Tagesarchiv für den 3. Mai 2010

Moniz und kein Ende

3. Mai 2010

Es wird Zeit, dass diese Saison ein Ende findet. Findet Ihr nicht auch? Die letzten Tage erinnern mich immer mehr an ein Trainingslager. Am Ende steht der Lagerkoller. Den haben wir wohl jetzt. Ich habe mir eben noch einmal meinen letzten Artikel durchgelesen. Den über Moniz. Kann mir einer von Euch, liebe Freunde und auch Feinde, sagen, an welcher Stelle ich fordere, dass Ricardo Moniz der neue HSV-Trainer werden soll? Ich habe mir den Beitrag noch einmal und noch einmal durchgelesen, ich kann die von mir angefragte Passage beim besten Willen nicht finden. Nun ändert Matz ja stündlich seine Meinung, das ist mir schon klar, aber woher wisst Ihr heute schon, dass ich morgen für Ricardo Moniz als Trainer eintreten werde? Nein, nein, liebe Feinde und Freunde, es wird Zeit, dass diese Saison ein Ende findet, denn so bringt es Euch herzlich wenig, wenn Ihr immer nur über den Autor meckern müsst. Und auch der Autor kann sich gar nicht mehr so schnell drehen und wenden, wie er seine Meinung ändern möchte. Ist schon klar.

Was habe ich über Moniz geschrieben? Nur das, was er gesagt hat. Und das war toll, wie ich fand. Deswegen habe ich es hier veröffentlicht. Nur deswegen. Ich habe aber keineswegs gefordert, dass er HSV-Trainer werden muss, werden soll. Denn ich weiß auch, dass Ricardo Moniz ein großartiges Angebot von Red Bull Salzburg hat. Er kann die Fußballschulen der Firma (und des Vereins) in New York, Ghana und Brasilien betreuen, er kann Talente formen – und viel, viel Geld verdienen. Ein Traum-Job! Und er muss nicht damit rechnen, dass er bei Nicht-Erreichen der Europa League gefeuert wird.

Sollte er dennoch HSV-Trainer werden wollen, dann liegt es nun an ihm, dass er sich mit Dietmar Beiersdorfer auseinandersetzt, um von Red Bull doch wieder Abschied zu nehmen. Darüber mag Moniz aber derzeit nicht reden – aus Respekt zum HSV. Tolle Einstellung, habe ich schon mal geschrieben, in diesem Fall bleibe ich auch dabei. Und wenn Moniz tatsächlich beim HSV Chef werden will, so liegt es nicht an „Matz ab“, ob er diesen Job bekommt, sondern an Bernd Hoffmann und Co. Ich bin übrigens in diesem Jahrtausend noch nie vom HSV gefragt worden, ob ich mitentscheiden möchte, wer HSV-Trainer wird. Hätte aber was, gebe ich gerne zu. Und zu diesem Thema schnell noch ein Anekdötchen: Als Willi Reimann am 11. November 1987 HSV-Trainer wurde (vom FC St. Pauli freigekauft!), hatte ich tatsächlich meine Finger im Spiel. Weil mich der damalige HSV-Manager Felix Magath, Freund und Stammtischbruder von mir, gefragt hatte: „Hast du einen Trainer für den HSV?“ Ich nannte ihn Reimann, den ich als Trainer bei St. Pauli kennen und schätzen gelernt hatte – und Reimann wurde es. Um auch das noch schnell zu klären: Ich war für Reimann, war aber damals schon ein „Wendehals“, weil ich auch für seine Entlassung im Januar 1990 war, denn es ging damals nicht mehr so viel beim HSV.

Übrigens würde ich meinen Moniz-Bericht vom Sonntag ganz genau noch einmal so schreiben, denn ich wollte meinen Lesern, den „Matz-abbern“, lediglich mitteilen, was für ein Mann dort jetzt an der Spitze steht. Wer von Euch kennt denn Ricardo Moniz schon so genau, dass er weiß, wie dieser Mensch tickt? Genau das wollte ich Euch näher bringen. Seine Aussagen waren herrlich erfrischend und ehrlich, und sie zeugten davon, dass es diesem Trainer nur um zweierlei Dinge geht: Um den HSV und um den Fußball. Nur das solltet Ihr meiner Meinung nach wissen. Aber was wurde da nun schon wieder hinein interpretiert? Wahnsinn. Da kommt schon echte Freude auf. Deswegen meine Bitte: Noch einmal durchlesen, und wer dann immer noch meint, dass ich gefordert habe, dass Ricardo Moniz HSV-Trainer wird, der darf ruhig noch einmal, und zwar ganz, ganz kräftig . . . Verbal aber bitte nur, nicht nach Art der Nordkurve.

Was ich nicht unerwähnt lassen möchte: Es gab auch jede Menge Zuspruch von jenen „Matz-abbern“, die diesen (meinen) Moniz-Beitrag genau so gelesen und aufgefasst haben, wie ich ihn gemeint habe. Danke dafür, vielen Dank sogar.

Kurz noch zum Fußball. Jonathan Pitroipa will nun doch beim HSV bleiben, das ist erfreulich. Zumal er ja auch noch einen Vertrag hat, der bis zum Sommer 2012 läuft. Da sollte man auch bleiben wollen. Auch wenn er einige unerfreuliche Tage (Wochen und Monate) in Hamburg hinter sich hat. Aber liegt es nicht auch an ihm? Gibt er richtig Gas, spielt er so, wie in den letzten Spielen, dann wird er zu den Stützen der Mannschaft gehören, dann wird er auch ganz sicher weiter so gefeiert wie zuletzt.

Und: Paolo Guerrero soll, so wünscht es sich der HSV, auch bleiben, möglichst die nächsten drei Jahren. Das befürworte ich, falle aber in diesem Fall auch nicht mehr um, denn der Peruaner hat sich in Hamburg sehr gut entwickelt, wenn man mal von seinem Flaschenwurf absieht. Aber genau wegen dieser Entgleisung dürfte der HSV nun auch deutlich bessere Karten auf eine Weiterverpflichtung haben, denn diese Aktion dürfte schon den einen oder anderen Interessenten von einem Angebot abgeschreckt haben.

Dazu noch eine dritte Personalie: Bastian Reinhardt. Der Routinier wurde am Sonnabend großartig gefeiert. Ich sprach heute mit dem „Praktikanten“ (der HSV-Geschäftsstelle), das hatte er sich gerade das Nürnberg-Spiel noch einmal angesehen. „Basti“ befand danach: „Wie das Stadion bei meiner Einwechslung tobte, wie die Leute mich gefeiert haben, das war schon sensationell. Das war ein ganz besonderer Moment, solche Momente erlebt man als Spieler nur ganz selten einmal.“

„Basti“ hat mit den 14 Minuten gegen den „Club“ Blut geleckt: „Ich will mehr. Schade nur, dass die Saison jetzt zu Ende geht, es gibt ja nur noch dieses eine Spiel.“ Vor Wochen hatte er beim „Matz-ab“-Treffen in der „Raute“ (nach einer kleinen „Erpressung“) versprochen, dass er das 3:2-Siegtor gegen Bremen köpfen werde. Darauf angesprochen lacht er und sagt: „Dieses Versprechen muss ich wohl einhalten. Nun dann, ich werde mich – wie einst Günter Netzer – selbst einwechseln müssen.“ Es sei denn, Moniz weiß um das Reinhardtsche Versprechen. Und sollte es dann in der Schlussphase 2:2 stehen . . .
Heute war Ruhetag beim HSV, aber auch sonst ist es wieder ein wenig ruhiger geworden. Reinhardt beurteilt die augenblickliche Situation wie folgt: „Es ist innerhalb der Mannschaft ruhiger geworden, aber auch um Umfeld. Der Sieg gegen Nürnberg war wahnsinnig wichtig, und dieses Erfolgserlebnis sollte für einen Neunanfang stehen – auch wenn es jetzt in die Sommerpause geht.“ Auch auf das Fulham-Spiel kam „Basti“ noch einmal kurz zu sprechen: „In London haben wir auch nicht so schlecht gespielt, wie es hinterher teilweise gemacht wurde. 70 Minuten lang haben wir alles richtig gemacht, in dieser Zeit haben wir wirklich gut gespielt, da war es für mich eine deutliche Steigerung gegenüber den vorangegangenen Bundesliga-Spielen.“

Nach Beendigung dieser Spielzeit wird die Entscheidung darüber fallen, wie es mit dem (neuen?) Publikums-Liebling beim HSV weiter geht. Er würde gerne bleiben und sagt: „Am liebsten natürlich als Spieler.“ Mit Vorstandsfrau Katja Kraus und auch mit dem zukünftigen Sportchef (?) Urs Siegenthaler gab es schon jeweils ein Gespräch. Bleibt der 35-jährige Bastian Reinhardt dem HSV nicht als Spieler erhalten, so vielleicht in einer anderen Aufgabe. Er will seinen Trainerschein machen, um „meine Erfahrung an die HSV-Talente weitergeben zu können“. Auch eine Tätigkeit im Nachwuchsleistungszentrum Ochsenzoll wäre für ihn vorstellbar: „Nur keinen reinen Büro-Job, den stelle ich mir nun überhaupt nicht vor.“ Denn, so sagt er: „ Dazu bin ich doch viel zu gerne bei einer Mannschaft.“ Am liebsten bei dieser, die am Sonnabend bei Werder Bremen die letzte Chance zur Europa-League-Qualifikation nutzen wird.

Übrigens: Die ebenfalls versprochene Reinhardt-Kolumne für „Matz ab“ wird kommen. „Basti“ sagt: „Ich werde für die Matz-abber ein, mein Saison-Fazit ziehen.“ Das dürfte wieder sehr lustig werden. Ganz im Gegensatz zu dieser Saison, aber es ist ja wie es ist.

Zwei Dinge noch kurz zum Schluss. Die HA-Internet-Abteilung bat mich, erklärende Worte in Sachen Blockierungen von Beiträgen zu übermitteln: „Ein Eintrag wird vom System zurückgehalten und erst dann freigegeben, wenn er den Namen eines Bloggers enthält, der auf der Freigabeliste steht. Das bedeutet nicht, dass die Blogger, die den Namen in ihrem Text verwenden, auf der Liste stehen.
Ein Beispiel zur Anschauung: Ich habe heute den Blogger „Goethe“ (er benutzte noch eine Reihe andere Nicknames) auf die Liste setzen müssen, da er persönlich beleidigend wurde. Diese Beiträge werden gelöscht. Andere Beiträge, in denen „Goethe“ lediglich über den HSV schrieb, wurden freigegeben.
Wenn sich nun jemand auf einen der frei gegebenen Beiträge von „Goethe“ bezog und dabei zum Beispiel „@Goethe“ schrieb, wurde dieser Beitrag auch zunächst vom System zurückgehalten. Das aber hat nichts mit Absicht zu tun, sondern ist durch das System nicht anders lösbar.“

Eine weitere Bitte, die mir geschrieben wurde, gebe ich ungefiltert weiter: „Wirken Sie doch auf die Matz-abber ein, die blöde Diskussion über „Zensur“ runterzufahren. Erstens betreiben wir keine Zensur, wie man ja unschwer an den vielen unterschiedlichen Beiträgen erkennen kann. Zweitens gibt es eben diese technischen Gründe. Diese ständige (und falsche) Debatte fängt langsam an, zu nerven. Sie schadet auch dem Blog, denn es wird dann einfach behauptet, es werde Zensur betrieben, was nicht stimmt.“
Zu diesem Thema muss ich erneut noch einmal anfügen: Ihr, die „gesittet“ schreibt, könnt Euch nicht vorstellen, was für Extrem-Beiträge bei uns ankommen. Es ist wirklich unvorstellbar. Und absolut peinlich. Das bringt das Internet nun einmal so mit sich. Es kommen Beiträge mit sexistischem Inhalt, es werden Menschen diffamiert, geoutet und einfach nur beleidigt.

Der Internet-Chef schrieb mir dazu: „Ich bin aufgrund der seit Januar 2010 geltenden gesetzlichen Regelung presserechtlich für alles verantwortlich, was bei abendblatt.de erscheint. Und ich will es offen sagen: Ich habe keine Lust, mich vor Gericht dafür verantworten zu müssen, weil hier jemand strafrechtlich bedenkliche Inhalte schreibt. Ich schätze den Blog sehr und nehme mir viel Zeit – auch in meiner freien Zeit – für den Blog. Ich bewundere Sie, mit welcher Sachkenntnis und mit welchem Einsatz Sie jeden Tag schreiben. Das ist mir das Wichtigste. Bitte verstehen Sie meine Worte daher in diesem Sinne. Und ich weiß: die Matz-abber hören auf Sie.“ Abwarten.

So, nun wird das Buch wieder geschlossen. Wer beim HSV-Training schon meinen Kollegen Christian Pletz sah und kennen gelernt hat, dem möchte ich sein Schreiben an mich nicht vorenthalten:
„Moin Dieter, altes Haus. Man, war diese Saison lang und nervenaufreibend. Ich würde mich übrigens sehr freuen, wenn Du am Mittwoch um 19 Uhr auch vorbeischaust an der Elbgaustraße, wenn wir hoffentlich die Meisterschaft perfekt machen können. Und in Anbetracht der Tatsache, dass ich mir die beste Kulisse meines Herrenspielerdaseins wünsche für diese historische Chance, hoffe ich darauf, dass Du im nächsten Blogeintrag eine „Einladung“ an alle Matz-abber aussprichst, die sich vor Ort ja gerne mit Dir unterhalten können. Ich haue einen Kuchen für die Matz-abber raus und garantiere Ihnen eine Mannschaft, die ihr volles Herzblut in dieses Spiel investieren wird. Mit einem „Dreier“ wären wir Meister.“

Anpfiff des Kreisliga-Spiels (Staffel sieben) ist am Mittwoch um 19 Uhr, Eidelstedt II (mit Pletz) spielt gegen GW Eimsbüttel. Der Platz liegt in der Nähe des S-Bahnhofs Elbgaustraße. Zufahrt auch möglich über Redingskamp 25.

17.15 Uhr