Tagesarchiv für den 15. April 2010

Petric gibt mir Rätsel auf

15. April 2010

Ich muss ehrlich sagen, dass ich heute Morgen etwas gestutzt habe, nachdem ich alle Zeitungen gelesen hatte. Da las ich nun die „Nebengeräusche“ zu Mladen Petrics Verletzung und bekam das Gefühl vermittelt, als sei Trainer Bruno Labbadia nun auch noch für den Ausfall des Kroaten verantwortlich. Ganz ehrlich: Das geht mir dann doch einen Schritt zu weit. Dass sich Petrics Blessur jetzt auch noch als Muskelfaserriss herausgestellt hat, dass der Stürmer damit zwei bis drei Wochen lang ausfallen wird, ist bitter, aber ganz bestimmt nicht mit Labbadia zu begründen. Ich halte es da ganz einfach mit der Logik: Ist ein Spieler verletzt oder angeschlagen oder fühlt sich nicht gut (das deutete Petric in seinen verschlüsselten Äußerungen ja an), dann kann er auch nicht in der Übungseinheit auflaufen. Und wir reden hier ja nicht über einen 18-jährigen Jungspund, der seinen Körper vielleicht noch nicht kennt und aus Angst vor dem Verlust um einen Platz im Kader an jeder Einheit teilnehmen will, also falschen Ehrgeiz hat. Wir reden über einen erfahrenen Kicker mit großen Ambitionen und großem Leistungspotenzial, der sich – leider, leider – nun verletzt hat.

Ich kann Petrics Äußerungen vor allem vor einem Hintergrund nicht nachvollziehen: Sie schüren erneut Unruhe, obwohl diese das Letzte ist, was der HSV in den letzten Wochen der Saison und den spannenden Aufgaben in der Liga und in der Europa League gebrauchen kann. Und ich unterstelle einem Spieler wie dem Kroaten einfach mal, dass er sich der Konsequenzen seiner Worte bewusst ist. Warum also macht er so schwammige Aussagen in Sachen Trainingsteilnahme? Das wird wohl vorerst Petrics Geheimnis bleiben.

Jedenfalls sorgte er auch heute nach der Trainingseinheit nicht für Aufklärung. Er beschrieb die Szene von gestern als „doofe Situation“, die Entscheidung seiner Trainingsteilnahme sei „im Team“ entstanden. Und er habe jetzt das Gefühl, es habe sich um ein „Kommunikationsproblem“ gehandelt. Ja, was denn jetzt? Trainer Bruno Labbadia sagte fast zeitgleich auf der Pressekonferenz: „Ich habe ihn gefragt, ob es geht, und er hat gesagt, er möchte auf den Platz.“

Ganz ehrlich: Ich habe überhaupt keine Lust auf diesen Kinderkram. Können sich erwachsene Männer nicht mal für vier Wochen zusammenreißen und alles nur Erdenkliche für den gemeinsamen Erfolg tun? Es geht hier um mehr als Eitelkeiten, stille Post oder beleidigte Leberwürste. Es geht auch um mehr als Abschiedsgedanken oder zwischenmenschliche Konflikte. Es geht um den HSV und eine fast historische Chance, das langjährige Titeltrauma zu verbannen. Darum richte ich jetzt mal einen Appell an alle Beteiligten: Reißt Euch mal zusammen!

Ich weiß selbst, dass diese Worte im Zirkus Profifußball niemanden wirklich interessieren. Aber ich finde, dass die aktuelle Personallage ernst genug ist, um sich mit 100 Prozent Zuwendung und Konzentration auf sie zu stürzen. Was den Angriff betrifft, ist die Lage jedenfalls eindeutig. In der Bundesliga, in der Paolo Guerrero ja wegen seines Trinkflaschenwurfs gesperrt ist, dürften Ruud van Nistelrooy und Marcus Berg erste Wahl sein, in der Europa League kämen dann die Duos van Nistelrooy/Berg oder van Nistelrooy/Guerrero in Frage. Berg und Guerrero natürlich auch – aber das dürfte eher die Lösung C sein.
Heute ließ Labbadia schon einmal seine wahrscheinliche A-Elf für das Heimspiel gegen Mainz probieren. Mit Rost im Tor, der Viererkette Demel, Boateng, Mathijsen, Aogo, dem Mittelfeld Tesche, Zé Roberto, Jarolim, Trochowski und dem Angriff van Nistelrooy/Berg . Da ich selbst wieder nicht beim Training sein konnte – Ihr werdet es kaum glauben, ich habe mir einen Muskelbündelriss beim Fußball zugezogen -, hat mir Christian Pletz geschildert, dass die fußballerische Harmonie der Spieler auf dem Rasen recht gut war. Allerdings sagte er mir auch, dass sich die Abwehrspieler bei der Spieleröffnung doch zum Teil haarsträubende Abspielfehler erlaubt haben. Erst 30-35 Metern vor dem Tor klappte es besser. Und er sagte mir zudem, dass er eine fast gespenstische Ruhe während der Einheit festgestellt hätte. Ist das Team etwa auch geschockt vom Petric-Ausfall?

Meines Erachtens tut Labbadia gut daran, wenn er Tunay Torun einmal eine Pause gönnt und ihn bei Bedarf nur von der Bank einsetzt. Irgendwie ist dem Nachwuchsmann die Leichtigkeit und Unbekümmertheit abhanden gekommen, die ihn einst in dieses Team gebracht haben.

Sollte Labbadia gegen die Mainzer doch noch etwas verändern (im Vergleich zum heutigen Training), gehe ich von einer Aufstellung Jonathan Pitroipas aus (statt „Troche“ oder Tesche). Allerdings hat der Mann aus Burkina Faso ja ein Rippenproblem (angebrochen) und wird einen Spezialschutz tragen. Ich könnte mir daher gut vorstellen, dass er ich erst einmal draußen lässt und schont. Das Eichhörnchen wird gegen Fulham noch ganz wichtig werden, da bin ich mir sicher.

Ansonsten gibt es nicht viel Neues. Marcell Jansen läuft wieder ohne Gips und fliegt am Montag zur finalen Untersuchung nach München. Insgeheim hofft er immer noch auf seine WM-Teilnahme und ist entsprechend motiviert beim Krafttraining. Ich selbst arbeite ebenfalls an meiner Genesung, um wieder voll einsatzfähig für und mit Euch am HSV dran zu bleiben.

PS: Falls Ihr Euch wundert, dass ich das Thema Michael Ballack hier noch nicht behandelt habe, kann ich Euch nur sagen: Ich glaube nicht daran, dass er zum HSV kommt. Er will noch ein, zwei Jahre auf allerhöchstem europäischen Niveau, also in der Champions League spielen. Und das ist beim HSV leider nicht möglich. Noch nicht.

17:55 Uhr