Tagesarchiv für den 11. April 2010

Labbadia: “Das Glück erarbeitet”

11. April 2010

Wieder auf Platz sechs! Ein Glück! Der HSV besiegt den Abstiegskandidaten VfL Bochum mit 2:1 und darf weiter darauf hoffen, dass er auch ohne den noch möglichen Titelgewinn in der Europa League in der nächsten Saison international spielen wird. Es war der erste HSV-Sieg seit vier erfolglosen Spielen, jetzt hat der HSV 17 Punkte aus den 13 Rückrunden-Spielen geholt. Und für die Rechnung, die Klub-Chef Bernd Hoffmann immer aufstellt: „22 Spiele, sechs Siege.“ Bochum war stets ein „Schweinepflaster“ für den HSV, auch diesmal gab es ein schweres und vor allem ein sehr durchwachsenes Spiel der Hamburger. „Wir haben uns das Glück erarbeitet“, stellte Bruno Labadia aber nach dem Schlusspfiff erleichtert fest. Er hatte seiner Mannschaft mit risikoreichen Wechseln entscheidende Unterstützung geleistet – alles wird gut.

Für den verletzten Jonathan Pitroipa kam – erwartungsgemäß – Tunay Torun in die Start-Elf. Auch wenn der kleine Türke auf der linke Seite zum Einsatz kam. Rechts blieb Robert Tesche, auf den Sechser-Positionen David Jarolim und Ze Roberto.

Zu Torun sei gesagt: Eine richtige Entscheidung des Trainers. Torun hatte nach 14 Minuten die erst HSV-Chance, als er aus 22 Metern geschossen hatte, doch Torwart Heerwagen parierte den Ball mit Mühe. Zuvor hatte Bochum das Spiel bestimmt, hatte der HSV die Anfangsphase verschlafen und irgendwie auch um das erste Gegentor gebettelt.

Um noch einmal auf Torun zurück zu kommen: Weshalb ihn der Trainer aufgestellt hat, war durchaus zu sehen, denn in der Rückwärtsbewegung ist er schnell, schaltet bei einem abgefangenen HSV-Angriff sofort um auf Defensive und hilft dabei, zu verteidigen. Ja, und nach vorne macht er ja auch noch einige gute Dinge. So wie in der 37. Minute, als er in den VfL-Strafraum eindrang und von Pfertzel gelegt wurde. Schiedsrichter Stark stand ungefähr sechs Metern entfernt und – ließ weiterspielen: Arme ausbreiten heißt bei einem Unparteiischen so viel wie da war nichts. War es aber doch, denn Pfertzel hatte den Ball einwandfrei nicht gespielt, es hätte ganz klar Elfmeter für den HSV geben müssen.

Irgendwie aber passte diese Fehlentscheidung zu Wolfgang Stark. Der war zuletzt heftig von Leverkusens Sportchef Rudi Völler kritisiert worden. Der Vorwurf von „Tante Käthe“: „International pfeift Stark weniger pingelig, lässt er das Spiel mehr laufen.“ Diese Schelte hatte offenbar ihre Wirkung nicht verfehlt, denn besonders Mladen Petric hatte unter Stark zu leiden. Oft wurde der Hamburger Torjäger gefoult, aber Stark sah nichts. Und als Petric dann (nach einem Ballverlust von ihm) nachsetzte und einen Bochumer an der Mittellinie zu Fall brachte, gab es die erste Gelbe Karte des Spiels. So kann es gehen. Und noch einmal zu Stark: Als Torun in der 33. Minute auf der Linksaußen-Position von Pfertzel umgetreten worden war, lief der HSV-Angriff vielversprechend weiter, Vorteil entschied Stark vollkommen richtig. Gleichzeitig zeigte er auf den Bochumer Übeltäter, gerade so, als wolle er ihm bei nächster Gelegenheit Gelb unter die Nase halten. Der Ball lief aber noch zwei Minuten ohne Unterbrechung, und dadurch entfiel diese Gelbe Karte wohl. Da hatte der portugiesische Schiedsrichter Proenca in Lüttich doch ein viel besseres Erinnerungsvermögen – falls Ihr Euch an die späte Gelbe Karte für HSV-Spieler Tesche erinnert. . .

In Bochum hatte Petric Gelb in der 43. Minute gesehen. Zu diesem Zeitpunkt stand es schon 1:1. Endlich einmal hatte der HSV einen Eckball zu einem Tor genutzt. Dennis Aogo von rechts, Kopfball Robert Tesche, der den Bochumer Maric anköpfte – 0:1. Tesches erstes Bundesliga-Tor für den HSV. Eine großartige Szene des ehemaligen Bielefelders (17.). Kommentar der neben mir sitzenden und jubelnden Frau M.: „Du hast ja immer moniert, dass nach Ecken für den HSV nichts passieren würde, nun aber. Es geht doch!“ Treffer!

Und hätte Petric danach seine riesige Möglichkeit zum 2:0 genutzt (Heber über Torwart Heerwagen und das VfL-Tor), dann wäre das eventuell schon eine Vorentscheidung gewesen. Aber hätte, wenn und aber zählt nicht, denn kurz darauf hieß es 1.1. Bochums Pfertzle hatte sich gegen Torun durchgesetzt und geflankt, Epalle legte in der Mitte auf Strafraumhöhe per Kopf ab, und Dedic, der zuvor schon zwei Chancen gehabt hatte (einmal ein fulminanter Pfostenschuss), traf aus 20 Metern mit links, unhaltbar für Frank Rost (32.) – 1:1.

Gut beim HSV in den ersten 45 Minuten: Ze Roberto hat sich offenbar wieder erholt. Bis auf einen großen Abspielfehler zeigte er sich lauffreudig, zeigte auch seine großartige Technik am Ball und verteilte die Kugel klug. Vorne lief es nicht so rund wie zuletzt in Lüttich: Petric war bemüht, aber so richtig wollte ihm nichts gelingen, und Ruud van Nistelrooy war wohl nur gefühlte (!) sechs, sieben Mal am Ball, ohne dabei aber Torgefahr zu entwickeln. Der Niederländer ging wieder einmal weite, ganz weite Wege zurück, aber das muss wohl so aus taktischen Gründen sein.

Zum zweiten Durchgang kam dann Piotr Trochowski für Torun, der wohl leicht verletzt war, oder? Anders kann ich mir diesen Wechsel nicht erklären, denn ich glaube nicht, dass ihn Labbadia freiwillig vom Platz genommen hätte. Ich glaube es einfach nicht. Zur Leistung von „Troche“ werde ich mich nicht äußern, nur noch einmal seinen Kritikern ins Gebetbuch geschrieben: Was bitte ist das für ein Argument für eine Nichtberücksichtigung des Nationalspielers: „Weil er zu viele dumme Interviews gegeben hat . . .“ Bitte mal überdenken.

Der HSV quälte sich in Halbzeit zwei mehr oder weniger nach vorne, spielte den Bochumern oft die Bälle in die Füße – so richtig gut und rund lief es nicht mehr. Der Kraftverlust von Lüttich machte sich ein wenig bemerkbar, obwohl es die Mannschaft bis zum Schluss lief und kämpfte. Labbadia brachte Marcus Berg für Guy Demel (der wieder unglaubliche Abspielfehler in seinem Repertoire hatte!) und Tomas Rincon für Tesche (der nicht enttäuschte!) und zeigte damit allen, dass er dieses Spiel gewinnen wollte. Eine sehr gute Vorgabe an seine Mannschaft. Die besten Torchancen des zweiten Durchgangs aber hatte der VfL Bochum. Für den HSV vergab einmal van Nistelrooy, der am langen Eck vorbei schoss.

Aber: Ich hatte ja einen 2:1-Sieg des HSV versprochen. Und den gab es dann auch. Etwas glücklich, aber das gehört dazu. Ein Traumangriff, der beste Angriff des HSV in der 88. Minute. Berg erkämpfte sich den Ball, spielte zu van Nistelrooy, der lief einige Schritte, bediente Trochowski und der den ihn überlaufenden Ze Roberto. Schulmäßiger geht es nicht! Traumhaft. Der „große Ze“ passte von links zur Mitte, und dort hatte Ruud van Nistelrooy Position bezogen und lenkte den Ball ein – mit Unterstützung des Bochumers Johansson. Ende.

Nein, nicht ganz. Kommentar des HSV-Trainers zum 2:1-Siegtreffer: „Das war sehr, sehr wichtig, wie sich Marcus Berg den Ball erkämpft hatte, und wie er dann Ruud van Nistelrooy anspielt, und Ruud dann weiter zu Ze Roberto. Das war schon sehr wichtig, auch für Marcus Berg.“

Hatte er da nicht einen Spieler vergessen? Egal, Sieg!

17.40 Uhr (hatte diesmal Sendeschwierigkeiten)

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