Tagesarchiv für den 25. Mai 2010

Gemeinsam sind wir stark!

25. Mai 2010

Armin Veh hat sich vorgestellt, Bastian Reinhardt ebenfalls, der Vertrag mit Paolo Geurrero wurde jetzt doch noch um vier Jahre verlängert – und der Aufsichtsrat atmet tief durch. Grund dafür: Endlich ist der Sportchef installiert, jetzt muss nicht mehr gesucht werden, ab jetzt muss nur noch kontrolliert werden, und das wohl besser in aller Stille und im Verborgenen. Die Lage beim HSV scheint sich zu entspannen, nun dürfte endlich wieder Ruhe einkehren, damit es mit vereinten Kräften in der nächsten Saison wieder nur bergauf geht. Es ist an diesem Dienstag viel gesprochen worden, es ist auch einiges versprochen worden, aber ein Satz erscheint mir besonders erwähnenswert. Als ich Klub-Boss Bernd Hoffmann die Frage stellte, ob denn nun Bastian Reinhardt, der Manager-Neuling, der Vorgesetzte von Urs Siegenthaler ist, antwortete Hoffmann: „Wir sind ein Team, wir werden alles gemeinschaftlich vertreten.“ Herr Hoffmann, das klingt super. Wenn Sie das tatsächlich beherzigen in die Tat umsetzen können, dann ist dieser HSV, Ihr HSV, unser HSV, ganz sicher wieder auf einem guten Weg. Gemeinsam sind wir stark, bitte nehmen Sie diesen Leitsatz ab jetzt als oberstes Gebot dieses Klubs.

Die Pressekonferenz mit den Vorstellungen von Armin Veh und Bastian Reinhardt könnt Ihr Euch in aller Ruhe nach auf Abendblatt TV ansehen, deswegen werde ich davon keine Dialoge veröffentlichen. Veh machte auf mich genau den Eindruck, den ich schon vor diesem Tag von ihm gewonnen habe: Ruhig, sachlich, ausgeglichen, fachkundig und nett, auch wenn der Begriff „nett“ bei einigen von Euch schon wieder negativ besetzt ist, mit „nett“ ist vor allen Dingen „menschlich“ gemeint. Veh steht mit beiden Beinen auf dem Boden, er ist nicht aggressiv, er ist nicht knurrig, auch wenn er gelegentlich den Anschein erwecken könnte, er ist nicht arrogant oder überheblich, er ist kooperativ und – was ich für die nächste Trainer-Ära beim HSV für ganz wichtig halte – er leidet nicht unter Verfolgungswahn. Er erzählt frisch, fromm, fröhlich, frei über sich und über die Dinge, die ihn bewegen. Das kommt bei mir sehr, sehr gut an.

Bernd Hoffmann und seine Mitstreiter haben sich die Sache „Trainer-Findung“ nicht leicht gemacht. Ganz sicher nicht. Es wurde in den letzten Wochen mit sechs, sieben Trainern gesprochen. Darunter war sogar auch ein Mann namens Bernd Schuster, von dem Hoffmann nach drei, vier Stunden einen sehr guten Eindruck gewonnen hatte. Letztlich war aber entscheidend, dass Armin Veh von allen Kandidaten die beste Lösung für Hoffmann und Co war. Der Vorstands-Vorsitzende bekannte später, dass in diesem Fall auch „das Bauchgefühl“ mit entschieden hat. Was zudem Fakt ist – und Bernd Hoffmann hat es ausgesprochen: Der HSV hat seit Ernst Happel keinen Trainer mehr gehabt, der den Titel des Deutschen Meisters gewonnen hat – Armin Veh kann einen solchen Titel vorweisen, er weiß, wie es geht (oder gehen könnte).

Gemeinsam sind wir stark. Das stimmt mich in der Tat sehr hoffnungsvoll. Wenn Veh, Siegenthaler und Reinhardt tatsächlich, so wie es der neue HSV-Coach andeutete, auf einer Wellenlänge liegen, wenn sie tatsächlich ihre fußballerischen Vorstellungen unter einen Hut bringen können, dann muss das HSV-Vorhaben „Aufschwung“ ganz einfach erfolgreich sein. Veh hat in 20 Trainer-Jahren reichliche Erfahrungen gesammelt, und er hat in Gesprächen mit Siegenthaler erkannt, dass sein Gegenüber ebenfalls ein großer Fußball-Experte ist (zu hören bei der PK). Und: Er hat es offensichtlich nicht nur erkannt, er akzeptiert es auch. Das ist viel wichtiger. Nicht dass es den einen oder anderen Mann im HSV gibt, der dem eigentlichen Kollegen, mit dem er Hand in Hand das Beste für den HSV bewirken sollte, nichts Gutes gönnt und deswegen eher kontraproduktiv mit ihm zusammen arbeitet.

Ein Hauptaugenmerk der neuen HSV-Führung wird auch sein, frischen Wind nach Ochsenzoll zu bringen. Siegenthaler hat schon Maß genommen, ich glaube, dass ich nicht zuviel verspreche wenn ich behaupte, dass es in Zukunft rund gehen wird im Jürgen-Werner-Leistungszentrum. Denn alle Herren haben sich zum Ziel gesetzt, dass es endlich „richtig“ guten Nachwuchs für die Bundesliga geben muss. Vorbild FC Bayern, bei dem, ich erwähnte es schon, sechs „Eigengewächse“ im Halbfinale der Champions League standen. Ein Traum. Auch in der Realität. Ein Traum von Siegenthaler, Veh, Reinhardt und Hoffmann. Und ich kann nur sagen: Bitte, die Herren, packen Sie es an. Es kann doch eigentlich nichts Schöneres geben, als wenn der HSV eine Tages melden kann: Wir spielen im Champions-League-Finale gegen Real Madrid mit einer Mannschaft, in der ebenfalls sechs Spieler, die in Ochsenzoll zum ersten Mal ein Trikot mit der Raute trugen. Man, was wäre das herrlich!

Noch ein kurzer Schwenk zu „Basti“ Reinhardt. Er ist, wie auch Armin Veh, im Vorfeld dieser Vorstellung arg niedergemacht worden. Ich kann verstehen, dass einige das aus Enttäuschung darüber, dass Nico Hoogma kein Sportchef geworden ist, von sich gegeben habe. Wie gesagt, ich versteh ihre Enttäuschung, aber die Wortwahl war teilweise unterirdisch und unmenschlich, so etwas werde ich nie im Leben tolerieren und akzeptieren, ich werde es immer verurteilen. So etwas gehört sich ganz einfach nicht, man muss auch mal verlieren können.

Und einer wie „Basti“ Reinhardt hat eine solche Vernichtung schlicht und einfach auch nicht verdient. Er ist ein ganz kluger Kopf, er wird im Zusammenspiel mit Veh und Siegenthaler schnell lernen, von ihm wird der HSV ganz sicher noch profitieren. Da lege ich mich mal ganz weit aus dem Fenster, aber ich bin von Reinhardts Qualitäten restlos überzeugt – schließlich laufen wir schon einige Jährchen parallel nebeneinander her. Interessant dürfte aber in der Tat sein, wie die Mannschaftskollegen (die bisherigen) auf den neuen „Vorgesetzten“ reagieren. Ich weiß es noch genau: 1986 fuhr Felix Magath als HSV-Spieler zur WM nach Mexiko, und kam als HSV-Manager aus Mexiko zurück. Und gleich einer seiner allerersten Aufträge war mehr als heikel. Magath sollte den Vertrag von Manfred Kaltz, mit dem er befreundet war, mit dem er auch privat durch viel Dick und viel Dünn gegangen ist, verlängern. Es kam wie es kommen musste – Kaltz und Magath konnten sich nicht einigen und lagen sich in den nächsten Monaten total überquer. So kann es auch gehen.

Fünf Bemerkungen (fast) am Rande: Der ehemalige Nürnberger Chef-Coach Michael Oenning wird, das ist fast hundertprozentig, neuer Co-Trainer des HSV. Der Transfer des niederländischen Nationalspielers Ibrahim Afellay ist auch (zu 99 Prozent) als sicher zu vermelden, zudem wird der HSV noch mindestens zwei Abwehrspieler unter Vertrag nehmen. Weil Veh erkannt hat, Ihr werdet es bei der PK gehört haben, dass die Schwächen des HSV in der Defensive lagen und noch liegen. Und dann noch zu Kevin Keegan. Es hält sich ja immer noch hartnäckig das Gerücht, dass der Engländer zu Verhandlungen (mit Bernd Hoffmann) in Hamburg war. Hoffmann dementiert das aber energisch und sagt: “Ich habe vor Jahren ein einziges Mal mit Kevin Keegan gesprochen. Ansonsten habe ich keinen anderen Kontakt mit ihm gehabt.” Alles heiße Luft.

Keine heiße Luft ist allerdings der Abschied von Ricardo Moniz aus Hamburg – der steht fest. Der Niederländer wird zu Red Bull Salzburg wechseln, obwohl ihn der HSV gerne gehalten hätte. Moniz wollte aber nur als Chef-Trainer bleiben, doch als ein solcher hatte er den Verantwortlichen ein bisschen zu wenig Erfahrung. Ein Standpunkt, den man (vor allem in der jetzigen HSV-Situation) vertreten kann.

Schlusseinschätzungen von Bernd Hoffmann: „Wir waren uns sicher, dass Armin Veh in dieser Situation, in der sich Mannschaft und Verein derzeit befinden, genau zum richtigen Zeitpunkt der richtige Trainer für uns ist. Er hat damals eine ähnliche Situation, wie wir sie jetzt haben, einst in Stuttgart vorgefunden, hat mit Stuttgart und Wolfsburg langjährige Erfahrungen auf einem Niveau gesammelt, auf dem auch der HSV spielt, und er bringt neben seiner nachgewiesenen Kompetenz die Souveränität und Freude mit, die ich mir von unserem Cheftrainer gewünscht habe. Wir haben mit ihm exakt die richtige Wahl getroffen.“

Das hoffen wohl – auch in diesem Jahr wieder – alle HSVer.

18.03 Uhr

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