltmeister. Das waren nur drei Beispiel von vielen, die als Hamburger nicht den Weg zum HSV gingen – oder fanden. Zugegeben: Das sind alles alte Fälle, so etwas hat es in der Neuzeit kaum gegeben. Martin Harnik vom Verein Vier- und Marschlande fällt mir ein, er wurde Nationalspieler Österreichs und spielt demnächst für den VfB Stuttgart. Ob man sich nun den Namen Eybächer merken sollte? Oder gar muss? Abwarten.

Und wo ich gerade bei den Amateuren bin: An diesem Sonnabend treten 24 normale Bürger aus Norderstedt, Hamburg und Umgebung zum Spiel ihres Lebens gegen die Uwe Seeler Traditionself an. Mit dabei sind dabei neben Uwe Seeler: Manfred Binz, Uwe Bindewald, Christian Wörns, Steffen Herzberger, Andreas Fischer, Mathias Herget, Uwe Bein, Thomas Helmer, Dariusz Wosz, Klaus Fischer und Fredi Bobic. Die All-Star-Mannschaft um Team-Manager Steffen Ehlert wird. unterstützt durch Schauspieler und ehemaliger HSV-Stadionsprecher Marek Erhardt. Schiedsrichter dieser Begegnung ist der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Michael Malbranc, Anpfiff des Spiels ist um 16:30 Uhr. Der Erlös der Veranstaltung fließt dabei abzüglich der Kosten erneut in die Uwe Seeler Stiftung. Die Veranstaltung selbst findet dabei wieder auf dem Gelände von TuRa Harksheide (Am Exerzierplatz 16, 22844 Norderstedt) statt.

So, sorry noch einmal für diesen inhaltslosen Tag, es ist, wie schon erwähnt, „höhere Gewalt“ im wahrsten Sinne des Wortes. Soll nicht wieder vorkommen. Aber bitte denkt immer dran: Es ist Sommerpause. Da wollten wir eigentlich von schönen HSV-Geschichtchen „leben“. Die sollen auch noch kommen, es haben mehrere User angekündigt, ihre Geschichte zu liefern. Mit dieser Hoffnung verbleibe ich mit freundlichen Grüße, ich wünsche Euch allen (und Euren Lieben) ein schönes und sonniges Pfingstfest.

18.16 Uhr

Interview mit Supporters-Chef Bednarek

20. Mai 2010

Es brodelt beim HSV. Noch. Aber in der kommenden Woche soll es schon wieder viel besser aussehen, dann soll endlich wieder Ruhe einkehren. Mit einem neuen Sportchef? Hinter den Kulissen wird fleißig daran gearbeitet. Nicht nur daran, sondern auch an einem neuen Trainer. Und einer neuen Mannschaft – aber es ist gut zu wissen, dass das Chaos nicht für die totale Lähmung sorgt. Übrigens: Mich würde es nicht wundern, wenn der Beiersdorfer-Nachfolger doch noch Nico Hoogma heißen würde. Um ehrlich zu sein: Mich würde es sogar riesig freuen. Der richtige Mann, stark, entschlusskräftig und mit Stallgeruch. Und wenn er nun doch noch käme, so würde das ja heißen, dass der Aufsichtsrat dann doch noch (gelegentlich) über seinen Schatten springen kann. Es gibt ja das Gerücht, dass Horst Becker mit der Installierung von Nico Hoogma vom Posten des Aufsichtsrats-Chefs zurücktreten würde – aber das müsste er in meinen Augen dann nicht mehr. Er und seine Mit-Räte hätten dann doch gezeigt, dass sie durchaus in der Lage sind, die richtigen Lehren aus einer falschen Entscheidung zu ziehen.

Wie gesagt, hinter den Kulissen herrscht eifriges Treiben. Die „Sache Afellay“ ist noch nicht in trockenen Tüchern, soll aber werden. Und wenn ich hier den einen oder anderen „Matz-abber“ höre und lese, so sind als Trainer wieder einmal Bernd Schuster (bitte nicht, da bin ich ganz ehrlich) und Martin Jol in den Kreis derer aufgenommen worden, die den HSV  nach oben bringen sollen. Da es aber außer diesen Gerüchten im Moment nichts Handfestes gibt, halte ich mich nun an dieser Stelle mit weiteren Spekulationen zurück.

Konkretes aber gibt es dennoch. Ich habe mich mit dem Supporters-Chef Ralf Bednarek über die aktuelle Lage bim HSV unterhalten, und das Ergebnis könnt Ihr nun hier lesen:

Matz ab: Ralf, die Situation des HSV ist in diesen Tagen besonders schlimm – war sie jemals schlimmer für Dich?
RALF BEDNAREK: Man muss da immer zwischen dem Sportlichen und dem Vereinspolitischen trennen. Sportlich war es natürlich viel schlimmer, als wir vor Jahren auf einem Abstiegsplatz überwinterten. Vereinspolitisch ist das derzeitige Desaster aber kaum noch zu steigern.

Matz ab: Wie spürst Du das an der Basis, was geht bei den Supporters ab?
BEDNAREK: Es ist noch nicht so wie vor einem Jahr, als Dietmar Beiersdorfer entlassen wurde, aber wir bekommen schon sehr, sehr viele Mails und Anrufe, die teilweise schon äußerst emotional sind, die über den Aufsichtsrat und den Vorstand intensiv meckern, die uns auch auffordern, dass wir eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen sollen. Ich erhalte Mails privat und in meine Kanzlei, ich werde mit Anrufen bombardiert – es kocht alles schon ziemlich hoch.

Matz ab: Stichwort außerordentliche Mitgliederversammlung?
BEDNAREK: Hat die Abteilungsleitung derzeit nicht geplant. Die Frage ist doch die, was wir damit erreichen? Ich glaube, dass die Mitgliedschaft und die Fan-Szene zurzeit total unzufrieden sind, aber das ist dem Vorstand ohnehin schon bewusst. Aber wenn es so weitergeht, dann wird ein Zeitpunkt kommen, an dem eine außerordentliche Mitgliederversammlung nicht mehr zu vermeiden sein wird.

Matz ab: Es gibt aber doch ohnehin Bestrebungen einiger Supporters, diese Mitgliederversammlung zu forcieren, oder?
BEDNAREK: Ja, die gibt es. Die haben sich formiert und zusammengetan, haben eine richtige Initiative gestartet, das läuft schon noch.

Matz ab: Wie ist Deine Meinung zum derzeitigen Vorstand?
BEDNAREK: Mit dem Vorstand haben wir momentan nicht viel zu tun. Der Oliver Scheel ist ein Klasse-Typ, der steht für mich im Vorstand für das schwarz-weiß-blaue Herz im Verein. Und mit Herrn Hoffmann und Frau Kraus gab es den letzten Kontakt beim Europa-League-Finale, das läuft alles in vernünftigen Bahnen ab.

Matz ab: Und Deine Meinung zum Aufsichtsrat?
BEDNAREK: Teils, teils. Bei aller Kritik darf man natürlich nicht übersehen, dass Horst Becker, der nun in die Schusslinie geraten ist, ein HSVer ist und man mit ihm vernünftigen reden kann. Trotzdem muss man gerade an seiner Arbeit heftigste, aber sachliche Kritik äußern. Dieses Hin und Her, das ist schon nicht sonderlich schön. Welcher Verein leistet sich, zwölf Monaten keinen Sportchef zu haben? Wenn es wenigstens am Anfang eine bewusste Entscheidung gewesen wäre, dann könnte man das noch nachvollziehen, aber so wird lange herumgeeiert, und alle zwei Monate gibt es eine neue Marschrichtung – da kann ich kein Konzept und gar nichts erkennen, dann muss sich Horst Becker auch schon mal selbst ganz stark hinterfragen.

Matz ab: Aber gab es nicht das Konzept in der HSV-Führung, dass man „das bisschen Sportchef“ auch quasi nebenbei erledigen könne?
BEDNAREK: Horst Becker und ich stimmen in einer Sache total überein, ich unterstütze das Becker-Zitat: „Das Projekt Hoffmann-Kraus ist gescheitert.“

Matz ab: Das ist mir zu leicht dahergesagt, denn dieses Projekt gab es doch nur mit Unterstützung des Aufsichtsrates. Der hätte das nicht dulden müssen, sondern ganz klar einen neuen Sportchef suchen müssen. Oder liege ich da falsch?
BEDNAREK: Ich will jetzt nicht alte Wunden aufreißen, aber da gibt es im Aufsichtsrat ein Kompetenz-Team von vier Personen, die Wirtschaftsweisen, die herein gewählt worden sind, mehrere verdiente HSVer, die das Vereinsleben kennen – da dachte doch jeder, jetzt geht es bergauf. Da gibt es eine stringente, starke Führung mit jeder Menge Kompetenz, und wenn ich mir dann ansehe, dass nur unser Delegierter Björn Floberg der einzige Mann war, der das Konzept ohne Sportchef abgelehnt hat, dass dieses Konzept aber mit 11:1 Stimmen angenommen wurde, dann müssen sich sicherlich viele Aufsichtsräte die Frage gefallen lassen, ob sie sich wirklich genau informiert haben, ob sie das System HSV wirklich verstehen.

Matz ab: Was läuft Deiner Meinung nach derzeit falsch beim HSV?
BEDNAREK: Ich will noch einmal auf die Strukturen zurückkommen. Als Dietmar Beiersdorfer gegangen ist, da ging er nicht, weil irgendjemand sportlich mit ihm unzufrieden war oder weil die Strukturen nicht vorhanden waren oder sie nicht funktionierten. Er hatte über sieben Jahre sehr gute Arbeit in diesem Vorstand geleistet, eigentlich hätte demnach nur eine neue Person für ihn gefunden werden müssen. Nichts anderes, es ging doch nur darum, einen kompetenten, guten und starken Sportchef und Vorstand zu installieren – mehr nicht.

Matz ab: Aber es war immer zu hören, dass dieser neue Mann gerade nicht stark sein durfte . . .
BEDNAREK: Das kann ich nicht beurteilen, aber jeder im Verein müsste doch glücklich sein, dass da eine kompetente Persönlichkeit sitzt, die eine eigenen Meinung hat, die mit allen Kollegen prima und kooperativ zusammenarbeitet, und die weiß was sie will.

Matz ab: Zurück noch einmal zu den Fehlern. Welche sind Deiner Meinung nach gemacht worden?
BEDNAREK: Da kann man dem aktuellen Vorstand eigentlich keinen großen Vorwurf machen, dass es sportlich so schlecht gelaufen ist, sie konnten es einfach nicht, sie haben sportlich nicht die Erfahrung und die Kompetenz. Deswegen darf man eigentlich gar nicht so böse sein.

Matz ab: Aber im Vorstand wurde ganz sicher gedacht, dass es dort die sportliche Kompetenz gäbe, sonst hätte es dieses Modell ja wohl gar nicht erst gegeben?
BEDNAREK: Das stimmt wohl. Wenn man am Interesse des Vereins orientiert ist, dann hätte man darauf drängen müssen, dass ein Sportchef installiert wird.

Matz ab: Haben die Supporters diesen Punkt nicht einmal angesprochen?
BEDNAREK: Wir haben in dieser Zeit, als beschlossen wurde, keinen Sportchef zu installieren, das war Januar oder Februar, mit dem Aufsichtsrat intensive Gespräche geführt und gewarnt. Dabei war auch Horst Becker, die Frage wurde lebhaft diskutiert – aber wir wurden ausgelacht.

Matz ab: Fehlt Dir nicht auch die sportliche Kompetenz im Aufsichtsrat?
BEDNAREK: Mir fehlt vor allem Herzblut. Ich will da keinem unterstellen, dass er nicht mit dem Herzen bei der Sache ist, aber es macht eben den Unterschied, ob man erst vor zwei, drei Jahren angefangen hat, sich für Fußball zu interessieren, oder ob man schon seit 20, 30 Jahren alle HSV-Spiele begleitet hat, ob man schon seit Jahrzehnten das Bundesliga-Geschäft miterlebt hat und es ganz gut kennt. Wenn man das alles hat, dann ist man tief drin in diesem Thema, man kennt die Mechanismen – und das fehlt diesem Aufsichtsrat ganz offensichtlich.

Matz ab: Aber das wird nicht das einzige Manko des AR sein, oder?
BEDNAREK: Stimmt. Der Aufsichtsrat muss die Frage aufarbeiten, inwiefern der Aufsichtsratsvorsitzende eigentlich eher im Vorstand agiert, oder im eigenen Gremium arbeitet. Im Kernpunkt: Wie klar ist die Trennung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat?

Matz ab: Das ist ein Thema, das ich schon seit über einem Jahr immer wieder gehört habe, aber offensichtlich hat niemand Einspruch erhoben.
BEDNAREK: Ich will ja gar nicht, dass eine schlechte oder missgünstige Stimmung zwischen Aufsichtsratsvorsitzendem und Vorstand herrscht, das ist nicht das Thema, aber es muss doch eine gewisse Form von Distanz vorhanden sein, um eine vernünftige, kollegiale und gute Zusammenarbeit hinzubekommen. Und dieser Eindruck ist bei vielen Mitgliedern entstanden, dass es diese Distanz gar nicht gibt.

Matz ab: Das klingt alles nicht sehr schön. Deswegen meine Frage: Sorgst Du Dich um Deinen HSV?
BEDNAREK: Und ob! Und zwar im erheblichen Umfang. Wir müssen uns mal die Situation vor Augen führen: Wir haben doch jetzt die Phase, wenn es nicht schon zu spät dafür ist, in der die kommende Saison geplant werden muss. Wir stehen aber ohne sportlichen Leiter da, wir wissen nicht, welchen Trainer wir bekommen, der einzige Mann, der sportliche Kompetenz hat, das ist der Urs Siegenthaler, und dessen Vertrag beginnt erst am 1. August – auch wenn er jetzt schon teilweise mitgearbeitet hat. Jetzt aber verbringt er viele Wochen mit der Nationalmannschaft – natürlich mache ich mir Sorgen um den HSV, ganz große sogar. Wie soll es denn weitergehen mit dem HSV? Ich hoffe, dass es gut geht, aber ein bisschen schwarz sehe ich schon.

Matz ab: Kannst Du denn eine Empfehlung geben, damit es nun wieder besser wird?
BEDNAREK: Ja, das kann ich: Der Aufsichtsrat soll aufhören, rumzueiern. Die sollen nun eine vernünftige Lösung im Vorstand finden, die sollen sich dazu bekennen, dass dieses Vorstandsmitglied der Vorgesetzte von Urs Siegenthaler wird. Ich kenne Siegenthaler nicht persönlich, habe aber viele sehr gute Sachen von ihm gehört, ihm vertraue ich, ich denke, dass er eine Menge kann. Aber er wollte nicht in den Vorstand, und deswegen muss er akzeptieren, dass es einen Vorstand in Sachen Sport gibt, mit dem er kollegial zusammenarbeiten muss. Das ist doch das Beste, wenn alle im HSV und für den HSV kollegial zusammenarbeiten.

Matz ab: Ist der Aufsichtsrat mit zwölf Personen zu groß?
BEDNAREK: Nein, nein, man darf nicht die Größe eines Organs mit der Stärke der Führung verwechseln. Wenn eine vernünftige Führung da ist, sind zwölf Aufsichtsräte überhaupt kein Problem.

Matz ab: Aber gibt es nicht zu viele Fußball-Laien in diesem Aufsichtsrat?
BEDNAREK: Das ist ja keine Frage der Größe des Organs, sondern eine Frage der Besetzung. Wenn da zwölf Leute sitzen, die sich mit dem HSV gut auskennen, die sich auch mit dem Profi-Fußball bestens auskennen, dann ist das ein ganz anderes Thema. Dann würde niemand über die Größe reden. Dieser Aufsichtsrat hat Angst, Entscheidungen zu treffen, das ist das Thema. Seit einem Jahr lassen die Herren Horst Becker am langen Arm verhungern, indem sie jede Entscheidung von ihm blockieren. Gleichzeitig aber trauen sie sich nicht, einen anderen Aufsichtsratsvorsitzenden zu wählen. Da muss der Aufsichtsrat dann auch mal klare Entscheidungen treffen, aber stattdessen wird da schon seit einem Jahr nur hin und her geschoben. Wo ist denn da eine klare, ordentliche Linie mit einer starken Führung?

Matz ab: Trauerst Du noch Jürgen Hunke hinterher?
BEDNAREK: Ich trauere ihm schon deswegen nicht hinterher, weil Jürgen Hunke immer ein HSVer bleiben wird. Ich würde mich natürlich grundsätzlich freuen, wenn Jürgen Hunke wieder mehr Einfluss bekommen könnte, denn er hat immer eine klare Meinung gehabt und konnte damit umgehen, dass man dadurch auch hin und wieder einmal aneckt.

Matz ab: Wird es seitens der Supporters im Januar einen neuen Anlauf geben, mit mehreren Leuten in den Aufsichtsrat zu kommen?
BEDNAREK: Das müssen wir sehen. Ich frage mich vielmehr, ob der Aufsichtsrat nicht so konsequent sein sollte, um darüber nachzudenken, den Weg für Neuwahlen frei zu machen. Momentan ist die Stimmung doch so, dass nur ganz wenige Räte noch eine Mehrheit für sich bekommen würden. Da gehört dann vielleicht auch mal der Mut dazu, das auch einzusehen.

Matz ab: Kurzfristig oder erst im Januar?
BEDNAREK: Na ja, kurzfristig wäre wohl das totale Debakel für den HSV, obwohl ich auch denke, dass der eine oder andere Aufsichtsrat derzeit Überlegungen in diese Richtung anstellt.

Matz ab: Hättest Du Dir im Herbst 2009 denken können, dass diese Saison in einem solchen Dilemma endet?
BEDNAREK: Nein, ich bin HSVer, ich gehe immer davon aus, und hoffe es auch, dass alles gut wird. Wir haben aber auch oft genug unsere Bedenken geäußert und wurden dafür abgewatscht. Wir haben intern lange genug auf den fehlenden Sportchef hingewiesen, haben gesagt: „Leute, wacht auf!“ Aber wir wurden nicht ernst genommen – jetzt sagen wir es öffentlich und das ist auch nicht gut.

Matz ab: Was wünscht Du Dir für die Zukunft des HSV?
BEDNAREK: Dass wir wieder vernünftige Strukturen bekommen, dass wir alle wieder zusammenhalten, dass wir alle zusammen anpacken, dass wir alles für den HSV geben. Davon sind wir leider momentan weit weg, aber ich wünsche mir, dass daran alle wieder arbeiten – zum Wohle des HSV.

17.48 Uhr

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