Tagesarchiv für den 16. April 2010

Gegen Mainz ohne Panzerechse

16. April 2010

Vielen Dank erst einmal für die vielen Genesungswünsche. Frau M. und ich haben uns bei einigen Formulierungen köstlich amüsiert, und meinem Kollegen Christian Pletz habe ich kurzerhand den Spitznamen „Seuchenvogel“ verpasst – aber nur aus Spaß. Er war heute für mich beim Abschlusstraining und hat sich nach den Turbulenzen der vergangenen Tage (Boateng, Petric usw.) mal ganz und ausschließlich auf Hinweise für das morgige Heimspiel gegen Mainz 05 gestürzt. Klar, dass dabei auch wieder eine kleine Negativnachricht mitgebracht wurde. Wir müssen auf den Einsatz des „Eichhörnchens“ verzichten. Diesmal wäre der Spitzname „Panzerechse“ wohl passender gewesen, denn Jonathan Pitroipa wurde wegen seines Rippenanbruchs ja ein Brustpanzer verpasst. Doch trotz der Schutzvorrichtung kam „Pit“ nicht schmerzfrei durch die Einheit. Erst probte er unauffällig (und mit neuer Kurzhaarfrisur) im Kreise der Kollegen, dann legte er eine Belastungseinheit mit Schmerztest gemeinsam mit Techniktrainer Ricardo Moniz hin. Ergebnis: Kopfschütteln aller Beteiligten. Bruno Labbadia sagte: „Das wird leider nichts für morgen!“

Nun gut, die Anfangself steht auch ohne Pitroipa. Vor Torwart Frank Rost werden Guy Demel, Jerome Boateng, Joris Mathijsen und Dennis Aogo als Viererkette fungieren, davor spielen die „Sechser“ Zé Roberto und David Jarolim sowie „T&T“ auf den Außenpositionen: Robert Tesche (rechts) und Piotr Trochowski (links). Im Angriff fällt die Wahl mangels Alternativen leicht: Ruud van Nistelrooy und Marcus Berg sind gesetzt.

Ich habe mich extra nach den letzten Eindrücken erkundigt. Demnach sollen Demels Flanken von rechts alles andere als verheißungsvoll gewesen sein, gleiches gilt für Trochowskis Freistöße von links. Einige Eckbälle von Aogo sollen noch am gefährlichsten gewesen sein, wobei es muntere und inhaltsstarke Diskussionen mehrerer Stamm- und Führungsspieler gab, was die richtige Positionierung im Strafraum betrifft. Endlich einmal, so ist es mir spontan in den Kopf geschossen, endlich geht es wieder mal um fußballerische Inhalte. Ich sehe es, wie im letzten Beitrag ja auch schon deutlich gemacht, nämlich wie viele von Euch: Die sogenannten Nebenkriegsschauplätze dürfen jetzt in dieser Saisonphase einfach keine Rolle mehr spielen, damit ginge nur wertvolle Energie verloren.

Wer weiß: Vielleicht gibt es gegen Mainz ja sogar eine Überraschungseinwechslung eines zuletzt nicht mehr oft im Training gesehenen Talents: Offensivallrounder Maximilian Beister arbeitete heute Nachmittag jedenfalls fleißig mit (wie auch Sören Bertram). Da könnte ein Einsatz von der Ersatzbank aus winken.

Ich möchte dem HSV übrigens einen kleinen Servicetipp geben: Am Eingang des Trainingsplatzzuschauerbereichs sollte der Klub eine Sammlung aller Porträts inklusive Namen und Rückennummern anbringen (zur nächsten Saison). Gerade jetzt, da viele Urlauber und Tagesausflügler (aus Schleswig-Holstein) anreisen und sich die Entwicklung ihres Vereins anschauen oder Autogramme haben wollen, würde sich das lohnen. Dann brauchen sich Experten und Dauerzuschauer, also die sogenannten Kiebitze, auch nicht darüber aufzuregen, dass es so viele Verwechslungen gibt. Auszüge aus Gesprächen von heute: Zuschauer zum anderen: „Wie heißt der lange Pole da noch mal, der Innenverteidiger spielt?“ Der andere: „David Rozehnal, ist aber ein Tscheche!“ Und auf der gegenüberliegenden Seite behauptet ein Fan: „Der da, der mit der Mütze, der gerade die vielen Autogramme schreibt, das ist ein richtig netter: Marcell Jansen.“ Pech nur, dass Jansen Krafttraining in der Nähe der Umkleiden machte und gar nicht vom Platz gehen konnte. Der wirklich fleißige Schreiber hieß Berg. Da könnte doch Abhilfe geschaffen werden, oder? Habt Ihr andere Vorschläge?

Ich bin übrigens hin- und hergerissen, was meine Prognose für das Duell gegen den FSV betrifft. Einerseits ist der HSV trotz aller Personalmiseren nach wie vor so hochkarätig besetzt, dass Labbadias Mannschaft die Mainzer eigentlich souverän dominieren müsste. Andererseits gibt es aber auch im Kader der Gäste, die übrigens per Zug nach Hamburg gereist sind, ein paar Profis, die jeder Bundesligamannschaft erhebliche Probleme bereiten können. Ich denke da vornehmlich an Aristide Bancé, den Boateng möglichst schon zu Beginn zeigen muss, wer Herr im Haus ist, denn dann kann dem technisch mitunter begnadeten Angreifer schnell die Lust vergehen.

Ganz wichtig wird sein, dass der HSV von Anfang an so druckvoll agiert, dass der Funke vom Rasen auf die Ränge springt. Ich bin mir trotz einiger Differenzen bei den letzten Heimspielen sicher, dass die Anhänger beim offensichtlichen Bemühen ihres Teams auch die notwendige Geduld aufbringen werden, um ein möglicherweise lange torloses Spiel zu ertragen. Ein fußballerisches Festival erwarte ich nämlich nicht gerade.

Ein paar Kleinigkeiten noch für den heutigen Tag. Erstens hat Eljero Elia eine gesteigerte Laufeinheit auf dem Rasen absolviert, die manchen Zuschauer beeindruckt hat und Hoffnungen schürt, dass der Niederländer kurz vorm Saisonende vielleicht doch noch einmal ins Mannschaftstraining und auch in den Kader zurückkehren wird.

Und außerdem möchte ich heute vielen, vielen Fans mein Beileid ausdrücken, die sich vergeblich um eine Eintrittskarte für das Europa-League-Halbfinalrückspiel in Fulham bemüht haben. Ich habe von so vielen Fans gehört, die zum Teil sogar Flüge nach London sicher haben, die aber heute Morgen um 10 Uhr bei der Onlinevergabe der knapp 1200 Tickets in die Röhre geguckt haben. Ich gehe fest davon aus, dass es in London eine HSV-Party mit mindestens 5000 Anhängern geben wird – wenn auch nur mit einem Bruchteil davon im Stadion.

Und noch etwas zum Thema Fans, das mich vom Supporter-Mann Ralf Bednarek erreicht hat. Die „Operation Rathausmarkt“ zum Lüttich-Spiel mit den Aufkleber und Buttons war ein so großer Erfolg, dass sie verlängert und erweitert wird. Für die Spiele gegen Mainz und Fulham werden 40.000 Aufkleber im Stadion (Nordtribüne) verteilt. Vor beiden Spielen werden in der SC-Botschaft T-Shirts mit dem aufgedruckten Logo zur Aktion für 5 Euro (entspricht dem Einkaufspreis!) zu kaufen sein.

Na, das macht doch Appetit.

Und zum Schluss noch schnell eine Info in eigener Sache: Das Gewinnspiel, das aus technischen Gründen leider noch immer auf dieser Seite zum Mainz-Spiel steht, ist natürlich schon beendet. Die Gewinner wurden benachrichtigt, und ab Montag wird es neue Fragen geben.

19:08 Uhr