Tagesarchiv für den 4. Mai 2010

Der Vorstand bastelt am “neuen HSV”

4. Mai 2010

Die Luft ist raus. Hatte ich ja schon mal geschrieben. Stimmt aber immer noch. Mein Kollege Christian Pletz war heute draußen beim Training und hat diesen Eindruck noch einmal bestätigt. Irgendwie hinterlässt so eine lange Saison halt doch Spuren. Nun werden einige von Euch bestimmt auf die Barrikaden gehen und aufschreien: „Hey, da steht aber noch ein Spiel beim Erzrivalen aus! Das darf doch nicht abgeschenkt werden! Nicht in Bremen!“

Diesen sorgenvollen Anhängern möchte ich folgendes sagen: gemach, gemach. Bis zum Nordderby in Bremen sind es noch ein paar Tage. Und Ricardo Moniz, der heute Pass- und Spielübungen in zwei Gruppen beziehungsweise am Ende mit vier Mannschaften absolvieren ließ, ist lange genug im Geschäft um zu wissen, dass das „Feuer“ vorm Spiel am Donnerstag und Freitag wieder entfacht werden kann und muss und soll. Es ist ja auch nicht so, dass die Profis lustlos über den Platz stapften. Nein, sie hängen sich schon rein. Aber man merkt dem gesamten Kader eben an, vor allem an der Körpersprache, dass es zuletzt trotz des Sieges gegen Nürnberg eine Vielzahl an erheblichen Enttäuschungen und Misserfolgen gab. Siege beflügeln, Pleiten ziehen runter – so ist das nun mal.

Aber – horcht, horcht – ein paar positive Auffälligkeiten konnte mir mein Kollege dann doch melden. Erstens: Es gab keinen verletzungsbedingten Aus- oder Rückfall (er hat den Spitznamen „Seuchenvogel“ also abgelegt). Zweitens: Mit Ausnahme von Marcell Jansen und Tunay Torun haben alle Profis am Mannschaftstraining teilgenommen. Und drittens: Unter den Zaungästen wurden mächtig viele Personalien diskutiert, Ferndiagnosen erstellt und Wunschlisten gebastelt.

Nun liegt es mir fern, an dieser Stelle noch einmal eine „bunte Liste“ mit potenziellen Neulingen, Abgängen, zurückkehrenden Leihspielern oder eventuellen Verkäufen zu erstellen, denn das führt zum jetzigen Zeitpunkt der Saison eher dazu, dass ich in zwei Wochen fast alles revidieren und umschreiben müsste. Wirklich fest steht nämlich noch gar nichts, so viel kann ich sagen. Aber an dieser Lage wird sich demnächst etwas ändern. Ich gehe fest davon aus, dass Bernd Hoffmann, Katja Kraus und Co. in der Woche nach dem Spiel bei Werder konkrete und handfeste Entscheidungen präsentieren werden. Im Klartext: Erst wird ein neuer Trainer vorgestellt – dazu nur so viel: Der heute gehandelte Name Eric Gerets ist meines Wissens nach alles andere als ein „Windei“, da könnte schon etwas dran sein – und anschließend wird dann am Kader gebastelt, am Drumherum, am „neuen HSV“.

Ich habe gehört, dass alle Angestellten, Verantwortlichen und Protagonisten des HSV ungeachtet des letzten Bundesligaspiels am Samstag noch bis zum 12. Mai greifbar, also hier vor Ort, sein müssen. Und das heißt nicht, dass sie alle beim Europa-League-Finale im Hamburger Stadion „gefoltert“ werden sollen, sondern gegebenenfalls mit neuen Führungsstrukturen im Trainer- und Verantwortlichenbereich konfrontiert werden und für Einzelgespräche zur Verfügung stehen müssen. So sehr die Luft bei vielen HSVern (vor allem Fans) jetzt auch raus sein mag, so konsequent müssen die Macher im Vorstand jetzt, gerade jetzt, das Tempo und die Konzentration hoch halten, um eine positivere Zukunft einzuleiten und die richtigen Weichen dafür zu stellen.

Auf einen Spieler möchte ich doch noch kurz eingehen: auf Eljero Elia. Meinem Kollegen und einigen Trainingskiebitzen kam er bei der heutigen Einheit etwas „kompakter“ vor als noch vor seiner Verletzungspause. Keine Sorge, er sah nicht aus wie Ailton oder Romario, aber er hat offenbar ein paar Muskelpakete zugelegt. Was aus ihm wird, steht auch in den Sternen. Fährt er zur WM? Bleibt er beim HSV? Segelt bei Bernd Hoffmann noch ein hoch dotiertes Angebot für „Eli“ ein? Viele Fragen, die derzeit noch nicht beantwortet werden können. Vorstand und Aufsichtsrat sollen sich aber einig sein, dass sie eigentlich weiter auf ihre „Rakete“ setzen wollen und er in der kommenden Serie, dann hoffentlich verletzungsunanfälliger, noch einmal richtig durchstarten kann. Denn eines ist doch mal sicher: Ein Elia in Bestform mischt die Bundesliga weiterhin auf. Und so einen kann der HSV bestens gebrauchen.

So, heute fasse ich mich mal ein bisschen kürzer. Aber nicht weil die Luft bei mir auch raus ist, sondern weil ich so viel in Sachen Trainersuche und Zukunft des HSV herumtelefoniert, gemailt und gesprochen habe, dass es schon ziemlich spät geworden ist. Und so lange möchte ich die treuen Matz-abber dann doch nicht warten lassen. Morgen gibt’s mehr.

18:50 Uhr