Tagesarchiv für den 26. Mai 2010

Es kehrt Ruhe ein

26. Mai 2010

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Armin Veh hat ja die Defensive des HSV als Schwachstelle entlarvt, deshalb sollen auch mindestens zwei Abwehrspieler verpflichtet werden. Allerdings glaube ich niemals, dass ein Mann wie Fabio Cannavaro von Juventus Turin eine Chance hat, beim HSV unterzukommen. Wir erinnern uns: Vor ein paar Tagen hieß es noch beim HSV, dass ab sofort junge, charakterstarke und möglichst auch deutsche Spieler unter Vertrag genommen werden sollten. Als zwei, drei Tage nach dieser Verkündung der Vertrag mit Paolo Guerrero verlängert werden sollte, beschloss der Aufsichtsrat, dieses Thema nach hinten zu schieben. Weil es ja dann doch irgendwie nicht so richtig gepasst hätte. Inzwischen ist der Vertrag mit Guerrero perfekt gemacht worden, quasi als Mitgift der HSV-Hochzeit mit Armin Veh. Aber deswegen noch eine zweite Ausnahme? Glaube ich nie. Zumal der gute Cannavaro, der 132 Länderspiele für Italien bestritten hat, ncht mehr so ganz taufrisch ist, denn er ist immerhin schon 36 Jahre alt ist. Und der deutschen Sprache soll er auch (noch) nicht mächtig sein. Nein, nein, ich denke mal, dass der HSV aus dem „Fall Sorin“ doch einiges gelernt hat.

Da passt Ibrahim Afellay doch schon (ein bisschen) besser. Ich habe mich gestern sehr weit aus dem Fenster gelehnt, indem ich behauptet habe, dass sein Kommen für mich zu 90 Prozent sicher ist. Davon bin ich auch immer noch überzeugt, aber: Wenn jetzt an den „Fall Hoogma“ erinnert wird, als ich auch zu 90 Prozent sicher war, dann muss ich sagen, dass ich die zehn Prozent ja nicht ohne Begründung für mich behalte. Es kann immer noch etwas dazwischen kommen. Bei Afellay aber soll (fast) alles perfekt sein, nur noch die Sporttauglichkeits-Untersuchung soll (soll!) eine Vertragsunterzeichnung noch verhindern. Und diese Untersuchung scheitert daran, dass sich Afellay derzeit mit der niederländischen Nationalmannschaft auf die WM vorbereitet. Da hat es kein Trainer der Welt gerne, wenn sich ein Spieler von der Truppe entfernt, um einen Vertrag bei einem Klub zu unterzeichnen. Deswegen: Gut Ding will Weile haben. Habt Geduld. Und sollt dann während dieser Wartezeit noch ein anderer Klub die eine oder andere Million Euro mehr bieten, und sollte Afellay dann diesem Angebot erliegen – dann ist das Pech. Und dann waren das die fehlenden zehn Prozent . . .

Übrigens: Wenn in unserem Kreise schon über die angeblichen neun Millionen Ablöse diskutiert wurde. Selbst wenn der Niederländer neun Millionen kosten würde, so sind diese neun Millionen nie auf einmal zu zahlen. Es ist in der heutigen Zeit der Fußball-Sklaverei so üblich, dass eine solche Summe in Raten gezahlt wird. Hier ein Sümmchen, dort ein Sümmchen, und dazu kommt noch hier eine Prämie und dort eine Prämie – oder auch nicht. Gelegentlich wird in den Vertrag auch eingebaut: „Sollte der HSV in der Champions League spielen, kostet der Spieler die Summe X mehr, in der Europa League kostet er nur die die Hälfte der Summe X.“ Und bei Nicht-Erreichen eines internationalen Startplatzes könnte der HSV eventuell, je nachdem was verhandelt und festgeschrieben wurde, eine Summe X vom Gesamtpreis wieder abziehen. Also: Neun Millionen sind nicht sofort zu zahlen, sondern über Jahre gesplittet.

Um eine ganz andere Summe ging es ja in diesen Tagen, um die Kevin Keegan beim HSV gekämpft haben soll. Soll (!). Auch wenn es immer noch ein kleines Thema in der Hansestadt ist, es war für den HSV absolut keines. Um Euch das Gerücht einmal in Ausführlichkeit zu schildern: Am Freitag erhielt ich kurz vor Mitternacht zwei SMS – von zwei Freunden, die nichts von dem jeweiligen anderen SMS-Geber wussten. Darin stand unisono: „Hier sitzen Bernd Hoffmann und Kevin Keegan. Sie verhandeln wohl, Keegan soll wohl neuer HSV-Trainer werden.“

Ich wurde wach. Und dann gab es einige SMSsen hin und zurück. Dabei erfuhr ich, dass keiner von den beiden Herren es mit eigenen Augen gesehen hatte, sondern es sich lediglich durch einen anderen Freund des Freundes herumgesprochen hatte. Deswegen habe ich bei „Matz ab“ auch kein Fass davon aufgemacht, sondern bin ganz ruhig ins Bett gegangen und habe mir gesagt: „Abwarten.“ Morgens ging dann mein Handy. Einer der beiden Informanten war am anderen Ende und sagte: „Ich hatte das von einem Freund gehört, und der war zuvor von seinem Freund angerufen worden, dass Hoffmann und Keegan dort sitzen. Heute aber, am Morgen danach, gibt der Freund zu, dass er sich auch getäuscht haben könnte. Weil er gar nicht genau weiß, wie Keegan aussieht.“ Aha. Das klingt nach Ente. Und das klingt nicht nur danach, es ist eine stattliche, ausgewachsene Ente, die 24 Jahre Flugerfahrung hat, die 1962 ein DDR-Visum besessen hat und die 1984 am Meniskus operiert worden ist. Keegan war kein Thema, und wer diese ominösen drei Millionen Gage, die der Engländer gefordert haben soll, erfunden hat, das weiß nun wirklich niemand mehr.

Jetzt ist die Sache ohnehin gegessen, denn Armin Veh ist ja da. Und irgendwie habe ich das Gefühl, dass Ruhe in den HSV einkehrt. Ganz oben und auch im Aufsichtsrat. Zeit zum Durchatmen. Und trotz allem geht es natürlich heiß weiter. Ich habe in den letzten Stunden oft die eine Frage gehört: „Wie stehst du denn zu Veh?“ „Dittsche“ würde sagen: „Ich will mal so sagen. So jetzt: Es gibt viele Trainer-Töpfe auf der Welt. In Topf eins liegen Kollegen wie Mourinho, Hiddink, Ferguson und Wenger und einige andere mehr. Unbezahlbar für einen Verein wie den HSV. In Topf zwei liegen Trainer wie Bernd Schuster. Oder wie Martin Jol. Nicht ganz an der Spitze, aber einen guten Ruf. Und ganz sicher auch nicht gerade billig. Der HSV leistete sich mit ihm in der vorletzten Saison den teuersten Coach der Vereinsgeschichte. Und dann gibt es Topf drei. In dem lagen Veh, Marcel Koller, Friedhelm Funkel, Lucien Favre und, und und. Und aus Topf drei hat sich der HSV bedient – und den besten Trainer genommen. So denke ich.

An jedem Trainer hängt ja, das hat die Bundesliga-Neuzeit bewiesen, immer auch ein ganz anständiger Trainer-Stab. Und alle Leute wollen bezahlt werden. Deshalb ist ein solcher Trainerwechsel nicht immer nur an einem Mann (finanziell) festzumachen, sondern an mehreren. Und das geht ins Geld.

Im Fall Veh ist es nun so, dass sogar ein ehemaliger Bundesliga-Trainer der Assi werden soll: Michael Oenning (1. FC Nürnberg). Und der hat ganz gewiss auch seinen Preis. Auch wenn ihn viele hier als sehr gut willkommen heißen. Ich auch. Und ich teile auch die Hoffnung vieler, dass Oenning den Herren HSV-Profis den Hintern aufreißen wird, denn: So sehr ich Veh auch schätze, ein Manko hat er sich bei mir durch sein Engagement in Wolfsburg auch erarbeitet: Wolfsburg unter Felix Magath marschierte, 90 Minuten lang, wenn es sein musste auch 120 Minuten lang. Und unter Veh war das irgendwie anders. Nun wird beim HSV (hinter vorgehaltener Hand) davon gesprochen, dass Magath das Letzte, nein, das Allerletzte aus den VfL-Profis herausgeholt hat – und dass die Mannschaft danach platz gewesen sei. Und dann aber in die Dreifach-Belastung gehen musste.

Abwarten, wie sich das nun beim HSV entwickelt. In der vergangenen Saison hatte mir die Mannschaft viel zu wenig Kondition, ich hoffe nur für die Spieler, den Klub und für die Fans, dass das der neue Trainer (und sein Team) erkannt haben, und dass deswegen entsprechend trainiert wird. Alles steht und fällt mit der Kondition, da muss ganz sicher viel, viel mehr getan werden, als in der Saison 2009/10.

Bitte, Herr Veh, nehmen Sie sich dieser Baustelle an, scheuchen Sie Ihre Männer, damit sie 90 Minuten und länger laufen können. Bitte, Herr Veh!

Meine Hoffnung ist in diesem Punkt ja auch Bastian Reinhardt. Da in der vergangenen Saison kein Sportchef dem Training zusah (weil es keinen gab), wird sich der „Neue“ wohl doch einige Male mehr im Volkspark sehen lassen, um sich davon zu überzeugen, wie und in welcher Art dort trainiert wird. Ohnehin bin ich gespannt darauf, wie sich „Basti“ Reinhardt seiner Aufgabe nähern wird. So wie ich ihn kenne, wird er kein Duckmäuser sein, gegen wen auch immer. Das wird auch der Herr Siegenthaler bald schon merken. Und wenn er es dann bemerkt hat, dann kommt es für mich darauf an, ob er es auch toleriert. Da kommen mir doch leichte Zweifel. Und diese sagen mir eher, dass Veh und Reinhardt diese Saison – ohne in Bedrängnis gekommen zu sein – überstehen, dass aber der Noch-DFB-Scout eventuell damit liebäugelt, doch ein wenig eher beim HSV aufzugeben. Aber, wie schon geschrieben: abwarten. Erst einmal muss der Ball in der neuen Spielzeit ja wieder mal rollen . . .

Ganz interessant zum Thema neuer HSV-Trainer. In der Wettbranche wurde diese Vorlage gleich und dankbar aufgenommen. In einer Mitteilung eines Wettanbieters heißt es: „Der Trainerstuhl beim HSV gleicht einem Schleudersitz. Kein Coach sitzt bei den Rothosen lange auf der Bank. Mit Arnim Veh wurde bereits der siebte Trainer in sieben Jahren verpflichtet, den die große Mehrheit der Fans bei Umfragen in den Foren als Fehlbesetzung einschätzt. Auch auf dem Wettmarkt ist der neue Trainer des HSV bereits ein heißes Thema. Ist Armin Veh auch noch in der Rückrunde der kommenden Saison Trainer des HSV, fragen die Buchmacher des internationalen Sportwettenbieters „myBet“. Die Quoten sprechen dabei für eine erfolgreiche Arbeit von Veh. Wer wettet, dass er auch zu Beginn Rückrunde noch im Amt sein wird, erhält deshalb nur eine Quote von 1.07 (10,70 Euro für zehn). Wer allerdings darauf setzt, dass Veh dann schon wieder gefeuert sein wird, kassiert die hohe Quote von 6.00 (60 Euro für zehn).“

So, zum Abschluss noch eine erfreuliche und eine nicht so erfreuliche Nachricht. Die nicht so erfreuliche zuerst: Bastian Reinhardt wird keine Kolumne mehr für „Matz ab“ schreiben. Er hat nach seiner Vorstellung gesagt: „Ich bin jetzt im ernsten Fach angekommen.“ Stimmt ja auch, wir sollten Verständnis aufbringen – ich bringe schon. Und die erfreuliche Nachricht: Wenn der HSV schon nicht Meister wird, dann eben wir. Das heißt, nicht ich, sondern mein Kollege Christian Pletz. Es ist schon ein paar Tage her, jetzt aber habe ich ein Foto – mit einem ganz speziellen Trikot. Das sollte hier veröffentlicht sein, wenn nicht, habt Geduld (wie so oft in diesen Tagen). Es ist das Sieger-Trikot für die Meistermannschaft des Eidelstedter SV II, das Team wurde Sieger in der Kreisliga Staffel sieben und steigt in die Bezirksliga auf. Ich habe zwei Trikots davon abgestaubt – und, ich habe beide (XL und L) noch an seinem (vorerst) letzten Tag in Hamburg von Ze Roberto unterschreiben lassen. Wer eines der beiden Trikots haben möchte, solle sich bitte melden, alle Eingänge werden bis zur Veröffentlichung des nächsten Beitrags von mir gesammelt und dann wird ausgelost. Ich schreieb Euch dann an, Ihr müsst mir dann Eure Adresse mailen. Perfekt – so machen wir es!

Übrigens: Perfekt ist auch ein Ausleihgeschäft des HSV. Stürmer-Hoffnung Maximilian Beister wird an den Zweitliga-Klub Fortuna Düsseldorf ausgeliehen. Leider. Ich hätte ihn hier gerne mal unter dem neuen Trainer erlebt. Aber das kann ja dann noch später etwas werden.

17.09 Uhr