Monatsarchiv für April 2010

1:5 – es ist aus, Herr Labbadia!

25. April 2010

Der HSV verkümmert zur Lachnummer der Bundesliga. Wie tief ist der Traditionsklub von der Rothenbaumchaussee inzwischen gesunken, wie tief wollen ihn die Verantwortlichen noch sinken lassen? Mit 1:5 ging die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia gegen Hoffenheim unter, es war ein Debakel, eine Klatsche, eine Demütigung. Dieser Untergang ist eine große Katastrophe, in dieser Verfassung würde der HSV gegen den Abstieg spielen, aber zum Glück wurden 2009 schon genügend Punkte gesammelt. Und: Diese Leistungsverweigerung muss Konsequenzen haben, sie wird meines Erachtens auch Konsequenzen haben. Ich lege mich fest: Donnerstag, beim Europa-League-Halbfinale beim FC Fulham, wird ein anderer Trainer als Bruno Labbadia auf der HSV-Bank sitzen. Ganz sicher hat Labbadia nicht die alleinige Schuld an diesem Absturz, aber er trägt die Hauptlast daran – und er ist schon lange keine Einheit mehr mit der versagenden Truppe. Die Spieler sind fertig mit ihrem Trainer, für ihn geht nicht ein Hamburger Profi mehr durchs Feuer. Es ist aus, Herr Labbadia!

Vor dem Anpfiff teilte Bruno Labbadia den fragenden Medienvertretern mit: „Wir haben keinen Spieler daheim gelassen, um ihn zu schonen. Wenn heute Halbfinale wäre, könnten sie tatsächlich nicht spielen.“ Und deshalb fehlten Tunay Torun, Ruud van Nistelrooy, Ze Roberto und Guy Demel. Das war schon verdammt bitter für den HSV. Und dann war es noch sehr warm in Sinsheim, fast schon Sommer, da soll Mann dann noch Bundesliga spielen. Wo doch das ganz große Ziel erst am Donnerstag auf dem Programm steht: Fulham. Natürlich wird nun jeder Trainer und auch jeder verantwortliche sagen: „Die Spieler haben Fulham nicht aus ihren Hinterköpfen bekommen, die haben mehr an Fulham als an Hoffenheim gedacht.“ Wer kann ihnen das verdenken? Ganz sicher werden es die 2000 HSV-Fans, die zu diesem Spiel nach Sinsheim gereist waren, nicht tun. Die haben ohnehin viel Zeit, und auch viel zu viel Geld . . .

Bereits nach 78 Sekunden war der Keks gegessen: Robert Tesche quer zu Joris Mathijsen, der nach vorn (!) zu Jonathan Pitroipa, der wieder zurück auf Mathijsen. Bis dahin gibt es nichts, aber auch wirklich nichts zu meckern. Da ist der Schlafwagen-Fußball, den der HSV in diesem Jahr spielt. Egal ob es friert oder auch die Sonne scheint. Dann aber dieser Rückpass: Mathijsen hat nur einen Fuß: links. Pitroipa spielte ihm die Kugel auf rechts. Und ein, zwei Meter neben diesen Fuß. Peinlich. Aber es wurde noch peinlicher. Mathijsen will – natürlich – zurück zu Frank Rost spielen, wohin denn sonst? Und als Ibisecvic dazwischenspritzt, nimmt das Unheil seinen Lauf – 1:0 für Hoffenheim. Alles ganz normal. Schließlich muss ein Aufbaugegner auch aufgebaut werden, da hat der HSV doch auch einen Ruf zu verspielen. Bislang hat er das doch immer noch geschafft.

Aber wenn schon denn schon, halbe Sachen kennt ein Hamburger ja nicht. Flanke Beck, Kopfball Ibisevic aus elf Metern, Boateng steht hinter ihm und kommt nicht an die Kugel, Frank Rost auch nicht – 2:0 (11.). Wie eine Schüler-Mannschaft ließ das HSV-Team mit sich machen was Hoffenheim wollte. Unfassbar. Aber dann erst die Antwort des HSV: Zum Beispiel in der 18. Minute. Was für eine herrliche Ballstafette: Boateng quer zu Mathijsen, der quer zu Aogo, der quer zu Dennis Aogo, der zurück zu Mathijsen, der zurück zu Aogo, der nach vorne zu David Jarolim, der zurück zu Aogo – und weg ist der Ball. Wunderschön anzusehen, aber irgendwie auch brotlos, oder? War jedenfalls mein Empfinden. Muss aber auch nicht ganz richtig sein. Was mich an dieser Traum-Kombination störte: Wieso wurde nicht auch noch Rincon rechts mit einbezogen? Schneiden die Kollegen ihren Kameraden?

Nicht von ungefähr dann das 3:0. Eichner setzt sich außen gegen Rincon und Boateng durch, geht auf den ersten Pfosten zu und legt den Ball zurück auf den völlig ungedeckten Obasi – Tor. So spielt man mit Studenten.

Was dazu passt: Kurz darauf lief Jarolim mit dem Ball am Fuß entlang der Mittellinie. Keine Anspielstation. Er lief und lief und lief. Hart bedrängt von Liz Gustavo, der mit seiner Brust an Jarolims Rücken hing, „Jaro“ spürte den Atem des Hoffenheimers. So muss es auch sein, aber die Hamburger kannten nur eine andere Art des Fußballs: Begleitservice. Aber der ganz zarten Art. Körperloser geht es nicht mehr . . . Irgendwie dachte ich an das Abschluss Sonnabend. Da spielte die HSV-Mannschaft Handball. Und ich bin mir ganz sicher, im Handball hätte der HSV diese harmlosen Handballer aus Hoffenheim ganz deutlich besiegt. Was dazu auch passt: 41. Minute, Einwurf für Hamburg auf der Linksaußen-Position. Piotr Trochowski rennt hin, schnappt sich den Ball – aber keiner der Kollegen kommt als Abnehmer. Hilflos zuckt „Troche“ mit den Schultern . . .

Vor dem Spiel hatte Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick seine Taktik erläutert: „Wir spielen heute mit eineinhalb Spitzen.“ Die „halbe“ war Obasi. Und der durfte machen was er wollte. Unbehelligt. Und beim HSV warteten die beiden Innenverteidiger Boateng und Mathijsen auf die beiden Hoffenheimer Spitzen! Immerhin: Sekunden nach dem Halbzeitpfiff tauschte Joris Mathijsen sein Trikot mit dem Hoffenheimer Eduardo. Watt mutt, dat mutt, sagt der Hamburger.

Zum Wiederanpfiff ein Tausch auf HSV-Seite. Kommentar des Sky-Reporters: „Es kommt David Rozehnal – halten Sie sich fest – für Marcus Berg.“ Da wird ein Wechsel schon voller Ironie kommentiert. Dabei wollte Labbadia nur die Überzahl im Mittelfeld ausgleichen, was ja auch sein gutes Recht ist: Rincon eine Position nach vorne. Und es half. Robert Tesche knallte den ball aus 32,5 Metern ins Hoffenheimer Netz. Ein „Tor des Monats“ in der 65. Minute. Hoffnung? Überhaupts nicht, würde Kurt Jara sagen, überhaupts nicht. Obasi schießt das 4:1, weil Mathijsen die weltberühmte Hamburger Abseitsfalle aufbauen wollte (72.), und dann das 5:1 von Salihovic, als das gesamte Mittelfeld irgendwo im luftleeren Raum herumtobte (77.), und weil Rozehnal den Hoffenheimer laufen ließ. Der arme Frank Rost! Der schimpfte, der tobte, aber wer hörte ihm noch zu? Da rein, da wieder raus. Die Rote Karte für Tolgay Arslan war zum Schluss ein Witz, da war überhaupt nichts, aber sie passte zu diesem Untergang.

Hoch interessant noch das Halbzeitgespräch zwischen Sky-Moderator Jan Henkel und HSV-Boss Bernd Hoffmann, der bis zu dieser Frage sehr moderat und salopp geantwortet hatte. Die Frage: „Herr Hoffmann, Bruno Labbadia wird auf jeden Fall die Saison als HSV-Trainer beenden?“ Hoffmann: „Also, ich glaube, das ist die allerletzte Frage, mit der ich mich hier unter dem Eindruck dieses Spiels beschäftige . . .“ Henkel: „Das ist keine Antwort.“ Hoffmann: „Sie können daraus machen was Sie wollen. Sie glauben doch nicht, dass ich in der Halbzeit über den Trainer rede, irgendwann ist ja auch Schluss hier . . .“

Hoffentlich, Herr Hoffmann, hoffentlich. Bitte springen Sie über Ihren Schatten. JETZT!

17.33 Uhr

Mit 17 Mann gegen Hoffenheim

24. April 2010

Mit nur 17 Spielern reist der HSV heute nach Sinsheim. Das kann ja was werden . . . Das letzte Aufgebot des Bruno L. In Hamburg blieben Tunay Torun (Knie), Ze Roberto (Wadenprobleme), Guy Demel (Knie) und Ruud van Nistelrooy (Hüftbeugemuskulatur). Bei allen Spielern besteht die Hoffnung, dass sie bis zum Donnerstag, dem EL-Halbfinal-Rückspiel beim FC Fulham, wieder fit sein werden. Wen aber kann Labbadia nun noch aufstellen? Ein gewisses Risiko besteht ja auch bei Mladen Petric, der nach seiner „Wunderheilung“ an diesem Sonnabend ohne jede Einschränkung mittrainiert hat, der ja aber trotz allem verletzt war – egal wie schwer. Petric selbst will gegen Hoffenheim spielen, aber erfüllt ihm der Trainer den Wunsch, oder schont er ihn auch für die Europa League?

Herrlichster Sonnenschein im Volkspark. Beim Abschlusstraining sind 250 Zuschauer dabei. Als die Spieler an zwei Punkten das Kreisspiel zelebrieren („Ihr sechs spielt fünf gegen zwei“), stehen die Trainer Eddy Sözer, Bruno Labbadia und Ricardo Moniz wie die Zinnsoldaten nebeneinander, aber in 20 Meter Entfernung. Wieso dieser Abstand? Fiel einigen Fans auf. Nun gut, es ist wie es ist. In dem einen Kreis herrschte eine „Bombenstimmung“. David Rozehnal, Joris Mathijsen, Frank Rost, Robert Tesche, Wolfgang Hesl, Piotr Trochowski, Bastian Reinhardt und Marcus Berg ließen die in der Mitte um den Ball kämpfenden Tolgay Arslan und David Jarolim lange, lange vergeblich nach der Kugel laufen. Das glich einer Vorführung, Arslan und Jarolim kamen erst an den Ball, als der Jubel und das Gelächter die Konzentration verdrängt hatten. Aber trotz allem ein schönes Zeichen, es kann doch noch gelacht werden – beim HSV.

Im anderen Kreisspiel ging es „gesitteter“ zu. Daran waren beteiligt: Mladen Petric, Jonathan Pitroipa, Paolo Guerrero, Sören Bertram, Henrik Dettmann und Dennis Aogo, Tomas Rincon und Jerome Boateng. In der dann folgenden Übung wurde Handball gespielt, Tore durften aber nur per Kopf erzielt. Es ging hoch her. Und so manches Duell hätte sehr wohl ins Auge gehen können, denn während einer köpfte griff der andere mit den Händen zu. So kamen sich Rozehnal und Berg ins Gehege, und auch Trochowski und Rincon gerieten so aneinander. Ging aber alles gut. Apropos gut: Überragender Torwart in diesem Spiel war Petric, der mehrfach wie ein gelernter Keeper durch die Luft flog und parierte. Das nötigte den meisten Trainingskiebitzen viel Respekt ab. Besser hätte es auch Rost und Hesl nicht machen können.

Im abschließenden Spiel traten die jungen Talente gegen die „älteren“ Herren an. Die jungen Hüpfer gewannen durch ein Tor von Arslan 1:0, es war ein richtig schöner „Knaller“ gegen Frank Rost, der gar nicht so schnell seine Arme in die Luft bekam. Bei der jungen Truppe spielte übrigens eine höchst interessante Viererkette: Rincon, Dettmann, Boateng und Aogo. Ein Fingerzeig für das Hoffenheim-Spiel. Falls auch Mathijsen für Fulham geschont werden sollte? Doch das glaube ich nicht. Obwohl es doch mal ganz nett wäre, einen so jungen Mann wie den 20-jährigen Dettmann zu sehen.

Ganz klar: Der HSV ist gegen Hoffenheim zum Siegen verdammt. Aber, Hand aufs Herz: Wer glaubt denn immer noch an ein gutes Ende – sprich sechster Platz – des HSV in der Bundesliga? Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, aber . . . Der VfB Stuttgart hat am Freitag vorgelegt, die Schwaben sind zurzeit einfach nur gut drauf und gewinnen souverän. Borussia Dortmund lässt beim 3:2 in Nürnberg auch keine Punkte liegen – es wird schwer, wenn nicht sogar unmöglich. Und dann muss der personell wieder einmal stark angeschlagene HSV ja auch noch auf den VfL Wolfsburg hoffen, dass die Niedersachsen nicht noch gewaltig von hinten kommen.

Übrigens: Wer noch immer den Namen Maximilian Beister vermisst, dem sei gesagt, dass sich der junge Stürmer bei seinem Kurz-Einsatz gegen Mainz 05 eine Zerrung im Knie zugezogen hat und damit für mindestens zwei Wochen ausfallen wird. Zum Glück hat sich die „Zweite“, die gegen Hertha BSC II spielen muss, ja schon vor dem Abstieg aus der Regionalliga gerettet, denn sonst könnte es jetzt noch einmal (personell) eng werden für die Cardoso-Truppe.

Erst einmal aber bin ich gespannt auf den Betriebsausflug nach Sinsheim. Hoffenheim hat seit Wochen keinen „Dreier“ mehr für sich verbuchen können, natürlich spielt die Mannschaft von Ralf Rangnick genau so enttäuschend wie in diesem Jahr der HSV (in der Liga). Da spielt Not gegen Elend, und Elend kommt mit dem letzten Aufgebot. Was mich zusätzlich beunruhigt: Not wurde zuletzt kräftig vom Geldgeber Dietmar Hopp „aufgemischt“. Und siehe da: In Dortmund konnte Hoffenheim plötzlich laufen und kämpfen. Und sogar – wenn auch mit viel, viel Glück – mit einem 1:1 einen Punkt mitnehmen. Ein Punkt, der durchaus für frisches Selbstvertrauen sorgen könnte.

Mein Tipp in Sachen Aufstellung für Hoffenheim:
Rost – Rincon, Boateng. Mathijsen, Aogo – Jarolim, Tesche – Trochowski, Pitroipa – Berg, Petric.

17.34 Uhr

Schon wird ein neues Fass aufgemacht . . .

23. April 2010

Als sich nach dem Fulham-Spiel Minuten vor Mitternacht Bruno Labbadia und Bernd Hoffmann in den Katakomben der Arena begegneten, da klopfte der Vereins-Chef seinem Trainer einige Male auf den Rücken. So in der Art: „Wird schon . . .“ Wird ja auch. Der HSV muss ja im Rückspiel beim FC Fulham ja nicht unbedingt verlieren. „Da können sie nicht mit Mann und Maus verteidigen und nur das Spiel zerstören, da müssen sie auch etwas für ein Tor tun – das ist unsere Chance“, sagt zum Beispiel „Basti“ Reinhardt. Hier bei „Matz ab“ sehen mir ganz einfach zu viele HSV-Fans SCHWARZ! Muss ich ganz ehrlich sagen. Es handelt sich dabei tatsächlich um HSV-Fans. Weshalb aber diese selbstzerstörerische Skepsis? Warum sollte der HSV auf der Insel denn kein Tor schießen? Und dort nicht ein 1:1 schaffen? Weil der FC Fulham eine solche Über-Mannschaft hat? Die müssen, sie kommen nicht drum herum, in der eigenen Hütte schön mitspielen, und dann wird man sehen, was sich daraus für den HSV entwickeln kann. Also, Kopf hoch und etwas optimistischer in Richtung „Operation Rathausmarkt“ blicken. Bislang hat der HSV in der Europa League auswärts immer das gespielt, was er spielen musste. Ist es nicht so?

Natürlich ist nicht alles Gold, was glänzt im Spiel des HSV. Manchmal wird sogar mir SCHWARZ vor Augen, wenn man dieses Mittelmaß, diese stümperhaften Unzulänglichkeiten und diese vielen amateurhaften Fehler sieht. Nicht von der Hand zu weisen ist jedoch, dass sich die Mannschaft gegen Fulham sehr um ein gutes Spiel bemüht hat. Und genau das wollte ich mit meinem Bericht anerkennen. Einige von Euch haben mir deshalb tüchtig um die Ohren gegeben, einige wiederum haben mich (angerufen) und aufgemuntert. Die Wahrheit liegt wohl – wie so oft – in der Mitte. Ich werde aber von meinem Fulham-Spielbericht kein einziges Wort zurücknehmen, ich stehe dazu, dass ich dieses Spiel genau so gesehen habe, wie ich es hier niedergeschrieben habe. Auch wenn mir schon unterstellt wurde, dass ich nichts gesehen habe – oder auch nur ein anderes Spiel. Bei der Gelegenheit: Das „Matz-ab“-Video zum Hoffenheim-Spiel ist ironisch gemeint. Und ich war in Wahrheit nicht beim Spiel Fortuna Langelohe 3. gegen West-Eimsbüttel 4. Ich war schon in der Arena. Sonst könnte mich mein Chef (Claus Strunz) doch sofort fristlos feuern . . .

Was ich hier schon oft betont habe, weil es mich ehrlich sehr erstaunt, das ist die Tatsache, dass HSV-Fans sehr wohl sehr, sehr hart mit ihrem Lieblings-Verein ins Gericht gehen, wenn die Resultate nicht stimmen. Davon zeugt auch diese Nacht bei „Matz ab“. Das ist teilweise noch härter als das, was tags darauf in den Boulevard-Zeitungen steht. Und, noch einmal ehrlich: An dieser schonungslose Kritik, die manchmal auch über jede Grenze geht, muss ich mich erst noch gewöhnen, obwohl es „Matz ab“ ja schon seit dem 7. August 2009 gibt. Aber, wie heißt es doch immer so schön? Auch ein „alter Sack“ wie ich kann jeden Tag dazulernen. Ich bemühe mich jedenfalls darum.

Was Bruno Labbadia denn aus dem Spiel gegen Fulham Positives ziehen würde, so wurde der Trainer gefragt. Die Antwort: „Dass die Engländer großen Respekt vor uns hatten, und dass sie kaum Torchancen hatten.“ Was gefehlt hat? „Die Durchschlagskraft im Spiel eins gegen eins. Und das Spiel in die Spitze war nicht zwingend genug.“

Natürlich ist mir nicht entgangen, dass der HSV in Hamburg zuletzt kein Tor erzielen konnte. Gegen zehn Hannoveraner gab es in einem Grottenkick ein 0:0, dann folgte ein peinliches 0:1 gegen Mainz 05 – und nun das. Da ist es doch klar, dass es einige Diskussionen um den Verein, um die Mannschaft und auch um den Trainer gibt. Das weiß selbstverständlich auch Bernd Hoffmann, der bei Sky gefragt wurde, was er denn nach diesem 0:0 für Schlagzeilen erwarte? Der Boss ganz salopp: „Keine Ahnung, was unsere Freunde an der einen oder anderen Stelle sagen oder schreiben. Ich erwarte jetzt, dass sich alle auf das Hoffenheim-Spiel konzentrieren, und danach haben wir quasi in Fulham ein Endspiel um das Endspiel. Und darauf werden alle Kräfte konzentriert, das wird im gesamten Umfeld so sein. Wir wissen alle, dass wir mit diesem Finale am 12. Mai in unserem Stadion eine historische Chance haben, darauf werden sich nun alle fokussieren.“

Auf der Tribüne in Hamburg saßen auch Joachim Löw, Hansi Flick und Andreas Köpke. Der Bundestrainer wird ja schon seit Wochen als möglicher Kandidat auf das HSV-Trainer-Amt gehandelt – zur neuen Saison. Stört es den jetzigen HSV-Coach? Labbadia: „Das ist eine absolute Respektlosigkeit, wenn einen Tag vor einem Europa-League-Halbfinale danach gefragt wird, ob es stimmen würde, dass sich Bernd Hoffmann und Löw in Hamburg treffen würden. Das ist schade, denn man spürt es ja immer wieder in allen Bereichen. Wir können die Situation nicht ändern, wir versuchen es von der Mannschaft fern zu halten, und das müssen wir auch weiterhin tun – wir können die Dinge ja nicht beeinflussen.“

Auf die Frage, ob Labbadia denn den uneingeschränkten Rückhalt des Vorstandes spüren würde, antwortete der Trainer ausweichend: „Ich bin ganz normal in der Planung drin, wir treffen uns mit Spielern, planen die neue Saison – mehr kann ich dazu nicht sagen.“ Die Hoffnung auf das Finale ist immer noch vorhanden, auch die Hoffnung, doch noch Platz sechs in der Bundesliga zu schaffen, um auch so den internationalen Startplatz für die neue Saison abzusichern. „Wenn wir diese Überzeugung nicht hätten . . .“, sagt Labbadia und bricht kurz ab, um dann anzufügen: „Was mir ein bisschen zu kurz kommt ist, dass ist die Freude. Ich versuche es den Spielern immer wieder zu sagen, dass es ein Geschenk ist, in einem solchen Halbfinale zu stehen.“ Und einen ganz kernigen Satz hatte der Trainer schon nach dem Spiel über seine Lippen kommen lassen: Ich habe das Vertrauen in die Mannschaft, dass sie den Finaleinzug im Rückspiel mit einer couragierten Leistung klarmacht.“

Am Sonntag geht es aber erst einmal in Sinsheim gegen Hoffheim um Bundesliga-Punkte. Labbadia über den Gegner: „Es wird nicht einfach für uns, ähnlich wie zuletzt bei unserem Sieg in Bochum, denn der Gegner konnte sich eine Woche lang auf uns vorbereiten. Hoffenheim hat eine sehr ausgewogene Mannschaft, die mehr Potenzial hat, als der Tabellenstand es besagt, die werden gegen uns Vollgas geben. Und wir werden erst einmal sehen müssen, mit welcher Mannschaft wir dort auflaufen können.“ Denn es gibt einige verletzte und angeschlagene Spieler. Guy Demel (Knie), Ruud van Nistelrooy (Hüftbeugemuskulatur) und Ze Roberto (Wade) sind erste Kandidaten, die ausfallen könnten. Eljero Elia hat sich eine Zerrung zugezogen und fällt auf jeden Fall aus, wie natürlich auch immer noch Marcell Jansen.

Ein dickes Fragezeichen steht auch noch hinter Mladen Petric – trotz seiner „Wunderheilung“. Die übrigens noch für einigen Ärger sorgen dürfte – innerhalb des Teams, denn der Trainer äußerte sich kritisch gegenüber Petric. Zum Thema „Wunderheilung“ befand Bruno Labbadia: „Manchmal gibt es die. Aber die Schlagzeilen waren nicht sehr schön, und dazu hat Mladen beigetragen.“ Oha! Das klingt nach neuem HSV-Zoff. Zumal Petric dazu auch schon Stellung bezog: „Ich kann es nicht nachvollziehen, dass deswegen nun ein Fass aufgemacht werden muss. Diese ganze Thematik geht mir auf den Wecker . . .“ das wiederum ist nachvollziehbar. Zumal sich Petric selbst tröstete, als er befand: „Na ja, in drei Wochen ist endlich Ruhe.“ Was man durchaus so oder so interpretieren kann. Oder auch ganz anders? Labbadia aber wäre eigentlich gut beraten, wenn er schnell wieder einen Deckel auf dieses Fass machen würde, denn wenn nun auch Petric schmollen sollte, dann fehlt dem Trainer der wichtigste Torschütze und zugleich sein bester Stürmer. Es ist, so kommt es mir schon länger vor, ein Tanz des Trainers auf der Rasierklinge. Und schon am Sonntag steht der nächste Tanz bevor . . .

Schlusswort von Bernd Hoffmann: „Abgerechnet wird hier am 8. oder 12. Mai, dann ziehen wir einen Strich unter diese Saison. Bis dahin aber haben wir in der Europa League und in der Bundesliga noch jede Chance. Noch einmal: Wir reden hier davon, dass wir zum zweiten Mal in Folge im Europapokal-Halbfinale stehen, da kann ich jetzt nicht erkennen, warum wir nun Depressionen ausrufen sollten.“ Genau. Die Hoffnung (auf Besserung) stirbt zuletzt. Auch wenn der HSV in diesem Jahr in der Bundesliga nur schwerlich zu ertragen ist. Aber, auch dafür gibt es Trost, denn wie sagte es Bruno Labbadia schon so oft in der Vergangenheit: „Wir wussten, dass es in der Rückrunde schwer für uns werden würde.“ Um noch einmal ganz, ganz ehrlich zu sein: Ich wusste es nicht. Ich hatte gedacht, dass es steil bergauf gehen würde mit dem HSV. Aber wer ein ganz anderes Spiel sieht, dem sei sicherlich auch eine solche Meinung zugestanden. Oder?

17.32 Uhr

Keine Panik!

22. April 2010

Schade. Gut gespielt, bravourös gekämpft, alles gegeben bis zum Schlusspfiff, aber nicht gewonnen. Der HSV trennt sich im Halbfinal-Hinspiel der Europa League vom FC Fulham 0:0. Das hört sich nicht besonders gut an, aber es ist nicht unbedingt schlecht. Im Rückspiel würde ein 1:1 genügen. Und warum sollte der HSV gegen diese Engländer, die gewiss keine Spitzen-Mannschaft sind, nicht ein Auswärtstor schaffen? Ich sehe den HSV noch lange nicht draußen, auch wenn es nun natürlich sehr, sehr schwer werden dürfte. Dennoch: Die Operation Rathausmarkt darf weiter vom 12. und vom 13. Mai träumen, keine Panik. Es ist noch alles drin.

Mladen Petric dabei. Nachmittags sprach es sich herum, und alle, wirklich alle waren Feuer und Flamme. Und die, die dann in die Arena kamen, die sahen beim Aufwärmen der Mannschaften einen Mladen Petric, der allein auf dem Rasen „herumturnte“. Der Gag mit Petric? Sollten die Engländer dadurch geschockt sein? Ganz offensichtlich war, dass sich der Kroate nicht „richtig“ erwärmte. Er „daddelte“ mit dem Ball am Fuß, während die anderen Reservisten „ordentlich“ arbeiteten. Aber irgendwie war den Fans auf den Tribünen klar: Eine solche „Wunderheilung“ gibt es eben höchst selten, auch in Hamburg ist das so. Obwohl: Petric kam später tatsächlich (72.). Wie „Kai aus der Kiste“ . . .

Erfreulich für den HSV: Jonathan Pitroipa (statt Robert Tesche) war wieder dabei. Und wie! Wenn es einmal Richtung Fulham-Strafraum „brannte“, dann war er daran beteiligt. Es ist schon kurios: „Piet“ hatten um die Jahreswende in Hamburg niemand mehr auf der Rechnung, und nun hat er sich plötzlich in die Herzen vieler HSV-Fans gedribbelt und gelaufen – so kann es gehen. Und wenn dieser Mann nun noch (über Nacht) schießen lernen würde . . . Dann würde er beim FC Barcelona spielen, oder bei ManU. Schade ist es trotzdem. Ganz grausam wird es immer dann, wenn er nach einem Spurt mit links zum Schuss ansetzt. Achtung Querschläger. Eine größere Streuung gibt es ja gar nicht. Obwohl: In der 71. Minute schoss Pitroipa aus spitzem Winkel, da musste sich Torwart Schwarzer dann schon mächtig strecken – Eckstoß.

Und wo ich gerade beim „mosern“ bin. Immer wenn „Giiiiiieeeeee“ Demel am ball ist, gibt es auch „Giiiieeeeee“-Rufe. Ich frage mich noch immer (und immer wieder): warum? Ein Nachbar klärte mich auf: „Giiiiiieeeeee rufen sie immer dann, wenn sie etwas anfügen wollen. Derart: Giiiiiiieeee- der lernt es niiiiiiiieeeeeee.“ Nämlich das Flanken. Unglaublich, was der „Kerl von einem Baum“ für Bälle zur Mitte bringt! Es ist, ich wiederhole mich gerne: UNGLAUBLICH! Aber gut, auch das gibt es. So wie der gute „Piet“ das Schießen nie lernen wird . . .
Die Engländer standen hinten unheimlich tief. Und sehr diszipliniert. 4:4:2. Das wurde strikt eingehalten. Und die meisten englischen Abwehrspieler so um die zwei Meter. Und der lange Hangeland, der in seinem ersten Leben kanadischer Waldbrandaustreter gewesen sein muss, war sogar drüber. Also über zwei Meter. Sah auf jeden Fall so aus.

Vor der Westtribüne prangte ein riesiges Plakat: „Die beste Möglichkeit, Träume zu verwirklichen, ist aufzuwachen!“ Wie wahr. Die HSV-Profis liefen beim Betreten der Arena genau darauf zu. Sie schienen es begriffen zu haben, denn diesmal zeigten sie Leben. Hinten standen sie sicher, im Mittelfeld gab es viel Bewegung, ganz stark wieder einmal David Jarolim. Und auch Ze Roberto war okay. Bestes Beispiel für seine kleine „Auferstehung“: In der 21. Minute vertändelte er den Ball auf Höhe Mittellinie, setzte aber nach, grätschte sogar gegen gleich zwei Engländer – und holte sich den Ball zurück. Bravo! Und als kleines Sahnehäubchen gab es dazu für den „großen Ze“ ein Abklatschen von Dennis Aogo. Apropos: Aogo spielte für mich sehr, sehr lässig. Er war zweifellos einer der besten Hamburger, wenn nicht sogar der beste, aber er übertrieb es meiner Meinung nach ein wenig mit seiner Lässigkeit. Höhepunkt: In der 28. Minute gab es einen Eckball für den HSV von links. Aogo ging zur Fahne, legte sich den Ball mit seinem linken Fuß (!) zurecht. Mit dem Fuß. Erinnert Ihr Euch (die, die schon so alt sind!) an Günter Netzer? Wenn der einst eine Ecke schoss, dann ging er in die Knie, streichelte die Kugel liebevoll und brachte sie dann zentimetergenau zur Mitte. Das machte Aogo dann allerdings auch, seine Eckstöße waren in Ordnung.

Vielleicht lag seine Lässigkeit ja auch nur darin begründet, dass der Bundestrainer auf der Tribüne saß. Joachim Löw hatte seinen Assi Hansi Flick und auch Torwarttrainer Andreas Köpke mitgebracht. Köpke? Wieso denn Köpke? Für Frank Rost? Falls Rene Adler (Rippenbruch) nicht rechtzeitig bis zur WM fit werden sollte? Ein – wie ich finde – sehr interessantes Gedankenspielchen.

Übrigens: In der 44. Minute gab es sie trotz allem wieder, die Pfiffe. Sie kamen, weil der HSV wieder einmal den Ball wandern ließ. Von links nach rechts und zurück. In der Abwehrreihe. Das dauerte einfach zu lange. Und sah hilflos aus. Und ist auch kein probates Mittel, eine sehr eng stehende Abwehr unter Druck zu setzen, denn dadurch, dass der HSV sich so viel Zeit ließ, konnten sich die beiden Viererketten von Fulham in aller Ruhe wieder formieren. Gut aber war, dass die meisten Fans die Pfeifer durch „HSV“-Rufe überdröhnten. Kompliment an die Ecke im Nord-Westen, Ihr wart tatsächlich hervorragend – echter in „Europapokal“-Form.

Überhaupt: Die zweite Halbzeit wurde von Minute zu Minute stimmungsvoller. Der HSV kam. Und hatte auch Chancen. Nichts Zwingendes, aber immerhin so, dass auch mal einer hätte „reinrutschen“ können. Auffällig dabei Piotr Trochowski, der sich zwar drei haarsträubende Abspielfehler erlaubte, ansonsten sich aber von der besten Seite zeigte. Und seine Schüsse hatten es in sich. Zwar kamen nicht alle auf das Tor, aber da saß schon etwas dahinter. Mein Resümee bei „Troche“: Wenn einer geglaubt hätte, dass der Billstedter nicht mit zur WM fahren würde – mit dieser Partie vor den Augen von Löw hat er alle Unklarheiten beseitigt. Pech nur: Trochowski fällt im Rückspiel aus, er sah in der Nachspielzeit seine dritte Gelbe Karte – Sperre.

Auch wenn es kein HSV-Tor mehr gab, die druckvolle Schlussphase war absolut okay. Oder sogar mehr als das. Der Kampfgeist hat mir imponiert. Nur der Abschluss fehlte. Wieder einmal. Vorne war der HSV einfach zu harmlos. Daran konnte auch Petric nichts ändern. Er war natürlich nicht in bester Verfassung, aber es ehrt ihn, dass er dabei war und es versuchte.

Und zur Sturmflaute: Ich will nicht päpstlicher sein als der Papst, aber Ruud van Nistelrooy ist eben noch lange nicht bei 100 Prozent. Glaubt es mir, ich kenne das aus eigener Erfahrung. Ich hatte auch Beinbruch, Knöchelbruch, Bänderrisse. Nach einer langen Pause war ich zwar in den ersten beiden Spielen „voll“ da, aber fiel danach in ein ganz tiefes Loch. Alles ganz normal, wird jeder, der einmal schwer verletzt war, bestätigen und auch wissen. Sicher hat van Nistelrooy seine „Killer“-Qualitäten, auch gewiss noch bessere als Petric, aber der Niederländer hat sie eben im Moment nicht. Weil er körperlich noch viel, viel aufzuholen hat.

23.01 Uhr

Das “Wunder” Petric

22. April 2010

Die Spannung steigt. Es ist im Blog zu sehen und förmlich zu spüren. Klasse. Die Katastrophen-Stimmung vorbei, vorerst jedenfalls, jetzt steht die freudige Erwartung an erster Stelle, schließlich geht es um ein Europa-League-Halbfinale! So etwas (Einmaliges) hat zwar der HSV jedes Jahr (kleiner Scherz am Rande) – aber welche Klubs in Europa können das schon von sich behaupten? Kompliment, wie in den letzten Stunden vor dem Anpfiff (fast) alle nun zusammenrücken und an einem Strang ziehen. Großartig sind in diesem Zusammenhang die Aktionen der Supporters. Ich würde fast sagen: einzigartig! Die „Operation Rathausmarkt“ ist eine super Idee, die Aufkleber und die T-Shirts ebenfalls, das heutige Treffen auf dem Rathausmarkt ist ein tolles Zeichen für den Kampfgeist, den auch Fans entwickeln – traumhaft! Ich hoffe, dass Ihr alle mit einem HSV-Sieg belohnt werdet. Zu diesem Wunsch passt ja auch bestens, dass – oh Wunder – Mladen Petric plötzlich gesund ist (jedenfalls halbwegs) und im Kader für das Fulham-Spiel steht. Ob der Torjäger von Beginn an spielen wird, ist noch offen, aber allein seine Rückkehr ist ein kleines Wunder. Auch ein medizinisches, denn er hat ganz offenbar ja einen Muskelriss in Rekordzeit überstanden. Egal, ich will auch nicht wissen wie, mir ist nun aber viel, viel wohler ums Herz, weil er mit von der Partie ist. Weil er ein „Killer“ ist, wenn es um Torchancen geht. Wittert er eine Möglichkeit, ist er auch zur Stelle, er ist da wie keiner – auch Ruud van Nistelrooy kommt da noch nicht wieder mit.

Verbunden mit dem (mit meinem) Hoffnungsträger Petric hoffe ich zugleich auf zwei „Altmeister“ im Team des HSV: Ze Roberto und van Nistelrooy. Beide konnten zuletzt kaum oder gar keinen Einfluss auf das Spiel des HSV nehmen, dabei wären sie durchaus in der Lage, eine dominierende Rolle in diesem Team auszufüllen. Irgendwie aber bekommen sie keinen Fuß mehr vor dem anderen. Deswegen wird es in meinen Augen Zeit, dass sie beißen, kämpfen und wollen. Dass sie zeigen, was sie tatsächlich drauf haben. Dass sie sich auch dagegen wehren, in einem mittelmäßigen HSV-Team unterzugehen. Wenn dieser Wille auf den Tribünen erkennbar ist, dann wäre ich schon zufrieden. Zuletzt aber hatte ich diesen Eindruck nicht – sie ergaben sich ihrem Schicksal. Aber: Ihr guter, ihr überragender Name im Welt-Fußball steht auf dem Spiel, daran sollten sie denken – wenn es heute um 21.05 Uhr losgeht.

Dazu passt noch eine weitere gute Nachricht: Marcell Jansen beginnt wieder mit dem Training. Vier Wochen nach seinem Bänderriss darf er nun wieder in den Kraftraum – es geht wieder bergauf. In einer Woche könnte der Nationalspieler schon wieder ins Mannschaftstraining einsteigen, spätestens aber in eineinhalb Wochen dürfte es soweit sein. In der Schlussphase könnte Jansen noch einmal ein ganz wichtiger Faktor für den HSV werden (ich vermisse ihn sehr – fast wie keinen anderen) – und nebenbei geht es ja auch noch um seine (eine) WM-Fahrkarte. Die ja auch Eljero Elia noch nicht abgeschrieben hat. Der Niederländer dürfte noch einen Tick eher fit sein als Marcell Jansen, könnte eventuell schon im nächsten (und letzten) Heimspiel der Saison, gegen den 1. FC Nürnberg, wieder mit von der Partie sein.

Nicht mehr mit von der Partie ist in der nächsten Saison Torwarttrainer Claus Reitmaier. Der 46-jährige ehemalige Bundesliga-Torwart (u. a. KSC) hat die Mitteilung erhalten, dass er am Saisonende gehen darf. Ich weiß von den Trainings-Beobachtungen, dass einige Fans und auch einige meiner Kollegen nicht besonders traurig sein werden ob dieser Nachricht, ich bin es aber durchaus. Etwas jedenfalls, denn Reitmaier hat in meinen Augen kein schlechtes Training gemacht. Im Vergleich mit allen anderen Torwarttrainern des HSV schneidet er bei mir sogar als Nummer eins ab. Okay, ein Sepp Maier ist er nicht, aber der ist in meinen Augen auch der Überflieger aller Torwarttrainer – die Konkurrenz von Reitmaier aber, die jetzt in der Bundesliga arbeitet, ist (wahrscheinlich) nicht besser. Ich bin gespannt, wer diese Lücke nun schließen soll und wird. Richard Golz?

Eine Lücke, die kaum einer bemerkt hat, bleibt auch in der neuen Spielzeit weiter offen: Macauley Chrisantus wird auch in der kommenden Saison für den Zweitliga-Klub (so er denn drin bleibt) stürmen. Der 19-jährige U-17-Weltmeister aus Nigeria absolvierte in dieser Saison 22 Spiele für Karlsruhe und schoss dabei drei Tore.

So, nun hoffe ich, dass ich Euch ein paar Minuten nach dem heutigen Abpfiff im Volkspark mit einer Sieges-Nachricht eine gute Nacht wünschen kann. Denjenigen, die schon auf dem Rathausmarkt ihren Platz für den 13. Mai „vorgewärmt“ haben, möchte ich noch einmal meine Hochachtung aussprechen – einmalig! Ihr werdet alles geben, das ist klar. Wenn jetzt auch noch alle anderen mitziehen, wenn sie an die einmalige Chance (12. Mai!) denken und als 12. Mann kämpfen wollen, dann müsste es doch eigentlich klappen – mit einem Sieg.
Gebt alles! Für den HSV und für die „Operation Rathausmarkt“.

Nur der HSV!

PS: Danke für die vielen Nachfragen zu meiner Gesundheit (Muskelbündelriss). Ich werde heute in der Arena sein, immer noch etwas humpelnd, aber ich zeige Flagge. Natürlich tut es noch weh, ich habe Schmerzen beim Gehen, selbst beim Schlafen (im Umdrehen), aber es wird schon. Bitter ist nur, dass ich jetzt so lange gegen keinen Ball mehr treten darf, das tut am meisten weh . . .

18.20 Uhr

Profis wollen Taten sprechen lassen

21. April 2010

So ein Europa-League-Spiel hat echt etwas Gutes, etwas sehr Gutes sogar. Die Marketing-Experten der Uefa haben wieder ganze Arbeit geleistet. Das Stadion, das „oben ohne“ (ohne Buchstaben aufm Dach) ja eh nicht mehr als Nordbank-Arena zu identifizieren ist, hat gemäß der Vermarktungs-Richtlinien des Wettbewerbs keinerlei HSV-Sponsoringflächen mehr. Das „Stadion Hamburg“ wirkt so auf den ersten Blick zwar etwas steriler und kühler (kann auch an den 6 Grad Außentemperatur liegen), aber im Hinblick auf das morgige Duell gegen den FC Fulham verblassen die üblen Erinnerungen an das klägliche 0:1 gegen Mainz dafür umso besser. Ich möchte es jetzt mal so formulieren: Die Tafel – mit herrlichem Rasen (O-Ton Bernd Hoffmann: „Der sieht aus wie in Wimbledon am ersten Tag!“) – ist angerichtet, jetzt liegt es in den Köpfen, Herzen, Beinen und Füßen der Profis, den großen Traum vom Finale in die Realität umzusetzen.

Die Vorzeichen stehen gar nicht so schlecht. Seit Dienstag weht irgendwie ein anderer Wind rund um und durch den Volkspark. „Halbfinalhinspiel – auf solche Momente wartet jeder Fußballer, manche vergeblich ein ganzes Leben lang“, hat Bruno Labbadia kürzlich gesagt. So ein Finalziel vor Augen schweißt zusammen. Naja, vielleicht formuliere ich es doch noch einmal um. Bei einer solchen Chance vor Augen werden alle negativen Aspekte der Vergangenheit eben doch mal kurz aus dem Alltag und aus den Gedanken vertrieben. „Die meisten aus unserer Mannschaft erinnern sich noch an das vergangene Jahr und das damalige Halbfinale gegen Werder, das nach wie vor Schmerzen und Wut im Bauch verursacht. Solche Erinnerungen spornen uns zusätzlich an. Wir wissen um die Bedeutung dieser zwei Spiele und bereiten uns gezielt darauf vor“, sagte Dennis Aogo auf der heutigen Pressekonferenz.

Dass diese Presskonferenzen mit Trainer UND Spieler ein Pflichttermin sind, die die Vereine laut Uefa-Richtlinien abhalten müssen, ist gut für die Sportjournalisten, denn ansonsten wären sie heute womöglich leer ausgegangen, was die Suche nach Spielerkommentaren betrifft. „Nein“, „nein“ und nochmals „nein“ entgegneten die Herren Profis meinen Kollegen auf dem Weg zum Abschlusstraining, als sie um ein paar Statements gebeten wurden.

Nun könnte ich an dieser Stelle den aufgebrachten Journalisten spielen und mich aufregen, dass die Spieler erst über Wochen so einen Mist zusammenspielen und Theater veranstalten, dann aber plötzlich verstummen, wenn die Berichterstattung geradezu nach Zitaten lechzt. Mache ich aber nicht, denn im Grunde genommen gefällt mir diese offenbar eigens aufgelegte Haltung. Geredet und diskutiert wurde halt schon lange genug (ohne Erfolg), warum also jetzt nicht erst einmal Taten für sich sprechen lassen!? Auf geht’s.

Ein paar kleine „Störfeuer“ gab es auf der Pressekonferenz natürlich trotzdem, die einige von Euch ja auch schon kommentiert haben. Ein Radio-Hamburg-Mann fragte nach einem vermeintlichen Gespräch von Noch-Bundestrainer Joachim Löw mit Bernd Hoffmann. Bruno Labbadia wirkte irritiert: „Geht die Frage an mich?“ „Nein, an den Verein!“, sagte der Reporter. Nun war also Pressesprecher Jörn Wolf gefragt, der ehrlich antwortete: „Ich weiß davon gar nichts!“ Und da Jörn eigentlich immer alles weiß, was seinen Arbeitgeber betrifft, war dieses Thema auch schnell abgehakt. Ich möchte denjenigen von Euch, die diese Frage deplatziert und ungeheuerlich störend fanden, aber eines erwidern: Der Radiomann hat nur seinen Job gemacht. Falls ihm jemand das Löw-Gerücht erzählt hat, im Zweifel vielleicht sogar einer seiner Chefs, dann muss er diese Frage stellen. Das ist sein Job. Und er wird nicht vom HSV bezahlt. Aber ich fand, dass alle Beteiligten damit professionell umgegangen sind.

Eine Portion humorvoller war die Frage meines NDR-90,3-Kollegen Lars Pegelow, der Dennis Aogo in Anlehnung an den jüngsten Kinozoff kess fragte: „Was machen Sie denn heute Abend?“ Aogo wusste sofort, um was es geht, er überlegte erstaunlich lange, als ob er überlegte, den Spaß mitzumachen, es dann aber doch ließ. Aogo: „Ich gehe mit einem Freund Essen und lasse den Abend dann entspannt mit meiner Freundin zusammen ausklingen.“ Zur Erklärung: Die Spieler treffen sich wegen des späten Anstoßzeitpunktes morgen erst am Morgen im Tageshotel, sie können also zuhause schlafen.

Ich wurde heute von einigen Freunden und Bekannten gefragt, was ich für das morgige Duell erwarte. Die Antwort fiel mir ziemlich leicht. Ich erwarte defensiv ausgerichtete Engländer, die wie in den vergangenen Runden gut organisiert sein werden und den HSV überraschen wollen. Bruno Labbadia hat es heute ganz treffend formuliert: „Es kommt auf Kleinigkeiten, auf Details an.“ Das können Tagesform, Standards, individuelle Aussetzer aber eben auch atmosphärische Dinge sein. Labbadia: „Auch unsere Fans können einen fünfprozentigen Unterschied im Hinspiel ausmachen!“ Das sehe ich auch so. Im Optimalfall startet die Mannschaft furios mit einem Torerfolg, zerlegt damit Fulhams Grundausrichtung (bloß kein Gegentor) und entfacht eine Rieseneuphorie auf den Rängen. In einem „Rauschzustand“, der daraus resultieren würde, könnte der HSV dann über sich hinauswachsen. Und genau das ist es, was diese Mannschaft braucht.

Personell hat Bruno Labbadia dank Paolo Guerrero und der Genesung des „Eichhörnchens“ Jonathan Pitroipa wieder etwas mehr Handlungsspielraum. Nach aktuellem Stand erwarte ich beide in der morgigen Anfangself. Pitroipa kann ebenso wie Piotr Trochowski links und rechts offensiv spielen, Guerrero dürfte neben Ruud van Nistelrooy im Angriff starten. Im Abschlusstraining im Stadion wirkte der Holländer zwar wie in den Trainingstagen zuvor etwas zappelig und ballunsicher, aber im Abschluss ist und bleibt er eine Augenweide, eine stetige Torgefahr. Und die wird sich der Coach nicht nehmen lassen.

Genug gesabbelt. Taten und Tore müssen her. Ich lege mich schon mal fest: Es gibt einen 2:0-Sieg. Und „Pit“ wird treffen oder einen Strafstoß herausholen.

17:35 Uhr

Leidenschaftlich wie lange nicht mehr!

20. April 2010

Fast hätte er sich verpieselt. Mein Kollege Christian Pletz war heute wieder beim Training. Seine Ankunft beschrieb er mir so: „Ich kam etwas zu spät auf dem Parkplatz an und ging in Richtung Trainingsplätze, als mir plötzlich Jerome Boateng entgegen kam, allerdings in Richtung Kabine. Da habe ich gedacht: Oh nein, nicht schon wieder ein Ausfall, dann setzen mich die Matz-abber wegen meines Seuchenvogeldaseins bald in einen Flieger nach Neuseeland – ohne Rückflugticket.“ Glücklicherweise entpuppte sich Boatengs Ausflug gen Kabine um fünf nach zehn als Leibchen-Hol-Aktion, so dass sich auch die Sorgenfalten meines Kollegen in Wohlgefallen auflösen durften und er sich eben nicht verpieselte.

Draußen war es heute mal richtig ungemütlich. Das galt zum einen für die Witterungsbedingungen (fünf bis acht Grad, Nieselregen, kalte Windböen), zum anderen auch für das wirklich beherzte Treiben auf dem Rasen. Mein Kollege schilderte mir, dass er so eine leidenschaftlich und engagiert geführte Einheit seit Monaten nicht gesehen habe. Das macht doch Mut für Donnerstag. Beim Multi-Tor-Spiel, bei dem zwei Mannschaften mit schnellen Ballkontakten auf relativ engem Feld in viele Zweikämpfe und knifflige Situationen geraten, gab es bereits einiges auf die Stöcker. David Jarolim schien heute der Dauerleidtragende zu sein. So oft wie er unsanft zu Boden ging, dürfte er den Greenkeepern wertvolle Tipps zum Zustand des Grüns geben können. Trainer Bruno Labbadia, der ja in den vergangenen Wochen in Sachen Körpersprache auch nicht unbedingt immer die beste Figur abgab, wirkte ebenso konzentriert wie entflammt. Nur Zé Roberto schien sich nicht gänzlich von seinem Trance-Zustand der jüngsten Vergangenheit erholt zu haben – aber noch sind ja zwei Tage!

Einen Spieler soll ich heute besonders hervorheben, weil er im Fortlauf der Einheit – auch beim Abschlussspiel ging es sehr, sehr hart und energisch zu – eine Bewerbung in eigener Sache abgab: Tunay Torun. Vielleicht ist es sogar so, dass dem Nachwuchsmann so intensiv geführte Spiele gelegener kommen als technisch hochklassige der Marke „körperfrei“ oder „zweikampffrei“. Für mich ist Torun nur dann konkurrenzfähig in dieser Mannschaft, wenn er als – entschuldigt den Ausdruck – „Kampfschwein“ ackert und läuft und arbeitet und tut. Heute gab es für ihn auch einen Mini-Rückschlag in Form eines lupenreinen Tunnels von David Jarolim. Torun schickte einen Fluch in den wolkenverhangenen Aschehimmel und legte fortan noch einen Gang zu. Zur eigenen Belohnung schoss er ein Tor und dürfte in Labbadias Planspielen wieder eine Rolle spielen. Anders als Jonathan Pitroipa, der doch sehr unauffällig war, hinterließ Torun nämlich Spuren.

Ich bin wirklich gespannt, wie der Trainer den Angriff am Donnerstag besetzen wird. Wen schickt er neben seinem gesetzten Torjäger Ruud van Nistelrooy ein? Marcus Berg oder Paolo Guerrero? Nimmt man die jüngste Leistung Bergs als Maßstab, dürfte der in der Liga gesperrte Peruaner den Vorzug erhalten. Ich kann mir vorstellen, dass Labbadia selbst noch nicht genau weiß, welche Maßnahme er ergreifen wird. Ich bin übrigens genauso gespannt, wie die Fans Guerrero empfangen werden. Schließlich wäre es sein erster Heimauftritt nach dem Büchsen- bzw. Trinkflaschenwurf.

Guerrero und seine Kollegen hoffen auf einen Zusammenhalt, untereinander, miteinander, füreinander. Co-Trainer Eddy Sözer formulierte heute sogar einen entsprechenden Appell: „Wir haben alle das gleiche Ziel. Keiner muss sich unterordnen, aber alle sollten sich einordnen!“ So sehe ich das auch. Ungeachtet aller Probleme, Sorgen und Kritikpunkte müssen nun alle an einem Strang ziehen. Klar, denn jetzt geht es ans Eingemachte, da müssen die Streitigkeiten, die internen Scharmützel und Intrigen, die Kinderkabbeleien und mitunter peinlichen Geschehnisse mal für ein paar Tage aus den Gedanken und Gesprächen gestrichen werden. Und wenn ich ganz ehrlich bin, müssten sie danach so schnell auch gar nicht wieder hervorgekramt werden. Dafür ist in der Schlussabrechnung dieser Saison noch genügend Zeit. Und warum sollte der HSV nach einem guten Hinspiel gegen Reise-strapazierte Engländer in der neuen „Jägerrolle“ in der Liga nicht auch noch einmal angreifen. Nicht für einen Trainer, nicht für einzelne Spieler, sondern für einen Verein und für treue (und leider ziemlich Frust-geplagte) Fans.

Ich hoffe, dass sich auch die Anhänger am Donnerstag noch einmal „hochfahren“ können, wie Thomas Doll es einst immer so treffend formuliert hat. Ihr werdet selbst merken, wie schwer es ist, die negativen Erinnerungen und Ergebnisse der vergangenen Wochen auszublenden, den Tunnelblick zu aktivieren und dieses eine Europa-League-Spiel so zu behandeln, als wäre es DAS Finale. So und nur so kann Fulham angegangen werden.

Ein Bekannter, der viele Kontakte nach England pflegt, sagte mir, er habe gehört, dass Fulham beim HSV die rechte Abwehrseite als Schwachpunkt erkannt habe und entsprechend darauf ausgerichtet sei. Guy Demels Position also. Wer den Rechtsverteidiger in den vergangenen Partien, nein, eigentlich sogar Monaten genau beobachtet hat, der kann diesen Eindruck wohl bestätigen. Ich weiß gar nicht so richtig, woran es bei Demel liegt. Er bringt körperlich alles mit, konnte auch schon mal flanken (übt dies aber viel zu selten nach den normalen Einheiten für sich), strotzte vor Selbstvertrauen und Zielstrebigkeit (über seine Seite), aber momentan fällt er nur durch Stellungsfehler, halbherziges Tempo in der Rückwärtsbewegung in entscheidenden Situationen und durch klägliche Angriffsaktionen auf.

Ich denke, dass Labbadia gegen Fulham sogar mit dem Gedanken spielt, Tomas Rincon rechts hinten einzusetzen, auch wenn der Venezolaner mindestens ebenso viele Defizite als Rechtsverteidiger mitbringt, weil das einfach nicht seine angestammte Rolle ist. Dafür ist Rincon bissiger, hartnäckiger in der Zweikampfführung und offenbar auch robuster in Sachen Psyche.

So, das soll es erst einmal mit den Analysen, Deutungen und Prognosen gewesen sein. Ich muss gestehen, dass auch bei mir das Kribbeln eingesetzt hat. Halbfinale (und nicht gegen Werder oder Wolfsburg!) – da kommt Vorfreude gepaart mit Sorgen, Hoffnungen und allerlei Wunschdenken auf. Wem geht es nicht so…?

14:25 Uhr

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