Tagesarchiv für den 18. April 2010

Lotto ist unschuldig!

18. April 2010

Es ist ein Novum bei „Matz ab“, aber es muss sein: Die „Sache Lotto“ brennt mir unter den Nägeln, ich kann da nun keine Nacht mehr drüber schlafen. Ich muss etwas klar stellen, was schief gelaufen ist. Und was eigentlich schon behoben schien, denn in meinem letzten Bericht „Viel erzählt, nichts gesagt“, hatte ich am Ende deutlich herausgestellt, dass Lotto unschuldig ist. Ganz klar: Er hat nicht einen HSV-Fan beleidigt, er hat keinem einzigen HSV-Fan auf den Schlips getreten, er hat nur in eigener Sache kämpfen wollen. Ich wiederhole: In eigener Sache. Seine Worte sind dann nur im immer lauter werdenden Pfeifkonzert untergegangen.

Zum Glück gibt es die Technik. Mir liegt die Abmoderation des Mainz-Spiels von Dirk Böge (NDR-Moderator) und Lotto King Karl vor, ich schreibe sie nun Wort für Wort ab. Damit Ihr sehen könnt, was Lotto wirklich gesagt hat. Und damit die Pöbeleien gegen meinen Freund und unseren Kult-Sänger ein Ende haben:

Dirk Böge sagte unmittelbar nach dem Schlusspfiff: „Ja, Leute, dazu gibt es nichts mehr zu sagen.“ Dann Lotto: „Was ich abgefahren finde ist das: Respekt vor allen HSV-Fans, die Ihre Mannschaft angefeuert haben. Ich bin auch HSV-Fan.“ Dirk Böge unterbricht: „Sogar ein sehr großer.“ Lotto weiter: „So was kotzt mich an, dass man das jetzt abmoderieren soll, und dann beim Finale der Europa League, wenn wir es schaffen, nicht moderieren darf. Das finde ich unglaublich, und das erfahren wir dann aus der Zeitung. Das ist finde ich echt arm. Das ist die Überleitung, wir sehen uns am Donnerstag wieder. Respekt vor Euch, Leute, kommt gut nach Hause – was soll man sagen?“ Dirk Böge dazu dann auch noch. Einmal: „Respekt Leute, große Leistung von Euch, wir sehen uns am Donnerstag gegen Fulham wieder.“

Das ist der genaue Wortlaut, mehr ist nicht gesagt worden, es gibt also überhaupt keinen Grund, auf Lotto (und Dirk Böge) wütend, sauer oder sonst etwas zu sein. Nichts, aber auch nichts ist gegen Euch Fans gesagt worden. Bitte, bitte haltet Euch deshalb mit Beleidigungen oder Pöbeleien zurück, sonst könnte es passieren, was nicht passieren darf (in meinen Augen jedenfalls). . .

Und im Ernst: Der HSV, die Mannschaft und vor allem Ihr Fans – alle haben doch im Moment ganz andere Sorgen, als nun (fälschlich) über Lotto herzufallen.

Und um noch eine Berichtigung hinterher zu schicken: Beim letzten Gewinnspiel ist mir offenbar (zum zweiten Mal!) ein Fehler unterlaufen. Dafür entschuldige ich mich, es tut mir leid. Ich fragte nach einem HSV-Spiel in Mainz, das am 28. 7. 2003 stattgefunden haben sollte. Ihr habt es herausgefunden, dass dieses Spiel aber erst am 28. 8. 2003 stattgefunden hat. Es handelte sich dabei aber nicht um ein Bundesliga-Spiel, sondern um das Ligapokal-Finale gegen Borussia Dortmund (4:2). Weil einige dieses Spiel nicht gefunden hatten (einige aber sehr wohl!), ließen wir alle Antworten, auch wenn es nur eine (Christof Babatz) gegeben hatte. Aus diesem Topf der eingegangenen Lösungen wurden wie immer zwei Gewinner gezogen, es sind:

Sabine Grimm (zwei Eintrittskarten) und
Tobias Roggel aus Borchen in der Nähe von Paderborn. Herzlichen Glückwunsch. Frau Grimm war mit Töchterchen Sophie beim Mainz-Spiel (sorry dafür!), und das Trikot an Herrn Roggel ist auf dem Postweg in den Westen. Und das neue Gewinnspiel wird am Montag veröffentlicht, dazu dann auch wieder das zu gewinnende Trikot.

Bei der Gelegenheit sei noch einmal daran erinnert sein, dass bei „Matz ab“ im Sommer Eure persönliche „Sommergeschichte“ veröffentlicht werden. Bitte schickt diese Geschichte an die Internet-Adresse des Gewinnspiels, bitte aber stets mit dem Hinweis: „Sommergeschichte“. Ich werde aber demnächst noch einmal genauer auf diese Sache eingehen.

22.55 Uhr

Viel erzählt, nichts gesagt

18. April 2010

„Eine Erklärung für diese Leistung haben wir auch einen Tag danach noch nicht. Es war insgesamt eine enttäuschende Leistung, die sich bei den beiden Spielen zuvor, in Lüttich und in Bochum, so nicht angedeutet hat.“ Das waren die ersten Sätze, die HSV-Boss Bernd Hoffmann am Tag danach über die 0:1-Blamage seiner Mannschaft gegen Mainz 05 verlor. Aber dabei blieb es nicht. Hoffmann stellte sich. Und die Enttäuschung über diese miese Vorstellung des HSV war ihm immer noch deutlich anzumerken. Ernüchtert bezog er Stellung, aber irgendwie wirkte auch das Osterfest immer noch kräftig nach, denn: Bernd Hoffmann eierte kräftig herum. Er sagte: „„Ziel vor der Saison war das Erreichen eines Europapokal-Qualifikationsplatzes, das können wir jetzt in der Bundesliga nicht mehr aus eigener Kraft erreichen, das ist in der Europa League anders, deswegen müssen wir uns auf das Spiel am Donnerstag ganz besonders konzentrieren. Zumindest da haben wir es noch selber in der Hand.“ Hoffmann – der Optimist.

Er gab dann auch zu: „Platz sieben in der Bundesliga ist enttäuschend, da müssen wir gar nicht drum herum reden, das ist nicht das, was wir erwartet und auch angestrebt haben, aber es sind ja zwei Wettbewerbe, in denen wir spielen. In der Bundesliga ist das enttäuschend, in der Europa League haben wir noch alle Chancen.“

Um das brisante Thema Trainer und Trainer-Zukunft redete Bernd Hoffmann dann immer wieder kräftig und nach allen Regeln der Kunst herum. Die Fragen der versammelten Medien-Vertreter prasselten auf ihn ein, aber Hoffmann, in seinem weißen Hemd sommerlich-leger gekleidet, setzte stets elegant und leicht lächelnd zu einem verbalen Slalom an. Welche Konsequenzen sehen Sie für die Zukunft, Herr Hoffmann? Bernd Hoffmann wörtlich: „Also, Konsequenzen jetzt aktuell bis zum Donnerstag, und am Donnerstag haben wir ein wichtiges Spiel in der Europa League im eigenen und ausverkauftem Haus, und da bin ich mir sicher, dass die Mannschaft die richtige Reaktion zeigt.“ Weniger kann man mit diesen Sätzen nicht sagen, Respekt! Ich habe mir mein Band (des Aufnahmegeräts) mehrfach angehört, ich habe tatsächlich keine einziges Wort von Hoffmann weggelassen, nicht einmal ein Komma. Er hat es wirklich so gesagt. Nur deuten kann ich es immer noch nicht, aber das liegt vielleicht auch an mir und meiner Begriffsstutzigkeit.

Herr Hoffmann, glauben Sie, dass noch alles in Ordnung ist zwischen Mannschaft und Trainer? Bernd Hoffmann: „Also, die beiden Spiele in Lüttich und Bochum haben gezeigt, dass die Mannschaft die Möglichkeit hat, solche Spiele zu gewinnen. Diese Möglichkeit gab es auch am Sonnabend gegen Mainz, das aber hat funktioniert, deswegen ist es umso wichtiger, dass wir am Donnerstag die Möglichkeit nutzen.“ Auch diese Antwort wieder knapp daneben, wenn auch nur ganz, ganz knapp.

Dann diese Frage: Die Chemie zwischen Mannschaft und Trainer, stimmt die noch? Hoffmann: „Da kann ich mich nur daran orientieren, was ich auf dem Platz sehen. Und da war gerade das Spiel in Lüttich das beste Beispiel dafür, dass die Mannschaft exzellent funktioniert. Mit der Qualität, mit der Einstellung, mit der Leistung werden wir auch gegen Fulham erfolgreich sein.“ Er fügte noch hinzu: „Das Gesicht in der Bundesliga können wir nicht schönreden, das war nicht erfreulich in den letzten Wochen, umso wichtiger ist es, dass wir am Donnerstag unser Europapokal-Gesicht zeigen werden.“

Würde es dem HSV helfen, wenn der Trainer nicht mehr Bruno Labbadia hieße? Bernd Hoffmann zuckt mit den Schultern, wirkt ratlos, zögert ein, zwei Sekunden: „Diese Frage verstehe ich nicht.“ Nachfrage: Würde ein sofortiger Trainerwechsel helfen? Hoffmann: „Also, ich glaube, dass die Mannschaft schon exzellente Spiele gezeigt hat, dieser Trainer hat die Mannschaft ins Europapokal-Halbfinale geführt, wir gehen davon aus, dass er sie nicht nur ins Finale führt, sondern dass wir auch insgesamt noch ein Saisonende finden werden, da habe ich eine gute Hoffnung.“

Aber Herr Hoffmann, was ist mit dem Trainer? Hoffmann: „Unser Saisonziel können wir durch drei erfolgreiche Spiele in der Europa League erreichen, und das hat nichts, aber auch gar nichts mit dem Trainer zu tun.“ Und, Herr Hoffmann. zweifeln Sie am Trainer? Hoffmann: „Wir haben am Donnerstag ein extrem wichtiges Spiel vor der Brust, und bei den anderen Dingen – da drehen Sie mir ohnehin die Worte im Munde herum.“ Herr Hoffmann, sehen Sie denn eine Weiterentwicklung dieser Mannschaft?
Bernd Hoffmann: „Wenn wir die Europa League gewinnen, ist es die erfolgreichste Saison, die der Verein ist 1987 gespielt hat – seit 1983.“ Noch einmal nachgefragt, Herr Hoffmann, sehen Sie eine Weiterentwicklung? Bernd Hoffmann: „Wichtig ist, dass die Mannschaft in der letzten Saisonphase die richtige Reaktion zeigt. Und die richtige Entwicklung in diesen letzten paar Wochen nimmt. Dann sage ich, dass sich die Mannschaft weiterentwickelt hat. Weil: Schwächere Saisonverläufe am Ende heraus, das hatten wir in den letzten Jahren schon häufiger, jetzt gilt es, ein Ziel zu erreichen. Das ist uns in den letzten Jahren nicht gelungen, aber die Möglichkeit haben wir jetzt.“

Also ein Sieg in der Europa League würde demnach vieles kaschieren? Hoffmann: „Es kaschiert nichts, sondern es ist das größte Ziel, das dieser Verein in den letzten 25 Jahren erreichen kann.“ Nächste Frage: Herr Hoffmann. haben Sie nicht auch das Gefühl, dass die Spieler im Europapokal die gewisse Eigenmotivation haben, diesen Reiz, den Sie als Vorstandsvorsitzender auch verspüren, aber in der Bundesliga die Mannschaft dem Trainer dann überhaupt nicht folgt? Bernd Hoffmann: „ Ich verspüre diesen Reiz, wenn ich, so wie gestern, auf diese Arena zufahre: Volles Stadion, Rasen wie in Wimbledon, und so ein herrlicher Frühlingstag – die Motivationslage der Spieler kann ich mir dann aber nicht erklären.“

Letzte Frage an Bernd Hoffmann: Sie setzen also ganz auf die Karte Europa League-Titelgewinn? Der HSV-Chef: „Im Moment ist es so, dass wir den Sieg in der Europa League noch erreichen können, dazu bedarf es dreier exzellenter Spiele. Und in der Bundesliga würden uns selbst drei exzellente Spiele nicht reichen, wenn die Konkurrenz nicht mitspielen würde. Von daher sind unsere Möglichkeiten in der Europa League ganz klar besser.“

Natürlich. Wer gegen zehn Hannoveraner auf eigenem Eis ein 0:0 erkämpft, wer gegen Mainz 05, die bis dato schwächste Auswärtsmannschaft der Bundesliga, nur 0:1 verliert, der haut selbstverständlich auch im Halbfinale Fulham raus; und wer Fulham eliminiert, der fegt natürlich auch Atletico Madrid und erst recht den FC Liverpool weg. Motto: Wo steht das Klavier?

Was ich mich während des Mainz-Spiels gefragt habe: Wie denkt wohl Ruud van Nistelrooy? In was bin ich hier nur hineingeraten? Natürlich ist der Niederländer weit weg von Bestform, natürlich war er gegen Mainz gar nicht auf dem Rasen – aber er hatte vielleicht irgendwie gehofft, dass er von einer funktionierenden HSV-Mannschaft das eine oder andere Mal mitgerissen würde. Pustekuchen. Seit Jahresbeginn hat hier jeder mit sich selbst am meisten zu tun. Und, vielleicht symptomatisch für dieses Hamburger Team: Ich verließ die Arena am Sonnabend mit einem HSV-„Altinternationalen“. Als wir Männer diskutierten, sagte die Frau auf einmal: „Sie können sagen was sie wollen, für mich ist diese Mannschaft schlecht trainiert. Die Gegner wirken auf mich immer spritziger und lauffreudiger – da kann doch etwas nicht stimmen.“

Mein Empfinden, wenn ich diese Mannschaft vor dem Spiel auf den Rasen gehen sehe: Es ist keine Einheit, nicht im Ansatz erkenne ich eine Einheit. Da will keiner den Nebenmann mitreißen, keiner will helfen, keiner will motivieren. Sie schweigen sich alle an, und zwar 90 Minuten. Oft habe ich schon gedacht: Wenn Frank Rost auf dem Feld mit herum liefe, dann würde es so manches Mal lichterloh brennen. Der würde den Kollegen ganz kräftig in den Hintern treten. Zu erkennen ist das daran, weil Rost schon die Wut (oder das nackte Grausen) packte, als die Herren vor ihm solche Super-Kombinationen, solche Raum gewinnenden Wahnsinns-Ballstafetten ablieferten: Links, Mitte, rechts, rechts, Mitte, links – und zurück zum Torwart. Diese Prozedur kürzte Rost so ab der 30. Minute ab, indem er den Ball wuchtig (und wütend?) nach vorne prügelte. Es war (und ist) ja auch nicht mehr zum Aushalten. Es ist wirklich armselig und absolut hilflos, wie dieser HSV um ein Offensivspiel bemüht ist. Er kann es ganz einfach nicht. Nicht mehr. Alles vorbei.

Übrigens ist Frank Rost nach dieser erneuten Heim-Pleite aus dem Mannschafts-Rat des HSV zurückgetreten. Ein Schritt, der Bände spricht. Das muss man nicht kommentieren, das ist schon für sich ein Kommentar.  Über seine Gründe, siehe www.frank-rost.com.In diesem HSV stimmt nichts mehr, absolut nichts.

Stand jetzt.

Ein Wort schnell noch zum Schluss-Kommentar von Lotto King Karl (nach dem Mainz-Spiel): Lotto hat nicht die pfeifenden Fans kritisiert („Die dürfen pfeifen“), als er sagte „es kotzt mich an“. Es war vielmehr darauf gezielt, dass Lotto bei einer eventuellen Final-Teilnahme des HSV kein Stadionsprecher sein würde. Dieser Job wurde Marek Erhardt übertragen. Höchst ungerecht wie ich meine, denn Lotto holt (gemeinsam mit Carsten Pape) hier seit Jahren die Kastanien aus dem Feuer, und wird dann übergangen, wenn es mal ein Highlight gibt.

Ich wünsche nun allen HSV-Fans so wunderschöne Träume, wie sie der Vorstands-Vorsitzende hat.

17.32 Uhr