Tagesarchiv für den 28. April 2010

Geben Sie alles, Dr. Krohn!

28. April 2010

Vom Chaos ins Europa-League-Finale. Davon träumt ganz Hamburg. Und im Rest der Republik wird dazu geschmunzelt, gescherzt und gelacht. Über den HSV. Folgende Falschmeldung landete in meinem Computer, ich möchte sie Euch nicht vorenthalten. Bitte schmunzeln, auf keinen Fall aber ärgern:

Hamburg (dpa) – Sensationelle Neubesetzung beim HSV: Wie HSV-Chef Hoffmann auf einer Pressekonferenz heute Mittag mitteilte, werden die beiden Trainer-Urgesteine Dettmar Cramer und Udo Lattek bis zum Saisonende das Training leiten. Der 85-jährige Cramer und der 75-jährige Udo Lattek führten u. a. Bayern München in den 70er und 80er Jahren zu mehreren Meisterschaften und Europapokalsiegen. HSV-Vorstands-Chef Bernd Hoffmann: „Wir stehen mit Dettmar Cramer und Udo Lattek bereits seit Wochen in engstem Kontakt. Beide haben die nötige Lebenserfahrung, die wir jetzt beim HSV brauchen. Ich bin überzeugt, dass wir mit dieser Verpflichtung eine zukunftsfähige Entscheidung getroffen haben. Mit Dettmar und Udo werden wir in das Europa-League-Finale kommen und auch den sechsten Platz in der Liga erreichen.“ Hoffmann betonte vor zahlreichen Medienvertretern, dass er sich auch eine längerfristige Verpflichtung für die kommenden Jahre vorstellen könne. Dettmar Cramer und Udo Lattek werden bereits am Donnerstag in Fulham auf der Bank sitzen. dpa hal yyzz n1 aer

Nehmt es bitte mit Humor, die Lage ist ernst genug. Um schnell auf mein vom „Athener“ kritisiertes Video hinzuweisen: Es sollte keine Beschwerde sein, ich wollte lediglich mein Erstaunen zum Ausdruck bringen, dass mehr über den neuen Trainer als über Fulham philosophiert wird. Und ich wollte Eure blick für die Realität schärfen: Der HSV steht auf Rang sieben in der Bundesliga, der HSV kämpft am Donnerstag um das Überleben in Europa, der HSV ist im Vergleich zu vielen wirklichen Top-Klubs arm wie eine Kirchenmaus. Da dürfte eigentlich jeder und jedem klar sein, dass hier kein Wenger, kein Mourinho und auch kein Hiddink anheuern wird. Und kein Ronaldo, kein Ballack und kein Rooney.

Natürlich habe ich auch einen Trainer-Namen eingebracht: Terim. Weil ich aus vielen Ecken gehört hatte, auch von einigen „Matz-abbern“, dass Terim erstens nach Hamburg geflogen, und zweitens schon in der Stadt sein soll. Und da ich von einigen „Informanten“ dringend ermahnt worden bin, das nicht als lächerlich abzutun, habe ich mich an Ruud van Nistelrooy erinnert. Damals, Ihr erinnert Euch, rief mich „Eiche Nogly“ an und sagte: „Was läuft da mit van Nistelrooy? Erkundige dich mal beim HSV.“ Ich musste innerlich lachen, raffte mich dann aber doch auf – und es kam tatsächlich zu diesem Sensations-Transfer. Deswegen nun mein „Fall Terim“.

Ich habe ja auch absolut nichts gegen Spekulationen, aber eben nicht nur. Denn Fulham halte ich für absolut „überlebensnotwendig“. Zumal das Thema Trainer noch gar keines sein kann. Kann! Denn welcher Könner bindet sich jetzt an den HSV, obwohl noch gar nicht feststeht, ob es in der nächsten Saison wieder nach Europa geht? Jeder Coach, der einen guten und großen Ruf hat, der will international dabei sein. Und wenn schon nicht in der Champions League, dann bitte in der Europa League.

Übrigens: Ein guter, nein, einer meiner besten Freund (kein Kollege!) behauptet felsenfest, am Dienstag Markus Babbel auf dem Hamburger Flughafen gesehen zu haben. Abends. Er flog ab aus dem B-Bereich, also ins Ausland. Nun reimte sich mein Freund folgende Geschichte zusammen: „Babbel war hier, um mal auszuloten, ob er nicht mit seinem Lehrmeister Gerard Houllier, bei dem er einst in Liverpool kickte, zum HSV kommen können. Babbel als Assi von Chef Houllier.“ Schöne Geschichte, aber ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass da auch nur ein Hauch von Wahrheit dran ist.

Zum Spiel: Ich, der Pessimist, bin durchaus optimistisch. Dank Ricardo Moniz. Der ist Vollblut-Fußballer und Vollblut-Trainer. Und er kommt, das ist immer noch ganz erstaunlich für mich, sehr gut bei allen (!) Spielern an. Er wird ihnen den Hintern aufreißen. Vorher, währenddessen, nachher. Ganz sicher. Da gibt es keine Komplimente für NICHTS. Der Mann spricht die Wahrheit, und zwar schonungslos. Und sie alle, egal wer es ist und wie sie heißen, werden parieren. Und laufen, kämpfen, reinhauen!

Was mich auch optimistisch stimmt: Der HSV ist mit einer großen Delegation in London, die Stimmung ist heiter-optimistisch und locker-flockig. Dazu diese großartige moralische Unterstützung: Viele Aufsichtsräte sind dabei, dazu der Vorstand und sogar die diesmal nicht spielberechtigten Profis Bastian Reinhardt und Piotr Trochowski (Er wird mir in dieser so schweren Partie sehr fehlen! Gebe ich zu). Und außerdem zwei, nein, drei große Altmeister: Caspar Memering, Peter „Eiche“ Nogly (der wahre!) und Dr. Peter Krohn, der unvergleichliche HSV-Präsident. Der sagte bei der Ankunft in England (Wetter heiter bis wolkig) voller Vorfreude: „Dass ich mit dabei bin, bringt der Mannschaft vielleicht Glück, ich war zuletzt im Jahre 2000 mit dem HSV auf Reisen – damals siegte das Team überraschend 3.1 bei Juventus Turin.“ Lieber Dr. Krohn, ein 2:1 würde mir, würde uns allen schon reichen, sogar ein 1:1 – wenn dann die Engländer erst in der Nachspielzeit den Ausgleich erzielt hätten – und Abpfiff. Wegen der Herzinfarkt-Gefahr.
Geben Sie alles, Dr. Krohn!

Übrigens: Ich sprach am Vormittag mit Lotto King Karl. Der äußerte sich auch in Sachen „neuer Trainer“. Lotto sagte: „Wir alle sollten erst einmal abwarten, wie diese Saison endet. Endet sie noch versöhnlich mit vier HSV-Siegen, dann sollten alle bedenken, auch Ricardo Moniz eine Chance auf den Posten des Chef-Trainers einzuräumen.“ Ganz egal, ob der HSV dann den Coach aus dem Vertrag bei Red Bull Salzburg herauskaufen müsste – oder auch nicht. Da sind doch schon ganz andere Trainer aus ihren Verträgen herausgekauft worden, oder?

18.51 Uhr