Tagesarchiv für den 29. Mai 2010

Nachfolger für Moniz?

29. Mai 2010

Einige von Euch haben es ja bemerkt. In meinem Beitrag zum Rücktritt von Sergej Barbarez habe ich versehentlich geschrieben, dass der Posten im Aufsichtsrat bis in den Herbst hinein unbesetzt bleiben wird. Richtig ist aber, dass es erst im neuen Jahr eine Mitgliederversammlung mit dazugehöriger Wahl des Kontrollgremiums geben wird. Also bleiben es bis 2011 elf Räte. Schande auf mein Haupt.

Viele von Euch wollen ja nun wissen, was aus Horst Becker wird. Ich kann es Euch sagen: Ich weiß es nicht. Und ich bin der festen Überzeugung, dass der Aufsichtsratvorsitzende es selbst noch nicht weiß. Eigentlich wollte er sich ja schon in dieser Woche entschieden haben, aber nach den neuen Turbulenzen um Sergej Barbarez’ Rücktritt wird sich Becker erst am 8. Juni auf der nächsten Sitzung der Räte erklären. Ich bin schon jetzt gespannt, ob einige von Euch danach wieder in Anlehnung an ein bekanntes Kinderlied „Zwölf kleine Aufsichtsräte“ anstimmen, die von Woche zu Woche weniger werden.

Mal ehrlich: Ginge es nicht um den HSV, könnten die Geschichten und Geschehnisse in diesem Aufsichtsrat wirklich amüsant sein und als Sommerpausenkomödie durchgehen. Man stelle sich mal folgendes vor: Es gibt im Rat in Abwesenheit von Sergej Barbarez eine Art Vorabstimmung, was Barbarez’ Position als potenzieller Sportchef betrifft. Diese fällt gegen den Bosnier aus. UKE-Chef Jörg Debatin wird beauftragt, Barbarez diese Entscheidung vorab mitzuteilen, um ihn einer offiziellen Wahlniederlage zu entziehen. Und was passiert? Debatin gelingt es offenbar nicht, den Ex-Profi von der Sachlage zu informieren. Wie so etwas geht? Ist mir schleierhaft. Jedenfalls musste Becker die Nachrichtenlage dann kurz vor der entscheidenden Sitzung überbringen. Dankbare Aufgabe…

Ich weiß, ich weiß. Ihr giert nach Neuigkeiten und Nachrichten. Ihr wollt nicht ständig olle Kamellen aufgewärmt haben, sondern möchtet am liebsten täglich exklusive Meldungen. Aber das ist nicht so einfach in diesen Tagen. Beim HSV herrscht eine heikle Sensibilität. Das verstehe ich aber auch, denn derzeit sind explosive Personalentscheidungen ja nicht so selten. Und da möchte sich halt niemand die Zunge verbrennen oder sich möglicherweise selbst ins Abseits manövrieren.

Fangen wir also mit etwas Harmlosen an. Am Montag ist bei den Trainingsplätzen Baubeginn – und damit wird quasi der Startschuss zur neuen Saison abgegeben. Der hervorragend gepflegte Rasen wird mit Flutlichtmasten versehen. Der Grund für den Bau der Flutlichtanlage ist ebenso sinnvoll wie in diesem Fall mit einer Portion Galgenhumor versehen. Ursprünglich sollte das Licht genutzt werden, um in Europapokal-Wochen auch mal zeitmäßig angemessen, also in den Abendstunden im Spätherbst oder Winter, zu trainieren. Auf derartige Einheiten müssen die HSVer aber nun ja bekanntlich mindestens ein Jahr warten.

Weiter geht’s in Sachen Abwehrdiskussion. Heute spuken ja die Namen Heiko Westermann und Benedikt Höwedes durch die Tagesmedien. Beide Schalker Innenverteidiger werden ganz bestimmt nicht in Hamburg landen. Eher erwarte ich, dass Felix Magath seinen Brasilianer Bordon aufs Altenteil abschiebt und Höwedes im internen Ranking aufsteigt. Westermann könnte eher in Frage kommen, sofern die Ablöseförderungen für den Kapitän mit Vertrag bis 2014 nicht in die Höhe schnellen. Mehr als drei Millionen Euro wird der HSV bestimmt nicht zahlen wollen – und können – wenn überhaupt…!?

Vielleicht gibt es ja aber doch auch interne Lösungsmöglichkeiten. Guy Demels Zeiten als Rechtsverteidiger dürften bei einer konsequenten und schonungslosen Analyse der vergangenen Spielzeit gezählt sein. Aber als Nebenmann von Joris Mathijsen könnte ich ihn mir schon vorstellen, zumal er technisch hervorragend bestückt ist. Ob seine Schnelligkeit ausreicht, muss Armin Veh entscheiden.

Daran wird dann wohl aber auch ein neuer Co-Trainer mit arbeiten können. Und diesbezüglich habe ich tatsächlich mal eine Neuigkeit für Euch. Ich habe nämlich erfahren, dass Urs Siegenthaler mitnichten zu 100 Prozent für den DFB auf Achse ist, sondern immer noch die eine oder andere richtungweisende Entscheidung pro HSV mit auf den Weg bringt. Beim Schweizer Nationalverband hat sich Siegenthaler mit einem Auswahltrainer besprochen und möchte diesen Coach als Nachfolger für Ricardo Moniz, also als zweiten Co-Trainer neben Michael Oenning, an die Elbe lotsen. Ich habe gebohrt und nachgehakt, aber den Namen habe ich nicht in Erfahrung bringen können. Vielleicht schaffe ich es ja bis morgen.

17:30 Uhr