Tagesarchiv für den 5. Mai 2010

Hoffmann spricht sich für Rost aus

5. Mai 2010

Da war er endlich in seinem Element. Pass auf Ruud van Nistelrooy, der Niederländer nimmt den Ball an der Strafraumlinie an, tunnelt Naldo und versenkt den Ball eiskalt und haarscharf an Tim Wieses Kopf vorbei zum 1:0 für seinen HSV. Da gibt es sogar Applaus der Kollegen auf dem Rasen. Okay, Naldo war nicht Naldo, sondern Henrik Dettmann – und Wiese war Wolfgang Hesl. Und es ging auch nicht um Punkte wie beim Nordderby am Samstag in Bremen, sondern es passierte im heutigen Trainingsspiel, bei dem Trainer Ricardo Moniz seine Profis genau unter die Lupe nahm. „Volles Tempo, präzises Passspiel, richtiges Abwehrverhalten“, forderte er ein. Eine echte Spielsimulation also mit elf gegen elf – da war einiges zu erkennen.

Zunächst die wichtigsten Aspekte. Erstens fehlte neben den Langzeitverletzten Tunay Torun und Marcell Jansen nur ein Mann: Zé Roberto. Der Brasilianer hat sich einen Magen-Darm-Infekt eingefangen und es ist fraglich, ob er bis Sonnabend wieder auf die Beine kommt. Nun ratet mal, wer in der A-Elf seinen Platz als „Sechser“ neben David Jarolim eingenommen hat. Falsch – nicht Tomas Rincon, sondern Robert Tesche. Ich muss gestehen, dass mich das auch ein wenig überrascht hat. Aber Rincon, das zeigte sein Auftritt im B-Team heute auch, scheint derzeit nicht gerade ein Formhoch zu durchleben. Und Tesche machte seine Sache mit einigen Abstrichen recht gut.

Die Viererabwehrkette vor Frank Rost war die gewohnte und leider nicht immer bewährte, und in der Offensivabteilung wirbelten links Jonathan Pitroipa, rechts Piotr Trochowski (für mich einer der Besten in dieser Einheit) und ganz vorne das Duo Mladen Petric und van Nistelrooy. Moniz weiß, dass ein, wenn nicht DAS Erfolgsrezept gegen Bremen die Organisation des Mittelfeldes sein wird. Darum unterbrach er die Einheit auch an einigen Stellen und zeigte den Beteiligten klar auf, wo der Schlüssel zum Erfolg liegen könnte. Im Unterschied zu seinem Vorgänger Bruno Labbadia brauchte der Niederländer aber keine 14 Minuten für diese Anmerkungen, sondern zwei. Und anschließend ging’s rasant weiter. Meine Anmerkung von gestern, atmosphärisch sei die Luft raus, gilt für heute jedenfalls nicht.

Naja, ein paar Ausnahmen gibt es aber doch. Vor allem Marcus Berg scheint das Saisonende extrem herbeizusehnen. Obwohl er in Bremen als Stürmer Nummer drei die erste Einwechselalternative sein müsste (Paolo Guerrero ist ja noch gesperrt), hinterließ er einen ganz schwachen Eindruck. Kein richtiges Aufbäumen, kein Leben, keine Leidenschaft und leider noch weniger Durchsetzungsfähigkeit. Der Schwede braucht die Sommerpause dringend und muss mal ein bisschen Abstand vom HSV gewinnen.
Eljero Elia, dem ich ja schon einen Großteil meines letzten Beitrags gewidmet hatte, ist auch längst noch nicht in alter Bestform. Aber, und das bewerte ich positiv, er setzt alles daran, so kurz vorm Saisonende noch einmal auf die Bühne Bundesliga zurückzukehren. Heute „verballerte“ er im Training zwar eine Chance der Marke „Gehteigentlichgarnichtvorbei“ dermaßen, dass er einige blätterbehangenen Äste in luftiger Höhe rasierte, aber das gehört eben auch mal dazu. Sollte Moniz in Bremen eine Offensivalternative von der Bank brauchen, bin ich mir sicher, wird Elia zu seinen ersten Kandidaten zählen.

Einige von Euch sind ja nach wie ziemlich spitzfindig. Nur weil ich eine Vokabel wie „Basteln“ in meiner Überschrift verwendet habe, werden Parallelen zwischen Vorstandsarbeit und Bastelstunden im Kindergarten gezogen. Dabei sehe ich Bernd Hoffmann und seine Mitstreiter keinesfalls in einer Kleinkinder-ähnlichen Lage und Arbeitsweise. Sie haben es derzeit nicht einfach (wer hat das schon?) und müssen mit so vielen Puzzleteilen (bitte nicht schon wieder spitzfindig bewerten) klarkommen, dass ich mehr als gespannt bin, wie die Zukunft des sportlichen Bereichs aufgestellt sein wird. Urs Siegenthaler hat seine klaren Vorstellungen ja nun mehrfach nach Außen und Innen getragen. Mal sehen, wie gut sich seine Pläne realisieren lassen.

Obwohl sich Bernd Hoffmann ja eigentlich nicht mehr so häufig zu sportlichen Dingen äußern will, hat er es nun doch noch getan. Und das zu Recht. Er hat nämlich (wie ich) gar kein Verständnis dafür, dass bei der Frage nach dem dritten WM-Fahrer aus dem Torwartbereich überhaupt nicht von Frank Rost die Rede ist. „Frank gehört auch laut Statistik zu den besten Keepern der Liga. Er ist erfahren, er hat seine Qualität unterstrichen, für mich müsste er mit zu den Favoriten zählen, nachdem Rene Adler das Turnier abgesagt hat“, sagt Hoffmann. Dass gestern ausschließlich Namen wie Jens Lehmann und der favorisierte Jörg Butt genannt wurden, versteht Hoffmann nicht. Das hinter vorgehaltener Hand immer wieder ausgesprochene Argument, Rost sei kein „ruhiger dritter Mann“, tauge also nicht für diesen Posten bei einer WM, lässt der HSV-Boss jedenfalls nicht gelten: „Wir sehen Frank doch schon etwas länger hier beim HSV. Und er bringt sich sehr wohl gezielt, besonnen und keinesfalls aufmüpfig in die Mannschaft und den Verein ein.“

Morgen fällt die Entscheidung. Dann wird Joachim Löw seinen vorläufigen 30-Mann-Kader bekannt geben. Es gibt ja kühne Optimisten, die mit vier Hamburgern in der DFB-Auswahl rechnen: Trochowski, Boateng, Jansen und Aogo. Ich habe da meine Zweifel. Maximal drei sehe ich im 30-Mann-Aufgebot – Aogo nicht -, lasse mich aber gerne eines Besseren belehren. Und im Fall Jansen wird ja eh die medizinische Abteilung noch ein Wörtchen mitreden. Da er sich noch in der Rehaphase befindet, tendiere ich auch eher zu etwas mehr Skepsis, was seine Teilnahmechancen betrifft.

Zum Schluss noch kurz etwas zur Trainerfrage. Ich habe mich seit gestern weiterhin aufmerksam umgehört, wirkliche Neuigkeiten konnte ich aber nicht in Erfahrung bringen. Der Name Erik Gerets hält sich weiterhin im Umlauf, aber ehe ich mich in Spekulationen und Gerüchten verstricke, die dann möglicherweise doch widerlegt werden, halte ich es in diesem Fall mal mit hanseatischer Zurückhaltung. Ich verspreche Euch aber: Sobald ich etwas Neues erfahre, teile ich es Euch mit.

Bis morgen.

PS: Einige von Euch treffe ich ja vielleicht heute Abend beim Kreisligaspiel meines Kollegen Christian Pletz, SV Eidelstedt II – GW Eimsbüttel (19 Uhr, Sportplatz Redingskamp 25), bei dem seine Eidelstedter mit einem Sieg Meister werden könnten. Der Kuchen von Frau P für die Matz-abber steht schon in seinem Auto.

14:55 Uhr